Die Roy Black Story – Teil 9: Rückkehr zu Polydor und Herz-OP 0

Berufliches Comeback bei Polydor, privat Scheidung von Silke

Im Frühjahr 1985 gelang der Coup, die „Rückkehr des verlorenen Sohns“ zu feiern – Roy unterschrieb wieder bei seiner alten Plattenfirma Polydor und verhielt sich damit anders als Kollegen wie Ted Herold. Der nahm der Hamburger Plattenfirma sehr übel, dass sie ihn nach langjähriger Vertragslaufzeit hat fallen lassen und willigte nicht in einen neuen Deal ein. – Als Produzent wurde Jürgen Kramer, der sich damals als Produzent Tommy Steiners einen Namen gemacht hatte, engagiert. Der heuerte mit den seinerzeit sehr angesagten Candy de Rouge an (- der schrieb u. a. Hits für Jennifer Rush) und komponierte den schönen Schlager „Mona“, zu dem Irma Holder den Text schrieb. Die Single erschien im Mai 1985. Über vier Jahre nach seinem letzten Auftritt in Berlin stellte Roy den Titel in der inzwischen von Viktor Worms moderierten ZDF-Hitparade vor. Dort bekam er übrigens bereits im Januar ein Forum – in Viktors erster Sendung, indem er zu den damals kursierenden Alkohol-Gerüchten Stellung bezog. Seinen neuen Schlager präsentierte Roy auch in den „Montagsmalern“, der „Schaubude“, im WWF-Club und in Wim Thoelkes Rateshow „Der große Preis“, so dass man durchaus von einem weiteren kleinen Comeback sprechen kann. Der Name „Mona“ war Roy in damaliger Zeit vermutlich lieber als der Name „Silke“ – am 26. November 1985 wurde die Ehe mit seiner ersten Frau geschieden.

Erfolg „In Japan geht die Sonne auf“

Mit dem gleichen Team wurde die Nachfolge-Single „In Japan geht die Sonne auf“ (aus dem kurz darauf erschienenen ersten Album nach längerer Zeit namens „Herzblut“) produziert. Trotz der kontrovers diskutierten Frage, ob es sein kann, dass es in New York Nacht ist und gleichzeitig in Japan die Sonne aufgeht wurde der Titel erneut ein Achtungserfolg. Roy stellte den Titel am 19. März 1986 in der ZDF-Hitparade vor und präsentierte den Titel auch in den ARD-Shows „Ein Platz an der Sonne“ und „WWF-Club“. Kurios ist, dass in Sammlerkreisen unter der gleichen Bestellnummer und mit gleichem Coverfoto eine Single namens „Wo geh’n wir hin?“ kursiert. Das legt den Verdacht nahe, dass die Nummer zunächst als Lokomotiv-Song angedacht war, man sich letztlich aber für die „Japan“-Single entschieden hat.

Herz-OP nach TV-Auftritt bei Thomas Gottschalk

Wer „Hölle Hölle Hölle“ ruft, liegt beim dritten Streich aus der Produktion Jürgen Kramers falsch. „Wahnsinn“ war ein neuer von Candy de Rouge und Irma Holder geschriebener Black-Hit, den der bei einer denkwürdigen TV-Show präsentierte. Am 25. Mai 1986 trat Roy bei der von Thomas Gottschalk moderierten Show „Na sowas Extra“ auf und brach kurz nach seinem Auftritt zusammen. Sein Manager „Max“ Kaminski fuhr in zunächst in sein Herdecker Hotel, am nächsten Morgen fand er sich aber in der Intensivstation eines Hagener Krankenhaus wieder und wurde Wochen später mit einem Rettungshubschrauber in die Münchner Herzklinik gebracht, wo ihm in zwei Operationen am 18. und 24. Juni 1986 zwei neue Herzklappen eingesetzt wurden.

TV-Comeback 1987 – ebenfalls bei Thomas Gottschalk

Der Däne Tommy Seebach hatte mit der von ihm komponierten Schmuseballade „Endnu“ einen guten Erfolg. Das war wohl Grund genug für Roy Black, mal wieder einen Song zu covern. Irma Holder schrieb den Text zur Jürgen-Kramer-Produktion „Geträumt“. Nachdem er den Titel bereits in der Schaubude und im WWF-Club sang, präsentierte er den Song auch am 7. März 1987 bei „Na sowas“ und meldete sich quasi gesund bei Thomas Gottschalk zurück. Auch in der ARD-Hitparade „Goldene Eins“ wurde der Titel präsentiert. Auch für diesen Titel gab es den Bronzenen Löwen von Radio Luxemburg – Roys 13. und letzter Löwe wurde ihm am 16. Oktober 1987 verliehen.

