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PETER PETREL ist tot: Schlagerstar im Alter von 86 Jahren gestorben
Mit Hits wie „Ich bin viel zu bescheiden“, „Ich fahr so gerne Rad“ und „How Do You Do?“ wurde PETER PETREL einem breiten Publikum bekannt. Nun ist der vielseitige Sänger und Entertainer im Alter von 86 Jahren gestorben. Wie seine Ehefrau TINA der „Bild“-Zeitung bestätigte, verstarb PETER im Kreise seiner Familie in seiner Wahlheimat Koblenz.
PETER PETREL schlief friedlich ein
„Peter schlief ganz friedlich ein. Vorher konnte er sich noch von seinem Sohn telefonisch verabschieden. Es war ganz harmonisch und er hatte keine Schmerzen“, sagte TINA PETREL gegenüber der „Bild“. Seit 2005 war sie mit dem Sänger in zweiter Ehe verheiratet.
PETER PETREL hatte bereits vor einigen Jahren gesundheitliche Probleme. 2015 erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich nach Angaben des Berichts wieder erholte. Im Mai 2021 war er noch in der TV-Sendung „Schlager-Spaß mit Andy Borg“ zu sehen. Im Sommer 2022 stand er beim Festival „SummerJazz Pinneberg“ auf der Bühne. Danach zog er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück.
Erste Single 1970
Mit „Kinder des Lichts“ startete der gelernte Schriftsetzer PETER 1970 seine Solo-Karriere. Zuvor wollte der berühmte Jazz-Musiker CHRIS BARBER ihn für sich gewinnen, doch PETER wollte solistisch tätig werden. Ungewöhnlich für einen Newcomer: Die Single wurde schon fleißig beworben . Treffend meinte die damalige Plattenfirma: „Sympathische junge Leute mit dem gewissen Etwas in der Stimme. Wir glauben an einen Erfolg“. Der Erfolg ließ noch etwas auf sich warten, aber dass PETER „das gewisse Etwas in der Stimme“ hatte, konnte man schon damals gut raushören – fürwahr eine großartige Stimme. 1971 war er beim renommierten World Song Festival in Tokio dabei.

Mit „How Do You Do?“ wurde PETER PETREL zum Millionen-Seller
Seinen größten kommerziellen Erfolg feierte PETER PETREL 1972. Gemeinsam mit Jeannie McKinlay bildete er das Duo „The Windows“. Mit „How Do You Do?“ gelang den beiden ein Millionen-Seller. Der Titel ist bis heute regelmäßig im Radio zu hören. Es war die deutsche Version des MOUTH & MACNEAL-Hits. Irre: Damit ging es bis auf Platz 1 der deutschen Single-Charts, die Single hielt sich 23 Wochen in den Charts. Und im April 1972 stand man auf Platz 1 der ZDF-Hitparade – ein gigantischer Erfolg in der Glanzzeit des deutschen Schlagers!

Damals wurde PETER als „PETE“ vorgestellt, der „bester Jazz-Sänger Niedersachsens“ sei:

Selbst für die BRAVO war das Paar damals interessant – man war aber frustriert, keine Love-Story konstruieren zu können. Ähnlich wie bei GITTE und REX verhielt es sich auch bei PETER und JEANNINE:

Der Chef der damaligen Plattenfirma Golden 12, REINHARD STREIT, reagierte begeistert und ließ Schreibblocks, Poster und dergleichen anfertigen, um den Erfolg zu forcieren. Damals gab es auch einen Disput bezüglich der Single und der beiden Versionen:

Ein echter Anschlusstreffer war leider nicht zu erzielen, so dass 1974 die Trennung der WINDOWS erfolgte:

RENTNERBAND
Direkt nach den WINDOWS stieg der umtriebige PETER in ein weiteres Erfolgsmodell ein und begab sich in die damals überaus florierende Hamburger Szene:

Die RENTNERBAND bekam ihren Namen vom UDO LINDENBERG-Song „Andrea Doria“, wo bekanntlich eine „Rentnerband“ seit 20 Jahren Dixieland spielte – eine originelle Idee, und mit einigen LINDENBEG-Musikern wie GOTTFRIED BÖTTGER war die RENTNERBAND ja ohnehin LINDENBERG-affin. Das war dem Saarländischen Rundfunk eine Goldene Europa wert als „Nachwuchs des Jahres“ – und 1975 ginge man auf Tour, u. a. am 17. Mai 1975 in die kleine Dortmunder Westfalenhalle. TV-Auftritte in renommierten Shows wie „Musik aus Studio B“ folgten. Neben PETER feierten später auch WERNER BÖHM (als GOTTLIEB WENDEHALS), LONZO und WILLEM große Solo-Erfolge.
Der größte Hit der Gruppe war 1975 die „Hamburger Deern“ – ein Song, der bis heute gern gehört wird und sicher in erster Linie mit PETER PETREL verbunden wird. 1976 schied PETER aus der Gruppe wegen „innerbetrieblicher Kräche“, wie in der Presse zu lesen war, aus.
Erfolge als Solist
Auch als Solokünstler feierte PETER PETREL zahlreiche Erfolge. Bereits 1975 nannte die BRAVO ihn in einem Atemzug mit der weltweit berühmten Gruppe KRAFTWERK:

