KERSTIN OTT u. a.: HR berichtet über „Die Kraft des Schlagers“ 1

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Ungewöhnlich: Kultursendung widmet sich dem deutschen Schlager

Was das Feuilleton vom deutschen Schlager hält, das wissen wir seit langer Zeit. In der gesamten Kulturszene war es eigentlich immer schon so, dass völlig undifferenziert der deutsche Schlager und seine Protagonisten „totgeschwiegen“ wurde oder aber als Musik der – vorsichtig gesagt – geistig weniger gebildeten Menschen angesehen wurde. Auch wenn – und da ist sicher insbesondere HELENE FISCHER zu danken, aber auch anderen Protagonisten des deutschen aktuellen Schlagers – es noch immer Berührungsängste gibt, ist es inzwischen schon so, dass durchaus schon mal zwischen den AMIGOS und ROLAND KAISER oder KERSTIN OTT differenziert wird.

Exkurs: Facebook-Aufruf „Alarmstufe Rot“

Wie sehr die deutsche Künstler- und Musikszene „zusammenhält“ (nämlich leider noch immer gar nicht), sieht man an einem interessanten Facebook-Statement, bei dem sich viele prominente Kulturschaffende zusammentaten und einen offenen Brief schrieben. Unterzeichner waren: Carolin Kebekus | Tobias Mann | Atze Schröder | Bastian Pastewka | Bela B | Bodo Wartke | Bülent Ceylan | Chris Tall | Christoph Sieber | Dagmar Schönleber | Daphne de Luxe | David Kebekus | Dieter Nuhr | Donots | Dr. Eckart von Hirschhausen | Eure Mütter | Felix Lobrecht | Florian Schroeder | Gaby Köster | Gerburg Jahnke | Gregor Meyle | Hazel Brugger | Heinrich del Core | Helmut Schleich | Hugo Egon Balder | Ines Anioli | Jeannine Michaelsen | Johann König | Johannes Oerding | Kasalla | Lisa Feller | Luke Mockridge | Mario Barth | Markus Krebs | Martin Frank | Max Giermann | Max Mutzke | Michael Mittermeier | Micky Beisenherz | Niedeckens BAP | Olaf Schubert | Özcan Cosar | Querbeat | Peter Maffay | Paul Panzer | Ralf Schmitz | Ralph Ruthe | Sasha | The BossHoss | Tobias Künzel (Die Prinzen) | Torsten Sträter | Wolfgang Haffner.

Was fällt uns da auf? Richtig: Es ist genau KEIN Schlagerstar dabei. Das ist übrigens einer der Gründe, warum wir dieses Thema stiefmütterlich behandeln. Auch im Jahr 2020 wird der Schlager noch immer ausgegrenzt. Wir sind ziemlich sicher, dass ein ROLAND KAISER oder ein HOWARD CARPENDALE den offenen Brief mit unterzeichnet hätten. ROLAND KAISER hat ja auf der Veranstaltung höchstselbst das Wort ergriffen. Ob die Unterzeichner wohl auch alle in Berlin bei der Kundgebung waren? Zweifel sind da erlaubt. – Kaiser und Carpendale wurden offenbar nicht gefragt, ist ja „nur“ Schlager. Lieber holt man sich einen LUKE MOCKRIDGE ins Boot, der ja im ZDF-Fernsehgarten bewiesen hat, was er für ein Niveau hat und vor allem, was er von kollegialem Zusammenhalt hält. Das aber nur nebenbei, es passte eben gerade an dieser Stelle.

Großes Lob an den HR: „Hauptsache Kultur“ scheint ohne Vorurteile über den Schlager zu berichten

Man stelle sich vor, „Aspekte“ berichte mal nicht über das neue Album von KONSTANTIN WECKER, sondern von ROLAND KAISER. Künstlerisch dürften sich die Herren nichts tun, sie arbeiten beide sprachlich auf hohem Niveau und packen auch mal heiße Eisen an. Das „Schlager“-Etikett ist einfach wichtiger als qualitative Überlegungen. Anders geht „Hauptsache Kultur“ an die Sache. Hier wird ein Phänomen angesprochen, über das schon vor Jahrzehnten wissenschaftlich berichtet wurde – nur eben unter eine anderen Perspektive. Wenn „Hauptsache Kultur“ über die „Kraft des Schlagers“ berichtet, wird hier beschrieben, wie viel diese Musik Menschen bedeutet. Das Identifikationspotenzial ist ungebrochen hoch. Wer ältere wissenschaftliche Bücher über den Schlager liest, kennt solche Betrachtungen, die dann aber zu dem Schluss kommen, dass es sich hier um eher primitive, ungebildete und einsame krankte Menschen handelt, die außer dem Schlager nichts haben. Böse Geschäftemacher – sprich Schlagersänger und ihre Manager – nutzen diese Vereinsamung kommerziell aus. – So der Tenor vieler Aufsätze, die aus dem letzten Jahrhundert stammen.

