Bernd_Clüver_50_Jahre_Mundharmonika

BERND CLÜVER: Zum 75. Geburtstag die große Schlagerprofis-Biografie: BERND-CLÜVER-Story

Inhaltsverzeichnis

BERND CLÜVER: Erste Songs von unglücklicher Liebe inspiriert

Am 10.04.1948 wurde BERND CLÜVER als Sohn eines Berufsoffiziers und Kaufmanns in Hildesheim geboren, wo er mit seinen beiden Schwestern aufwuchs. (Seine Schwester INGRID war seit ihrem 19. Lebensjahr auch seine Managerin). Interessant: Sein Großvater EILT CLÜVER war Pastor. – In einem BRAVO-Interview erzählte BERND scherzhaft, dass seine erste Gage 40 Mark waren – damals stand die Währungsreform an, und BERND wurde in dieser Zeit, 1948, geboren – seine Eltern profitierten von dem “Kopfgeld”, das der Filius angesichts seiner Geburt einbrachte.

Als “Trümmerkind” wuchs BERND in Hildesheim in er Straße “Altes Dorf” auf. Sein erstes Instrument war – wenig überraschend – eine gelbe Mundharmonika, auf der er laut einer BRAVO-Story einen Marsch zu spielen lernte (“Preußens Gloria”).

Bereits als Jugendlicher lernte er, Gitarre zu spielen und trat mit einer Folk-Gruppe  im Mannheimer Raum auf. Inspiriert von seiner unglücklichen ersten Liebe, die erst 15 Jahre alt und damit nach Meinung seiner Eltern zu jung für ihn war, begann er, erste Lieder zu komponieren.

Nach dem Abitur, das er 1968 zwar “im ersten Anlauf, aber mit Hängen und Würgen” (BRAVO) bestand, leistete er seinen Wehrdienst ab (in einem Interview sagte er: “habe ich bei der Bundeswehr gesungen”, in der Zeit trat er auch als DENNIS auf – und begann (entgegen der ursprünglichen Planung, sich bei der Bundeswehr zu verpflichten) an dessen Anschluss ein Jura-Studium an der Universität Heidelberg. Parallel widmete er sich aber weiter seinem Hobby, der Musik , und trat in Musikkneipen u. a. mit LEONARD-COHEN-Songs auf. Ein erster Erfolg war der Sieg bei einem Talentwettbewerb in Hannover und Auftritte im legendären Hamburger Musik-Club „Danny’s Pan“.

Sein erster selbst geschriebener Song hieß “She’s Gone” und wurde später auf seinem ersten Album auf Deutsch mit einem Text von PETER ORLOFF veröffentlicht – als “Leere Schatten an der Wand”.

Bewerbung beim Talentschuppen erfolgreich

1971 bewarb der junge Student sich mit Aufnahmen von ihm und der Band JOY UNLIMITED (JOY stand schon damals für JOY FLEMING), beim Talentschuppen des SWF, wo er zur Berliner Funkausstellung eine Einladung erhielt. Prompt konnte er seinen ersten Plattenvertrag unterschreiben, nachdem Plattenboss PETER MEISEL und Produzent PETER ORLOFF sich ihn unter 100 Bewerbern herausgepickt haben. Damit war der Auftritt beim Talentschuppen hinfällig. Übrigens: Die Band um JOY, die HIT-KIDS, sollten später Begleitmusiker der ersten Tour von BERND werden.

Erste Single: “Sie kommt wieder”

Die erste beim jungen Hansa Label im Februar 1972 erschienene Single hieß „Sie kommt wieder“ und war eine Komposition PETER ORLOFFs, der kurz zuvor mit dem PETER-MAFFAY-Hit „Du“ einen Super-Hit komponiert hatte. Der Text stammte von Erfolgs-Texter FRED JAY. Trotz einer ersten Teilnahme in DIETER THOMAS HECKs ZDF-Hitparade floppte der erste Song.

Bereits 2. Song geht durch die Decke: “Der Junge mit der Mundharmonika”

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Bei Überlegungen für eine zweite Single stieß PETER ORLOFF auf den Song „El chico de la armónica“ des Spaniers FERNANDO ARBEX, der mit seiner Gruppe „LOS BRINCOS“ damals aktiv war und das Lied für den Sänger MICKY komponiert hatte. Dazu fiel ihm der Legende nach in einer Produktionspause im Plattenstudio zwischen 3 und 4 Uhr nachts der Text ein: „Der Junge mit der Mundharmonika“, den er BERND CLÜVER andiente.

Ob beim Ersinnen der Zeile von der „Barke mit der gläsernen Fracht“ Alkohol im Spiel war, ist nicht überliefert. Jedenfalls war BERND  sofort begeistert. Man ging die Sache aber vorsichtig an – es gab bereits eine deutsche Version von VICKY LEANDROS, die diese abgelehnt hatte („Mundharmonika-Boy“), der später auch kein Erfolg beschieden war. – So sollte der Titel dann erst mal als B-Seite dienen – Als A-Titel war der Song „Holiday Girl“ geplant – ebenfalls eine Cover-Version (des Original-Titels „Seaside Shuffle“).

Nummer 1 der Single-Charts trotz ursprünglicher Ablehnung für ZDF-Hitparade

Man stellte aber fest, dass der Titel zum bewusst auf „naturverbundener Träumer“ getrimmten Schlagersänger passte – der Song  schoss auf Platz 1 der Verkaufs-Hitparade.  In der ZDF-Hitparade gelang übrigens mit diesem Song kein erster  Platz. Dort wurde sein Lied im Dezember 1972 zunächst nicht mal angenommen – erst eine erneute Bewerbung im Januar 1973 führte zur Vorstellung des Songs im damaligen Schlagertempel.

Und auch da lief nicht alles nach Plan – CLÜVER kam zunächst zu spät zur Generalprobe und verpasste dort seinen Einsatz und zog sich erst recht den Unmut von Regisseur TRUCK BRANSS zu, als er dem den Vogel zeigte. Bei der Live-Sendung begann er zu früh zu singen  und blieb mit seinen Plateau-Schuhen in den Gitterstufen der Wendeltreppe hängen. (Makaber könnte man sagen, dass CLÜVER offensichtlich öfter Probleme mit Treppen gehabt zu haben scheint). Aber: Ende gut – alles gut – der Song blieb bis zum Schluss das Markenzeichen BERND CLÜVERs.

