Die Roy Black Story – Teil 9: Rückkehr zu Polydor und Herz-OP Kommentare deaktiviert für Die Roy Black Story – Teil 9: Rückkehr zu Polydor und Herz-OP

Black

Berufliches Comeback bei Polydor, privat Scheidung von Silke

Im Frühjahr 1985 gelang der Coup, die „Rückkehr des verlorenen Sohns“ zu feiern – Roy unterschrieb wieder bei seiner alten Plattenfirma Polydor und verhielt sich damit anders als Kollegen wie Ted Herold. Der nahm der Hamburger Plattenfirma sehr übel, dass sie ihn nach langjähriger Vertragslaufzeit hat fallen lassen und willigte nicht in einen neuen Deal ein. – Als Produzent wurde Jürgen Kramer, der sich damals als Produzent Tommy Steiners einen Namen gemacht hatte, engagiert. Der heuerte mit den seinerzeit sehr angesagten Candy de Rouge an (- der schrieb u. a. Hits für Jennifer Rush) und komponierte den schönen Schlager „Mona“, zu dem Irma Holder den Text schrieb. Die Single erschien im Mai 1985. Über vier Jahre nach seinem letzten Auftritt in Berlin stellte Roy den Titel in der inzwischen von Viktor Worms moderierten ZDF-Hitparade vor. Dort bekam er übrigens bereits im Januar ein Forum – in Viktors erster Sendung, indem er zu den damals kursierenden Alkohol-Gerüchten Stellung bezog. Seinen neuen Schlager präsentierte Roy auch in den „Montagsmalern“, der „Schaubude“, im WWF-Club und in Wim Thoelkes Rateshow „Der große Preis“, so dass man durchaus von einem weiteren kleinen Comeback sprechen kann. Der Name „Mona“ war Roy in damaliger Zeit vermutlich lieber als der Name „Silke“ – am 26. November 1985 wurde die Ehe mit seiner ersten Frau geschieden.

Erfolg „In Japan geht die Sonne auf“

Mit dem gleichen Team wurde die Nachfolge-Single „In Japan geht die Sonne auf“ (aus dem kurz darauf erschienenen ersten Album nach längerer Zeit namens „Herzblut“) produziert. Trotz der kontrovers diskutierten Frage, ob es sein kann, dass es in New York Nacht ist und gleichzeitig in Japan die Sonne aufgeht wurde der Titel erneut ein Achtungserfolg. Roy stellte den Titel am 19. März 1986 in der ZDF-Hitparade vor und präsentierte den Titel auch in den ARD-Shows „Ein Platz an der Sonne“ und „WWF-Club“. Kurios ist, dass in Sammlerkreisen unter der gleichen Bestellnummer und mit gleichem Coverfoto eine Single namens „Wo geh’n wir hin?“ kursiert. Das legt den Verdacht nahe, dass die Nummer zunächst als Lokomotiv-Song angedacht war, man sich letztlich aber für die „Japan“-Single entschieden hat.

Herz-OP nach TV-Auftritt bei Thomas Gottschalk

Wer „Hölle Hölle Hölle“ ruft, liegt beim dritten Streich aus der Produktion Jürgen Kramers falsch. „Wahnsinn“ war ein neuer von Candy de Rouge und Irma Holder geschriebener Black-Hit, den der bei einer denkwürdigen TV-Show präsentierte. Am 25. Mai 1986 trat Roy bei der von Thomas Gottschalk moderierten Show „Na sowas Extra“ auf und brach kurz nach seinem Auftritt zusammen. Sein Manager „Max“ Kaminski fuhr in zunächst in sein Herdecker Hotel, am nächsten Morgen fand er sich aber in der Intensivstation eines Hagener Krankenhaus wieder und wurde Wochen später mit einem Rettungshubschrauber in die Münchner Herzklinik gebracht, wo ihm in zwei Operationen am 18. und 24. Juni 1986 zwei neue Herzklappen eingesetzt wurden.

TV-Comeback 1987 – ebenfalls bei Thomas Gottschalk

Der Däne Tommy Seebach hatte mit der von ihm komponierten Schmuseballade „Endnu“ einen guten Erfolg. Das war wohl Grund genug für Roy Black, mal wieder einen Song zu covern. Irma Holder schrieb den Text zur Jürgen-Kramer-Produktion „Geträumt“. Nachdem er den Titel bereits in der Schaubude und im WWF-Club sang, präsentierte er den Song auch am 7. März 1987 bei „Na sowas“ und meldete sich quasi gesund bei Thomas Gottschalk zurück. Auch in der ARD-Hitparade „Goldene Eins“ wurde der Titel präsentiert. Auch für diesen Titel gab es den Bronzenen Löwen von Radio Luxemburg – Roys 13. und letzter Löwe wurde ihm am 16. Oktober 1987 verliehen.

Der zweite 1987er Schlager war wieder eine deutsche Komposition – diesmal von Detlev Reshöft, der zuvor u. a. mit G. G. Anderson und Roland Kaiser erfolgreich war und von Rudolf Müssig, der u. a. „Speelwark“ mit Hits versorgte komponiert. Den Text zur Jürgen-Kramer-Produktion „Adieu Cherie“ schrieb erneut Irma Holder. Neben den fast schon obligatorischen Stationen beim WWF-Club und in der Schaubude stellte Roy seinen Schlager auch in Wim Thoelkes „Großen Preis“ vor.

Überraschender Charts-Hit: „Bella Bella Marie“

Einen ganz anderen Weg schlug Produzent Jürgen Kramer 1988 ein. In Form eines Medleys wurden beliebte Urlaubsschlager der Vergangenheit zusammengestellt – Name der Single: „Bella Bella Marie“. Am 21. Mai 1988 stellte er die Vorab-Single seines neuen Albums „Schwarz auf Weiß“ in Kurt Felix‘ und Paolas Show „Verstehen Sie Spaß“ vor. „Es könnte alles so einfach sein“, ist man angesichts des Erfolgs zu sagen: Erstmals seit sieben Jahren ging es wieder in die Single-Charts, Roy hielt sich mit dem Potpourri 12 Wochen in den Charts.

Roys Album „Schwarz auf Weiß“ war ein weiterer Schritt nach vorne. Neben seinen neuen Schlagern waren dort auch deutsche Versionen von Welthits enthalten. Beispielsweise hat er „Only the Lonely“ seines Idols Roy(!) Orbison eingedeutscht, ebenso Albert Wests „Ginny Come Lately“. Albert Hammonds „The Air That I Breathe“ durfte da auch nicht fehlen. Der Musikmarkt konstatierte am 15. August 1988: „Möglicherweise ist Roy Blacks neue Langspielplatte kein typisches Teenie-Produkt, aber für den Markt der über 30-jährigen für die Liebhaber der sanften Töne, die ja bekanntlich über gut die doppelte Kaufkraft der meisten anderen Konsumenten verfügen, ist ‚Schwarz auf Weiß’ sicherlich interessant.“.

Mit „Kein Morgen danach“ wollte man offensichtlich eine anspruchsvolle Auskopplung aus dem neuen Album präsentieren. Wenngleich der von Norbert Endlich, Holger Flesch, Andreas Bärtels und Christian Heilburg geschriebene Titel bei Kritikern sehr gut wegkommt, wurde der Titel (vielleicht auch wegen mangelnder Promotion) nicht so erfolgreich wie das Italienschlager-Medley. Immerhin: Im Oktober 1988 erreichte Roy mit seinem Titel Platz 3 der neuen von Jürgen Drews moderierten ARD-Schlagerparade.

Letzte Single bei Polydor: „Rosen ohne Dornen“

Als letzte Single des „Schwarz auf Weiß“-Albums wurde ein Schlager ausgekoppelt, den ursprünglich Gitte auf ihrer 1977er LP „Regenbogen“ veröffentlicht hatte. Der anspruchsvolle von Gerd Müller-Schwanke und Detlev Petersen geschriebene Titel „Rosen ohne Dornen“ war die letzte (Promo-)Single, die bei Polydor veröffentlicht wurde – der Vertrag wurde nicht verlängert. Den Titel stellte Roy u. a. bei der 100. Ausgabe der Klamauk-Talkshow „Dall-As“ vor. Am 30. April 1989 war er damit auf Platz 1 der deutschen Schlagerparade. Für die ZDF-Hitparade wurde er nach damaligem Modus zwar vorgestellt (Motto „Vier aus Acht“), schaffte es aber nicht in die Sendung. Kurios: Den Titel seiner letzten Polydor-Single sang Roy Black genau am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, in Wim Thoelkes „Großen Preis“.

