ZDF-Hitparade: Eigentlich sollte sie die „Parade der Zehn“ sein… Kommentare deaktiviert fĂĽr ZDF-Hitparade: Eigentlich sollte sie die „Parade der Zehn“ sein…

Heck

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Als der legendäre Regisseur Truck Branss 1968 die Idee hatte, eine TV-Show mit deutschen Schlagern zu etablieren, fiel das nicht auf seine Leidenschaft fĂĽr diese Musikrichtung zurĂĽck – nein, er hatte vielmehr ein GespĂĽr fĂĽr das, was das Publikum sehen und hören wollte und stellte (im Gegensatz zu heutigen Programmschaffenden – Stichwort WDR4) den persönlichen Geschmack hinter den des Publikums.

Branss war damals beeindruckt vom Erfolg des jungen Radiojockeys Dieter Thomas Heck, der mit seiner deutschen Schlagerparade im Saarland unglaubliche Erfolge erzielte. Hecks Idee war es, ausschließlich deutschsprachige Lieder in seiner Radioshow zu präsentieren. Branss wollte das Radioformat in ein TV-Format umwandeln. Wie das konkret aussehen würde, darüber wurde recht lange nachgedacht.

Eins war klar: Interpretinnen und Interpreten, die in der groĂźen Schlagershow auftreten, mussten tatsächlich singen können. Das ZDF hatte 1968 nämlich einen Entschluss gefasst – nachzulesen in der BRAVO vom 30. September 1968:

„Die Mainzelmännchen wollen ab Herbst die Schlager ‚lebendiger‘ machen. Von diesem Zeitpunkt an gibt es bei öffentlichen Veranstaltungen des ZDF kein Playback mehr. Die Sänger mĂĽssen wirklich singen; sie dĂĽrfen nicht mehr – wie häufig bisher – zu ihren Platten den Mund lautlos auf- und zumachen. Orchester werden von diesem strengen Ukas nicht betroffen. Sie dĂĽrfen weiter von der Platte kommen.“

Angesichts von Anfeindungen, die man heute, 50 Jahre später, zu hören bekommt, wenn man so eine Regelung zumindest in kleinen Ansätzen einfordert, ist es schon bemerkenswert, wie mutig die Programmmacher frĂĽherer Tage waren…

Etwas konkreter wurde es im Oktober 1968. Konkret am 21.10.1968 beschrieb die BRAVO, wie man sich damals die EinfĂĽhrung einer neuen Schlagerparade vorstellte:

Joseph Viehöfer, Programmdirektor des ZDF, verriet BRAVO, dass die Mainzelmännchen eine neue Sendung fĂĽr junge Leute ausge’heck’t haben: Dieter Thomas Heck (jetzt Europawelle Saar) wird als Disc-Jockey am 15. Januar 1969 zum erstenmal eine ‚Hitparade‘ – der genaue Name steht noch nicht fest – des ZDF ansagen. Alle vier Wochen wird dann diese Show der Hits auf den Bildschirm kommen. Regie fĂĽhrt Truck Branss, in der Hauptrolle: Schlager, Schlager, Schlager.

Ganz offensichtlich ging man im Oktober 1968 noch von einem Starttermin am 15. Januar 1969 aus. Die BRAVO war damals ĂĽbrigens Dieter Thomas Heck wohlgesonnen, man hat mit ihm sogar einen TV-Spot gedreht – interessanterweise ist dort ĂĽbrigens nur Hecks Gesicht zu sehen, nicht aber seine Stimme zu hören – siehe HIER.

Super interessant und im Netz bislang unserer Kenntnis nach nicht zu finden ist die Information, wie man sich das Konzept der Show zunächst vorgestellt hatte. Eigentlich sollte die Sendung demzufolge „Top-10“ heiĂźen und folgendes Konzept haben:

„Die erste Hit-Parade der Fernseher steht vor der TĂĽr. Dieter Thomas Heck, der lange die BRAVO-Music-Box bei Radio Luxemburg ansagte, ĂĽbt vor dem Spiegel telegene Ansagen. Regisseur Truck Branss (‚Meine Melodie‘) denkt sich dazu neue Gags aus. Am 18. Januar werden dann 10 deutsche Top-Schlager (die monatliche Hit-Parade wird dann ‚Top-10‘ heiĂźen) zum ersten Mal vom ZDF gesendet. Zu der ‚Zehner-Spitze‘ kommen dann noch vier ‚Hit-Verdächtige‘; ein ausländischer Top-Star wird – als Bonbon – seinen Hit bringen.“

Warum auch immer, nahm man 1969 Abstand vom ausländischen Top-Star und belieĂź es beim deutschen Schlager. Dieter Thomas Heck war zunächst mit dem Namen „Hitparade“ nicht so glĂĽcklich, weil er ganz bewusst auf Schlager setzen wollte – Truck Branss setzte sich aber letztlich durch, was Heck dann nachträglich auch in Ordnung fand – so hat er es in einer Talkshow mit Joachim Fuchsberger berichtet.

Der Rest ist Geschichte, und die erste Ausgabe der Kultshow wurde zwischenzeitlich mehrfach wiederholt und wurde sogar vor längerer Zeit auf DVD veröffentlichtt.

