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NICOLE im Schlagerprofis-Interview: Live-Musik, große Erinnerungen und KI-Statement

NICOLE im Schlagerprofis-Interview: Zwischen Live-Musik, großen Erinnerungen und klaren Worten zur KI

Seit 45 Jahren gehört NICOLE zu den prägenden Stimmen der deutschsprachigen Musiklandschaft. Mit ihrem neuen Live-Album „Carpe Diem Live 2025“ und einer Jubiläumstour blickt die Sängerin nicht nur auf eine außergewöhnliche Karriere zurück, sondern zeigt auch, warum ihre Musik bis heute Generationen verbindet. Zwischen großen Hits, lange vergessenen Albumperlen und bewegenden Konzertmomenten steht vor allem eines im Mittelpunkt: echte Emotionen.

Im Gespräch spricht NICOLE über die besondere Bedeutung eines Live-Albums, das bewusst ohne nachträgliche Studio-Korrekturen veröffentlicht wurde, über die Kraft von Liedern wie „Ein bisschen Frieden“ und die Verantwortung von Musik in bewegten Zeiten. Dabei wird schnell deutlich, dass Authentizität für sie wichtiger ist als Perfektion, und zwar auf der Bühne genauso wie im Leben.

Doch das Interview geht weit über die Musik hinaus. NICOLE äußert sich kritisch zum Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf die Musikbranche, blickt auf ihre größten Karriere-Momente zurück und spricht offen über den Wandel der Fernsehwelt, die Zukunft des Schlagers und die kleinen und großen Glücksmomente, die sie bis heute antreiben. Ein persönliches Gespräch mit einer Künstlerin, die auch nach 45 Jahren nichts von ihrer Bodenständigkeit und Leidenschaft verloren hat.

Interview mit NICOLE

Was macht „Carpe Diem Live 2025“ für dich zu einem besonderen Dokument Ihrer Karriere?

Es trauen sich heutzutage nur ganz wenige Künstler, ein Live-Album zu machen, weil man wirklich Farbe bekennen muss, wenn man so ein Album veröffentlicht. Wir haben im Gegensatz zu anderen Kollegen auch nicht nachsynchronisiert, sondern 1:1 das veröffentlicht, was an dem Tourabend präsentiert wurde. „Carpe Diem“ war auch eine ganz besondere Tournee, weil ich mit dem Titelsong sehr viele Emotionen verbinde: „Carpe diem“, nutze und genieße jeden Tag. Du weißt nicht, was das Leben für dich bereithält und ob das Schicksal dein Freund ist. Manchmal ist es dein Feind. Ich habe die Leute mit diesem Lied nach Hause geschickt und viele haben im Foyer gesagt: „Recht hat sie.“ Und das macht mich schon auch schon stolz.

Das kann ich absolut verstehen. Gab es denn während der Tournee einen Moment, der dich besonders berührt hat?

Ach, es gibt immer irgendwelche Momente, die man nicht vorhersagen kann. Wenn jemand an die Bühne kommt und ein Tränchen im Auge hat und sagt: „Danke für dieses Lied.“ Wenn das emotionaler Titel war, dann weiß ich genau, mit diesem Lied verbindet dieser Mensch etwas ganz Wichtiges. Und diesem Menschen hast du jetzt aus dem Herzen gesprochen oder gesungen. Das sind immer Momente, die mich auch nach so vielen Jahren nicht kalt lassen.

Das kann ich absolut verstehen. Zumal deine Konzerte auch wirklich immer berührend sind mit viel Emotion. Wie hast du denn für diese besondere Tour die Titel zusammengestellt? Sind das Lieblingstitel von dir oder macht man das im Team auch mit der Band?  Und warum haben es die Titel auf die Setlist geschafft?