 

 

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REX GILDO zum 85. Geburtstag: Die große Schlagerprofis-Biografie 0

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Inhaltsverzeichnis

Am 02.07.1936 wurde unter dem Namen LUDWIG FRANZ HIRTREITER in Straubing (in der Nähe des Bayerischen Waldes) um 10:15 Uhr ein Kind als jüngstes von fünf Geschwistern geboren, das später als REX GILDO große Karriere machen würde (in vielen Biografien ist das falsche Geburtsjahr „1939“ zu finden – nicht nur diesbezüglich wurde in offiziellen Lebensläufen des Sängers „etwas“ geschummelt).

Sein Vater LUDWIG war Postschaffner (oft wird auch „Handelsvertreter“ und ähnliches angegeben), seine Mutter KATHARINA (Hausfrau) hatte der Legende nach den Wunsch, Opernsängerin zu werden, wurde dies aber doch nicht mit Rücksichtnahme auf ihren Ehemann. Sie verstarb an Multipler Sklerose, als ihr jüngster Sohn 11 Jahre alt war.

Kein Mitglied der REGENSBURGER DOMSPATZEN

Bereits früh wurde das Talent des Jungen erkannt – der zu Lebzeiten behauptete Punkt im Lebenslauf, er habe bei den REGENSBURGER DOMSPATZEN mitgesungen, stellte sich posthum allerdings als erfunden heraus (- so wurde es Jahre später zumindest in der ARD-Dokumentation „Legenden“ dargestellt -). Erst 1981 sang REX GILDO mit dem Chor in seiner TV-Show.

Unwidersprochen bis heute ist, dass er die Volksschule Sankt Jakob und später die Handelsschule besuchte (mit dem Ziel, einen kaufmännischen Beruf zu ergreifen – zeitweise soll er im Straubinger Kaufhaus Silberbauer als Dekorateur gearbeitet haben) und über etwa fünf Jahre hinweg intensiv in Tanz, Gesang und Schauspielerei geschult wurde, was angesichts seiner imposanten Fähigkeiten durchaus glaubhaft ist.

Manager FRED MIEKLEY bedeutend in REX‘ Leben

(Wohl auch finanziell) gefördert wurde er schon in jungen Jahren von seinem Mentor und späteren Manager FRED MIEKLEY, der bis zu seinem Tode im Jahr 1988 in GILDOs Leben eine große Rolle spielen würde, offensichtlich auch der wichtigste Mensch in REX‘ Leben war, obgleich REX ihn als seinen Onkel ausgab. Widerlegt werden konnte hingegen seine zu Lebzeiten vorgebrachte Behauptung, er habe an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule Schauspielunterricht gehabt.

Karrierestart als Schauspieler („ALEXANDER GILDO“)

Seine Karriere startete REX GILDO als Schauspieler. Er drehte ca. 30 Spielfilme und stand in verschiedensten Rollen auf unzähligen Bühnenbrettern. Los ging es mit Rollen als Statist und mit Nebenrollen wie 1956 die in „Peterchens Mondfahrt“ an den Münchner Kammerspielen und 1957 in „Karl der V.“, wo er einen Hofnarren spielte.

Fahrt nahm die Karriere 1958 auf, als die Managerin ADA TSCHECHOWA REX eine Rolle im Film „Immer, wenn der Tag beginnt“ vermittelte. Für diesen Film an der Seite von RUTH LEUWERIK wurde aus LUDWIG FRANZ HIRTREITER „ALEXANDER GILDO“.

Möglicherweise führte dieser ursprünglich verwendete Vorname dazu, dass zu Lebzeiten fälschlicherweise in fast allen Biografien zu Lebzeiten der bürgerliche Name LUDWIG ALEXANDER HIRTREITER zu finden ist. In dem Film spielt REX GILDO einen Klarinettenspieler im Orchester von FRANZ GROTHE – u. a. ist dort dessen berühmter „Mitternachts-Blues“ zu hören.

Durchbruch mit Film „Hula Hoop Conny“

Den Durchbruch schaffte „ALEXANDER GILDO“ mit dem im gleichen Jahr gedrehte Film „Hula Hoop Conny“, in dem er an der Seite der damals sehr populären CONNY FROBOESS spielte. Premiere des Kinofilms war am 05.03.1959. In dieser Zeit ging er auch auf Tour mit CONNY als „Film- und Gesangspartner der CONNY“. Am Piano damals: GERHARD FROBOESS, Connys Vater. Motto: Ein Abend wie er euch gefällt, mit dabei war auch BULLY BUHLAN.

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Erste Single als „ALEXANDER GILDO“

Ebenfalls 1958 wurde der Nachwuchsschauspieler von KURT FELTZ zum Vorsingen eingeladen. Der damals sehr umtriebige Schlager-Produzent nahm mit ihm am 03.12.1958 eine von ihm im Gespann mit HEINZ GIETZ geschriebene Nummer namens „Cafeteria Santa Lucia“ auf. Das Lied erschien bei Polydor, als Interpret wurde „ALEXANDER GILDO“ vermerkt – der Erfolg war übersichtlich.

Übrigens – die allererste Aufnahme von REX entstand einen Tag zuvor – „Babett“ wurde am 02.12.1958 aufgenommen.

Entstehungsgeschichte des Künstlernamens „GILDO“

Den Vornamen ALEXANDER mochte LUDWIG damals, deshalb hat er ihn sich ausgesucht. Die Geschichte des Nachnamens ist interessant. Die Oma hieß mit Nachnamen „GILDOW“. Das „W“ wurde entfernt – und schon war der Künstler-Nachname gefunden. Der Vorname ALEXANDER schien damals zu lang, folglich einigte man sich dann auf REX.

KURT FELTZ wollte REX damals auf den seinerzeit modernen „Stottergesang“ a la PAUL ANKA und ELVIS PRESLEY „trimmen“. Das Debut war zwar ein Reinfall, aber der Produzent NILS NOBACH wurde auf Rex aufmerksam und band REX an sich.

Zusammenarbeit mit NILS NOBACH

Noch im gleichen Jahr versuchte er es mit einer neuen Schallplattenfirma, der Electrola, Fuß zu fassen – die vom damals sehr populären Rundfunkmoderator CAMILLO FELGEN getextete deutsche Version des RANDY-STARR-Hits „Count On Me“ – „Rexy zähl auf mich“ war bestenfalls ein Achtungserfolg. Erstmals wurde aber eine Schallplatte unter dem Namen „REX GILDO“ veröffentlicht.

Mit „Lass mich geh‘n“ wurde ein weiterer Cover-Song ausgewählt (Original „Turn Me Loose“). Die erste Duett-Schallplatte mit REX GILDO nahm im Jahre 1960 mit seiner damaligen Filmpartnerin CONNY FROBOESS auf: „Sag mir, was Du denkst“ war ein Song von WERNER SCHARFENBERGER aus dem Film „Conny und Peter machen Musik“.

GITTE und REX mit erfolgreichem Duett

„Peter“ war in dem Fall PETER KRAUS, der bei Polydor unter Vertrag stand – CONNY hingegen bei Electrola. Das Original-Duett wurde ergo nicht auf Tonträger veröffentlicht, sondern die Version der beiden Electrola-Kollegen REX und GITTE, die sich sehr gut verstanden. Auch CORNELIAs Vater war sehr mit der Verbindung zu REX GILDO einverstanden, so dass das am 15.12.1959 bei NILS NOBACH aufgenommene Duett „Yes My Darling“ als B-Seite von CONNYs damaligem Hit „Lippenstift am Jacket“ wurde.

Erste Solo-Erfolge mit Coversongs

Seinen ersten Solo-Hit hatte REX GILDO Anfang 1960 mit dem Song „Sieben Wochen nach Bombay“, erneut eine Cover-Version (Original LLOYD PRICE – I’m Gonna Get Married). Entscheidenden Anteil am Erfolg dürfte aber auch die andere Seite der Single gehabt haben – „Denk an mich in der Ferne“ war die deutsche Version des PAUL-ANKA-Hits „Put Your Head On My Shoulder“.

Die Hit-Maschinerie des Rex Gildo begann langsam, Schwung aufzunehmen. Die nächste Single war keine Cover-Version, sondern ein von CHARLY NIESSEN und „PETER STRÖM“ geschriebener Song namens „…und dann fuhren sie wieder nach Jamaika“, der stark an den HANK-WILLIAMS-Klassiker „Jambalaya“ erinnert. Den Song sang REX auch im Film „Meine Nichte tut das nicht“.

Grand-Prix-Vorentscheid mit ANGELE DURAND

PETER STRÖM war ein Pseudonym für NILS NOBACH, der damals Produktionsleiter bei Electrola war und wohl den Kontakt zu dieser Plattenfirma hergestellt hat. NOBACH war damals der Ehemann der Chansonsängerin und Diva ANGELE DURAND, mit der REX GILDO am 06.02.1960 unter dem Titel „Schlagerparade“ an der Vorentscheidung zum Grand Prix 1960 mit dem Titel „Abitur der Liebe“ von GERHARD JUSSENHOVEN teilnahm.