Der zweite 1987er Schlager war wieder eine deutsche Komposition – diesmal von Detlev Reshöft, der zuvor u. a. mit G. G. Anderson und Roland Kaiser erfolgreich war und von Rudolf Müssig, der u. a. „Speelwark“ mit Hits versorgte komponiert. Den Text zur Jürgen-Kramer-Produktion „Adieu Cherie“ schrieb erneut Irma Holder. Neben den fast schon obligatorischen Stationen beim WWF-Club und in der Schaubude stellte Roy seinen Schlager auch in Wim Thoelkes „Großen Preis“ vor.

Überraschender Charts-Hit: „Bella Bella Marie“

Einen ganz anderen Weg schlug Produzent Jürgen Kramer 1988 ein. In Form eines Medleys wurden beliebte Urlaubsschlager der Vergangenheit zusammengestellt – Name der Single: „Bella Bella Marie“. Am 21. Mai 1988 stellte er die Vorab-Single seines neuen Albums „Schwarz auf Weiß“ in Kurt Felix‘ und Paolas Show „Verstehen Sie Spaß“ vor. „Es könnte alles so einfach sein“, ist man angesichts des Erfolgs zu sagen: Erstmals seit sieben Jahren ging es wieder in die Single-Charts, Roy hielt sich mit dem Potpourri 12 Wochen in den Charts.

Roys Album „Schwarz auf Weiß“ war ein weiterer Schritt nach vorne. Neben seinen neuen Schlagern waren dort auch deutsche Versionen von Welthits enthalten. Beispielsweise hat er „Only the Lonely“ seines Idols Roy(!) Orbison eingedeutscht, ebenso Albert Wests „Ginny Come Lately“. Albert Hammonds „The Air That I Breathe“ durfte da auch nicht fehlen. Der Musikmarkt konstatierte am 15. August 1988: „Möglicherweise ist Roy Blacks neue Langspielplatte kein typisches Teenie-Produkt, aber für den Markt der über 30-jährigen für die Liebhaber der sanften Töne, die ja bekanntlich über gut die doppelte Kaufkraft der meisten anderen Konsumenten verfügen, ist ‚Schwarz auf Weiß’ sicherlich interessant.“.

Mit „Kein Morgen danach“ wollte man offensichtlich eine anspruchsvolle Auskopplung aus dem neuen Album präsentieren. Wenngleich der von Norbert Endlich, Holger Flesch, Andreas Bärtels und Christian Heilburg geschriebene Titel bei Kritikern sehr gut wegkommt, wurde der Titel (vielleicht auch wegen mangelnder Promotion) nicht so erfolgreich wie das Italienschlager-Medley. Immerhin: Im Oktober 1988 erreichte Roy mit seinem Titel Platz 3 der neuen von Jürgen Drews moderierten ARD-Schlagerparade.

Letzte Single bei Polydor: „Rosen ohne Dornen“

Als letzte Single des „Schwarz auf Weiß“-Albums wurde ein Schlager ausgekoppelt, den ursprünglich Gitte auf ihrer 1977er LP „Regenbogen“ veröffentlicht hatte. Der anspruchsvolle von Gerd Müller-Schwanke und Detlev Petersen geschriebene Titel „Rosen ohne Dornen“ war die letzte (Promo-)Single, die bei Polydor veröffentlicht wurde – der Vertrag wurde nicht verlängert. Den Titel stellte Roy u. a. bei der 100. Ausgabe der Klamauk-Talkshow „Dall-As“ vor. Am 30. April 1989 war er damit auf Platz 1 der deutschen Schlagerparade. Für die ZDF-Hitparade wurde er nach damaligem Modus zwar vorgestellt (Motto „Vier aus Acht“), schaffte es aber nicht in die Sendung. Kurios: Den Titel seiner letzten Polydor-Single sang Roy Black genau am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, in Wim Thoelkes „Großen Preis“.

