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ULLI MARTIN: Beliebter Schlagerstar der 70er Jahre wird heute 80 Jahre jung!
Wohl wenige Schlagerstars können die Geschichte des Spruchs „Einmal zu den Sternen und zurück“ so gut erzählen wie Ulli Martin. Gleich mit der ersten Single wurde er quasi „aus dem Nichts“ zum Superstar. Nach nur wenigen Jahren großer Karriere fiel er dann wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Bis heute macht Ulli Martin Musik. Mit einer Schlagerprofis-Biografie gratulieren wir sehr herzlich zum runden Geburtstag.
Was wir großartig finden: Der große Ralph Siegel hat mit seiner Frau auch schon gratuliert (bereits vor einigen Wochen) und interessiert sich für Ullis Song, von dem im Artikel die Rede ist. Wir finden es toll, dass zumindest Ralph einer der wenigen ist, die aus der Glanz- und Gloriazeit noch den Kontakt zu Ulli gehalten haben.
Herzlich danken wollen wir auch Ullis Betreuer Bernd Soffner, der bei der Erstellung des Artikels sehr kooperativ mitgewirkt hat:
Die ULLI-MARTIN-Story
ULLI MARTIN ist in Osnabrück aufgewachsen. Sein Vater Walter Wiese war Schauspieler u. a. im Stadttheater Osnabrück, seine Mutter Friedel Braß Balletttänzerin, laut BRAVO sogar Primaballerina am Münchner Theater. Sohnemann Hans-Ulrich Wiese, so der bürgerliche Name von Ulli Martin, wollte auch auf die Bühne und besuchte drei Jahre lang die „Hamburgische Schauspielschule“. Er belegte die Fächer Schauspiel, Gesang und Tanz. Seine erste größere Rolle übernahm er bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg.
Dort verkörperte er den Häuptlingssohn Kastithill. Geplant war, in Regensburg eine Rolle im Drama „Die Glasmelangerie“ zu übernehmen, doch da „kam Monika dazwischen“, wie Ulli in einem Interview mit der BRAVO schmunzelnd zu erzählen wusste.
Denn Kurz vor diesem schon fixierten ersten Theaterengagement kam er zufällig in Kontakt zum Produzenten Leo Leandros, den Vater der berühmten Vicky. Der bekam ein Band von Ulli in die Hände, das der für seine Mutter aufgenommen hatte. Leo erkannte das besonderes Vibrato in der Stimme, besorgt ihm den zuvor in Frankreich erfolglos veröffentlichten Schlager »Monika«. In Deutschland schoss der Song mit Ulli Martin als Interpret durch die Decke.
Es war Ullis allererste Single-Veröffentlichung überhaupt – und damit landete er direkt auf Platz 1 der ZDF-Hitparade sowie auf Platz 1 der „Großen Acht“ von Radio Luxemburg und der NDR-Schlagerparade. Interessant: Seinen Nummer-1-Hit in der ZDF-Hitparade landete Ulli ausgerechnet in der ersten Jubiläums-Ausgabe der Sendung, nämlich in Ausgabe 25 der Show.
Im Original wurde der Schlager von Emil Dimitrov gesungen: „Moja Strana“ gilt als der einzige bulgarische Welthit. Die von Leo Leandros sehr hochwertig mit Streichern und Trompeten produzierte Single schlug ein. Sensationell, wie Ulli einen Hammer-Gegenpol zur progressiven Rockmusik bildete. Das war schon fantastisch, wie ein gut singender Interpret sich gegen Deep Purple und T. Rex durchzusetzen verstand. Die Werbung war aufschlussreich: Der Verlag warb mit den Worten „Experten-Meinung: Bei Ulli ist der Ohrwurm drin, seine ‚Monika‘ ist durch nichts zu bremsen. Sie läuft und läuft und läuft.“

Laut BRAVO verdiente Ulli anno 1971 nicht weniger als 150.000 DM, die aber schnell wieder weg waren, so musste er der Plattenfirma einen Vorschuss in Höhe von 21.000 DM zurückzahlen, sein Auto finanzieren (10.000 DM) und insbesondere ein Penthouse mit Swimming Pool und Sauna finanzieren. Nicht schlecht für den ehemaligen Gitarristen der Band „Mad Bats“, wo Ulli einst Gitarre spielte. Übrigens: Auch in den Niederlanden war „Monika“ ein Hit.
