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MATTHIAS REIM: „Flashback“ – neues Album & Interview
Mit seinem neuen Album blickt MATTHIAS REIM auf seine musikalische Vergangenheit zurück, erzählt persönliche Geschichten aus seinem heutigen Leben und feiert die wiedergewonnene Freude am kreativen Arbeiten.
MATTHIAS REIM blickt mit seinem neuen Studioalbum „Flashback“ musikalisch zurück und gleichzeitig nach vorn. Der Titel ist bewusst gewählt: In mehreren Songs greift der Sänger und Songwriter spielerisch typische Zeilen und Stilmittel aus seiner eigenen musikalischen Vergangenheit auf. Gleichzeitig hat er mit „Von fernen Sternen“ einen frühen Song aus seiner Karriere neu aufgearbeitet. Das Album verbindet damit Erinnerungen an frühere Reim-Klassiker mit seinem heutigen musikalischen Können und seiner persönlichen Lebenssituation – unter anderem den Erfahrungen, die er als später noch einmal Vater geworden ist.
Im Gespräch erzählt MATTHIAS REIM außerdem von seiner wiedergewonnenen Kreativität, der Arbeit im Studio und seiner Freude daran, musikalisch mit modernen technischen Möglichkeiten zu experimentieren. Besonders stolz ist er auf die Vielzahl an Songs, die während der Produktion entstanden sind. Themen wie Fehler, Selbstreflexion, Liebe und das Weitermachen ziehen sich durch das Album. Gleichzeitig möchte Reim, dass seine Fans „Flashback“ möglichst als Gesamtkunstwerk und in der vorgesehenen Reihenfolge hören – als musikalische Reise durch seine Geschichten und Erfahrungen.
Das neue Album „Flashback“ ist am heutigen 18.09.2026 auf HANSA / Sony Music erschienen.
Generic Interview mit MATTHIAS REIM (von Sony Music)
Warum trägt das Album den Titel „Flashback“ – bezieht sich das auf Erinnerungen oder Rückblicke?
Mein Album „Flashback“ heißt „Flashback“, weil ich einfach wirklich musikalischen Spaß daran hatte, bei meinen Songs manchmal so Zeilen einzubauen, die eigentlich schon legendäre Matthias-Reim-Zeilen sind.
Ja, zum Beispiel bei „Willkommen in meiner Zukunft“: Da kommt dann „groß wie ein Planet“, was man ja von „Du bist mein Glück“ kennt. Oder in anderen Songs kommen eben Zeilen wie „Verdammt, ich lieb dich immer noch“.
Und ich hatte auch einen massiven Flashback bei dem Song „Von fernen Sternen“, weil das der erste Song war, den ich je auf Platte veröffentlicht habe. Das findet man aber nicht, weil der so extrem erfolglos war. Aber der Song ist gut. Den habe ich mir noch mal vorgenommen. Das war ein echter Flashback, wo ich dachte: „Meine Güte, du hast damals eigentlich auch coole Songs geschrieben, aber du konntest einfach noch nicht produzieren.“ Und deswegen „Flashback“.
Ich fand das schön. Also, sich immer wieder zu erinnern. Auch die Stilistik, auch vom Tempo her, habe ich doch relativ viel im Tempo von „Verdammt, ich lieb dich“ oder „Ich hab geträumt von dir“ gemacht. Dieser typische Matthias Reim. Und ja, deswegen habe ich gedacht: Nennt es einfach „Flashback“, weil das ein bisschen eine Reise in die musikalische Vergangenheit war.
Wie fühlt es sich an, jetzt dein neues Studioalbum „Flashback“ bald zu veröffentlichen?
Ja, ich bin wie immer aufgeregt, wenn ein Album veröffentlicht wird. Weil ich bin natürlich auch Künstler und möchte, dass man es gut findet. Also dass die Menschen sagen: „Oh Matthias, das hast du toll gemacht.“ Es ist immer so ein bisschen Nervosität dabei, ja.
Wie werden die Songs angenommen, wie erfolgreich wird es? Und wollen die Leute wirklich noch gute neue Songs von dir hören? Oder hören sie jetzt nur noch „Verdammt, ich lieb dich“?
