Die Wolfgang Petry Story – Teil 1: Die 1970er Jahre 0

Herzlichen Glückwunsch, Wolfgang Petry! Am heutigen 22. September feiert „Wolle“ seinen 67. Geburtstag und ist fitter denn je. Viele Fans wünschen sich neue Songs oder gar neue Live-Auftritte. Wir von den Schlagerprofis finden, dass „genau jetzt“ die Zeit gekommen ist, noch einmal auf Wolfgangs Karriere zurückzublicken – in der Hoffnung, dass schon sehr bald etwas Neues kommt. Wir bleiben am Ball – und präsentieren euch hier den ersten Teil unserer neuen Wolfgang-Petry-Story.

Die Wolfgang Petry Story. Teil 1: Die 1970er Jahre

Am 22. September 1951 wurde Franz Hubert Wolfgang Remling in der Kölner Südstadt (Ortsteil Raderthal) geboren. Im Jahr 1967, als Remling 16 Jahre alt war, starb sein Vater, und er übernahm die Verantwortung für seinen fünf Jahre jüngeren Bruder Josef. Von Beruf war Wolfgangs Vater Kfz-Mechaniker, der allerdings auch sehr musikalisch war und nebenher als Alleinunterhalter aufgetreten war.

Erste kindliche musikalische Erfahrungen

Schon als Kind war Wolfgang sehr musikalisch, so lernte er mit acht Jahren, die Blockflöte zu spielen. Ein Nachbarskind spielte auch Flöte – mit dem tat Wolfgang sich zusammen und entdeckte erstmals die Faszination mehrstimmigen Zusammenspiels. So wurde der Wunsch geboren, Gitarre zu lernen – aber der Vater war dagegen, wollte zunächst, dass der Filius Klavier lernt. Zunächst mit „langen Zähnen“ tat Wolfgang seinem Vater den Gefallen und begann im Alter von zehn Jahren, Klavier zu lernen – im Nachhinein ist er seinem Alten Herrn dankbar, weil die Kenntnisse am Klavier in Sachen Harmonielehre im später beim Komponieren sehr dienlich waren. Mit zwölf Jahren gab es dann endlich die heiß ersehnte Gitarre.

Erste Band: Screamers

Noch während seiner Schulzeit gründete er (noch vor dem tragischen Tod seines Vaters im Jahre 1967) mit Freunden von der Realschule Mitte der 1960er Jahre die Band „Screamers“, mit der er fünf Jahre lang in der Kölner Gegend tingelte. Da Wolfgang der Einzige in der Band war, der den Ton halten konnte, wurde er zum Sänger der Band erkoren. Die Band tingelte in Kölner Clubs wie dem „Riehler Treppchen“.

Ausbildung zum Feinmechaniker

Nach der Schule, die er mit Fachabitur abschloss,  absolvierte er eine Ausbildung zum  Feinmechaniker, die er übrigens mit sehr gutem Ergebnis abschloss,  und tourte weiter durch die Gegend.  Im Anschluss an seinen Dienst bei der Bundeswehr gründete Wolfgang 1974 die Profi-Band „Top-Singers“, die allerdings nur zwei Jahre zusammenblieb. Das Geld reichte hinten und vorne nicht – um etwas dazuzuverdienen, eröffnete Wolfgang sogar eine Reinigung in Klettenberg.

Entdecker: Tony Hendrik und Karin Hartmann

Bei einem Auftritt in der Forsbacher Disco-Bar „Whisky Bill“ wurde er von Tony Hendrik und Karin Hartmann 1975 entdeckt. Vermittelt wurde der Kontakt vom später ebenfalls sehr erfolgreichen Schlagersänger damaligen Musikstudenten Andreas Martin, den Remling seit 1967 kannte und mit dem er seit 1970 freundschaftlich verbunden war.

Neuer Name: Wolfgang Petry

Das Produzentenehepaar Hendrik/Hartmann benannte Wolfgang Remling in „Wolfgang Petry“ um. Ihm wurde zunächst folgender Schlagertext angeboten: „Der Mond von Malibu – er allein sah zu – in der kalifornischen Sommernacht – hat sie mir das Glück gebracht“. Die Musik sagte Wolfgang zu, den Text fand er grausam. Zum Glück ließen sich Hendrik und Hartmann auf eine Änderung ein und produzierten ihm die erste Single auf den Laib: „Sommer in der Stadt“. Gleich diese erste von Hans Ulrich Weigel getextete Single wurde ein großer Erfolg (man höre und staune: Es war sogar bis heute sein größter Charts-Erfolg für einen Einzeltitel (nicht Medley), den er jemals hatte – es reichte für Platz 12 in der Single-Bestenliste.