Es reichte nicht für einen Platz auf dem Siegertreppchen – die Vorentscheidung gewonnen hatte damals WYN HOOP, „nur“ Zweite wurde HEIDI BRÜHL, deren Song „Wir wollen niemals auseinandergehen“ im Gegensatz zum Siegersong ein großer kommerzieller Erfolg war.

Top-10-Erfolge erneut mit Coverversionen

Mit dem PETER-KRAUS-Cover „Va Bene“ gelang REX GILDO erneut der Sprung in die Hitparaden, und mit „Das Ende der Liebe“, einer deutschen Version des Hits „Tell Laura I Love Her“ gelang erstmals sogar eine „eigene“ Top-10-Notiz in den deutschen Charts.

Auch die nächsten Schlager wurden Hits, ohne dass der ganz große Wurf gelang, als da 1961 wären „Hast Du alles vergessen?“, die deutsche Version des Hits „Will You Stilll Love Me Tomorrow“ von den SHIRELLES, „Firulin“, ein weiteres Duett mit CONNY FROBOESS (deutsche Version von „Firulirulin“ von JOE SENTIERI und JENNA LUNA) und „Rosina“, ein Lied, das REX auch im Schlager-Film „Am Sonntag will mein Süßer mit mir Segeln geh’n“ intonierte.

Großer Erfolg als Musical-Darsteller in „My Fair Lady“

In dieser Zeit hegte REX GILDO aber auch ernstere Schauspiel-Ambitionen, so spielte er im Berliner „Theater des Westens“ an der Seite von KARIN HÜBNER 1962 ca. 110-mal den Freddy im Musical „My Fair Lady“. Da er zunächst anderweitig verpflichtet war, konnte er bei der Premiere allerdings noch nicht mitwirken.

Die Ende 1961 veröffentlichte Single „On the Street Where You Live (In der Straße wohnst Du)“ war dabei nicht sonderlich erfolgreich, wohl aber der Soundtrack zum Musical, der als historischer Schallplattenerfolg bezeichnet werden kann: Das Album war monatelang auf Platz eins der LP-Charts, und hielt sich dort nonstop vom 15.07.1962 bis zum 15.03.1968 – knapp sechs Jahre platzierte sich das Album in einer Zeit, als noch wirklich massiv Tonträger verkauft wurden – und REX GILDO war neben KARIN HÜBNER und PAUL HUBSCHMID einer der wesentlichen Protagonisten des Sensations-Erfolgsalbums.

Als REX GILDO aufgrund vertraglicher Verpflichtungen vorzeitig nach ca. 110 Vorstellungen seine Rolle aufgab, wurde ihm von einer Zeitung unterstellt, er sei wegen schlechter Leistungen gefeuert worden. Hintergrund war ein geplatztes Interview mit dem Blatt – der Journalist wollte sich „auf seine Weise“ rächen, hatte aber die Rechnung ohne REX gemacht. Der verklagte das Blatt und bekam Recht. Außerdem konnte sich REX GILDO (mit seinen Kolleginnen und Kollegen) über sehr gute Kritiken freuen.

Mit dem HEINZ GIETZ / HANS BRADTKE Stück „Eine Story ohne Happy End“ und der Eindeutschung des LEROY VAN DYKE-Songs „Walk On By“ („Geh nicht vorbei“) ging es zunächst eher unspektakulär weiter.

Riesenhit „Speedy Gonzales“

Der große Durchbruch gelang mit einer kleinen Maus. Bereits 1961 lief im US-Fernsehen eine Zeichentrickserie „Speedy Gonzales“ über das Leben einer kleinen Maus, die als Figur sogar schon 1953 erschaffen wurde. Die Erkennungsmelodie wurde erfolglos auf Schallplatte veröffentlicht. Erst, als der in den Staaten damals sehr populäre PAT BOONE sich des Songs annahm, wurde in den USA daraus ein Hit.

Wie es damals üblich war, wurde dazu eine deutsche Version ersonnen – den Zuschlag bekamen die deutschen Textdichter ALEXANDER GORDAN (bürgerlich JOACHIM GORONCY, der später als DETLEV selber Platten aufnahm,) und CHARLES GERARD (bürgerlich GERHARD HÄMMERLING). Mit seiner noch temporeicheren deutschen Version als der von PAT BOONE schaffte REX GILDO seinen ersten Nummer-Eins-Hit in Deutschland.

Interessanterweise kam die zugehörige Zeichentrick-Figur erst zehn Jahre später, 1972, im Rahmen der Serie „Schweinchen Dick“ ins Fernsehen als „die schnellste Maus von Mexiko“ – offensichtlich hatte REX GILDO schon immer eine Affinität zu diesem Land. Der witzig gestaltete opernhafte Gesang während des Liedes wurde in ähnlicher Form manchmal erneut in der Popmusik aufgegriffen, beispielsweise in ELTON JOHNs „Crocodile Rock“.

Nachfolge-Song erneut mit Mexiko-Bezug

Der Nachfolge-Hit war nach längerer Zeit kein Cover, sondern eine von HEINZ GIETZ und HANS BRADTKE erdachte Slapstick-Nummer: „Maddalena“ spielte wie die Vorgänger-Single in Mexiko und war leicht frivol angehaucht: „Maddalena, wann fängt die Nacht der Nächte an?“ – ganz offensichtlich wollte man den Schwung des Vorgänger-Songs noch etwas erhalten, was in dem Fall leidlich gut gelang – erneut kam ein GILDO-Song in die Top-5 der deutschen Verkaufshitparade.

Bemerkenswerte Eindeutschung eines Grand-Prix-Erfolgs

Nachdem REX mit zwei Mexiko-Songs einen Erfolg landen konnte, hatte man wohl vorerst(!) damit genug und wechselte die Masche. Im Jahr 1963 hatte der Grand Prix Eurovision noch eine Bedeutung. Sehr viele Hits gingen aus ihm hervor. So wurde in jenem Jahr England von RONNIE CARROLL mit dem Lied „Say Wonderful Things To Me“ vertreten – bei der Eurovision reichte es für einen vierten Platz.

Und auch für REX GILDO sprang ein vierter Platz heraus – das war seine bemerkenswerte Höchstplatzierung in den deutschen Verkaufscharts mit seiner eingedeutschten Version des Liedes, „Zwei blaue Vergissmeinnicht“ (deutscher Text: KURT FELTZ). Für die Interpretation dieses Liedes erhielt er den Silbernen Löwen von Radio Luxemburg.

Berufliche Trennung von CONNY

Im Anschluss wurde erneut ein Duett-Titel veröffentlicht. U. a. wegen der Berichterstattung, die beiden seien ein Paar, wollte CONNY FROBOESS keine weiteren Veröffentlichungen mit REX herausbringen. In der TV-Sendung „Legenden“ betonte sie später, dass es auch ein Problem war, dass REX GILDO weiterhin in der „leichten Muse“ kommerziell erfolgreich sein wollte, während sie selber sich mehr dem ernsten Fach widmen wollte.

 Neuanfang mit GITTE

Als neue Duett-Partnerin entschied man sich für GITTE, die gerade furios die deutschen Schlagerfestspiele mit „Ich will ‘nen Cowboy als Mann“ gewonnen hatte. Beim NDR war man so begeistert, dass man gleich eine ganze TV-Show mit Gitte machen wollte und überlegte sich, wer dieser Partner werden könnte.

Die Wahl fiel auf REX GILDO – und in der ARD-Show „Kein Tag ohne Musik – Ein Rendezvous mit Gitte und Rex“ wird u. a. ein Schlager von HEINZ GIETZ und KURT FELTZ präsentiert: „Vom Stadtpark die Laternen“. Die gleichnamige Single schoss auf Platz 1 der deutschen Verkaufs-Hitparade. Dafür gab es den Goldenen Löwen von Radio Luxemburg. (Gleichzeitig erhielt GITTE sogar noch den Silbernen Löwen für ihren Cowboy-Song).

GITTE und REX wurden fortan als „Traumpaar des deutschen Schlagers“ gehandelt. Viele weitere große Erfolge wurden produziert: „Zwei auf einer Bank“, „Jetzt dreht die Welt sich nur um Dich“ (3. Platz der deutschen Schlagerfestspiele 1964), „Hokuspokus“ (1964), „Dein Glück ist mein Glück“ (1965), „Süß wie Schokolade“ und „Sweet Hawaii / Schau mich an“ waren allesamt Verkaufs-Erfolge.

Dennoch wurde zum Leidwesen vieler Fans Anfang 1966 bekannt gegeben: „REX GILDO und GITTE HAENNING wollen in Zukunft nicht mehr gemeinsam vor dem Mikrofon stehen“. GITTE und REX waren wohl zu unterschiedlich, so dass sowohl privat als auch beruflich Schluss gemacht wurde. Der letzte Song „Schau mich an“ wurde am 28. Juni 1965 noch aus vertraglichen Gründen produziert, danach wurde die Trennung bekannt gegeben.