In welcher Lebensphase ist dieses Album entstanden?
Ja, es ist eine Lebensphase, wo man ein gewisses Alter erreicht hat und weiß, was man tut; relativ frei ist, weil ein Matthias Reim so ein bisschen machen kann, was er will. Weil die Menschen hören gerne Geschichten aus dem Leben und mein Leben geht ja auch immer weiter.
Und wenn du zum Beispiel mit 65 oder 64 Jahren noch mal Vater wirst, verändert das dich und deine Blickweise aufs Leben. Das ist natürlich auch thematisiert worden, weil mich das schon sehr beschäftigt hat. Ich hätte nie gedacht, dass mir das so einen Spaß macht, nochmal Vater von einem Kleinkind zu sein.
Was hat sich seit deinem letzten Album für dich als Künstler am meisten verändert?
Gar nicht viel. Es ist eigentlich immer Matthias Reim, und der verändert sich eigentlich nicht sehr. Der entwickelt sich höchstens ein bisschen weiter. Ja, auch da kommt noch mal diese Erfahrung ins Spiel. Was mögen die Leute an dem, was du machst? Und da ist das Wunderbare, diese wunderbare Freiheit. Es ist egal. Richte dich nicht nach den Leuten, sondern mach einfach weiter das, was du zu erzählen hast und was du gerne erzählst, und dann wird das schon funktionieren.
Wie würdest du den Sound von „Flashback“ beschreiben – und worin unterscheidet er sich von deiner bisherigen Musik?
Na ja, wenn man den Sound des Albums betrachtet und sieht, wie ich arbeite, dann kann man eigentlich nur eine Schlussfolgerung machen: Der Sound wird immer besser. Das liegt aber auch daran, dass ich immer mehr Erfahrung kriege, auch heute noch. Ich habe heute so viele Möglichkeiten aufgrund der Digitalisierung, dass ich innerhalb von Minuten einen Kollegen anrufen kann und sage: „Wir haben hier Cis-Moll, ich kriege das auf der Gitarre nicht hin. Kannst du mir das Gitarrensolo einspielen?“ Das hast du dann eine halbe Stunde später.
Früher hat man angerufen oder ist dann in die Studios gefahren mit solchen Bändern. Heute ist es ein Anruf und dann kriegt man eine E-Mail, lädt sich das runter und legt es an. Also, das ist schon enorm heute. Und dementsprechend schreiten auch die technische Entwicklung und die Helferlein, die wir heute haben, immer weiter voran. Mir macht es einen unglaublichen Spaß, damit zu experimentieren und festzustellen, dass der Sound immer besser wird.
Obwohl ich auch, wie man da im Hintergrund sehen kann, immer noch sehr, sehr gerne analoges Equipment dazwischenbaue, weil das wärmer klingt als das Digitale. Ist aber auch nur Einbildung, glaube ich, weil den Unterschied hört kein Mensch außer ich.
Was wolltest du mit diesem Album unbedingt anders oder besser machen als zuvor? Gab es auf diesem Album etwas, das sich für dich wie ein Risiko angefühlt hat?
Verglichen mit den letzten Alben war ich endlich mal wieder so richtig inspiriert. Es hat mir Spaß gemacht, Songs zu schreiben. Es hat mir Spaß gemacht zu produzieren, und es hat mir Spaß gemacht, mich zu beobachten. Eben sich ein bisschen daran zu erinnern: Was habe ich früher gemacht, was kann ich heute besser? Was hat mich damals ausgemacht und was wird mich heute ausmachen? Es war einfach die pure Freude am Kreativsein – und die war wieder da.
Man hat nicht immer so Phasen, wo man sagt: „Oh, ich spucke einen Song nach dem anderen aus. Ich habe gerade so viele Ideen.“ Nein, manchmal sitzt du da und sagst: „Was könnte ich noch schreiben? Was um Himmels willen? Ich habe doch jede Lebenssituation beschrieben. Liebesglück, Liebeskummer, Selbstwert, Desaster – alles habe ich schon beschrieben.