Am 19. Juni 1971 trat Ulli damit erstmals in der ZDF Hitparade auf. Vor fast genau 55 Jahren, am 17. Juli 1971, war er erneut in Berlin zu Gast und stellte sich als Sieger vor, um nachher immerhin den 3. Platz zu holen. In der Chronik der ZDF-Hitparade ist zu lesen, dass Ulli bei einem alten Volksschauspieler Bewegungen gelernt habe und auf dem Hitparaden-Podium mit den Armen gerudert hätte, als gelte es, eine Opernarie zu schmettern.
Anschließend schaffte Ulli in dieser leichtesten aller Musen es unter der Regie von Leo Leandros mit einer Komposition von Ralph Siegel erneut an die Spitze mit „Ich träume mit offenen Augen von dir“. Auf der Rückseite des Covers wandte sich Ulli an seine Fans mit den Worten:
Aus dankbarem Herzen möchte ich mich hier mit einigen Worten an Sie wenden. Ich weiß, dass das nicht üblich ist. Aber die Welle an Sympathie, die mir gleich bei meinem ersten Lied, „Monika“, entgegenschlug, war so groß, dass mir dieser Weg gestattet sein möge.
Gewiss – alle, die „Monika“ kannten, bevor es auf der Schallplatte erschien, waren davon angetan. Dass „Monika“ aber Millionen Menschen in Europa so sehr begeistern würde, das hat vorher niemand geahnt – auch ich nicht.
Der so außerordentliche Erfolg von „Monika“ ist der beste Beweis dafür, dass die Romantik und die Sehnsucht in unserer lauten Zeit noch nicht verlorengegangen sind. Das hat mich bestärkt in der Gewissheit, dass mein Weg richtig ist.
Ich habe lange gesucht, bis ich für diese neue Schallplatte etwas mit der gleichen innigen Aussage fand wie „Monika“. In dem Lied „Ich träume mit offenen Augen von Dir“ habe ich es gefunden.
Träume gehören zum Schönsten, das uns das Leben schenkt! Träumen Sie mit mir!

Auch dieser Ulli Martin auf den Leib geschriebene Schlager schaffte es in die Top-3 der offiziellen Single-Charts und hielt sich dort 21 Wochen. Inzwischen durfte Ulli auch im europäischen Ausland auftreten, z. B. in der holländischen TV-Show „Eddy – Ready – Go“.
Auch in der ZDF-Hitparade trat er wieder an. Im Dezember 1971 stellte er seinen neuen Schlager vor und landete direkt auf dem 2. Platz. Kurios – bei der dann folgenden Hitparade schaffte er es nicht mehr in die Top-5, was sehr merkwürdig war, weil die hinter ihm liegenden Titel allesamt auch in der nächsten Sendung vertreten waren.
Spannend ist auch die Anekdote, wer quasi als Testperson die Hitqualität der Nachfolge-Single von „Monika“ zu bewerten hatte. Das war nämlich die Raumpflegerin im Verlagshaus Ufa Discoton. Frau Merkls spontaner Kommentar zur neuen Single von Ulli war. „Wunderbar – das ist ja wie Monika“. Wie wir heute wissen, war die Einschätzung richtig, auch der Nachfolgetitel schlug ein.
Man ist geneigt zu sagen: „Ein Traum wird wahr“ – und genau so hieß das Debut-Album von Ulli Martin, das Leo Leandros produziert hatte und ebenfalls den Segen von Frau Merkl bekam. Mitte 1972 schaffte es das Album immerhin in die Top-20 der deutschen Albumcharts. 2011 wurde es übrigens auf CD wiederveröffentlicht. Darauf enthalten war auch die nächste Single.
Bezogen auf die LP-Produktion, für die es alleine 40.000 Vorbestellungen gab, sagte Ulli im Interview mit dem WDR damals: „Ich habe in diesen Monaten viel und intensiv gearbeitet, und bei der Produktion dieser LP hat mich mein Produzent Leo Leandros unheimlich hart angefasst. Dafür bin ich ihm dankbar, denn es hat sich gelohnt“.
Zur dritten Single von Ulli schrieb die BRAVO: „Ulli Martin darf sich auf seinen dritten Bestseller freuen. ‚Du musst nicht weinen‘ ist vom selben Kaliber wie ‚Monika‘ und ‚Ich träume mit offenen Augen von dir‘. Die Melodie geht ins Ohr. Der Text ist optimistisch. Das ist genau die Martin-Masche, die Mädchen mögen“.
