Die Roy Black Story – Teil 9: Rückkehr zu Polydor und Herz-OP Kommentare deaktiviert für Die Roy Black Story – Teil 9: Rückkehr zu Polydor und Herz-OP

Black

Berufliches Comeback bei Polydor, privat Scheidung von Silke

Im Frühjahr 1985 gelang der Coup, die „Rückkehr des verlorenen Sohns“ zu feiern – Roy unterschrieb wieder bei seiner alten Plattenfirma Polydor und verhielt sich damit anders als Kollegen wie Ted Herold. Der nahm der Hamburger Plattenfirma sehr übel, dass sie ihn nach langjähriger Vertragslaufzeit hat fallen lassen und willigte nicht in einen neuen Deal ein. – Als Produzent wurde Jürgen Kramer, der sich damals als Produzent Tommy Steiners einen Namen gemacht hatte, engagiert. Der heuerte mit den seinerzeit sehr angesagten Candy de Rouge an (- der schrieb u. a. Hits für Jennifer Rush) und komponierte den schönen Schlager „Mona“, zu dem Irma Holder den Text schrieb. Die Single erschien im Mai 1985. Über vier Jahre nach seinem letzten Auftritt in Berlin stellte Roy den Titel in der inzwischen von Viktor Worms moderierten ZDF-Hitparade vor. Dort bekam er übrigens bereits im Januar ein Forum – in Viktors erster Sendung, indem er zu den damals kursierenden Alkohol-Gerüchten Stellung bezog. Seinen neuen Schlager präsentierte Roy auch in den „Montagsmalern“, der „Schaubude“, im WWF-Club und in Wim Thoelkes Rateshow „Der große Preis“, so dass man durchaus von einem weiteren kleinen Comeback sprechen kann. Der Name „Mona“ war Roy in damaliger Zeit vermutlich lieber als der Name „Silke“ – am 26. November 1985 wurde die Ehe mit seiner ersten Frau geschieden.

Erfolg „In Japan geht die Sonne auf“

Mit dem gleichen Team wurde die Nachfolge-Single „In Japan geht die Sonne auf“ (aus dem kurz darauf erschienenen ersten Album nach längerer Zeit namens „Herzblut“) produziert. Trotz der kontrovers diskutierten Frage, ob es sein kann, dass es in New York Nacht ist und gleichzeitig in Japan die Sonne aufgeht wurde der Titel erneut ein Achtungserfolg. Roy stellte den Titel am 19. März 1986 in der ZDF-Hitparade vor und präsentierte den Titel auch in den ARD-Shows „Ein Platz an der Sonne“ und „WWF-Club“. Kurios ist, dass in Sammlerkreisen unter der gleichen Bestellnummer und mit gleichem Coverfoto eine Single namens „Wo geh’n wir hin?“ kursiert. Das legt den Verdacht nahe, dass die Nummer zunächst als Lokomotiv-Song angedacht war, man sich letztlich aber für die „Japan“-Single entschieden hat.

Herz-OP nach TV-Auftritt bei Thomas Gottschalk

Wer „Hölle Hölle Hölle“ ruft, liegt beim dritten Streich aus der Produktion Jürgen Kramers falsch. „Wahnsinn“ war ein neuer von Candy de Rouge und Irma Holder geschriebener Black-Hit, den der bei einer denkwürdigen TV-Show präsentierte. Am 25. Mai 1986 trat Roy bei der von Thomas Gottschalk moderierten Show „Na sowas Extra“ auf und brach kurz nach seinem Auftritt zusammen. Sein Manager „Max“ Kaminski fuhr in zunächst in sein Herdecker Hotel, am nächsten Morgen fand er sich aber in der Intensivstation eines Hagener Krankenhaus wieder und wurde Wochen später mit einem Rettungshubschrauber in die Münchner Herzklinik gebracht, wo ihm in zwei Operationen am 18. und 24. Juni 1986 zwei neue Herzklappen eingesetzt wurden.

TV-Comeback 1987 – ebenfalls bei Thomas Gottschalk

Der Däne Tommy Seebach hatte mit der von ihm komponierten Schmuseballade „Endnu“ einen guten Erfolg. Das war wohl Grund genug für Roy Black, mal wieder einen Song zu covern. Irma Holder schrieb den Text zur Jürgen-Kramer-Produktion „Geträumt“. Nachdem er den Titel bereits in der Schaubude und im WWF-Club sang, präsentierte er den Song auch am 7. März 1987 bei „Na sowas“ und meldete sich quasi gesund bei Thomas Gottschalk zurück. Auch in der ARD-Hitparade „Goldene Eins“ wurde der Titel präsentiert. Auch für diesen Titel gab es den Bronzenen Löwen von Radio Luxemburg – Roys 13. und letzter Löwe wurde ihm am 16. Oktober 1987 verliehen.