Ich habe ja immer noch diesen Funken Hoffnung, dass es wirklich besser wird. Das baue ich in meine Songs ein.
Aber ich hatte schon alles gemacht. Und dieses Mal kamen einfach wieder Songideen.
Aber du kannst dich ins Studio setzen und sagen: „Ich muss einen Song schreiben.“ Da passiert gar nichts. Vielleicht sitze ich dann abends frustriert auf dem Balkon und gucke in die Landschaft und sage: „Oh, warte mal, klar.“ Und dann habe ich mein Handy: Dann wird das direkt in die Notizen beziehungsweise in den kleinen Recorder gepackt. Dadurch kommt so die Grundidee, mit der es ins Studio geht.
Ich habe natürlich kurz überlegt, als ich den Song mit Mia Julia gemacht habe: Sagen die Leute jetzt auch: „Matthias, jetzt mit einer Ballermann-Sängerin – passt das zu dir?“ Darüber habe ich kurz nachgedacht. Aber wie gesagt: Es ist völlig egal. Sie macht einen tollen Job und ist mega erfolgreich. Ich war auch sehr überrascht, wie schnell und gut sie gesungen hat. Als ich Mia Julia dann im Studio hatte, war klar, dass das passt – weil auch der Humor und die Story passte. Aber da habe ich kurz nachgedacht: Ist es möglich, dass das irgendwie provoziert und Leute sagen: „Partysänger und Matthias Reim geht gar nicht“? Aber ich finde, es geht super.
Bist du eher der spontane Songwriter – oder jemand, der lange an Songs feilt?
Beides. Ich bin spontan, wenn ich eine Idee habe, und kann mir beim Songwriting nicht auferlegen und sagen: „So, heute Abend ist Songschreiber-Abend.“ Da fällt mir gar nichts ein. Also da bin ich extrem spontan.
Aber wenn ich die Idee habe, dann beschäftige ich mich wirklich tagelang damit. Dann sitze ich im Studio und arbeite an dem Song wirklich bis zu zwei Wochen, bis er mir rundum gefällt.
Außerdem bin ich gerne viel im Studio, weil mir das einfach so einen Spaß macht. So die Klanggebilde, den Sound, die Stimme bearbeiten, die richtigen Hallräume, die Verhältnisse, den Druck.
Das ist einfach mein Hobby. Und wenn das Hobby zum Beruf gemacht wird, wird es meistens gut – weil man es gerne tut.
Nimm uns einmal mit hinter die Kulissen: Wie lief ein typischer Studiotag während der Produktion?
Es gibt keinen typischen Studiotag. Erstmal geht es darum, die Spuren und das Arrangement zu schaffen. Da habe ich ein tolles Team, die mir auch beim Arrangieren helfen. Dann beauftrage ich sie und frage: „Mach mal einen Vorschlag.“ Und dann sagen die: „Okay, gib mir drei Tage.“
Und wenn das Material da ist und ich das für gut befinde, dann bin ich dran. Ja, dann nehme ich die Gitarren, dann die Keyboards, dann setze ich sie ein und mache das, was mir noch fehlt. Ich setze das zusammen, und dann kommt die schönste Zeit: nämlich zu mischen.
Also wirklich, sich jede Spur vorzunehmen und die Kompression und die EQs und ja, und dann kommen immer noch, immer wieder, fast am Ende, noch Ideen, was man noch machen könnte. Es ist wie so ein Puzzle, was man zusammensetzt.
Meine Lieblingszeit ist wirklich abends. Von acht bis zwölf sitze ich unheimlich gerne im Studio. Tagsüber ist es als junger Vater oder Familienvater einfach zu hektisch, und da kann ich auch nicht runterkommen. Und morgens kann ich überhaupt nicht arbeiten. Das geht gar nicht. Morgens ist nicht meine Zeit.