Goldene Mundharmonika für 500.000 verkaufte Singles

In Deutschland erhielt CLÜVER für seinen ersten großen Hit an seinem 25. Geburtstag für 500.000 verkaufte Tonträger im Münchener Weinstadl eine goldene Mundharmonika aus den Händen seines damaligen Plattenbosses HAND BLUME von Hansa, die extra vom Instrumentenhersteller Hohner produziert worden war. Aber auch international schlug der Song ein: In der Schweiz gelang Platz 1, in den Niederlanden Platz 3 und in Österreich Platz 6 der Charts. In dieser Hoch-Zeit gingen jährlich bis zu 500.000 Autogrammwünsche bei dem Sänger ein. Der „Traum, der so alt ist wie die Welt“, bewegt die Schlager-Fans noch heute – Kult-Sänger wie DIETER THOMAS KUHN spielen den Song höchst erfolgreich auf ihren Konzerten.

Bereits 1973 die Goldene Europa

Interessanterweise war Komponist ARBEX nicht nur für BERND CLÜVER Ideen-Geber: JENNIFER LOPEZ‘ internationaler Hit „Jenny from the block“ basiert auf ARBEX‘ Hit „Hi Jack“ aus dem Jahr 1975. Bereits am 06.06.1973 erhielt BERND CLÜVER von der Europawelle Saar die „Goldene Europa“ als erfolgreichster Nachwuchs-Interpret.

Spannend: “Der kleine Prinz” war eigentlich die erste geplante Single ÜBERHAUPT

Wenn wir hier und da selbst bei öffentlich-rechtlichen Sendern Biografien sehen, die sonnenklar aus einer alten Biografie abgeschrieben sind, können wir uns nur wundern, dass selbst ÖR-Sender keine Quellen benennen. Immerhin war das Ansporn genug, noch mal etwas Neues in die vorliegende Biografie einzubauen. Und DAS ist spannend – kann man ja dann bei der nächsten Abschrift berücksichtigen – die Fantasie, dass man diejenigen, die das in harter Recherchearbeit ermitteln, wenigstens mal erwähnt, haben wir ohnehin aufgegeben. Aber weiter im Takt:

Die Nachfolgesingle vom Mundharmonika-Song war “Der kleine Prinz”. Und genau der Song wurde im Januar 1972 produziert, konnte sich aber zunächst nicht durchsetzen. Der Musikmarkt berichtete damals: “Erst in letzter Zeit erinnerten sich viele Funkredakteure an die Aufnahme und setzten sie gelegentlich ein. Deshalb baten viele Fans von BERND, die Platte doch wieder zu veröffentlichen. Und alle, die diese Platte hörten, waren der Ansicht, das ist die Nachfolgenummer für den “Jungen mit der Mundharmonika”. Und so wird sie am 6. August veröffentlicht: “Der kleine Prinz” / “Ein Stern geht auf“. – Demzufolge müsste “Der kleine Prinz” bereits zu Jahresbeginn 1972 zumindest als Promo-Track veröffentlicht worden sein – zumindest wurde die Nummer noch VOR dem “Mundharmonika”-Song veröffentlicht. Spannend!

Schlager-Seltenheit: Zwei Nummer-1-Hits in Folge

Aus der LP „Der Junge mit der Mundharmonika“ wurde also der von PETER ORLOFF getextete und komponierte Song „Der kleine Prinz (Ein Engel, der Sehnsucht heißt)“ ausgekoppelt, was ein Glücksgriff war: Die Idee, den ersten Song überhaupt “nachträglich” noch einmal in Szene zu setzen, ging auf – erneut erzielte man gigantische Verkaufszahlen, und BERND CLÜVER zählt zu den sehr wenigen Schlagersängern, die zwei Nummer-1-Hits in Folge in Deutschland hatten. Die Rechnung, der damals modernen harten Rockmusik bewusst „Schnulzen“ entgegenzusetzen, ging voll auf.

BERND CLÜVER gab damals überzeugend den (laut Eigen-Einschätzung) „sentimentalen Hund“. In einem Schallplatten-Forum hat Fan „besserwisser“ seine eigene These zum Erfolg dieses Konzepts: „War ja auch die Zeit, in der die Frauen die Miniröcke beiseite legten und stattdessen lange Gewänder anzogen um so der Verhütung vorzubeugen. (Wer steht schon auf lange schlampige Röcke?“. Trotz solch kritischer Überlegungen scheint es genügend Fans zu geben, die die Musik auch Jahrzehnte später mögen – die Top-10-LP wurde 2006 als CD neu aufgelegt.

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Internationale Charterfolge und Auszeichnungen

Erneut war der Erfolg auch international imposant – Top-5 in Österreich und der Schweiz und immerhin noch Top 20 in Niederlande lautete die Ausbeute. Die nächsten Auszeichnungen ließen nicht lange auf sich warten – bereits am 29.09.1973 nahm Clüver den Goldenen Löwen von RTL in Empfang , und zum Jahresende erhielt er am 16.11.1973 als erfolgreichster Sänger des Hauses die Goldene Hansa-Kogge. Kurze Zeit später erhielt er den „silbernen Otto“ der Zeitschrift Bravo als zweitbeliebtester Sänger des Jahres 1973 und gleich drei Gold-Auszeichnungen für seine beiden Erfolgs-Singles und die Erfolgs-LP.

Aller guten Dinge sind Drei…

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Mit bewährtem Konzept gelang der Start in Clüvers zweites Karriere-Jahr: Der Orloff-Song „Das Tor zum Garten der Träume“ kam erneut beim Publikum an, immerhin wurde wieder ein Top-10-Hit daraus, erneut hieß es bei Heck: „drei mal dabei – bitte nicht wiederwählen“. Auch die gleichnamige LP kam an und erreichte die Top 20 der deutschen Verkaufs-Charts, und am 05.10.1974 erhielt er den Bronzenen Löwen von RTL für diesen Song, nachdem ihm  zuvor im Mai 1974 erneut die „Goldene Europa“ als beliebtester Interpret des Jahres überreicht wurde.

Drei Goldene Schallplatten

Wahnsinn: Am 1. Mai wurde BERND auf der Insel Lindwerder (Berlin) von seiner Plattenfirma Hansa im Rahmen der ZDF-Hitparaden-Tour, deren Teil er neben Stars wie PHIL & JOHN und SEVERINE war, mit drei Goldenen Schallplatten ausgezeichnet: “Der Junge mit der Mundharmonika”, “Der kleine Prinz” und für die LP “Der Junge mit der Mundharmonika” (damals für 250.000 verkaufte Exemplare).

