Die Roy Black Story – Teil 8: Comeback-Song „Fremde Erde“ 2

Trotz Hit „Lucky“ erneuter Produzentenwechsel

Besser lief es mit der deutschen Version des Bernie-Paul-Hits „Lucky“. Den Song, mit dem Bernie Paul auf Englisch einen großen Erfolg erzielen konnte, stellte Roy Ende 1978 erfolgreich in der ZDF-Hitparade vor und schaffte es zumindest in die Hitliste der erfolgreichen deutschen Schlager. – Auch diesmal ging Roys TV-Auftritt eine Hitparaden-Tournee zuvor, die Roy vom 30.09. bis 10.10.1978 absolvierte. – Den nachdenklichen deutschen Text über jemanden, der auf die schiefe Bahn geraten ist – ein absolut untypisches Thema für Roy Black – verfasste Rolf Dahmen. Am 4. Mai stellte Roy den Song auch in der Heck-Show „Die Pyramide“ vor. Erstaunlich: Ausgerechnet jetzt, nachdem sich Erfolg mit dem Produzenten Harold Faltermeyer einschlich, war dessen Arbeit für Roy beendet, für 1979 wurde erneut der Produzent gewechselt – diesmal entschied man sich für das Produzententeam „Elio & Toto“, wobei „Toto niemand geringerer war als der spätere Superstar Toto Cutugno.

TV-Auftritt als Rock’n’Roller nicht überzeugend

Ende der 1970er Jahre landete Frankie Miller einen großen Hit mit „Darling“. Dessen Nachfolgenummer war „Good To See You“ – ein Song aus der Feder Allan Taylors, der auch von Don Williams interpretiert wurde. Auf Deutsch versuchte sich Roy Black an dem Titel – den deutschen Text steuerte diesmal der sehr erfolgreiche Textdichter Fred Jay bei – dennoch floppte das von Elio & Toto produzierte Lied „Ein neuer Morgen“. Der Titel feierte am 23. Juni 1979 in der ARD-Show „Allein gegen alle“ Premiere. In dieser Show zeigte Roy sich übrigens erstmals nach längerer Zeit einem breiten Publikum als Rock’n’Roller, was leider zu geteilten Reaktionen führte.

Mit der Elio & Toto-Produktion „Was muss noch geschehen?“ wurden die 1970er Jahre abgeschlossen. Obwohl Roy den Titel in der NDR-„Schaubude“ und in der ZDF-„Drehscheibe“ vorstellte, konnte er sich damit nicht in den Hitparaden platzieren. Spitzfindige Fans haben herausgefunden, dass Roy „gescheh’n“ singt, obwohl auf dem Cover „geschehen“ geschrieben steht. Wie dem auch sei, die deutsche Version des Ricci e Poveri Songs „Amare, ricominciare, no no no“ wurde kein Erfolg.

Vertrag mit Polydor nach 15 Jahren nicht verlängert – Wechsel zu Papagayo

Die Konsequenz des anhaltenden ausbleibenden Erfolgs war, dass die langjährige Zusammenarbeit zwischen Roy und der Polydor nach über 15 Jahren beendet wurde. Roy wechselte zur kleinen niederländischen Plattenfirma Papagayo (Inhaber: Charly Prick), deren Vertrieb in Deutschland von EMI Electrola übernommen wurde. Das Produzententeam „Elio & Toto“ wurde beibehalten und mit ihm die Vorgehensweise, internationale (bevorzugt italienische) Nummern einzudeutschen, wobei Fred Jay inzwischen so etwas wie „Stammtexter“ wurde.

Platz 1 in der ZDF-Hitparade: „Fremde Erde“

Bevor Ende des Jahres eine neue Single veröffentlicht wurde, war Roy zunächst mit Liveauftritten beschäftigt, beispielsweise trat er auch 1980 beim inzwischen traditionellen Schlagerfestival in Kerkrade auf. – Überraschend gut schlug dann die erste Papagayo-Nummer ein. Aus Gianni Nazzaros „Vino Amore“ machte Fred JayFremde Erde“, die Single erschien Ender 1980. Am 12. Januar 1981 stellte Roy den Titel in Dieter Thomas Hecks ZDF-Hitparade vor und landete zunächst auf dem 2. Platz, anschließend sogar auf Platz 1 der beliebten Kultshow. Am 9. März 1981 gelang schließlich auch der Sprung in die Verkaufs-Charts – Roys erster Hit seit fast vier Jahren war perfekt – auch damals war die ZDF-Hitparade mehr als hilfreich. Wolfgang Kaminski erinnerte sich zu dieser ersten Papagayo-Single: „Fremde Erde“ wurde zwar noch bei Polydor aufgenommen und angepresst, aber nicht mehr veröffentlicht. Das übernahm kurz darauf die EMI (Papagayo). Im Sommer 1980 trennten sich Roy Black und Polydor – und keiner weinte dem anderen auch nur eine Träne nach.

Wie so oft in Roys Karriere versuchte man, ein erfolgreiches Konzept (hier: Eindeutschung eines Italo-Schlagers von Gianni Nazzaro) zu adaptieren, um erneut den gleichen Erfolg zu haben. Das ging schon beim Anita-Duett schief, und auch das von Fred Jay getextete „Was geschieht mit mir?“ wurde kein Erfolg, obwohl Roy den Schlager erneut am 13. Juli 1981 in der ZDF-Hitparade vorstellen durfte. Kritiker sind der Ansicht, das Original von Gianni Nazzaro („Quanto e bella lei“) sei zu stark gewesen, Roys Version könne damit nicht standhalten.