Also, wenn ich um zehn aufstehe, dann brauche ich bis zwölf, um wach zu werden. Dann ist eigentlich schon wieder Zeit für eine Siesta. Ab 18 Uhr schalte ich wirklich ein und sage: „So, jetzt kann es losgehen.“
Und ich gehe natürlich auch sehr, sehr ungern im Sommer ins Studio. Da ist es draußen schön. Wir haben die See vor der Tür, da will man schwimmen gehen und draußen abhängen und irgendwie an einer Bar abends ein Bier trinken. Das ist da schwierig.
Meine Zeit ist im Prinzip von Oktober bis, sagen wir, Mai. Das ist Studiozeit, gerne abends. Und dann kommen die Sommermonate, und da bin ich nicht wirklich kreativ. Es ist natürlich auch die Zeit der Konzerte, wo man viel unterwegs ist.
Mit wem hast du bei „Flashback“ besonders eng zusammengearbeitet – und welchen Einfluss hatte das auf die Songs?
Ja, ich habe ein paar Jungs, mit denen ich arbeite. Dazu gehört Alex Olivari, Hens Hensen, Tim Peters und Connie Andreszka. Ich kann gar nicht sagen, mit wem ich lieber arbeite. Am allerliebsten arbeite ich mit mir.
Gab es während der Arbeit am Album einen kreativen Durchbruch oder eine besondere Herausforderung?
Eine besondere Herausforderung hatte ich bei diesem Album überhaupt nicht, weil ich inspiriert war. Die Herausforderung ist, wenn du keine Ideen hast, da noch was draus zu machen. Aber wenn du inspiriert bist, ist es keine Herausforderung. Dann ist es unfassbar einfach und es geht zügig voran. Jeder Abend im Studio ist ein Erfolgserlebnis, und du gehst mit dem Grinsen raus und sagst: „Oh, das wird cool.“
Gibt es einen Song, der im Studio eine ganz andere Richtung eingeschlagen hat als ursprünglich geplant?
Die Richtung eines Songs kann sich bei der Studioarbeit verändern, aber diesmal wusste ich bei jedem Song, wo er hin soll und wo ich ihn hinhaben will.
Das wusste ich schon, als ich an der Akustikgitarre geschrammt habe und die Idee hatte. Ich habe dann sofort eine Vision: Da muss er hin, das will ich für diesen Song haben. Und ich kann mich nicht erinnern, noch mal die Richtung geändert zu haben.
Ja, die Ballade sollte eine Ballade werden und die typischen Matthias-Reim-Songs im Tempo, 200 Beats per Minute. Die sollten eigentlich auch genauso werden, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Texte entstehen wirklich meistens im Studio, weil, wenn ich schreibe, kommt erst mal die Melodie und damit kommt schon mal die Atmosphäre. Dann singe ich ein, um so die Bögen zu festigen. Anschließend spüre ich eigentlich schon bei der Atmosphäre, was für ein Thema kommen müsste.
Und dann sitze ich hier gerne irgendwo in der Ecke und schreibe den Text, der sich beim Einsingen oftmals noch ändert. Weil es im Deutschen Worte gibt, die einfach nicht gut klingen, obwohl sie für die Story und den Ablauf eigentlich zwingend notwendig sind. Unsere Sprache ist da manchmal schwierig, weil wir so viele Laute haben, die für die Ohren einfach nicht schön klingen.
Und das ist die Herausforderung: Worte und Sätze zu finden, die einigermaßen Wohlklang haben und trotzdem den Inhalt noch behalten. Also, Deutsch ist eine Herausforderung. Englisch ist viel leichter, da reimt sich auch viel mehr.
Der Entstehungsprozess war eigentlich der, wie ich immer arbeite. Es gab da nichts Neues, nichts Besonderes, sondern es war mein großartiges Team. Die waren am Start, die wussten, ich bin dran. Die schicken dann auch immer noch Vorschläge und haben auch Ideen, die ich auch gerne annehme.
Und ansonsten ist es eigentlich so ein bisschen die Arbeit wie immer, nur eben mit neuem Material. Deswegen macht es eigentlich immer Spaß. Aber besondere Herausforderungen habe ich da nicht gesehen.
Gibt es Künstler, die dich und dein künstlerisches Schaffen inspirieren?
