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Heino sagte “Und tschüss” in Oberhausen – Konzertbericht- Fazit: Großes Kino…

Am 29. März 2019 gab der 80jährige Volkssänger HEINO vor ca. 1.500 Menschen in der fast ausverkauften Turbinenhalle in Oberhausen das drittletzte Konzert seiner Abschiedstournee, die zwei Tage später vor ausverkauftem Haus in Amsterdam endete.

Pünktlich um 20:30 Uhr betrat HEINOs großartige Band (Leitung: Richard „Richie“ Hellenthal) die Bühne und eröffnete das Konzert mit einer beeindruckenden Version von Richard Strauss‘ „Also sprach Zarathustra“. Danach wurde HEINO von einem der Choristen anmoderiert und betrat unter großem Jubel die Bühne. Bei seinem Opener „Tage wie diese“ von den „Toten Hosen“ sangen sofort alle Zuschauer begeistert mit. Dass HEINO ausgerechnet mit einem Song der Band, mit der viele Fans noch die HEINO-Parodie von Norbert Hähnel verbinden, mal sein Konzert eröffnen würde, hätte sich wohl weder HEINO selbst noch sein Publikum träumen lassen.

Der blonde Barde begrüßte sein Publikum herzlich und verglich die Stimmung mit einer Familienfeier. Er bekräftigte, ihm mache das Singen genauso viel Spaß wie schon vor sechzig Jahren. Danach folgten drei alte HEINO-Lieder, über die sich vor allem langjährige Fans gefreut haben dürften: „Teure Heimat“ (Gefangenenchor aus „Nabucco“), mit immer noch beeindruckender Stimme von HEINO intoniert, das Volkslied „Hohe Tannen“ und der Partyhit „Rosamunde“, letzterer im rockigen Sound (wie auf dem 2014 erschienenen Album „Schwarz blüht der Enzian“). Es folgte „Junge“ von den „Ärzten“, der frühere Opener von HEINOs Rocktourneen. Schmunzelnd meinte HEINO, in der soeben besungenen Familie sei wohl „einiges schiefgelaufen“. Um zu beweisen, dass das in seiner Familie anders sei, stellte er seinem Publikum Enkel Sebastian Kramm vor, der neben „Der Junge mit der Gitarre“ (bereits auf HEINOs aktuellem Album „…und Tschüss“ zu hören) ein weiteres eigenes Lied sang und mit „Narcotic“ das Publikum zum Mitsingen animierte.

Es folgten die Rocksongs „Was soll das?“ von Herbert Grönemeyer und „Augen auf“ von Oomph. Interessanterweise wurde „La Paloma“ (leider in der rockigen und nicht in der neuen, gefühlvollen Version des letzten Album gesungen) genauso anmoderiert, wie HEINO früher in seinen Volksmusikkonzerten seine Seemannslieder ankündigte: „Diese Lieder wird man immer singen, auch wenn Rock, Hip Hop, Heavy Metal, oder wie das heute alles so heißt, längst vergessen sind.“ Über das folgende „Seemann, lass‘ das Träumen“ in der volkstümlichen Version freuten sich besonders die älteren Fans, doch auch die jüngeren Zuhörer sangen begeistert mit. Nachdem HEINO musikalisch bekannte, seine Hannelore mache ihn auch nach über 40 gemeinsamen Jahren noch völlig „Willenlos“, folgte der großartig arrangierte, von Bläsern dominierte Kraftwerk-Hit „Das Model“ – kein Vergleich zu HEINOs sehr stark an das Original angelehnte Studioversion und ein echtes Konzerthighlight!

Die nun folgenden HEINO-Hits „Ja, ja, die Katja, die hat ja“ und „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ (wieder von einem Chormitglied mit einem rockigen Solo unterbrochen, das eher überflüssig war) brachten die Stimmung zum Kochen. Der Sänger schaffte es jedoch, das Publikum mit dem Lied „Wilde Rosen“ (2010 auf dem Album zu seiner zweiten Kirchentournee erschienen) zum Zuhören zu bringen und seine Baritonstimme zur Geltung zu bringen. Beim neuen Partyschlager „Bilder im Kopf (Angie)“ holte HEINO sich Unterstützung von der gleichnamigen Chorsängerin Angie Horn. Auch dieses neue Lied wurde begeistert aufgenommen.

Nun folgte Hit auf Hit: Beim „Viva Medley“ („…und sie hieß Lulalei“, „Tampico“ und „Karneval in Rio“) sangen alle mit, genauso wie bei „Sierra Madre“ und dem „Hit-Medley“ („Karamba, Karacho, ein Whisky“, „Die schwarze Barbara“ und „Blau blüht der Enzian“, wo HEINOs Kopfstimme auch die hohen Töne traf). Danach bedankte sich HEINO mit einem „Kompliment“ (Original: Sportfreunde Stiller) bei seiner Band, womit so langsam das Ende des Konzertes eingeläutet wurde. Noch einmal kam Sebastian auf die Bühne und sang mit seinem Opa „Über sieben Brücken musst Du geh’n“, wurde von HEINO jedoch spielend im Refrain übertönt. Ein weiterer Beweis für seine immer noch kräftige Baritonstimme! Mit einer rockigen Version von „Hoch auf dem gelben Wagen“ (eingefleischte Fans hätten sich stattdessen vielleicht eher das altbekannte „Fahrtenlieder-Medley“ gewünscht) endete HEINOs Abschiedskonzert in Oberhausen.

Eine Woche nach dem Oberhausener Konzert sind wir von den Schlagerprofis immer noch beeindruckt von diesem Konzertabend: Kaum ein anderer Schlagerkünstler schafft es mit 80 Jahren, alle Generationen (junges „Partyvolk“, aber auch seinen – im wahrsten Sinne des Wortes – „alten“ Fankreis) zu begeistern und währenddessen eindreiviertel Stunden mit großer Bühnenpräsenz und vor allem beeindruckender Stimme auf der Bühne zu bestehen – auch wenn er schon seit Jahren alle Ansagen und Liedtexte auf einem Teleprompter abliest, was aber wirklich nur Insider bemerkt haben. Dazwischen baut er immer wieder einen kleinen Scherz ein (als die sexy Chorsängerin Anja ihm das rote Sakko bringt: „Darauf warte ich schon seit zwei Stunden!“) und zeigt sich ehrlich dankbar für die Begeisterung und Treue des Publikums.

Es bleibt zu hoffen, dass HEINO es sich noch einmal anders überlegt und doch nicht ganz auf die Bühne verzichtet. Wir erinnern uns: schon 2005 ging er auf Abschiedstournee, kehrte jedoch bereits im nächsten Jahr auf die Bühne zurück. Und ganz von der Bildfläche verschwindet er auch diesmal nicht: So ist schon jetzt für August ein Open-Air-Konzert in Monschau und für den 14. April eine Autogrammstunde in seiner Wahlheimat Bad Münstereifel angekündigt.

 

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