 

 

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Die Wolfgang Petry Story – Teil 2: Die 1980er Jahre 0

Nachdem wir mit Teil 1 der Wolfgang Petry Story gestartet sind (siehe HIER), geht es nun mit den 1980er Jahren weiter:

Erster Hit der 1980er Jahre: „Mein Zuhaus“

In die 1980er ging es dann wieder mit einer Ballade, in der Petry „Mein Zuhaus“ beschreibt. Vielfach (auch auf Wolfgangs offizieller Seite) wird orakelt, in dem Song gehe es um die damalige „Teilung Deutschlands in BRD und DDR“. Auf Petrys Seite ist zu lesen: „Ein Mann erinnert sich wehmütig an seine wunderbare Kindheit, die nun hinter der Grenzmauer unerreichbar ist.“ Da muss man nur gaaaanz fest dran glauben. Nüchtern betrachtet, geht es in dem Lied einfach um wehmütige Erinnerungen an eine sehr schöne Kindheit – diese Erklärung ist zumindest plausibler. Wenngleich der Song bei Fans recht große Popularität genießt, konnte er sich nicht in den Hitparaden etablieren. Bei dem Lied handelt es sich um die deutsche Version des Oliver-Onions-Hits „Tomorrow Is Today“, den deutschen Text verfasste wieder Dr. Bernd Meinunger. Zur Jahrtausendwende (1999) veröffentlichte Petry einen zweiten Teil des Schlagers – dem ist schon eher der Ost-West-Bezug zu entnehmen. Interessant ist übrigens, dass Juliane Werding die B-Seite des Songs („Und Sandra weint“) mit anderem Text („Hotel Royal“) als Single veröffentlichte.

Im Herbst des Jahres 1980 wurde es dann wieder flotter, Petry nahm sich des aus Secret-Service-Hits „Ten ‘o Clock Postman“ an. Dr. Bernd Meinunger schrieb auf den Titel der schwedischen Band den Text „Ganz oder gar nicht“ – damit reichte es wieder für einen ordentlichen Hit (Top-30), und am 20. Oktober 1980 wurde der Schlager in der ZDF-Hitparade präsentiert. Kurz darauf wurde auch eine gleichnamige Langspielplatte veröffentlicht. Petry sagte damals zum Titel seiner aktuellen LP: „Wenn ich was mache – dann ganz oder gar nicht“.  Zu den Liedern seines neuen Albums sagte er in seiner unnachahmlichen Art: „Ich singe Lieder, die Geschichten zum Inhalt haben, die wirklich passieren“.

Nachdem es mit der Eindeutschung eines Secret-Service-Hits so gut funktioniert hatte, schrieb Dr. Bernd Meinunger gleich einen zweiten Text auf eine Nummer der Schweden: Aus „Ye-Si-Ca“ wurde „Jessica“. Das Erfolgsrezept ging erneut auf – wieder reichte es für eine Top-40-Notiz, abermals ging es in die ZDF-Hitparade (am 11. Mai 1981). Wieder drängt sich ein kleiner Maffay-Vergleich auf: Dr. Meinunger schrieb damals auch Maffay-Texte. Wenngleich der Text von „Und es war Sommer“ nicht von ihm stammte, könnte man meinen, Jessica sei womöglich 31 und „Wolle“ 16 gewesen – angesichts der Zeile: „Ich war fast schon ein Mann – und ich hab vor Erwartung gebrannt – sie war jung und verrückt…“.

Die nächste Single komponierte diesmal wieder das Produzentenehepaar Karin Hartmann und Tony Hendrik für Wolfgang Petry, den Text steuerte erneut Dr. Bernd Meinunger bei. „Tu’s doch“ wurde erneut ein Top-40-Erfolg. Am 11. September 1981 stellte Petry seine Nummer in der ZDF-Hitparade vor.

Kurz darauf erschien Petrys vierte LP: „Einfach leben“, die einen weiteren Wendepunkt in seinem Leben darstellte, weil er gemeinsam mit seinem ebenfalls als Sänger tätigen Freund Andreas Martin einige Songs der LP komponierte. Was die Liedinhalte angeht, blieb er sich allerdings treu: „Die Themenkreise und Textideen stammen hauptsächlich von mir. Die Stücke behandeln zum Teil mein eigenes Leben.“. In einer Anzeige war anlässlich der Veröffentlichung der LP zu lesen: „Die LP mit dem Hit Tu’s doch und 9 neuen, ehrlichen Liedern“.


Als weitere Single aus dem Album daraus der Hartmann/Hendrik-Song „Ich geh‘ mit Dir“ ausgekoppelt, den Text schrieb diesmal Werner Schüler. Auch diesen Titel stellte Petry am 4. Januar 1982 in Ilja Richters Disco und am 8. März 1982 in der ZDF-Hitparade vor, ein veritabler Erfolg stellte sich ein – immerhin war der Titel 10 Wochen in den Single-Charts gelistet und kam in die Top-50.