Ja, natürlich gibt es Künstler, die mich inspirieren. Ozzy Osbourne, Gott hab ihn selig. Rest in Peace. Oder eben Bands wie Ghost oder auch ältere Sachen wie Pink Floyd oder Led Zeppelin inspirieren mich.
Ich sehe auch an meinem Songwriting immer, dass ich letzten Endes doch in den Siebzigern und Achtzigern mit der Rockmusik groß geworden bin, weil ich die typischen Harmoniefolgen einfach instinktiv gerne benutze. Das hat mich geprägt, und da komme ich auch nicht mehr raus.
Also, so Drei-Akkorde-Songs? Das funktioniert mit meinem Gehirn und meiner Kreativität nicht. Bei mir wird es immer mehr und auch ein bisschen komplizierter.
Auf dem Album sind 15 Songs – was verbindet sie thematisch oder musikalisch miteinander?
Die Verbindung aller Songs ist ganz einfach: Matthias Reim.
Matthias Reim erzählt seine Geschichten, und mehr gibt es dazu gar nicht zu sagen. Meine Songs kommen aus dem Leben. Teilweise habe ich Dinge ähnlich erlebt, und an die erinnere ich mich. Das war auch eine Situation, die man einfach beschreiben kann, weil sie eigentlich jedem so oder so ähnlich passiert. Und genau das ist das Grundprinzip – das sind Matthias-Reim-Stories.
Gibt es einen Song auf dem Album, der dir besonders nahegeht oder sich für dich besonders mutig anfühlt?
Ich habe bei keinem Song das Gefühl: „Das ist mutig.“ Aber es gibt so Songs, die mir nahegehen und die ich auch unheimlich gerne geschaffen habe. Wie zum Beispiel bei der Ballade „Gottverdammte Nacht“.
Das ist eine Story, die hat einen Bogen. Die hat dann diese Wendung am Ende, die mir auch das Leben vermittelt hat. Also erstmal findest du das total blöd, wenn eine Frau dich wegen eines anderen Mannes verlässt. Das ist natürlich ein richtig doofes Gefühl, und die ist natürlich schuld. Ja, nein, ist sie nicht. Das drehe ich dann am Ende, wo ich sage: Ja, vielleicht habe ich auch Fehler gemacht und vielleicht war auch nicht alles so cool, was ich da abgezogen habe.
Diese Erkenntnis, dass es nicht um Schuld oder Unschuld geht, sondern dass man sich auch mal selbst beobachtet, ein bisschen reflektiert und sagt: „Was habe ich da eigentlich falsch gemacht? Oder: habe ich etwas falsch gemacht? Und sollte ich das mal zugeben?“
Zuzugeben, etwas falsch gemacht zu haben, fällt manchen Menschen schwer. Aber je älter du wirst, desto eher kannst du damit umgehen und sagen: „Pass mal auf, ich glaube, ich habe da Scheiße gebaut.“
Sorry, ist gar nicht schlimm, weil man kann sich ja auch verzeihen. Das ist ein Zitat aus dem Song mit Finch, „Pech und Schwefel“.
Welcher Song hat dich selbst beim Schreiben am meisten überrascht?
Das war eigentlich „Willkommen in meiner Zukunft“, weil das beim Schreiben kam. Das war keine leichte Geburt, weil ich unbedingt diese Zeilen unterbringen wollte. Ja, dieses Glück, jemandem zu begegnen und kompositorisch das in einen typischen Reim-Song zu kriegen.
Der nahm wirklich während des Schreibens ständig verschiedene Wendungen. Ursprünglich hatte er auch nur 110 Beats und war eine schwere Rockballade, wo ich dann gesagt habe: „Das ist aber nicht das Glücksgefühl, was ich da erzählen will.“
Da habe ich wirklich vier bis sechs Wochen dran geschraubt, teilweise wirklich von vorne angefangen. Habe gesagt: „Du bist auf dem Holzweg.“ Das war die schwerste Geburt. Aber ich bin sehr glücklich über den Song.
Welcher Song wäre der perfekte Einstieg für jemanden, der das gesamte Album zum ersten Mal hört?