Das war gar nicht so einfach und wir sind für das Programm der kommenden Tour immer noch nicht endgültig fertig. Also es kommen immer welche dazu. Vor ein paar Tagen habe ich mit einem Freund gesprochen, der meinte: „Ach, da gab es doch noch so einen Titel, den musst du mit ins Programm nehmen“. Ich sagte, dass er eigentlich recht hatte, aber aus Zeitgründen nicht alle Songs Platz im Programm finden. Man muss das abwägen  – du kannst nicht bis nachts um vier auf der Bühne stehen.

Es kristallisieren sich immer mehr die Favoriten heraus und du musst auch gucken, in welcher Reihenfolge du sie auch bringst. Also natürlich kommt „Ein bisschen Frieden“ nicht am Anfang, das ist klar. Es muss ja auch von der Dramaturgie her passen. Da gibt es ganz viele Dinge, die da eine Rolle spielen. Die Leute können sich natürlich auf die Schätze freuen, und da gehören alle Hits dazu. Das macht mich ja aus. Und es wäre auch unklug, diese Lieder nicht zu spielen. Es ist eine Reise zurück zu ganz dem Anfang.

Im Programm sind Songs von „Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund“ über „Allein Griechenland“, „Ich hab dich doch lieb“,  „Der alte Mann das Meer“, „Papillon“, „Dann küss mich doch“, „Mit dir vielleicht“, „Song for the World“, was dann auch wieder kommt und „So viele Lieder sind in mir“, „Für die Seele“ usw. Das sind nicht nur die großen Hits, sondern wir haben auch die Perlen auf den vielen Alben, wieder ausgegraben. Die haben es nie geschafft, als Single ausgekoppelt zu werden. Die Plattenfirma koppelte drei oder maximal vier Titel aus dem Album aus, die es dann zur Single schafften und die auch die Kriterien erfüllten für das Format der Rundfunksender erfüllten.

Aber für mich war immer die Prämisse, es muss jeder Titel für sich wert sein, auf meinem Album sein zu dürfen. Es gibt kein Füllmaterial und deshalb gibt es wunderschöne Perlen, die irgendwo auf einer B-Seite sind. Das gab es ja früher: Die B-Seite einer Single. Diese Lieder funktionieren dann auf der Bühne kurioserweise richtig gut – auch wenn sie im Rundfunk nicht funktioniert haben, weil sie zu balladesk oder zu anspruchsvoll waren.

Es ist unglaublich, wie dann manche Titel beim Publikum ankommen. „Ich hab dich geliebt“ oder „Für die Seele“ oder „Johnny“, der mit dem Motorrad verunglückt, und so weiter. Das sind so Songs, die dann auch in Szene gesetzt werden können und bei denen die Leute oft an sich halten müssen, dass sie nicht zu weinen beginnen. Und das sind eben auch diese emotionalen Momente, von der die kommende Tournee leben wird. Und die wird auch, weil es eine Jubiläumstournee ist, sowieso etwas ganz Besonderes. Wir werden neues Licht haben, wir werden eine neue Bühne haben, neue Deko usw. Das wird sehr, sehr spannend.

Also da freue ich mich auch wieder sehr drauf. Ich hab dich auch ein paar Mal live erlebt und es ist wirklich immer ein besonderer Abend. Deine Lieder passen ja auch mehr denn je in diese Zeit.  Hast du das Gefühl, dass Lieder wie „Ein bisschen Frieden“, aber auch „Nie, nie mehr“ oder „Sag mir, wo die Blumen sind“ heute wieder aktueller denn je sind und dass das eben auch die Leute, die dich damals schon gehört haben, auf der Bühne hören wollen und aber auch neue Leute, viele junge Leute?

Ja. Auf jeden Fall. Also „Nie nie mehr“ habe ich ja schon vor über zwanzig Jahren auf dem Album „Kaleidoskop“ veröffentlicht. Das habe ich damals schon voller Inbrunst gesungen. Und damals gab es auch auf der Bühne im Hintergrund eine Leinwand, wo auch ein Schwarz-Weiß-Film parallel lief mit SS und so weiter, wo Soldaten marschiert sind. Also das war sehr bewegend. Da hat das Publikum den Atem angehalten, weil das schon ein Pfund war damals.  Und das habe ich ja bei der letzten Tour auch wieder im Programm gehabt: „Nie nie mehr“. Ich bemerkte, wie die Leute da einen richtigen Schauer über den Rücken kriegten.  Und wie gesagt, ich würde alle möglichen Songs gerne noch mal machen, aber irgendwann ist die Zeit mein größter Feind.

