Die Roy Black Story – Teil 9: Rückkehr zu Polydor und Herz-OP 0

Berufliches Comeback bei Polydor, privat Scheidung von Silke

Im Frühjahr 1985 gelang der Coup, die „Rückkehr des verlorenen Sohns“ zu feiern – Roy unterschrieb wieder bei seiner alten Plattenfirma Polydor und verhielt sich damit anders als Kollegen wie Ted Herold. Der nahm der Hamburger Plattenfirma sehr übel, dass sie ihn nach langjähriger Vertragslaufzeit hat fallen lassen und willigte nicht in einen neuen Deal ein. – Als Produzent wurde Jürgen Kramer, der sich damals als Produzent Tommy Steiners einen Namen gemacht hatte, engagiert. Der heuerte mit den seinerzeit sehr angesagten Candy de Rouge an (- der schrieb u. a. Hits für Jennifer Rush) und komponierte den schönen Schlager „Mona“, zu dem Irma Holder den Text schrieb. Die Single erschien im Mai 1985. Über vier Jahre nach seinem letzten Auftritt in Berlin stellte Roy den Titel in der inzwischen von Viktor Worms moderierten ZDF-Hitparade vor. Dort bekam er übrigens bereits im Januar ein Forum – in Viktors erster Sendung, indem er zu den damals kursierenden Alkohol-Gerüchten Stellung bezog. Seinen neuen Schlager präsentierte Roy auch in den „Montagsmalern“, der „Schaubude“, im WWF-Club und in Wim Thoelkes Rateshow „Der große Preis“, so dass man durchaus von einem weiteren kleinen Comeback sprechen kann. Der Name „Mona“ war Roy in damaliger Zeit vermutlich lieber als der Name „Silke“ – am 26. November 1985 wurde die Ehe mit seiner ersten Frau geschieden.

Erfolg „In Japan geht die Sonne auf“

Mit dem gleichen Team wurde die Nachfolge-Single „In Japan geht die Sonne auf“ (aus dem kurz darauf erschienenen ersten Album nach längerer Zeit namens „Herzblut“) produziert. Trotz der kontrovers diskutierten Frage, ob es sein kann, dass es in New York Nacht ist und gleichzeitig in Japan die Sonne aufgeht wurde der Titel erneut ein Achtungserfolg. Roy stellte den Titel am 19. März 1986 in der ZDF-Hitparade vor und präsentierte den Titel auch in den ARD-Shows „Ein Platz an der Sonne“ und „WWF-Club“. Kurios ist, dass in Sammlerkreisen unter der gleichen Bestellnummer und mit gleichem Coverfoto eine Single namens „Wo geh’n wir hin?“ kursiert. Das legt den Verdacht nahe, dass die Nummer zunächst als Lokomotiv-Song angedacht war, man sich letztlich aber für die „Japan“-Single entschieden hat.

Herz-OP nach TV-Auftritt bei Thomas Gottschalk

Wer „Hölle Hölle Hölle“ ruft, liegt beim dritten Streich aus der Produktion Jürgen Kramers falsch. „Wahnsinn“ war ein neuer von Candy de Rouge und Irma Holder geschriebener Black-Hit, den der bei einer denkwürdigen TV-Show präsentierte. Am 25. Mai 1986 trat Roy bei der von Thomas Gottschalk moderierten Show „Na sowas Extra“ auf und brach kurz nach seinem Auftritt zusammen. Sein Manager „Max“ Kaminski fuhr in zunächst in sein Herdecker Hotel, am nächsten Morgen fand er sich aber in der Intensivstation eines Hagener Krankenhaus wieder und wurde Wochen später mit einem Rettungshubschrauber in die Münchner Herzklinik gebracht, wo ihm in zwei Operationen am 18. und 24. Juni 1986 zwei neue Herzklappen eingesetzt wurden.

TV-Comeback 1987 – ebenfalls bei Thomas Gottschalk

Der Däne Tommy Seebach hatte mit der von ihm komponierten Schmuseballade „Endnu“ einen guten Erfolg. Das war wohl Grund genug für Roy Black, mal wieder einen Song zu covern. Irma Holder schrieb den Text zur Jürgen-Kramer-Produktion „Geträumt“. Nachdem er den Titel bereits in der Schaubude und im WWF-Club sang, präsentierte er den Song auch am 7. März 1987 bei „Na sowas“ und meldete sich quasi gesund bei Thomas Gottschalk zurück. Auch in der ARD-Hitparade „Goldene Eins“ wurde der Titel präsentiert. Auch für diesen Titel gab es den Bronzenen Löwen von Radio Luxemburg – Roys 13. und letzter Löwe wurde ihm am 16. Oktober 1987 verliehen.

Der zweite 1987er Schlager war wieder eine deutsche Komposition – diesmal von Detlev Reshöft, der zuvor u. a. mit G. G. Anderson und Roland Kaiser erfolgreich war und von Rudolf Müssig, der u. a. „Speelwark“ mit Hits versorgte komponiert. Den Text zur Jürgen-Kramer-Produktion „Adieu Cherie“ schrieb erneut Irma Holder. Neben den fast schon obligatorischen Stationen beim WWF-Club und in der Schaubude stellte Roy seinen Schlager auch in Wim Thoelkes „Großen Preis“ vor.

Überraschender Charts-Hit: „Bella Bella Marie“

Einen ganz anderen Weg schlug Produzent Jürgen Kramer 1988 ein. In Form eines Medleys wurden beliebte Urlaubsschlager der Vergangenheit zusammengestellt – Name der Single: „Bella Bella Marie“. Am 21. Mai 1988 stellte er die Vorab-Single seines neuen Albums „Schwarz auf Weiß“ in Kurt Felix‘ und Paolas Show „Verstehen Sie Spaß“ vor. „Es könnte alles so einfach sein“, ist man angesichts des Erfolgs zu sagen: Erstmals seit sieben Jahren ging es wieder in die Single-Charts, Roy hielt sich mit dem Potpourri 12 Wochen in den Charts.

Roys Album „Schwarz auf Weiß“ war ein weiterer Schritt nach vorne. Neben seinen neuen Schlagern waren dort auch deutsche Versionen von Welthits enthalten. Beispielsweise hat er „Only the Lonely“ seines Idols Roy(!) Orbison eingedeutscht, ebenso Albert Wests „Ginny Come Lately“. Albert Hammonds „The Air That I Breathe“ durfte da auch nicht fehlen. Der Musikmarkt konstatierte am 15. August 1988: „Möglicherweise ist Roy Blacks neue Langspielplatte kein typisches Teenie-Produkt, aber für den Markt der über 30-jährigen für die Liebhaber der sanften Töne, die ja bekanntlich über gut die doppelte Kaufkraft der meisten anderen Konsumenten verfügen, ist ‚Schwarz auf Weiß’ sicherlich interessant.“.

