Die Angst vor neuen Gesichtern: Joey Heindle kritisiert die großen Schlagershows
Mit „Schwer zu erklären“ feiert Joey Heindle seinen bislang größten musikalischen Erfolg. Im Interview spricht er über seinen langen Kampf um Anerkennung, die Angst der Fernsehmacher vor unbekannten Künstlern und die Frage, ob sich sein Erfolg wiederholen lässt.
Joey, Glückwunsch zu Deinem aktuellen Single-Erfolg „Schwer zu erklären“. Wie ist das für Dich – tatsächlich schwer zu erklären?
Ja, ich habe damit nicht mehr gerechnet, wenn ich ehrlich bin. Am 24. April war die Veröffentlichung. Ich habe den Titel hochgeladen und dann haben das gleich mehrere tausend Leute kommentiert. Das hatte ich vorher noch nicht. Es bewegte sich auf einem ganz anderen Niveau. Einen Tag später war ich in der „Giovanni-Zarrella-Show“. Danach hat sich mein Leben musikalisch komplett verändert.
Die Sendung war live, mein Instagram ist explodiert und zwei Tage später war ich auf der Eins in den iTunes-Charts. Dieter Bohlen sagte mal zu mir, wenn du das schaffst, dann hast du es geschafft.
Wer hatte die Idee, „Words“, das Cover von F. R. David, auf deutsch zu produzieren?
Das war Udo Brinkmann. Er hatte mir den Titel geschickt, bevor ich in Thailand ein Format gedreht habe. Ich habe das gehört und wusste sofort, das ist ein Hit.
Der Titel ist aus dem Jahr 1982. Da warst Du noch gar nicht geboren.
Die Plattenfirma sagte, wir probieren das mal. Etwa zwei Monate später hatten wir die Freigabe. Wir sind dann zu Henning Verlage ins Studio gefahren. Dort habe ich den Titel eingesungen.
Der Song hat die Spitze der deutschen Konservativ Pop Airplay-Charts erreicht und gehört im Radio zu einem der erfolgreichsten Schlager des Jahres. Wo stehst Du gerade musikalisch und beruflich?
Ich habe mich mit meiner Stimme im Schlagerbereich etabliert und das geschafft, wovon viele träumen. Ich glaube, ich habe es allen gezeigt, die mich vorher immer belächelt haben und meinten, ich kriege nichts auf die Kette. Der Erfolg eines Titels hängt ja nicht nur vom Radio ab, sondern davon, wie das Publikum reagiert.
Ich verstelle mich nicht, ich bin ich authentisch. Natürlich geht immer mehr, man will mehr Auftritte, man will Stadien füllen, aber da bin ich noch nicht. Das weiß ich natürlich. Aber den Hit kann mir niemand mehr nehmen.
Möchtest Du Dich dauerhaft im Schlager etablieren?
Ich weiß es gar nicht. Das, was ich mache, ist eine Mischung aus Pop und Schlager. So kann es sicher weitergehen. Ich kann nicht sagen, wie es in zwei Jahren aussieht, aber ich habe das Gefühl, es geht in Richtung Party-Schlager. Ich sage niemals nie, aber ich möchte meine Stimme präsentieren und gute, emotionale Musik machen mit einer Mischung von schnell und langsam.
Auf die Eins zu gehen oder sich möglichst lange oben zu halten – was ist schwieriger?
Ich mache mich da nicht verrückt. Wenn es bei den nächsten Liedern nicht klappt, dann ist das so. Man darf nicht zu verbissen sein. Es ist Glücksache und auch ein bisschen Roulette. Der Titel kam zur richtigen Zeit, es hat alles gestimmt. Manche Leute haben dieses Glück nie. Ich bin wahnsinnig dankbar. Der Song ist ein Selbstläufer. Wir sehen das ja an den Streamingzahlen und im Radio. Das funktioniert in zwei, drei Jahren auch noch.
Wie schaust Du auf die Chancen junger Künstler, sich neben den Platzhirschen zu etablieren, die regelmäßig in die großen Shows eingeladen werden?
Ich bin dankbar, dass ich bei Giovanni Zarrella eingeladen wurde. Als er mit der Sendung anfing, meinte er, ich soll mal vorbeikommen und dann sind vier, fünf Jahre vergangen. Jetzt hat das Standing gepasst. Ich spiele Musicals, ich mache etablierte Shows wie „The Masked Singer“. Die schauen auf das Gesamtpaket, die wollen, dass man etwas mitbringt.
Für ganz junge Künstler ist das verdammt schwierig. Wir leben in 2026. Veranstaltungen werden weniger bzw. werden abgesagt, weil die Leute kein Geld mehr haben und Veranstalter das Risiko nicht mehr eingehen wollen.
Für die großen Namen läuft es nach wie vor gut. Ich denke an Andrea Berg, Roland Kaiser, oder Howard Carpendale.
Diese Generation ist sehr stark und steht hinter ihren Stars. Ich habe damals das Glück gehabt, mit „Deutschland sucht den Superstar“ eine Show mit einer Quote zu machen, die es niemals mehr geben wird. Das ist heute ein Träumchen. Ich bin schon lange dabei, ich kämpfe und irgendwann zum richtigen Zeitpunkt klappt es. Es wird immer jemanden geben, der heraussticht, der einen tollen Titel hat, aber einfach ist es nicht. Es ist schon ein kleiner Lottogewinn.
Man könnte mehr junge Künstler in die Shows von Florian Silbereisen und Giovanni Zarrella einladen.
Was hinter dieser Zurückhaltung steckt, kann ich wirklich nicht sagen, aber ich merke, dass es viele Leute nervt.
Die großen Namen sind der garantierte Erfolg.
Die haben Angst davor, dass mit unbekannten Künstlern die Quote abrauscht. Ehrlich gesagt, ich habe mich jahrelang damit beschäftigt und mich gefragt, warum ich keinen Fuß in die Tür kriege.
Das ältere Publikum hängt natürlich an seinen Stars. Ihr jungen Künstler müsst Euch das erst erarbeiten.
Ja, das stimmt. Aber ich habe das Gefühl, das Publikum mit „Schwer zu erklären“ auf meiner Seite zu haben.
Hast du den nächsten Titel schon im Kopf?
Wir haben ein paar Lieder liegen, aber nach so einem Erfolg muss man schauen, was man macht. Das ist jetzt die Herausforderung. Ich mache mir jeden Tag Gedanken, wie es weitergeht. Wir suchen die Nadel im Heuhaufen.
Wie lange trägt uns der Schlager-Hype noch?
Ach, das geht noch eine Weile, aber man muss wahrnehmen, dass es weniger wird. Der Party-Hype ist gestiegen. Es gibt immer mehr Party-Songs. Die Leute wollen feiern.
Was ist eigentlich wichtiger: eine richtig gute Nummer oder die Social-Media-Kanäle?
Es ist eine Mischung aus beidem. Ohne Social Media bist Du am A ….
Nervt dich das?
Social Media muss bedient werden, sonst kann ein Lied nicht erfolgreich werden. Man darf es nicht übertreiben, sonst nervt es die Leute. Und mich auch, denn ich habe nicht immer Lust, was zu posten. Es gehört aber dazu.
Das Interview führte SINA WORM.