Das glaube ich dir, und deine Shows sind ja wirklich nicht kurz und wenn man einfach so ein Repertoire über so viele Jahre hat, ist das ja auch absolut normal. Ich habe mir ein Thema noch bei dir rausgesucht, weil das extrem gut passt: Der Song „Ich will Musik“. Und dann das heutige Thema: Musik und KI. Vor wenigen Tagen hat tatsächlich UWE HÜBNER das Thema noch mal in einem Blog aufpoppen lassen. Ich persönlich finde das ganz, ganz schwierig. Musik kommt von Menschen für Menschen – im besten Fall handgemacht.

Und dann hast du da jetzt auf einmal Songs, die einfach so entstehen. Du sagst einem Computer: „Mach mal einen Song über Liebe. Mach mal einen Song über Frieden.“ Und dann kommt NICOLE und die singt „Ich will Musik“. Ist das einfach auch ein ganz persönliches Anliegen von dir, oder wie stehst du zu dieser KI-Musik?

Also ich war schon immer ein Verfechter von Live-Musik, und das wird sich auch nicht ändern. Und das kann auch keine KI dieser Welt ersetzen.  Du kannst ja nicht zur KI sagen: „Geh hier auf die Bühne und sing!“ Die Stimmen gibt es ja nicht in echt. Du kannst ja mit der KI nicht auf Bühne gehen. Du musst ein Mensch sein. Und ich denke mal, ein richtiger Musiker lebt ja davon, dass er sein Handwerk gelernt hat.  Ein Komponist hat Komposition gelernt und ein Textdichter, der sehr begabt ist, der macht sich ja seine Gedanken. Das entsteht ja im Hirn, im Kopf erdacht, von Hand gemacht.

Das ist alles sehr bedenklich. Ich will Musik einfach und klar, so wie es früher war. Und klar, du kannst die Zeit nicht aufhalten, die Technik verändert sich, es wird immer mehr digitalisiert, und es wird immer unmenschlicher. Da sehe ich wirklich eine ganz große Gefahr.  Es ging los mit den Handys, als plötzlich immer weniger kommuniziert wurde. Es wurde nur noch geschrieben und kein Mensch redet mehr, telefoniert mehr. Es wird nur noch gesimst und geschrieben. Und dann steigen die jungen Leute aus dem Bus mit gesenktem Haupt und tippen da irgendwelche Sachen und laufen mit dem Kopf gegen Laternen.

Ja, und keiner guckt sich mehr ins Gesicht und keiner spricht.

Keiner guckt sich ins Gesicht. Ja, lasst uns doch wieder Mensch sein.  Bezogen auf KI und Musik – das ist ja ganz witzig, die KI mit einem Thema zu füttern, wenn du das mal auf einem Geburtstag präsentieren willst im privaten Kreis, wenn du eben keine Begabung hast und möchtest jemanden überraschen, so wie ich das jetzt auch mitbekommen habe. Da wurde jemand siebzig Jahre alt und die Frau, die hat einfach diese KI benutzt. Man gibt die Stichwörter ein, und dann plötzlich spuckt der einen Text aus, der genau auf diese Person passt. Das ist ja schon irre. Aber das ist auch gleichzeitig beängstigend, was man alles machen kann.

Es ist zum einen beängstigend, weil natürlich auch gerade prominente Personen ein Stück weit davon betroffen sind. Wenn du heute sagst: „Sing mir mit der Stimme von Nicole das Lied ABC“, und andere Leute vielleicht darauf reinfallen, weil sie gar nicht wissen, dass es nicht die echte NICOLE ist.  Also ich finde das Thema wirklich schwierig und ich glaube, es müsste sich da auch eine Lobby entwickeln, die so etwas wirklich schützt und ganz klar benennt.