Vierter Top-10-Hit in Folge und erste Deutschland-Tour im September / Oktober 1974

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Mit „Bevor Du einschläfst (Tausend kleine Sterne)“ wurde im Herbst 1974 der vierte Hit in Serie geschaffen – erneut ein von PETER ORLOFF geschriebener Song, den viele als Wiegen-Lied bezeichnen und dem eine gewisse Ähnlichkeit zum Klassiker „Something Stupid“ attestiert wird. Top-10 und dreimalige Teilnahme in der ZDF-Hitparade waren inzwischen fast so etwas wie Standard. Im September und Oktober 1974 ging BERND auf große Deutschland-Tour mit den durch JOY FLEMING bekannten HIT KIDS. Dort soll Medienberichten zufolge sein Schwager am Schlagzeug gesessen haben. Die BRAVO berichtete, dass das Livekonzert ein voller Erfolg war und schrieb:

Deine Deutschland-Tournee ist nicht nur Dein persönlicher Erfolg, sondern gleichzeitig ein Werbefeldzug für den in letzter Zeit so oft zu Unrecht kritisierten deutschen Schlager.

Hintergrund dieses Statements war eine damals im ZDF zu sehende Sendung “Betrifft Fernsehen: Kritik an der Show”, in der das ZDF an Shows des eigenen Senders wie ZDF-Hitparade und Starparade massiv Kritik übte. Die BRAVO läutete nach dem Konzert in Bayreuth eigens eine Diskussionsrunde ein, in der – wenig überraschend – die Qualität deutscher Titel im Vergleich zur internationalen Konkurrenz als gut angesehen wurde.

Traumpaar BERND und UTE mit Anfangsschwierigkeiten

Auch 1974 wurde zum Erfolgs-Jahr für Clüver – er erhielt erneut den „Silbernen Otto“ der Bravo-Zeitschrift, die ihm einen ihrer legendären Star-Schnitte widmete,  und wurde sogar zum Film-Star, wobei der Film, bei dem auch sein Produzent PETER ORLOFF mitwirkte, gnadenlos floppte: „Zwei im siebenten Himmel“ war wohl auch zu trivial in der Handlung. In dem Film wirkte u. a. das Bravo-Girl und die spätere erste Ehefrau Clüvers, UTE KITTELBERGER, mit. UTE KITTELBERGER gewann übrigens zwischen 1974 und 1976 zwei goldene und einen silbernen Otto – BERND und UTE gaben für diese Zeitschrift somit quasi ein Traumpaar.

UTE: “Ich bin nicht in ihn verliebt”

1975 wollte die BRAVO es genau wissen und fragte UTE, BERNDs spätere Ehefrau, ob BERND ihr fester Freund sei. Die Antwort ist angesichts der späteren Hochzeit schon spannend und zeigt, dass die Zeiten damals schon sehr anders waren als heute: “Nein. Es wird zwar in vielen Zeitschriften geschrieben, dass wir heiraten wollen, aber das stimmt absolut nicht. Wir gehen manchmal zusammen Kaffee trinken. Außerdem sind vor allem seine und meine Eltern befreundet. Ich bin nicht in ihn verliebt und habe auch noch nicht mit ihm geschlafen. Ich schlafe nur mit einem Mann, den nicht nur ich liebe, sondern der auch mich liebt. Es muss schon etwas Ernstes sein: “Dann würde mir meine Mutter auch die Pille besorgen“…

“Ich schenk dir mein Geheimnis” und “Ein fremdes Mädchen” nur leidlich erfolgreich

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Ob es am Misserfolg des Films lag oder daran, dass die Masche inzwischen überstrapaziert war, ist schwer zu sagen – jedenfalls fiel die nächste – eigentlich genau wie die Vorgängerplatte gestrickte – Single beim Publikum eher durch – „Ich schenk‘ Dir mein Geheimnis“ erreichte trotz erneuter Vorstellung und Platzierung  in der ZDF-Hitparade nicht mal mehr die Top 40 und war gerade 2 Wochen in den Charts. Spannend: Eigentlich boten BERND und sein Produzent PETER ORLOFF der Plattenfirma den Titel “Gib mir deine Hand” an, was aber abgelehnt wurde. Der Song erschien dann 1979 als B-Seite.

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Vielleicht etwas den großen UDO-JÜRGENS-Erfolg „Griechischer Wein“ im Kopf habend, schickte PETER ORLOFF seine diesem Zeitgeist folgenden Titel  „Ein fremdes Mädchen“ (, das sich einsam fühlt und das so gern von seinem Land erzählt) ins Rennen mit überschaubarem Erfolg – allerdings reichte es erneut für eine Platzierung in der ZDF-Hitparade und immerhin für einen Top-40-Hit. Prominent wurde der Song am 20.11.1975 in der renommierten Starparade mit RAINER HOLBE platziert und im Februar 1976 auch in der Disco mit ILJA RICHTER präsentiert.

Hitpotenzial nicht erkannt: “Rocky” von FRANK FARIAN weggeschnappt

Sehr spannend ist, dass 1975 eine weitere LP veröffentlicht wurde („Oben steh’n und singen“ – der Titelsong ist übrigens die schlagereske Version des  Hits „Rock’n’Roll – I gave you the best years of my life“), auf der neben den beiden genannten Single-Auskopplungen sich ein Song befand, der von Bernd Clüver eigentlich abgelehnt wurde. Es handelte sich um eine Komposition von JAY STEVENS, der Sänger AUSTIN ROBERTS hatte damit einen mittelprächtigen Hit.

Der umtriebige Textdichter ULLI WEIGEL machte dazu einen deutschen Text, doch der Song „Rocky“ sagte ORLOFF und CLÜVER nicht wirklich zu, weil der Text ihnen nicht zusagte: Texter HANS-URLICH WEIGEL thematisierte (wie Jahre zuvor schon im Song von Conny Kramer) den Tod – diesmal stirbt die Mutter des Kindes, und der Mann blickt trauernd zurück. FRANK FARIAN erkannte das Hit-Potenzial der Nummer und machte das Lied zu einem Nummer-Eins-Hit. Dabei war BERND der Erste, der den Song auf Deutsch veröffentlicht hatte. Der BRAVO gab BERND zu Protokoll:

Daran bin ich selbst schuld! Man kann sogar sagen, dass ich mir den Hit habe klauen lassen. Ich war der erste Sänger, der dieses Lied auf Deutsch sang. Eine Single wagte ich wegen der Thematik aber nicht auf den Markt zu bringen. Ich dachte, dass mir dies meine Fans übel nehmen könnten.