Weitere Erfolge als Solokünstler

Auch solo lief es in jenen Jahren rund für Sexy Rexy: Gleich mit dem „Laternen-Nachfolgelied“ landete er einen großen Hit: Aus ELVIS PRESLEYs Song „Devil In Disguise“ wurde 1963 „Liebe kälter als Eis“ – wie so oft hatte die deutsche Version mit dem Original inhaltlich wenig zu tun – in diesem Fall ist anzunehmen, dass buchstäblich der „Teufel“ im Detail steckte und deshalb die deutsche Version (Text: PETER BUCHENKAMP) dieses Wort nicht beinhalten sollte.

REX‘ Solo-Hits der damaligen Zeit waren recht harmlos-naiv. Die Lieder fanden sich meist in den Bestenlisten zwar wieder, aber die sich ausdehnende Beat-Masche machte Rex zu schaffen.

Dennoch gelangten zunächst alle Single-Veröffentlichungen in die Hitparaden: „Glück gehört dazu“ (1963; davon gab es sogar eine englische Version: „Look At Me Today“), „Bravo Bambina“ (1964), „Der Colt steckt immer im Pyjama“ (1964; Schlagerfan Mikel731 vertritt zu diesem Song die interessante Theorie, dass der Song eine Antwort auf das Mae-West-Zitat „Ist das eine Pistole in Deiner Hose, oder freust Du Dich nur, mich zu sehen?“ sein könnte), „Leider leider“ (1965; deutsche Version des LARRY-FINNEGAN-Hits „Dear One“) und „Wenn es sein muss, kann ich treu sein“ (1965; das Original heißt „The First Night of the Full Moon“ und stammt von JACK JONES – dessen Original war in Deutschland aber nicht ansatzweise so erfolgreich wie REX‘ deutsche Originalversion).

Nach der Trennung von GITTE verfolgte REX weiter konsequent das Ziel, im Musical- und Schauspiel-Bereich weiter Fuß zu fassen – seine von HANS BRADTKE getextete deutsche Version des Mary-Poppins-Hits „Chim Chim Cheree“ war ein Beleg dafür, die Single kam recht gut an. Der letzte Hit der Electrola-Ära war 1966 „Rosen brauchen Sonnenschein“ von HEINZ GIETZ und KURT FELTZ.

Neue Plattenfirma: Ariola

Auf Vermittlung des damaligen Ariola-Chefs „GEORGE“ EHMKE in Richtung PETER und THOMAS MEISEL (Hansa-Musik) wechselte Rex Gildo im Herbst 1966 zur Ariola und war damit einer der ersten aus einer Reihe von Stars, die zur Bertelsmann-Tochter wechselten – im gleichen Jahr unterschrieb dort PETER ALEXANDER und nur kurze Zeit später z. B. UDO JÜRGENS und MIREILLE MATHIEU. Sein Einstand war gleich erfolgreich: Für „Augen wie zwei Sterne“, die von GÜNTER LOOSE getextete deutsche Version des Hits „That’s Nice“, wurde ihm der Bronzene Löwe von Radio Luxemburg überreicht.

Es folgte auch 1967 Hit auf Hit: Mit „Ein Ring aus Gold“ (,die erste Komposition für Gildo aus der Schmiede des damals erfolgreichen, leider sehr früh verstorbenen DIETER ZIMMERMANNs), „Sommerblau“, ein Frühwerk aus der Schmiede JOACHIM HEIDERs und MICHAEL HOLMs und PETER MOESSERS „Der Mond hat seine Schuldigkeit getan“ kam er in die deutschen Hitparaden.

Nachdem mit „Comme ci comme ca“ und „Wer Dich kennt, der muss Dich lieben“ eine kleine Hit-Durststrecke überwunden werden musste, wurde er etwas progressiver und kam damit wieder in die Erfolgsspur zurück.

Teilnahme am Deutschen Schlagerwettbewerb 1968

In dem Lied „Wer das verbietet“ heißt es: „Ich küss Dich mitten in der Stadt – auch wenn uns tausend Menschen seh’n. Und wenn man was dagegen hat, dann finden wir’s noch mal so schön“ – für Rex Gildos Verhältnisse war dieser anti-repressive Text von FINI BUSCH (Musik: HENRY MAYER) schon fast revolutionär, was mit dem fünften Platz des 1968er deutschen Schlagerwettbewerbs belohnt wurde.

Gast bei der ersten ZDF-Hitparade

Ende 1968 entschloss man sich dann mal wieder, eine Cover-Version aufzunehmen. Aus dem Original der Turtles, „Sound Asleep“, wurde in Italien eine Version namens „Dondolo“ (interpretiert von I BERTAS). Angelehnt an diese italienische Version bastelte der umtriebige MICHAEL HOLM einen gleichnamigen deutschen Text. Mit diesem Schlager war REX GILDO in der allerersten Hitparade im ZDF im Januar 1969 vertreten, wo er sich mit diesem Lied mehrfach (bis auf Rang 2) platzierte und fortan Dauer-Gast war –  und erreichte nach längerer Zeit mal wieder einen Top-10-Erfolg.

Weiterer Musical-Ausflug

Davon beflügelt, versuchte er es mit seinem Lieblingsthema: Mit einer Musical-Melodie. Doch „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ aus dem gleichnamigen Kindermusical fiel beim Publikum ebenso durch wie die deutsche Version des Hits „Tout est si beau“ von SERGE PRISSET namens „Das große Spiel“ (- auch wenn er damit erfolgreich in der ZDF-Hitparade auftrat).

Misserfolg beim Vorentscheid zum Grand Prix 1969

Zu allem Überfluss fiel Rex auch bei der deutschen Vorentscheidung zum Grand Prix Eurovision 1969 durch – es war wohl nicht „Die beste Idee meines Lebens“, dort anzutreten – in der zweiten Wertungsrunde der Vorentscheidung bekam er nur null Punkte und musste sich SIW MALMKVIST geschlagen geben, die mit „Primaballerina“ siegreich war.

Erstmals Platz 1 der ZDF-Hitparade

Eine weit bessere Idee war es, den Reggae-Schlager „Love A Little Bit (Melinda)“ als Single herauszubringen. DIETER ZIMMERMANN und FRED JAY schrieben diesen Song, der REX GILDO erstmals auf Platz 1 der ZDF-Hitparade katapultierte. Er trug das Lied auch in der HEINZ-ERHARDT-Filmkomödie „Was ist denn nur mit Willy los?“ vor.

Danach produzierte er Anfang der 70er Jahre wieder regelmäßig gut laufende Hits am Fließband wie die beiden ebenfalls vom Gespann ZIMMERMANN / JAY geschriebenen „Keine Macht auf Erden“ (1970) und „Hast Du Angst vor der Liebe“ (1970). Südländisch wurde es wieder mit der deutschen Version von PERETs spanischem Hit „Borriquito“ (1971, Text: FRED JAY und MICHAEL HOLM).

Ein recht erfolgreicher Top-15-Hit war im Sommer 1971 die deutsche Version eines Michel-Sardou-Erfolgs – aus „Mourir de plaisir“ machte HANS-ULRICH WEIGEL „Memories“, ein Lied, das REX GILDO persönlich besonders gut gefallen hatte.

REX als Textdichter

Die deutsche Version des „Butterfly Waltz‘“, „Tausend und eine Nacht“, weist die Besonderheit auf, dass es eine der wenigen Singles ist, bei denen REX GILDO auch als Mit-Autor angegeben wird: Den deutschen Text zu diesem Wiener Walzer schrieb er höchstselbst – der Erfolg fiel aber eher bescheiden aus. Die letzten THOMAS-MEISEL-Produktionen waren die auf einer Single enthaltenen Stücke „Dunja“, ein Frühwerk JEAN FRANKFURTERs (unter dem Namen BEN JURIS) mit einem Text von PETER ORLOFF und „Darling“ (erneut getextet von REX GILDO).

Neuer Produzent: RALPH SIEGEL

Nachdem REX GILDO zwar erfolgreich im Geschäft war, der „ganz große Hit“ aber seit längerer Zeit nicht mehr gelang, wechselte erneut den Produzenten: Auf HEINZ GIETZ und THOMAS MEISEL folgte 1972 der damals recht junge RALPH SIEGEL.

Hit seines Lebens: „Fiesta Mexicana“

Gleich die erste gemeinsame Produktion wurde ein gigantischer Erfolg und kann als größter Hit überhaupt von REX GILDO angesehen werden – auch wenn „Fiesta Mexicana“ „nur“ bis auf Platz 5 der Charts kam – der von MICHAEL HOLM getextete SIEGEL-Song mit dem Schlachtruf „Hossa!“ ist bis heute Kult.

