Frank Diez

FRANK DIEZ: Gitarrist von PETER MAFFAY und UDO LINDENBERG ist tot!

FRANK DIEZ: Deutscher Ausnahmegitarrist ist tot – er spielte sogar mit JIMI HENDRIX

Die deutsche Musikszene verliert einen ihrer profiliertesten Gitarristen: FRANK DIEZ ist tot. Über Jahrzehnte prägte er als Bluesgitarrist, Komponist und Produzent die deutsche Rock- und Musiklandschaft. Besonders eng verbunden war sein Name mit PETER MAFFAY, dessen Band er als Gründungsmitglied über 30 Jahre lang angehörte. Doch FRANK DIEZ war weit mehr als der Gitarrist an der Seite eines großen deutschen Rockstars. Er spielte mit internationalen Legenden wie JIMI HENDRIX, CHUCK BERRY und LITTLE RICHARD und blieb zeitlebens seiner großen musikalischen Liebe treu: dem Blues.

Ein Nachkriegskind mit sieben Tanten und einer großen Liebe zur Musik

Am 2. November 1950 wurde FRANK DIEZ in Berlin geboren. Über seine Kindheit sagte er einmal, dass er ein echtes Nachkriegskind sei. Sieben Tanten prägten sein Umfeld – Männer habe es im Nachkriegsdeutschland in seiner unmittelbaren Umgebung kaum gegeben. Eine bemerkenswerte Erinnerung, die viel über die Zeit erzählt, in der er aufwuchs.

Seine musikalische Leidenschaft entwickelte sich früh. Mit 16 Jahren begann er Gitarre zu spielen. Entscheidenden Einfluss hatten die American Folk Blues Festivals, die von HORST LIPPMANN und FRITZ RAU veranstaltet wurden. Künstler wie BIG MAMA THORNTON und HUBERT SUMLIN öffneten ihm die Tür zu einer musikalischen Welt, die ihn nie wieder loslassen sollte.

Der Blues war für ihn keine bloße Stilrichtung, sondern eine Lebenseinstellung. In einem Interview mit RockTimes aus dem Jahr 2006 beschrieb er diese besondere Verbindung mit eindringlichen Worten: „The Blues cures the Blues“. Wenn er Blues spiele, gehe es ihm danach einfach besser. Diese Musik, so erklärte er, komme aus einer verletzten Seele und gehe unmittelbar in die Seele hinein.

Von JIMI HENDRIX bis PETER MAFFAY: Ein Gitarrist auf Augenhöhe mit den Großen

Eine außergewöhnliche Episode seiner Karriere verbindet FRANK DIEZ mit JIMI HENDRIX. 1968 trafen sich die beiden in Berlin und hingen gemeinsam ab. Auch eine Session mit dem legendären Gitarristen gehörte zu seinen Erinnerungen. In einem späteren Interview erzählte DIEZ sogar von einer kuriosen Beobachtung: HENDRIX habe damals auf den tiefen drei Saiten einen besonders harten Saitensatz verwendet und die unteren drei Saiten mit E-Saiten bestückt. Eine Begegnung, die ihm offenbar bis ins Detail in Erinnerung geblieben war. FRANK erzählte auch die Anekdote, dass JIMIs Traum war, seine Musik von einem Sinfonieorchester gespielt zu hören.

Doch auch mit CHUCK BERRY und LITTLE RICHARD musizierte der Berliner. Weitere musikalische Weggefährten waren unter anderem ERIC BURDON, JOHN MAYALL, UDO LINDENBERG, KONSTANTIN WECKER, DONNA SUMMER und GIORGIO MORODER. Seine musikalische Bandbreite reichte weit über den Blues hinaus.

Besonders prägend wurde seine Zusammenarbeit mit PETER MAFFAY. Von 1974 bis 2004 gehörte DIEZ als Gründungsmitglied zur PETER-MAFFAY-Band und war nicht nur Gitarrist, sondern auch als Produzent beteiligt. Spannend: Der berühmte Schlagerproduzent HEINO GAZE hatte im Keller ein Studio mit REVOX-Maschinen, wo „Nachzieh-Platten“ produziert wurden. Hits wurden für Billig-Schallplatten nachgespielt. PETER WAGNER stellte den Kontakt zu PETER MAFFAY her.

Auf zahlreichen Alben wirkte er mit und prägte den Sound einer Ära. Auch später blieb die Verbindung bestehen: 2009 stand er erneut mit MAFFAY auf der Bühne, 2018 beim Unplugged-Konzert in der Kölner LANXESS Arena, 2020 bei der Jubiläumstour und schließlich 2024 bei der Farewell Tour.

Erfinder des „Und es war Sommer“-Gitarrensolos (?)

Legendär: Unserer Kenntnis nach war es auch FRANK DIEZ, der das unfassbare Gitarrensolo auf „Und es war Sommer“ spielte. Laut eines WDR-Interviews hatte DIEZ bei MAFFAY immer alle Freiheiten, möglicherweise ist dieses Kurzriff auf diese Weise entstanden, wobei auch denkbar ist, dass der damalige Produzent JOACHIM HEIDER seine Finger im Spiel hatte .

