Howard Carpendale

HOWARD CARPENDALE, ROLAND KAISER u. a.: Hat der Schlager ein demografisches Problem?

HOWARD CARPENDALE, ROLAND KAISER, AMIGOS u. a.: Nach wie vor DIE Schlager-Topstars – Nachwuchs ohne Chance in den Schlagercharts!

Ein Blick in die noch aktuellen Schlagercharts muss Schlagerenthusiasten besorgt stimmen. Seite vielen Monaten bis wenigen Jahren ist der Schlagerboom weit, aber richtig weit nach unten gegangen, der Marktanteil des Schlagers am Gesamtmarkt entwickelt sich ähnlich wie die Wahlerfolge der FDP. Eine weitere Gemeinsamkeit dieses Vergleich ist, dass die Vertreter der älteren Generationen es noch „rocken“. Ein Blick auf die aktuellen Schlagercharts macht das mehr als deutlich.

Ein Blick in die Top-3 zeigt:

  • Platz 1 wird belegt von HOWARD CARPENDALE (80 Jahre alt) mit „Zeitlos“,
  • Platz 2 hat ROLAND KAISER (73 Jahre alt) mit „Marathon +“ und auf
  • Platz 3 stehen DIE AMIGOS, das sind BERND (75) und KARL-HEINZ ULRICH (77 Jahre alt) mit „Das Remix Album 2026“

Dahinter noch mal ROLAND KAISER, bis es mit HELENE FISCHER, die auch schon über 40 Jahre alt ist, weitergeht.

Die Plätze 1 bis 4 also allesamt belegt mit Herren, die selbst nach neuen Renteneintrittsaltern im wohlverdienten Ruhestand sind. Und auch in den „tieferen“ Regionen der Top-20 ist es nicht anders – MATTHIAS REIM, UDO JÜRGENS, HEINTJE etc. – das sind alles keine Nachwuchs-Stars. Die einzige Künstlerin, die mit 37 Jahren noch NICHT die 40 überschritten hat, ist BEATRICE EGLI mit allerdings auch immerhin 37 Jahren.

Stärke der jahrelang etablierten Stars hat Gründe

Wir sind davon überzeugt: Dass ROLAND KAISER und HOWARD CARPENDALE auch im etwas gesetzteren Alter noch immer die Nase vorne haben, hat Gründe. Dass sie seit Jahrzehnten regelmäßig Hits abliefern, dass sie 100 Prozent authentisch sind, dass sie zu dem stehen, was sie sagen, dass sie fan-nah sind – das ist schon alles sehr wichtig.

Aber ein sehr entscheidender Faktor dürften auch die begeisternden Konzerttourneen sein. Anders als teilweise peinliche „Konzerte“, bei denen teils sogar VOLLPLAYBACK „gesungen“ wird, weil da „Stars“ auftreten, die nicht mal singen können, treten ROLAND, HOWARD und HELENE mit großen Bands auf, mit großartigen Musikern – da ist jeder Ton live, davon sind wir überzeugt. Zugegeben ist das bei den AMIGOS wohl nicht so, aber vom Trend her ist es bei den erfolgreichen Stars schon der Fall, dass LIVE-Musik praktiziert wird.

Wenig mutige TV-Macher

Zugegeben – mit BEN ZUCKER ist ein erfolgreicher Sänger da, der noch nicht zu Zeiten von UDO FOHT, dem früheren MDR-Menschen, der mutig junge Musiktalente gefördert hat, und trotzdem in den Schlagercharts ist. FOHT ist für Karrieren wie die von FLORIAN SILBEREISEN, STEFANIE HERTEL, STEFAN MROSS und nicht zuletzt HELENE FISCHER maßgeblich wichtig gewesen. ROLAND KAISER und HOWARD CARPENDALE entstammen gar noch der Ära DIETER THOMAS HECK. Die heutigen TV-Macher – sorry, das muss man so sehen, haben es nicht geschafft, in den letzten ca. 10 Jahren mehr als 2-3 große Namen nach vorne zu bringen.

Das Argument, dass man nur mit bekannten Namen „Quote“ machen kann, ist wohl richtig und nachvollziehbar. Wenn man aber so gar nicht mutig ist, mal auf neue Namen zu setzen – oder auch nicht „hartnäckig“ (HELENE FISCHER war im ersten Jahr medial fast dauerpräsent, und erst nach und nach stellte sich der ganz große Erfolg ein), dann darf man sich nicht wundern. Wobei z. B. MICHAEL JÜRGENS hier womöglich schon (wieder mal) die Zeichen der Zeit erkennt, indem er Leuten wie ALINA nach vielen Jahren neue Chancen gibt oder auch Nadelstiche wie DRUCKLUFT aus dem Hut zaubert – zugegeben war das ein Treffer, der Hoffnung macht – dieser Trend, zumindest „etwas“ mutiger in Sachen Nachwuchs zu sein, könnte ein guter Weg sein.