Spannend ist, dass einige Protagonisten der allerersten Show bis heute populär ist. Peter Orloff war damals zum Beispiel mit „Sie schaut mich immer wieder an“ dabei – und steht auch heute noch in der Ă–ffentlichkeit – er ist bekanntlich aktuell täglich bei RTL im Dschungelcamp zu sehen. Auch Graham Bonney ist noch immer aktiv – vor wenigen Tagen wurde er mit dem smago-Award ausgezeichnet und war Ehrengast bei der Derniere des Erfolgsprogramms „Nutten, Koks und frische Erdebeeren“. Bata Illic, ebenfalls Teilnehmer er ersten Show, wird im Januar sein neues Album veröffentlichen.

Wir von den Schlagerprofis denken wehmütig an die tolle Zeit der ZDF-Hitparade zurück und freuen uns SEHR auf die (wenn auch verspätete) Jubiläumssendung, die Thomas Gottschalk moderieren wird.

PS: Heute Nacht wird bei ZDF Neo die „ZDF Kultnacht – das Beste aus der Hitparade“ wiederholt.

Bild: ZDF / Arthur Grimm

 

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NANA MOUSKOURI: Goldene Henne fĂĽr das Lebenswerk 0

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NANA MOUSKOURI: FLORIAN SILBEREISEN verrät, dass sie die Goldene Henne für das Lebenswerk erhält

Einem sehr groĂźen Namen nicht nur des deutschen Schlagers wird die Ehre der Goldenen Henne fĂĽr das Lebenswerk zuteil. Wie FLORIAN SILBEREISEN beim „Riverboat“ verraten hat, bekommt NANA MOUSKOURI diese Auszeichnung. Ăśber 60 Jahre ist es her, dass NANA ihren deutschen Superhit landete – damals sah die Werbung fĂĽr Schallplatten noch so aus:

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Das Fachblatt „Der Musikmarkt“ machte NANA als erfolgreichste Sängerin des Jahres 1961 aus – noch VOR der damals ĂĽberaus populären CATERINA VALENTE.

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Premiere Oktober 1961 – Gold Februar 1962

Bei einem Galaempfang, den die griechische Botschaft am 5. Oktober 1961 anlässlich der Filmpremiere „Traumland der Sehnsucht“ veranstaltete, feierte der Schlager, der allerdings schon zuvor im Sommer als Schallplatte erschien, seine Live-Premiere. Bereits am 20. Februar 1962 wurde NANA in MĂĽnchen vom Direktor der Musikabteilung der Deutschen Philps, HANS SCHRADE, die Goldene Schallplatte fĂĽr damals – Achtung! – eine Millionen verkaufte Singles von „WeiĂźe Rosen aus Athen“ ĂĽberreicht. Gold gab es auch fĂĽr den Produzenten ERNST VERCH, den Textdichter HANS BRADTKE und (in Abwesenheit) den Komponisten MANOS HADJIDAKIS.

Grund genug, weiter die Werbetrommel zu rĂĽhren (damals nahmen Promoter ihren Job offensichtlich noch ernst) – was von Erfolg gekrönt war – auch „Einmal weht der SĂĽdwind wieder“ und „Ich schau den weiĂźen Wolken nach“ waren ebenfalls Nummer-1-Hits.

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Auftritt im Rahmen von königlicher Hochzeit

Was viele nicht wissen: Anlässlich der Hochzeit der dänsichen Prinzessin ANNE MARIE mit dem griechischen König KONSTANTIN gab der König von Dänemark am Abend des 8. September 1964 einen Abend für die drei Prinzessinnen des dänischen Königshauses. Als besondere Geste gegenüber dem königlichen Bräutigam aus Athen wurde NANA MOUSKOURI eingeladen, um an Mitternacht Lieder ihrer Heimat zu singen. 

Einen groĂźartigen Ăśberblick ĂĽber das Schlagerschaffen liefert der hochwertige Sampler „Die Stimme der Sehnsucht“, den wir HIER vorgestellt haben. 

 

 

 

 

 

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UDO JĂśRGENS: Heute wäre er 88 Jahre alt geworden – unerreicht bis heute 0

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UDO JĂśRGENS: Er fehlt

KĂĽnstler wie UDO JĂśRGENS gibt es heute nicht mehr – mit ROLAND KAISER und HOWARD CARPENDALE gibt es zwar noch zwei Vertreter der „Unterhaltung mit Haltung“, dahinter wird es aber wirklich eng. FĂĽr uns ist UDO JĂśRGENS bis heute einmalig, absolut unerreicht. Die groĂźe philosophische Tiefe seiner Texte und die lyrische Schönheit der von ihm gewählten Worte gepaart mit seinen anspruchsvollen, komplexen Kompositionen waren nur ein Teil seines Schaffens – er konnte genau so gut Stimmung machen und sorgte fĂĽr Evergreens, die bis heute ĂĽberaus beliebt sind. Besser als ein österreichischer Artikel der Wiener Zeitung, der HIER abgedruckt wurde, können wir es nicht ausdrĂĽcken. 

Hier ein Text von WALTER BRANDIN fĂĽr UDO JĂśRGENS getexteter Song aus dem Jahr 1968:

 

Ich glaube, dass man nichts vom Krieg mehr wüsste, 
wenn wer ihn will, ihn auch am meisten spürt. 
Ich glaube, diese Welt müsste groß genug, weit genug, reich genug für uns alle sein. 

Auch dieses Lied aus dem Album „Udo 71“ ist aktueller denn je: 

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Danke, UDO, dass es dich gab. Du fehlst!

Foto: Sony Music, Dominik Beckmann

 

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