Mit diesem Lied wurde GILDO fortan bis an sein Lebensende identifiziert, was Fluch und Segen war – einerseits gab es einen enormen Popularitätsschub, andrerseits war die Identifikation damit bis ins Alter eine spürbare Belastung für einen Sänger, der sich eher als Musical-Darsteller verstand und damit haderte, immer nur mit „Hossa“ identifiziert zu werden.

Auszeichnungen für „Fiesta Mexicana“

Der Song war derart erfolgreich, dass er dafür sogar vom Mexikanischen Botschafter DR. CASELLAS einen „Sombrero-Charro“, einen Ehrensombrero, überreicht bekam. Immerhin hatte er mit „Speedy Gonzales“ und „Maddalena“ auch schon das Thema Mexiko in seinen Schlagern erfolgreich transportiert. Später wurde er sogar zum Ehrenbürger Mexikos ernannt.

Damals, im Mai 1973, trat er auch in der Show des in Mexiko populären MANUEL „LOCO“ VALDEZ auf. Er sang „Fiesta Mexicana“ auf Spanisch und auch den Song „Mit gebundenen Händen“ („Ya no siento tus manos“) in spanischer Sprache.

Aber auch in Österreich kam er an, so erhielt er am 29. Mai 1973 das „Stadtsiegel der Stadt Salzburg“ als Vorbild der Jugend in Sachen sozialen Engagements. Die Rede war damals von REX GILDO als „Leitbild für die Jugend in einer Zeit, da solche Leitbilder selten werden“ – so hieß es in der Ehrungsurkunde. Bei diesem Event stellte REX auch erstmals seine spätere Frau MARION der Öffentlichkeit vor.

Mit der SIEGEL-Nummer „Hasta la Vista (schönes Mädchen, weine nicht)“ wollte man im Sommer 1973 erneut auf der Südamerika-Welle reiten, was aber nur bedingt gelang. Das Lied sang REX GILDO auch im Kinofilm „Unsere Tante ist das Letzte“. Melancholischer ging es mit den Abschieds-Schlagern „Der Sommer ist vorbei“ (Text: Rex Gildo, aus dem Album „Verliebt…“) und „Mary-Ann Goodbye“ weiter.

Internationaler Erfolg

In dieser Zeit war Sexy Rexy auch international erfolgreich, so wurde er von „Radio Maritim“ zum beliebtesten ausländischen Sänger des Jahres 1973 in Spanien gewählt (er erhielt einen wertvollen Kristall, in dem verschiedene Tiere und Pflanzen des Mittelmeers eingeschmolzen sind) und absolvierte im Rahmen einer Japan-Tournee 28 Konzerte (dort veröffentlichte er auch eine Single auf Japanisch) und produzierte einen TV-Film über Mexiko.

Allerdings musste er auch mit einem Schicksalsschlag fertig werden: Sein Vater LUDWIG HIRTREITER verstarb im Alter von 75 Jahren.

Lieblingslied: „Marie, der letzte Tanz ist nur für dich“

Im Herbst 1974 lief es auch national wieder rund – Ralph Siegel schrieb REX einen weiteren Super-Hit auf den Leib: „Marie, der letzte Tanz ist nur für Dich“ avancierte erneut zum Top-10-Hit in Deutschland und war sogar in Österreich ein Top-20-Erfolg. Erneut bewies MICHAEL HOLM als Textdichter ein goldenes Händchen. REX GILDO bezeichnete dieses Lied als Lieblingslied aus seinem Repertoire. – Seine Art kam aber nicht nur beim Publikum an.

Auch bei der Fachpresse beliebt

So wurde ihm 1974 von einer Jury aus Fach-Show-Journalisten eine Rose für „Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und gute Zusammenarbeit“ überreicht. Dieser „Sympathiepreis der deutschen Presse“ scheint verdient zu sein – beispielsweise erinnert sich der frühere Bravo-Fotograf DIDI ZILL wie folgt:

Mehr als hundertmal habe ich Rex Gildo getroffen, aber ich habe nicht ein einziges Mal erlebt, dass er schlecht gelaunt war. Extrem höflich und freundlich im Umgang mit Menschen, die er nicht kannte – ein wahrer Gentleman“. Mit seinem „Marie“-Song gelang REX GILDO das Kunststück, zum vierten Mal in Folge mit einem Hitparaden-Song drei Mal dabei gewesen zu sein.

Dann kam 1975 der Anschluss-Song an diesen Hit, der als Zwischenstation zwischen mehreren Super-Hits angesehen werden kann: Die SIEGELNummer „Schließ die Augen, wenn Du glücklich bist“ war nur kurz im Mai 1975 in der Bestenliste, die (lt. DIETER THOMAS HECK) „Anti-Autofahrer-Nummer“ befand sich aber auf dem äußerst erfolgreichen Ariola Hit-Sampler „Super 20 Super Neu“.

Im Herbst 1975 gab es dafür wieder einen großen Erfolg – im Zeitalter des „Griechischen Weins“ und von Stars wie COSTA CORDALIS, VICKY LEANDROS, DEMIS ROUSSOS und NANA MOUSKOURI durfte es wohl auch für Rex mal griechisch werden: „Der letzte Sirtaki“ war ein Top-10-Hit, der „mal wieder“ dreimal in der ZDF-Hitparade zu hören war. „Komm, Melina, tanz mit mir“ heißt es in dem Stück – nachdem der letzte Tanz „Marie“ galt, war der letzte Sirtaki demnach „Melina“ vorbehalten.

Hochzeit mit „MARION“

Auf diesem Höhepunkt der Karriere heiratete er seine Cousine „MARION“ (so wurde ihr Name immer angegeben) am 31.07.1975 in Lausanne (Schweiz). Seine Ehefrau hieß bürgerlich allerdings – wie sich posthum herausstellte – nicht MARION, sondern MARGOT ANNELIESE MARGARETA HIRTREITER. Er lernte sie bereits 1963 kennen, „zarte Bande“ wurde aber später geknüpft.H

Beflügelt von der Vielzahl der vergangenen Erfolge wurde im März 1976 ein weiterer Fünf-Jahres-Vertrag mit der Plattenfirma Ariola abgeschlossen.

Ein Frühwerk des später weltweit erfolgreichen HAROLD FALTERMEYERs markierte den Start in das Jahr 1976. Dem Stück „Tu es noch einmal“ wurde aber nicht viel Beachtung geschenkt, weil nur wenige Wochen später eine weitere Single veröffentlicht wurde. Nachdem GILDO schon 1963 großen Erfolg mit der Eindeutschung eines britischen Eurovisions-Hits hatte, gelang das auch 1976 wieder:

Erneut Eindeutschung eines Eurovisions-Hits

Küsse von Dir“, die deutsche Version des englischen Grand-Prix-Siegertitels „Save Your Kisses For Me“, schlug ein – vielleicht auch deswegen, weil Gildo voll hinter dem Song stand, so gab er damals zu Protokoll: „Ich habe schon lange vor dem Grand Prix meiner Firma gesagt, dass ich diesen Titel aufnehmen möchte, selbst wenn er ganz abgeschlagen hinten landen würde“. 

Schlager mit autobiografischem Bezug?

Was REX nicht ahnte: Mit diesem Lied hat er seinen vorerst letzten Hit landen können.  Im zweiten Halbjahr konnte er seine Fans weder mit der volkstümlichen LP „So klingt’s mit Rex“ noch mit seinem Schlager „Ein Fest für Luzifers Freunde“ überzeugen.

Hier ist übrigens die B-Seite bemerkenswert: Das von GEORGE MOSLENER komponierte und produzierte Lied „Heut mach ich Hochzeit mit Marie“ wurde von REX GILDO getextet. Darin heißt es: „Die Familie ist dagegen. Das sei keine Frau für mich. Ich soll mir’s noch überlegen. Sagen sie: wir woll’n sie nicht. Ich hab’s trotzdem durchgesetzt: Heut ist unser Hochzeitsfest!“. – Ein bemerkenswerter Text angesichts dessen, dass REX’ Familie mit seiner Hochzeit nicht einverstanden war.

Man zog Konsequenzen – im Jahr 1977 ließ REX GILDO seine Lieder von RAINER PIETSCH produzieren, man kam mal wieder auf die südamerikanische Schiene – aber diesmal zog die Masche nicht mehr. Alle Lieder des damaligen GILDO-Schlagerjahrgangs fielen durch – weder mit „E Viva el Amor“ noch mit „Amigo, trink aus!“, einem erneuten Abklatsch von UDO JÜRGENS‘ „Griechischer Wein“ noch mit „Hochzeit in Athen“ (Text: MICHAEL HOLM) war ein Blumentopf zu gewinnen.