Man sollte eine Grenze setzen. Ja, ganz genau. Also für den privaten Gebrauch finde ich das ganz witzig mal, wenn ich meinen Partner überraschen will und habe absolut keinen Plan. Und dann gibst du ein: Ach, der ist gerne im Garten, Gartenarbeit macht er gern, dieses macht er gerne und jenes liebt er. Und dann kommt direkt ein Text, bei dem du denkst: Ja, okay, das machst du im privaten Feier, Feierkreis, da im privaten Kreis bei einer Feier.  Aber damit ist es auch gut.

Wenn aber der Song dann rausgeht, und du machst damit noch irgendwelche Geschäfte und jemand kann es gar nicht und hat nichts damit zu tun, wird es bedenklich. Bei mir ist jetzt vor Kurzem irgendwo eine Biografie erschienen von einer Autorin, die habe ich in meinem ganzen Leben nicht gesehen. Von Stille und Frieden oder irgendwas. Ich frage mich: Wer ist diese Frau? Ich habe die nie gesehen, nie kennengelernt. Ich habe kein einziges Wort mit ihr gesprochen. Die Bilder hat die irgendwo aus dem Netz und dann reimt die sich was zusammen und es ist mit Sicherheit auch nicht der richtige Name, weil es diese Frau gar nicht gibt. Das ist auch KI.

Ja, und das ist doch völlig verrückt.

Und dann denkst du: Wer kriegt denn das Geld, das damit verdient wird? Das wurde doch verkauft. Man sollte es einem guten Zweck zuführen… Nein, wo landet das alles? Die Leute denken, ich kriege Geld dafür und ich habe damit mal nichts zu tun.

Ja, ich glaube, man muss das auch immer deutlicher klarstellen, und das macht es immer schwieriger. – Deine Karriere hat ja so viele Epochen miterlebt, und du hast das alles überlebt und bist immer noch erfolgreich. Gibt es in deiner Karriere etwas, worauf du besonders stolz bist? Das muss jetzt gar nicht der ESC sein, sondern irgendwas, wo du sagst: „Ja, darauf bin ich besonders stolz.“ Vielleicht die Dauer über die Jahre, wie sie anhält?

Genau. Also erst mal fünfundvierzig Jahre, das ist schon ein Pfund. Das können nicht viele von sich behaupten. Vor allen Dingen gelang das auch ohne Skandälchen und ohne irgendwelche dummen Sachen, keine Leichen im Keller, mit irgendjemand nie irgendwas gedealt, wo ich hätte sagen können: „Oh Gott, das will ich nicht.“ Nein, jeder Sieg bin eben ich gewesen. Ich sage immer: ein erkaufter Sieg ist ein Triumph ohne Glanz. Das war nie meins und ich sage, jeden Sieg musst du dir erkämpfen.

Und ich bin immer eine Kämpferin gewesen und bin immer den schwierigeren Weg gegangen, aber den wahrhaftigen, weil ich immer morgens aufstehen wollte, in den Spiegel schauen und sagen: „Ja, Fräulein, du hast aus eigener Kraft und mit qualitativ hochwertiger Produktion und vor allen Dingen ohne Machenschaften, ohne Skandälchen geschafft, Erfolg zu haben.“ Und wenn du dann als Kind dir wünschst, einmal die Eurovision zu gewinnen für, für Deutschland und du schaffst das, dann ist das einfach unglaublich. Ein Traum, der in Erfüllung ging.  Und dann wolltest du als Kind immer in die Hitparade. Wir waren zu viert in der Badewanne samstags, ich habe drei Geschwister, und ich war immer die Erste, die raus wollte, weil ich mir den Sessel vor dem Fernseher sichern wollte vor den anderen.

Ja, das sind aber doch wunderschöne Erinnerungen.