Ganz schwer zu beantworten, weil ich so viele Songs habe, die ich wirklich liebe auf diesem Album. Ob das „Willkommen in meiner Zukunft“ ist oder „Flashback“ oder „Die Sterne lügen“ oder „Von fernen Sternen“. Also, wir haben theoretisch auch eine Single-Auswahl ohne Ende. Wir können raushauen, dass die Schwarte kracht, weil diesmal so viele gefühlte Hits drauf sind, wie ich sie seit Jahren nicht mehr hatte.
Wenn du „Flashback“ in drei Worten beschreiben müsstest – welche wären das?
Super, außergewöhnlich und geil.
Wie würdest du die Songs von „Flashback“ jeweils zu einem Satz zusammenfassen?
Wenn man mich fragen würde, ob ich Songs auf diesem Album in einem Satz zusammenfassen könnte, müsste ich einfach antworten mit: „No way.“ Weil der Song erklärt sich selbst durch die Story, durch den Titel, und die sind nicht zusammenfassbar. Das sind Werke, die so angenommen werden müssen, wie sie sind. Man kann die nicht kürzen.
Welche Themen ziehen sich über das gesamte Album? Welche Botschaften möchtest du den Hörer:innen mitgeben?
Ich glaube, der Inhalt meiner Songs ist selten eine Botschaft. Wenn eine Botschaft in meinen Songs ist, dann ist sie einfach: Wir sind Menschen, wir machen Fehler. Wir können wieder aufstehen. Die Botschaft ist einfach: Wer nie durch Scherben ging, hat nie gelebt.
Was wünschst du dir, was deine Fans beim Hören deiner Songs empfinden?
Ich wünsche mir, dass die Menschen, die dieses Album hören, dieses in der Reihenfolge hören – was heute nicht mehr unbedingt gegeben ist. Früher gab es eine Platte, die hat man aufgelegt und dann hörte man sie in der Reihenfolge. Wir Künstler denken uns ja etwas beim Zusammenstellen eines Albums. Wir versuchen, eine Dynamik und eine Dramaturgie zu erzeugen. Was heute durch dieses Streaming gar nicht mehr so gegeben ist. Die Leute sagen: „Den Song finde ich toll“ und machen: Klick.
Früher hast du das nicht gemacht bei der Schallplatte. Du hast sie aufgelegt und gesagt: „Jetzt lasse ich es erst mal wirken.“ Aber wir kennen das auch aus Zeiten von Schallplatten. Es gibt immer so die Songs: „Track drei muss ich noch mal hören.“ Ja, aber das ist dann wirklich Geschmackssache.
Ich wünsche mir, dass die Leute sich Zeit nehmen einfach zu hören. Zeit nehmen, auch die Flashbacks nachzuvollziehen. Sagen: „Oh Matthias, geile Kurve zu früher.“
Ich wünsche mir einfach Aufmerksamkeit. Ich wünsche mir, dass sie eigentlich gar nicht überrascht sind, sondern einfach sagen: „Wow, ein typisches Reim-Album und es ist supergeil geworden.“
Was hast du während der Arbeit an diesem Projekt über dich selbst gelernt?
Ich muss zugeben, wenn ich an die Erschaffung dieses Albums denke, habe ich wirklich etwas über mich gelernt. Nämlich, dass ich gar nicht erst versuchen sollte, vormittags ins Studio zu gehen, sondern einfach meine Gewohnheiten beibehalten sollte und einfach abends sagen: „Okay, 20 Uhr, das ist Primetime.“
Ja, und dann so bis 22:30, 23:00 Uhr. Da bin ich einfach durchweg konzentriert. Und das ist so typisch Matthias. Dann kann ich das noch zehnmal hintereinander anhören und dann nach Hause fahren.
Ich habe immer wieder bei meinen Alben leidenschaftlich gerne Intros gebaut, weil ich das schon früher bei den Platten von Künstlern gesehen habe, also zum Beispiel bei Quadro. Ja, das ist frühe 70er-Jahre, aber egal. Die hatten ein Intro, und die haben ja über ein Doppelalbum eine Geschichte erzählt.