Mit „Kein Morgen danach“ wollte man offensichtlich eine anspruchsvolle Auskopplung aus dem neuen Album präsentieren. Wenngleich der von Norbert Endlich, Holger Flesch, Andreas Bärtels und Christian Heilburg geschriebene Titel bei Kritikern sehr gut wegkommt, wurde der Titel (vielleicht auch wegen mangelnder Promotion) nicht so erfolgreich wie das Italienschlager-Medley. Immerhin: Im Oktober 1988 erreichte Roy mit seinem Titel Platz 3 der neuen von Jürgen Drews moderierten ARD-Schlagerparade.

Letzte Single bei Polydor: „Rosen ohne Dornen“

Als letzte Single des „Schwarz auf Weiß“-Albums wurde ein Schlager ausgekoppelt, den ursprünglich Gitte auf ihrer 1977er LP „Regenbogen“ veröffentlicht hatte. Der anspruchsvolle von Gerd Müller-Schwanke und Detlev Petersen geschriebene Titel „Rosen ohne Dornen“ war die letzte (Promo-)Single, die bei Polydor veröffentlicht wurde – der Vertrag wurde nicht verlängert. Den Titel stellte Roy u. a. bei der 100. Ausgabe der Klamauk-Talkshow „Dall-As“ vor. Am 30. April 1989 war er damit auf Platz 1 der deutschen Schlagerparade. Für die ZDF-Hitparade wurde er nach damaligem Modus zwar vorgestellt (Motto „Vier aus Acht“), schaffte es aber nicht in die Sendung. Kurios: Den Titel seiner letzten Polydor-Single sang Roy Black genau am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, in Wim Thoelkes „Großen Preis“.

 

 

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Die Peter-Orloff-Story 0

Dschungel-Finale und ehrenvoller Dritter Platz – Grund genug, Peters MUSIKALISCHE Karriere noch einmal nachzuzeichnen…

Am 12. März 1944 wurde in Lemgo (Westfalen) Pjotr Nikolajewitsch von Orlow als Sohn eines russischen adeligen Geistlichen geboren. Sein Vater Nikolai emigrierte 1917 aus Russland, seine Mutter Galina Hildegard war Deutsche.

Mit 14 Jahren „Schwarzmeerkosake“

Bereits mit 14 Jahren – nach seinem Stimmbruch – war Peter das jüngste Mitglied des 20 Mann starken Schwarzmeerkosakenchors, neben den Don Kosaken das berühmteste Ensemble seiner Art, mit dem er schon in jungem Alter Konzertreisen durch ganz Europa unternahm. Sein Vater war Gründer des Chores, den er über viele Jahre leitete. Bereits 1958 trat der Filius erstmals in Hamburg mit den Original Schwarzmeerkosaken auf der Bühne und in der NDR Schaubude auf. Einige Jahre später, mit 17 Jahren, wurde er dort Solosänger und strebte anfangs sogar an, Opernsänger zu werden, zeitweise hatte er einen Gesangslehrer bei der „Römischen Akademie“, so dass er in die Lage versetzt wurde, auch schwierige Partien z. B. aus Mozarts „Don Giovanni“ zu singen.


Entdeckt von Heinz Korn, erste Single bei Bellaphon

Eigentlich wollte Peter Maler und Bildhauer werden, nach dem Abitur studierte er aber ab 1964 in Köln auf Wunsch seines Vaters erst mal Jura. Das Studium finanzierte er sich u. a. als Lkw-Fahrer. Entdeckt vom Textdichter Heinz Korn, bei dem Peter als Studiosänger tätig war, begann er parallel, unter dem Künstlernamen „Peter Orloff“, Schallplatten aufzunehmen. Nebenbei spielte er in einer eigenen Band („The Cossaks“). Seine erste 1966 erschienene Single, der Beat-Schlager „Saphir und Rubin“, floppte zunächst noch trotz sehr romantischen Texts („aber unsere Liebe ist der schönste Edelstein“). Es blieb bei dieser einen Veröffentlichung bei Bellaphon.


Newcomer des Jahres 1967: Peter Orloff

Der Erfolgsproduzent Heinz Gietz, den Orloff in Köln während seines Studiums kennenlernte, lotste den jungen Musiker zur Kölner Plattenfirma Cornet. Dort unterschrieb Peter im März 1967 einen Vertrag. Gleich seine erste von Heinz Gietz produzierte Single, „Das schönste Mädchen der Welt“, schlug ein. Die ersten Fernsehauftritte (u. a. „Musik aus Studio B“; dort gewann er im November 1967 den Wettbewerb der Nachwuchssänger) führten zu sich steigernder Popularität. Der Schlager wurde von Günter Geißler geschrieben, der damals ein bekannter ostdeutscher Schlagersänger und -komponist war. Unter anderem schrieb er den im Westen der Republik von Jimmy Makulis bekannt gemachten Klassiker „Gitarren klingen leise durch die Nacht“. Die Single war so erfolgreich, dass Orloff sie als „Roosmarie“ sogar in holländischer Sprache aufnahm und in den Niederlanden veröffentlichte. Aufgrund seines Erfolgs wurde Peter Orloff neben Heino, Alexandra und Karel Gott zum besten Newcomer des Jahres 1967 gewählt.

Aller guten Dinge sind drei: Mit seiner dritten Single, „Es ist nie zu spät“, erneut die Adaption eines „DDR“-Schlagers, gelang ein Top-20-Hit. Von Ten Oliver (bürgerlich Klaus Müller, er trat später auch als „Klaus Sommer“ auf) war die Original Amiga-Single besungen- Heinz Gietz produzierte das von Siegfried Sommer und Wolfram Schöne geschriebene Lied für den westdeutschen Markt mit Peter Orloff.

„Sanft wie Roy, hart wie Drafi, sexy wie Rex“

Mit der Folgesingle, „City Girl“, diesmal von Heinz Gietz auch komponiert, gelang im Frühjahr 1968 erneut der Sprung in die Top 20. Im damals erfolgreichen Beat-Rhythmus (Zitat Bravo: „flotter Beat“), der schon den Jahre später von Jack White erfundenen Kitchen-Sound erahnen ließ, begeisterte Orloff seine Fans – wie schon bei der letzten Single gelang auch in Österreich damit ein Hit. In ihrer Ausgabe vom 5. Februar 1968 beschrieb die Jugendzeitschrift Bravo Orloffs Erfolgsrezept wie folgt: „Sanft wie Roy, hart wie Drafi, sexy wie Rex“.


Im Sommer 1968 wollte Peter sich am Deutschen Schlagerwettbewerb beteiligen, scheiterte mit „Gold auf der Straße“ aber an der Vorauswahl. Es ist bemerkenswert, dass bei derart prominenten Namen – der von Heinz Gietz produzierte Schlager wurde von James Last(!) komponiert und von Günter Loose getextet – das Lied nicht für die im ZDF ausgestrahlte Endrunde ausgewählt wurde. Ein Hit wurde das Lied dennoch. Peter hat es sogar erneut in holländischer Sprache auf den Markt gebracht („Er zit nog Bier in de Glasen“).