Neue deutsche Welle überrollt den Schlager. Neuer Produzent: Uve Schikora

In der Hochzeit der Neuen Deutschen Welle war es sehr schwierig für deutsche Schlagersänger, so auch und gerade für Roy Black. Erneut trennte er sich vom Produzententeam Elio & Toto und engagierte Uve Schikora als neuen Produzenten. Der 1982er Schlager „Blue“ wurde am 19. März 1982 war im „WWF-Club“ vorgestellt, stieß aber auf wenig Gegenliebe. Obwohl damals Italo-Pop sehr angesagt war, konnte Roy auch mit dieser erneut von Fred Jay getexteten deutschen Version des Liedes „Oceano Blu“ des Daniel Sentacrz Ensembles nicht punkten. In damaliger Zeit konnte Roy ein Lied des „Propheten im eigenen Land“ singen. Während sich zu Hause der Erfolg in Grenzen hielt, unternahm er im Frühjahr 1982 erneut einen kleinen Tour-Ausflug nach Kanada und in die USA und gab erfolgreich Konzerte in Vancuver, San Francisco, Los Angeles, Seattle und Chicago.

Vertrag mit Papagayo läuft nach drei Jahren aus

Nachdem die letzten Coverversionen nicht den gewünschten Erfolg brachten, besann sich Roy auf einen klassischen Schlager, der von einem der bekanntesten Schlagerschreiber Deutschlands komponiert wurde. Aber auch 1983 konnte sich Roy gegen die Übermacht der Neuen Deutschen Welle nicht durchsetzen. Mit „Wilde Kirschen blühen früh“ endete die Papagayo-Zeit nach drei Jahren. Insgesamt war man unzufrieden mit den Veröffntlichungen, weil man sich mit dem Vertragsabschluss eigentlich auch eine deutliche Ausweitung der Aktivitäten in den BeNeLux-Staaten erhofft hatte, die aber ausblieb.

Erfolge in den Niederlanden

Auch 1983 zog sich die Geschichte mit dem „Propheten im eigenen Land“ durch. Roy Black war inzwischen mit dem Organisatoren des Niederländischen „Schlagerfestivals“, Harry Thomas, gut befreundet. Der war auch Manager des Schlagersängers Dennie Christian, der in den Niederlanden seinerzeit recht erfolgreich war. Thomas beschloss, ein Duett mit Roy und Dennie aufzunehmen unter dem Motto „Schlagerfestival“. Die beiden sangen in Medleyform ihre Hits und veröffentlichten die Produktion bei der kleinen Plattenfirma Munich Records (Inhaber: Jur Eckhardt) unter dem Titel „Schlagerfestival“ – und konnten sich damit über mehrere Wochen in den niederländischen Charts platzieren, es reichte sogar für einen 12. Platz, die Platte wurde über 40.000 mal verkauft.

Tiefpunkt 1984: Scheidung von Silke, kein Plattenvertrag

Das Jahr 1984 markiert einen weiteren Tiefpunkt in Roys Leben und Karriere. Privat trennte er sich endgültig von seiner Frau Silke. Und beruflich stand er ohne Plattenvertrag da und unterschrieb 1984 bei der österreichischen kleinen Plattenfirma MCP einen Vertrag. Dort entstand die LP „Roy Black singt ihre Lieblingshits“, auf der teilweise seine alten Aufnahmen (billig) neu eingespielt wurden, und auch recht simpel produzierte neue Songs (u. a. von Mel Jersey komponiert) veröffentlicht wurden.

Eigentlich sollten die Aufnahmen lediglich an Tankstellen und Rasthäusern in Österreich verkauft werden. Das Problem war, dass MCP die Aufnahmen an alle möglichen Plattenfirmen  weiterverkaufte. Insbesondere nach Roys Tod wurde so mit diesen billig gemachten (und klingenden) Produktionen Geld gemacht – zum Leidwesen der Rechteinhaber der Originalaufnahmen.


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2 Comments

  1. Hallo,
    leider konnte ich (Geburtsjahrgang 1977) Roy Black nie live Erleben.
    Aber, es ist auch wichtig, „nicht nur Ganz in weiß“ zu Erinnern, sondern auch andere, schnellere Schlager, die Blacky gut sang: z.B. schön wäre Erinnerungsdoku im Fernsehen mit „Fremde Erde“ oder Lucky, als Songs.
    Grüße D.S. (aus BW)
    PS: Sender, in denen ich den Roy Black gut Empfangen könnte: rbb, Bayern, 3Sat, RTL oder RTL 2

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Kevin Drewes

 

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Der Titel wurde übrigens vom Erfolgsproduzenten Peter Jordan, der erst kürzlich Platin für seine Tätigkeit für Ben Zucker bekam, produziert. Zudem ist bei ihrem inzwischen dritten Titel neu, dass Catharina den Song selbst mitgeschrieben hat. Eine sehr gute Entscheidung, steckt in ihr da doch Riesentalent.

Ihre vorherigen Songs waren  „Wir laufen los“ und „Mach mir nichts vor“. Letztgenannter schnellte in die Air Play Charts und hielt sich dort ganze 11 Wochen, für eine Debüt-Single und einen, zu damaliger Zeit, absoluten Neuling in der Szene ein ordentlicher Erfolg. Gerade arbeitet sie an ihrem ersten Album und gruppiert Autoren um sich, die bereits einen großen Namen haben, um Catharina bei ihren eigenen Gedankengängen und Texten zu unterstützen. Und auch die Fans sind da gefragt, denn nur gemeinsam geht’s!   

Kevin Drewes