Die Fantasie, dass es durchaus gebildete Menschen gibt, die unglaublich lyrische Texte eines UDO JÜRGENS‘ liebten, der mit großem teils Sinfonieorchester Melodien voll Pathos, musikwissenschaftlich anspruchsvoll bot, hatte man nicht – wie gesagt, hat sich daran durchaus etwas geändert, weil nicht zuletzt eine HELENE FISCHER hier viele Grenzen durchbrechen konnte, indem sie zwar nach wie vor Schlager singt, das Ganze aber mit Artistik und internationaler Popmusik verknüpft und damit vielleicht Vorurteile durchbrechen konnte. Insofern sind wir sehr gespannt, was „Hauptsache Kultur“ zum Thema „Die Kraft des Schlagers“ sagt.

Sex im Schlager

Wobei die Sendung noch weitere Themen beinhaltet. Das Thema Sex im Schlager kennen wir schon seit den Comedian Harmonists (Wenn in „Veronika, der Lenz ist da“ „der Hafer sticht“, ist klar, was gemeint ist). Wobei auch hier der Schlager eine große Vielfalt bildet. Was ROLAND KAISER in „Santa Maria“ meint, wenn er „ihre Jugend in den Händen“ (am Strand) hielt, kann man sich ausrechnen. Und was HEINO in der vierten Hütte im blauen Enzian tat („keiner weiß, was dann geschehen ist“), kann man sich auch lebhaft ausmalen. Wobei – es war ja noch die Zeit vor HANNELORE. Expliziter wurde es dann im neuen Jahrtausend, wenn es heißt: „Zeig doch mal die Möpse“ etc. Wobei Rapper SIDO mit dem „Ar***fi**-Song“ sicher den Vogel abgeschossen hat, aber der ist nun nicht der ganz typische Schlagerstar. PS: Einen Vorteil hat das Thema – wir können guten Gewissens den Hashtag „Sex“ verwenden ;-)…

Lebende Legende CHRISTIAN BRUHN

Auch mit Mitte 80 steht die Komponistenlegende CHRISTIAN BRUHN im Zentrum des öffentlichen Interesses. Es ist immer interessant, was er zu sagen hat – ist er doch seit den 1960er Jahren ununterbrochen im Schlagergeschäft tätig. Schade, dass das mehr als bemerkenswerte Filmportrait über ihn wohl aus urheberrechtlichen Gründen nicht auf DVD erschienen ist.

Die Sendung wird am 12. November 2020 um 22.30 Uhr ausgestrahlt.

Pressetext „Die Kraft des Schlagers“

In der großen „Helene Fischer Show“ singt die Königin des deutschen Schlagers gemeinsam mit Kerstin Ott zur Primetime über queere Patchworkfamilien, im Publikum schwenkt die LGBTIQ-Community Regenbogenfahnen – während Roland Kaiser sich gegen Intoleranz, Hass und verdrehte Wahrheiten stark macht. Und Howard Carpendale ergreift das Wort, um auf die vom Shutdown existenziell bedrohte Veranstaltungs- und Kulturbranche aufmerksam zu machen. Was passiert da gerade im deutschen Schlager?

Der deutsche Schlager wird ja gerne belächelt und als oberflächliche, apolitische Alltagsflucht abgetan. Doch auch im Schlager gibt es Künstler*innen, die sich mit unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit auseinandersetzen und etwas verändern wollen. „hauptsache kultur“ über die Kraft des Schlagers in schwierigen Zeiten.

Der Schlager im Wandel – Wie sich Künstler*innen gesellschaftlich positionieren

Oberflächliches Gedudel für den Massengeschmack? Mit dieser Auffassung würde man den Schlager doch sehr unterschätzen, sagt Schlagerforscher Ingo Grabowsky: Denn der Schlager habe wohl mehr für die deutsche Gesellschaft getan als die meisten fremdsprachigen Rocksongs zusammen, ist er der Meinung. Spätestens seit 2014, als Helene Fischer am Brandenburger Tor vor Millionenpublikum auftrat, ist er wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Und er widmet sich auch immer wieder aktuellen relevanten Themen: So positioniert sich zum Beispiel Roland Kaiser mit seinem Hit „Liebe kann uns retten“ unmissverständlich gegen Menschenfeindlichkeit und Demagogie, wenn er singt: „Wenn der Hass die Wut berührt, Die Wahrheit auf einem Seil nur balanciert, Dann lass uns nicht stumm sein, lass es uns nicht egal sein.“ Und auch in Interviews spricht sich der Grandseigneur des Genres und bekennendes SPD-Mitglied deutlich gegen Pegida & Co. und autoritäre Tendenzen in unserer Gesellschaft aus.

