Rudi Carrell Thomas Woitkewitsch

THOMAS WOITKEWITSCH: Bedeutender Textdichter und Songautor ist tot!

THOMAS WOITKEWITSCH ist tot: Ein Großer der deutschen Unterhaltung ist gegangen

Er stand selten selbst im Rampenlicht – und prägte die deutsche Unterhaltungslandschaft doch über Jahrzehnte. THOMAS WOITKEWITSCH ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Als Autor, Übersetzer, Fernsehproduzent und kreativer Kopf hinter den Kulissen hinterließ er Spuren bei „Wetten, dass..?“, „Am laufenden Band“ und zahlreichen weiteren großen TV-Produktionen. Unvergessen bleibt vor allem ein Lied, das bis heute zum deutschen Kulturgut gehört: „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“, gesungen von RUDI CARRELL.

Wie sehr THOMAS WOITKEWITSCH die zweite Reihe schätzte, verriet er selbst einmal im Gespräch mit CLAUDIA KARNER anlässlich seines 80. Geburtstags. Der Titel seiner – nie geschriebenen – Memoiren hätte nach dem Wunsch seines Freundes Herman van Veen „Der zweite von links“ lauten sollen. THOMAS WOITKEWITSCH bezeichnete sich selbst als „keine Rampensau“, sondern eher als „Ghostwriter-Typ“. Genau diese Haltung machte ihn zu einem besonderen Vertreter seines Fachs: Er wollte nicht unbedingt gesehen werden – er wollte, dass seine Arbeit gesehen und gehört wurde.

Geboren wurde der Textdichter in Posen. Nach der Flucht 1945 kam er mit seiner Familie nach Hamburg, wo er aufwuchs und das Matthias-Claudius-Gymnasium besuchte. In München studierte er Germanistik, Psychologie und Zeitungswissenschaften. Eigentlich wollte er Journalist werden. Doch das Fernsehen sollte sein berufliches Leben nachhaltig bestimmen.

Über einen befreundeten Kommilitonen kam WOITKEWITSCH zur Bavaria. Dort wurde ALFRED BIOLEK zu seinem Förderer und Freund. Gemeinsam produzierten sie unter anderem zwei MONTY-PYTHON-Filme und machten HERMANN VAN VEEN in Deutschland bekannt. Später führte der Weg zu RUDI CARRELL und dessen legendärer Sendung „Am laufenden Band“. Den Titel der Show hatte THOMAS WOITKEWITSCH selbst beigesteuert.

Auch bei „Wetten, dass..?“ gehörte WOITKEWITSCH zu den Männern der ersten Stunde. FRANK ELSTNER hatte seinen Namen im Abspann von „Am laufenden Band“ entdeckt und machte ihn zu einem der fünf Gründungsmitglieder der Sendung. Die ersten elf Jahre war WOITKEWITSCH dort als Autor, Wettentester und redaktioneller Berater tätig.

Sein kreatives Schaffen reichte jedoch weit über das Fernsehen hinaus. Er schrieb Drehbücher, Moderationen und Songtexte unter anderem für ALFRED BIOLEK, MICHAEL PFLEGHAR, HELGA FEDDERSEN, FRANK ZANDER, HARALD JUHNKE, FREDDY QUINN, FLORIAN SILBEREISEN, HAPE KERKELING, HARRY BELAFONTE, CATERINA VALENTE und DAME EDNA.

„Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ – sein ganz großer Klassiker

Thomas Woitkewitsch

Sein Name ist untrennbar mit einem der bekanntesten deutschen Sommerlieder verbunden: „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“, gesungen von RUDI CARRELL.

Im Gespräch mit CLAUDIA KARNER schilderte THOMAS WOITKEWITSCH eindrucksvoll, wie der Klassiker entstand. Für eine bevorstehende CARRELL-Show fehlte noch ein Showblock. CARRELL hatte die Idee, aus einem niederländischen Lied über den Abschied von einem schönen Sommer ein Lied über einen verregneten deutschen Sommer zu machen.

THOMAS WOITKEWITSCH setzte die Idee um. RUDI CARRELL lieferte dabei auch Anregungen und einige entscheidende Formulierungen. Besonders bekannt wurde seine Zeile „Und Schuld daran hat nur die SPD“. Am Tag nach der Entstehung stand der Titel bereits im Studio.

CARRELL selbst prophezeite nach der Aufnahme, das Lied könne einmal so etwas wie BING CROSBYs „White Christmas“ werden. Eine Einschätzung, die sich letztlich als erstaunlich treffsicher erwies. – Gut 20 Jahre nach dem Sänger ist nun auch der Textdichter dieses legendären Schlagers verstorben.