Deutsche Originalversion von „Love Is In the Air“

Nach längerer Zeit probierte man es Anfang 1978 daher wieder mit der Lieblings-Masche der damaligen Schlager-Schaffenden, einer Cover-Version. „Love Is In the Air“ war international ein Riesen-Hit, die von ANTHONY MONN für Rex Gildo produzierte gleichnamige deutsche Version hingegen kam nicht an. Vielleicht hätte ein Auftritt in der ZDF-Hitparade geholfen, aber die hatte gerade ihren Modus umgestellt, dass nur die bestverkaufenden Künstler dort auftreten dürfen, und das war in jener Zeit nun mal bei REX nicht der Fall.

Neuer Produzent NICK MUNRO

Als nächster Produzent wurde NICK MUNRO, der zuvor mit VICKY LEANDROS und später mit ROGER WHITTAKER große Erfolge erzielt hatte, berufen. Man probierte es zunächst mit einem typischen Schlager: „Die Liebe, die der Wein gemacht“ – ob das eine charmante Beschreibung von „Schönsaufen“ ist, kann man heute nur erahnen.

Abgeschlossen wurde das Jahr mit einem Lied des Jamaikaners STEVE OWEN, der auf der Single als „STEVIE BI“ – warum „Bi“, darüber kann man auch nur spekulieren. Jedenfalls war REX GILDO von dem Song „Sally, komm wieder„, der auf Englisch als „If There’s Love in His Eyes“ veröffentlicht wurde, sehr angetan. Um noch mehr frischen Wind in REX GILDOs Karriere zu bringen, wurde ihm ab 1979 ein „Presse- und Promotion-Management“ zur Verfügung gestellt; in dieser Funktion war fortan die Show-Journalistin RENATE SKUREK tätig.

Erneutes Intermezzo mit RALPH SIEGEL

1979 wurde die Zusammenarbeit mit RALPH SIEGEL wiederaufgenommen. Inspiriert von seinem Riesen-Grand-Prix-Erfolg „Dschinghis Khan“ schrieb der mit seinem Spezi BERND MEINUNGER für REX GILDO den Song „Saragossa“, der zwar stark an seinen Eurovisions-Hit erinnert, aber nicht annähernd dessen Erfolg erzielte. Mit dem fröhlichen „Holly Ho Havanna“, einer deutschen Version des gleichnamigen von JACK WHITE für MARC SEABERG geschriebenen Hits und „Feuer im Wind“ (Original: „Free As A Bird“) klangen die 70er Jahre aus.

Nachdenkliches Album „Feuer im Wind“

Zugleich wurde ebenfalls unter dem Namen „Feuer im Wind“ eine vielseitige LP veröffentlicht, auf der REX GILDO neben seinen fröhlichen Liedern auch Nachdenkliches präsentieren durfte, beispielsweise geht es im Lied „Freunde“ um die Oberflächlichkeit vieler zwischenmenschlicher Beziehungen und im Lied „Im achten Stock blüh’n keine Rosen“ um die Isolation eines Hochhaus-Bewohners. Erschreckend, wie nahe diese Lieder in gewisser Weise Jahre später wohl sein eigenes Schicksal wiederzuspiegeln scheinen.

Rückkehr in die ZDF-Hitparade

Die 80er Jahre starteten verhalten – mit „Leben so frei wie nur Kinder sind“ entschloss man sich erneut für eine Coverversion (Original: „God Bless the Children“ von LORETTA LYNN). Ende 1980 ging die Erfolgs-Kurve dann langsam wieder bergauf – nach 3-jähriger Abstinenz war Gildo wieder zu Gast in DIETER THOMAS HECKsHitparade – mal wieder mit einem Mexiko-Thema: In „La Bandida“ (Musik: RALPH SIEGEL, Text: BERND MEINUNGER) geht es um eine teuflische Mexikanerin. Ob der von einigen Schlager-Fans zitierte Begriff „Beischlaf-Diebin“ hier zutrifft, möge jeder für sich entscheiden.

Erfolgreiche Zusammenarbeit mit HANNE HALLER

1981 wurde dann wieder ein echtes GILDO-Erfolgsjahr. Nach fünfjähriger Charts-Abstinenz gelang mit dem von HANNE HALLER komponierten und produzierten „Wenn ich je Deine Liebe verlier‘“ ein Top-20-Hit – ausgerechnet in Zeiten der aufkommenden Neuen Deutschen Welle, mit dem GILDO dreimal in Hecks Hitparade auftreten durfte. Gerüchten zufolge soll der Song (ebenso wie „Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund“ von NICOLE) bei der Vorentscheidung zum Grand Prix von der „Fachjury“ abgelehnt worden sein). – So oder so begann mit dem Song so etwas wie ein vorübergehender Image-Wechsel – hin zu gehaltvolleren Texten.

Erfolgreiche TV-Show „Gestatten, REX GILDO“

Am 15.10.1981 wurde die überaus erfolgreiche ZDF-Show „Gestatten, Rex Gildo“ ausgestrahlt, bei der er die Möglichkeit hatte, selber zu moderieren. EKKEHARD BÖHMER (Regie), DIETER WEBER (Redaktion) und WOLFGANG HOFER (Buch) ließen die Show zu einem Quoten-Renner werden. Im Nachhinein ein „Geschmäckle“ hat das mit den REGENSBURGER DOMSPATZEN intonierte Lied, weil REX GILDO entgegen seinem Lebenslauf in dieser Show erstmals überhaupt mit den DOMSPATZEN gesungen habe.

Dennoch konnte REX mit dieser ZDF-Show sein ganzes Können als Entertainer präsentieren und sang sogar ELVIS-Songs – mit 40 Prozent Marktanteil erreichte man eine sehr erfreuliche Einschaltquote.

Erfolg auch in Zeiten der Neuen Deutschen Welle

Auch die beiden nächsten Produktionen HANNE HALLERs, „Lass mich Dich noch einmal spür’n“ und „Wenn Du mich brauchst“, schafften es in die Verkaufs-Bestenliste. Das ist umso bemerkenswerter, als die Singles in der Hochzeit der Neuen Deutschen Welle erschienen und kaum ein „traditioneller“ etablierter Schlagersänger in dieser Zeit solche Erfolge aufweisen konnte.

Die nächste Single, „Wenn Du nicht mehr da bist“, nahm das ZDF wörtlich – diesmal blieb die Einladung zur ZDF-Hitparade aus – ob das der Grund war, warum erstmals unter HANNE HALLERs Produktion kein Charts-Erfolg gelang?

Abermals Eindeutschung eines Grand-Prix-Hits

1983 war das wieder anders. Beim Grand Prix, der 1983 aus Deutschland ausgestrahlt wurde, fiel ein junger Jugoslawe namens DANIEL mit seinem Lied „Julie“ auf. BERND MEINUNGER schrieb dazu einen deutschen Text – und schon war der nächste Rex-Gildo-Hit geboren, mit dem er nicht nur in der ZDF-Hitparade, sondern sogar in PETER ILLMANNs ARD-Pop-Show „Formel Eins“ auftreten durfte.

Produzent JOACHIM HEIDER bringt kein Glück

Mit der Trennung von Produzentin HANNE HALLER war auch die Hit-Serie vorerst beendet. Der ansonsten überaus erfolgreiche JOACHIM HEIDER brachte REX GILDO kein Glück – auch wenn viele Fans dessen Komposition und Produktion (Text: MICHAEL KUNZE) „Und plötzlich ist es wieder da“ für überdurchschnittlich gut halten, blieb die Single in den Verkaufsregalen weitestgehend stehen. Der Werbetext der Plattenfirma passte diesmal nicht sonderlich: „Das ist der REX GILDO, wie ihn seine Fans mögen„).

Gefällige Coverversionen

Mit „Dir fehlt Liebe“, produziert von GERD GRABOWSKI alias G. G. ANDERSON, gab es wieder eine Coverversion. Während „Serenata“ von TUTO COTUGNO in italienischer Sprache ein großer Erfolg war, gab es für GILDO bestenfalls einen Achtungserfolg im Radio. Ähnliches gilt für „Rendezvous auf spanisch“ (1984; deutsche Version des ENGELBERT-Hits „The Spanish Night Is Over“) und „Mamma Mia“ (1985).

Produktion von DIETER BOHLEN letzter Song bei Ariola

 Mit der DIETER-BOHLEN(!)Produktion Du, ich lieb‘ Dich“ (deutsche Version der MODERN-TALKING-Nummer „Do You Wanna“) ging eine Ära zu Ende: Nach 20 Jahren Zusammenarbeit trennte sich die Plattenfirma Ariola von Rex Gildo. Im Gegensatz zu einigen anderen der etablierten Schlagerstars fand REX sofort eine neue Plattenfirma, bei der er fortan seine Schallplatten veröffentlichte, nämlich das Frankfurter Bellaphon-Label.