Wenn dann DIETER THOMAS HECK herauskam mit den Worten: „Hier ist Berlin.“ Wow. Und dann habe ich immer gefiebert: „Wer ist jetzt dabei? Und da möchte ich mal hin.“ Und dann gewinne ich siebzehn Mal die Hitparade – und bin Rekordhalterin und begrabe sie auch noch mit einem Jahressieg in der letzten Sendung 2000. Wow. Also das war auch ein sehr emotionaler Moment. Da konnte ich auch nicht mehr an mich halten am Schluss.  Dann fiel alles ab und ich habe nur in die Kamera gerufen: „Marie-Claire und Joëlle, eure Mama hat’s geschafft.“

Ich muss dir sagen, ich habe gerade eine Gänsehaut, und das ist wirklich so. Ich erinnere mich nämlich genau an diese Sendung. Ich bin 1986 geboren, war auch durch meine Eltern geprägt von Beginn an großer Schlagerfan, und ich habe die Sendung gerade tatsächlich vor Augen. Ich bin mir sehr sicher, Platz zwei war MICHELLE mit „Wirst du noch da sein“. Ich erinnere mich komplett an diese Sendung und ja, das war schon besonders.  Ich glaube, ROLAND KAISER hatte auch noch einen Special Auftritt zwischendrin.

Ja, mit mir zusammen. Genau, das war ein Medley. Er hat gestartet, dann kam ich dazu. Dann hat er wieder gesungen. Da kam ich dazu und wir beide sind die, die am öftesten gewonnen haben. Er als Mann und ich als Frau. Aber ich habe mehr Siege. Er hat hingegen mehr Auftritte in der Sendung gehabt, aber ich habe öfter gewonnen. Er ist auch ein Stück älter.

Es sei dir von Herzen gegönnt. – Ich habe es vorhin gesagt, du hast ja die Zeiten erlebt mit Hitparade, mit Showpalast, Musik liegt in der Luft. Also du hast alles mitgenommen und gesehen, wie es sein kann, wenn viele Shows in Deutschland stattfinden. Jetzt gibt es nun mal die Diskussion und du warst ja auch auf der „Sternstunden des Schlagers“-Tour dabei mit STEFAN MROSS.  „Immer wieder sonntags“ ist die nächste Sendung, die eingestellt wird.

Und wenn man jetzt so ein bisschen zählt, fallen einem wirklich nicht mehr viele Schlager-Sendungen ein. Dann hast du ZARRELLA, SILBEREISEN, ANDY BORG und das Fernsehgarten-Team, wo es für den Schlager tatsächlich auch immer, immer schwerer wird.  Sagst du, das ist einfach der Lauf der Zeit, oder siehst du das Ganze auch ein bisschen kritisch?

Ich sehe es durchaus kritisch, weil ich die echten Beweggründe nicht kenne. Ich kann es mir zwar nicht vorstellen, aber man hört, dass angeblich das Publikum verjüngt werden soll. Ich denke dann immer: „Äh, Freunde, also ich bin jedes Jahr dort, manchmal zweimal pro Saison in der Sendung, und ich sehe da nicht nur ältere Leute. Da sind junge Menschen rechts auf der Tribüne, die haben Trikots an, die sind vom Fußballverein, die sind zwanzig, dann sind Kinder da. Also es ist ein ganz gemischtes Publikum. Außerdem: Was sollen denn die älteren Menschen sich noch anschauen? Ich kenne ganz viele, die „Immer wieder sonntags morgens“ um zehn in der Küche beim Kochen die Sendung anschauen. Klar, die sind halt eine Generation älter.

Aber trotzdem muss man zugegeben auch bedenken: Die Musikrichtung spricht jetzt nicht unbedingt meine Tochter an. Es muss aber doch für jeden etwas dabei sein. Wenn ich etwas nicht anschauen will, dann schalte ich einfach um. Dann gucke ich was anderes. Aber es den Leuten vorzuenthalten, es einfach wegzunehmen, geht gar nicht. Ich glaube, man müsste da wirklich eine Petition machen, dass die Leute einen Brief an die Verantwortlichen schreiben. Die Sendung war immer ausverkauft.