Den Song stellte PETER im September 1975 in der ZDF-Hitparade vor, nachdem er als Solist bereits 1974 mit „Ich wär so gern dein treuer Diener“ dort sein Solo-Debut gegeben hatte. Wie die BRAVO zu berichten weiß, hielt sich PETER damals mit dem Box-Europameister WOLFGANG BOELCK fit.
1976, vor genau 50 Jahren, hieß der Hit von PETER „Das ist doch gar nicht unser Bier“. Den Schlager stellte er im Mai 1976 in der ZDF-Hitparade vor. Es wurde ein kleiner Sommerhit: Die Uraufführung fand in „Radio Aleman“, einem damals populären Sender der spanischen Insel, statt. Damals gab es aber auch manchmal Rückschläge, z. B. bei einer Veranstaltung der Musikzeitschrift Joker – das muss man sich mal vorstellen:

Heutzutage wäre so ein Event wie selbstverständlich „aus produktionstechnischen Gründen“ oder wie man sonst so rumeiert abgesagt worden. Damals hat man gesagt: „Mund abwischen – weitermachen“ – und hatte damit Erfolg angesichts der bemerkenswerten weiteren Karriere von PETER. Solche Rückschläge muss man wegstecken, so die damalige Devise – und wichtig: Die 60, die gekommen waren, bekamen eine Show geboten. Gerade diese 60 waren vielleicht wichtig – damals wurde Enttäuschung für die wichtigen Hardcore-Fans nicht mit „eingepreist“ – man hatte eben eine professionelle Einstellung…
„Ich fahr so gerne Rad“: Eigentlich eine B-Seite
Ein Jahr später, Anfang 1978, veröffentlichte PETER einen seiner ersten großen Soloerfolge: „Ich fahr so gerne Rad“. Den Titel stellte er u. a. in der „Drehscheibe“ vor. Warum der Titel nicht in der ZDF-Hitparade landete? Vermutlich, weil es eine B-Seite war, vom Schlager „Ich mag dich nicht“. – Damals wechselte er auch seinen Wohnort: Von Hamburg nach Oldenburg. Einen Achtungserfolg erzielte PETER zu Beginn der 1980er Jahre mit „Kalle mit der Kelle“. Den Song stellte er im Januar 1980 in der ZDF-Hitparade vor.


Stammgast in der ZDF-Hitparade
Ein Jahr später folgte der größte Hit als Solist: „Ich bin viel zu bescheiden“ schaffte es nicht nur als einziger Song seiner Karriere in die deutschen Single-Charts (Top-20), sondern wurde auch Platz 1 in der ZDF-Hitparade, wo PETER bei DIETER THOMAS HECK inzwischen Stammgast war. Seine Popularität führte sogar dazu, dass das ZDF dem Entertainer eigene Fernsehsendungen widmete. Witzigerweise haben wir erst kürzlich bei Schlagerprofis den Song im Zusammenhang mit der Selbsteinschätzung von NINO DE ANGELO HIER zitiert.
Dabei ließ sich PETER PETREL nie ausschließlich auf den Schlager festlegen. Seine musikalischen Wurzeln lagen im Jazz, und im Laufe seiner mehr als sechs Jahrzehnte umfassenden Karriere bewegte er sich souverän zwischen Schlager, Swing, Dixieland und Pop. 1981 gewann er für sein Album „Happy Music Every Day“ den hoch angesehenen Deutschen Schallplattenpreis.
Nachdem es in den Folgejahren karrieretechnisch etwas bergab ging, woran auch eine Neuauflage von „How Do You Do“ nichts ändern konnte, dockte PETER 1992 bei DA Music an. Trotz des Engagements des A&R-Managers UWE KASTEN gelang leider kein großes Comeback des Künstlers.
Spätes Vaterglück
Kurz zuvor wurde er anno 1990 Vater eines Sonntagskindes. Name der Tochter, Schwester der 24 Jahre zuvor geborenen SANDRA: ASMARA. Die Mutter DEBORAH BOKMA aus Holland hatte PETER auf dem Schiff „MS Europa“ kennengelernt – auch auf Tour entwickelt sich bisweilen „zarte Bande“…. Bei der Hochzeit 1990 sang UTE FREUDENBERG „The Power Of Love“, und auch ANDY BORG war als Gast dabei.
Im Jahr 2015 erlitt PETER einen schweren Schlaganfall, von dem er sich mit viel Aufwand und Disziplin aber wieder „berappeln“ konnte, auch mit Hilfe seiner dritten Ehefrau TINA.
Mit PETER PETREL verliert die deutsche Musikszene damit einen vielseitigen Entertainer, der über Jahrzehnte hinweg sein Publikum begeisterte und dabei ganz unterschiedliche musikalische Welten miteinander verband. Wir wünschen seinen Angehörigen, insbesondere seiner Witwe TINA, alles Gute und viel Kraft!
Titelfoto: Daniela Jäntsch











