HEINO – aus dem Kuriositätenkabinett: Schon in den 1970ern aktiver TierschĂĽtzer Kommentare deaktiviert fĂĽr HEINO – aus dem Kuriositätenkabinett: Schon in den 1970ern aktiver TierschĂĽtzer

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Aktuell ist HEINO wieder auf Tour. Sein über Jahrzehnte gewachsenes Repertoire ist einzigartig. Ein Lied steht allerdings im Schatten und war seiner Zeit offensichtlich voraus. Schon in den 1970er Jahren setzte sich der Volkssänger für Tierschutz und damit für Umweltschutz ein. EBERHARD KULLA hat für schlagerprofis.de noch mal die Hintergründe aufgezeichnet:

Heino und „Das Robbenlied“

Über tausend Titel hat Deutschlands größter Volkssänger HEINO aufgenommen, doch dieses sticht aus dem Repertoire von Heino hervor: „Das Robbenlied“. 1978 auf dem bei EMI Electrola erschienenen Album „Seine großen Erfolge 6“ erstmals veröffentlicht, ist es eines seiner wenigen sozialkritischen Lieder. Bekannt geworden mit Volks-, Fahrten- und Wanderliedern, machte er sich nun für den Schutz der Robben stark.

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Maßgeblich zum Schutz der Robben hatte zunächst BRIGITTE BARDOT beigetragen. 1977 sorgte das Bild des französischen Filmstars mit einem Robbenbaby im Arm in Europa für einen Boykott von Seehundfellen. Es war der Journalist und Umweltschützer FRANZ WEBER, der die BARDOT auf die Eisschollen Neufundlands holte, um gegen das scheußliche Abschlachten der Weißpelze zu protestieren.

Dieses Ereignis war der Anlass fĂĽr das Team um HEINO, auch etwas zum Schutz der Robben beizutragen. Im Ergebnis entstand folgendes anklagendes Lied:

Das Robbenlied (L’enfant au manteau blanc)

M+Orig. Text: R. Gachner, Dt. Text: J. Röckelein

Weit von hier, auf ewigem Eis, lebt ein Wesen, zart und weiĂź,
neu geboren, froh und frei,
dass es immer glĂĽcklich ist.

Warm im Pelz, von Gott gemacht,
von der Mutter gut bewacht,
blickt es sorglos in die Welt,
die so schön und wohlbestellt.

Denn noch kennt es ja die Menschen nicht!
Denn noch kennt es ja die Menschen nicht!

 Doch eines Tag’s sind sie da,
und wo das Robbenkind war,
ist das Eis vom Blute rot.
Mitleid kennen sie nicht,
denn dafĂĽr zahlt man ja nicht,
fĂĽr sie gilt das Gebot:
FĂĽr den Pelz schlag ich dich tot.

Friedlich ist die Welt,
bis der Knüppel niederfällt.
Elend hat der Mensch gebracht
in die weiße Märchenpracht.

Sie ziehen tötend über’s Eis,
Muttertiere wimmern leis,
die Augen vor Entsetzen weit,
ĂĽber soviel Grausamkeit.

Und ich schäme, ja, ich schäme mich,
denn es sind ja Menschen so wie ich.

Wenn das Eis blutrot,
und wenn die Kleinen sind tot,
fahr’n sie froh nach Haus zurück.

Denn die Ernte war gut,
und was macht schon das Blut,
denn das bleibt ja zum GlĂĽck,
auf dem Eise zurĂĽck.

Jetzt ist die Geschichte aus.
Denn der Rest geschieht zu Haus,
jeder Pelz ist ein Gedicht,
so ein Pelz der schreit auch nicht.

Und schon bald geht’s wieder raus:
das Geschäft, es zahlt sich aus.
Nicht aus Hunger, nicht aus Not,
für den Luxus schlägt man tot.

Ja, ich schäme, ja, ich schäme mich!
denn es sind ja Menschen so wie ich.

Sozialkritischer Text, musikalisch konservativ

Trotz des ungewöhnlichen Textes bleibt sich Heino musikalisch treu: Zu Gitarrenklängen im Countrystil erklingt Heinos markante Baritonstimme. Besonders wichtige Zeilen werden nach dem Call-and-response-Prinzip von einem ausschließlich aus Damen bestehenden Backgroundchor wiederholt – so auch die Liedzeile „Ich schäme mich / Ja, ich schäme mich“, die das Lied beendet.

HEINO und RALF BENDIX verzichteten auf ihre Lizenzen für das Robbenlied und spendeten einen Betrag von über 5000 DM an die Robbenschützer. Auch der HEINO-Haupt-Fanclub sammelte bei seinen Mitgliedern Geld für die gute Sache, das an das „Europäisches Komitee zum Schutze der Robben und anderer Pelztiere“ weitergeleitet wurde.

Medienwirksam sang es Heino in der Umweltsendung des WDR „Arche 2000“, die ein Jahr zuvor erstmals über den Bildschirm geflimmert war, und stellte seine dafür erhaltene Gage ebenfalls den Robbenschützern zur Verfügung. Während seines Auftritts wurden grausame Bilder von Robbentötungen gezeigt.

Im kurzen Interview mit Moderator ALFRED THORWARTH betonte der Volkssänger seine Verbundenheit mit allen Tieren: „Ich kann die Bilder nicht vergessen, die ich in der Presse und im Fernsehen gesehen habe, wie man diese Robben totschlägt. Ich finde, es ist eine gute Sache, wenn sich Tierschutzverbände zusammentun und dagegen angehen.“ Sein Lied verstehe er als einen kleinen Beitrag dazu.

Quelle: WDR, Arche 2000, 17.01.1979

Der Verband der Deutschen Rauchwaren-und Pelzindustrie reagierte mit einem bösen Brief und der indirekten Drohung einer Klage an Heinos damalige Plattenfirma:

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WDR erinnert an HEINOs Engagement

Im vergangenen Jahr war es wiederum der WDR, der das Lied in der Dokumentation „Tiere total“ in Erinnerung rief und Ausschnitte aus Heinos Auftritt bei „Arche 2000“ zeigte: Hier wurde von den interviewten prominenten Tierfreunden anerkennend darauf hingewiesen, dass Deutschlands damals umsatzstärkster Sänger sich durchaus dem Risiko aussetzte, dass sich eher konservative Fans von ihrem Star abwenden könnten.

Doch auch wenn das Lied heute wohl fast vergessen ist – geschadet hat es ihm nicht. Ăśber 50 Millionen Schallplatten hat der Volkssänger seit seinem Durchbruch 1965 verkauft, und in diesem Jahr ist er mit seinem Tourneeprogramm „HEINO goes Klassik – Ein deutscher Liederabend“ endlich wieder live zu erleben.

(Danke an EBERHARD KULLA fĂĽr diesen Artikel!)

 

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