Taktik “Spiel mir ein Liebeslied” ging nicht auf

Man wollte nun sehr “schlau” sein und den Fehler beheben, indem man eine unglückliche Lovestory zum Thema gemacht hat: “Spiel mir ein Liebeslied“. Ein Erfolg wie “Rocky” lässt sich aber nicht einfach kopieren – der Schuss ging nach hinten los, erstmals nach langer Zeit kann wohl wieder von einem Flop gesprochen werden.

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Mutig: BERND war einer der Ersten, die das Thema Homosexualität im Schlager gebracht haben

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In „Mike und sein Freund“, der deutschen Version des RUBETTES-Hits „Unter One Roof“ ging es lange vor Outings und Homo-Eheschließungen um schwule Liebe – im Jahre des Erscheinens dieser Single (1976) ein Tabu-Thema. CLÜVER wurde für seinen Mut von den TV-Redakteuren abgestraft – weder in der ZDF-Hitparade noch in der Disco durfte er seinen Song vortragen, lediglich im erzkonservativen Bayrischen Rundfunk wurde der Song von einem gewissen THOMAS GOTTSCHALK bisweilen gespielt. (Andere Quellen behaupten allerdings, auch im BR sei das Lied nicht gelaufen). CLÜVER hatte damals viel damit zu tun, zu versichern, dass er selbst nicht homosexuell sei.

Nachdem ULLI WEIGELs „Rocky“-Song zum Ärger BERND CLÜVERs als Hit nicht von ihm als solcher erkannt wurde, wurde dessen  „Mike und sein Freund“-Text als Single ausgekoppelt. WEIGEL ließ das Drama erneut  tödlich enden – der Vater zerstört das Glück des auf Männer stehenden Sohnes, der sich damit in den Freitod treiben lässt – das war schwere Kost in der seligen Schlagerwelt der 70er Jahre – allen Conny Kramers und Rockys der Welt zum Trotz:

Freitod und Homosexualität in einem Schlager vereint war dann wohl doch des Guten zu viel. Auch wenn der Song  aus heutiger Sicht eher schwülstig bzw. überdramatisiert wirkt – CLÜVER bewies echten Mut, gegen sein Image quasi im Alleingang durchzudrücken, dass die Scheibe so veröffentlicht wurde, der leider nur sehr bedingt mit einer bescheidenen Hitparaden-Präsenz von einer Woche honoriert wurde.

BERND CLÜVER gelangen im Anschluss nie wieder große Hits. Die Gründe beleuchtet das Buch „Schlager lügen nicht“:

Trotz des zweifellos vorhandenen guten Willens arbeitete auch dieser Titel mit wüsten Klischees, ist Mikes Freund ein ‚komischer Typ mit getöntem Haar‘, er selbst beklagt in seinem Abschiedsbrief, dass ihm ‚niemand helfen kann‘. – Den meisten Schlagerfreunden ging das dann doch zu weit. Der Titel, den viele Rundfunkanstalten ihren Hörern nicht zumuten wollten, floppte – Bernd Clüver musste sich sofort verloben und aller Welt beständig erklären, dass er ‚normal‘ sei. Seine Karriere war vorerst beendet.“

CLÜVER selbst sah das natürlich anders und gab der Bravo zu Protokoll: „Dieses Lied singe ich für alle, die ein Mitgefühl für Minderheiten im Herzen tragen. Ich singe es für alle Menschen, die noch an der Voreingenommenheit unserer Gesellschaft zu leiden haben, die sich oft wie Ausgestoßene fühlen müssen, obwohl sie in ihrem Leben nichts weiter als ein wenig Liebe empfangen wollen“.

Coverversionen schlagen nicht ein

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Nachdem der gewünschte Erfolg mit dem „Mike“-Song nicht funktioniert hatte, wurde eine von CHRISTIAN HEILBURG getextete Cover-Version des CLIFF-RICHARD-Songs „Hey Mr. Dreammaker“ veröffentlicht: „Hey Mr. Discjockey“. Die von BERND selber geschriebene Nummer  „Ich weiß, ich werd‘ gewinnen“ war die B-Seite der Single und wurde in der ZDF-Hitparade vorgestellt. Trotz des originellen Themas (Kritik an seinem Schwiegervater: „Wenn dein Vater auch nicht sehr viel von mir hält – Meine Macht ist deine Liebe – seine Geld“.) konnte sich CLÜVER nicht platzieren.

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Weiter ging es 1977 mit Cover-Versionen – zunächst wurde die deutsche Version des Smokie-Hits „It’s My Life“ veröffentlicht: „Gib mir Zeit!“. Wenngleich damit mehrfach Platzierungen in der ZDF-Hitparade gelangen, wurde auch dieser Song kein Hit in den Charts. Spannend ist auch an dieser Single die B-Seite: Aus DON WILLIAMS‘ Song „Some Broken Hearts Never Mind“ machte PETER ORLOFF „Wer hat ein Herz, das nie bricht?“. 

Der Song wurde aber erst einige Jahre später (1980) zum Hit, als TELLY SAVALLAS seine Version in die Hitparaden brachte. Zu spät für BERND CLÜVER – PHIL NASH war es damals vorbehalten seine Version in HECKs Hitparade vorzustellen. Einige Jahre später nahm sich sogar PETER ALEXANDER der Melodie an („Wenn auch die Jahre vergeh’n“). Richtig erfolgreich war in Deutschland aber nur die Version von „Kojak“ TELLY SAVALLAS.

Noch vor NICOLE: “Ein bisschen Frieden”

Frei nach UDO LINDENBERG, der das bekanntlich auf ERICH HONECKER bezog, galt auch für BERND CLÜVER das, was für so viele Schlagersänger der 70er gilt: „Ich weiß tief in Dir drin – bist Du doch eigentlich auch ’n Rocker“. Also nahm sich CLÜVER eines Songs der Rockband URIAH HEEP an. Aus „Free Me“ machte Peter OrloffFrieden (braucht auch ein Rebell)“. Einige Jahre vor Nicoles Eurovisions-Erfolg hieß es da: „Frieden – ein bisschen Frieden (!!!!) – braucht sogar ein Rebell“. Inhalt der deutschen Version war das Aufbegehren gegen ein biederes Elternhaus.