Auch Howard Carpendale nutzt aktuell seine Bekanntheit, um z.B. auf die Nöte der Veranstaltungsbranche aufmerksam zu machen. Gesellschaftskritik – früher gab es sie im Genre noch viel ausgeprägter. So besang zum Beispiel Udo Jürgens mit „Ein ehrenwertes Haus“ Doppelmoral und Kleingeisterei, während Gitte Haenning und Vicky Leandros nonchalant die selbstbestimmte Frau, Freiheit und Gleichberechtigung thematisierten. Und Nicole mit ihrem Anti-Kalter-Krieg-Song „Ein bisschen Frieden“ sogar den Grandprix de la Chanson d’Eurovision gewann.

„hauptsache kultur“ macht eine Reise durch den Schlager und fragt: Wie viel Zeitgeist und gesellschaftliche Relevanz steckt da heute drin?
Bericht: Sarah Plass

Regenbogenfarben in der Schlagerwelt – Die Sängerin Kerstin Ott

Ihre Geschichte klingt wie ein Märchen: Mit dem Song „Die immer lacht“ – ein Lied über die Depressionen einer Freundin – wurde aus der Maler- und Lackiererin Kerstin Ott plötzlich eine der bekanntesten Schlagersängerinnen des Landes. Und zwar mehr oder weniger aus Zufall: Denn ihr auf ein paar wenige CDs gebrannter Song gelangte in die Hände zweier DJs, die das Potenzial erkannten, einen Remix machten und damit Kerstin Ott – die ehemals spielsüchtige Arbeiterin – von heute auf morgen zum Internetstar, der heute die großen Hallen ausverkauft. Der Song von 2016 zählt zu den meistverkauften Singles in Deutschland und hat mit über 180 Millionen Aufrufen auf YouTube mehr als sieben Mal so viele Klicks wie die Videos von Helene Fischer.

Und das, obwohl die einstige Handwerkerin aus Norddeutschland absolut keine schillernde Bühnenpersönlichkeit in aufregenden Outfits ist. Kerstin Ott sprengt mit Jeans, Bomberjacke und Gitarre alle klischeehaften Vorstellungen von der Frau im Schlager. Sie lebt zudem offen homosexuell mit ihrer Ehefrau Karolina und deren zwei Kindern auf dem Land. Und queeres Leben besingt sie auch in ihren Songs: „Er und Er, zwei Eltern, die ihr Kind zur KITA bringen – Sie und Sie tragen jetzt den gleichen Ring. Alles ganz normal!“ – jetzt endlich auch im Schlager.

„hauptsache kultur“ porträtiert diese außergewöhnliche Sängerin, die für viele ihrer Fans zu einer echten Identifikationsfigur geworden ist, eben genau, weil sie so herrlich normal ist.

Bericht: Christiane Schwalm

Sex im Schlager – Wie versaut sind deutsche Liebeslieder?

Klar, das Thema in den meisten Schlagern ist nur eines: Liebe, Liebe, Liebe. Oft ganz romantisch, die monogame Zweisamkeit besingend, aber in einigen Songs geht es auch ziemlich offensiv zur Sache. Untreue, One-Night-Stands, die ältere Frau, die den jungen Mann verführt – Texte, die bisweilen ziemlich unverblümt den Akt an sich besingen. „Atemlos durch die Nacht“, eben.

„hauptsache kultur“ hat sich die Schnulzen-Klassiker der letzten Jahrzehnte mal genauer angehört und war erstaunt, was sich bei Roland Kaiser und Co. alles zwischen den Zeilen lesen lässt – und was Schlagertexte so über die Gesellschaft und ihr Verhältnis zur Liebe verraten.
Bericht: Sophia Luft

Wie schreibt man einen Gassenhauer? – Ein Portrait des Hitmakers Christian Bruhn

Christian Bruhn hat die deutsche Musiklandschaft mit einigen Hits versorgt, die jeder mitsingen kann. Er ist einer der erfolgreichsten Komponisten und Musikproduzenten unserer Zeit. Verantwortlich für die Evergreens „Ein bisschen Spaß muss sein“ (Roberto Blanco), „Marmor, Stein und Eisen bricht“ (Drafi Deutscher), „Hinter den Kulissen von Paris“ (Mireille Matthieu), „Ich möcht‘ der Knopf an deiner Bluse sein“ (Bata Illic), „Liebeskummer lohnt sich nicht“ (Siw Malmkvist) , „Wunder gibt es immer wieder“ (Katja Ebstein), aber auch die Titelsongs der Fernsehsendungen „Heidi“, „Captain Future“, „Wickie“ u.a.

„hauptsache kultur“ besucht den 86-jährigen Hitmaker und lässt sich erklären, wie man einen guten Schlager erfindet.
Bericht: Sven Waskönig

Quelle und Bild: HR

 

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