Und immerhin gelang tatsächlich erneut ein Top-10-Hit für Ulli. Die Plattenfirma warb mit folgendem Text: „So erwarten Handel und Publikum mit Spannung die neue Single Ulli Martins, die am 12. November veröffentlicht wurde und von der musikalischen Konzeption ohne Zweifel an den ersten großen Erfolg anschließen wird. „Ich träume mit offenen Augen von dir“ ist im kommerziellen Trend produziert und zeigt zudem die persönliche Ausstrahlung des Sängers.“
Auch diesen Schlager präsentierte Ulli bei Dieter Thomas Heck in der ZDF-Hitparade – allerdings gelang diesmal nicht der Sprung ins Spitzenfeld.
Erstmals NICHT die Top-10 der Single-Charts knackte Single Nummer 4, die von Ralph Siegel komponiert und Leo Leandros produziert wurde: „Ein einsames Herz, das braucht Liebe“. Für die Top-25 reichte es aber immerhin noch. Der Musikmarkt schrieb: „Es ist ein Lied voller Sehnsucht, mit einer einprägsamen Melodie, die sich mit Sicherheit bei den Schlagerfreunden 100.000-fach durchsetzen wird.
Damals gab es sogar ein spannendes Quiz:

Die BRAVO befand damals: „…ist eine fette Schnulze. Aber Ulli schmiert das Schmalz nie zu dick“. Am 11.12.1972 stellte Ulli seinen Song in der „Drehscheibe“ vor.
1973 veröffentlichte Ulli dann Single Nummer 5, die auch das Zugpferd des neuen Albums sein sollte. Im Februar 1973 besuchte der Sänger den Musikmarkt und brachte sogar eine „Probe-LP“ des gleichen Namens (eben „Ich liebe dich“) mit. Man schielte damals wohl auch auf das Muttertags-Geschäft – und immerhin reichte es tatsächlich auch noch einmal für die Top-40 der Albumcharts.
Die BRAVO befand: „Ulli Martin wird mit ‚Ich liebe dich‘ bei den Girls ein offenes Ohr finden, denn mit so viel Gefühl singt kaum einer“. Am 13. Mai war der Sänger damit in der „Drehscheibe“ zu Gast. Die Top-20 der Single-Charts wurden denkbar knapp verpasst, aber auch Platz 21 war ein toller Erfolg. Am 14. April 1973 gab sich Ulli in Berlin in der ZDF-Hitparade die Ehre – ohne sich zu platzieren.
Am 19. September 1973 nahm Ulli Martin beim Deutschen Schlagerwettbewerb mit dem von Karl Geithner und Walter Heyer geschriebenen Song „Komm doch zu mir“ teil. Das war der erste merkliche Karriereknick des Sängers – der Titel landete auf einem undankbaren 10. Platz und schaffte es auch nicht in die Single-Charts. Besser lief es dann Anfang 1974 noch einmal mit dem Schlager „Mariann Mariann“, mit dem Ulli Martin letztmals in den deutschen Single-Charts vertreten war.
Die deutsche Version des Neil-Sedaka-Hits „Our Last Song Together“: „Das Lied unserer Liebe“ ist derweil ebenso in Vergessenheit geraten wie „Das Schiff der verlorenen Herzen“. Ehrlicher wäre bei dieser 1974er Single wohl die B-Seite: „Ich habe keinen Dollar“. Wobei dieser Song eine Rolle in einer TV-Doku „Heile Welt mit harten Bandagen“ spielte. Unglaublich, was für diese Single für ein Aufwand betrieben wurde. Dutzende echte Musiker waren beteiligt. Was für eine Qualität verglichen mit der heutigen Billig-Ramschware. Leider wird das damals wie heute nicht wertgeschätzt, zumal Ulli wirklich ein toller Sänger ist.
Im Jahr 1975 wollte Ulli es noch einmal wissen und veröffentlichte einen Schlager, der zwar nicht in die Charts kam, aber bis heute ein echter Evergreen ist und als „heimlicher Hit“ gilt: „Schenk mir noch einen Tanz“ wird bis heute gerne gecovert – u. a. von der großartigen slowakischen Band „Taste of Brass“. Inzwischen fungierte Ralph Siegel als Ullis Produzent, den Text dieser wirklich starken Single schrieb Michael Kunze. Bis heute ist der Song auch in der Slowakei sehr beliebt, dank einer Version von Karol Duchoň („Tancujem s tebou rád“). Im Juli 1975 begeisterte Ulli mit dem Song auch das Publikum der ZDF-Hitparade – sein 10. Auftritt bei Dieter Thomas Heck brachte aber keine Platzierung ein.