HERMAN VAN VEEN: mehr als ein Übersetzer

Eine weitere ganz besondere Verbindung hatte THOMAS WOITKEWITSCH zu HERMAN VAN VEEN. Er übertrug zahlreiche Lieder des niederländischen Künstlers ins Deutsche – und betrachtete sich dabei keineswegs als gewöhnlichen Übersetzer.

HERMAN ist von allen Künstlern, mit denen ich zusammen gearbeitet habe, der liebste, der größte, der authentischste“, sagte THOMAS WOITKEWITSCH im Gespräch mit CLAUDIA KARNER. Aus der beruflichen Zusammenarbeit war eine jahrzehntelange enge Freundschaft entstanden.

Zu seinen persönlichen Lieblingsliedern zählte THOMAS WOITKEWITSCH unter anderem „Kraniche“ von HERMAN VAN VEEN. Sein eigenes Werk „Ich hab’ ein zärtliches Gefühl“ wurde zu einem seiner größten Erfolge.

Auch mit MILVA arbeitete WOITKEWITSCH zusammen. Für sie entwickelte er unter anderem Texte zu Musik von MIKIS TEHODORAKIS. Dabei ging er ungewöhnliche Wege: Er interviewte die Sängerin zunächst ausführlich und versuchte, aus ihren Antworten Themen und Gefühle für die späteren Liedtexte herauszuarbeiten.

Schlagerprofis.de sprach erst kürzlich mit THOMAS WOITKEWITSCH

Dass THOMAS WOITKEWITSCH bis zuletzt als Zeitzeuge und Gesprächspartner von großem Wert war, wurde auch bei Schlagerprofis.de noch ganz aktuell deutlich.

Erst kürzlich haben wir über DSCHINGHIS KHAN und den Eurovision Song Contest 1979 geschrieben und dabei mit THOMAS WOITKEWITSCH gesprochen. Er konnte als Zeitzeuge Einblicke in eine Ära geben, in der die deutsche Unterhaltungsszene noch einmal ganz anders funktionierte und große TV-Shows, Schlager und internationale Unterhaltung eng miteinander verbunden waren.

Unser Gespräch und der daraus entstandene Beitrag „DSCHINGHIS KHAN 1979 beim ESC: Juror schlug Alarm!“ bekommen durch seinen Tod nun eine ganz besondere Bedeutung.

Zum Schlagerprofis.de-Beitrag über Dschinghis Khan 1979 beim ESC

„Celler Schule? Für mich ein Jungbrunnen“

Besonders herzlich sprach THOMAS WOITKEWITSCH über die Celler Schule und die dort versammelten Liedtexter. CLAUDIA KARNER hatte ihn auch nach seiner Verbindung zu dieser Institution gefragt. Seine Antwort war bezeichnend für seine Persönlichkeit: Nach jeder Teilnahme sei er „glücklicher denn je“ nach Köln zurückgekehrt. Die Celler Schule bezeichnete er als „Jungbrunnen“.

EDITH JESKE, TOBIAS REITZ, RAINER BIELFELDT und JULIA HAGEMANN nannte er ausdrücklich Menschen, die ihm besonders nahestanden. Es war eine Seite des THOMAS WOITKEWITSCH, die in der öffentlichen Wahrnehmung kaum sichtbar wurde: seine große Verbundenheit mit anderen Kreativen und seine Freude daran, Wissen und Erfahrung weiterzugeben.

Ein leiser Mensch mit großer Wirkung

Vielleicht ist es genau das, was seinen Lebensweg so besonders macht. THOMAS WOITKEWITSCH war kein Künstler, der ständig selbst im Mittelpunkt stehen musste. Er war einer jener kreativen Menschen, ohne die die deutsche Unterhaltungsbranche kaum denkbar wäre.

Er schrieb, übersetzte, produzierte, entwickelte Ideen, entdeckte Talente und gab anderen Künstlern die richtigen Worte. Seine Arbeiten reichten von großen Fernsehshows bis zu Liedern, die mehrere Generationen überdauerten.

Und vielleicht passt deshalb auch sein letzter im Interview übermittelter Wunsch so gut zu ihm. An die Rapper gerichtet, sagte er: „Vergesst nicht das, was auch in Euch tief schlummert: das zärtliche Gefühl.“

Im Dezember 2025 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen.

THOMAS WOITKEWITSCH hat dieses zärtliche Gefühl in viele seiner Arbeiten gelegt. Seine Lieder, Texte und Geschichten werden bleiben.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und allen Wegbegleitern.

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