Mary Roos auf Abenteuer Unvernunft-Tour: Ein großartiges Konzert, ABER… 0

Mit viel Spannung sind wir in das Mary-Roos-Konzert gegangen. Die Vorschusslorbeeren waren ja mehr als bemerkenswert. Für Dortmund wurde die Westfalenhalle 3a gebucht – eine Halle, die eigentlich für sicher (geschätzt) 1.000 Menchen und mehr  gedacht ist. Schade – nur ca. 500 Menschen fanden den Weg nach Dortmund. „Ist ja heute mehr so ne kleine Familienfeier“ kokettierte Mary mit der ernüchternden Zuschauerzahl. Das dritte Konzert der Tour sollte dennoch insgesamt zeigen, dass Mary es absolut drauf hat – auch wenn sie wie sie selbt sagt „nicht singend vom Trapez“ daherkomme und auch „kein Feuerwerk“ zu erwarten sei – ebenso gebe es „keine auswendig gelernte Moderationen„.

Nach dem Opener-Song „Ich wär bei mir geblieben“ gab es das bei Fans sehr beliebte „Amours toujours“ / „Morgens um Fünf“ zu hören, eine jazzige Easy Listening-Nummer, bei der die ausgezeichnete und wirklich großartige Begleitband Marys und die sensationellen Backgroundsängerinnen bewiesen, wie wichtig eine tolle Band ist. Da verzichtet man nur zu gern auf Feuerwerk – bei so einem musikalischen Genuss mit perfekten Musikern, die einfach wissen, was sie da tun – wirklich ganz großes Kino der alten Schule. Davor können wir uns nur tief verneigen. Schön waren auch die filmischen Einblendungen auf der Leinwand im Hintergrund.

Wer nun dachte, das Konzert sei eine komplett andere Veranstaltung als die „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“-Tour, sah sich getäuscht. Aus dieser Tour wurde wirklich das komplette musikalische Set mit in die Tour übernommen – beispielsweise das Sechziger-Medley mit den Schlagern „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“, „Schuld war nur der Bossa Nova“ und „Liebeskummer lohnt sich nicht“ – hier wehte erstmals der Geist von Wolfgang Trepper in Dortmund – wie er die Protagonistin des „Liebeskummer“-Song mit „Flittchen“ kommentierte, weil da die Liebe „von einem zum anderen“ geht, hat sich einfach eingebrannt. Dennoch ein schönes Medley – von Marys fantastischer Band super umgesetzt.

Ein echtes Highlight setzte Mary mit einem Song aus ihrem 2013 erschienenen gleichnamigen Jazz-Album „Denk, was du willst“ – der ohnehin qualitativ starke Jazz-angehauchte Titel kam dank der Backgroundsängerinnen Madeleine und Katja zur Geltung – erneut ein tolles Arrangement eines großartigen von Gregor Meyle komponierten Songs. Gänsehaut kam bei Marys Hommage an ihr Kind auf: „Mein Sohn“ ist inzwischen ein Klassiker, und man nimmt Mary die innige Liebe zu ihrem „Deibel„, wie sie ihn augenzwinkernd genannt hat, einfach ab. Erneut wurden schöne Bilder zum Song gefunden – und der geneigte Zuseher fragt sich auch „Wo sind all die ganzen Jahre hin?“ Und alle Eltern werden es sicher nachvollziehen können: „Ich wünsche dir ein Leben voller Glück – und sei sicher: Ich will nichts von dir zurück„.

Bekanntlich ist Mary Roos die einzige deutsche Künstlerin, die je in der Muppets-Show zu sehen war. Das nahm man zum Anlass, gleich zwei Minuten aus der Muppets-Show von damals als Film zu präsentieren – das zog sich etwas in die Länge. Da das in den Siebziger Jahren war, schloss sich nahtlos im neuen Outfit („Glitzer-Look“) das Siebziger-Medley an, das die „Nutten, Koks…“-Zuschauer bereits kannten: „Ich bin Mary und nicht Jane“, „Hamburg im Regen“ und „Nur die Liebe lässt uns leben“. Und hier gibt es eine Kritik: Unglaublich: Warum wurde dieser großartige Klassiker von Mary in der Eurovisionsversion nicht ausgespielt? Wobei es kurz darauf noch einmal zu hören war – dazu später. Auch „Arizona Man“ wurde nur angespielt. Das bekannte Arrangement der „Nutten“-Tour wurde insbesondere durch die sensationelle unfassbar starke Bläser-Sektion (Trompete / Posaune / Saxofon; Namen siehe unten) aufgewertet.