Mit „Wie ein Mantel im Wind“ übernahm Ralph Siegel 1976 die Produktion der Singles von Ulli Martin, aber der kommerzielle Erfolg wie früher wollte sich nicht mehr einstellen. Mit „Drei verrückte Mädchen“ zunächst fröhlich und verrückt weiter – ein origineller Song, der allerdings ebenso gnadenlos floppte wie das tiefsinnige „Engel müssen früher sterben“.
Die letzte Single bei Philips war ein Cover: Im Original hieß der Song „Save the Last Dance For Me“. Mit der deutschen Version „Mit 17 fängt das Leben erst an“ landete Ivo Robic 1961 einen großen Hit. Ulli Martin konnte mit dem Cover dieser deutschen Version 1977 an den Erfolg leider nicht anschließen, auch wenn der Song sehr gut zu ihm passte, so dass zumindest im Radio der Song ein kleiner Hit wurde. Produzenten des Songs waren übrigens Hans-Georg Moslener und Manfred Oberdörffer, den viele Schlagerfans noch unter seinem Interpreten-Pseudonym „Tony“ kennen.
1978 wechselte Ulli Martin für eine Single zu Polydor. Der von Ralf Arnie produzierte Song „Rote Rosen im Schnee“ knüpfte leider an die letzten Flops bei Philips nahtlos an, so dass diese Ära nach nur einer Single bereits wieder endete.
Länger dauerte das Gastspiel bei Telefunken, wo Ulli immerhin von 1980 und 1983 seine Singles veröffentlichte – und das in der Glanz – und Gloriazeit der Neuen Deutschen Welle. Wie so viele andere Schlagerstars konnte sich Ulli mit dem traditionellen Schlager nicht mehr durchsetzen – trotz selbstkritischer Songs wie „Meine Fehler seh ich ein“ (1980). Dabei handelt es sich um die deutsche Version eines Klassikers: „Just A Closer Walk With Thee“, produziert von Michal T. Omilian. Der Song mit Country-Touch wurde u. a. in der „Aktuellen Schaubude“ vorgestellt.
Auch die weiteren Telefunken-Singles „Es steht viel auf dem Spiel“, „Bleib heute Nacht bei mir“, „Und ich geh meinen Weg“ und schließlich „Seit es dich gibt“ 1983 konnten bei weitem nicht an die alten Erfolge anknüpfen, so dass die Telefunken-Ära recht unbefriedigend endete und Ulli Martin mehrere Jahre keine Tonträger mehr veröffentlichte.
1987 gab es einen einmaligen Ausflug beim Label Aktiv Special. Dort veröffentlichte Ulli einen Song in Zusammenarbeit mit Robert Jung, der schon in den ersten Jahren erfolgreich mit ihm kooperierte: „Adieu Goodbye Madonna Mia“. Aber auch dieses Manöver führte nicht zum gewünschten Comeback-Erfolg.
Bei WPL erschien 1990 eine Tex-Harper-Produktion: „Nur mit dir“ – auch weitgehend vorbei an der öffentlichen Wahrnehmung. Erneut war Robert Jung Co-Autor des Songs, der auch 1995 mit dabei war, als der Song „Sehnsucht heißt das Lied der Nacht“ erschien. In diesem Jahr trat Ulli auch noch mal mit seiner „Monika“ bei der Deutschen Schlagerparade im Fernsehen auf. Zuvor gab sich der Sänger im Januar 1992 in einer ZDF-Hitparade die Ehre – ebenfalls unter Nostalgie-Aspekten.
Danach gab es keine Veröffentlichung mehr. Ulli Martin war als Tonträger-Interpret nicht mehr gefragt, was natürlich schmerzhaft für ihn sein musste.
