Reinhard Mey

REINHARD MEY: Bewegendes Interview im rbb mit HEINER KNAPP

REINHARD MEY: Mit 83 Jahren veröffentlicht er sein 30. Album – im rbb-Interview spricht er über „Schatzhauser“, Haftbefehl und sein bewegtes Leben

Fast 60 Jahre Musikkarriere, unzählige Klassiker und nun das 30. Studioalbum: REINHARD MEY gehört auch mit 83 Jahren noch zu den prägenden Liedermachern Deutschlands. Mit „Schatzhauser“ hat er ein bemerkenswert persönliches und musikalisch ungewöhnliches Alterswerk veröffentlicht. Im Gespräch mit HEINER KNAPP bei rbb 88,8 gewährte der Sänger jetzt interessante Einblicke in die Entstehung des Albums, seine Gedanken über das Älterwerden und eine durchaus überraschende Verbindung zum Rapper HAFTBEFEHL.

Es ist eine außergewöhnliche Karriere, auf die REINHARD MEY inzwischen zurückblicken kann. Seit beinahe sechs Jahrzehnten begeistert der Berliner mit seinen Liedern, die mal humorvoll, mal nachdenklich, häufig gesellschaftskritisch und immer wieder sehr persönlich sind. Mit 83 Jahren denkt der Liedermacher allerdings keineswegs daran, sich musikalisch auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Stattdessen präsentiert er mit „Schatzhauser“ sein mittlerweile 30. Album – und setzt dabei auf ein Konzept, das selbst für einen Künstler mit einer derart langen Laufbahn eine echte Premiere darstellt.

Im Radio-Gespräch mit HEINER KNAPP in der Sendung „100 % Made in Germany“ bei rbb 88,8 ging es nicht nur um die neuen Lieder. Weil die beiden Männer eine jahrzehntelange Vertrautheit verbindet, entwickelte sich ein ausgesprochen persönliches Gespräch, in dem auch Erinnerungen an frühere Zeiten, REINHARD MEYS Berliner Kindheit und seine Leidenschaft für das Fliegen ihren Platz fanden.

REINHARD MEY bricht mit einer Tradition: „Schatzhauser“ ist radikal reduziert

Wer die Veröffentlichungen von REINHARD MEY über die Jahre verfolgt hat, weiß: Seine Alben erschienen traditionell im Mai. Das hatte durchaus einen schönen Nebeneffekt, denn der Veröffentlichungsmonat passte schließlich bestens zum Nachnamen des Künstlers. Mit „Schatzhauser“ hat MEY nun erstmals seit vielen Jahren mit dieser beinahe eisernen Regel gebrochen. Das 30. Album erschien nicht im Wonnemonat Mai, sondern im Herbst. Wie es dazu kam, erzählt er HEINER KNAPP.

Noch ungewöhnlicher ist allerdings die musikalische Umsetzung. Denn REINHARD MEY hat sich für eine radikale Reduktion entschieden: Auf „Schatzhauser“ ist kein weiterer Musiker zu hören. Es gibt keine zusätzlichen Instrumente, keine Band und keine aufwendigen Arrangements. Stattdessen stehen ausschließlich seine Stimme und seine Akustikgitarre im Mittelpunkt.

Spannend: Dieses Konzept ist nicht neu: Auf „Das Haus an der Ampel“ gab es zwei CDs: einmal in voller Besetzung, einmal solo. Auch da hat REINHARD seine Lieder nur mit Gitarre vorgestellt. „Musik ist nicht planbar, und das ist auch gut so“, sagt REINHARD dazu im Interview mit HEINER KNAPP.

Ein bemerkenswerter Schritt nach fast 60 Jahren im Musikgeschäft! Während andere Künstler gerade im fortgeschrittenen Karrierealter gerne noch einmal große Produktionen auffahren, vertraut REINHARD MEY ganz auf das, was ihn seit jeher auszeichnet: seine Geschichten, seine Texte und seine unverwechselbare Art, Lieder zu erzählen. Das Album wirkt dadurch besonders unmittelbar und persönlich.

Warum heißt das Album „Schatzhauser“? Die Geschichte hinter dem ungewöhnlichen Titel

Auch der Albumtitel ist alles andere als zufällig gewählt. „Schatzhauser“ nimmt Bezug auf Wilhelm Hauffs berühmte Erzählung „Das kalte Herz“, die im Schwarzwald spielt. Darin begegnet man dem Schatzhauser, einem guten Waldgeist, der den sogenannten Sonntagskindern Wünsche erfüllt.

