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Boney M. – Der Soundtrack einer Disco-Ära

Frank Farian im Miami 2015. © NDR/Oliver Schwehm
Kaum eine Popgruppe steht so sehr für das Lebensgefühl der späten 1970er-Jahre wie BONEY M.. Ihre von FRANK FARIAN produzierten Songs liefen in Diskotheken rund um den Globus, ihre Fernsehauftritte prägten das Bild der Disco-Zeit, und ihre Hits gehören bis heute zum musikalischen Gedächtnis mehrerer Generationen. Doch hinter den schillernden Bühnenbildern und eingängigen Melodien verbirgt sich eine Geschichte über Erfolg, Inszenierung, Macht und Identität in der internationalen Musikindustrie. Die ARD zeigt am 11. Mai einen spannenden Doku-Film zu dieser international erfolgreichen Popgruppe Made in Germany.
Spannende Zeitzeugen wie der Fotograf DIDI ZILL und der Sänger THOMAS ANDERS kommen zu Wort:

© NDR/Hermann Sowieja
Pressetext
Sie waren weit mehr als ein gecastetes Disco-Projekt: Die Musik von Boney M. wurde zum Soundtrack einer Ära. Mit Welthits wie „Rivers Of Babylon“, „Ma Baker“ oder „Rasputin“ eroberte die vierköpfige Gruppe Tanzflächen, Charts und Fernsehbildschirme rund um den Globus – und prägte das Bild der Disco-Zeit bis heute. 2008 griff Lady Gaga für ihren internationalen Durchbruch „Poker Face“ den Refrain von „Ma Baker“ auf. 2021 schließlich ging „Rasputin“ erneut viral und erzielte auf TikTok über 22 Milliarden Views.
Dabei schrieb die Band bereits 1978 Musikgeschichte: Als erste westliche Popformation trat sie im Dezember in Moskau auf – noch vor Elton John oder Deep Purple. Bis heute verkauften Boney M. rund 150 Millionen Tonträger und gehören gemeinsam mit ABBA und den Bee Gees zu den erfolgreichsten Disco-Gruppen aller Zeiten. Und doch ist ihr Name heute weniger präsent als der ihrer Zeitgenossen. Gerade hierzulande galten Boney M. lange als „Retortenprojekt“ und „Plastikmusik“. International hingegen wurden sie gefeiert. In Großbritannien landeten sie mehrere Nummer-eins-Hits; „Mary’s Boy Child“ war dort zwei Jahrzehnte lang die meistverkaufte Single aller Zeiten.
Doch hinter dem Glamour, den ikonischen Kostümen und der scheinbar mühelosen Leichtigkeit verbirgt sich eine Geschichte, die komplexer ist als ihr schillerndes Bühnenbild. Dieser Dokumentarfilm zeichnet erstmals den Aufstieg, die Konflikte und die kulturelle Wirkung einer Gruppe nach, die Millionen Menschen begeisterte und Millionen einspielte – und zugleich immer wieder im Spannungsfeld zwischen Kunst, Kommerz und Identität stand.
Wie konnte aus einem in der tiefen Provinz produzierten Studioprojekt in kürzester Zeit ein internationales Pop-Phänomen werden? Welche Rollen spielten Image, Vermarktung und die Mechanik der Musikindustrie? Und was bedeutete der Erfolg für die Menschen auf der Bühne, deren Gesichter Boney M. weltweit repräsentierten? Im Mittelpunkt stehen die beiden Stimmen von Boney M., die Jamaikanerinnen Liz Mitchell und Marcia Barrett. Sie erzählen von ersten Schritten, von Erfahrungen des Alltagsrassismus im Deutschland der 1970er-Jahre, von kreativen Auseinandersetzungen, ökonomischen Zwängen und dem Preis der Berühmtheit.
Der Film zeichnet aber auch ein Psychogramm von Frank Farian (1941-2024), der mit über 800 Millionen verkauften Tonträgern als erfolgreichster deutscher Musikproduzent aller Zeiten gilt. Farian war ein genialischer Maniac mit Gespür für Hits – aber auch ein Kontrollfreak, der seinen Künstlern wenig Spielraum ließ. Der Film greift hier exklusiv auf das letzte große TV-Interview zurück, das Farian vor seinem Tod in Miami gab, und zeigt dieses in weiten Teilen erstmals.
Neben Wegbegleitern wie Thomas Anders oder Sebastian Krumbiegel ordnet Prof. Natasha A. Kelly die Band aus heutiger Perspektive ein und beleuchtet, inwiefern Exotisierung und die Aneignung „fremder“ Traditionen bewusst eingesetzte Instrumente einer Vermarktungsstrategie waren.
Mit unveröffentlichtem Archivmaterial des Fotografen Didi Zill sowie exklusiven Super-8-Aufnahmen zeigt der Film Boney M. als globales Pop-Phänomen und Spiegel ihrer Zeit: von Migrationserfahrungen und der Macht der Produzenten bis hin zu einem Business, das Stars formt – und verschleißen kann.
Quelle Pressetext: NDR
Titelfoto: NDR, Didi Zill