Einen großartigen Artikel über Ulli verfasste das Obdachlosen-Magazin „Hempels“. Dort ist nachzulesen, wie es Ulli in den vielen Jahren nach dem großen Erfolg ging. Erzählt wird die „bewegende Geschichte eines Vergessenen“: Mit dem Erfolg kamen Geld, Luxus und ein glamouröser Lebensstil. Autos, Reisen, Partys und teure Anschaffungen gehörten für ihn zum Alltag. Über finanzielle Vorsorge machte sich der Sänger damals kaum Gedanken. Rückblickend beschreibt er selbst diese Zeit mit den Worten: „Geld war mir unwichtig – wichtig war, ein Star zu sein.“
Obwohl Ulli Martin zu den bekanntesten Schlagersängern Deutschlands gehörte, fühlte er sich mit seiner Rolle nie vollkommen wohl. Er bezeichnet sich selbst eher als Rock’n’Roll-Musiker und empfand viele seiner Schlager als zu gefühlvoll. Um mit diesem inneren Konflikt umgehen zu können, griff er immer häufiger zum Alkohol.
Gleichzeitig veränderte sich die Musikwelt. Mitte der 1970er-Jahre wandelte sich der Musikgeschmack des Publikums, neue Künstler und moderne Stilrichtungen rückten in den Vordergrund. Martins Popularität nahm langsam ab.
Schon während seiner erfolgreichen Jahre litt Ulli Martin unter schweren Depressionen. Nach eigenen Aussagen wechselten sich euphorische Phasen und tiefe Niedergeschlagenheit abrupt ab. Schließlich ließ er sich über längere Zeit stationär behandeln und kämpfte zusätzlich gegen seine Alkoholabhängigkeit.
Seit 1995 lebt er alkoholfrei, doch die Depression begleitet ihn bis heute. Über viele Jahre lebte er in Einrichtungen für Suchtkranke, bevor er schließlich in eine Seniorenresidenz in Bad Bramstedt zog.
Als das HEMPELS-Magazin ihn 2018 besuchte, war Ulli Martin 72 Jahre alt. Er lebte in einem kleinen Ein-Zimmer-Appartement innerhalb einer Seniorenresidenz. Die Unterkunft wurde vom Sozialamt finanziert, ihm selbst blieben monatlich lediglich 111 Euro Taschengeld.
Unterstützt wird er von seinem ehrenamtlichen Betreuer Bernd Soffner, der sich um Behördenangelegenheiten und gesundheitliche Fragen kümmert. Martin selbst gibt offen zu, dass er sich nie um Finanzen oder Verwaltungsangelegenheiten gekümmert habe.
Der Artikel macht deutlich, dass der Absturz nicht ausschließlich auf persönliche Fehler zurückzuführen sei. Betreuer Bernd Soffner kritisiert die Musikbranche scharf. Seiner Ansicht nach seien Künstler oft ausgebeutet und anschließend fallengelassen worden.
Besonders gravierend war offenbar, dass Ulli Martin nie bei der GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten) angemeldet wurde. Dadurch erhielt er über Jahrzehnte keine Vergütungen für Rundfunk- oder Fernsehausstrahlungen seiner Aufnahmen. Selbst als Universal Music 2013 seine alten Aufnahmen Jahre später erneut veröffentlichte, wusste Martin zunächst nichts davon und erhielt offenbar keine Einnahmen. Im Jahr 2018 erschien ein Doku-Film über Ulli: „Steiler Aufstieg – tiefer Fall“. Darin kommen auch alte Weggefährten wir der Kollege „TONY“ zu Wort.
Trotz aller Rückschläge hat Ulli Martin seinen Glauben an die Musik nie verloren. Er schreibt weiterhin Songs und träumt davon, noch einmal erfolgreich zu sein. Gemeinsam mit seinem Betreuer plante er die Produktion eines neuen Liedes, das er fest für einen zukünftigen Erfolg hielt. Vielleicht werden diese Pläne ja tatsächlich umgesetzt, das Projekt ist nach wie vor in Arbeit.
Auch andere Comeback-Ideen beschäftigten ihn. So hoffte er auf Einladungen zu Jubiläumsshows der ZDF-Hitparade oder sogar ins Dschungelcamp – weniger aus Eitelkeit als aus dem Wunsch heraus, noch einmal auf einer großen Bühne zu stehen.
Im Interview mit der BRAVO gab Ulli 1972 an, sehr gerne zu schwimmen und zu reiten. Heute hat er andere Hobbys – Zitat: „Ich liebe BUNTE, GALA und Fleischsalat“ – wir finden: Das ist bodenständig und humorvoll – klasse!
Von daher: Ganz herzlichen Glückwunsch an Ulli Martin zum 80. Geburtstag! Wir würden uns wünschen, wenn er noch einmal die große Bühne bekommt, denn er gehört zu denen, die WIRKLICH singen können!