Wechsel der Plattenfirma: Von Hansa (Ariola) zu Aladin (Electrola)

Nachdem seine letzten Titel nicht mehr richtig erfolgreich waren, verließ BERND CLÜVER seine erste Plattenfirma Hansa und wechselte zu PETER ORLOFFs neu gegründeter Company „Aladin“. Sein letztes Hansa-Werk war „Blue Guitar“,  die deutsche Version des gleichnamigen JUSTIN-HAYWORD-Hits.

Der Start bei Aladin war nicht so erfreulich, wie man sich das vorgestellt hätte. Unter dem Pseudonym JACK GOLDBIRD schrieb DRAFI DEUTSCHER BERND eine Nummer auf den Leib – „Hinter Deinem Fenster“ ist eine interessante Ballade, in der es darum geht, dass eine Frau (, die wohl eine schwache Stunde hatte: „Vielleicht war es allein der schwere Wein“) nicht frei für Bernd war: „Doch dieser Sommer ging vorbei – als ich erfuhr: Du bist nicht frei“. Trotz Rückkehr zu balladenhafter Titel kam auch dieser Song nicht wirklich beim Publikum an.

Mit SMOKIE und typischem CLÜVER-Sound zurück in die ZDF-Hitparade

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Anders verhielt es sich mit der deutschen Originalaufnahme des wieder von PETER ORLOFF getexteten gleichnamigen SMOKIE-Hits „Mexican Girl“. Wer sich fragt, was damit gemeint war: „Sie sah mich mit traurigen Augen an – und sie sagte: ‚Hasta la vista‘“, der bekommt von Schlagerfreund „Aufrechtgehn“ im Netz eine bissige, aber vielleicht trotzdem zutreffende Textanalyse geliefert: „Glaubt man dem Clüver gerne, dass er damals schon in fernste Gestade reisen musste, um unschuldige Minderjährige vom Land zu deflorieren und sich flugs wieder aus dem Staub zu machen. Heute würde man ihn wohl eher in Pattaya finden…“

Mit dieser Rückkehr zum alten typischen CLÜVER-Sound konnte der ORLOFF-Schützling letztmals in die Verkaufs-Hitparaden gelangen und schaffe es ebenso letztmals, mit einem Song drei mal in der ZDF-Hitparade vertreten zu sein.

Duett-Titel mit MARION MAERZ ein toller Song – aber kein Hit

Für die Folge-Single hätte man sicher einen klaren Hit erwartet: SMOKIE-Sänger CHRIS NORMAN war damals im Duett mit SUZI QUATRO sehr erfolgreich – der Song „Stumblin‘ In“ schlug ein. Die von Bernd Clüver und MARION MAERZ (, die Ex-Frau FRANK ELSTNERs stand auch gerade bei ORLOFFs Aladin-Plattenfirma unter Vertrag ,) veröffentlichte wieder von PETER ORLOFF getextete deutsche Version „Schau mal herein“ ist zwar bis heute ein richtiger Evergreen – kam aber erstaunlicherweise nie in die Charts. Mit dem PETER-ORLOFF-Song „Denkst Du vielleicht, ich bin aus Stein“ wurden die 70er Jahre unspektakulär abgeschlossen.

Auftritt beim Grand-Prix-Vorentscheid abgesagt

Die neue Dekade begann kurios: Die bereits gegebene Zusage, bei der Vorentscheidung zum Grand Prix Eurovision 1980 den Titel „Hallo Adam, hallo Eva“ zu interpretieren, zog CLÜVER in letzter Sekunde zurück – eingesprungen sind sinnigerweise ADAM & EVE. – Die Begründung war, dass dieser Titel zu konträr zu seiner musikalischen Konzeption und Zielsetzung stünde…

Erneut setzt man mit Coverversionen aufs falsche Pferd

Anfang der 80er Jahre kam es immer mehr aus der Mode, in deutscher Sprache zu singen – selbst deutsche Produzenten und Musiker veröffentlichten ihre Schlager in englischer Sprache, seinerzeit z. B. G. G. ANDERSON, BERNIE PAUL und PETER KENT – die Radiostationen hätten heute sicher ihre helle Freude daran. PETER KENT hatte 1980 einen Top-15-Hit namens „You’re All I Need“ – produziert von HARALD STEINHAUER, der später mit NICKI und JULIANE WERDING allerdings dann auch in deutscher Sprache große Erfolge erreichen konnte.

Die von PETER ORLOFF produzierte und getextete deutsche Version des PETER-KENT-Hits „Bist Du jetzt frei?“, in dem es um Vor- und Nachteile der Volljährigkeit geht, konnte nicht annähernd an den Erfolg des Originals anknüpfen.

Das gilt auch für eine weitere Cover-Version des Jahres 1980 – aus DR. HOOKs „Better Love Next Time“ wurde „Später muss nicht zu spät sein“ – aber auch die Cover-Versionen wollten nicht mehr einschlagen beim Publikum.

“Sechs Jahre später…”

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Für die LP „Sechs Jahre später“ holte man sich dann mal „frisches Blut“ für neue Ideen – es entstand ein bemerkenswertes Album, das musikalisch von Arrangeur und FRANZ K.-Gründungsmitglied MICK HANNES und der Bochumer Gruppe PROUD unterstützt wurde. Der Song „Besser ich als der Kerl von nebenan“ ist ein country-angehauchter Titel mit witzigem Text – das Wittener Songschreiber-Team WALTER GERKE und MICK HANNES zeigte schon damals, dass es frischen Wind in die Schlager-Szene brachte – später feierten sie ja insbesondere mit IBO große Erfolge. Präsentiert wurde der Schlager am 21.09.1981 in der Disco. 

Auch wenn es ALICE SCHWARZER vielleicht nicht gefiel, war die Überlegung, zunächst Nebenbuhler in der Kneipe hinter sich zu lassen und dann das Bild des angetrauten Mannes auf dem Nachttisch hinfallen zu lassen, recht originell – honoriert wurde das allerdings vom Publikum nicht.