Mit dem Michael-Reinecke-Song „Weit, weit weg“ aus dem 2009er-Album „Gezeiten“ ging es weiter – damit wurde ein „Sing meinen Song“-Block eingeläutet – Mary erzählte, dass diese Zeit „tief in ihrem Herzen“ sei und Sängerin Katja auch schon bei Sing meinen Song dabei sei. Danach gab es einen Video-Einspieler von Mark Forster, mit dem sie im „virtuellen“ Duett dann noch einmal „Nur die Liebe lässt uns leben“ sang – allerdings in einem Forster-Arrangement und vor allem mit geänderten Harmonien – wem’s gefällt… Aus dieser Sing-meinen-Song-Ära spielte Mary dann noch den Wir-sind-Helden-Knaller „Bitte gib mir nur ein Wort“ – toll begleitet im BigBand-Stil.

Die Pause wurde mit dem aus der Nutten-Tour Song „Einmal um die Welt“ eingeläutet. Unwillkürlich wehte wieder der Wolfgang Trepper-Geist – und die Gedanken kreisten um Schiffsrundreisen, bei denen dieser Song angeblich gerne gespielt wird – AIDA und Konsorten lassen grüßen. Etwas irritierend war der doch sehr frühe Pausen-Zeitpunkt: 20.45 Uhr – die erste Hälfte dauerte also so lange wie die erste Halbzeit eines Fußballspiels – 45 Minuten….

Die zweite Hälfte startete fulminant mit einem der tollsten Schlager des Jahres 2018: „Am Anfang der besten Geschichten“ mit einem sensationellen Text von Tobias Reitz, der hier sein ganzes Können in die Waagschale geworfen hat. Der stimmige Song kam in der Live-Version super toll an. Witzig: Mary und ihre Sängerinnen „erzogen“ das Publikum, im „Off-Beat“ zu klatschen, also auf „zwei“ und „vier“, was in Deutschland eher ungewöhnlich ist. Es passte aber zum groovig-jazzigen Song. Einen kleinen Scherz und eine Anspielung an Helene Fischer gab es dann mitten im Song mit einer kleinen Umarrangierung im typischen Helene-Style mit Schattenfiguren hinter weißem Licht, die offensichtlich Marys Silhouette zeigten. Schnell ging es (zum Glück) aber wieder in das tollle Original-Arrangement zurück. Witzigerweise wurde dieser Titel sogar Gesprächsgegenstand im Talk mit dem bekannten Moderator Jörg Thadeusz, von dem Mary kurz vor ihrer Tour interviewt wurde, der sich auf das Kriterium „feucht genug um zu bleiben“ im Zusammenhang mit Küssen stürzte – Mary antwortete schlagfertig im launigen Interview.

Sind Sie die neue Johannes Heesters?“ – mit dem aus der Trepper-Tour bekannten Song „Wie lange wollen Sie das noch machen?“ aus dem legendären „Denk, was du willst“-Album nimmt sich Mary selber auf die Schippe. In der Ansage meinte sie augenzwinkernd, eine Woche würde es wohl noch gehen. Sehr witzig wurde auch das Thema von Marys Beziehungsstatus angekündigt und präsentiert. Mary mag es anscheinend nicht, auf einen vermeintlich fehlenden Mann angesprochen zu werden. Pe Werner hat ihr dazu einen perfekt passenden Song auf den Leib geschrieben: „Unbemannt“  – ein weiterer Song des Albums „Bilder meines Lebens“.