Neue Songs bei Bellaphon

Bei der Bellaphon waren seinerzeit auch DIE FLIPPERS unter Vertrag. Deren Produzenten-Team, UWE BUSSE und KARLHEINZ RUPPRICH, haben DIE FLIPPERS zu unglaublichem Erfolg verholfen. Zwischen 1986 und 1990 versuchten die beiden, auch mit REX GILDO zu neuen Höhenflügen anzusetzen, was aber misslang – sieben Singles wurden unter der Zusammenarbeit herausgebracht:

Was ist schon eine Nacht?“ (1986), „Torero“ (1986; erneut die deutsche Version des gleichnamigen ENGELBERT-Hits), „Eine Nacht in Venedig“ (1987), „Wenn Madlena weint“ (1988), „Mexikanische Nacht“ (1989; erneut versuchte man sich am Dauerbrenner-Thema „Mexiko“), „Copacabana“ (1989) und „Das alte Lied von St. Helena“ (1990). Zwischendurch wurde unter der Produktion von DETLEF RESHÖFT und RUDOLF MÜSSIG noch der Song „Für mich wirst Du ein neuer Anfang sein“ (1988) veröffentlicht. Unter dem Strich waren einige Radio-Hits dabei – ein nachhaltiger Hit ergab sich in der Bellaphon-Ära jedoch nicht.

Tod des väterlichen Freunds FRED MIEKLEY

In diese Zeit fiel auch ein entscheidender Schicksalsschlag für den Sänger: Sein langjähriger väterlicher Freund (vielfach wird auch spekuliert, es habe eine engere Beziehung zu ihm, den er als seinen „Onkel“ ausgab, gegeben) FRED MIEKLEY verstarb am 3. Mai 1988 an Nierenversagen. Wie eng die Beziehung zu diesem Mann war, lässt sich daran erkennen, dass Rex Gildo neben FRED MIEKLEY begraben wurde.

Es war keine leichte Zeit für REX, denn kurz zuvor ist 1987 auch sein Bruder SIEGFRIED, der in Hollywood ein Star-Friseur war, verstorben.

Kein Erfolg bei TELDEC

1990 gab es einen einmaligen Versuch mit der Plattenfirma Teldec, die erfolgreiche Zusammenarbeit mit HANNE HALLER und BERND MEINUNGER fortzuführen – „Darling, bei Dir ist es immer so schön“ blieb aber hinter den Erwartungen zurück.

Der Satz passt übrigens auch zu seinem Privatleben, weil GILDO sich angeblich in jenem Jahr von seiner Ehefrau getrennt hatte, ohne dass es je zur Scheidung kam. Ob das Gerücht der Trennung stimmt, lässt sich schwer belegen, weil auch in späteren Jahren immer wieder gemeinsame Fotos mit seiner Frau „MARION“ nebst Zeitungsartikeln erschienen. – Jenseits der Musik gab es für REX GILDO 1990 eine weitere schöne Auszeichnung – er wurde zum „Uhrenträger des Jahres 1990“ gewählt.

Überraschender Hit „Andrea“

1991 unterschrieb REX GILDO dann bei der damals neuen Schallplattenfirma „PILZ“. In den Niederlanden hatte er – angetrieben vom holländischen Schlagermann HARRY THOMAS – eine niederländische Single veröffentlicht, die dort recht erfolgreich lief: „Andrea“. Dessen deutsche Version, die erste Scheibe bei der neuen Firma, wurde zugleich REX GILDOs letzter Hit in der Verkaufshitparade. Zum Leidwesen einiger GILDO-Fans verfiel er wieder auf seine alte Masche – hieß es bei „Fiesta Mexicana“ noch „Hossa“, rief er bei seiner letzten Hit-Single so etwas wie „jeppa“…

Comeback als Schauspieler

Im gleichen Jahr wurde REX GILDO wieder als Schauspieler aktiv. Für eine Miniserie, die die ARD 1991 ausgestrahlt hat, stand er als einer der Hauptdarsteller des Vierteilers „Ruby“ vor der Kamera – REX spielte einen Sänger, der seine Stimme verloren hatte. Es war leider ein einmaliger zwischenzeitlicher Ausflug in die Filmwelt. Die Serie wurde nur 1-mal wiederholt und ist wohl „in der Versenkung verschwunden“.

Trotz sehr etablierter Hit-Schreiber (Text: BERND MEINUNGER; Musik: WILLY KLÜTER bzw. HANNE HALLER) gelang in der Folgezeit kein beeindruckender Hit mehr mit Liedern wie „Margarita“ (1991), „Toujours Amours“ (1992), „Unvergesslich“ (1992), „Verrückt, verliebt und atemlos“ (1992), „Kalimba Kalimba“ (1993) und „Das mit uns, das könnt‘ was werden“ (1994). In diesen Jahren erhärteten sich die Gerüchte, Rex Gildo sei homosexuell.

Diskussionen um REX‘ angebliche Homosexualität

1992 erschien ein Buch namens „Leben, Laster, Leidenschaft“, in dem er als solcher geoutet wurde. Er bestritt vehement, dass dem so sei. REX GILDO ging gerichtlich gegen das Buch vor und bekam Recht, sein Kapitel wurde entfernt. Das Buch erschien übrigens, ohne dass man vorher mit REX über das Thema gesprochen hätte.

MDR-Show „Fiesta Rexicana“

In die PILZ-Ära fällt aber auch eine MDR-TV-Show, die im Jahre 1993 im Musiktheater Görlitz aufgezeichnet und vom MDR ausgestrahlt wurde – mit dem bezeichnenden Titel „Fiesta Rexicana“ – auch 20 Jahre nach seinem Riesen-Hit wurde Rex mit seiner „Hossa!“-Nummer identifiziert. Erneut betätigte REX GILDO sich als vielseitiger Entertainer, der sich auch mal selber auf die Schippe nehmen konnte.

1993 und 1994 erhielt REX GILDO für frühere Erfolge jeweils die „Goldene Stimmgabel“ aus den Händen von DIETER THOMAS HECK überreicht. 1993 war übrigens auch UDO LINDENBERG einer der Preisträger.

Haltloser Alkoholvorwurf

Mitte der 90er Jahre wurde mehrfach gegen REX GILDO der Vorwurf erhoben, er sei alkoholisiert auf der Bühne gewesen – u. a. bei der Geburtstagsfeier eines Unterhosen-Fabrikanten und bei einem Auftritt einer SWF-Veranstaltung („Wunschmelodie“ in Horb). Gildo bestritt die Vorwürfe und behauptete, er sei krank gewesen und habe unter Medikamenten-Einfluss gestanden.

Auch die Betreiber einer Detmolder Discothek behaupteten, Rex sei alkoholisiert aufgetreten. Der Fall wurde gerichtlich geklärt – REX GILDO bekam vollumfänglich recht, seine Gage musste gezahlt werden.

In diesen Jahren hatte REX GILDO immer wieder gesundheitliche Probleme. Sehr oft wurde er mit Kortison behandelt, weil er sonst vor lauter Schmerzen nicht hätte auftreten können. Erst 1995 stellte sich heraus, dass er dagegen allergisch reagiert und eine schwere Kortisonvergiftung hatte – erst danach wurde seine Schmerzbehandlung umgestellt.

Neuer Sekretär DAVE KLINGEBERG

In diesen Jahren lernte Rex Gildo einen jungen Mann namens DAVE KLINGEBERG kennen, der ab 1993 sein Chauffeur und Privatsekretär werden sollte. Insbesondere ein schwerer Autounfall auf der A8 im Jahr 1995 bei sehr hoher Geschwindigkeit schweißte die beiden zusammen. Es entstand so etwas wie eine Vater-Sohn-Beziehung.

Langsam ging es für den Sänger wieder bergauf. Die von WILLY KLÜTER und Dr. BERND MEINUNGER geschriebene Nummer „Doch irgendwann“ schaffte es bis auf Platz 1 der Airplaylisten – Ende 1996 wurde z. B. von WDR4 kein Schlager häufiger gespielt als der aktuelle REX-GILDO-Song. Der Song stammt aus dem Album „Gefühle des Lebens, das REX GILDO im Rahmen einer Tour im Februar 1997 vorstellte.

Teilnahme bei Deutschen Schlagerfestspielen 1997 und 1998

1997 nahm REX GILDO bei den von DIETER THOMAS HECK moderierten Deutschen Schlagerfestspielen teil – RALPH SIEGEL und BERND MEINUNGER hatten die sehr „originelle“ Idee, einen Mexiko-Schlager zu schreiben – „Viva Mexico“ erreichte immerhin den 5. Platz des Wettbewerbs. Mit „Die Stimme Deines Herzens“, einem Song von WILLY KLÜTER und BERND MEINUNGER, gelang ein Jahr später ein achter Platz in diesem Wettbewerb.