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Auch „Sechs Jahre später“, ein Lied, bei dem neben MICK HANNES erstaunlicherweise Radio-Legende MAL SONDOCK als Co-Autor erwähnt wird, obwohl der seinerzeit mit Schlagern eigentlich nichts (mehr) am Hut hatte, erzählte eine Geschichte – von jemandem, der nach sechs Jahren seine Jugendliebe wieder trifft. Trotz ZDF-Hitparaden-Präsenz gelang auch damit kein Hit.

Ende der Zusammenarbeit mit PETER ORLOFF

Nachdem die DRAFI-DEUTSCHER-Nummer „Seit Du nicht mehr da bist“ auch keine bemerkenswerte Resonanz brachte, wurde die langjährige Zusammenarbeit mit PETER ORLOFF beendet. Der Vertrag mit dessen Label Aladin wurde nicht verlängert – BERND unterschrieb bei Polydor. Vorher wurde noch die letzte Aladin-Single veröffentlicht – ein Cover des Songs „Sometimes When We Touch“ von DAN HILL mit deutschem Text von WALTER GERKE– „Wenn ich Dich berühr‘“ war erneut kein Erfolg – die Neuauflage, ein Duett mit der attraktiven Sängerin CARIN in den Neunziger Jahren, erfuhr deutlich mehr Beachtung.

Neuer Produzent: MICHAEL REINECKE

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Die erste Single bei der neuen Plattenfirma wurde vom Hamburger MICHAEL REINECKE produziert. Die Plattenfirma entschied sich für das Lied „Bilder können nicht reden“, das von G. G. ANDERSON (unter bürgerlichem Namen GERD GRABOWSKI) und seinen Spezis ENGELBERT SIMONS und BERND DIETRICH geschrieben wurde.

“Rücksicht” ursprünglich für BERND CLÜVER geschrieben?

Der Clou: Bernd Clüver nahm auch eine MICHAEL-REINECKE-Komposition als Demo auf mit einem von ihm gemeinsam mit VOLKER LECHTENBRINK geschriebenen Text: „Rücksicht“. Die Plattenfirma lehnte ab. (Ob CLÜVER wirklich am Text mit geschrieben hat, ist nicht verbürgt – auf Tonträgern ist er nie als Mit-Autor erwähnt worden, es steht aber verklausuliert so auf seiner Homepage und anderen Internet-Quellen). Dafür nahmen HOFFMANN & HOFFMANN den Titel auf (, die dritte Wahl waren – vorher hat zunächst auch MARY ROOS abgelehnt), und fuhren damit zum Grand Prix Eurovision – und siegten bei der Vorentscheidung ausgerechnet u. a. gegen BERND CLÜVER.)

Frühwerk des Poptitans vor 40 Jahren: BERND CLÜVER

Der nächste Produzent BERND CLÜVERs war – man höre und staune – Dieter Bohlen, der fortan auch einige seiner neuen Songs komponierte.

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Mit „Gefühle sind herzlos“ übernahm BOHLEN das Kommando. Sein von ANDREA ANDERGAST getextetes Lied kam zwar nicht in die Charts – dennoch wurde es auch in englischer Sprache von BERNIE PAUL aufgenommen („Magic of Music“).

Mit Verspätung: Teilnahme am Grand Prix-Vorentscheid – toller 3. Platz

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1983 war es dann so weit – BERND CLÜVER nahm erstmals an der deutschen Vorentscheidung zum Grand Prix teil mit der von DIETER BOHLEN geschriebenen und RENEE MARCARD getexteten Nummer „Mit 17“. DIETER BOHLEN folgte seinem später von STEFAN RAAB vergebenen Titel „Superstar of Fistguitar“ und griff Playback bei der TV-Eurovisions-Show zu BERNDs Unterstützung in die Saiten.

Das Ergebnis konnte sich durchaus sehen lassen: Der Uptempo-Song, der schon den mit MODERN TALKING perfektionierten Disco-Sound erahnen ließ, kam auf Platz 3 des Wettbewerbs. Ein Verkaufserfolg wurde die Single allerdings nicht, obwohl es wirklich ein toller Song war – die Neue Deutsche Welle hat damals vermutlich zu viel Aufmerksamkeit gehabt, um Schlager wie diese zum Hit werden zu lassen. 

Wenngleich PETER ORLOFF die Produktion BERND CLÜVERs an DIETER BOHLEN abgegeben hatte, blieb es bei der Zusammenarbeit – ORLOFF schrieb den Text für dessen letzte Single bei Polydor „Ein leeres Boot“, die erneut DIETER BOHLEN komponiert und produziert hatte. In jener Zeit hatte aber wie gesagt die Neue deutsche Welle die Hitparaden voll im Griff – lediglich ANDY BORG und TOMMY STEINER konnten dem seinerzeit Paroli bieten. Wenngleich der „Boot“-Song durchaus an den Sound dieser beiden Erfolgs-Sänger erinnerte, konnte er sich nicht in den Hitparaden platzieren.

Erneuter Wechsel der Plattenfirma leider ohne Wirkung

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Auf HOWARD CARPENDALEs 1984er-Comeback-LP „Hello Again“ fand sich ein von CARPENDALE komponierter Song namens „Sandy River“ – trotz Plattenfirmenwechsels hin zu „Master Records“ im Vertrieb der Teldec blieb der Produzent: DIETER BOHLEN. Das Lied wurde in der ZDF-Hitparade vorgestellt und fiel da genau so durch wie in den Verkaufs-Hitparaden. – „Ein Stück von meinem Himmel“, ein von DIETER BOHLEN produzierter, komponierter und getexteter Song, fiel ebenfalls komplett beim Publikum durch.

Erneute Teilnahme am Grand-Prix-Vorentscheid

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1985 versuchte CLÜVER zum zweiten Mal, bei der Eurovision teilzunehmen – diesmal mit dem von JOACHIM HEIDER und JOACHIM RELIN geschriebenen Song „Der Wind von Palermo“. Lediglich die B-Seite („Und wenn ein neuer Tag erwacht“) war noch eine BOHLEN-Produktion, die schon bei der Vorgänger-Single als B-Seite diente. CLÜVERs von MICHAEL CHAMBOSSE produzierte Grand-Prix-Nummer kam beim Vorentscheid auf einen 5. Platz, die Single wurde kaum wahrgenommen.