Auftritt in der ersten ZDF-Hitparade, kurz darauf Spitzenreiter in der Kultshow

Das nächste Lied schrieb Christian Bruhn für Peter Orloff: „Sie schaut mich immer wieder an“. Der Textdichter Günter Loose ist besonders hinsichtlich des Untertitels des Liedes bemerkenswert: „Twing-A-Ling-A-Ling“. Der Schlager ist insofern historisch, als er einer von 14 Hits war, die in der allerersten von Dieter Thomas Heck moderierten ZDF-Hitparade präsentiert wurde. Interessant ist, dass in den Hitlisten zeitweise nicht der eigentlich als A-Seite vermerkte Titel „Eine Farm für schöne Mädchen“ auftauchte.


In der ZDF-Hitparade sollte Peter fortan Dauergast werden. Seine nächste Single, „Monika“, kam bis auf Platz 1 der Fernsehhitparade – und das, obwohl sich der von Heinz Gietz und Joachim Relin geschriebene Schlager gerade eine Woche in den Top 40 der Single-Charts halten konnte. Spannend: Mit seinem Siegertitel in Hecks Hitparade war Orloff mit seiner Nummer erfolgreicher als alle Teilnehmer des deutschen Schlagerwettbewerbs 1969 – das war somit quasi etwas wie die Rache dafür, dass er am Wettbewerb des Vorjahrs nicht teilnehmen durfte.

Leidenschaft für Katzen wird Thema in der BRAVO

Im Zusammenhang mit dem Schlager wurde er zum beliebtesten Teeny-Sänger des Jahres gewählt. Seinerzeit war Peter für die Teenager so interessant, dass er in der Bravo über eine gesamte Seite seine sieben Katzen vorstellen durfte (ob er deshalb bisweilen auch „Schwarzer Panther“ genannt wurde, ist nicht überliefert). Für die, die es interessiert: Tamara war die Sanfte, Fatima die Wilde und Jenny die Glückliche. Investigativ brachte später Bravo-Leserreporter Heinz Klug in Erfahrung, dass Orloff es nicht gerne sieht, wenn Fans Katzenfutter als Geschenk zum Konzert mitbringen. Zu seiner Katzenleidenschaft gibt es sogar ein Lied, das den unglaublichen Titel „Meine sieben Pussykatzen“ trägt – da muss man erst mal darauf kommen!

Manipulationsvorwurf bei der ZDF-Hitparade

Direkt mit der nächsten Platte schrieb Orloff erneut Schlagergeschichte. Seine deutsche Version des Chris Andrews-Songs „Get It To Me“, „Baby Dadamda“, wurde erneut in der ZDF-Hitparade vorgestellt. Es schien, als hätte Peter Orloff damit erneut einen fulminanten Sieg errungen: Mit unglaublichen 14.305 Postkarten wäre er klarer Sieger der Show gewesen. Das Problem war nur, dass 11.307 dieser Karten dieselbe Handschrift trugen, darüber hinaus wurden sie bündelweise beim gleichen Postamt abgegeben. Der Interpret wies jegliche eigene Schuld von sich – der offensichtliche Manipulationsversuch eines seiner Fanclubs wurde aber mit Disqualifikation seines Liedes beschieden. Darüber hinaus wurde kurz darauf das ganze Wertungssystem der ZDF-Show umgestellt, indem man fortan mit Stimmkarten statt normaler Postkarten laborierte.

Riesenhit für Peter Maffay: „Du“

Schon früh begann Peter Orlofff auch zu komponieren. Er stellte seinen Song „Du“ der Plattenfirma vor, die das Lied für ihn aber nicht annehmen wollte. So bat er es dann Michael Kunze an, der es einem Newcomer namens Peter Maffay weiter vermittelte – der Rest ist Geschichte: Peter Maffay gelang mit dem Schlager „Du“ ein lupenreiner Nummer-1-Hit in Deutschland, damit hatte Peter Orloff auch seine erste Nummer 1 als Komponist in der Tasche und heimste seine erste Goldene Schallplatte ein. Die ganze Geschichte zu diesem Hit hat Peter erst kürzlich erzählt – siehe HIER.


Die 1970er Jahre starteten mit einem Schlager, der erstmals nach längerer Zeit nicht die Verkaufshitparade entern konnte. Der von Hans Blum komponierte Song „Komm doch ein Stückchen mit mir mit“ wurde von Thomas Flemke getextet. Flemke machte sich mit dem Graham-Bonney-Hit „Wähle 3-3-3“ einen Namen. Mit genau dem Text gewann der damals 15-jährige Schüler aus Helmstedt einen Textdichter-Wettbewerb der Fernsehzeitschrift Hörzu und schaffte damit auf Anhieb einen großen Hit. Sein für Peter Orloff getexteter Song konnte leider an den Erfolg nicht anknüpfen. Die Single war die letzte Veröffentlichung bei der Plattenfirma „Cornet“.

Erneuter Plattenfirmen-Wechsel: Decca

Orloff wechselte zur Decca, mit seiner dortigen ersten Single hatte er gleich wieder einen Hit: „Das brennt so heiß wie Feuer“, produziert von Peter Meisel und Gerhard Hämmerling – Co-Autor des Top-40 Liedes war neben Peter Orloff Drafi Deutscher, allerdings durfte Peter sein Lied erneut nicht in der ZDF-Hitparade vorstellen. Besonders bemerkenswert an der Single war deren sehr originelle Covergestaltung.


Großer Erfolg: „Ein Mädchen für immer“

Die nächste von Chris Andrews, der den Song Jahre später auch als „Love Me Or Leave Me“ veröffentlichte,  komponierte Single wurde nach längerer Zeit wieder ein Superhit, der auch wieder drei mal in Hecks Hitparade präsentiert wurde: „Ein Mädchen für immer“. Damit konnte Peter auch in den Niederlanden einen großen Erfolg verbuchen. Der Song wurde auch in den Niederlanden ein Hit. Orloff sang das Lied sogar in einem der damals beliebten Schlager-Filme. Im Rudi-Carrell-Film „Die tollen Tanten schlagen zu“ brachte er das Lied zu Gehör. Viele Jahre später, 2002, hat Sänger Ulli Bastian den Titel neu aufgenommen und herausgebracht.

Der Nachfolgehit war „Ein Leben voll Liebe“ – den Schlager schrieb sich Peter selbst. Im Buch „Schlager in Deutschland“ wird der Song wissenschaftlich auseinandergenommen. Zum Text erfahren wir, dass sich Orloff folgenden Inhalts bedient: „Fixierung auf den Geliebten als den einzig ‚Richtigen‘, der, zum ‚Sonnenschein‘ und ‚guten Stern‘ aufgewertet, sich rührend dieser Kulisse anpasst“. Besonders spannend ist, was es in musikalischer Hinsicht zum Orloff-Schlager zu sagen gibt – wer hätte das gedacht?: „Das Vorziehen der Taktschwerpunkte auf eins und drei um ein Achtel, häufig verbunden mit entsprechenden Verlagerungen bei anderen Taktzeiten. Hier handelt es sich keineswegs um Synkopen im klassischen Sinne, sondern um eine bestimmte Art des Off-Beat, jener Loslösung der Akzente von den starren Zählzeiten also, wie sie auch der Jazz und Swing in vielfältiger Form kennen. Ein Schlager deutscher Provenienz, „Ein Leben voll Liebe“, ist wegen der recht schematischen Anwendung dieses rhythmischen Gestaltungsmittels besonders instruktiv“. – Alles klar? 🙂

„Westdeutsche Originalaufnahme“: Single „Wie ein Stern“

Im Anschluss erinnerte Peter sich an den Beginn seiner Karriere und coverte einen Ost-Schlager. In diesem Fall war aber das Original, „Wie ein Stern“, in der Interpretation des Original-Interpreten Frank Schöbel auch im Westen erfolgreicher als Orloffs Cover. Die Plattenfirma Philips übernahm die Amiga-Aufnahme Schöbels 1:1 für den deutschen Markt, was in diesem Fall zu einem großen Erfolg führte. Auf Peter Orloffs Singlehülle war übrigens vermerkt: „Westdeutsche Originalaufnahme“.