Ja, richtig. Und ich glaube tatsächlich, manchmal fehlt es an der Lobby auch in den Gremien. Viele Leute gucken manchmal nur mit einem Auge auf diese Shows. Und gerade „Immer wieder sonntags“ war eine Sendung, die hat funktioniert, so wie sie ist. Die wurde im leichten Stil immer mal erneuert und funktioniert so wie sie ist. Und jetzt fällt das auch weg.  Im Übrigen wird auch der Fernsehgarten damit zu schaffen haben, denn der Vorlauf fällt jetzt weg. Da müssen die Leute sich absolut dafür entscheiden, den Fernsehgarten einzuschalten, wo man früher nach „Immer wieder sonntags“ umgeschaltet hat.

Ja. Es ist wirklich schade.

Es kommt ja auch nichts Neues nach.  Du hast jetzt das große Glück, seit einiger Zeit auch wieder bei FLORIAN SILBEREISEN und GIOVANNI ZARRELLA aufzutreten. Das ist wohl ein großes Glück, weil es ja dann auch für eine großartige Künstlerin wie NICOLE nicht mehr viele Möglichkeiten gibt, sich zu präsentieren außerhalb der Livebühne.

Das ist richtig. Du kannst noch in eine NDR-Talkshow gehen oder zum „Riverboat“. Da kann ich auch noch, wenn ich Glück habe, live performen. Mit einem Pianisten zum Beispiel oder mit einem Gitarristen. Das mag ich sehr gerne. Da hat man dann echte Live-Präsenz und kann über aktuelle Projekte reden. Da hast du halt ein Zeitfenster von einer Viertelstunde, aber dann hört es auch schon auf. Dann haben wir wirklich tatsächlich nur noch als große Samstagsabendshows ZARRELLA und SILBEREISEN, und dann wird es eng. Und die hast du natürlich nicht jede Woche.

Das stimmt. Und auch da wird ja immer mal wieder der Wunsch laut, frische Gesichter, junge Gesichter zu sehen. Aber das ist wahrscheinlich noch mal ein anderes Thema.

Wahrscheinlich. Also ich höre immer von anderen Leuten, es sind immer die Gleichen drin.

Ja, das ist das, was, was wir auch hören, wenn wir angeschrieben werden. Jetzt muss man ganz ehrlich sagen, das kann man ja selber nachprüfen und so abwegig ist das bis auf wenige Ausnahmen nicht.

Ja.

Gerade bei der Tour mit STEFAN MROSS war es ja noch mal was anderes. Da habe ich dich auch live erlebt. Ich habe das Publikum gesehen. Da hat man wirklich das Gefühl gehabt, die haben sich mega auf diesen Abend gefreut. Die Stimmung bei MICHAEL HOLM hat mich persönlich auch gefreut, ihn mal wieder live zu sehen. Aber auch KRISTINA BACH, die man wirklich ganz, ganz viele Jahre nicht mehr auf den Livebühnen gesehen hat. Ist das für dich ein Ausgleich zu deiner Tour mit Band, dass du sagst, das machst du einfach auch mal zwischendrin, um dich wieder zu zeigen? Man hat schon das Gefühl gehabt, dass dir das auch wirklich großen Spaß gemacht hat.

Ja, wir waren auch eine tolle Truppe, das muss man sagen. Also ich wäre nicht mitgefahren, wäre einer dabei gewesen, der mir nicht passt. Es gibt ja Kollegen, mit denen möchte man einfach nicht unterwegs sein. Und ich habe dann gesagt: „Okay, der ist okay, die ist okay, dieser geht wunderbar. Dann kann man ‚matchen`.“ Und das hat vom ersten Moment an gematcht. Wir waren eine tolle, homogene Truppe mit lauter sympathischen Menschen. Keiner hat dem anderen etwas geneidet. Jeder hat seinen Auftritt hingelegt und keiner musste sich verstecken vor dem anderen. Und ich habe zu meinem Mann gesagt: „Guck mal, jetzt dauert das Schminken länger als der Auftritt.“

Das ist natürlich auch etwas, wo ich dann denke: Okay, ein Konzert geht über zweieinhalb Stunden, da musst du eine ganz andere Konfidenz haben. Aber das hier war so, dass ich ca. fünf Titel gesungen habe. Kaum stand ich auf der Bühne, war der Auftritt schon wieder beendet.

