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Nachruf: KIRSTI SPARBOE: Das fröhliche Mädchen aus dem hohen Norden ist verstummt
Mit KIRSTI SPARBOE verliert die Schlagerwelt eine Sängerin, die Ende der 1960er Jahre frischen Wind in die deutschsprachige Musikszene brachte. Ihre sympathische Ausstrahlung, ihr unverwechselbares Lächeln und ihre jugendliche Natürlichkeit machten die Norwegerin zu einer der beliebtesten internationalen Schlagerinterpretinnen ihrer Zeit. Nun ist KIRSTI SPARBOE gestorben. Sie wurde 78 Jahre alt.
Ein Talent aus dem „Tor zur Arktis“
Geboren wurde KIRSTI SPARBOE am 7. Dezember 1946 im norwegischen Tromsø, der Stadt, die als „Tor zur Arktis“ bekannt ist. Schon früh zeigte sich ihre Liebe zur Musik. Bereits als Zwölfjährige sang sie auf Tanzabenden, Sommerfesten und Familienfeiern. Nach einer kaufmännischen Ausbildung nutzte sie jede Gelegenheit, ihr Gesangstalent unter Beweis zu stellen. 1964 folgte ihre erste Rundfunksendung – der Beginn einer bemerkenswerten Karriere. Fast über Nacht erhielt sie einen Plattenvertrag und landete mit „Frankie Boy“ und „Nå og for alltid“ ihre ersten norwegischen Erfolge.
Dreimal für Norwegen beim Eurovision Song Contest
Mit gerade einmal 18 Jahren vertrat KIRSTI 1965 ihr Heimatland beim Grand Prix de la Chanson in Neapel mit „Karusell“. Zwei Jahre später kehrte sie nach Wien zurück und gehörte bereits zu den populärsten Sängerinnen Norwegens. 1969 folgte schließlich ihre dritte Teilnahme in Madrid mit „Oj, Oj, Oj“ – einem Titel von Arne Bendiksen, der zwar beim Wettbewerb leer ausging, in Norwegen aber ein weiterer Hit wurde.
Drei Eurovision-Teilnahmen in nur fünf Jahren machten KIRSTI SPARBOE zu einer festen Größe der skandinavischen Schlagerszene. Spannend: Auch für Deutschland wollte sie 1970 bei der Eurovision antreten. Der Song „Pierre der Clochard“ schaffte es aber nicht im deutschen Vorentscheid, sich gegen „Wunder gibt es immer wieder“ von KATJA EBSTEIN durchzusetzen.
Die Entdeckung für Deutschland
Produzent und Manager ARNE BENDIKSEN erkannte früh das internationale Potenzial der jungen Sängerin. Über seine Kontakte erhielt KIRSTI in Deutschland 1968 einen Vertrag bei Telefunken. Die Plattenfirma setzte auf eine clevere Vermarktung. Für den deutschen Markt verschwand der Nachname – aus Kirsti Sparboe wurde einfach „KIRSTI“. In den Presseunterlagen wurde sie als „blutjunge Schlagerhoffnung aus Oslo“ vorgestellt, obwohl sie aus Tromsø stammte. Man lobte ihre „Persönlichkeit, Charme und Jugend“ und einen „ganz persönlichen Stil“. Für Aufsehen sorgte bereits ihre Ankunft in Hamburg: Ein angeblicher Eisbär begrüßte die Sängerin auf dem Flughafen – in Wirklichkeit steckte ein Mitarbeiter der Plattenfirma im Kostüm.
„Du darfst nicht weinen“ – der erste deutsche Erfolg
Im Mai 1968 stellte Chris Howland die sympathische Norwegerin in „Musik aus Studio B“ vor. Mit dem Beat-Schlager „Du darfst nicht weinen“ gelang Kirsti sofort der Einstieg in die deutschen Charts. Sie hielt sich sieben Wochen in den Hitlisten und erreichte Platz 24. Damals war KIRSTI übrigens in sehr prominenter Gesellschaft. Auch HEINO, PETER KRAUS und JACK WHITE waren damals am 20. Mai 1968 zu Gast bei CHRIS HOWLAND, ebenso der junge COSTA CORDALIS.
Die Bravo beschrieb sie damals als „Import aus Norwegen“ und hob hervor, dass sie fließend Dänisch und Schwedisch sprach sowie Englisch und Deutsch problemlos verstand. Bereits als 17-Jährige sei sie von einem Plattenproduzenten entdeckt worden, hieß es dort.