Der zweite 1987er Schlager war wieder eine deutsche Komposition – diesmal von Detlev Reshöft, der zuvor u. a. mit G. G. Anderson und Roland Kaiser erfolgreich war und von Rudolf Müssig, der u. a. „Speelwark“ mit Hits versorgte komponiert. Den Text zur Jürgen-Kramer-Produktion „Adieu Cherie“ schrieb erneut Irma Holder. Neben den fast schon obligatorischen Stationen beim WWF-Club und in der Schaubude stellte Roy seinen Schlager auch in Wim Thoelkes „Großen Preis“ vor.

Überraschender Charts-Hit: „Bella Bella Marie“

Einen ganz anderen Weg schlug Produzent Jürgen Kramer 1988 ein. In Form eines Medleys wurden beliebte Urlaubsschlager der Vergangenheit zusammengestellt – Name der Single: „Bella Bella Marie“. Am 21. Mai 1988 stellte er die Vorab-Single seines neuen Albums „Schwarz auf Weiß“ in Kurt Felix‘ und Paolas Show „Verstehen Sie Spaß“ vor. „Es könnte alles so einfach sein“, ist man angesichts des Erfolgs zu sagen: Erstmals seit sieben Jahren ging es wieder in die Single-Charts, Roy hielt sich mit dem Potpourri 12 Wochen in den Charts.

Roys Album „Schwarz auf Weiß“ war ein weiterer Schritt nach vorne. Neben seinen neuen Schlagern waren dort auch deutsche Versionen von Welthits enthalten. Beispielsweise hat er „Only the Lonely“ seines Idols Roy(!) Orbison eingedeutscht, ebenso Albert Wests „Ginny Come Lately“. Albert Hammonds „The Air That I Breathe“ durfte da auch nicht fehlen. Der Musikmarkt konstatierte am 15. August 1988: „Möglicherweise ist Roy Blacks neue Langspielplatte kein typisches Teenie-Produkt, aber für den Markt der über 30-jährigen für die Liebhaber der sanften Töne, die ja bekanntlich über gut die doppelte Kaufkraft der meisten anderen Konsumenten verfügen, ist ‚Schwarz auf Weiß’ sicherlich interessant.“.

Mit „Kein Morgen danach“ wollte man offensichtlich eine anspruchsvolle Auskopplung aus dem neuen Album präsentieren. Wenngleich der von Norbert Endlich, Holger Flesch, Andreas Bärtels und Christian Heilburg geschriebene Titel bei Kritikern sehr gut wegkommt, wurde der Titel (vielleicht auch wegen mangelnder Promotion) nicht so erfolgreich wie das Italienschlager-Medley. Immerhin: Im Oktober 1988 erreichte Roy mit seinem Titel Platz 3 der neuen von Jürgen Drews moderierten ARD-Schlagerparade.

Letzte Single bei Polydor: „Rosen ohne Dornen“

Als letzte Single des „Schwarz auf Weiß“-Albums wurde ein Schlager ausgekoppelt, den ursprünglich Gitte auf ihrer 1977er LP „Regenbogen“ veröffentlicht hatte. Der anspruchsvolle von Gerd Müller-Schwanke und Detlev Petersen geschriebene Titel „Rosen ohne Dornen“ war die letzte (Promo-)Single, die bei Polydor veröffentlicht wurde – der Vertrag wurde nicht verlängert. Den Titel stellte Roy u. a. bei der 100. Ausgabe der Klamauk-Talkshow „Dall-As“ vor. Am 30. April 1989 war er damit auf Platz 1 der deutschen Schlagerparade. Für die ZDF-Hitparade wurde er nach damaligem Modus zwar vorgestellt (Motto „Vier aus Acht“), schaffte es aber nicht in die Sendung. Kurios: Den Titel seiner letzten Polydor-Single sang Roy Black genau am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, in Wim Thoelkes „Großen Preis“.

 

 

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ACE CATS: MARKUS FRÄGER ist tot – lastet ein Fluch über der Band? 4

Ace Cats

Nun auch Sänger der ACE CATS gestorben

Wer kennt ihn nicht, den Überhit der Ace Cats: „L-L-L-Linda, ich ruf dich an„. Damit hat es die beliebte Ruhrgebietsband auf Platz 1 der ZDF-Hitparade geschafft – sogar noch in der Ära von DIETER THOMAS HECK. Frontmann und Sänger der ACE CATS war damals MARKUS FRÄGER. Der ist am 18. August leider nach kurzer schwerer Krankheit verstorben.