1972 komponierte Christian Bruhn wieder einen Orloff-Schlager der spitzfindigen Art – der Mitklatschschlager „Jeder hat Dich gern – einer hat Dich lieb“ kam beim Publikum an. Drei mal ZDF-Hitparade und eine Top-50-Platzierung in den Single-Charts belegen den Erfolg. Im Herbst des Jahres wurde erneut Chris Andrews mit der Komposition einer Orloff-Nummer beauftragt. Diesmal war es eine Dame „Eliza“, die besungen wurde, allerdings nicht zu Hit-Ehren kam. Unter dem Pseudonym „Tommy Brown“ brachte Peter 1973 sogar eine Andrews-Nummer auf Decca-Single heraus – der englischsprachige Titel „Say O.k.“ wurde allerdings kein Erfolg.

Großer Erfolg als Produzent von Bernd Clüver, Verlagsgründung „Troja“

Viel besser lief es in jenen Fahren für Orloff in seiner Tätigkeit als Produzent, Textdichter und Komponist: Er nahm den jungen Mannheimer Bernd Clüver unter seine Fittiche. Die Orloff-Produktionen „Der Junge mit der Mundharmonika“ und „Der kleine Prinz“ wurden beide Nummer-1-Hits, für beide Superhits verfasste er auch gleich den Text, und den „kleinen Prinzen“ hat er sogar komponiert – die Zusammenarbeit mit Bernd Clüver verlief über viele Jahre sehr erfolgreich. Zur weiteren Vermarktung u. a. der Clüver-Songs gründete Orloff 1973 gemeinsam mit Verleger Peter Meisel den Musikverlag Troja.

Kein Publikumsrenner: Kinofilm „Zwei im siebenten Himmel“

Im Folgenden erschienen in den Jahren 1973 und 1974 einige Singles, die allesamt wenig erfolgreich waren: „Die schwarze Galeere der Einsamkeit“ (deutsche Version des Vicky-Leandros-Hits „Lago Maggiore“- Marion Maerz‘ Version („Lago Maggiore im Schnee“) war erfolgreicher), „Ein Engel auf Urlaub“ (deutsche Version des Chris Montez-Songs „No One Knew“) und „Zwei im siebenten Himmel“ (vom großen Fred Jay getexteter Soundtrack-Song aus dem gleichnamigen Kinofilm aus dem Hause Lisa-Film) konnten sich nicht durchsetzen. Die Kino-Klamotte, in der auch Bernd Clüver mitspielte, war kein Publikumsrenner -im Gegenteil..

Produzent von Freddy Quinn

1974 produzierte Peter Orloff mit Superstar Freddy Quinn erfolgreich den Song „Die Insel Niemandsland“ – dafür gab es 1975 sogar den Bronzenen Löwen von RTL.

Mit seiner letzten Single bei Decca, „Suchst Du die Liebe … Sunny Girl“ kam Orloff wieder in die Erfolgsspur zurück. Im Frühjahr 1975 war der mit der Eigenkomposition (Text: Lilibert alias Elisabth Bertram) drei mal in der ZDF-Hitparade vertreten. Die Einschätzung der Werbung: „Ein Lied, auf das die Umsatzsonne scheint“ war also nicht übertrieben.


Eigene Plattenfirma „Aladin“

Fortan wollte Peter Orloff alle Geschicke in seine eigene Hand legen, indem er eine eigene Plattenfirma namens „Aladin“ gründete. Bei diesem neuen Label im Vertrieb der EMI Electrola nahm er u. a. auch Elfi Graf unter Vertrag und die Nachwuchssänger Michael Born und Claudia Commander, die er allesamt auch produzierte. Seine eigenen Schallplatten erschienen auch auf seinem Label, allerdings griff er selber zunächst auf Hans Bertram als Produzent zurück.

Neben Gesangs-Veröffentlichungen wurde auch die LP „Disco Hit Gitarre“ produziert, die insbesondere als MC recht gut verkauft wurde. Darauf enthalten war das damals aktuelle Indikativ der RTL-Sendung „12 Uhr mittags“ zu hören, das von Peter Orloff komponiert war. Von 1976 bis 1982 diente Orloffs Instrumental als Erkennungsmelodie der RTL-Radioshow. Parallel wurde davon auch eine Single produziert: Zugunsten der deutschen Krebshilfe nahmen die damaligen RTL-Moderatoren den Song „Wir singen weiter“ auf, auf der B-Seite war die „12 Uhr mittags“-Melodie zu hören.

Gleich die erste Single auf dem neuen eigenen Label kam in die deutschen Single-Charts: Seine Komposition „Zünd eine Kerze an“ war ein Hit in Deutschland. Textdichter des Schlagers ist Kurt  Hertha. Mit gleichem Team wurde das originelle „Ich bestell‘ schon mal das Himmelbett (für unsere Hochzeitsreise)“ im Frühjahr 1976 produziert. Parallel erschien eine gleichnamige Hörzu-LP. Mehr als ein Achtungserfolg (guter Radio-Erfolg) war mit dem Titel allerdings nicht drin.

Riesenhit „Rocky“ abgelehnt, dafür „Wilder Wein“ in der Disco

Im Winter 1976 war es wohl wieder Zeit für einen Coversong: Aus John Sebastians „Hideaway“ machte Orloff „Wilder Wein“. Den Titel stellte Peter am 8. Januar 1977 in der ZDF-Disco vor. Der von Hans Ulrich Weigel getextete Song kam immerhin bis auf Platz 2 der DDO (Deutsche Discjockey Organisation) bzw. Platz 9 des „Automatenmarkt“ – ein Sprung in die offiziellen Singlecharts gelang damit allerdings nicht. In jenem Jahr hat Weigel Orloff übrigens auch den Song „Rocky“ angeboten für Bernd Clüver – Orloff lehnte den Text als zu „sperrig“ ab, was eine heftige Fehleinschätzung war. Frank Farian sprang gerne ein und landete mit dem Lied einen Nummer-1-Hit.