Mit viel Pathos stellte „Wolle“ am 4. Oktober 1982 seinen Titel „Der  Himmel brennt“ in der ZDF-Hitparade vor. Auch im ARD-Musikladen präsentierte er die Single. Erneut etwas an Maffay erinnernd, reichte es für einen Top-15-Hit – die zweitbeste Chartsnotiz eines Einzelsongs, die Petry (nach seinem Debuterfolg) je hatte. Der Song wurde erneut von Tony Hendrik komponiert und dem damals frisch gebackenen Eurovisionssieger Dr. Bernd Meinunger getextet. Zum Jahresende erschien eine gleichnamige LP mit einem Querschnitt von Petrys bis dato erschienenen Liedern und Erfolgen (oder wie die Plattenfirma es ausdrückte: „Das neue Album – ein Überblick über den eindrucksvollen musikalischen Weg des sympathischen Künstlers“).

Die nächste Single wurde wieder ein echter Hit, der langfristig sogar zum Super-Hit bzw. Evergreen mutierte: „Wahnsinn“. Am 2. Mai 1983 war „Wolle“ mit seinem rockigen Titel in der Frank-Zander-Show „Vorsicht Musik“ zu Gast. Als Co-Autor neben den Produzenten Tony Hendrik und Karin Hartmann fungierte der ehemalige „Wallenstein“-Sänger Kim Merz, der kurz darauf selber mit „Der Typ neben ihr“ selber einen Riesen-Hit landete. In der Hoch-Zeit der Neuen deutschen Welle war „Wahnsinn“ ein leidlicher Erfolg, immerhin reichte es für eine Top-40-Notiz und einen 15-wöchigen Charts-Aufenthalt. Am 25. Juli 1983 ging es damit auch in die ZDF-Hitparade.  Den richtigen Kult-Charakter erhielt der Song aber erst 1996, als eine Band namens „Lollies“ den Song neu aufnahmen und damit quasi nach Mallorca exportierten – einschließlich des Einwurfs „Hölle, Hölle, Hölle“. Unter gleichem Namen erschien ein Album.

Das gleiche Team, das „Wahsinn“ komponierte und produzierte, was auch für die Auskopplung aus diesem Album zuständig – „Die vierte Dimension“ floppte allerdings kolossal, obwohl (oder weil?) man sich dem Zeitgeist der Neuen Deutschen Welle offensichtlich anpassen wollte. Nachdem die Folge-Singles „Gnadenlos“ (wurde im März 1984 in den TV-Sendungen „Schaubude“ und „Tele-Illustrierte vorgestellt), bei dem es um eine Frau geht, die sich zwischen zwei Männern entscheiden muss und den „anderen“ erwählt – und „Was macht der Teufel (, wenn wir uns lieben)?“ ebenfalls „gnadenlos“ floppten, wurde 1984 die rund achtjährige Zusammenarbeit zwischen Tony Hendrik und seiner Frau Karin Hartmann und deren Plattenfirma Coconut, einem Unterlabel der Berliner Hansa, beendet.

Die erste Single im Herbst 1984 bei seiner neuen Plattenfirma, der Stuttgarter Intercord, deren prominentestes Zugpferd der Liedermacher Reinhard Mey war, hieß „Halleluja mach’s gut (steck Dir mein Herz an den Hut)“. TV-Premiere war am 30. Oktober 1984 in der ZDF-Show „Show und Co. mit Carlo“. Petry scharte echte Profis um sich: Sein neues Produzententeam bestand aus Stefan Waggershausen und Udo Arndt, Waggershausen war auch Co-Autor seiner neuen Lieder. Als Fotograf trat der damals sehr beliebte Fotograf Jim Rakete in Erscheinung, der seinerzeit u. a. mit seinen Nena-Fotos Aufsehen erregte und es schaffte, dass Wolfgang sich eine Krawatte für das Cover umband. Trotz dieser imposanten Maßnahmen und einer umfangreichen Werbeaktion (damals wurde die Single vom Branchenorgan „Der Musikmarkt“ mit den Hitlisten als Gratiszugabe verschickt, die Leser mussten raten, wer den Song auf der Scheibe zu Gehör bringt) wurde der Titel kein Hit.


Die erste Intercord-LP, „Rauhe Wege“, bestach mit zeitgemäßen modernen Arrangements, ohne dass Wolfgang Petry seine Authentizität verloren hätte. Offensichtlich war geplant, einen Imagewechsel weg vom Schlager hin zum Rock zu vollziehen, wobei Peter Maffay vielleicht als Vorbild diente. Passend dazu schrieb die Intercord damals zur neuen LP: „Ein Meilenstein in der Karriere des Kölner Sängers. Gefühlvolle Rocksongs, transparente Arrangements und starke Texte belegen die neue Standortbestimmung“.

