Wolfgang Heichel

DSCHINGHIS KHAN: Damaliger „Chef“ WOLFGANG HEICHEL ist tot!

WOLFGANG HEICHEL ist tot – Vom angehenden Zahnarzt zur Stimme von DSCHINGHIS KHAN!

Mit WOLFGANG HEICHEL verliert die deutsche Musikszene eine prägende Figur des Euro-Pop der späten 1970er-Jahre. Als Sänger und Mitbegründer von DSCHINGHIS KHAN schrieb er Musikgeschichte – doch sein Weg auf die Bühne war alles andere als vorgezeichnet.

Zwischen Hörsaal und Hitparade

Bevor WOLFGANG zum markanten Gesicht einer der schillerndsten Formationen der Grand-Prix-Geschichte wurde, verfolgte er einen völlig anderen Lebensplan: Er wollte Zahnarzt werden. Vier Semester lang studierte er Zahnmedizin, lernte akribisch für Prüfungen und bereitete sich auf eine sichere bürgerliche Zukunft vor. Die Musik jedoch lief stets parallel. Bereits während des Studiums stand WOLFGANG HEICHEL mit verschiedenen Bands auf der Bühne. Besonders aktiv war er mit der Gruppe BLUE HEAVEN, die vor allem Oldies spielte. Auftritte, Proben und erste Studioerfahrungen gehörten längst zu seinem Alltag – ein Doppelleben zwischen Seziersaal und Scheinwerferlicht.

Als „Sprecher“ von DSCHINGHIS KHAN erzählte er von den Anfängen damals, die bei den anderen Bandmitgliedern ähnlich aussahen:

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Dann kam der Wendepunkt: Eine entscheidende Prüfung, die über seine weitere Zulassung zum Studium bestimmen sollte, fiel negativ aus. Ausgerechnet diese Prüfung war zuvor extra verschoben worden, damit WOLFGANG einen wichtigen musikalischen Termin wahrnehmen konnte – den Auftritt beim Grand Prix. Trotz intensiver Vorbereitung und eigener Zuversicht erhielt er nicht die erforderliche Bewertung. Das Urteil der Professoren beendete abrupt seine medizinische Laufbahn. Was zunächst wie ein Rückschlag wirkte, sollte sich im Nachhinein als Schicksalsmoment erweisen.

Mehrfach berichtete die BRAVO über DSCHINGHIS KHAN, u. a. auch explizit über WOLFGANG:

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Die Entscheidung für die Musik

Nach dem Studienaus blieb nur eine Wahl: Musik oder Medizin. WOLFGANG entschied sich endgültig für die Bühne.

Er investierte eigenes Geld, stellte Musiker zusammen und arbeitete hart am Aufbau neuer Projekte. Die Anfangszeit war keineswegs glamourös. Es gab Rückschläge, etwa als eine frisch formierte Band in der Schweiz keine Arbeitserlaubnis erhielt und geplante Engagements platzten. WOLFGANG HEICHEL spielte später in Berliner Formationen wie den „BLACK BIRDS“ und „JUNCTION“ – Stationen, die seinen Weg prägten, auch wenn sie heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind.

Nebenbei verdiente er Geld als Fotomodell für Kosmetikwerbung, komponierte eigene Stücke und widmete sich sogar der Malerei. Kreativität war für ihn nie auf einen einzigen Ausdruck beschränkt.

Der Durchbruch mit DSCHINGHIS KHAN

Der große Wendepunkt kam 1979: Gemeinsam mit Produzent RALPH SIEGEL und Textdichter Dr. BERND MEINUNGER entstand die Gruppe DSCHINGHIS KHAN. Beim Eurovision Song Contest (damals Grand Prix Eurovision de la Chanson) vertrat die Formation Deutschland mit dem Titel „Dschingis Khan“ – ein Auftritt, der sich ins kollektive Popgedächtnis einbrannte.