REINHARD MEY greift diese märchenhafte Figur auf, um eine ganz persönliche Lebensbilanz zu ziehen. Dabei geht es um das Älterwerden, um Erinnerungen und um die Frage, was im Leben wirklich zählt. Auch die Dankbarkeit darüber, in Frieden aufgewachsen zu sein, spielt eine wichtige Rolle.

Gerade mit 83 Jahren bekommen solche Gedanken eine besondere Bedeutung. „Schatzhauser“ ist damit nicht einfach nur ein weiteres Album in einer langen Diskografie, sondern auch eine musikalische Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben. MEY blickt zurück, ohne dabei ausschließlich in der Vergangenheit zu verharren. Vielmehr scheint er sich bewusst zu machen, welches Glück es bedeutet, auf ein erfülltes Leben zurückschauen zu können.

REINHARD MEY und HAFTBEFEHL: Wie ein Lied aus dem Jahr 1970 zum Brückenschlag zwischen zwei Generationen wurde

Eine inzwischen bekannte Geschichte aus dem Gespräch mit HEINER KNAPP betrifft den Titel „In meinem Garten“. Das Lied stammt ursprünglich aus dem Jahr 1970 und gehört damit zu den älteren Kompositionen im musikalischen Schaffen von REINHARD MEY.

Doch ausgerechnet 2025 erlebte der Song eine bemerkenswerte Renaissance. Im Zusammenhang mit der Netflix-Dokumentation über den deutschen Rapper HAFTBEFEHL wurde das Lied plötzlich wieder einem breiten Publikum bekannt. HAFTBEFEHL hatte sich in der Dokumentation sichtlich bewegt über das Stück geäußert. Damit rückte ein mehr als fünf Jahrzehnte altes Lied von REINHARD MEY unverhofft in den Mittelpunkt einer ganz neuen Generation.

MEY hat diese besondere Aufmerksamkeit offenbar nicht einfach nur zur Kenntnis genommen. Für „Schatzhauser“ spielte er „In meinem Garten“ noch einmal neu ein. Das ist durchaus mehr als eine nostalgische Neuaufnahme: Der Liedermacher versteht die neue Version als persönlichen Gruß an HAFTBEFEHL und als musikalischen Brückenschlag zwischen zwei Künstlern, deren musikalische Welten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten.

Eine schöne Geschichte, die zeigt, dass Musik Generationen verbinden und manchmal auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung noch eine ganz neue Bedeutung bekommen kann.

Vom Nachkriegs-Berlin bis „Über den Wolken“: REINHARD MEY erinnert sich

Neben den aktuellen musikalischen Themen bot das Gespräch auch Gelegenheit, in die Vergangenheit einzutauchen. REINHARD MEY erzählte von seiner Berliner Kindheit im Nachkriegs-Mitte und seinen frühen Jahren. Dabei wurde deutlich, wie eng seine Biografie mit der Stadt verbunden ist.

Natürlich durfte auch ein weiteres Kapitel seines Lebens nicht fehlen: die Fliegerei. REINHARD MEY war leidenschaftlicher Hobbyflieger. Dass ihn diese Begeisterung über viele Jahre begleitet hat, passt natürlich hervorragend zu einem seiner bekanntesten Lieder überhaupt: „Über den Wolken“.

Der Titel ist längst ein Klassiker des deutschsprachigen Liedguts und dürfte wohl zu den bekanntesten deutschen Liedern überhaupt gehören. Im Gespräch mit HEINER KNAPP konnte MEY auch aus dieser persönlichen Perspektive auf seine Leidenschaft für das Fliegen zurückblicken.

Ein besonderes Gespräch über ein außergewöhnliches Alterswerk

Das Interview bei rbb 88,8 ist nicht zuletzt deshalb interessant, weil es REINHARD MEY nicht nur als erfolgreichen Musiker, sondern auch als nachdenklichen Menschen zeigt. Mit 83 Jahren und seinem mittlerweile 30. Album im Gepäck hat er noch immer etwas zu erzählen. Und offenbar ist ihm dabei die große musikalische Inszenierung längst nicht so wichtig wie die unmittelbare Wirkung seiner Lieder.

Dass er mit „Schatzhauser“ ausschließlich auf Stimme und Gitarre setzt, passt zu diesem Ansatz. Es ist ein Album, das von Persönlichkeit, Lebenserfahrung und musikalischer Reduktion geprägt ist.

Wer mehr über die Hintergründe erfahren möchte, sollte sich das Gespräch mit HEINER KNAPP unbedingt anhören. Der Mitschnitt ist im Audio-Archiv der rbb-88,8-Sendung „100 % Made in Germany“ HIER abrufbar.

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