Letztes Gründungsmitglied tot

Schon Ende der 1970er Jahre machten MARKUS FRÄGER und sein BRUDER LUITGER FRÄGER im südlichen Ruhrgebiet mit einer Band namens „California Wheelstand Kings“ Rock’n’Roll-Musik. Das kam an. In der gleichen Zeit waren der Gitarrist THOMAS SZALAGA (eines Zeitungsartikels zufolge vom „Huckarder Bruch“ aus Dortmund) und der Schlagzeuger CHRISTIAN SCHUDDE erfolgreich mit dem Covern von britischen Beatsongs der frühen 1960er Jahre, insbesondere von den BEATLES (Band „APPLES“). Die Musiker trafen sich eines Tages und beschlossen, eine gemeinsame Band mit einer originellen Mischung aus beiden Stilrichtungen zu gründen. Dem Portal Deutsche-Mugge verriet MARKUS FRÄGER, dass das erste Treffen im Keller des Unnaer Jugendzentrums stattfand.

Erweitert wurde das Quartett um die beiden hübschen Sängerinnen PETRA HUMFELD und TINA SCHUDDE (Schwester des Schlagzeugers). (TINA ersetzte ANNE FRÄGER, die beim ersten Album noch mitsang). Zunächst nannte man sich ALLEY CATS, benannte sich dann aber in ACE CATS um, um einen Rechtsstreit mit einer gleichnamigen Punkband zu vermeiden.

1982: Erstes Album mit GÖTZ ALSMANN am Keyboard

Einen Meilenstein der deutschen Rockabilly-Geschichte schrieben die ACE CATS mit ihrem ersten im Juli und August 1982 produzierten Album „Cat Talk“. Bei Insidern kamen zwei Dinge gut an: Wie perfekt sie den typischen Rockybilly-Sound trafen und wie stylisch sie gekleidet und frisiert waren. Stilprägend war sicher der von LUITGER gespielte Kontrabass und die Halbresonanzgitarre, die THOMAS gespielt hat. Damals leistete man sich einen Keyboarder -und was für einen: Niemand geringerer als GÖTZ ALSMANN fungierte damals als Pianist der Band. Zu hören gab es Coversongs, aber auch eigene Titel wie die von THOMAS SZALAGA geschriebene Single „Good Health To You“.

Spannend: Schon damals berichtete die BRAVO über das ACE-CATS-Debut: „Teds und andere Rockabilly-Fans im Ruhrpott stehen Kopf wegen „Ace Cats“, vier Jungs und zwei Mädchen, die Musik der fünfziger Jahre in leicht verschärfter Form machen. Zumindest auf Platte geht die Post bei den Cats noch mal um ’nen Zahn schneller ab als bei den Altmeistern wie TED HEROLD. Sänger und Leadgitarrist MARKUS FRÄGER, den seine Fans „Skinny Jim“ nennen, kann’s mit seiner seidenweichen Stimme und ausgefeilten Gesangstechnik auch mit Koryphäen vom Schlager SHAKY aufnehmen. Was mich außerdem total fasziniert, ist das blitzsaubere, millimetergenaue Zusammenspiel der Band. Trotz aller Perfektion fehlt es nicht an Leben und Drive auf der Platte – mit anderen Worten: Die ACE CATS haben mit ihrer Sammlung von Rockabilly-Klassikern ein kleines musikalisches Wunder geschaffen. Hört auf jeden Fall mal in „Good Health To You“, das die Band selbst geschrieben hat, rein.

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Majorcompany CBS schließt Vertrag mit den ACE CATS

Nicht nur mit ihrem Debutalbum, nein vor allem auch mit ihren Liveauftritten sorgten die ACE CATS damals für viel Aufmerksamkeit. Bei einem gemeinsamen Auftritt mit SHAKIN‘ STEVENS im Mai 1983 in der Dortmunder Westfalenhalle wurden sie vom Felck weg von der CBS unter Vertrag genommen. Bevor die Plattenkarriere weiterging, war ein gemeinsames Konzert mit Rocklegende FATS DOMINO im September 1983 in der Essener Grugahalle ein Meilenstein der Bandgeschichte. Zuvor absolvierte die Band im Juni 1983 ihre erste kleine Deutschlandtour – Zum Leidwesen der Hardcorefans wurden die kommenden Produktionen in deutscher Sprache aufgenommen. Mit „Heut Nacht„, der ersten Single, landeten die ACE CATS gleich einen großen Hit. In der Hochzeit der Neuen Deutschen Welle landete das Sextett damit gleich einen veritablen Airplay-Hit. Als Produzent fungierte damals neben ARMAND VOLKER auch BARNY MURPHY von der SPIDER MURPHY GANG. Im Winter 1983 ging es erneut auf Deutschland-Tour. Zu Beginn des Jahres 1984 standen auch die ersten TV-Auftritte in der „Michael-Braun-Talkshow“ (07.01.1984) und in der WDR-Lokalsendung „Aktuelle Stunde“ an.

Durchbruch mit „Linda“

Ace Cats

Den endgültigen Durchbruch schafften die ACE CATS mit ihrem Hit „Linda“, den sie in der ZDF-Hitparade nicht nur vorstellen, sondern mit dem sie sogar Spitzenreter wurden. Von ziemlicher Bedeutung dürfte der 24. Mai 1984 gewesen sein. An dem Tag waren die ACE CATS in der von JÜRGEN VON DER LIPPE moderierten Sendung „Show Start“ mit dabei und stellten ihre „Linda“ vor. Das schlug ein. Und die Sendung war damals auch bedeutend, wie sich später herausstellen sollten – DIE ÄRZTE hatten in der Sendung auch ihren ersten bundesweiten Auftritt. Schade, dass es solche Nachwuchssendungen heute nicht mehr gibt.

Der Seite „Deutsche-mugge.de“ verriet MARKUS FRÄGER, dass es etwas „bitter“ für die Band, die die meisten Lieder selber schreibt, war, dass ausgerechnet der größte Hit vom britischen Autorenteam komponiert Sue Shifrin und Terry Britten geschrieben wurde, deren Song die ACE CATS auf Rockabilly getrimmt und dazu einen deutschen Text geschrieben hatten.

Nummer 1 der ZDF-Hitparade

Den richtigen Durchbruch schafften die ACE CATS („ausgerechnet“) dank der ZDF-Hitparade. Am 21. Juli 1984 traten sie in der von DIETER THOMAS HECK moderierten Show auf und konnten sich gegen die SPIDER MURPHY GANG, STEFAN REMMLER, CINDY (von CINDY & BERT, die damals untrötslich war) und TONY HOLIDAY durchsetzen, was bedeutete: Spitzenreiter der ZDF-Hitparade. Im Anschluss ging es in die Single-Charts mit „Linda“ – das Sextett schaffte es bis auf Platz 17 der Charts. Bei den Hits des Jahres durften die ACE CATS bei der von THOMAS GOTTSCHALK moderierten Show „Thommys Pop Show“ im ZDF mit ihrer „Linda“ auftreten – das war wohl der kommerzielle Höhepunkt der Band.

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Erstes Album: „Katzen tanzen durch die Nacht“

Aufgrund des Erfolges konnte nun eine etwas ausgiebigere Deutschland-Tour gestartet werden – das war ja der Vorteil der ACE-CATS, das sie großartige Livemusiker waren. Im Gepäck hatten sie ihr erstes Album „Katzen tanzen durch die Nacht“. MARKUS FRÄGER zeichnete das Cover, was er übrigens auch für GÖTZ ALSMANNs Frühwerk „Party Time“ tat. Auch das Album war kommerziell erfolgreich und schaffte es auf Platz 54 der deutschen Albumcharts. Kurios: Das Album wurde – anders als die beiden ersten Singles – von ULF KRÜGER produziert, der mit LEINEMANN erfolgreich war und auch die Comeback-Alben der 1970er Jahre von TED HEROLD produziert hatte. Ein im Livebetrieb gut angekommener Titel wurde als Single ausgekoppelt: „Rockabella“. Eigentlich ein sehr schöner und kommerzieller Titel – der schaffte es aber nur auf untere Airplay-Ränge.

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Mit „Du liebst mich“ kein Anschlusserfolg

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Ein Jahr nach ihrem ersten Auftritt in der ZDF-Hitparade traten die ACE-CATS erneut in der Kultsendung auf – diesmal nicht so erfolgreich wie beim ersten Mal. Die wieder von ARMAND VOLKER im März 1985 produzierte Single konnte sich beim inzwischen moderierenden VICTOR WORMS nicht platzieren. Trotz eines Top-TV-Auftritts bei „Show und Co. mit Carlo“ gelang kein echter Hit.

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„Gina“ ist nicht „Linda“

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Ein beliebter Fehler in der kommerziellen Schlager- und Popmusik ist es, einem Erfolg mit gleichem Konzept hinterherzuhächeln. Das geht nur selten gut (z. B. bei MODERN TALKING). Oft ist es nicht verkehrt, dem ersten Hit einen ganz anderen Song hinterherzuschieben – auf UDO JÜRGENS‘ „Griechischen Wein“ folgte bekanntlich „Das ehrenwerte Haus“. – Die ACE CATS haben es anders probiert und mit „Gina“ zwar einen schönen Song abgeliefert, der aber erneut einfach zu sehr nach dem „Linda“-Muster gestrickt war und deshalb auch nicht wirklich erfolgreich war. Immerhin: Am 15. Januar 1986 war das Sextett damit in der ZDF-Hitparade zu Gast.

Letztes Album in Urbesetzung:

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Die „beste Rock’n“Roll-Band Deutschlands“ veröffentlichte im Herbst 1985 ihr letztes Album in Urbesetzung: „Stundenlang im Fieber“. Parallel dazu ging die Gruppe erneut auf Deutschland-Tour. Den Titel „Du nur Du“ koppelte die Band aus und stellte den Song am 17. September 1986 bei ihrem letzten Auftritt in der ZDF-Hitparade vor. Laut Pressetext geht es in dem Song um „Liebe a la Videocassette“. Da war von Internet und Smartphone noch lange keine Rede…

Recht interessant ist der Pressetext zu „Stundenlang im Fieber“: „Stundenlang im Fieber“ zeigt noch mehr als ihr Vorgänger die musikalische Potenz der ACE CATS. Neben den ausgefeilten Rock’n’Roll-Nummern wie „Gina“, „Du nur Du“, „Nur einmal“ und „Helden der Nacht“ gelang es den ACE CATS auch, ihre alte Liebe für Swingnummern im Studio umzusetzen. „Wenn die Möwe schreit“, „Wo bist du“ und „Stundenlang im Fieber“ sind beste Beweise hierfür. – Natürlich fehlt auch die obligatorische „Schnulze“ nicht. „Vielleicht“ knüpft nahtlos an ihren Vorgänger „Lass den Vorhang zu“ an. „Stundenlang im Fieber“ enthält Pop, Swing und Rock’n’Roll.

Ende der ACE CATS in Urbesetzung

In etwa in der Zeit, in der die sexy Backgroundsängerin PETRA HUMFELD den Drummer CHRISTIAN SCHUDDE heiratete und mit ihm eine Tochter bekam, trennte sich die Band auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Wobei es keine echte „Trennung“ war, sondern eher eine Umstrukturierung. Hintergrund waren damals Richtungsstreitigkeiten.Entscheidend: MARKUS FRÄGER wurde von TED SHANSKY ersetzt. Auch THOMAS SZALAGA und TINA SCHUDDE schieden aus und gründeten 1987 eine eigene Band namens „SHE BOP“. PETRA übernahm damals das Keyboard. Das ging mit einem musikalischen Wandel einher: Popmusik statt Rock’n’Roll lautete die Devise.

Dennoch haben sich die Musiker wieder ihrem bürgerlichen Leben verschrieben:

– MARKUS FRÄGER betätigte sich wieder als Grafiker und Künstler,
– LUITGER hatte einen Job beim TV-Sender VIVA,
– CHRISTIAN war in einem Aluwerk tätig,
– TINA betätigte sich als Lehrerin,
– PETRA war beim „Energie“-Verlag tätig, wodurch später ein neuer Kontakt zu Sony Music möglich gemacht wurde.

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TV-Auftritte bei „So isses“ und dem „Fernsehgarten“ führten nicht zu kommerziellem Erfolg.

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Auch die von FERDINAND FÖRSTER produzierte poppige Neuversion des Oldies „Sheila“ konnte nicht zu altem Erfolg zurückführen.

MARKUS FRÄGERs Projekt „KREISLER“ kommerziell nicht erfolgreich

Auf Betreiben seines damaligen Managers GEORGE GLÜCK wurde MARKUS FRÄGERS Album unter dem Namen „KREISLER“ von Musikern der WESTERNHAGEN-Band produziert, nämlich von RENÉ TINNER und HELMUT ZERLETT (später „Harald-Schmidt-Show“). Was er nach der Bandauflösung machte, ist in einem Pressetext zu lesen: „Nach der Auflösung der ACE CATS machte MARKUS FRÄGER mehrere Ausstellungen, gestaltete ein „Musik-Kunst“-Projekt mit der New Yorker Künstlerin COLETTE und begann gleichzeitig, an seiner Solokarriere zu arbeiten“. Wir erfahren dann auch das Ansinnen des „KREISLER“-Albums: „Dem Multitalent gelang eine interessante, in dieser Form wohl noch nie da gewesene Fusion aus Rockabilly und moderner Popmusik. Der Charme und der Swing der fünfziger Jahre wird durch KREISLERs Stimme und Melodien in die neunziger Jahre transportiert.“ Anders als seine Kollegen von den ACE CATS trat MARKUS FRÄGER, der ein distanziertes Verhältnis zum deutschen Schlager hatte, in der ZDF-Hitparade auf – Seit an Seit mit ROY BLACK und MATTHIAS REIM…

Letztes Comeback 1996

Im Jahr 1996 starteten die ACE CATS noch einmal durch – insbesondere im Livegeschäft. Parallel wurden die alten Alben noch einmal als CD aufgelegt, und mit „Immer wieder solo“ erschien auch noch einmal eine brandneue Single. Der auch als „LARS VEGAS“ bekannte Sänger JÜRGEN WEBER trieb dieses Projekt erfolgreich voran. Entscheidend für das respektable Comeback war vermutlich aber auch, dass die beiden tollen Sängerinnen PETRA und TINA wieder am Start waren – ebenso wie die Urgesteine CHRISTIAN und THOMAS.

Live kam das Konzept an – die Tonträger hingegen verkauften sich schlecht. Im Dezember 1996 erschien eine Single namens „Lady Di“ mit dem Bonustrack „Herz beißt Haifisch“ (bezogen auf eine gleichnamige Single-Party) – die verkaufte sich nicht gut und wurde knapp ein Jahr später, nach dem Tod von Lady Diana, wieder vom Markt genommen. Gemeinsam gingen die ACE CATS noch einmal auf Club-Tournee – danach war diese legendäre Gruppe Geschichte – und es begannen furchtbare Schicksalsschläge.

2005: LUITGER FRÄGER verunglückt tödlich

Das Drama der ACE CATS beginnt 2005. Im Alter von nur 43 Jahren verstarb der Gründer der ACE CATS und damalige Frontman der „CAJUN PIONEERS“) bei einem Autounfall tödlich. LUITGER wurde nur kurz zuvor zum drittbesten Cajun-Akkordeonspieler Europas gekürt.

2012: THOMAS SZALAGA verstorben

Am 13. April 2012 verstarb mit THOMAS SZALAGA ein weiteres Gründungsmitglied der ACE CATS. Noch ein Jahr zuvor trat er mit den ACE CATS bei der RTL-Show „Die Ultimative Chartshow“ auf. THOMAS erlag einem Krebsleiden und wurde nur 52 Jahre alt.

2019: TINA SZALAGA folgt ihrem ehemaligen Mann

Tragisch: Sieben Jahre nach THOMAS ist auch die dunkelhaarige Schönheit TINA SZALAGA, die Schwester des Drummers CHRISTIAN und „Ex-Frau“ von THOMAS, ebenfalls sehr jung an den Folgen einer Lungenkrebserkrankung verstorben.

2020: MARKUS FRÄGER erliegt einem Krebsleiden

Anlass dieses Artikels ist der Krebs-Tod von MARKUS FRÄGER, der offensichtlich viel mehr in der Kunstwelt involviert war als in der Musikszene. Auf seiner offiziellen Webseite erwähnt er „seine“ Band mit keinem Wort. In Kunstkreisen existieren einige Nachrufe – wir wollen nun ihm und der von ihm maßgeblich geprägten Band ACE CATS ein Denkmal setzen. Von den Gründungsmitgliedern leben noch der Drummer CHRISTIAN SCHUDDE und die Sängerin PETRA SCHUDDE. Wir hoffen, dass das Karma zurückschlägt und die beiden tollen Musiker (Musikerinnen) ein umso längeres und gesundes tolles Leben haben mögen…

 

 

 

 

 

 

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UKW: Toller „My Star“-Sampler ist eine Werkschau der NDW-Band und ihres Sängers PETER HUBERT Kommentare deaktiviert für UKW: Toller „My Star“-Sampler ist eine Werkschau der NDW-Band und ihres Sängers PETER HUBERT

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Vom Kontrabass zum Bandleader

Der am 1. Januar 1957 geborene Düsseldorfer PETER HUBERT war als guter Fußballer (Torhüter) und (zusammen mit seinen Brüdern) unter der Bezeichnung „Die Huberts“ als Partygänger berüchtigt und studierte nach der Schule in Berlin das Instrument Kontrabass. Gegen Ende der 1970er Jahre gründete PETER HUBERT zusammen mit dem Gitarristen ANDREAS SCHWARZ-RUSCZYNSKI und dem Keyboarder ANDREAS KOCH die Band UKW. Das war quasi der Stamm der Band, die 1981 durch den Bassisten PEER GERLACH und den Schlagzeuger THOMAS SCHÜTZE komplettiert wurde. Namensgeber der Gruppe war der Tourmanager PETER EGGERS.

Durchbruch beim Berliner Senatsrockwettbewerb

Beim Berliner Senatsrockwettbewerb („Neue-Welle-Rockwettbewerb“) nahm das Quintett 1981 teil und war siegreich (zusammen mit 9 anderen Bands, allerdings waren ca. 280 Teilnehmer am Start). Der Gewinn war die Produktion einer Single: „Bleib doch bei mir“ – ein Song, den Bandleader PETER HUBERT gemeinsam mit DIRK SCHÖNWÄLDLER schrieb. Die Single erschien im Dezember 1981 und war recht schnell vergriffen. Das von UBALD SCHNEIDER produzierte UKW-Debut war deutlich rockiger als die Aufnahmen, die später bei der Major-Company entstanden, wobei der Siegertitel auch auf der Debut-LP der Gruppe enthalten war. In dem Lied geht es um einen vermeintlich unwiderstehlichen Mann, der nicht kapiert, warum ihm die Freundin davonläuft.

Statt HANSA beißt Telefunken an

Der Verleger und Manager MANFRED SCHMIDT hatte gemeinsam mit STEFAN WAGGERSHAUSEN einen Verlag, den Miau-Verlag. Schmidt klapperte Plattenfirmen ab. Einige namhafte Firmen wie die Berliner HANSA, sonst eigentlich schon mit dem richtigen Riecher versehen, lehnten ab. Mit der Plattenfirma Telefunken wurde man sich einig, und schon kurz darauf wurde die Debut-LP „Ultrakurzwelle“, deren Songmaterial schon länger fertig gestellt war, produziert.

UKW – Peter Hubert

Durchbruch mit „Sommersprossen“

Die Jungs um PETER HUBERT hatten gleich geballte TV-Power – ungewöhnlich für Newcomer: Gleich drei Fernsehshows präsentierten UKW: „Das ist wie ein Rausch“, „Musicbox“ (moderiert von DESIREE NOSBUSCH, ausgestrahlt am 22.03.1982) und „Berliner Rocknews“. Präsentiert wurde vor allem die erste Telefunken-Single, die gleich ein amtlicher Top-5- Peter Hubert UKW Hit und ein Klassiker der Neuen Deutschen Welle wurde:  „Sommersprossen“ – eigentlich ein typischer Schlager. Kein Wunder: Der Produzent der Nummer und der ersten UKW-Songs war MICHAEL THATCHER, der zuvor u. a. für GITTE HAENNING und HOFFMANN & HOFFMANN tätig war. Die sommerliche Nummer spielte mit typischen Schlager-Klischees und „Schüttelreimen“: „Tiiina – ist da nicht priiiima“. In der ZDF-Hitparade wurde der Text dann gerne auch mal abgewandelt: „Na Dieter woll’n wir Rollschuh laufen“.

„Millionen hören UKW“

Auch die Debut-LP lief gut. Das Album widmete sich laut Pressetext „mit Wortwitz und Augenzwinkern den alltäglichen Problemen und Problemchen. Die Musik wurde wie Peter Hubert – UKWfolgt beschrieben: „Eine muntere Mischung aus Rock und Reggae, Disco und Pop. Sie ist geprägt von AFN-Radioklängen“. Der Erfolg war gigantisch. Mit den ersten drei Singles schafften UKW Platz 1, 2 und 3 der ZDF-Hitparade. Sie gewannen einen NDW-BRAVO-Sonder-Otto und traten in der ZDF-Show „Rock Pop in Concert“ live in der Dortmunder Westfalenhalle auf. Was viele nicht wissen: JIM RAKETE war damals als Covergestalter, Fotograf und Ideenlieferant des Albums „Ultrakurzwelle“ mit an Bord.

 

Top-20-Hit „Ich will!“

Im Herbst 1982 konnten PETER HUBERT und UKW noch einmal mit einem weiteren Top-20-Hit nachlegen, der ebenfalls sehr „schlageresk“ war: „Ich will!“ – ein typischer Gute-Laune-Party-Song der damaligen Zeit, produziert von MATTIAS HÄRTL, der später große Hits der „ÄRZTE“ produziert hat (z. B. „Zu spät“, „Claudia hat nen Schäferhund“ und „Roter Minirock“). Auf „My Star“ wurde allerdings offensichtlich NICHT die Original-Single-Version verkoppelt.

Hattrick komplett

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Und da aller guten Dinge Drei sind, landete die UKW-Band noch einen dritten Hit in den Single-Charts – auch der Song schaffte es in die ZDF-Hitparade – Trompeten-Intro inklusive: „Hey Matrosen“. Die textliche Aussage dieses Songs war ähnlich wie die der beiden Vorgänger: Sorgloser Spaß sollte verbreitet werden. Wobei im Nachhinein die Textzeile „Bald ist es vorbei“ so klingt, als hätten die Jungs um PETER HUBERT schon eine böse Vorahnung gehabt, wie sich die Karriere der Band weiterentwickelte.