Wenngleich sein Song an den damals populären Sängern wie G. G. ANDERSON und TOMMY STEINER angelehnt war, machten doch die Nachwehen der Neuen  deutschen Welle in jeder Zeit das Rennen – statt CLÜVERs „Wind von Palermo“ setzten sich Palermo-technisch damals die „Heißen Nächte in Palermo“ der ERSTEN ALLGEMEINEN VERUNSICHERUNG in den Charts durch.

Neues Label (Bellaphon) mit Song aus Studio von FRANK FARIAN

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In den Europasound-Studios Offenbach von FRANK FARIAN wurde dann mit gleichem Team (Produktion MICHAEL CHAMBOSSE, Komposition JOACHIM HEIDER) ein (lt. Plattenfirma) „romantischer Schlager mit Ohrwurmcharakter“ produziert, der recht viel beachtet wurde und in späteren Jahren mehrfach gecovert wurde (von MICHAEL MORGAN und ROSS ANTONY): „Wer weiß?“ war die erste Single, die im Vertrieb der Bellaphon (Label Fun Records) von BERND CLÜVER veröffentlicht wurde.

FLIPPERS-Erfolgsproduzenten für BERND tätig

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Ab 1986 arbeitete CLÜVER dann mit den Erfolgs-Produzenten der FLIPPERS, Uwe Busse und Karlheinz Rupprich, zusammen. Ergebnisse dieser Zusammenarbeit waren die Singles „Dornröschen (träumst Du immer noch)?“, „Hollywood“ und „Angel of Love“.

WOLFGANG PETRY kommt ins Spiel

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Die nächsten beiden Produktionen, „Kinder dieser Welt“ (Neuaufnahme eines 1987er Mireille-Mathieu-Titels) – mit dem Attribut “Der Romantiker der 90er” – und „Wie ein Stern“ erfolgten durch „Moeve Music“. Dahinter verbargen sich die Produzenten REINER HÖMIG, RALPH GUSOVIUS und – man höre und staune – WOLFGANG PETRY. Ähnlich wie DIETER BOHLEN startete auch WOLFGANG PETRY erst kurz nach der Zusammenarbeit mit BERND CLÜVER richtig durch.

Mit CHRIS FLANGER in die 90er

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Kurz nach der Hochzeit mit der ehemaligen Miss Germany Anja Hörnich 1990, begann auch beruflich eine recht fruchtbare Zeit mit dem neuen Produzenten Chris Flanger – einige der Songs wurden in Uwe Hübners Hitparade vorgestellt, z. B. der Debutsong mit diesem Produzenten „Das mit Dir könnte gehen“. Weitere Auskopplungen aus der ersten gemeinsamen LP („Herz ist Trumpf“) waren „Die Mädchen am Strand“, „Dich hat der Himmel geschickt“, „Was hast Du denn nur mit mir gemacht?“, „Mit Dir ist das anders“ und „Diese Nacht gehört mir ganz allein“.

Erneut neues Label: Global Records, Teilnahme an deutschen Schlagerfestspielen 1994

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Auch von der zweiten gemeinsam produzierten CD „Sag noch einmal ich liebe Dich“ (bei neuer Plattenfirma Global Records)  wurden einige Titel auf (Promo-)Single ausgekoppelt – neben dem Titelsong „Lieben heißt leben“, „Hätt‘ ich die Wahl“ (mit diesem STEPHAN-SLOWIK-Song aus dem Jahr 1994 kam BERND CLÜVER auf den 6. Platz der neu belebten „Deutschen Schlagerfestspiele 1994“), „Zu wenig, zu spät“ und „Ein Mädchen wie Du“.

Als großer NEIL-DIAMOND-Fan war es BERND wichtig, mal wieder einen von dessen Titeln in deutscher Sprache zu interpretieren – aus „Let Me Take You in My Arms Again“ textete BERND mit MANFRED “MOF” FIEDLER „Wenn ich Dich dann in die Arme nehm“ – der Titelsong wurde auf Single ausgekoppelt. Als weitere Auskopplung aus dem Album entschied man sich für einen Song von RIA und HERBERT RUDOLPH, der fortan eng mit Bernd Clüver zusammenarbeitete: „Allein mit Dir“.

NEIL DIAMOND goes BERND CLÜVER

Bevor ein weiterer Track des Albums für die Radiostationen ausgekoppelt wurde („Dann kamst Du“), wurde aufgrund der großen Beachtung des NEIL-DIAMOND-Covers ein weiterer Duett-Song veröffentlicht. Bereits 1981 nahm BERND CLÜVER den Song „Sometimes When We Touch“ ja als letzte Single unter der Regie PETER ORLOFFs auf. Die 1996er Version von „Wenn ich Dich berühr‘“ war hingegen ein Debut – erstmals sang CLÜVER im Duett mit CARIN POSCH, der attraktiven Frau seines Mitmusikers EKKEHARD POSCH. Das Duett  schaffte es sogar bis in die ZDF-Hitparade.

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Dem Thema „Neil Diamond“ blieb Clüver erst mal treu – auch seine 1997 erschienene CD „Engel in Blue Jeans“ hatte als Titelsong eine deutsche Version des Weltstars – diesmal wurde „Forever in Blue Jeans“ ausgewählt.

Weitere Singles aus diesem Album waren „Für immer Du“ und „Keine Angst, so ist Mallorca“ – seit einigen Jahren hatte CLÜVER dort einen eigenen Wohnsitz. Auf Mallorca hatte er (gemeinsam mit seiner Frau ANJA) seit 1994 gewohnt, insofern dürfte der gemeinsam mit den „GIPSY VAGABONDS“ aufgenommene Titel autobiografische Züge haben. Co-Autor dieses Songs war übrigens EKKEHARD POSCH, mit dessen Ehefrau CARIN BERND CLÜVER erneut ein Duett sang, das nicht nur nächste Single, sondern auch Titel-Song der nächsten LP wurde: „So wie ich eigentlich bin“ (deutscher Text: BERND CLÜVER und EKKEHARD POSCH) ist die deutsche Version des RANDY-VANWARMER-Hits „Just When I Needed You Most“.