Dass ihm diese Zeit viel bedeutete, zeigte auch ein Interview aus dem Jahr 2006. Besonders gerne erinnerte er sich daran, die Rockversion von „Du“ gespielt zu haben. Auch „Alter Mann“, „Kannst du das verstehen“ und „Tiefer“ gehörten zu seinen persönlichen Favoriten. Über PETER MAFFAY sagte er augenzwinkernd: „PETER ist wirklich ein begnadeter Sänger, meistens.“ Und fügte hinzu: „Alles hat seine Zeit!“

Das Electric Blues Duo: 1.500 Konzerte mit COLIN HODGKINSON

Eine weitere musikalische Herzensangelegenheit war das ELECTRIC BLUES DUO mit dem britischen Bassisten COLIN HODGKINSON. Die beiden lernten sich 1986 bei einer Zusammenarbeit mit KONSTANTIN WECKER kennen. Aus dem spontanen gemeinsamen Auftritt entwickelte sich eine jahrzehntelange Partnerschaft.

Mehr als 1.500 Konzerte im In- und Ausland absolvierten sie gemeinsam. Sie veröffentlichten mehrere Tonträger und begeisterten mit ausgedehnten Improvisationen. Für DIEZ war dieses Duo die „Königsdisziplin“ des Blues. Im Gespräch mit RockTimes schwärmte er 2006 davon, wie viel Freude es bereite, ein zweieinhalbstündiges Konzert nahezu ausschließlich improvisierend zu gestalten.

Auch eigene Projekte lagen ihm am Herzen. Dazu gehörten die Bärlin Blues Band mit ALEX CONTI sowie seine Frank Diez Blues Band. Er wollte Musik machen, die seinen eigenen Vorstellungen entsprach – unabhängig davon, ob sie kommerziell erfolgreich war. Die künstlerische Freiheit stand für ihn im Mittelpunkt.

Ein Leben für den Blues – bis zuletzt Musiker geblieben

FRANK DIEZ war ein Musiker, der sich nie auf seinen Namen oder seine Erfolge reduzieren ließ. Er wollte spielen, experimentieren und sich musikalisch weiterentwickeln. Selbst nach Jahrzehnten im Geschäft dachte er nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. In einem Interview erklärte er auf die Frage, wie lange er noch Musik machen wolle, ganz schlicht: „So lange es irgendwie geht.“

Auch seine humorvolle, manchmal selbstironische Art machte ihn zu einem besonderen Gesprächspartner. 2006 erzählte er, dass er sich nach einer schweren Wirbelsäulenverletzung wieder zurück ins Leben und zur Musik gekämpft hatte. Ein Jahr lang sei er nahezu bewegungsunfähig gewesen. Umso wichtiger war ihm anschließend wieder das aktive Musizieren.

2025 wurde ihm mit dem „Blues-Louis“ beim Lahnsteiner Bluesfestival eine besondere Auszeichnung für seine Verdienste um die Bluesmusik zuteil. Auch sein musikalisches Lebenswerk wollte er für kommende Generationen bewahren: Eine umfangreiche Sammlung aus Gitarren, Original-Aufnahmebändern, Skizzenbüchern und persönlichen Aufzeichnungen übergab er dem Lippmann+Rau-Musikarchiv in Eisenach.

Mit FRANK DIEZ verliert die deutsche Musikszene einen außergewöhnlichen Gitarristen, der internationale Musikgeschichte miterlebt und selbst mitgeschrieben hat. Seine Spuren reichen von den legendären Bluesgrößen der 1960er-Jahre über die deutsche Rockgeschichte bis hin zu den großen PETER-MAFFAY-Tourneen.

Vielleicht lässt sich sein musikalisches Lebensmotto am besten mit einem Satz aus dem damaligen RockTimes-Interview zusammenfassen. Eine Regel hatte er von JOHN MAYALL übernommen:

„Soundcheck streng verboten. Danke! Wer Musik lebt, braucht keinen Soundcheck. Das Leben ist keine Generalprobe.“

FRANK DIEZ hat dieses Leben offensichtlich ganz nach seinen eigenen musikalischen Vorstellungen gelebt. Nun ist er nach Angaben von „Good Times“ einen Tag vor seinem 76. Geburtstag verstorben. Ein großer Mensch und Musiker hat die Bühne des Lebens verlassen. Möge er in Frieden ruhen.

Quelle : Good Times Magazin und eine persönliche Bestätigung aus dem Umfeld

Artikel teilen:
Schlagerprofis – Der Podcast Folge 079 – Schlagerboom mit Florian Silbereisen 

Andreas musste den „Schlagerdumm“ gucken und erzählt von seinen Eindrücken in dieser Folge…

Deine Schlager-Stars

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite

André Höhl