Ab jetzt – das muss man kritisch anmerken – gibt es in Folge diverse „Wiederholungen“ aus der „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“-Tour:

Danach kam – um es positiv auszudrücken – Stimmung auf. Man kann es aber auch so sehen – aber vermutlich ist das eine antiquierte Meinung, aber ich sehe es so: Aus der Bühne ins Publikum zu gehen, passt nicht zu einem seriösen Konzert. Die „Großen“ (Udo Jürgens, Howard Carpendale, Roland Kaiser) habe ich so nie agieren gesehen. Und auch Mary hat es sicher nicht nötig, sich von übergewichtigen Herren auf der Bühne angrabschen zu lassen – das passte noch zum „Nutten, Koks…“-Programm aber NICHT zu einem Mary-Konzert. Das sei als persönliche Meinung gestattet. Vorgekommen ist das alles im Achtziger Medley mit den Songs“Bleib wie du bist“ und „Ich bin stark, nur mit dir“. Beide Songs sang Mary diesmal übrigens – und das ist toll! – live mit Band und nicht wie bei der Trepper-Tour mit Halbplayback.

Im Anschluss wurde es „intimer“ – Mary setzte sich mit ihren Musikern auf die Treppe und bezeichnete sich als „Mutti„, die ihre „unehelichen Kinder“ um ich versammelt habe. Wenn wir richtig informiert sind, hat Mary den bereits 1973 produzierten, aber bis dato unveröffentlichten Song im Jahr 2005 auf ihrem Album „Leben“ erstmals den Klassiker namens „Ein Hund, eine Katze und eine Maus„, die deutsche Version eines Antonio-Carlos-Jobim-Bossa-Nova-Songs veröffentlicht. Schon im Talk mit Reinhold Beckmann soll Mary den Titel anno 2003 a capella im Fernsehen gesungen haben.

Das folgende „Hymnen-Medley“ besteht aus drei echten Mary-Klassikern, bei denen sich – leider müssen wir das hinterfragen – die Frage stellt: Warum um alles in der Welt singt sie die Songs nicht in voller Länge? Lieder wie „Rücksicht“, vor allem „Aufrecht gehen“(!!!) und „So war mein Leben“ (My Way) sind einfach Mary-Klassiker, die man bei einem Kabarettprogramm kürzen kann – aber doch nicht in einem Konzertprogramm? Das finden wir wirklich sehr, sehr schade. Bei „Aufrecht gehen“ den signifikanten Teil „… noch sind in meiner Seele Splitter…“ wegzulassen – das tut dem geneigten Mary- und Eurovisionsfan der alten Schule schon etwas weh, wenngleich – auch auf die Gefahr, sich zu wiederholen, die fantastische und großartige Band diesen Wermutstropfen absolut ausgeglichen hat.

Nachdem Mary mit „Zu schön, um wahr zu sein“ schon auf ihre Eltern eingegangen ist, wurde ihre Mutter einmal mehr (zumindest indirekt) Thema. Mary ist es wichtig, ein Lied über die Trümmerfrauen der Nachkriegszeit zu präsentieren. Pe Werner hat ihr dazu ein großartiges Lied geschrieben, zu dem Mary – wie sie im „River Boat“-Talk kundtat, auf „eigene Kosten“ einen Film produzieren ließ: „Stein auf Stein“. Ein nachdenkliches Lied mit Gänsehaut-Faktor.

Danach präsentierte Mary noch einmal einen Song aus „Sing meinen Song“ – der Revolverheld-Song „Spinner“ wurde zum Anlass genommen, die (erwähnten wir das schon?) fantastische Band, die wir am Ende des Artikels persönlich vorstellen, vorzustellen.

Mit dem Johannes-Oerding-Song aus dem Album „Bilder meines Lebens“ namens „Einzigartig“, das Mary auch bei der Trepper-Tour sang, ging der „offizielle Teil“ des Abends zu Ende. Die Botschaft der „schrillen Alten„, wie sie sich selber nennt, kommt an: Steh auch im Alter zu dir selber und sei du selbst! Mary lebt es vor, und das ist vorbildlich.

