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ROLAND KAISER: Was macht Schlager mit uns? „Terra Xplore“ blickt hinter die Kulissen des Genres
LEON WINTERSCHEID untersucht für das ZDF-Format „Terra Xplore“, warum Schlager Millionen Menschen bewegt – und trifft dabei unter anderem ROLAND KAISER und ISI GLÜCK
Warum berührt Schlager Millionen Menschen, während andere bereits beim ersten Takt abschalten? Dieser Frage geht Leon Windscheid in einer neuen Ausgabe von „Terra Xplore“ nach. Dabei trifft der Psychologe und Moderator auf Stars, Fans und Experten und versucht herauszufinden, welche psychologischen Mechanismen hinter der Faszination für Schlager stecken. Im Mittelpunkt stehen Sehnsucht, Emotion, Gemeinschaft – aber auch die durchaus präzise kalkulierte Produktion erfolgreicher Musik.
Tausende Menschen singen denselben Refrain, liegen sich in den Armen oder haben Tränen in den Augen. Schlager kann offensichtlich starke Emotionen auslösen – ob im Festzelt, auf Mallorca oder im Stadion. Doch warum funktioniert diese Musik bei einem Millionenpublikum so gut, während andere Menschen mit dem Genre überhaupt nichts anfangen können?
Sendetermin: 4. Oktober 2026, 17.15 Uhr
Roland Kaiser steht für eine andere Facette des Schlagers
Für „Terra Xplore“ trifft LEON WINDSCHEID unter anderem ROLAND KAISER, der den deutschen Schlager seit Jahrzehnten entscheidend mitprägt. In Münster spricht er mit dem Sänger über Sehnsucht, Gemeinschaft und die Frage, warum Schlager über Generationen hinweg funktionieren kann.
Gerade ROLAND KAISER steht dabei für eine Form des Schlagers, bei der Texte, Melodien und die emotionale Interpretation eine zentrale Rolle spielen. Seine Lieder erzählen Geschichten über Liebe, Beziehungen, Sehnsucht und die großen Themen des Lebens. Schlager kann dabei durchaus musikalische und textliche Qualitäten entwickeln, die weit über das hinausgehen, was dem Genre oftmals pauschal als „Kitsch“ zugeschrieben wird.
ISI GLÜCK und ROLAND KAISER in einen Topf zu werfen, greift zu kurz
Etwas kritisch darf man allerdings auf die Zusammenstellung der Sendung blicken. Wenn ISI GLÜCK und ROLAND KAISER gleichermaßen als Beispiele für „Schlager“ präsentiert werden, werden zwei musikalische Welten miteinander vermischt, die zwar unter dem großen Oberbegriff Schlager geführt werden können, aber in ihrer Ausrichtung kaum unterschiedlicher sein könnten.
ISI GLÜCK steht für Partyschlager beziehungsweise Ballermannschlager. Hier sind eingängige Refrains, treibende Beats, Mitsingen und die gemeinsame Party zentrale Bestandteile des Konzepts. Das kann als Unterhaltung hervorragend funktionieren – musikalisch und inhaltlich sollte man diese Form jedoch nicht automatisch mit dem klassischen deutschen Schlager gleichsetzen, zumindest ist das klar unsere Meinung.
ROLAND KAISER hat mit dem Ballermannschlager schlicht wenig zu tun – vielleicht mal abgesehen von Songs wie „Joana“, die von der Szene umfunktioniert wurden mit Einwürfen wie „Du Luder!“. Sein musikalisches Schaffen bewegt sich in einer anderen Tradition und setzt andere Schwerpunkte. Während beim Partyschlager die unmittelbare Partywirkung im Vordergrund steht, kann Schlager im klassischen Verständnis durchaus anspruchsvolle Geschichten erzählen, gesellschaftliche Themen aufgreifen oder musikalisch ausgesprochen fein gearbeitet sein.
Vielleicht wäre es deshalb sinnvoller, innerhalb der Sendung stärker zwischen den verschiedenen Spielarten zu differenzieren. Denn Schlager ist längst kein einheitliches Genre. Zwischen Partyschlager, Popschlager, klassischem Schlager und modernen Crossover-Produktionen liegen teilweise erhebliche Unterschiede.
Warum einfache Songs trotzdem funktionieren
LEON WINDSCHEID begleitet ISI GLÜCK backstage und bekommt dabei einen Einblick in die professionelle Arbeit hinter einem scheinbar mühelosen Partyauftritt. Einfache Zeilen, klare Beats und große Gefühle sind keineswegs zufällig erfolgreiche Zutaten. Produzent TIM PETERS erklärt, wie ein Schlager entsteht und welche Bedeutung Melodie, Text, Rhythmus und Emotion für einen Hit haben.
Auch die vermeintliche Einfachheit ist dabei ein interessantes Phänomen. Ein Refrain, den Tausende Menschen bereits nach wenigen Sekunden mitsingen können, ist nicht zwangsläufig schlecht gemacht. Im Gegenteil: Eingängigkeit ist eine musikalische Qualität – auch wenn sie bei unterschiedlichen Formen des Schlagers sehr unterschiedlich eingesetzt wird. Wer wüsste das besser als TIM, der bekanntlich nicht nur selbst als Sänger erfolgreich ist, sondern auch große Erfolge als Schlagerproduzent und Songautor feiert.
DR. POP erklärt die psychologischen Mechanismen
Musikwissenschaftler Dr. MARKUS HENRIK alias DR. POP beschäftigt sich mit den psychologischen Mechanismen hinter erfolgreicher Musik. Vertrautheit spielt dabei ebenso eine Rolle wie Emotion und Wiederholung. Ein bekannter Refrain kann Erinnerungen auslösen, Gemeinschaft erzeugen und Menschen für einen Moment aus ihrem Alltag herausholen.
Genau darin liegt möglicherweise ein wesentlicher Teil der Faszination des Schlagers: Die Musik muss nicht immer kompliziert sein, um Menschen zu erreichen. Entscheidend kann vielmehr sein, welche Gefühle sie auslöst und welche persönlichen Erinnerungen mit einem Lied verbunden sind.
Schlager zwischen Kunst, Unterhaltung und Geschäft
„Terra Xplore“ zeigt damit eine interessante Bandbreite des Genres – von der ausgelassenen Party bis zur emotionalen Begegnung mit ROLAND KAISER. Gleichzeitig wird deutlich, dass Schlager längst mehr ist als eine Ansammlung vermeintlich einfacher Liebeslieder.
Allerdings lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Partyschlager und klassischer Schlager sind nicht automatisch dasselbe. Wer beide Spielarten ohne weitere Differenzierung unter einem Begriff zusammenfasst, wird der musikalischen Vielfalt des Genres nur bedingt gerecht.
Schlager kann Party sein, kalkulierte Unterhaltung und ein lukratives Geschäft. Er kann aber ebenso emotional, handwerklich anspruchsvoll und im besten Fall beinahe kunstvoll sein. Genau diese unterschiedlichen Facetten machen das Genre interessant – und erklären vielleicht auch, warum Menschen ganz unterschiedlich auf einen Schlager reagieren.
LEON WINDSCHEIDs Reise durch die Welt des Schlagers liefert damit nicht nur Erklärungen dafür, warum Millionen Menschen diese Musik lieben. Sie zeigt auch, dass es den einen Schlager eigentlich gar nicht gibt.
Quelle: ZDF
Foto: © ZDF/Marius Fuchtmann