Erster Auftritt in der ZDF-Hitparade

Bereits am 31. Juli 1976 trat „Wolle“ damit erstmals in der ZDF-Hitparade auf. Ungewöhnlich für einen Newcomer: Er konnte sich direkt platzieren und war auch in den Sendungen am 25. September und am 23. Oktober des Jahres dabei, zuletzt auf einem sehr guten zweiten Platz. Am 9. Oktober 1976 gab Wolfgang überdies sein Debut in Ilja Richters Pop-Sendung „Disco“. – Ungewöhnlich für die spätere Karriere Wolfgang Petrys: Auf der B-Seite seiner Debut-Single fand sich eine Coverversion des „Ronettes“-Hits „Baby I Love You“.

Aufgrund des Erfolges der Debutsingle wurde eine erste LP produziert und im Frühjahr 1977 veröffentlicht: „Ein Freund – ein Mann“. Kommerziell war die Debut-LP nicht, allerdings gab es gute Kritiken dafür, u. a. hieß es damals: „Sein Solostart auf LP enthält eine vortreffliche Mischung eigener und internationaler Songs. Seine Stimme ist eine Bereicherung“. Die Titelauswahl war in der Tat bemerkenswert, so fanden sich Lieder wie „Hey Jude“, „Frühling“ (Feelings), „Fremder“ und „Under One Roof“ auf dem Album.

Passend dazu hieß die zweite, vorab veröffentlichte und erneut von Hartmann/Hendrik komponierte und produzierte Titel „Jeder Freund ist auch ein Mann“ (Text: Christian Heilburg, der damals u. a. auch für Peter Maffay textete und Petry ähnliche Texte wie Maffay andiente. Beispielsweise sang Maffay 1976 den Heilburg-Text „Coca Cola, Mädchen und Rock’n’Roll). Am 19. März 1977 stellte Wolfgang Petry seine neue Single in Dieter Thomas Hecks Hitparade vor und konnte sich wieder platzieren, so dass er am 16. April 1977 erneut in der Berliner Kult-Show zu Gast war. (Zuvor war er am 5. März 1977 auch wieder in der „Disco“ zu Gast). Auch die zweite Single kam in die Verkaufs-Hitparade und erreichte dort immerhin die Top-40.

Eher „mittelprächtig“ lief es für die dritte im April 1977 veröffentlichte Single, „Ein ganz normaler Tag“. In dem Lied beschreibt Wolfgang, wie er eine Frau im Bus trifft und mit ihr spontan einen Tag verbringt. Immerhin stellte Petry seinen Schlager erneut in Hecks Hitparade am 9. Juli 1977 vor und erreichte erneut die Top-50 der Single-Charts. Insbesondere für damalige Verhältnisse brisant war die B-Seite („Ein paar Stunden Zärtlichkeit“) – in dem Song wird die Beziehung eines Mannes zu einer verheirateten Frau thematisiert.

Mit der nächsten Single, „Ruby“, gelang das hingegen nicht mehr – die Single floppte. Auch die Spaß-Nummer „Ich trinke nie mehr Tequila“ konnte Anfang 1978 nicht wirklich punkten. Der Text zu der Nummer stammte von Frank Thorsten, der sich kurz zuvor mit den Texten „Frei, das heißt allein“ und „Liebe auf Zeit“ einen Namen gemacht hatte.