Aber das war trotzdem kurz, knackig und kurzweilig.  Und ich habe das schon ewig nicht mehr gemacht, dass ich auf eine Mixed-Tour gegangen bin. Ich muss auch ganz ehrlich sagen, das Angebot war ein super Angebot und da hat eben alles gestimmt. Und ja, wir hatten sehr viel gute Laune und Spaß, auch hinter der Bühne.

Und das merkt man im Publikum, wenn man die Möglichkeit hat, auf euch zu treffen. Das ist auch was sehr, sehr Schönes und das sollte es hoffentlich auch noch viele Jahre geben, gerade auch für ein oder zwei jüngere Künstler, die dann bei so Tourneen einfach mal mitgetragen werden und sich präsentieren können.

Genau. Und die Tour soll ja weitergehen, habe ich gehört. Die heißt dann nicht „Immer wieder sonntags“, sondern „Immer wieder Stefan“. Und ich habe gesagt, also wenn noch mal so eine Truppe zusammengestellt wird – ich wäre dabei. Auch weil es mir Spaß gemacht hat, muss ich ganz ehrlich sagen. Das war wie gesagt so easy. Es war einfach schön.

Wenn man „nebenbei“ Leute glücklich machen kann, ist das doch eigentlich ein Highlight…

Ja, eigentlich schon. Man kann auch dann auch, wenn man ein aktuelles Projekt hat oder eine aktuelle Tour, das natürlich auch auf der Bühne erzählen. Und das zeigt auch durchaus Wirkung. Also wenn du sagst: „Ich gehe im September auf Solotournee“, das habe ich auch gesagt bei STEFAN, als wir auf der Bühne waren, dann sind ja auch Tausende Menschen, die das dann hören.  Und es ist ja auch dann Promotion für das eigene Produkt, dass muss man zugeben.

Absolut. Und mit Sicherheit wirst du auch einige Leute aus diesen Mixed-Konzerten dann in dein Solokonzert kriegen. Und von dem her ist das eine Win-win-Situation.

Genau, ganz richtig. Wir wollen doch einfach nur die Leute unterhalten und Glück und Freude bringen und sie einen Abend den Alltag vergessen lassen.

Da hast du völlig recht. Letzte Frage, die gar nichts mit der Musik zu tun hat: Gibt es einen Traum, den du dir einfach noch erfüllen möchtest?

Nein. Ich hab in meinem Leben schon so viel Glück gehabt und Träume erfüllen dürfen. Zwei habe ich schon genannt: Hitparadenkönigin und die Eurovision zu gewinnen. Das waren berufliche Träume, die ich mir erfüllt habe. Privat habe ich alles Glück der Welt. Ich habe einen tollen Mann, ich habe tolle Kinder, tolle Enkeltöchter. Die Älteste ist vorgestern Landesmeisterin geworden im vier mal hundert Meter-Lauf.

Wahnsinn.

Die Mara. Und sie sind gut in der Schule.  Also sie sind so problemlos, pflegeleicht, dass wir als Großeltern nur stolz sein dürfen, dass wir das alles so hingekriegt haben. Und vor allen Dingen, dass wir gesund sind.

Und die Enkelkinder und Kinder können stolz sein auf die Mama und die Oma, die so eine großartige Karriere hingelegt hat. Damit will ich das Ganze auch wirklich abschließen.  Ich habe mich sehr gefreut, dass wir die Möglichkeit hatten, heute zu sprechen.  Liebe Nicole, vielen herzlichen Dank. Viel Erfolg mit deinem aktuellen Projekt!

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