Seiner Zeit etwas voraus war Petry mit der zweiten Auskopplung aus „Rauhe Wege“. In der Waggershausen-Produktion „Hey Sie… sind Sie noch dran?“ geht es um einen Mann, der sich quasi „virtuell verliebt“, nämlich in die Stimme der Telefonseelsorge, noch dazu eine eine vom Computer gesprochene Stimme. Das fanden die damals zuständigen Redakteure der ZDF-Hitparade so originell, dass Petry mit dem Lied gleich zwei mal in der Show auftreten durfte, nämlich am 27. März 1985 und ein knappes Jahr später bei einer „zweiten Chance“, am 15. Januar 1986 – es nutzte sich, der Hit ließ sich nicht erzwingen.

Gemeinsam mit seinem damaligen Kumpel Andreas Martin komponierte „Wolle“ seinen nächsten Song. Dr. Michael Kunze textete: Ich brauch‘ ‘ne Dosis Liebe“. Am 12. November 1986 stellte er diese erste Single aus dem erneut von Stefan Waggershausen und Udo Arndt produzierten Album „Mit offenen Armen“ in der ZDF-Hitparade vor. Ein Hit wurde nicht aus der Nummer – auch nicht in der Version von Andreas Martin, der den Titel ein Jahr später mit dem Joachim Horn-Bernges-Text „Auch wenn wir lügen müssen“ noch mal veröffentlicht hatte.

Offensichtlich war Petry damals bemüht, den Erfolgreichen der Branche nachzueifern, indem er recht modern produzierte und sich bei den Großen Einiges abguckte. In damaliger Zeit bildeten bei mehreren Udo-Jürgens-Alben Titellied und „Reprise“ gern mal die Klammer um das jeweils aktuelle Album (z. B. bei „Traumtänzer“, „Hautnah“ und „Treibjagd“). Diese Idee wurde bei „Mit offenen Armen“ ebenfalls aufgegriffen – zum ersten Song „Liebe, die Du nie begreifst“ wurde an das Ende des damaligen Albums eine Reprise veröffentlicht. Folgerichtig wurde damals wie folgt geworben: „Petry ’87 – persönlich kraftvoll, mit Mut zum ehrlichen Gefühl“.

Für eine Singleauskopplung langte das aber nicht, da griff man lieber auf den Titel „Willkommen auf der Sonnenbank“ zurück – Co-Autor war damals Werner Schüler, der die zweite und letzte Intercord-CD auch coproduzierte. Es nutzte alles nichts – mit seiner „neuen Standortbestimmung“ landete Petry damals keinen Erfolg, der Vertrag mit der Intercord wurde nicht verlängert, der Sänger wechselte 1988 zur Plattenfirma EMI Electrola.

Mit dem Label-Wechsel wechselte Petry auch den Produzenten und ließ 1988 Reiner Hörnig ans Ruder, der zuvor insbesondere mit den Bläck Fööss zusammenarbeitete und in der jüngeren Vergangenheit mit Jürgen Drews kooperierte. Die erste gemeinsame Produktion war die Single „Fliegen ist schöner“ und das Album Album „Manche mögen’s heiß“, dessen namensgebender Titel auch als Single veröffentlicht wurde. Auch wenn man erneut dem Zeitgeist hinterherlief (damals war Stephan Remmler recht angesagt), wollte sich kein Erfolg damit einschleichen.

Nachdem die dritte Auskopplung aus dem Album, „Einmal mit Dir“, trotz TV-Präsenz (WWF-Club) floppte, probierte man es mit einer vierten Single, einer eher untypische Petry-Ballade, die zwar erneut kein Hit wurde, sich aber im Laufe der Jahre zu einem Dauerbrenner und einem Lieblingslied vieler Fans des Kölners entwickelte: „Nur ein kleines Stück Papier“. Das Lied schaffte es in Neuaufnahme sogar auf das viele Jahre später erscheinende legendäre Best-Of-Album „Alles“.

Unter der Regie von Reiner Hörnig entstand noch eine zweite EMI-LP, nämlich „Wo ist das Problem?“, bei dem bereits erste Ansätze erkennbar waren, dass Petry wieder zurück zum modernen Schlager kehren wollte. Der Text der ersten Single, „Auf den Mond schießen (hinterherfliegen)“ ist da ein gutes Beispiel: „Wenn Du morgens früh die Treppe putzt – nichts an außer einem kurzen Lendenschurz – dreh ich fast durch“. Da auch diese Produktion kein kommerzieller Erfolg war, drehte eher die Plattenfirma durch – die EMI-Electrola-Zeit war damit beendet, und „Wolle“ kehrte reumütig zur alten Plattenfirma Hansa zurück – also diesmal direkt zur Berliner Plattenfirma, zu Beginn der Karriere war er ja bei deren Ableger „Coconut“ unter Vertrag.