„Selber schuld“…?

Wenn die Schlagerszene wieder auch nur annähernd die Bedeutung haben möchte wie vor ca. 10 Jahren, als es WIRKLICH boomte (manche TV-Sender meinen ja immer noch, dass der Schlager aktuell sehr erfolgreich sei, der Charts-Marktanteil und die Entwicklung am TV-Markt sprechen da doch SEHR eindeutig eine andere Sprache), ist es wichtig, dass die Protagonisten authentisch und ehrlich sind (und wenigstens auf Tour live singen, wenn sie schon im TV dazu nicht in der Lage sind). Wenn da jemand eine Sendung weggenommen bekommt und nach außen hin so tut, als hätte man selber die Entscheidung getroffen – da mögen ja manche kritiklose Medien „mitspielen“, aber viele Fans werden sich da doch wirklich verarscht vorkommen, was dem Schlager-Image allgemein auch nicht guttun dürfte.

Formate in den „Dritten“ fehlen

Was für die Nachwuchsförderung schon dramatisch ist, ist sicher u. a. der Wegfall von „Immer wieder sonntags“, wobei man auch DA sagen muss – wenn da z. B. ohne Rücksprache mit den Komponisten Songs umgetextet werden und wenn man das kritisiert, das „Majestätsbeleidigung“ ist (allerdings nur so lange, bis ein REINHARD MEY sehr deutlich macht, dass auch dem SWR nicht alles erlaubt ist) und auch sonst einige kritikwürdige Dinge passiert sind – dennoch bricht hier eine Nachwuchs-Plattform weg, wobei man auch da sagen muss: Es war fast alles Vollplayback, wahres Talent war also ohnehin nicht wirklich erkennbar.

Aber auch andere Formate wie die „Schlager des Monats“ (später Schlagerhitparade) fehlen dem Schlager. Bleibt nur noch der „Schlager-Spaß“ – eine sehr wichtige und gute Sendung mit kleinem Nachteil: Die Altersstruktur des Publikums entspricht der der aktuellen Interpreten in den Charts…

Es gibt sie schon, die „neuen“ Schlagerstars

Wir finden: Hier und da gibt es schon gute Leute, die so gut wie nie in großen Shows stattfinden. Namen wie das Popschlagerduo NEON, NINA MONSCHEIN, MISHA KOVAR, DANIEL SOMMER, TIM PETERS – um nur mal ein paar wenige zu nennen, es gibt weit mehr, hätten es verdient, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. So schön es ist, „Hello Again“ und „Dich zu lieben“ zu singen- irgendwann wäre es schön, wenn es mal wieder einen aktuellen Schlager gäbe, der wieder ein Evergreen werden würde. So traurig es ist – nach „Atemlos“ und „Warum hast du nicht NEIN gesagt“ ist  nicht mehr viel gekommen, es sein denn, man bezieht noch Partyschlager wie „Wackelkontakt“ und „Layla“ mit ein.

Ob die kommende Schlagerliste eine Verjüngung bringen wird – leichte Zweifel sind angebracht, die Nummer 1 dürfte in der Liste dann das Duo FANTASY sein…

Artikel teilen:
Schlagerprofis – Der Podcast Folge 077 – Das neue Jahr mit Silbereisen

Wir reden über vieles, was zum Anfang des Jahres in der Schlagerwelt stattgefunden hat…

Deine Schlager-Stars

8 Kommentare

  1. Björn Landberg gehört für mich auf jeden Fall auf die Liste der Künstler, die mal in eine der großen TV – Shows eingeladen werden sollte und der es verdient hätte, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

  2. „Schlager“ im Sinne von „deutschsprachiger Hit“ ist viel mehr als Howard Carpendale und die anderen oben genannten Sänger.

    Zum Beispiel Wincent Weiss: Alle bisherigen sechs Alben waren in den Top 3 der Offiziellen deutschen Charts, das aktuelle Album „Hast du kurz Zeit“ kam auf Platz 1 der Albumcharts. Außerdem erfolgreiche Arena-Tourneen mit Live-Band und Live-Gesang. Doch seine Songs kommen in den meisten Schlagercharts, Schlagershows und Schlagerradios nicht vor. Warum?
    Weil es Deutschpop ist? Wo ist denn aber der Unterschied zwischen Schlager und Deutschpop?

