Zum 35. Todestag von COSA ROSA – ROSEMARIE PRECHT (1952–1991)
Vor 35 Jahren starb mit ROSEMARIE PRECHT eine der eigenständigsten Stimmen des deutschsprachigen Pop der frühen 1980er-Jahre. Unter dem Projektnamen COSA ROSA schuf sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten REINHOLD HEIL Musik, die weit über die gängigen Klischees der Neuen Deutschen Welle hinausging: poetisch, warm, elektronisch – und bis heute erstaunlich zeitlos.
Geboren am 3. Mai 1952 als Tochter eines niedersächsischen Landwirts, führte ROSAs Weg zunächst nicht direkt auf die Bühne. 1973 zog sie nach Berlin, studierte Architektur und schloss ihr Studium als Diplom-Ingenieurin ab. Parallel entwickelte sich jedoch eine zweite, letztlich stärkere Leidenschaft: die Musik. Als Keyboarderin stieg sie Ende der 1970er-Jahre bei der Frauenband INSISTERS ein, mit der sie im Umfeld des Berlin Rock Circus sowie auf Tourneen mit IDEAL und MORGENROT auftrat. Erste Plattenveröffentlichungen folgten, ehe sie 1980 das Angebot annahm, Teil der Band von ULLA MEINECKE zu werden, was der SPLIFF-Schlagzeuger HERWIG MITTEREGGER vermittelt hat.

In dieser Zeit sammelte ROSEMARIE PRECHT umfassende Studio- und Live-Erfahrung, wirkte an mehreren MEINECKE-Alben mit und war 1984 auch mit ihr auf Tour. Gleichzeitig begann sie, eigene Songs zu schreiben. Der entscheidende Impuls kam aus dem engen Austausch mit ihrem Lebensgefährten REINHOLD HEIL (SPLIFF): Auf dessen Ermutigung hin entschied sie sich, ihre Stücke selbst zu singen. Das war genau der Schritt, der zur Geburtsstunde des Projekts COSA ROSA führte.
1982 formierte sich das Duo offiziell. Nach ersten Versuchen mit konventioneller Bandbesetzung entwickelten ROSA und REINHOLD ihr charakteristisches Konzept als elektronisches „Wohnzimmerprojekt“ mit Synthesizern, Drumcomputern und Sequencern. Das Debütalbum „Traumstation“ (1983) präsentierte einen sanften, melodischen Elektropop, den der MusikExpress als „überzeugenden Ausstieg aus der depressiven Elektronik-Sackgasse“ würdigte. Singles wie „Rosa auf Hawaii“ und „Im freien Fall“ brachten Aufmerksamkeit, begleitet von TV-Auftritten in Formaten wie „Auf los geht’s los“ (!!!), WWF-Club und MusikConvoy. Boulevardmedien titelten damals: „Nach NENA kommt ROSA“.

Der kommerzielle und künstlerische Höhepunkt folgte mit „Kein Zufall“ (1985). Unterstützt von Gastmusikern wie CURT CRESS, PETER WEIHE und GEROGE KOCHBECK entstanden Songs, die zu den anspruchsvollsten der NDW zählen. „Riesenrad“, „In meinen Armen“ und vor allem „Millionenmal“ wurden zu Radiohits; letzterer erreichte die Top 10 der deutschen Singlecharts und prägte das Bild von Cosa Rosa nachhaltig.

Das dritte Album „Cosa Rosa“ (1986) zeigte ein weiterentwickeltes, experimentelleres Projekt, blieb jedoch hinter dem Erfolg des Vorgängers zurück. Kurz darauf verlor das Duo seinen Plattenvertrag. Noch schwerer wog jedoch, dass ROSEMARIE PRECHT schwer erkrankte. Sie zog sich krankheitsbedingt zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück; neue Musik entstand nur noch fragmentarisch.
Am 31. Januar 1991, heute vor 35 Jahren, starb ROSEMARIE PRECHT im Alter von nur 38 Jahren an den Folgen von Magenkrebs. Zurück blieb ein schmales, aber bemerkenswertes Werk: drei Alben, mehrere Singles – und eine Haltung zur Popmusik, die sich weder modischen Trends noch industriellen Erwartungen unterordnete.
35 Jahre nach ihrem Tod wirkt Cosa Rosa nicht wie eine Fußnote der NDW, sondern wie deren leise, reflektierte Gegenstimme. ROSAs Lieder sind keine schnellen Parolen, sondern sorgfältig komponierte Momentaufnahmen zwischen Melancholie, Hoffnung und innerer Bewegung. Ein „Reisebüro für Tagträume“, wie sie ihr Debüt selbst nannte – und eines, das bis heute geöffnet ist. Möge sie in Frieden ruhen – sie hat es geschafft, dass man sich auch Jahrzehnte nach ihrem Tod noch gerne an sie erinnert. In dem Zusammenhang zitieren wir gerne THOM HASE: Er schreibt:
Am 31. Januar 1991 verstummt Rosas Stimme – ihr Klang nicht. Vier Jahrzehnte später setze ich die Maxi „Rosa auf Hawaii“ auf und habe das Gefühl, sie schaut kurz vorbei, um zu sehen, dass ihr Schaffen sie überlebt. Danke Rosa.