Superhit „Gianna (Liebe im Auto)“

Richtig in die Spur kam Petry dann wieder mit seinem Sommerhit 1978. Der Italiener Rino Gaetano hatte seinerzeit in seinem Heimatland mit „Gianna“, dem drittplatzierten Titel des damaligen Sanremo-Festivals – der Titel des 3 Jahre später bei einem tragischen Autounfall verstorbenen Interpreten war in Italien ein großer Hit. Gemeinsam mit Karin Hartmann schrieb Hans-Ulrich Prost dazu einen deutschen Text: „Gianna (Liebe im Auto)“, in dem es um Probleme bei der Paarung in engen Autos geht. Trotz (oder wegen?) des schlüpfrigen Textes wurde die Nummer auch für Wolfgang Petry ein großer Erfolg, den er am 21. August, am 18. September und am 16. Oktober in der ZDF-Hitparade präsentierte. Der Top-20-Hit hielt sich 19 Wochen lang in den deutschen Single-Charts, mit dem Hit war Petry am 30. Oktober 1978 auch wieder in der „Disco“ zu Gast.

Wolle berichtet über seine Erfahrungen zu „Liebe im Auto“ in der BRAVO…

Wie so oft in „Wolles“ Song, scheint auch der „Gianna“-Song autobiografische Züge zu beinhalten. Jedenfalls gab der Sänger im investigativ nachfragenden „Fachblatt“ „Bravo“ bezüglich einschlägiger Erfahrungen zu Protokoll: „Weil wir endlich einmal allein sein wollten – wir wohnten noch bei den Eltern – beschlossen wir, ein bisschen im Auto zu schmusen. Wir fuhren also ins Grüne , besser gesagt, in ein kleines Wäldchen. Ich war damals schon knapp 1,80 m groß, und Ihr könnt Euch vorstellen, wie eng es in dem Kleinwagen zuging. Das Schlimmste aber kommt noch: Meine Freundin schrie plötzlich auf, weil ein Mann mit großen Augen durch das rückwärtige Fenster starrte. Wir hatten wahnsinnige Angst, dass er uns etwas tun könnte. Meine Freundin gab Gas, und wir rasten davon. Dieses Mädchen ist übrigens heute meine Frau.“

Nach dieser erfolgreichen Cover-Nummer wurde gleich ein zweites Cover nachgeschoben. Textdichterin Renée Marcard schrieb auf Bilbos Song „She’s Gonna Win“ den deutschen Text: „Und w-w-w-wer küsst mich?“. Trotz ähnlichen Strickmusters wie „Gianna“ wurde das Lied KEIN Hit. Ohne zu stottern, hatte Roland Kaiser mit einem Siegel/Meinunger-Schlager „Und wer küsst mich“ 1994 übrigens etwas mehr Glück. Sehr originell war damals übrigens der Werbe-Slogan für die Single – Zitat: „Diese Platte m-m-müssen Sie hören! Diese Platte w-w-wird verlangt!“.

A propos Dr. Bernd Meinunger: Dessen Text „Wenn ich geh‘“ brachte Petry wieder in die Charts zurück – mit einem wieder anderen Konzept, nämlich einer von Tony Hendrik komponierten Ballade. Am 12. November und 10. Dezember 1979 war „Wolle“ damit in der ZDF-Hitparade, Ende 1979 reichte es in der Single-Bestenliste für eine Top-30-Notiz. Spannend: Bereits im Sommer 1979 kündigte die Plattenfirma an: „Demnächst erscheint das neue WOLFGANG PETRY-Album FÜR IMMER“ – eine LP dieses Namens kam aber nie in den Handel – ob da vielleicht noch unveröffentlichte Aufnahmen irgendwo schlummern? (Die entsprechende Anzeige ist im Foto über diesem Absatz abgebildet).

Album „Zweisaitig“ mit Balladen und Uptempo-Nummern

Andrerseits kam kurze Zeit später tatsächlich ein neues Album namens „Zweisaitig“ auf den Markt, das nicht umsonst so benannt wurde – auf der ersten Seite befanden sich Balladen wie die Single „Wenn ich geh‘“, aber auch deutsche Versionen von Welthits wie Elton Johns „Sorry Seems To Be the Hardest Word“ (Wolfgang sang „Verzeih mir zu sagen, ist so schwer“), aus dem Hollies-Song „He Ain’t Heavy, He’s My Brother“ wurde „Diese Träume will ich träumen“. Neben der nächsten Single (s. u.) war auf der „fröhlichen“ Seite von „Zweisaitig“ ein Bläck-Fööss-Song zu finden: „Danz Mädche, danz“ und ein Lied über einen Taxifahrer, der so seine Probleme hat („Dora (Car 67))“.