Erfolg mit deutschen Versionen internationaler Hits

1977 begann eine Serie von deutschen Originalversionen des damals sehr populären Autorengespanns Nicky Chinn und Mike Chapman. Die beiden waren insbesondere für Smokie aktiv – und deren Song „Lay Back in The Arms Of Someone“ wurde von Peter Orloff eingedeutscht: „Die Nacht, als Christina fortlief“. Es reichte immerhin für einen Top-40-Erfolg.

Nachdem das so gut funktioniert hatte, deutschte Orloff einen weiteren Smokie-Hit ein. Die haben seinerzeit den Searchers-Oldie „Needles And Pins“ neu veröffentlicht – daraus machte Orloff allen Ernstes „Bettler und Prinz“. Wenngleich das nicht ganz so gut ankam, blieb Orloff der Cover-Masche treu. Aus dem Chinn/Chapman-Song „Cara Cara“, der im Original von der Gruppe „New World“ interpretiert wurde, machte er sehr erfolgreich „Immer, wenn ich Josy seh‘“ – damit trat er drei mal in der ZDF-Hitparade auf, es wurde sein größter Hit seit langer Zeit (17 Wochen in den Charts).


Mit „Tom Tom Turnaround“ hatten New World einen weiteren Hit aus der Feder des Autorengespanns Chinn/Chapman. Da war es naheliegend, dass Peter Orloff auch dazu eine deutsche Version herausbrachte: auch „Cora, komm‘ nah Haus“ wurde ein Hit. Zum Ende der 70er Jahre probierte es Peter nach längerer Zeit wieder mit einer Originalaufnahme, einer Drafi-Deutscher-Komposition – erneut erfolgreich: „Ich liebe Dich“ war wieder drei mal in der ZDF-Hitparade und hielt sich 14 Wochen in den Charts. Die Prognose der Plattenfirma ging auf: „Mit seiner neuen Hit-Single ist Peter Orloff wieder auf Erfolgskurs“. Die zweite Drafi-Nummer für Peter, „Manuela“, schlug hingegen nicht ganz so ein.

Umstrittener Deal mit CBS

Im Mai 1980 unterschrieb Peter Orloff einen auf sechs Jahre terminierten Kooperationsvertrag mit der Frankfurter CBS, womit eine weltweite Vermarktung des Repertoires möglich gemacht wurde, und beendete damit die Zusammenarbeit mit EMI Electrola. Es gab auch kritische Stimmen darüber, dass Orloff gleichzeitig Plattenchef und Interpret und Produzent war. Im Buch „Schlagerfestival“ von Harry Thomas ist 1980 zu lesen: „Schon viele haben die Frage gestellt, ob es für die anderen Künstler wirklich so günstig ist, wenn der Plattendirektor all seine Zeit für seine eigene Karriere nötig hat. Keiner der obengenannten Aladin Artisten (Bernd Clüver, Severine, Dunja Rajter, Mel Jersey, Elfi Graf und Marion Maerz) macht heute noch Hits.“

Mit dem Wechsel zur CBS blieben auch bei Peter die Hits aus – keine der folgenden Singles konnte sich durchsetzen. 1980 wurden die Songs „Ich muss heim“ (deutsche Version von Toto Cotugnos „Solo Noi“; Text: Bernd Meinunger) und „Ich steig‘ aus“ (deutsche Version von Peter Kents „For Your Love“) veröffentlicht, 1981 „Die wilden Engel“ (Eigenkomposition) und „Der Andere“ (deutsche Version des Electric Light Orchestra Hits „The Way Life’s Meant To Be“) und 1982 „Rock’n’Roll Lullaby“ (deutsche Version des gleichnamigen B. J. Thomas-Hits von 1972).

1982 stellte Orloff im Deutschen Musikladen noch mal seine Single „Der Barbar (nur der Starke zählt)“ vor. In der TV-Serie „Büro Büro“ machte Protagonistin „Gaby Neuhammer“ keinen Hehl daraus, dass sie für Orloff und dessen Song schwärmte. Leider konnte sie aber längere Zeit keine neuen Lieder von ihm hören, er machte nämlich eine sehr lange Pause, in der er sich zurückzog. Im Zeitalter der Neuen deutschen Welle sah er wohl kaum Möglichkeiten, mit seiner Musik auf dem Tonträger-Markt erfolgreich zu sein.

Ein kleines Lebenszeichen gab der Sänger 1984 von sich – der Song „Die Straße“ ist aber nur wenig bekannt, obwohl Kritiker den Titel sehr loben.

Großer Erfolg mit wiederveröffentlichtem Hit: „Königin der Nacht“

Zwischenzeitlich meldete er sich mit dem 1986 wiederveröffentlichten, bereits zuvor (1979) produzierten Lied „Königin der Nacht“ zurück – das Lied mauserte sich zu einem Riesen-Erfolg, der zunächst auf Mallorca ein Hit wurde und dann auch in Deutschland insbesondere bei Wunschkonzert-Programmen viel gefragt war. Sehr interessant ist, dass der Schlager in seiner ursprünglichen Version 1978 zunächst von Bernd Clüver veröffentlicht wurde, und zwar als B-Seite von dessen Single „Hinter Deinem Fenster“. Erst viele Jahre später, 1991, erhielt Orloff gemeinsam mit dem Textdichter des Liedes, Bernd Clüver, von der Plattenfirma MCP eine „Diamant-Schallplatte“ überreicht für die Verkäufe des Liedes. Ebenfalls 1986  orakelte er „Gladbach wird Meister“ – die Rechnung ging aber weder kommerziell noch fußballltechnisch auf. Damals hieß der Gladbacher Trainer aber auch noch nicht Schubert…

Antwort-Song auf Falcos „Jeanny“

Im gleichen Jahr produzierte Orloff einen stark umstrittenen Song: „Und wer fragt nach Jeanny?“ war eine Art „Antwort-Song“ zum damals sehr bekannten Falco-Song „Jeanny“. In Orloffs Lied wird Jeanny tot aufgefunden, es kommen Jeannys Mutter, ein Nachrichtensprecher, ein Gerichtsgutachter und der Täter zu Wort. Der verzweifelte Versuch, auf den fahrenden „Jeanny“-Zug aufzuspringen wurde nicht belohnt – die Platte wurde kaum wahrgenommen. Zehn Jahre später wurde die Single gemeinsam mit Dagmar Berghoff in aktualisierter Version unter dem Motto „Kinder sind Tabu“ erneut veröffentlicht zur Unterstützung der gleichnamigen Aktion zur Bekämpfung der Misshandlung von Kindern. Mit dem opulent produzierten Song „Glück total“ (1987) und dem moralisch angehauchten „Maria Magdalena“ (1989) verabschiedete sich Orloff von den 80er Jahren – in dem Jahrzehnt brachte er ansonsten keine weitere Single heraus.

Ausflüge in die volkstümliche Musik

1990 ließ Peter Orloff sich auf einen Spaß ein und produzierte unter dem Namen „Original Buam“ in den Hochzeiten der volkstümlichen Musik einen rockigen Remix des Klassikers „Rosamunde“. Kurz darauf, 1991, stellte er selber volkstümlich angehaucht fest: „Jeder von uns braucht im Leben einmal einen Engel“.