Ich erzähle auch irgendwo eine Geschichte, nämlich die Geschichte von Matthias. Dann habe ich ein Intro gebaut, was einfach einstimmen soll, auch tonartmäßig. Ich habe dieses Intro dann „Virago“ genannt.
Jetzt fragt man sich: Warum nennt er das Intro „Virago“? Was ist „Virago“? Ganz einfach: Ich fand das musikalisch einfach cool. Wie das mit den Gitarren anfängt und wie das dann überleitet in den ersten Song. Da habe ich gedacht: Ja, wie nennt man sowas? Und dann habe ich gedacht: Was war einer der glücklichsten Momente in deinem Leben? Als ich den Motorradführerschein hatte und mir eine Virago gekauft habe. Das war ein Motorrad von Yamaha in den 90er-Jahren. Das war eine 1100er. Da habe ich gedacht: Das war der Schlüssel zu meiner Liebe zu Motorrädern. Also nennst du das Intro einfach „Virago“.
Wie verändern sich die Songs auf der Bühne oder im Live-Kontext?
Diese Songs auf die Bühne zu bringen, ist heute einfacher, als es früher war. Weil ich heute schon so produziere, weil ich weiß, dass ich eigentlich ununterbrochen auf Tournee bin. Ich weiß, diese Konzerte sollen meine Musik widerspiegeln und die Songs nicht allzu sehr verändern.
Es gibt Songs, die habe ich früher auch produziert, die waren wirklich schwer, auf eine Bühnenband umzusiedeln. Das weiß ich heute natürlich aus Erfahrung besser. Das heißt, ich produziere die Songs schon so, dass man sie auf die Bühne bringen kann. Dass also alle Instrumente nachvollziehbar und spielbar sind.
Gibt es einen Song vom Album, auf den du dich live besonders freust?
Ja, den gibt es. Ich freue mich, wenn das Album draußen ist und wir dann „Die Sterne lügen“ mit ins Programm nehmen, weil ich diese Bögen so mag und die Story einfach toll finde.
Also die Sterne sind für mich die Leute, im Prinzip die Vorurteile. Es geht um Vorurteile, die passen nicht zusammen. Und dann gibt es diese Horoskope und diese Sachen, an die ich überhaupt nicht glaube. Und was haben die Sterne mit meinem Leben zu tun? Deswegen finde ich diese Story auch einfach so gut. Es ist völlig wurscht, was die Leute sagen oder was die Sterne sagen. Wenn du so empfindest, mach das. Denn dein Bauch entscheidet.
Was wäre für dich der perfekte Moment, in dem jemand dieses Album hört?
Den gibt es nicht. Es gibt nicht den perfekten Moment, um ein Matthias-Reim-Album zu hören. Gute Momente sind immer im Auto, weil du da Zeit hast und Ruhe hast. Weil, wenn du jetzt einen tollen Matthias-Reim-Song vom neuen Album hörst und parallel geht viermal das Telefon – ist das der perfekte Moment?
Der perfekte Moment ist, wenn man sowieso … Ja, wenn man im Zug sitzt, wenn man im Flieger sitzt. Kopfhörer rein. Gerade im Flieger kannst du nicht telefonieren. Und in der Zeit kann man wunderbar Musik hören und sich entspannen und zuhören, weil nämlich nichts draußen geschieht, was du beeinflussen kannst.
In welchen Momenten merkst du am stärksten, warum du Musik machst?
Dieses Glücksgefühl, Musiker zu sein. Ich glaube, das ist dann immer der Moment, wo man auf einer Bühne steht vor Tausenden von Menschen und spürt, wie diese Songs geliebt werden. Das ist die Belohnung für endloses Reisen, endlose Staus auf Autobahnen, Flugverspätungen.
Wirklich der Nerv der Reise. Ich habe da überhaupt keine Lust mehr zu reisen. Aber ich habe so viel Lust, auf die Bühne zu gehen, dass ich es nach wie vor in Kauf nehme und sage: „Okay, wenn du heute Abend die Arena in Berlin vollmachst, dann musst du eben in den Flieger steigen, weil die kommt nicht zu dir.“ Leider.