Ausflug in den Karneval

Pünktlich zu Beginn der Karnevalssession 1979/80 wurde es dann wieder fröhlich. Seinen Schunkel-Schlager „Denn ist einmal die Luft raus (, ist alles zu spät)“ nahm Petry gleich noch in einer Kölschen Version auf: „Dä Kähl kritt kein Luff mie“. Den Karnevalssänger nahmen die Fans ihrem „Wolle“ offensichtlich nicht wirklich ab, die Singles sorgten nicht wirklich für Aufmerksamkeit. Ungewöhnlich – die Plattenfirma orakelte schon damals: „Es ist schon anzunehmen, dass einige Rundfunkanstalten diesen Song ignorieren werden!“ – schon damals konnte man die Rundfunk-„Experten“ also richtig einschätzen.

Previous ArticleNext Article

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Florian Silbereisen: Die „Hüttenparty des Jahres“ kommt diesmal aus Leipzig 0

In der Ankündigung zur Veranstaltung „Hüttenparty des Jahres“ steht in großen Lettern: „Dirndl und Lederhosen ausdrücklich erwünscht„. Ja ist den schon Oktoberfest? Nein, aber inzwischen ist es fast schon eine „Tradition“, zu Jahresbeginn die KLUBBB3-Hüttenparty abzufeiern, wobei es diesmal einen Wechsel der Location gibt: Während die ersten beiden Folgen der Hüttenparty im Gutshof Flachau gedreht wurden, wird die 2019er Ausgabe der Show im Studio 3 der media city Leipzig aufgezeichnet – und zwar am Valentinstag: Aufzeichnungstermin ist also der 14. Februar 2019 ab 20.00 Uhr.

Entgegen ursprünglichen Planungen (Schalgerprofis.de berichtete HIER darüber), wird die Show eine Woche später als von unserem Insider mitgeteilt ausgestrahlt, nämlich am 23. Februar 2019 im MDR.

Die ersten Gäste stehen auch schon fest – nach unseren Informationen sind u. a. neben KLUBBB3 auch Feuerherz und die Draufgänger mit dabei.

Noch sind Tickets für die Veranstaltung erhältlich – und zwar HIER.

Florian Silbereisen: Die Schlagerprofis-TV-Kritik zu den „Schlager Champions“ 0

Zugegeben – die Erwartungshaltung war groß. Die „Schlager Champions“ haben ihrem Namen hochprozentig alle Ehre gemacht – mit Helene Fischer, Andrea Berg und Andreas Gabalier waren die drei wohl erfolgreichsten Schlagerstars der letzten Jahre überhaupt mit dabei – allein die drei Superstars in EINER Show sind eine absolute Seltenheit.

Creme de la Creme in einer Show

Mit Roland Kaiser, Ben Zucker, Maite Kelly, Santiano, Kerstin Ott, Fantasy, KLUBBB3 und Eloy de Jong sind weitere Topstars der Einladung Florian Silbereisens gefolgt – und die Freunde des traditionellen Schlagers hatten mit Heino und Mary Roos auch ihre Freude.

Dazu sah es lange Zeit so aus, als gäbe es nur wenige internationale Alibi-Stars, die nix mit Schlager zu tun haben. Vor allem dachten wir, dass der irgendwie anscheinend unvermeidliche Alvaro Soler wenigstens diesmal fehlen würde – nein, warum auch immer musste auch er mit der „Eins der Besten“ ausgezeichnet werden, obwohl er nach unserer Kenntnis in seinem Leben noch nie einen deutschen Schlager gesungen hat.

Mit Spannung erwartet: Begegnung von Florian mit Helene

Aber nicht nur der enorme Starauflauf, nein insbesondere eine besondere Geschichte sorgte im Vorfeld für enormes Interesse: Die Geschichte des Moderators und seiner ehemaligen Lebensgefährtin Helene Fischer, die sich erstmals nach Bekanntgabe der Trennung auf offener Bühne wiedersehen würden. Nehmen wir es vorweg: Diese mit Spannung erwartete Wiederbegegnung haben Helene und insbesondere Florian mit Bravour gemeistert. Das wirkte nicht übermäßig pathetisch, aber auch nicht desinteressiert – nein, es wirkte genau so wie die beiden es vorher beschrieben haben: Da sind sich zwei ehemals liierte Menschen wieder begegnet und haben sich als liebe Freunde begrüßt.