Fünf weitere Songs aus dem Album „Ultrakurzwelle“

Aus dem Debutalbum „Ultrakurzwelle“ (1982), das sich übrigens 19 Wochen in den Albumcharts hielt, finden sich die Songs „Wenn sie nicht so groß wär‘“, „Verklemmt“, „UKW“ (B-Seite von „Sommersprossen“), „Tanzen geh’n“ (B-Seite der Debutsingle „Bleib doch bei mir“) und „Kalt“ auf dem Sampler. Bis heute aktuell ist gerade der Song „Verklemmt“, in dem ein Mann beschrieben wird, der alles anstößig findet und nur zu gerne bei dieser „wilden Schweinerei“ dabei wäre. Live wurden die Songs 1982 zwischen dem 17. April und 23. Mai im Rahmen einer Tour präsentiert.

Zwei weitere  Songs aus „Alles klar“

Das zweite (und letzte) UKW-Album hieß „Alles klar“ und erschien im Jahr 1983. Aus dieser LP schafften es die Songs „Das Medium“ (B-Seite von „Hey Matrosen“) und der Titelsong „Alles klar“ auf die „My Star“-CD. Vom 22. April bis zum 15. Mai ging es damit noch einmal auf Tour.

Erneut damals nicht veröffentlichte letzte UKW-Songs verkoppelt

Mit „Ein Schritt zu viel“ und „Glaubst du, ich warte“ beinhaltet der Silberling zwei lt. Booklet 1984 produzierte Songs, die kurz vor der UKW-Auflösung produziert, aber vor 1996 nie veröffentlicht wurden – diese Titel wurden nun erneut von DA Music „ausgebuddelt“.

PETER HUBERT – Erstes Soloprojekt scheitert

Die Bandmitglieder PEER GERLACH und THOMAS SCHÜTZE beschlossen in der Zeit damals, auszusteigen – daraufhin wurde die Auflösung der Band miteinander vereinbart, die schon im September 1983 bei der Berliner Funkausstellung verkündet wurde. PETER HUBERT wollte es mit einer Solokarriere versuchen – und das, obwohl eigentlich noch ein Plattenvertrag bestand. 1985 veröffentlichte PETER HUBERT den Song „Jetzt oder nie“ – der als „Demo-Version“ verkoppelte Song schaffte es aber nicht in die Hitparaden. Dafür war der Pressetext schon imposant: „Mit scharf gesetzten Akzenten treibt hier treibt hier eine dynamische Rhythmussektion die Melodie vor sich her. Daneben behauptet sich eine bildhafte Sprache, die Optimismus ausstrahlt und ansteckt.“ Die Aufnahmen entstanden damals im Münchner Musiclandstudio, es wirkten prominente Musiker wie LOTHAR MEID und HANS MENZEL mit. Allerdings wurde das Solo-Projekt kurz danach zunächst auch wieder begraben.

Übrigens – die anderen UKW-Mitglieder zogen sich recht stark zurück. ANDREAS KOCH betätigte sich noch in der Band des Musikers KIM MERZ. ANDREAS SCHWARZ-RUSZCZYNSKI landete 1987 mit „Holiday“ einen Hit, seitdem ist auch von ihm nicht mehr viel zu hören.

Bislang unveröffentlichter Titel

1996 veröffentlichte PETER HUBERT als „Huppertz“ die EP „So verliebt“. Außer dem Titelsong finden sich auf „My Star“ die drauf enthaltenen Songs „Was soll das Leben dir geben“ und „Wenn das der Papst wüsste“. Ein besonderes Schmankerl ist der Song „Ich brech dein Herz“, der bislang noch nie veröffentlicht wurde.

NDW goes NDD und Reggae

Im Rave-Zeitalter Mitte der 1990er Jahre musste 1995 natürlich auch eine Rave-Version der „Sommersprossen“ her. Die wurde von einem Projekt namens „MITTELWELLE feat. PETER HUPPERTZ“ produziert und auf dem Sampler „Neuer Deutscher Dancefloor“ veröffentlicht und ist nun auf der DA-Music-„Best Of“ von UKW enthalten. Auch 2011 wurden die „Sommersprossen“ neu belebt – von einem Projekt namens FM feat. P. H. Gemeinsam mit dem Reggaekünstler DOC ROB entstand der Remix im Reggae-Sound.

Etwas verspäteter Klopapier-Song

Leider etwas verspätet wurde der brandneue Song „Klopapier is out of town“ mit auf die CD genommen – ebenfalls im Reggae-Stil wird die traurige Abwesenheit des lebensnotwendigen Klopapiers beklagt. Zum Glück ist das Thema inzwischen ja überholt…

Fazit: Gelungener Sampler

Mit 22 Songs ist die „My Star“-CD prall gefüllt. NDW-Fans und -Historiker werden ihre Freude an dem Sampler haben, weil ja sogar zwei bislang nie erhältliche Titel enthalten sind und auch teils seltene Songs zu hören sind. Der Querschnitt der UKW- und Peter Hubert-Aufnahmen ist gut gewählt. Lediglich das Booklet hätte etwas opulenter ausfallen dürfen…

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