Wenn „Flashback!“ ein Gefühl wäre, welches wäre es?
„Flashback“ als Gefühl zu beschreiben, ist einfach für mich: zufrieden zu sein. Eine Zufriedenheit mit dem, was man erlebt hat. Ja, und sich daran erinnert, ob es gute oder schlechte Sachen waren, mit so ein bisschen Dankbarkeit, mit ein bisschen Humor und ein bisschen mit: „Okay, ich konnte es nicht ändern. Ich war halt so.“ Diese Zufriedenheit, wenn man zurückblickt.
Wann wusstest du: Jetzt ist das Album wirklich fertig?
Also, als das Album fertig war, wusste ich nicht, dass es fertig war. Ich guckte nur drauf: „Hey, du hast ja so viele Songs gemacht, die sind auch noch alle gut. Weißt du was? Du kannst aufhören, weil mehr ist zu viel.“
Welcher Song läuft bei dir gerade auf Repeat?
Gar keiner. Ganz ehrlich? Wenn ich mit dem Album fertig bin, dann habe ich jeden Song von diesem Album so oft gehört, weil ich ihn ja mache. Also hast du den wahrscheinlich 200-mal gehört. Wenn ich dann dieses Paket meiner Plattenfirma gebe, ist das für mich: Haken dran.
Dann höre ich mich selbst eigentlich nur noch bei einer Fernsehsendung oder wieder auf einer Bühne.
Und wenn ich selbst Musik höre … Im Moment lasse ich mich gerne durchs Radio überraschen. Ich höre dann tatsächlich gerne so Altherrensender wie SWR1, die dann so … Ich glaube, Donnerstagabend ist Rockabend, dann gibt es einen Country-Abend. Und immer, wenn ich aus dem Studio nach Hause fahre, dann höre ich das 20 Minuten. Das ist die Zeit, die ich brauche.
Da entdecke ich tatsächlich immer neue Sachen und sage: „Oh, interessant.“ Oder alte Sachen, die ich vergessen hatte, die mich wiederum inspirieren zu sagen: „Sowas in der Art könntest du auch mal machen.“
Was erwartet dich dieses Jahr noch – worauf dürfen sich deine Fans freuen?
Es ist ein Jahr voller wirklich großer Livekonzerte mit den schönsten und größten Bühnen, die ich habe. Ich freue mich drauf. Es kommt ein neues Album, es kommt eine wirklich neu entwickelte Show auf die Bühnen dieses Landes. Und das macht Spaß. Das macht zufrieden. Und das macht zuversichtlich.
Ja, und dass ich die Konzerte auch jetzt in meinem Alter wirklich problemlos meistere und sage: „Hey, wir könnten gleich noch eins hinten dransetzen.“ Theoretisch. Ich bin fit, und das ist ein gutes Gefühl.
Der Moment, wenn ich auf die Bühne gehe, ist immer wieder pure Magie. Ich bin hellwach. Ich spüre die Kraft. Ich spüre die Freude. Und die kommt immer wieder.
Das war ja immer mein Albtraum, dass ich irgendwann die Freude verliere, auf der Bühne zu stehen, und sage: „Okay, jetzt muss ich das machen.“ Nein, die Sekunde, wo du rausgehst und die Band in deinen Ohren hörst und die Lautstärke und die Menschen siehst und den Jubel hörst, das ist pure Magie. Und das hört wohl auch nicht mehr auf.
Welche drei Bücher würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen und welches liegt aktuell auf deinem Nachttisch?
Das sind diese super Fragen: Was würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen? Boah. Müsste ich echt lange überlegen, und ich würde immer wieder dann wahrscheinlich zum wiederholten Mal Bücher von Bernard Cornwell nehmen.
Historische Romane, die dich in Zeiten versetzen. Das ist einfach gut geschrieben, was mir Spaß macht und mich auch komplett abschalten lässt.
Quelle Generic Interview: Sony Music