Vielleicht war die Erwartungshaltung aber auch ZU hoch. Es gab nämlich einige Auffälligkeiten, die von uns im Verlauf des Abends zu einem Ärgernis wurden:

Fehlender Glamour einer Preisverleihung

Eigentlich sollen die Schlager Champions ja durchaus den Charakter einer glanzvollen Preisverleihung haben – so verstehen wir zumindest den Sinn der Show, bei der ja viele Awards vergeben wurden. Dass es hier keine echte Laudatio gibt – okay, kann man vielleicht verstehen, weil es ja eine Musikshow ist. NUR: Warum werden Leute wie Ross Antony (zumindest gefühlt) minutenlang interviewt, während Preisträger wie Fantasy nicht befragt wurden? Mit anderen Worten wurden viele der eigentlichen Highlights nicht wirklich in Szene gesetzt.

Auch erstaunlich war in unseren Augen, dass der Superstar Andrea Berg lediglich einen Song singen durfte – immerhin wurde damit das erste neue Studioalbum seit ca. drei Jahren angekündigt. Verglichen mit dem Riesen-Tam-Tam drei Jahre zuvor, erweckte das für uns den Eindruck einer Degradierung…

Wozu Co-Moderator Ross Antony?

Die Idee, Fragen von Zuschauern einzubinden, mag originell sein. Manche der Fragen waren ja nicht uninteressant – und dass WIRKLICH interessante Fragen wie „Warum werden die Amigos nie eingeladen?“ natürlich unzulässig sind, kann man vielleicht noch nachvollziehen. Nur – nach unserem Eindruck ist Florian Silbereisen, der übrigens sehr souverän durch den Abend geführt hat, durchaus in der Lage, auch eigenständig (ohne Ross’ Hilfe) Fragen zu stellen. Richtig „witzig“ wurde es, als Florian Ross die Karten wegnahm und selbst das Zepter in die Hand nahm. Das erweckte irgendwo den Eindruck, als wollte man krampfhaft das Beisein Ross Antonys legitimieren, weil dessen Chartspräsenz das beim besten Willen nicht rechtfertigt.

Besetzungspolitik teils absolut nicht nachvollziehbar

Ein echtes „Geschmäckle“ hat einmal mehr die Besetzung der Show. Wobei wir nicht das meinen, was sonst oft kritisiert wird – die „ewig gleichen Gäste“. Bei einer Award-Show ist es ja sogar genau richtig und dem Profil der Show angemessen, wenn genau die auftreten, die im vergangenen Jahr die Charts dominiert haben – insofern macht es absolut Sinn, wenn Ben Zucker zum achten Mal in Folge dabei ist bzw. Eloy de Jong zum x-ten Mal eingeladen wird. Und dass die totalen Marktführer wie Helene Fischer natürlich dazugehören, ist auch nur logisch.

Wer aber – so meinen wir – NICHT in die Show gehört, sind Leute, die – sorry – mit dem Label „Kassengift“ versehen werden können. Wenn eine Inka Bause trotz Riesen-Promo es nicht einmal in die Top-100 schafft, hat sie bei den „Champions“ nichts zu suchen – es sei denn als Flop des Jahres. Ähnlich sieht es bei Sotiria aus, die von „Unheilig“ enormen Rückenwind bekam und trotzdem eher durchwachsene Verkäufe ihres Albums erzielen konnte.

Immer wieder die Kelly Family…

Es mag ja sein, dass die Kelly Family viele Zuschauer bindet und große Chartserfolge feiert. Vielleicht ist damit ja sogar legitimiert, dass sie wirklich in gefühlt JEDER Silbereisen-Show dabei sein müssen, auch wenn sie schlicht keinen Schlager machen – oder erinnert sich jemand, dass die Kellys früher in der ZDF-Hitparade im Wettbewerb zu Gast waren (außer vielleicht mal „außer Konkurrenz“)?

Gaga-Preisverleihungen

Der Musikpreis Echo ist nach unserem Dafürhalten unter anderem auch daran gescheitert, dass die echten Erfolge nicht als solche benannt werden sollten, weil das einigen Verantwortlichen womöglich nicht gepasst hat – dass z. B. eine Helene Fischer auch in Jahren keiner neuen Produkte die Abräumerin gegeben hatte.