Die Wolfgang Petry Story – Teil 1: Die 1970er Jahre 1

Herzlichen Glückwunsch, Wolfgang Petry! Am heutigen 22. September feiert „Wolle“ seinen 67. Geburtstag und ist fitter denn je. Viele Fans wünschen sich neue Songs oder gar neue Live-Auftritte. Wir von den Schlagerprofis finden, dass „genau jetzt“ die Zeit gekommen ist, noch einmal auf Wolfgangs Karriere zurückzublicken – in der Hoffnung, dass schon sehr bald etwas Neues kommt. Wir bleiben am Ball – und präsentieren euch hier den ersten Teil unserer neuen Wolfgang-Petry-Story.

Die Wolfgang Petry Story. Teil 1: Die 1970er Jahre

Am 22. September 1951 wurde Franz Hubert Wolfgang Remling in der Kölner Südstadt (Ortsteil Raderthal) geboren. Im Jahr 1967, als Remling 16 Jahre alt war, starb sein Vater, und er übernahm die Verantwortung für seinen fünf Jahre jüngeren Bruder Josef. Von Beruf war Wolfgangs Vater Kfz-Mechaniker, der allerdings auch sehr musikalisch war und nebenher als Alleinunterhalter aufgetreten war.

Erste kindliche musikalische Erfahrungen

Schon als Kind war Wolfgang sehr musikalisch, so lernte er mit acht Jahren, die Blockflöte zu spielen. Ein Nachbarskind spielte auch Flöte – mit dem tat Wolfgang sich zusammen und entdeckte erstmals die Faszination mehrstimmigen Zusammenspiels. So wurde der Wunsch geboren, Gitarre zu lernen – aber der Vater war dagegen, wollte zunächst, dass der Filius Klavier lernt. Zunächst mit „langen Zähnen“ tat Wolfgang seinem Vater den Gefallen und begann im Alter von zehn Jahren, Klavier zu lernen – im Nachhinein ist er seinem Alten Herrn dankbar, weil die Kenntnisse am Klavier in Sachen Harmonielehre im später beim Komponieren sehr dienlich waren. Mit zwölf Jahren gab es dann endlich die heiß ersehnte Gitarre.

Erste Band: Screamers

Noch während seiner Schulzeit gründete er (noch vor dem tragischen Tod seines Vaters im Jahre 1967) mit Freunden von der Realschule Mitte der 1960er Jahre die Band „Screamers“, mit der er fünf Jahre lang in der Kölner Gegend tingelte. Da Wolfgang der Einzige in der Band war, der den Ton halten konnte, wurde er zum Sänger der Band erkoren. Die Band tingelte in Kölner Clubs wie dem „Riehler Treppchen“.

Ausbildung zum Feinmechaniker

Nach der Schule, die er mit Fachabitur abschloss,  absolvierte er eine Ausbildung zum  Feinmechaniker, die er übrigens mit sehr gutem Ergebnis abschloss,  und tourte weiter durch die Gegend.  Im Anschluss an seinen Dienst bei der Bundeswehr gründete Wolfgang 1974 die Profi-Band „Top-Singers“, die allerdings nur zwei Jahre zusammenblieb. Das Geld reichte hinten und vorne nicht – um etwas dazuzuverdienen, eröffnete Wolfgang sogar eine Reinigung in Klettenberg.

Entdecker: Tony Hendrik und Karin Hartmann

Bei einem Auftritt in der Forsbacher Disco-Bar „Whisky Bill“ wurde er von Tony Hendrik und Karin Hartmann 1975 entdeckt. Vermittelt wurde der Kontakt vom später ebenfalls sehr erfolgreichen Schlagersänger damaligen Musikstudenten Andreas Martin, den Remling seit 1967 kannte und mit dem er seit 1970 freundschaftlich verbunden war.

Neuer Name: Wolfgang Petry

Das Produzentenehepaar Hendrik/Hartmann benannte Wolfgang Remling in „Wolfgang Petry“ um. Ihm wurde zunächst folgender Schlagertext angeboten: „Der Mond von Malibu – er allein sah zu – in der kalifornischen Sommernacht – hat sie mir das Glück gebracht“. Die Musik sagte Wolfgang zu, den Text fand er grausam. Zum Glück ließen sich Hendrik und Hartmann auf eine Änderung ein und produzierten ihm die erste Single auf den Laib: „Sommer in der Stadt“. Gleich diese erste von Hans Ulrich Weigel getextete Single wurde ein großer Erfolg (man höre und staune: Es war sogar bis heute sein größter Charts-Erfolg für einen Einzeltitel (nicht Medley), den er jemals hatte – es reichte für Platz 12 in der Single-Bestenliste.