    Eine seltene und gute Ausnahme bietet „Schlager Radio“. Dort kommt neben Howard Carpendale auch Wincent Weiss im Programm und in der Hitparade vor. Auch aus diesem Grund hat die GEMA „Schlager Radio“ mit dem Radiokulturpreis ausgezeichnet: „Schlager Radio zeichnet sich durch musikalische Vielfalt aus: Das Repertoire reicht von aktuellen Hits bis zu Titeln der 1960er Jahre und umfasst neben Schlager auch Deutschpop und Pop-Schlager.“

    Und dann hat Deutschpop = Schlager auch kein demografisches Problem mehr 😉

  3. Ergänzend:

    Die Erfolge der „älteen“ Stars waren aber nie durchgängig!
    Immer nur in zeitlichen Intervallen!

    Gerade Howard Carpendale hatte sich vor einigen Jahren „beschwert“, das die Erfolge nur bei den jüngeren Stars landen. Er würde damals vom Hype einer Helene Fischer oder Beatrice Egli eben nicht profitieren. Roland Kaisers große Erfolge fingen erst nach dem Tod von Udo Jürgens wieder an. Er hat von Udo Jürgens die Position der „grauen Emninenz“ im Schlagerbereich übernommen.

    Ihr Artikel beschreibt eine zeitliche Momentaufnahme.

  4. Für mich ist der Schlager auf gut Deutsch gesagt im Arsch. Im Artikel werden viele Gründe genannt, ich halte das Fernsehen für sehr entscheidend. Außerdem sollte man in der Branche endlich aufhören Stars der Szene als Schlager (Musikstil) zu bezeichnen die keinen mehr machen sondern nur noch dem Oberbegriff Pop (populäre Musik) zuzuordnen sind. Ich nenne Helene Fischer und Beatrice Egli. Was soll man von der sogenannten Schlagerszene halten, wenn eine Beatrice Egli in einem ihrer letzten Musikstücke den Begriff BRO (was für eine Anbiederung an den Zeitgeist) verwendet (ich habe davon nur gelesen), gleichzeitig aber eine Allessa (für mich eine der besten Stummen) seit 15 Jahren im Schlager gemieden wird wie der Teufel das Weihwasser? Von dieser Szene ist nichts mehr zu erwarten, sie hat dann nur noch eins verdient in der Belanglosigkeit zu verschwinden. Aber es soll dann keiner ankommen und Rumheulen wie schlimm das alles ist. Die Einstellung von Immer wieder Sonntags ist einer der größten Skandale der Schlagerszene. 👎👎👎

  5. Wenn immer mehr Shows aus dem Programm gestrichen werden hat der Nachwuchs ja kaum noch eine Chance. Vielleicht sollten bei Zarrella oder Silbereisen auch eine Nachwusecke in die Shows eingebaut werden. So können sie sich vor großem Publikum noch präsentieren. Man denke bei Ben Zucker hat es vor Jahren auch geklappt.

  6. Alles richtig, was da geschrieben bzw. kommentiert wurde. Ich sehe in erster Linie das Problem aber in den Rundfunkanstalten. Und wie wir alle wissen, wird es ab 2027 noch viel düsterer aussehen. Neue Namen haben überhaupt keine Chancen mehr, sich zu etablieren – wie auch?
    Dann sehen wir das ganze mit dem Oberbegriff „Schlager“ vielleicht auch ein wenig zu eng. Holen wir nochmals die ZDF-Hitparade in Augenschein. Waren da „nur“ Schlager? Sicherlich nicht! Es gab Liedermacher, es gab Rock, Austrian-Pop, es gab Neue Deutsche Welle, es gab Comedy, es gab Chansons. Ich würde sagen: die richtige Mischung macht´s bzw. hat es gemacht!
    Wenn ich früher Konzerte oder Auftritte von Schlagerstars (z.B. von SWR4, WDR4, RPR2, SR3) besuchte, sangen alle Interpreten auch ihre aktuellen Titel. Alle obigen Ex-Schlagersender sind, zumindestens was den aktuellen Deutschen Schlager betrifft, nicht mehr mit von der Partie.
    Ja, dann hatte ich die letzte Woche gleich zwei Konzerte besucht. Zum einen „Immer wieder sonntags“, hier in Würzburg. Das Programm war o.k., aber ich habe trotzdem keinen einzigen aktuellen Titel gehört. Auch eine Nicole steuerte leider nur ihre Hits (Oldies) bei.
    Die Halle (CCW) war ca. nur zu 50 % besetzt, was Stefan Mross auf die aktuelle wirtschaftliche Lage zurückführte.
    Zwei Tage später war ich dann in Nürnberg (fast ausverkaufte Meistersinger-Halle) bei Peter Cornelius. Handgemachte Musik (P.C. selbst spielte im Wechsel 10 Gitarren), ein Streifzug durch
    rund 50 Jahre Musikgeschichte, aber auch Musik aus seinem in Kürze erscheinenden neuen Album war vertreten. Und … Cornelius ist auch mit seinen 75 Jahren noch bestens bei Stimme.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite