Die Roy Black Story – Teil 9: Rückkehr zu Polydor und Herz-OP 0

Berufliches Comeback bei Polydor, privat Scheidung von Silke

Im Frühjahr 1985 gelang der Coup, die „Rückkehr des verlorenen Sohns“ zu feiern – Roy unterschrieb wieder bei seiner alten Plattenfirma Polydor und verhielt sich damit anders als Kollegen wie Ted Herold. Der nahm der Hamburger Plattenfirma sehr übel, dass sie ihn nach langjähriger Vertragslaufzeit hat fallen lassen und willigte nicht in einen neuen Deal ein. – Als Produzent wurde Jürgen Kramer, der sich damals als Produzent Tommy Steiners einen Namen gemacht hatte, engagiert. Der heuerte mit den seinerzeit sehr angesagten Candy de Rouge an (- der schrieb u. a. Hits für Jennifer Rush) und komponierte den schönen Schlager „Mona“, zu dem Irma Holder den Text schrieb. Die Single erschien im Mai 1985. Über vier Jahre nach seinem letzten Auftritt in Berlin stellte Roy den Titel in der inzwischen von Viktor Worms moderierten ZDF-Hitparade vor. Dort bekam er übrigens bereits im Januar ein Forum – in Viktors erster Sendung, indem er zu den damals kursierenden Alkohol-Gerüchten Stellung bezog. Seinen neuen Schlager präsentierte Roy auch in den „Montagsmalern“, der „Schaubude“, im WWF-Club und in Wim Thoelkes Rateshow „Der große Preis“, so dass man durchaus von einem weiteren kleinen Comeback sprechen kann. Der Name „Mona“ war Roy in damaliger Zeit vermutlich lieber als der Name „Silke“ – am 26. November 1985 wurde die Ehe mit seiner ersten Frau geschieden.

Erfolg „In Japan geht die Sonne auf“

Mit dem gleichen Team wurde die Nachfolge-Single „In Japan geht die Sonne auf“ (aus dem kurz darauf erschienenen ersten Album nach längerer Zeit namens „Herzblut“) produziert. Trotz der kontrovers diskutierten Frage, ob es sein kann, dass es in New York Nacht ist und gleichzeitig in Japan die Sonne aufgeht wurde der Titel erneut ein Achtungserfolg. Roy stellte den Titel am 19. März 1986 in der ZDF-Hitparade vor und präsentierte den Titel auch in den ARD-Shows „Ein Platz an der Sonne“ und „WWF-Club“. Kurios ist, dass in Sammlerkreisen unter der gleichen Bestellnummer und mit gleichem Coverfoto eine Single namens „Wo geh’n wir hin?“ kursiert. Das legt den Verdacht nahe, dass die Nummer zunächst als Lokomotiv-Song angedacht war, man sich letztlich aber für die „Japan“-Single entschieden hat.

Herz-OP nach TV-Auftritt bei Thomas Gottschalk

Wer „Hölle Hölle Hölle“ ruft, liegt beim dritten Streich aus der Produktion Jürgen Kramers falsch. „Wahnsinn“ war ein neuer von Candy de Rouge und Irma Holder geschriebener Black-Hit, den der bei einer denkwürdigen TV-Show präsentierte. Am 25. Mai 1986 trat Roy bei der von Thomas Gottschalk moderierten Show „Na sowas Extra“ auf und brach kurz nach seinem Auftritt zusammen. Sein Manager „Max“ Kaminski fuhr in zunächst in sein Herdecker Hotel, am nächsten Morgen fand er sich aber in der Intensivstation eines Hagener Krankenhaus wieder und wurde Wochen später mit einem Rettungshubschrauber in die Münchner Herzklinik gebracht, wo ihm in zwei Operationen am 18. und 24. Juni 1986 zwei neue Herzklappen eingesetzt wurden.

TV-Comeback 1987 – ebenfalls bei Thomas Gottschalk

Der Däne Tommy Seebach hatte mit der von ihm komponierten Schmuseballade „Endnu“ einen guten Erfolg. Das war wohl Grund genug für Roy Black, mal wieder einen Song zu covern. Irma Holder schrieb den Text zur Jürgen-Kramer-Produktion „Geträumt“. Nachdem er den Titel bereits in der Schaubude und im WWF-Club sang, präsentierte er den Song auch am 7. März 1987 bei „Na sowas“ und meldete sich quasi gesund bei Thomas Gottschalk zurück. Auch in der ARD-Hitparade „Goldene Eins“ wurde der Titel präsentiert. Auch für diesen Titel gab es den Bronzenen Löwen von Radio Luxemburg – Roys 13. und letzter Löwe wurde ihm am 16. Oktober 1987 verliehen.

Der zweite 1987er Schlager war wieder eine deutsche Komposition – diesmal von Detlev Reshöft, der zuvor u. a. mit G. G. Anderson und Roland Kaiser erfolgreich war und von Rudolf Müssig, der u. a. „Speelwark“ mit Hits versorgte komponiert. Den Text zur Jürgen-Kramer-Produktion „Adieu Cherie“ schrieb erneut Irma Holder. Neben den fast schon obligatorischen Stationen beim WWF-Club und in der Schaubude stellte Roy seinen Schlager auch in Wim Thoelkes „Großen Preis“ vor.

Überraschender Charts-Hit: „Bella Bella Marie“

Einen ganz anderen Weg schlug Produzent Jürgen Kramer 1988 ein. In Form eines Medleys wurden beliebte Urlaubsschlager der Vergangenheit zusammengestellt – Name der Single: „Bella Bella Marie“. Am 21. Mai 1988 stellte er die Vorab-Single seines neuen Albums „Schwarz auf Weiß“ in Kurt Felix‘ und Paolas Show „Verstehen Sie Spaß“ vor. „Es könnte alles so einfach sein“, ist man angesichts des Erfolgs zu sagen: Erstmals seit sieben Jahren ging es wieder in die Single-Charts, Roy hielt sich mit dem Potpourri 12 Wochen in den Charts.

Roys Album „Schwarz auf Weiß“ war ein weiterer Schritt nach vorne. Neben seinen neuen Schlagern waren dort auch deutsche Versionen von Welthits enthalten. Beispielsweise hat er „Only the Lonely“ seines Idols Roy(!) Orbison eingedeutscht, ebenso Albert Wests „Ginny Come Lately“. Albert Hammonds „The Air That I Breathe“ durfte da auch nicht fehlen. Der Musikmarkt konstatierte am 15. August 1988: „Möglicherweise ist Roy Blacks neue Langspielplatte kein typisches Teenie-Produkt, aber für den Markt der über 30-jährigen für die Liebhaber der sanften Töne, die ja bekanntlich über gut die doppelte Kaufkraft der meisten anderen Konsumenten verfügen, ist ‚Schwarz auf Weiß’ sicherlich interessant.“.

Mit „Kein Morgen danach“ wollte man offensichtlich eine anspruchsvolle Auskopplung aus dem neuen Album präsentieren. Wenngleich der von Norbert Endlich, Holger Flesch, Andreas Bärtels und Christian Heilburg geschriebene Titel bei Kritikern sehr gut wegkommt, wurde der Titel (vielleicht auch wegen mangelnder Promotion) nicht so erfolgreich wie das Italienschlager-Medley. Immerhin: Im Oktober 1988 erreichte Roy mit seinem Titel Platz 3 der neuen von Jürgen Drews moderierten ARD-Schlagerparade.

Letzte Single bei Polydor: „Rosen ohne Dornen“

Als letzte Single des „Schwarz auf Weiß“-Albums wurde ein Schlager ausgekoppelt, den ursprünglich Gitte auf ihrer 1977er LP „Regenbogen“ veröffentlicht hatte. Der anspruchsvolle von Gerd Müller-Schwanke und Detlev Petersen geschriebene Titel „Rosen ohne Dornen“ war die letzte (Promo-)Single, die bei Polydor veröffentlicht wurde – der Vertrag wurde nicht verlängert. Den Titel stellte Roy u. a. bei der 100. Ausgabe der Klamauk-Talkshow „Dall-As“ vor. Am 30. April 1989 war er damit auf Platz 1 der deutschen Schlagerparade. Für die ZDF-Hitparade wurde er nach damaligem Modus zwar vorgestellt (Motto „Vier aus Acht“), schaffte es aber nicht in die Sendung. Kurios: Den Titel seiner letzten Polydor-Single sang Roy Black genau am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, in Wim Thoelkes „Großen Preis“.

 

 

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Die Roy Black Story – letzter Teil: Tragischer Tod 0

Die Dreharbeiten zur zweiten Staffel von „Ein Schloss am Wörthersee“ sollten eigentlich Ende September 1991 abgeschlossen sein, allerdings ist der Zeitplan etwas durcheinander geraten. Am 8. Oktober 1991 fiel dann aber die letzte Klappe, und Roy fuhr in seine abgelegene Augsburger Fischerhütte. Wie er seinem Manager mitteilte, fühlte er sich zu müde, um direkt nach Hause ins Westfälische Herdecke zu fahren, wo er inzwischen zusammen mit Lebensgefährtin Carmen heimisch geworden ist.

Tod am 9. Oktober 1991

Am folgenden Mittwoch meldete sich Roy nicht am Telefon. Sein Manager machte sich Sorgen und telefonierte in der Gegend herum – vergeblich. Er bat Roys Bruder Walther, nach dem Rechten zu sehen. Der machte sich auf den Weg – normal brauchte er eine Stunde, um die Fischerhütte zu erreichen. Leider meldete er sich nicht. Mehrere Stunden später gab es dann die traurige Gewissheit – Roy war in der Fischerhütte verstorben – Angaben seines Bruders und des herbeigerufenen Arztes zufolgen an „Herzversagen“. Roy Black starb am 9. Oktober 1991 im Alter von nur 48 Jahren – ein Schock für die Schlagerszene. Die Anteilnahme war überwältigend.

Thomas Gottschalk hielt die Trauerrede

Eine Woche nach dem Tod Roy Blacks wurde er in Augsburg-Göggingen beerdigt – und die Anteilnhme war riesengroß. Nicht weniger als 8.000 Fans und Freunde des Sängers wollten sich von Roy verabschieden. Die Trauerrede hielt Thomas Gottschalk, der sehr einfühlsame und gute Worte fand. Ein Münchner Streichorchester spielte vier bekannte Lieder von Roy – das ist zwar würdig, vermutlcih hätte der Star sich aber einen intimeren Abschied gewünscht… Vielleicht deshalb (?) wohnte Roys Sohn Torsten der Beerdigung auch nicht bei.

Zwei posthume Single-Hits

Posthum wurden aus Roys letztem Gold-Album „Rosenzeit“ noch die Singles „Jeder braucht ‘nen kleinen Flugplatz“ (der Titel wurde 2001 übrigens von Al Bano Carisi als „Lei“ gecovert) und eben „Rosenzeit“ ausgekoppelt. Beide Singles schafften es noch einmal in die Single-Charts. Beim „Flugplatz“-Song hat Dieter Bohlen in seiner Autobiografie behauptet, dass Roys ungewohnter Sprechgesang daher rührte, dass er aufgrund der einen oder anderen Flasche Wodka etwas „müde“ gewesen sei.

Album-Charts-Erfolg leider erst posthum

Noch zu Lebzeiten erschien wie gesagt das sehr erfolgreiche von Dieter Bohlen produzierte letzte Roy-Black-Album „Rosenzeit“, das in der Weihnachtszeit 1991 mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde. Allerdings: Das Album kam in Deutschland erst posthum in die Charts. Im Februar 1992 gab es sogar Platin für das Album, das Komponist Dieter Bohlen und Textdichter Joachim Horn-Bernges überreicht wurde. – Auch die Hitzusammenstellung „Für Dich allein“ (eigentlich zu Roys 25. Bühnenjubiläum gedacht), von der Plattenfirma Edel posthum auf den Markt gebracht, wurde ein Top-20-Verkaufsschlager, der sich mehrere Monate in den Charts hielt. In der Weihnachtszeit 1991 gab es dafür eine Goldene Schallplatte für 250.000 verkaufte Tonträger. Auch EastWest brachte mit „Samtweich“ einen Sampler posthum auf den Markt, der u. a. eine Neuaufnahme des Klassikers „Ganz in Weiß“ enthielt. Posthum brachte auch die Polydor im Frühjahr 1992 noch den Sampler „Meine Lieder – meine Gefühle“ auf den Markt, bei der Wolfgang Kaminski die persönliche Bild- und Textauswahl zum Booklet des Albums vornahm. Im Herbst 1992 erschien eine aus 4 CDs erschienene Kollektion mit den Erfolgen Roy Blacks, auf der Polydor auch eher unbekannte Titel neu veröffentlicht hat. Posthum produzierte Dieter Bohlen 1992 noch das Album „Mein Traum“, auf dem Roys Titel mit großem Orchester (Philharmonic Sound Orchestra) neu aufgenommen wurden.

Bear-Family Sampler erfreuen die Fans

Ende 1994 nahmen sich dann auch die sehr angesehenen Repertoire-Pfleger von Bear Family Records Roys Repertoires an und veröffentlichten zwei CDs mit seinen Polydor-Singles und tollen Bonus-Tracks inklusive jeweils ausführlicher Booklets. Eine ungewöhnliche Idee hatte die Polydor 1994 und brachte das Album „Roy Black International“ auf den Markt, auf dem Roys internationale Aufnahmen präsentiert wurden, die nicht in deutscher Sprache erschienen sind. Als Single wurde „Somewhere My Love“ veröffentlicht.

Christian Bruhn-Song „Wanderpriester“ sorgt 1999 für Begeisterung

Für Schlagzeilen sorgte 1999 ein bis dato unbekannter Song, den der Schlagerproduzent Christian Bruhn in seinem Archiv entdeckte. Posthum gelang Roy mit dem nachdenklichen Song „Wanderpriester“ ein Erfolg. Weitere bis dato unveröffentlichte Lieder fanden sich auf der parallel veröffentlichten CD „Wanderjahre“.

Zum 10. Todestag erschien 2001 die bemerkenswerte Best-Of-CD von Roys langjährigster Plattenfirma Polydor „Halt mich in Erinnerung“, die u. a. die seltene Disco 77-Version seines Superhits „Ganz in Weiß“ enthielt. Auch Bear Family ließ sich nicht lumpen und brachte eine weitere CD mit Roys Single-Titeln heraus. East West ließ sich ebenfalls nicht lumpen und brachte die Top-100-CD „Das Beste 2001-Roy Black Unvergänglich“ auf den Markt.

Zum 20. Todestag erschin eine schöne Hit-Kopplung namens „Du bist nicht allein“ – eine Doppel-CD, auf der erneut ein bislang unveröffentlichter Titel auf den Markt gebracht wurde („Die Braut des kleinen Korporals“ von Ralph Siegel). Roys einziges Live-Album wurde 2016 erstmals vollständig auf den Markt gebracht  – am 21. Oktober 1969 hieß es „Live in Bielefeld“.

Suizid von Silke Vagts

Tragisch: Im Februar 2002 nahm sich Roys ehemalige Ehefrau Silke Vagts im Alter von 57 Jahren das Leben und tat es ihrer Mutter gleich. Auch Roys Vater nahm sich ja bekanntlich selbst das Leben. Ihre letzten Jahre verbrachte Silke in Spanien. – Roys Sohn Torsten verlor somit auch seine Mutter.

BRAVO: Roy bester deutschsprachiger Sänger aller Zeiten

Im Jahr 2006 feierte das Jugendmagazin BRAVO seinen 50. Geburtstag. In dem Zusammenhang wurden die erfolgreichsten Otto-Gewinner aller Zeiten ermittelt. Hinter Michael Jackson landet Roy da auf einem unglaublichen zweiten Platz als bester deutschsprachiger Sänger aller Zeiten überhaupt.

Zum 60. Geburtstag dachte sich die Stadt Straßberg (bei Augsberg) etwas Besonderes aus und benannte nach Roy Black eine Straße, den „Gerhard-Höllerich-Ring“.

Zum 20. Todestag berichtete die BILD-Zeitung am 06. Oktober 2011:

Bereits während der Dreharbeiten zu „Ein Schloss“ am Wörthersee“ hat Roy Black Anfang Oktober 1991 beschlossen, seine Lebensgefährtin Carmen Böhning zu verlassen. Das berichten übereinstimmend sein Rechtsanwalt Dr. Peter Schmalisch und Freunde des Sängers. Roy Black hatte die 23 Jahre jüngere Verwaltungsangestellte zwei Jahre zuvor bei einem Konzert in Oberhausen kennengelernt. Gemeinsam bewohnen sie ein Reihenhaus im westfälischen Herdecke.

Die Geburt von Tochter Nathalie machte nichts besser. Im Gegenteil. Roy Black fühlte sich überrumpelt und von Lebensgefährtin Carmen noch mehr eingeengt. „Es war für ihn ein furchtbarer Gedanke, wieder zu ihr nach Herdecke fahren zu müssen“, sagt Rechtsanwalt Schmalisch zu BILD. Am nächsten Tag wollen sie beraten, wie Roy Black in seinem alten Leben aufräumt und ein neues beginnen kann.

Diese Darstellung widerspricht der der letzten Lebensgefährtin Roys, Carmen Böhning. Und ausgerechnet Roys Ex-Frau Silke schreibt in ihrem Roy-Buch auf Seite 221 über einen „Dr. Peter S.“: „Nicht nur Geschichten über Gottschalk und Genscher, nein, auch jede noch so kurze Trennung von uns steht sofort im Klatschteil der BILD. Ein paar Zeilen hinter diesen Geschichten aus gutunterrichteten Kreisen steht immer häufiger etwas von einem Staranwalt Dr. Peter S. – Ob das Zufall ist?“.  Laut Schilderungen von Silke lernte Roy eben diesen „Dr. S.“ 1977 kennen. In ihrem Buch ist auf Seite 167 zu lesen: „In den folgenden Wochen wird Dir von gemeinsamen Freunden zugetragen, dass es offenbar der größte Traum des Dr. S. ist, ein bekannter Staranwalt zu werden… Er möchte auf der Straße erkannt werden und überall wie ein Star begrüßt werden. Er möchte in jedem Lokal den besten Tisch bekommen und in den Klatschspalten regelmäßig erwähnt werden.

Offensichtlich hat „Dr. Peter S.“ schon immer gerne mit der BILD kooperiert. Silke schreibt in ihrem Buch auf Seite 248: „Du erzählst mir, dass Dein Freund Dr. S. an Deinem Krankenbett war, um mit Dir Dein Testament abzusprechen. Woher BILD das kurze Zeit später weiß frage ich mich?“. — Diese Darstellung Silkes spricht durchaus dafür, dass Carmens Äußerungen in Frank Elstners „Menschen der Woche“-Sendung zutreffend sind.

Viele Stars erinnern an Roy Black

Posthum wurden Roy einige Ehrungen zuteil. Beispielsweise veröffentlichte Maxi Arland, der Enkel Rolf Arlands der „Ganz in Weiß“ komponierte, das Album „Danke Roy“. Francine Jordi, die auch in diesem Jahr die ARD-Silvestershow moderieren wird, nahm sich des Titels „So wie damals“ an. Selbst Heinz Rudolf Kunze interpretierte 2016 „Ganz in Weiß“.

Otto Retzer produzierte 2016 für Servus TV ein neues Roy-Black-Portrait. Zu diesem Anlass wurde erneut eine bislang unveröffentlichte Produktion entdeckt: „Sie ist nicht mehr da“

Recht zu Beginn seiner Karriere sagte Roy Black, dass sein Ziel sei, dass die Leute am Ende seines Leben sagen sollen, dass seine Arbeit gut gewesen sei und dass er sich seiner Arbeit nicht zu schämen brauche. Wir meinen: Das hat er erreicht!

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Wir danken für das Interesse an unserer Roy-Black-Reihe. In Teil 10 haben wir die Links zu den bisherigen Teilen zusammengefasst:

Link

Die Roy Black Story – Teil 10: Fulminantes Comeback mit „Ein Schloss am Wörthersee“ 0

Roy lernt Carmen Böhning kennen

Am 11. August 1989 erhielt Roy von der Zeitungsgruppe WAZ in der Essener Gruga-Halle die „Goldene Note“ überreicht. Bei der Veranstaltung schaffte es eine junge Frau auf die Bühne, um Roy eine Rose zu überreichen. Nur eine Woche später traf Roy die Dame wieder – und lernte sie näher kennen. Es handelte sich um die Mülheimer Verwaltungsangestellte Carmen Böhning, die bei der Stadtverwaltung  Mülheim angestellt war und mit der er fortan eine feste Beziehung führen würde und die später sogar Mutter seiner Tochter werden würde.

Sensationsquote für Wiederholung eines alten Roy-Films im ZDF

Just an diesem Tag wurde im ZDF zur besten Sendezeit ein alter Roy Black Film wiederholt  („Unser Doktor ist der Beste“). Die Quote übertraf alle Erwartungen  – jeder fünfte TV-Zuschauer hat sich den Film angesehen. Auch die Wiederholung des Films „Kinderarzt Dr. Fröhlich“ war sehr erfolgreich. Durch diese Erfolge wurde RTL und sein Boss Hans Thoma auf Roy aufmerksam. Man überlegte damals, eine Serie zu konzipieren, die an der ZDF-Serie Und tatsächlich: Roy wurde angeboten, den Hotelerben Lennie Berger in der Serie „Ein Schloss am Wörthersee“ zu übernehmen. Die erste eigene Serie eines Privat-Senders wurde akribisch vorbereitet. Gastschauspieler wie Thomas Gottschalk und Hans-Joachim Kulenkampff wurden engagiert. 9 Millionen DM kostete die Produktion, 33 km Filmmaterial und  5.500 Komparsen wurden eingesetzt.

August 1989: Premiere „Ein Schloss am Wörthersee“

Am 17. August 1989 wurde dann „Ein Schloss am Wörthersee“ erstmals ausgestrahlt – der Erfolg war gigantisch. 5,39 Mio. Zuschauer sahen sich die Serie an – das war zu dem Zeitpunkt die viertmeist gesehene RTL-Sendung aller Zeiten – hinter 2 Wimbledon-Endspielen und hinter dem Tanzfilm „Dirty Dancing“. Der Marktanteil (15 Prozent) war an sich schon sensationell – unfassbar war aber, dass Roy gerade bei der Jugend ankam: 19 Prozent der 14- bis 29-jährigen sahen sich die Sendung an. Eine RTL-Sprecherin sagte damals: „Zwei Drittel aller Anrufer waren von der Serie begeistert, lobten Kulisse, Landschaft und Roy Black“.  Nach der Ausstrahlung wurde bereits die Fortsetzung der Serie beschlossen. Musikalisch war Roy in der Serie – abgesehen vom Lied „Ave Maria“ – allerdings nicht zu hören.

Neue Plattenfirma: Teldec

Mit Roys erneutem Plattenfirma-Wechsel zur Hamburger Teldec (kurz darauf unter neuem Namen East West firmierend) gab es auch einen Produzentenwechsel, wobei Jürgen Ehlers, der auch Bassist im Eugen Cicero (Vater von Roger Cicero) Trio war, bereits bei vorherigen Plattenproduktionen mitwirkte, nun aber federführender Produzent war. (Übrigens – angeblich gab es zu Beginn der 1990er Jahre durchaus Bestrebungen, zur Polydor zurückzukehren, woraus wegen Roys Tod nichts mehr wurde).

Matthias Reim schreibt erste Teldec-Single

Den Einstieg markierte ein u. a. von Matthias Reim, der kurz darauf erst seinen Durchbruch hatte, geschriebener Titel namens „So wie damals“, den Roy am 28. September in Dieter Thomas Hecks Show „Ihr Einsatz bitte“ und im Dezember 1989 in der deutschen Schlagerparade vorstellte und am 23. Januar 1990 als Sieger der Sendung präsentieren durfte. Kurz darauf erschien die viel beachtete CD „Ein Hauch von Sinnlichkeit“. Dem Branchenblatt Musikmarkt sagte Roy damals zu seinem Album: „Ich sehe das Album als einen weiteren Schritt der Entwicklung, die ich mit den beiden letzten LPs schon eingeschlagen habe. Das ist kein Sprung vom Schnulzen- zum Rocksänger, aber eine kontinuierliche Entwicklung hin zur Pop-Musik mit deutschen Texten“.

Direkt zum „Wende“-Wochenende kam am 13. November 1989 Roys erstes Teldec-Album auf den Markt: „Ein Hauch von Sinnlichkeit“, das bemerkenswerte Cover-Versionen enthält. Unter anderem nahm Roy den Klassiker „Frag den Abendwind“ neu auf.

Hit California Blue bringt Goldene Stimmgabel

Im April 1990 war Roy schon wieder in Jürgen Drews‘ Schlagerparade zu Gast – diesmal mit seiner von Irma Holder getexteten deutschen Version des Roy(!)-Orbison-Klassikers von „California Blue“. Auch dieser Song kam an – am 23. Mai 1990 präsentierte Roy den Song erneut als Spitzenreiter. Mit diesem Titel wurde er sogar Jahressieger der Deutschen Schlagerparade und erhielt deshalb die Goldene Stimmgabel von Dieter Thomas Heck überreicht. Der Titel schaffte es auch in die Single-Charts, wo er sich 12 Wochen hielt.

Nach langer Zeit wieder in der ZDF-Hitparade zu Gast

Die großen Erfolge der ARD-Schlagerparade sind offensichtlich auch dem  ZDF nicht verborgen geblieben. Folglich wurde Roy am 3. Oktober 1990 mit seinem neuen Schlager „Ein kleines bisschen Zärtlichkeit“ nach Berlin eingeladen. Erstmals seit fast zehn Jahren gelang ihm wieder ein Podestplatz – er wurde immerhin Zweiter der damals von Uwe Hübner moderierten Show. Den Titel komponierte Produzent Jürgen Ehlers unter seinem Pseudonym Al Vissond. Experten sehen große Ähnlichkeiten zum Elton John-Song „Whispers“… – am 13. September 1990 war Roy mit dem Titel einmal mehr im „Großen Preis“ zu Gast. Unter dem Pseudonym schrieb Ehlers übrigens auch den Song „Holiday am Wörthersee“, der auf dem 1990 erschienenen Album „Zeit für Zärtlichkeit“ zwar veröffentlicht wurde, aber erstaunlicherweise nicht als Single herauskam.

Musikalischer Erfolg trotz „Wörthersee“ nicht zufriedenstellend

Trotz des großen „Wörthersee“-Erfolgs war Roy nicht voll zufrieden, weil seine Tonträger zwar besser liefen als in den Jahren zuvor, aber noch nicht wirklich „durch die Wand“ gingen. Der Musikmarkt formulierte es in einer Schlagzeile damals so: „Fernsehserie frischte Roy Blacks Ruhm auf. Tonträgerabsatz hält sich noch in Grenzen“. Roy Black selbst äußerte sich im Branchenblatt wie folgt: „Es liegt eine gewisse Diskrepanz zwischen den Zuschauerzahlen der Serie und den Schallplattenverkäufen. … Im Moment sind aber die Schallplattenabsätze nicht das wichtigste für mich, sondern die neuen Folgen der Fernsehserie. …“

„Wie ein Stern am Horizont“ – Platz 3 der ZDF-Hitparade

Die letzte von Jürgen Ehlers produzierte Single war wieder ein Cover-Song. Aus dem Mixed-Emtions-Song „One-Way-Love“, den Drafi Deutscher gemeinsam mit Chris Evans schreib, machte Irma HolderWie ein Stern am Horizont“. Am 23. Januar 1991 gelang damit ein 3. Platz in der ZDF-Hitparade. Im Februar 1991 wurde der Titel auch in der ARD-Schlagerparade vorgestellt – es kam, was kommen musste: Am 19. März 1991 grüßte erneut Roy als Sieger des Wettbewerbs.

Beginn der Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen

Kurz darauf wurde bekannt, dass Roy erneut den Produzenten gewechselt hatte. Auf Jürgen Ehlers folgte kein geringerer als Dieter Bohlen, der seinen Einstand als Produzent mit einer eigenen Komposition gab. (Damals bot sich übrigens auch Ralph Siegel als Produzent an, was Roy aber verneinte, weil man sich im Unfrieden getrennt hatte nach dem „Sand in Deinen Augen“-Erfolg). Unter seinem Pseudonym Blue System veröffentlichte er den Song „Lisa Said“. Daraus machte sein kongenialer Textdichterkollege Joachim-Horn „Knibbel“ Bernges „Frag Maria“. Am 22. Mai 1991 war Roy mit seinem aktuellen Titel in Uwe Hübners ZDF-Hitparade zu Gast. In der gleichen Show trat übrigens auch Dieter Bohlen auf. Premiere feierte der Titel allerdings in Dieter Thomas Hecks Musiksendung „Musik liegt in der Luft“ am 27. April 1991. Immerhin 6 Wochen hielt sich der Titeln in den Single-Charts. Das Album ließ nicht lange auf sich warten – am 23. August 1991 erschien „Rosenzeit“.

„Ich träume mich zu dir“ – letzter Fernsehauftritt  in der ZDF-Hitparade

Im fröhlichen Reggae-Stil kam Roys letzte Single daher, die es noch zu Lebzeiten in die Single-Charts schaffte. Dieter Bohlen komponierte und produzierte „Ich träume mich zu Dir“, den Text schrieb erneut Joachim Horn-Bernges. Premiere des Titels war am 7. September 1991 in Gunther Emmerlichs Show „Nimm Dir Zeit“. Am 18. September 1991 absolvierte Roy in Uwe Hübners ZDF-Hiparade seinen allerletzten Fernsehauftritt mit diesem Schlager.

Vaterfreuden 

In jener denkwürdigen Sendung erzählte Roy auch von seinen Vaterfreuden – voller Vaterstolz erzählte er von der am 19. September 1991 geborenen Tochter Nathalie, die bei der Geburt 50 cm groß war. Roy  war bei der Geburt nicht dabei – er stand auf der Bühne im holländischen Kerkrade, wo der Organisator Harry Thomas seit vielen Jahren den Schlager in den Niederlanden hochleben ließ. Roy trat dort aus alter Verbundenheit auf, weil Harry Thomas Roy auch in schweren Zeiten beigestanden hatte. Tragisch: Nur kurz nach Roy verstarb auch Harry Thomas am 29. Oktober 1991.

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Links zur Roy Black Story

Bei Facebook regte René Deutscher an, die bisherigen Teile unserer Roy Black Story noch einmal als Links zusammenzufassen. Das hielten wir für eine gute Idee – hier also noch mal alle Links:

Teil 1: Die Anfänge

Teil 2: Erster Hit „Du bist nicht allein“

Teil 3: Riesen-Hit „Ganz in Weiß“

Teil 4: Sieger der ersten ZDF-Hitparade

Teil 5: Riesen-Hit „Schön ist es, auf der Welt zu sein“

Teil 6: Beginn der Zusammenarbeit mit Ralph Siegel

Teil 7: Ende der Polydor-Ära

Teil 8: Comeback-Song „Fremde Erde“

Teil 9: Rückkehr zu Polydor und Herz-OP