Erster Auftritt in der ZDF-Hitparade

Bereits am 31. Juli 1976 trat „Wolle“ damit erstmals in der ZDF-Hitparade auf. Ungewöhnlich für einen Newcomer: Er konnte sich direkt platzieren und war auch in den Sendungen am 25. September und am 23. Oktober des Jahres dabei, zuletzt auf einem sehr guten zweiten Platz. Am 9. Oktober 1976 gab Wolfgang überdies sein Debut in Ilja Richters Pop-Sendung „Disco“. – Ungewöhnlich für die spätere Karriere Wolfgang Petrys: Auf der B-Seite seiner Debut-Single fand sich eine Coverversion des „Ronettes“-Hits „Baby I Love You“.

Aufgrund des Erfolges der Debutsingle wurde eine erste LP produziert und im Frühjahr 1977 veröffentlicht: „Ein Freund – ein Mann“. Kommerziell war die Debut-LP nicht, allerdings gab es gute Kritiken dafür, u. a. hieß es damals: „Sein Solostart auf LP enthält eine vortreffliche Mischung eigener und internationaler Songs. Seine Stimme ist eine Bereicherung“. Die Titelauswahl war in der Tat bemerkenswert, so fanden sich Lieder wie „Hey Jude“, „Frühling“ (Feelings), „Fremder“ und „Under One Roof“ auf dem Album.

Passend dazu hieß die zweite, vorab veröffentlichte und erneut von Hartmann/Hendrik komponierte und produzierte Titel „Jeder Freund ist auch ein Mann“ (Text: Christian Heilburg, der damals u. a. auch für Peter Maffay textete und Petry ähnliche Texte wie Maffay andiente. Beispielsweise sang Maffay 1976 den Heilburg-Text „Coca Cola, Mädchen und Rock’n’Roll). Am 19. März 1977 stellte Wolfgang Petry seine neue Single in Dieter Thomas Hecks Hitparade vor und konnte sich wieder platzieren, so dass er am 16. April 1977 erneut in der Berliner Kult-Show zu Gast war. (Zuvor war er am 5. März 1977 auch wieder in der „Disco“ zu Gast). Auch die zweite Single kam in die Verkaufs-Hitparade und erreichte dort immerhin die Top-40.

Eher „mittelprächtig“ lief es für die dritte im April 1977 veröffentlichte Single, „Ein ganz normaler Tag“. In dem Lied beschreibt Wolfgang, wie er eine Frau im Bus trifft und mit ihr spontan einen Tag verbringt. Immerhin stellte Petry seinen Schlager erneut in Hecks Hitparade am 9. Juli 1977 vor und erreichte erneut die Top-50 der Single-Charts. Insbesondere für damalige Verhältnisse brisant war die B-Seite („Ein paar Stunden Zärtlichkeit“) – in dem Song wird die Beziehung eines Mannes zu einer verheirateten Frau thematisiert.

Mit der nächsten Single, „Ruby“, gelang das hingegen nicht mehr – die Single floppte. Auch die Spaß-Nummer „Ich trinke nie mehr Tequila“ konnte Anfang 1978 nicht wirklich punkten. Der Text zu der Nummer stammte von Frank Thorsten, der sich kurz zuvor mit den Texten „Frei, das heißt allein“ und „Liebe auf Zeit“ einen Namen gemacht hatte.

Superhit „Gianna (Liebe im Auto)“

Richtig in die Spur kam Petry dann wieder mit seinem Sommerhit 1978. Der Italiener Rino Gaetano hatte seinerzeit in seinem Heimatland mit „Gianna“, dem drittplatzierten Titel des damaligen Sanremo-Festivals – der Titel des 3 Jahre später bei einem tragischen Autounfall verstorbenen Interpreten war in Italien ein großer Hit. Gemeinsam mit Karin Hartmann schrieb Hans-Ulrich Prost dazu einen deutschen Text: „Gianna (Liebe im Auto)“, in dem es um Probleme bei der Paarung in engen Autos geht. Trotz (oder wegen?) des schlüpfrigen Textes wurde die Nummer auch für Wolfgang Petry ein großer Erfolg, den er am 21. August, am 18. September und am 16. Oktober in der ZDF-Hitparade präsentierte. Der Top-20-Hit hielt sich 19 Wochen lang in den deutschen Single-Charts, mit dem Hit war Petry am 30. Oktober 1978 auch wieder in der „Disco“ zu Gast.