Als Zugabe gab’s den Klassiker „Champs Elysées“ auf die Ohren – auch diesen letzten Konzertsong kennen wir aus der „Nutten“-Tour, was natürlich der Qulität dieses Klassikers keinen Abbruch tut.

Fazit: Mary Roos ist und bleibt eine große Sängerin, die jeden Ton trifft und die hoch professionell ihr Publikum, das hochzufrieden aus dem Konzert herausging, erfreut hat. Ihre Band ist extraklasse, und sie setzt damit auf’s richtige Pferd: Nicht Feuerwerk, nicht Schaukeln, nicht wilde Tanzeinlagen machen ein tolles Konzert aus, sondern hervorragend gemachte Musik von tollen Musikern – ausnahmslos wurde dieser Anspruch nicht nur von Mary, sondern auch von ihren großartigen Musikern erfüllt.

Eigentlich könnte man jetzt Schluss machen – EIGENTLICH. Aber erstens gebührt es der große Respekt gegenüber der Künstlerin und dem Menschen Mary Roos, auch mal kritisch zu sein und zweitens wollen wir (vielleicht im Gegensatz zu anderen) ein paar Dinge erwähnen, die wirklich schade sind: Das wohl komplette (!) musikalische Programm (abgesehen von opulenter gestalteten musikalischen Arrangements) von  „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ im Konzertprogramm zu wiederholen, finden wir der Künstlerin nicht gerecht werdend.

Was auch erstaunlich ist: Warum heißt die Tour „Abenteuer Unvernunft“? Aus dem Album wurden lediglich zwei wirklich neue Songs dargeboten, nämlich der Opener von Teil 1 („Ich wär bei mir geblieben“) und von Teil 2 („Am Anfang der besten Geschichten“).

Schon bei der Ankündigung beschlich uns ein mulmiges Gefühhl, wenn wir sehen, dass sogar die Lanxess-Arena für einen Tourtermin im kommenden Frühjahr gebucht wurde. Mary hätte es mehr als verdient, die Arena zu füllen – nur – ist das nicht sehr gewagt? Köln ist nicht sooo weit von Dortmund entfernt – wir drücken feste die Daumen, dass sich im Rheinland viel mehr Mary-Fans von den großartigen Fähigkeiten der Sängerin für einen Ticket-Kauf inspirieren lassen als das in Dortmund der Fall war.

So – genug der Kritik, und jetzt noch zum Schluss ein paar Komplimente: Nur wenige Minuten nach Konzertschluss begab sich Mary zum Merchandising-Stand, um für alle Fans für Autogramme und Selfies bereit zu stehen. Weil während des Konzerts – so stand es am Eingang – sämtliche Foto- und Videoaufnahmen verboten waren, haben wir das Selfie-Foto, das nach dem Konzert angefertigt wurde, als Bild mal hier eingefügt:

Zum guten Schluss versuchen wir, noch die Namen der fantastischen Musiker zusammenzutragen:

Keyboards und musikalischer Leiter: Nick Flade
Drums: Thomas Käfel
Gitarre: Ferdinand Kirner
Bass: Patrick Scales
Trompete: Olaf Krüger
Posaune: Richard Hellenthal

Saxofon und Querflöte: Peter Maria Sagurna
Background-Sängerin: Madeleine Lang
Background-Sängerin: Katja Friedenberg

Tour-Termine 2019 (unsere Empfehlung: unbedingt hingehen!)

01.03 Würzburg, Congresscentrum
02.03 Stuttgart, Liederhalle
04.03 Chemnitz, Stadthalle
23.03 Halle (Saale), Steintor Variete Halle
24.03 Erfurt, Alte Oper
02.04 Dresden, Kulturpalast
04.04 Rostock, Stadthalle
05.04 Bremen, Metropol Theater
06.04 Lübeck, MuK
10.04 Frankfurt, Jahrhunderthalle
11.04 Wuppertal, Historische Stadthalle
12.04 Essen, Colosseum Theater
13.04 Bielefeld, Stadthalle
14.04 Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle
27.04 Flensburg, Deutsches Haus
28.04 Hannover, Theater am Aegi
30.04 München, Circus Krone
02.05 Köln, Lanxess Arena
03.05 Magdeburg, AMO
04.05 Nürnberg, Meistersingerhalle
18.05 Stade, Stadeum
31.05 Kempten, bigBOX
01.06 Mannheim, Rosengarten (Mozartsaal)
02.06 Siegen, Siegerlandhalle

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KERSTIN OTT: Innovativer neuer Song „Wegen dir (Nachts, wenn alles schläft)“ 0

Mit ihrer neuen Single geht KERSTIN OTT ungewöhnliche Wege, wie man sie sonst von internationalen Stars kennt. In ihren aktuellen Song bindet sie das legendäre „haa haa haa haa haa“-Intro des Carpendale-Klassikers „Nachts, wenn alles schläft“ ein. Auch die Zwischenwürfe des Originals („ich brauche deine Nähe“) finden in ihrem neuen Song, der ansonsten ein eigenständiger Titel ist, Einzug.

Auch wenn das Stilmittel, fremde Songs in eigenen Titeln zu zitieren bzw. legendäre Hook-Lines zu übernehmen, durchaus nicht neu ist – man denke an Madonnas „Hung Up“ oder Michelles „Wir feiern das Leben“ mit Zitaten von „Gimme Gimme Gimme A Man After Midnight“ bzw. „Scatman“ – aber einen deutschen Schlager so „einzubauen“, ist schon ungewöhnlich und in diesem Fall aus unserer Sicht sehr gelungen.

Interessant finden wir, dass sowohl Kerstin als auch Howard Carpendale in zwei Wochen beim Schlagerbooom zu Gast sind. Vielleicht wird Howard sich ja sogar beim Vortrag des Liedes einbringen? Wir würden das begrüßen, der Titel ist jedenfalls ausgesprochen hitverdächtig!

VERSENGOLDs Heimspiel in Bremen begeistert – Der Tag, an dem es bis in den Süden schallte 0

VERSENGOLD mit ihrem Erfolgsalbum „Nordlicht“ auf großer Tournee! Ganz besonders ist jedes Mal das Heimspiel in Bremen. In einigen Städten restlos ausverkauft – so auch am gestrigen Abend. 1350 Feierwütige brachten die Aladin Musichall zum Beben – mit ganz viel norddeutschem Charme und Spaß (und so manchem Krug Bier…)

Nach einem spektakulären „Nordlicht“-Intro inklusive riesigem Vorhang vor der Bühne, fiel unter großem Jubel dann eben dieser und es erfolgte der perfekte, temporeiche Start mit „Durch den Sturm“. Die Stimmung sofort auf hohem Level, getreu der Zeile „Eure Stimmen sind der Wind“ liefern die Fans direkt einen schönen Chor. Auch beim darauffolgenden „Niemals sang- und klanglos“ aus dem gleichnamigen Album von 2017 ging es direkt flott weiter. Schon jetzt bewiesen die Norddeutschen, dass man hier weiß, wie man feiert.

Es folgt ein Lied über die Legende vom Teufelsmoor und „“. Passend dazu gönnt sich Frontsänger Malte einen Schluck aus dem -ziemlich hochprozentigen- Likör. Der Erfinder dieses kostbaren Tropfens war ebenfalls im Publikum, samt Anhang. Versengold hat mit dem Titel erneut eine Legende perfekt in einen Song umgesetzt – der sogar richtig gut zum abfeiern geeignet ist. So auch natürlich in Bremen!


Die perfekte Einleitung zum nächsten Titel, „Verliebt in eine Insel“, lieferte Frontsänger Malte, indem er ein Hoch auf Supportact „Mr. Irish Bastard“ aussprach. Die Band war zuvor der perfekte Einstieg in die große Sause. Und eben dieser Titel ist eine Liebeserklärung an Irland und seine legendären Pubs. Die Zeile „Auf dass ein Jeder aus dem Pub laut mit uns allen singt…“ wurde dabei natürlich einwandfrei umgesetzt. Es wurde lautstark mitgegrölt, die Hände gingen in die Luft. Hervorzuheben ist hier auch der starke Violinen-Einsatz von Flo und Alexander.

 

Emotional wurde es dann bei Maltes Rede über die Entstehung des nächsten Songs. Einer der Punkte, die die Band sehr auszeichnet, sind die Texte. So wurde zur Katastrophe der Winterflut 1717 ein Lied geschrieben – anhand Berichten von Zeitzeugen. Daher ist das Lied dementsprechend düster. Live um einiges intensiver, ist der Chor der Band hier doch ganz besonders ausgeprägt und stark, der Summen-Part ist ein echter Mehrwert für den Titel.

Nach dem „Teufelstanz“ folgte eines der Highlights dieses Konzertes. Gesellschaftskritisch mit einem Auge zwinkernd erzählt „Der Tag, an dem die Götter sich betranken“ die Entstehung der Welt. Auch hier hat Malte eine passende Anekdote parat. Deutlich äußert er, was die Musiker von gewissen Menschen hält (die teilweise auch viel zu viel Macht haben), so waren seine Worte: „Warum gibt es so komische Gestalten, die unsere schöne Welt kaputtmachen?!“ Das Aladin verwandelte sich derweil in ein Tollhaus. Ein aufgeblasener Globus wurde ins Publikum geworfen (was für eine geniale, spaßige Idee!), die Stimmung in der Musichall am Kochen.



Es folgte „Solange jemand Geige spielt“ aus dem Album „Funkenflug“. Getreu der Zeile „sie dreht sich, dreht sich, dreht sich, dreht sich mit den Haaren im Wind“ legten einige weibliche Zuschauer ein paar flotte Drehungen hin. Aus demselben Album wurde dann „Haut mir kein Stein“ performt. Der ruhigere, teilweise auch humorvolle Song erzeugte insbesondere beim Refrain eine gänsehaut-reife Atmosphäre. Nach „Feuergeist“ legte Versengold mit „Samhain“, eines aus unserer Sicht stärksten gemixten Songs, eine Hammer-Show hin. Das, vor allem live, so zu performen ist schon richtig große Kunst!

Auf ein weiteres kommendes Highlight wurde anschließend hingewiesen, welches die Fans schon jetzt kaum erwarten können: Die „Nacht der Balladen“ Tour 2020! Lange wartete man auf eine Wiederholung, jetzt steht fest, dass es im kommenden Jahr fortgeführt wird – mit mehr Terminen als beim letzten Mal! Hier findet ihr alle Termine und könnt Karten erwerben: https://www.eventim.de/artist/versengold/versengold-nacht-der-balladen-2020-2545651/

Es brach erneuter Jubel aus, Flo war verwundert, was denn gerade vor sich ging, ehe er feststellte: Schlagzeuger Sean saß inzwischen oberkorperfrei an seinem Instrument (es war ganz schön heiß in der propevollen Musichall)!


Dass die Mischung aus Titeln zum Abfeiern und Songs mit ernsten Themen an diesem Abend exzellent war, bewies Malte bei den Worten über den Grund der Entstehung von „Meer aus Tränen“ erneut. Der sehr gesellschafskritische, hochaktuelle Song greift ein heikles Thema auf. Familien ertrinken im Mittelmeer. Klare Ansage vom Frontsänger: „Wer das toleriert, ist ein Arschloch.“ Ihn beschäftigte das so sehr, dass er um 4 Uhr aufstand und dann innerhalb eines Tages mit der Band den Song fertigstellte. Das Ergebnis ist sehr gelungen und wurde auch im Aladin mit großem Jubel anerkannt.

Für Begeisterung sorgte anschließend auch die ganz klare Ansage gegen Rechts und für Toleranz, ehe extrem laustark der Refrain des passenden Titels „Wir tanzen nicht nach braunen Pfeifen“ mitgegrölt wurde. Das so direkt anzusprechen und in ein Lied zu verpacken, verdient wahrlich Anerkennung!

Die Stimmung eh schon nahe dem Höhepunkt, drehte die Band noch einmal deftig auf. „Hoch die Krüge“, ein Dauerbrenner aus ihrem Album „Zeitlos“, läutetete die totale Eskalation ein, denn es folgte „Thekenmädchen“. Kaum in Worte zu fassen, was sich in der Musichall abspielte. Die Dezibelzahl war gewaltig hoch.


Eine frohe Kunde verkündete Malte darauffolgend: Zum ersten Mal war ihr Heimspiel ausverkauft. In Bremen sollte es bisher nie ganz reichen, in Hamburg hingegen schon. 1350 Fans im Aladin inkl.
dem geöffneten ehemaligen Ballsaal des Tivoli. Mehr passte definitiv nicht rein! Passend dazu begab sich dann Flo, von den Fans getragen, auf zur Theke am anderen Ende der Halle (glücklicherweise verliebte er sich NICHT in das Mädchen hinter der Theke…). Er schaffte es. das Bier „zu exen“ und heizte die ohnehin schon wahnsinnige Stimmung noch weiter ein – die Eike wenig später noch einmal toppen sollte.


Denn nachdem der ruhigere Titel „Wohin wir auch gehen“ (inklusive tollem Lichtermeer des Publikums) so langsam aber sicher das Ende des Konzertes einläutete, folgte die „Eike-Show“. Traditionell begab er sich an die Spitze der Bühne um den Abriss mit „Butter bei die Fische“ einzuläuten – und die Fans aufzufordern, ein Kleidungsstück ihrer Wahl auszuziehen und zu schwenken. Dies wurde beim Wort genommen und plötzlich war Sean nicht mehr der einzige, der viel Haut zeigte…


Nach lautstarken „Zugabe-Rufen“ kam die Band zum Abschluss erneut auf die Bühne – denn auch die diese Tradition darf nicht fehlen: Ein Tresen wurde aufgebaut (ausnahmsweise nicht mitten im Publikum, da es wie schon erwähnt gerammelt voll war) und getreu dem Sprichwort „Dreimal ist Bremer Recht“ bei dem Akustik-Lied „Mach noch ne‘ Runde“ gleich drei „Kurze“ vertilgt wurden. Genial auch „Ich und ein Fass voll Wein“. Alle hakten sich ein, schunkelten und bildeten einen waschechten Seemannschor. Herrlich norddeutsch! Apropos Seemann, Malte unternahm anschließend auf einer fahrenden Mini-Bühne -mit einem Steuerrad ausgestattet- einen Ausflug in das Meer des Publikums.


Zum krönenden Abschluss folgte dann der Klassiker, der „Abgesang“. Unter Standing Ovations wurde die Band dann verabschiedet. Natürlich gab es danach aber noch Autogramme und Zeit für einen kurzen Schnack hatten die Jungs für ihre Fans auch.


VERSENGOLD liefern eine in allen Punkten bärenstarke Show ab. Die Musiker sind allesamt auf sehr hohem Niveau und harmonieren hervorragend. Absoluter Seltenheitswert sind die ganzen verschiedenen Instrumente, die sich ideal ergänzen. Die Volllblut-Musiker liefern ein bunt gemischtes Programm, ohne dabei zu sehr mit der Moralkeule zu schwingen. Sie haben ihre klaren Ansichten, die sie auch deutlich vertreten, wissen aber auch ganz genau, wie man mit Trinkliedern , darunter „Hoch die Krüge“ oder auch „Thekenmädchen“ eine große Sause veranstaltet. Und das mit ganz viel Spaß und Freude!


Wir ziehen den Hut vor diesen ehrlichen und sehr sympathischen Jungs und können nicht nur jedem VERSENGOLD-Fan wärmstens empfehlen, ein Konzert der Band zu besuchen! Wir freuen uns bereits auf ein Wiedersehen mit unseren Freunden aus dem hohen Norden.

Fotos und Bericht: Kevin Drewes