WOLFGANG HEICHEL war nicht nur Sänger, sondern auch eine der prägenden Bühnenfiguren der Gruppe. Die Mischung aus eingängigen Melodien, opulenten Kostümen und theatralischer Inszenierung machte DSCHINGHIS KHAN zu einem internationalen Erfolg. Titel wie „Moskau“ oder „Hadschi Halef Omar“ wurden zu Klassikern des deutschsprachigen Pop-Entertainments.

Rückblickend sagte WOLFGANG selbst einmal sinngemäß, dass er seinen Professoren fast dankbar sein müsse: Hätte er sein Studium erfolgreich beendet, wäre er womöglich nie Teil dieser einzigartigen Erfolgsgeschichte geworden.

Ein Künstler mit vielen Facetten

WOLFGANG HEICHEL war mehr als nur ein Mitglied einer schillernden Popgruppe. Er war Komponist, Musiker, Bühnenmensch und jemand, der sich immer wieder neu erfand. Auch nach den Hochzeiten von DSCHINGHIS KHAN blieb er der Musik treu.

Auch nach der Glanz- und Gloriazeit von DSCHINGHIS KHAN konzentrierte er sich auf seine Arbeit als Musikproduzent und Komponist. Er bewahrte das musikalische Erbe von DSCHINGHIS KHAN, veröffentlichte Neuauflagen, betreute Projekte rund um die Band und führte ihre Songs einer neuen Generation von Fans zu. Mit Engagement für internationale Musikprojekte, Kooperationen und Live-Auftritte hielt WOLFGANG die Faszination für die legendären Hits wie „Moskau“ lebendig.

Seine Karriere nach 1985 war geprägt von Kreativität, Professionalität und der Leidenschaft, Popmusik dauerhaft relevant zu halten. Gleichzeitig nutzte er seine Erfahrung, um junge Musiker zu fördern und das deutsche Musikschaffen nachhaltig zu inspirieren. Vorher gab es vor 40 Jahren, anno 1986, eine absolute musikalische Kuriosität. WOLFGANG war Mitglied der RALPH-SIEGEL-Formation „THAT’S LIFE“. Während Papa SIEGEL senior mit „Telefon, Telefon“ 1957 MARGOT HIELSCHER zum ESC entsandte, reichte es 1986 für einen 12. und letzten Platz – das „rote Telefon“ auf dem Cover konnte da auch nichts reißen. Dennoch genießt der Song Kult-Status, wenn man bedenkt, WIE erfolgreich RALPH SIEGEL damals wie heute war – und dass auch er mal in Sachen ESC daneben liegen durfte.

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Auch außerhalb der Bühne war Heichel international geschätzt: Für seine kulturellen Verdienste erhielt er unter anderem die „Medaille der Freundschaft“ der Mongolei, wie sein Management posthum zu berichten weiß.

Mit seinem unerwarteten Tod am 20. Januar 2026 im Alter von 75 Jahren  verliert die Musikszene eine Persönlichkeit, deren Stimme, Kreativität und Engagement Generationen begleitet und die Popgeschichte Deutschlands entscheidend mitgeprägt haben.

Sein Lebensweg erzählt von Umwegen, Enttäuschungen und mutigen Entscheidungen. Vom angehenden Zahnarzt zum internationalen Popstar – diese Entwicklung wirkt im Rückblick fast symbolisch für eine Generation von Künstlern, die zwischen Sicherheitsdenken und künstlerischem Drang ihren eigenen Weg suchten.

Mit seinem Tod endet ein Kapitel deutscher Popgeschichte. Doch die Lieder bleiben – und mit ihnen die Erinnerung an einen Künstler, der sich letztlich für das Risiko entschied. Für die Musik. Traurig: Mit WOLFGANG HEICHEL ist nach STEVE BENDER und LOUIS POTGIER das dritte Mitglied der Originalformation verstorben. Das letzte verbliebene männliche Bandmitglied (neben den beiden Damen HENRIETTE HEICHEL und EDINA POP) ist LESLIE MANDOKI.

Möge WOLFGANG HEICHEL in Frieden ruhen.

Danke an Marcel Jordan für seinen Hinweis zu diesem Thema!

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