Wolle berichtet über seine Erfahrungen zu „Liebe im Auto“ in der BRAVO…

Wie so oft in „Wolles“ Song, scheint auch der „Gianna“-Song autobiografische Züge zu beinhalten. Jedenfalls gab der Sänger im investigativ nachfragenden „Fachblatt“ „Bravo“ bezüglich einschlägiger Erfahrungen zu Protokoll: „Weil wir endlich einmal allein sein wollten – wir wohnten noch bei den Eltern – beschlossen wir, ein bisschen im Auto zu schmusen. Wir fuhren also ins Grüne , besser gesagt, in ein kleines Wäldchen. Ich war damals schon knapp 1,80 m groß, und Ihr könnt Euch vorstellen, wie eng es in dem Kleinwagen zuging. Das Schlimmste aber kommt noch: Meine Freundin schrie plötzlich auf, weil ein Mann mit großen Augen durch das rückwärtige Fenster starrte. Wir hatten wahnsinnige Angst, dass er uns etwas tun könnte. Meine Freundin gab Gas, und wir rasten davon. Dieses Mädchen ist übrigens heute meine Frau.“

Nach dieser erfolgreichen Cover-Nummer wurde gleich ein zweites Cover nachgeschoben. Textdichterin Renée Marcard schrieb auf Bilbos Song „She’s Gonna Win“ den deutschen Text: „Und w-w-w-wer küsst mich?“. Trotz ähnlichen Strickmusters wie „Gianna“ wurde das Lied KEIN Hit. Ohne zu stottern, hatte Roland Kaiser mit einem Siegel/Meinunger-Schlager „Und wer küsst mich“ 1994 übrigens etwas mehr Glück. Sehr originell war damals übrigens der Werbe-Slogan für die Single – Zitat: „Diese Platte m-m-müssen Sie hören! Diese Platte w-w-wird verlangt!“.

A propos Dr. Bernd Meinunger: Dessen Text „Wenn ich geh‘“ brachte Petry wieder in die Charts zurück – mit einem wieder anderen Konzept, nämlich einer von Tony Hendrik komponierten Ballade. Am 12. November und 10. Dezember 1979 war „Wolle“ damit in der ZDF-Hitparade, Ende 1979 reichte es in der Single-Bestenliste für eine Top-30-Notiz. Spannend: Bereits im Sommer 1979 kündigte die Plattenfirma an: „Demnächst erscheint das neue WOLFGANG PETRY-Album FÜR IMMER“ – eine LP dieses Namens kam aber nie in den Handel – ob da vielleicht noch unveröffentlichte Aufnahmen irgendwo schlummern? (Die entsprechende Anzeige ist im Foto über diesem Absatz abgebildet).

Album „Zweisaitig“ mit Balladen und Uptempo-Nummern

Andrerseits kam kurze Zeit später tatsächlich ein neues Album namens „Zweisaitig“ auf den Markt, das nicht umsonst so benannt wurde – auf der ersten Seite befanden sich Balladen wie die Single „Wenn ich geh‘“, aber auch deutsche Versionen von Welthits wie Elton Johns „Sorry Seems To Be the Hardest Word“ (Wolfgang sang „Verzeih mir zu sagen, ist so schwer“), aus dem Hollies-Song „He Ain’t Heavy, He’s My Brother“ wurde „Diese Träume will ich träumen“. Neben der nächsten Single (s. u.) war auf der „fröhlichen“ Seite von „Zweisaitig“ ein Bläck-Fööss-Song zu finden: „Danz Mädche, danz“ und ein Lied über einen Taxifahrer, der so seine Probleme hat („Dora (Car 67))“.

Ausflug in den Karneval

Pünktlich zu Beginn der Karnevalssession 1979/80 wurde es dann wieder fröhlich. Seinen Schunkel-Schlager „Denn ist einmal die Luft raus (, ist alles zu spät)“ nahm Petry gleich noch in einer Kölschen Version auf: „Dä Kähl kritt kein Luff mie“. Den Karnevalssänger nahmen die Fans ihrem „Wolle“ offensichtlich nicht wirklich ab, die Singles sorgten nicht wirklich für Aufmerksamkeit. Ungewöhnlich – die Plattenfirma orakelte schon damals: „Es ist schon anzunehmen, dass einige Rundfunkanstalten diesen Song ignorieren werden!“ – schon damals konnte man die Rundfunk-„Experten“ also richtig einschätzen.