Den Vogel abgeschossen hat zweifelsohne die Auszeichnung Alvaro Solers mit dem „Hit des Jahres“. Wenn man den internationalen „Hit“ gemeint hätte, hätte man wohl Dynoro & Gigi d’Augostino oder Ed Sheeran bemühen müssen. Auch „Bella Ciao“ könnte man vom vermeintlich schlageresken Charakter auszeichnen. Wenn es aber – wie dem Titel der Show zu entnehmen ist – um SCHLAGER geht, ist die Auszeichnung Alvero Solers in unseren Augen einfach nur lächerlich. Da ist Namikas „Je ne parle pas francais“ eher als Schlager zu betrachten, weil der Song wenigstens in deutscher Sprache gesungen wird. Ob hier nur mit allen Mitteln verhindert werden sollte, z. B. eine Marie Wegener einzuladen, die ärgerlicherweise noch bei einem „komischen“ Wertungsverfahren vom MDR als „Schlager des Jahres“ (der 2. Wertung) ausgezeichnet wurde – schwer zu sagen.

Fehlt nur noch die Kategorie: Erfolgreichste homosexuelle tätowierte verheiratete Sängerin – was soll das? Okay, ganz so schlimm wie beim Echo war es nicht, man hat das Ganze mit einer so genannten „Platin Eins“ versucht, auszugleichen – nur: Warum werden nicht einfach die WIRKLICH erfolgreichsten Interpreten geehrt – warum muss der Erscheinungstermin ein Kriterium für einen Preis sein? Damit ist der Echo – Entschuldigung für die Wortwahl – irgendwann „auf die Schnauze“ gefallen, und das gefährdet – so sehen wir es – auch das Ansehen der Schlager Champions.

Vollplayback ist und bleibt ein einziges Ärgernis

Dass auch die absoluten Stars der Szene genötigt werden, ihre Songs im Vollplayback zu bringen, ist und bleibt ein Ärgernis. Mutlose Programmmacher sollten einfach mal bei den damaligen Mitarbeitern der ZDF-Hitparade nachfragen, wie die diese schier unrealisierbare technische Möglichkeit doch haben realisieren lassen, einfach mal ein Mikrofon hochzuziehen.

Wie sehr auch nur ein kleines bisschen Live-Show die Stimmung aufhellt, zeigte sich, als Andreas Gabalier einfach kurzerhand a capella live sang. Umgekehrt ist es einfach nur hochnotpeinlich, wenn Angelo von der Kelly Family von seinem Schlagzeug aufsteht, das aber einfach lustig weiterspielt. Richtig unfassbar ist es, wenn (so hatte es zumindest den Anschein) ein Ben Zucker im Vollplayback zu einer Live-Version spielt – Wahnsinn!

5,8 Mio. Zuschauer – Top-Quote, aber…

Mit 5,8 Millionen Zuschauern kann man eigentlich zufrieden sein. Unbestritten ist das für eine Schlagershow eine gigantisch gute Quote, die – machen wir uns nichts vor – in diesem Genre momentan nur einer holt: Florian Silbereisen. Da ist er zumindest aktuell konkurrenzlos. Erst recht bemerkenswert ist die Quote vor dem Hintergrund der starken Konkurrenz – beispielsweise lief parallel das RTL-Dschungelcamp, und gegen den ZDF-Krimi ist momentan ohnehin wohl kein Kraut gewachsen.

NUR – die Voraussetzungen waren denkbar gut – ein fast noch nie gekanntes Top-Staraufgebot inklusive Helene Fischer, Andrea Berg und Andreas Gabalier – dazu eine Hammer-Story mit einem Thema, über das ganz Deutschland spricht – da sind 5,8 Mio. zwar gut, aber nicht ganz so überragend, wenn man eine einfache Vergleichszahl nimmt:

Das „Adventszeit“ hatte OHNE Helene Fischer und auch OHNE die Helene/Florian-Story trotzdem MEHR Zuschauer, nämlich 6,05 Mio. Zuschauer. Nicht wenige Fans weisen darauf hin, dass die Modernisierung des Schlagerspektakels „Feste“ durchaus Früchte getragen hat und einerseits ein Erfolgsmodell ist – das können und wollen wir natürlich auch nicht in Frage stellen.

