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DSCHINGHIS KHAN: Ein Thema, das bis heute bewegt!
Manche Schlager-Themen sind auch viele Jahrzehnte nach den Ereignissen noch überaus spannend und aktuell. Wir erinnern uns: Es ist mittlerweile 47 Jahre her, dass die Gruppe DSCHINGHIS KHAN den deutschen Vorentscheid zum Grand Prix Eurovision gewonnen hat – durchaus überraschend. Dass der Song überhaupt in der Vorentscheidung vorgestellt wurde, war nicht selbstverständlich. Ein Juror war nämlich partout dagegen, den Song in die Auswahl zu nehmen, und der hatte und hat einen großen Namen: THOMAS WOITKEWISCH ist nicht nur ein begnadeter Textdichter („Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“, „Hurra, wir leben noch“ und und und), sondern auch Drehbuchautor für TV-Shows.
Widerstand in der Jury
Er war damals ein „junger Wilder“ in einer Jury, die sonst eher aus gesetzteren älteren Herren bestand. Wenn man gaaanz ehrlich ist, hatte die Jury bezogen auf den Publikumsgeschmack einen guten Riecher, was man ja von heutigen ESC-Juroren eigentlich gar nicht mehr sagen kann (mit Verlaub). Noch heute bekennt THOMAS WOITKEWITSCH gegenüber schlagerprofis.de:
Ich war der Stänkerer. Ich fand das Lied ganz schlimm – dass Deutschland in Jerusalem von einem Lied repräsentiert wird, in dem Zeilen wie „einer ritt voran, dem folgten alle blind“ vorkommen – es schauderte mich. Ich habe nur deshalb klein beigegeben, weil der große ERNST BADER, ein legendärer Textdichter, mir sagte, dass der Titel den Vorentscheid nie im Leben gewinnen würde.
Überraschender Ausgang
ERNST BADER sollte sich täuschen. „Dschinghis Khan“ gewann den Vorentscheid und THOMAS WOITKEWITSCH war außer sich und machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Am Sonntag nach dem Vorentscheid war er ohnehin als Gast in einer Schlagersendung mit THOMAS BRENNICKE und machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Er war empört und meinte, so ein Song dürfe Deutschland in Israel nie und nimmer vertreten. Damals im Studio dabei war MAX SCHAUTZER, der das Thema in seiner Radiosendung dann auch aufgriff. Das blieb damals nicht folgenlos. Niemand Geringerer als Produzent und Komponist RALPH SIEGEL griff zum Hörer und stellte THOMAS WOITKEWITSCH zur Rede.
Heftige Reaktionen und Folgen: RALPH SIEGEL „not amused“
Das Gespräch war gelinde gesagt nicht sonderlich erbaulich. Nicht ohne Grund befürchtete WOITKEWITSCH, dass seine Ehrlichkeit ihm beruflich schaden könnte, weil RALPH SIEGEL „not amused“ war. Letztlich haben sich die Wogen aber wieder geglättet, und spätestens mit „Ein bisschen Frieden“, ein Song so ganz nach dem Geschmack von THOMAS WOITKEWITSCH, war dann wieder „alles gut“, und SIEGEL und der „Querulant“ arbeiteten dann sogar gut und konstruktiv zusammen.
Auch BRAVO-Leser hatten anderen Favoriten
Spannend: Auch die BRAVO-Leser hatten einen anderen Favoriten, wie die Jugendzeitschrift damals berichtete. In der folgenden Zeit waren dann aber DSCHINGHIS KHAN Lieblinge der Zeitschrift – abgesehen davon, dass man den Bandnamen nicht nach der offiziellen Schreibart „DSCHINGHIS KHAN“ ohne „H“ bei „DSCHINGHIS“ schrieb…

Ein versöhnliches Ende
Wir finden: Inhaltlich hat Herr WOITKEWITSCH damals wie heute recht – es ist schon bedenklich, so ein Lied zu einem Grand Prix Eurovision nach Jerusalem zu schicken. Andrerseits: Damals gewann Israel mit „Halleluja“, aber auch der deutsche Beitrag wusste zu gefallen und holte einen großartigen 4. Platz – und wurde auch in Israel ein Hit. So gesehen kann man doch sagen: „Ende gut – alles gut“…