Zwischen BRAVO-Star und ZDF-Hitparade
1968 veröffentlichte KIRSTI auch in der DDR die anspruchsvolle Aufnahme „Zwei Augen“ auf dem Label Amiga – eine ungewöhnliche Brücke zwischen Ost und West. Ihr größter Erfolg sollte jedoch erst folgen.
„Ein Student aus Uppsala“ – der unvergessene Ohrwurm
1969 traf Kirsti mit „Ein Student aus Uppsala“ genau den Geschmack des Publikums. Der beschwingte Schlager entwickelte sich zu ihrem größten deutschen Hit, hielt sich zwölf Wochen in den Verkaufscharts und erreichte Platz 15.
Auch in der Bravo-Musicbox gehörte sie zu den beliebtesten Künstlerinnen, und selbstverständlich durfte ein Auftritt in der legendären ZDF-Hitparade nicht fehlen.
Die Bravo schrieb damals, die erste Viertelmillion verkaufter Exemplare sei bereits in Sicht. Gleichzeitig stellte das Jugendmagazin seine Leserinnen und Leser einer Sängerin vor, die Frühaufsteherin und Spätaufbleiberin zugleich sei, gerne Schokolade esse, regelmäßig schwimme und Deutschland so sehr möge, dass sie am liebsten nach München ziehen würde.
Der Traum vom deutschen ESC
1970 wagte Kirsti einen weiteren Schritt und nahm am deutschen Vorentscheid „Ein Lied für Amsterdam“ teil. Mit der von DRAFI DEUTSCHER komponierten Ballade „Pierre der Clochard“ wollte sie Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten.
Die Konkurrenz war allerdings enorm: KATJA EBSTEIN, MARY ROOS, ROBERTO BLANCO, PETER BEIL und REINER SCHÖNE standen ebenfalls auf der Bühne. KIRSTI verpasste die Endrunde, während KATJA EBSTEIN später in Amsterdam einen hervorragenden dritten Platz belegte.
„Pierre der Clochard“ erschien daraufhin als B-Seite der Single „Es ist alles gut“, mit der Kirsti noch einmal in der ZDF-Hitparade auftrat. Obwohl die Fachpresse die Aufnahme als ihre bis dahin beste Platte bezeichnete, blieb der große Chartserfolg aus.
Zwischen Familie und Bühne
Während ihre Popularität in Deutschland langsam nachließ, blieb KIRSTI SPARBOE in ihrer Heimat ein gefeierter Star. Gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann BENNY BORG, ebenfalls ein bekannter norwegischer Sänger, entstanden mehrere Aufnahmen. Aus der Ehe ging Tochter CHRISTINE hervor.
Nach der Trennung von BENNY BORG verlagerte KIRSTI ihren Schwerpunkt zunehmend auf das Theater. In Norwegen entwickelte sie sich zu einer angesehenen Schauspielerin und überzeugte insbesondere in komödiantischen Rollen. Damit bewies sie, dass ihr Talent weit über den Schlager hinausreichte.
Eine Sängerin voller Charme
Die damaligen Presseporträts beschrieben KIRSTI als „wie eine frische Brise aus Oslo“, als unkompliziertes, lebensfrohes Mädchen mit Persönlichkeit, Charme und Jugend. Genau dieses Bild blieb vielen Schlagerfreunden bis heute in Erinnerung.
Sie gehörte zu jener Generation skandinavischer Künstlerinnen, die den deutschen Schlager Ende der 1960er Jahre bereicherten und ihm internationale Leichtigkeit verliehen. Mit ihrem natürlichen Auftreten, ihrer hellen Stimme und Liedern wie „Du darfst nicht weinen“, „Ein Student aus Uppsala“ oder „Es ist alles gut“ schrieb sie ein kleines, aber unvergessenes Kapitel deutscher Schlagergeschichte.
Abschied von einer nordischen Schlagerbotschafterin
KIRSTI SPARBOE war nie der lauteste Star ihrer Zeit. Sie brauchte keine großen Skandale und keine spektakulären Inszenierungen. Ihr Markenzeichen waren Herzlichkeit, Natürlichkeit und Melodien, die bis heute ein Lächeln hervorrufen. Mit ihrem Tod verliert die Schlagerwelt eine Künstlerin, die zwischen Norwegen und Deutschland musikalische Brücken schlug und deren Lieder bis heute den unbeschwerten Geist der späten 1960er Jahre bewahren.
Quelle: Bear-Family, BRAVO, Musikmarkt, memoryradeo