Der Köder muss dem FISCH schmecken, nicht dem Angler…

Viele werden sich angesichts der kritischen Töne „mal wieder“ aufregen, dass wir uns anmaßen, demjenigen „gute Ratschläge“ zu geben, der ein Millionenpublikum erfolgreich eingefangen hat. Und neidlos erkennen wir an, dass der „Unterhaltungspapst“ (ob es dafür einen Weihnachtsgruß gibt? Abwarten…) den Geschmack des Massenpublikums ganz offensichtlich trifft. Und dennoch ist das – so finden wir – nicht die Legitimation, nur noch eigenen Vorstellungen zu folgen, auch wenn das weit am Geschmack eines breiten Publikums vorbei geht.

Sehnsucht nach klassischer volkstümlicher Unterhaltung ist da

DENN: Die Sehnsucht nach klassischer volkstümlicher Unterhaltung ohne Feuerwerk und Tam-Tam ist anscheinend durchaus auch heute noch vorhanden. Wenn überspitzt gesagt eine Show mit Geraldine Olivier und den Grubertalern mehr Zuschauer vor die Schirme lockt als eine Sendung mit Helene Fischer und Andrea Berg, hat das ja schon eine gewisse Aussagekraft. Mit anderen Worten – vielleicht wären so ein paar mehr Stars, die dem Publikum ja noch vertraut sind, die aber derzeit „abserviert“ sind, gar nicht mal schädlich für die Quote – im Gegenteil.

Denken wir an Hein(tje) Simons. Dessen Album ist gigantisch erfolgreich, es war über Monate in den Albumcharts. Normalerweise hätte er dafür die Comeback-Eins der Besten mehr als verdient. Im vergangenen Jahr wurde die Kelly Family damit ausgezeichnet. Spannend: In diesem Jahr hat man lieber KEINEN Award in dieser Kategorie vergeben als Hein(tje) Simons damit auszuzeichnen, dem dieser Award klar zugestanden hätte. Und: Hein(tje) wäre wirklich (im Gegensatz zur Kelly Family) ein SCHLAGERsänger gewesen.

Noch ein Beispiel sei erlaubt: Mit Anita und Alexandra Hofmann hätte es sogar einen guten Grund gegeben, die Show mit einem Jubiläum aufzuwerten (30-jähriges Jubiläum). Auch Stefan Mross (, der heute übrigens ebenfalls sein 30-jähriges TV-Jubiläum feiert,) und Stefanie Hertel gelten heute eigentlich noch immer als Quotengaranten – wohl dosiert könnte man auch solche Acts zum Beispiel statt den Alvaro Solers dieser Welt wieder einfließen lassen, um auch das eigentliche Stammpublikum bei Laune zu halten – hier und da sind genau solche Diskussionen wahrnehmbar.

Roland Kaiser Fest – was erwartet uns?

Interessant ist das nächste „Feste“-Format, das sich ganz auf Roland Kaiser konzentriert. Exponiert wird der Schlager-Kaiser abgefeiert – und doch in kleinerem Rahmen als üblich – nicht in einer großen Arena, sondern in einem vergleichsweise kleineren Studio in Leipzig. Wir sind sehr gespannt, wie Roland am 16.3. gefeiert wird. Immerhin wird er ja vermutlich nur einen Monat später auch im ZDF einen wichtigen Auftritt haben, wenn das 50-jährige Jubiläum der ZDF-Hitparade gefeiert wird.

Fazit

Vermutlich werden wir hier viel Widerspruch ernten, aber uns hat das Schlager Champions Konzept in diesem Jahr nicht so überzeugt wie zuletzt der Schlagerbooom und insbesondere das sehr unterhaltsame Adventsfest. Kritikpunkte sind insbesondere der fehlende Glamour hinsichtlich der Preisträger, merkwürdige Award-Kategorien und in einigen Fällen die grenzwertige Besetzung der Show. Die Kritik geht ausdrücklich NICHT an den Moderator Florian Silbereisen, der den 200-Minuten-Marathon ausgesprochen souverän und insbesondere vor dem Hintergrund seiner persönlichen Situation bravourös gemeistert hat.

Bild: ARD / JürgensTV / Dominik Beckmann