25-jähriges Jubiläum mit erfolgreichem Sampler gefeiert

1992 feierte Peter Orloff sein 25-jähriges Tonträger-Jubiläum (- die erste Single bei Bellaphon „zählte wohl nicht“). Bei der Firma Arcade erschien ein großes TV-beworbenes Jubiläumsalbum, auf dem auch ein Medley namens „Schlagerparty“ veröffentlicht wurde, das Orloff nach vielen Jahren auch mal wieder in der inzwischen von Uwe Hübner moderierten ZDF-Hitparade vorstellte.  Kurz zuvor gelang ihm in der „Deutschen Schlagerparade“ des Südwestfunks das Kunststück, erstmals mit einem Oldie in der Fernsehsendung Spitzenreiter zu werden – mit dem Klassiker „Ein Mädchen für immer“. Das Postkarten-Wertungssystem war für Orloff schon immer von Vorteil…


Linda wird „sein Mädchen für immer“

Im selben Jahr heiratete Peter seine langjährige Freundin Linda Grunert, die fortan SEIN „Mädchen für immer“ werden sollte. Er hat sie bei einem seiner Konzerte kennengelernt, die „Hochzeit des Jahres“ (O-Ton RTL-Exklusiv) war am 17.10.1992. Die gelernte Friseurin überredete Peter dazu, seine graue Haarfarbe nicht zu färben.

Ebenfalls 1992 begann Orloff – im wöchentlichen Wechsel mit Guildo Horn – im Kölner Rock-Club Luxor Schlager-Konzerte zu geben, die überaus gut ankamen. Ein Jahr später bewies er seine Vielseitigkeit, indem er im März 1993 den zwischenzeitlich aufgelösten Chor der Schwarzmeerkosaken wieder aufleben ließ und deren musikalische Leitung übernahm, die er bist heute innehat und bis heute damit sehr erfolgreiche Kirchenkonzerte gibt. Die erste Single, die Orloff mit dem Chor veröffentlichte, war „Nach Hause, das heißt Damoj“. Kurz darauf hieß es „Mein Russland, Du bist schön“ und „Träume der Taiga“.

1993 veröffentlichte Peter das Lied „Ein eignes Haus“. 1994 ging es weiter mit „Ohne Garantie“ bzw. modifiziert „Ohne Krokodil“.  Das Lied war Kaiman Sammy gewidmet, der 1994 ausgerissen ist und in der Saure-Gurken-Zeit für Schlagzeilen sorgte. Einen Teil des Plattenerlöses (10.000 Mark) spendete Orloff für die artgerechte Haltung des Krokodils. Im gleichen Jahr brachte Orloff auch ein Duett mit seiner Frau Linda heraus – eine Neuauflage des Klassikers „True Love“, das auf seiner Single „Es strahlt ein Stern“ enthalten ist. Im Dezember 1995 trat Peter letztmals in der ZDF-Hitparade auf mit einem Weihnachtslied. Zu dem Anlass wurde die Single „Das Lied vom Engel“ veröffentlicht.

Dschungel-Hit „War das schon alles?“ erschien 1997

Einen kleinen Hit hatte Peter Orloff 1997 mit „War das schon alles?“, bei dem er augenzwinkernd auf seine Karriere zurückblickte. Genau dieser Song spielte bei seinem Dschungel-Aufenthalt 2019 eine Renaissence und wurde immer mal wieder gerne angestimmt. Es deutet sich an, dass dieser Titel – ähnlich wie die „Königin der Nacht“ mit Verspätung zu echten Hit-Ehren kommen könnte…


Ein Jahr später bat er: „Lass mich heut Nacht allein!“ und 1999 „Es ist noch immer gut gegangen“ sowie eine Jubiläumsversion seines Superhits „Königin der Nacht 2000“.

Peter Orloff im neuen Jahrtausend

Das neue Jahrtausend begann mit dem Schlager „Die große Liebe, die ein ganzes Leben hält“. Nach sehr erfolgreichen Auftritten in der ARD-Wunschbox veröffentlichte er gemeinsam mit den Schwarzmeerkosaken den Klassiker „Teure Heimat (Gefangenenchor aus Nabucco)“. Ende 2000 erschien der sehr erfolgreiche Schunkelsong „Zwischen Kirche und Kneipe“, den Pierre Kartner komponierte – erneut brachte dem als Vader Abraham bekannt gewordenen Komponisten die „Kneipe“  Glück – auch „Die kleine Kneipe“ hatte der Niederländer ja komponiert. Mit dem Lied kam Orloff sogar auf den zweiten Platz der „Schlagerparade der Volksmusik“.

Kurz darauf, 2001, wurde ein Lied namens „Heimaterde“ veröffentlicht. Zu Weihnachten 2002 erschien „Dieses Lied ist für Dich“. Gemeinsam mit den Schwarzmeerkosaken begleitete Orloff 2004 auch die Helmut Lotti Produktion „From Russia With Love“. Mit „Russian Blue“ erschien dann die letzte Single der ersten Dekade des neuen Jahrtausends. Besorgniserregende Schlagzeilen gab es am 2. November 2008, als  Linda und Peter Orloff einen schweren Autounfall hatten – zum Glück blieb es beim Schockerlebnis.

Nach langen Jahren ohne neuen Produktionen veröffentlichte Orloff 2012 mit den Schwarzmeerkosaken eine neue Produktion. Aus Gilbert Becauds gleichnamigen Klassiker machte er „Natalie – eine russische Liebe“.

In den letzten Jahren wurde es recht ruhig um Peter Orloff – zumindest als Schlagersänger. Sehr aktiv war er hingegen als Leiter seines Schwarzmeerkosakenchores, mit dem er regelmäßig auf Tour war. Sein Einzug in den Dschungel kam recht überraschend. Aber er hat sich großartig „verkauft“ und einen tollen Eindruck hinterlassen – und auch ohne GZSZ-Fanbase und ohne dumme Sprüche es bis ins Finale geschafft. Mit dem driten Platz hat er einen schönen Erfolg erreicht – es wäre schön, wenn er nun auch noch mal mit Schlagern „durchstartet“.

Aus dem einstigen Jurastudenten wurde ein Schlagersänger, Schlagerproduzent und inzwischen eine Führungspersönlichkeit als Leiter des Schwarzmeerkosakenchors. Nicht zu Unrecht wird Peter Orloff oft „König der Hitparaden“, „schwarzer Panther“ oder „Stehaufmännchen des deutschen Schlagers“ genannt. Von sich selber sagte Peter Orloff einmal „Ich habe ein deutsches Herz und eine russische Seele“ – die Aussage passt zu der von Orloff produzierten Musik.