Erneute Teilnahme bei den Deutschen Schlagerfestspielen 1997 und 1998

Einer der Songs dieser LP ist „Lass die Freunde doch mal Freunde sein“, mit dem CLÜVER sich 1997 erneut bei den deutschen Schlagerfestspielen beteiligte – Platz 10 von 12 Teilnehmern war wohl Anlass genug, den Titel nicht als Single auszukoppeln, sondern den im Radio recht erfolgreich laufenden Song von WILLY KLÜTER „Kuscheln“, erneut ein Song der Schlager-Festspiele, der 1998 zwar bei der von DIETER THOMAS HECK veranstalteten TV-Show den letzten Platz belegte, aber durchaus im Radio ankam –  und CLÜVERs Eigenkomposition „Gut gut gut“.

Drittes Duett mit CARIN POSCH

Mit „Da musst Du durch“ erschien 1999 das sage und schreibe siebte Clüver-Album der 90er-Jahre. Zum dritten Mal entschloss er sich, ein Duett mit CARIN POSCH zu veröffentlichen – diesmal „Niemand weiß, dass wir uns lieben“ – dem widersprechend, muss zumindest CARINs Ehemann davon Wind bekommen haben, weil er den Song mit geschrieben hat. Eine weitere Single des Albums war „Denn sie wissen nicht, was sie tun“.

Im Jahr 2001 wurde gleichzeitig das erste CLÜVER-Album des neuen Jahrtausends produziert und das sechste und letzte Album bei Global Records: „Geh mit mir“, auf dem neben der Auskopplung „Desperado“ erneut ein Duett mit CARIN POSCH zu finden ist: „Manchmal möchte ich schon mit Dir“, eine Neuaufnahme des Klassikers von ROLAND KAISER (diesmal eben als Duettversion). 

Gründung eines eigenen Labels mit Schwester INGRID

Ab 2002 veröffentlichte BERND CLÜVER seine Lieder auf seinem eigenen mit seiner Schwester INGRID gemeinsam bereits im Jahr 2000 gegründeten Label „Phenomenia Records“. Lediglich eine Studio-CD wurde auf diesem Label veröffentlicht, nämlich die 2006 erschienene Scheibe „Offen und ehrlich“. Bei diesem Doppel-Album befinden sich auf CD 1 alle nach der Global-Zeit erschienenen Singles, die BERND CLÜVER mit seinem Freund und Co-Autor HERBERT RUDOLPH geschrieben hat, nämlich „Wir fliegen weit“, „Einmal mit Dir“, „Immerhin, irgendwie, irgendwas“, „Hör auf Dein Herz“, „Für die Männer (die Traumfrau)“ und „Mehr von Dir“ – außerdem noch sein letzter Radio-Hit „Ich war auch in San Francisco“, den die jungen Autoren OLIVER CORVINO und LUCA KAUFMANN ihm schrieben.

Auf CD 2, einem Hörbuch, gibt Clüver „offen und ehrlich“ Fakten und Schmankerln aus einem Leben und seiner Karriere preis. – Außerdem erschien auf seinem Label im Jahr 2008 eine Weihnachtlieder-CD („Meine schönsten Weihnachtslieder“), auf der auch die bereits 2001 erschienene Single „Weihnachtsmann“ enthalten ist.

Letzte Pläne konnten nicht mehr verwirklicht werden

Für 2011 war eine neue CD („Auch wenn ich geh‘, bleib‘ ich hier“) und eine bis 2012 andauernde Tour angedacht anlässlich des 40 –jährigen Bühnenjubiläums BERND CLÜVERs, an dessen Ende CLÜVER seine aktive Karriere beenden wollte.

Das Schicksal wollte es anders – am 28. Juli 2011 starb BERND CLÜVER in seiner Wahlheimat Mallorca bei einem Treppensturz-Unfall im Alter von 63 Jahren. Er war zu Besuch bei einem befreundeten plastischen Chirurg, bei dem er zwar etwas Alkohol getrunken hat, aber dem Vernehmen nach nicht viel, weil er noch beabsichtigte, mit dem Auto nach Hause zu seiner Finca bei Llucmajor zu fahren. Kurz nach seiner Verabschiedung war er aus seinen Sandalen geschlüpft, ins Schwanken geraten und die steile zu dem Mehrfamilienhaus führende Treppe so unglücklich herabgestürzt, dass er sich einen Schädelbruch holte – sein Todesurteil.

Die letzten Jahre waren keine besonders erfreulichen bzw. glücklichen für BERND CLÜVER, so wurde er kurz vor seinem Tod von seiner Frau ANJA HÖRNICH geschieden. Kurze Zeit später verstarb seine geliebte Mutter TRAUDL, zu der er ein sehr inniges Verhältnis hatte. Ein Jahr vor seinem Tod wurde auch sein letzter kleiner Vertrag für Gastspiele auf Mallorca in der Disco Salsa Rossa nicht verlängert – die Zeiten im „Oberbayern“ und später im „Bolero“ waren ohnehin schon vorbei, der Mallorca-Publikumsgeschmack hatte sich gewandelt.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass BERND CLÜVER zu Beginn seiner Karriere die Zeichen der Zeit mit dem „Jungen mit der Mundharmonika“ absolut erkannt hat, dann aber mehrfach seiner Zeit voraus war bzw. umgekehrt Trends nicht rechtzeitig erkannte, wenn man zusammenfassend an folgende Karriere-Meilensteine denkt:

  • 1975 wurde „Rocky“ nicht als Single veröffentlicht – FRANK FARIAN machte daraus einen Hit.
  • 1977 wurde die deutsche Version von „Some Broken Hearts“ produziert – erst drei Jahre später wurde die internationale Version von TELLY SAVALLAS ein Welthit.
  • „Ein bisschen Frieden“ braucht sogar ein Rebell – mit ähnlicher Zeile wurde Jahre später NICOLE Eurovisions-Siegerin
  • 1982 begann die Zusammenarbeit mit DIETER BOHLEN – sie endete, kurz bevor der mit MODERN TALKING Sensations-Erfolge hatte.
  • 1983 lehnte er den Song „Rücksicht“ ab und entschied sich für „Mit 17“
  • 1987 gab es eine kurze Zusammenarbeit mit WOLFGANG PETRY. Kurz nach dieser Zusammenarbeit hatte Petry ein sensationelles Comeback.

Wer weiß, wie Bernd Clüvers Karriere verlaufen wäre, wenn das Schicksal es in einem dieser Punkte anders mit ihm gemeint hätte? Morgen wäre der überaus sympathische Schlagerstar 75 Jahre alt geworden. Wir denken gerne an einen angenehmen großen Schlagerstar zurück!

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