Die Wolfgang Petry Story – Teil 2: Die 1980er Jahre 0

Nachdem wir mit Teil 1 der Wolfgang Petry Story gestartet sind (siehe HIER), geht es nun mit den 1980er Jahren weiter:

Erster Hit der 1980er Jahre: „Mein Zuhaus“

In die 1980er ging es dann wieder mit einer Ballade, in der Petry „Mein Zuhaus“ beschreibt. Vielfach (auch auf Wolfgangs offizieller Seite) wird orakelt, in dem Song gehe es um die damalige „Teilung Deutschlands in BRD und DDR“. Auf Petrys Seite ist zu lesen: „Ein Mann erinnert sich wehmütig an seine wunderbare Kindheit, die nun hinter der Grenzmauer unerreichbar ist.“ Da muss man nur gaaaanz fest dran glauben. Nüchtern betrachtet, geht es in dem Lied einfach um wehmütige Erinnerungen an eine sehr schöne Kindheit – diese Erklärung ist zumindest plausibler. Wenngleich der Song bei Fans recht große Popularität genießt, konnte er sich nicht in den Hitparaden etablieren. Bei dem Lied handelt es sich um die deutsche Version des Oliver-Onions-Hits „Tomorrow Is Today“, den deutschen Text verfasste wieder Dr. Bernd Meinunger. Zur Jahrtausendwende (1999) veröffentlichte Petry einen zweiten Teil des Schlagers – dem ist schon eher der Ost-West-Bezug zu entnehmen. Interessant ist übrigens, dass Juliane Werding die B-Seite des Songs („Und Sandra weint“) mit anderem Text („Hotel Royal“) als Single veröffentlichte.

Im Herbst des Jahres 1980 wurde es dann wieder flotter, Petry nahm sich des aus Secret-Service-Hits „Ten ‘o Clock Postman“ an. Dr. Bernd Meinunger schrieb auf den Titel der schwedischen Band den Text „Ganz oder gar nicht“ – damit reichte es wieder für einen ordentlichen Hit (Top-30), und am 20. Oktober 1980 wurde der Schlager in der ZDF-Hitparade präsentiert. Kurz darauf wurde auch eine gleichnamige Langspielplatte veröffentlicht. Petry sagte damals zum Titel seiner aktuellen LP: „Wenn ich was mache – dann ganz oder gar nicht“.  Zu den Liedern seines neuen Albums sagte er in seiner unnachahmlichen Art: „Ich singe Lieder, die Geschichten zum Inhalt haben, die wirklich passieren“.

Nachdem es mit der Eindeutschung eines Secret-Service-Hits so gut funktioniert hatte, schrieb Dr. Bernd Meinunger gleich einen zweiten Text auf eine Nummer der Schweden: Aus „Ye-Si-Ca“ wurde „Jessica“. Das Erfolgsrezept ging erneut auf – wieder reichte es für eine Top-40-Notiz, abermals ging es in die ZDF-Hitparade (am 11. Mai 1981). Wieder drängt sich ein kleiner Maffay-Vergleich auf: Dr. Meinunger schrieb damals auch Maffay-Texte. Wenngleich der Text von „Und es war Sommer“ nicht von ihm stammte, könnte man meinen, Jessica sei womöglich 31 und „Wolle“ 16 gewesen – angesichts der Zeile: „Ich war fast schon ein Mann – und ich hab vor Erwartung gebrannt – sie war jung und verrückt…“.

Die nächste Single komponierte diesmal wieder das Produzentenehepaar Karin Hartmann und Tony Hendrik für Wolfgang Petry, den Text steuerte erneut Dr. Bernd Meinunger bei. „Tu’s doch“ wurde erneut ein Top-40-Erfolg. Am 11. September 1981 stellte Petry seine Nummer in der ZDF-Hitparade vor.

Kurz darauf erschien Petrys vierte LP: „Einfach leben“, die einen weiteren Wendepunkt in seinem Leben darstellte, weil er gemeinsam mit seinem ebenfalls als Sänger tätigen Freund Andreas Martin einige Songs der LP komponierte. Was die Liedinhalte angeht, blieb er sich allerdings treu: „Die Themenkreise und Textideen stammen hauptsächlich von mir. Die Stücke behandeln zum Teil mein eigenes Leben.“. In einer Anzeige war anlässlich der Veröffentlichung der LP zu lesen: „Die LP mit dem Hit Tu’s doch und 9 neuen, ehrlichen Liedern“.


Als weitere Single aus dem Album daraus der Hartmann/Hendrik-Song „Ich geh‘ mit Dir“ ausgekoppelt, den Text schrieb diesmal Werner Schüler. Auch diesen Titel stellte Petry am 4. Januar 1982 in Ilja Richters Disco und am 8. März 1982 in der ZDF-Hitparade vor, ein veritabler Erfolg stellte sich ein – immerhin war der Titel 10 Wochen in den Single-Charts gelistet und kam in die Top-50.

Mit viel Pathos stellte „Wolle“ am 4. Oktober 1982 seinen Titel „Der  Himmel brennt“ in der ZDF-Hitparade vor. Auch im ARD-Musikladen präsentierte er die Single. Erneut etwas an Maffay erinnernd, reichte es für einen Top-15-Hit – die zweitbeste Chartsnotiz eines Einzelsongs, die Petry (nach seinem Debuterfolg) je hatte. Der Song wurde erneut von Tony Hendrik komponiert und dem damals frisch gebackenen Eurovisionssieger Dr. Bernd Meinunger getextet. Zum Jahresende erschien eine gleichnamige LP mit einem Querschnitt von Petrys bis dato erschienenen Liedern und Erfolgen (oder wie die Plattenfirma es ausdrückte: „Das neue Album – ein Überblick über den eindrucksvollen musikalischen Weg des sympathischen Künstlers“).

Die nächste Single wurde wieder ein echter Hit, der langfristig sogar zum Super-Hit bzw. Evergreen mutierte: „Wahnsinn“. Am 2. Mai 1983 war „Wolle“ mit seinem rockigen Titel in der Frank-Zander-Show „Vorsicht Musik“ zu Gast. Als Co-Autor neben den Produzenten Tony Hendrik und Karin Hartmann fungierte der ehemalige „Wallenstein“-Sänger Kim Merz, der kurz darauf selber mit „Der Typ neben ihr“ selber einen Riesen-Hit landete. In der Hoch-Zeit der Neuen deutschen Welle war „Wahnsinn“ ein leidlicher Erfolg, immerhin reichte es für eine Top-40-Notiz und einen 15-wöchigen Charts-Aufenthalt. Am 25. Juli 1983 ging es damit auch in die ZDF-Hitparade.  Den richtigen Kult-Charakter erhielt der Song aber erst 1996, als eine Band namens „Lollies“ den Song neu aufnahmen und damit quasi nach Mallorca exportierten – einschließlich des Einwurfs „Hölle, Hölle, Hölle“. Unter gleichem Namen erschien ein Album.

Das gleiche Team, das „Wahsinn“ komponierte und produzierte, was auch für die Auskopplung aus diesem Album zuständig – „Die vierte Dimension“ floppte allerdings kolossal, obwohl (oder weil?) man sich dem Zeitgeist der Neuen Deutschen Welle offensichtlich anpassen wollte. Nachdem die Folge-Singles „Gnadenlos“ (wurde im März 1984 in den TV-Sendungen „Schaubude“ und „Tele-Illustrierte vorgestellt), bei dem es um eine Frau geht, die sich zwischen zwei Männern entscheiden muss und den „anderen“ erwählt – und „Was macht der Teufel (, wenn wir uns lieben)?“ ebenfalls „gnadenlos“ floppten, wurde 1984 die rund achtjährige Zusammenarbeit zwischen Tony Hendrik und seiner Frau Karin Hartmann und deren Plattenfirma Coconut, einem Unterlabel der Berliner Hansa, beendet.

Die erste Single im Herbst 1984 bei seiner neuen Plattenfirma, der Stuttgarter Intercord, deren prominentestes Zugpferd der Liedermacher Reinhard Mey war, hieß „Halleluja mach’s gut (steck Dir mein Herz an den Hut)“. TV-Premiere war am 30. Oktober 1984 in der ZDF-Show „Show und Co. mit Carlo“. Petry scharte echte Profis um sich: Sein neues Produzententeam bestand aus Stefan Waggershausen und Udo Arndt, Waggershausen war auch Co-Autor seiner neuen Lieder. Als Fotograf trat der damals sehr beliebte Fotograf Jim Rakete in Erscheinung, der seinerzeit u. a. mit seinen Nena-Fotos Aufsehen erregte und es schaffte, dass Wolfgang sich eine Krawatte für das Cover umband. Trotz dieser imposanten Maßnahmen und einer umfangreichen Werbeaktion (damals wurde die Single vom Branchenorgan „Der Musikmarkt“ mit den Hitlisten als Gratiszugabe verschickt, die Leser mussten raten, wer den Song auf der Scheibe zu Gehör bringt) wurde der Titel kein Hit.


Die erste Intercord-LP, „Rauhe Wege“, bestach mit zeitgemäßen modernen Arrangements, ohne dass Wolfgang Petry seine Authentizität verloren hätte. Offensichtlich war geplant, einen Imagewechsel weg vom Schlager hin zum Rock zu vollziehen, wobei Peter Maffay vielleicht als Vorbild diente. Passend dazu schrieb die Intercord damals zur neuen LP: „Ein Meilenstein in der Karriere des Kölner Sängers. Gefühlvolle Rocksongs, transparente Arrangements und starke Texte belegen die neue Standortbestimmung“.

Seiner Zeit etwas voraus war Petry mit der zweiten Auskopplung aus „Rauhe Wege“. In der Waggershausen-Produktion „Hey Sie… sind Sie noch dran?“ geht es um einen Mann, der sich quasi „virtuell verliebt“, nämlich in die Stimme der Telefonseelsorge, noch dazu eine eine vom Computer gesprochene Stimme. Das fanden die damals zuständigen Redakteure der ZDF-Hitparade so originell, dass Petry mit dem Lied gleich zwei mal in der Show auftreten durfte, nämlich am 27. März 1985 und ein knappes Jahr später bei einer „zweiten Chance“, am 15. Januar 1986 – es nutzte sich, der Hit ließ sich nicht erzwingen.

Gemeinsam mit seinem damaligen Kumpel Andreas Martin komponierte „Wolle“ seinen nächsten Song. Dr. Michael Kunze textete: Ich brauch‘ ‘ne Dosis Liebe“. Am 12. November 1986 stellte er diese erste Single aus dem erneut von Stefan Waggershausen und Udo Arndt produzierten Album „Mit offenen Armen“ in der ZDF-Hitparade vor. Ein Hit wurde nicht aus der Nummer – auch nicht in der Version von Andreas Martin, der den Titel ein Jahr später mit dem Joachim Horn-Bernges-Text „Auch wenn wir lügen müssen“ noch mal veröffentlicht hatte.

Offensichtlich war Petry damals bemüht, den Erfolgreichen der Branche nachzueifern, indem er recht modern produzierte und sich bei den Großen Einiges abguckte. In damaliger Zeit bildeten bei mehreren Udo-Jürgens-Alben Titellied und „Reprise“ gern mal die Klammer um das jeweils aktuelle Album (z. B. bei „Traumtänzer“, „Hautnah“ und „Treibjagd“). Diese Idee wurde bei „Mit offenen Armen“ ebenfalls aufgegriffen – zum ersten Song „Liebe, die Du nie begreifst“ wurde an das Ende des damaligen Albums eine Reprise veröffentlicht. Folgerichtig wurde damals wie folgt geworben: „Petry ’87 – persönlich kraftvoll, mit Mut zum ehrlichen Gefühl“.

Für eine Singleauskopplung langte das aber nicht, da griff man lieber auf den Titel „Willkommen auf der Sonnenbank“ zurück – Co-Autor war damals Werner Schüler, der die zweite und letzte Intercord-CD auch coproduzierte. Es nutzte alles nichts – mit seiner „neuen Standortbestimmung“ landete Petry damals keinen Erfolg, der Vertrag mit der Intercord wurde nicht verlängert, der Sänger wechselte 1988 zur Plattenfirma EMI Electrola.

Mit dem Label-Wechsel wechselte Petry auch den Produzenten und ließ 1988 Reiner Hörnig ans Ruder, der zuvor insbesondere mit den Bläck Fööss zusammenarbeitete und in der jüngeren Vergangenheit mit Jürgen Drews kooperierte. Die erste gemeinsame Produktion war die Single „Fliegen ist schöner“ und das Album Album „Manche mögen’s heiß“, dessen namensgebender Titel auch als Single veröffentlicht wurde. Auch wenn man erneut dem Zeitgeist hinterherlief (damals war Stephan Remmler recht angesagt), wollte sich kein Erfolg damit einschleichen.

Nachdem die dritte Auskopplung aus dem Album, „Einmal mit Dir“, trotz TV-Präsenz (WWF-Club) floppte, probierte man es mit einer vierten Single, einer eher untypische Petry-Ballade, die zwar erneut kein Hit wurde, sich aber im Laufe der Jahre zu einem Dauerbrenner und einem Lieblingslied vieler Fans des Kölners entwickelte: „Nur ein kleines Stück Papier“. Das Lied schaffte es in Neuaufnahme sogar auf das viele Jahre später erscheinende legendäre Best-Of-Album „Alles“.

Unter der Regie von Reiner Hörnig entstand noch eine zweite EMI-LP, nämlich „Wo ist das Problem?“, bei dem bereits erste Ansätze erkennbar waren, dass Petry wieder zurück zum modernen Schlager kehren wollte. Der Text der ersten Single, „Auf den Mond schießen (hinterherfliegen)“ ist da ein gutes Beispiel: „Wenn Du morgens früh die Treppe putzt – nichts an außer einem kurzen Lendenschurz – dreh ich fast durch“. Da auch diese Produktion kein kommerzieller Erfolg war, drehte eher die Plattenfirma durch – die EMI-Electrola-Zeit war damit beendet, und „Wolle“ kehrte reumütig zur alten Plattenfirma Hansa zurück – also diesmal direkt zur Berliner Plattenfirma, zu Beginn der Karriere war er ja bei deren Ableger „Coconut“ unter Vertrag.