„Goldenes Mikrofon“ und „Schlagerdiamant“

Inzwischen war REX GILDO für ein Album wieder bei der Ariola angekommen – „Absolute Liebe“ hieß die Devise. Daraus ausgekoppelt wurde damals der Song „Vaya Con Dios“ – erneut ein Schlager, der im Radio gut lief. Dafür bekam er von der Zeitung WAZ und vom Sender SuperRTL eine Auszeichnung namens „Das Goldene Mikrofon“. Ein Jahr später wurde ihm vom Radiosender RPR2 die Auszeichnung „Schlagerdiamant 1998“ überreicht.

Vertrag mit Koch Records

1999 unterschrieb REX GILDO wieder bei einer recht großen Plattenfirma einen Vertrag mit Koch-Records. Dort erschienen seine letzten Singles: „Du bist mein Wunder“ (zum „60. Geburtstag“ am 2. Juli 1999 – de facto war es ja der 63. Geburtstag), „Nur Du und sonst gar nichts“ (den Titel sang er noch am 4.10.1999 bei der Goldenen Stimmgabel, die ihm erneut verliehen wurde,) und (posthum) „San Sebastian“.

Letzter Auftritt im Möbelhaus

Seinen letzten Auftritt absolvierte Rex Gildo am 23.10.1999 in einem Möbelhaus in Bad Vilbel. Von dort aus suchte er seine im zweiten Stock gelegene Münchener Wohnung auf. Von deren Toilettenfenster stürzte er in die Tiefe und erlag drei Tage später seinen schweren inneren Verletzungen. Bis heute ist ungeklärt, ob es sich eher um einen alkohol- und medikamentbedingten Unfall oder um einen Suizid handelte.

Ähnlich wie er mit FRED MIEKLEY einen väterlichen Freund an seiner Seite hatte, hegte er in seinen späten Jahren eine „freundschaftliche Beziehung“ zu seinem bedeutend jüngeren Chauffeur und Privatsekretär DAVE KLINGEBERG. Mit seiner letzten wesentlichen Bezugsperson verband ihn eine besondere Beziehung.

Es liegt sogar ein Testament vor, das unter anderem DAVE KLINGEBERG als Begünstigten vorsieht. Einige „schlaue“ Medien und „Experten“ behaupten, das Testament sei nicht rechtskräftig, weil es nicht notariell beglaubigt sei und mit „REX GILDO“ und nicht mit dem bürgerlichen Namen „LUDWIG HIRTREITER“ unterschrieben sei – das ist natürlich Blödsinn. Dennoch hat DAVE das Testament nicht vorgelegt, um dumme „Erbschleicher“-Vorwürfe zu umgehen.

Am 26. Oktober 1999 verstarb REX GILDO.

In der Bravo 35/1968 wurde Rex Gildo gefragt, was er geschenkt bekommen möchte: Ewige Jugend, eine Weltkarriere oder eine Million. Seine Antwort war schon damals: Die ewige Jugend. Mit ihr könnte ich die Karriere aufbauen und die Millionen verdienen.

In ähnlicher Form äußerte er sich in den frühen 70er Jahren: „Wenn’s möglich wäre, würde ich mir die ewige Jugend wünschen“ – dieses Ziel der Alterslosigkeit ist ihm wohl zum Verhängnis geworden. Schlager-Autor TOMMI HERRWERTH schrieb dazu: „Seit 1980 bietet er ein Bild des Jammers: Immer wieder versucht der gealterte Ex-Star in die Rolle des jugendlichen Beaus zu schlüpfen. Er trägt die Maske immer dicker auf und zappelt mit seinem Unterkörper, als habe er gerade eben seinen achtzehnten Geburtstag gefeiert. Warum, so frage ich mich, kann ein Pop-Star nicht in Würde altern?

In die gleiche Kerbe schlägt ein Schlager-Lexikon – dort ist unter „Berufsjugendlicher“ zu lesen: „Zeigen die Beispiele UDO JÜRGENS und HEINO, wie es geschickten Managern gelingen mag, das Image eines Stars glaubwürdig und zeitgemäß zu halten, belegt das Beispiel von LUDWIG FRANZ HIRTREITER alias REX GILDO, wie das starre Festhalten an einem bestimmten Außenbild nicht nur für den künstlerischen, sondern vor allem auch für einen menschlichen Niedergang verantwortlich sein kann.“

Der Wunsch nach ewiger Jugend war wohl das große Verhängnis für einen Mann, der – wenn man Zeitzeugen glauben darf – stets höflich, freundlich, verbindlich und nett war, aber aus seiner Haut nicht raus konnte und in vielen Dingen wohl nicht zu dem stehen konnte, wie er war. Dennoch bleibt sein menschliches und musikalisches Lebenswerk unvergessen.

Hinweis: Wer mehr über REX GILDO und sein Leben erfahren möchte, derm sei das Buch „REX GILDO – ein Leben zwischen Heimlichkeit und Applaus“ von NESSA NOTEDIGO empfohlen. Die Autorin hat über Jahre hinweg recherchiert und im engsten Umfeld des Künstlers mit Menschen gesprochen, die REX wirklich kannten. Das Buch kann u. a. HIER bestellt werden.

Stephan Imming

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GITTE HAENNING: Die große Schlagerprofis-Biografie zum 75. Geburtstag – herzlichen Glückwunsch! 0

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Inhaltsverzeichnis

Am 29.06.1946 wurde GITTE HAENNING-JOHANNSON als Tochter von ERNA und OTTO HAENNING, eines in Dänemark bekannten Volkssängers und Komponisten, in Aarhus/Dänemark geboren. Sie hat eine vier Jahre ältere Schwester namens JETTE, mit der sie in Kopenhagen aufgewachsen ist. JETTE hat auch Musik im Blut, sie war viele Jahre mit dem dänischen Komponisten und Arrangeur OTTO FRANCKE verheiratet.

Als Kind sang sie dänische Version eines CONNY-Hits

Schon im zarten Alter von acht Jahren brachte die kleine GITTE in Dänemark ihre erste Schallplatte heraus – damals lautete ihr mit ihrem Vater gesungenes Motto noch „Ich heirate Papi“ (Giftes med farmand). Den im Original von CONNY FROBOESS gesungenen Schlager importierte der geschäftstüchtige OTTO HAENNING erfolgreich nach Dänemark. Der Legende nach versprach Otto seiner Tochter GITTE für den gemeinsamen Vortrag ein Fahrrad, das die Sängerin bis heute nicht erhalten hat. Immerhin erhielt sie und nicht ihre Schwester den Zuschlag…

Erster Schallplattenvertrag 1958

Nach ersten Erfolgen mit Auftritten in ihrem Heimatland, erhielt sie in Dänemark 1958 ihren ersten Solo-Schallplattenvertrag. Recht schnell wurde sie mit schlagerartigen Kinderliedern und Jazz-Songs als Kinder- bzw. Jugendstar populär, so nahm sie schon in den frühen 1960er Jahren ein Duett mit dem damaligen Star LAURIE LONDON auf und brillierte mit einer Aufnahme des LOUIS-ARMSTRONG-Songs „Stormy Weather“ – den Song nahm sie im zarten Alter von elf Jahren auf

NILS NOBACH entdeckt GITTE für den deutschen Markt

Der Plattenproduzent NILS NOBACH produzierte erste deutsche Aufnahmen mit GITTE. Als erste Single erschien die von CHARLY NIESSEN unter dem Pseudonym FRED SELTZER getextete deutsche Version des internationalen Hits von TINA ROBIN „No School Tomorrow“, nämlich „Keine Schule morgen“. Nach diesem Achtungserfolg gab es (gemeinsam mit HANS BLUMS HANSEN BOYS UND GIRLS) weitere deutsche Versionen internationaler Erfolge: Aus „Heartaches At Sweet Sixteen“ von KATHY LINDEN wurde 1960 „Jung sein ist nicht so leicht“, im gleichen Jahr wurde der BRENDA-LEE-Hit „I’m sorry“ eingedeutscht.

Der vorerst letzte Cover-Song in GITTEs Teenager-Zeit war „Das kommt davon (…wenn keine Frau Dich liebt)“, die deutsche Version von CONNIE FRANCIS‘ „Breakin‘ In A Brandnew Broken Heart“, die von niemand geringerem als RALPH MARIA SIEGEL sen. getextet wurde.

Teilnahme am dänischen Eurovisions-Vorentscheid

Danach konzentrierte sie sich zunächst auf den heimischen Markt, beispielsweise trat sie gleich zwei mal (1962 und 1963) an der dänischen Vorentscheidung zur Eurovision an – 1962 mit dem später disqualifizierten Song „Jeg snakker med mig selv“ und 1963 mit „Lille Starte kvinde“ – damit erreichte sie einen vierten Platz.

Durchbruch in Deutschland mit dem „Cowboy“-Song

Der große Durchbruch in Deutschland gelang mit GITTEs erster für sie im Original geschriebenen Nummer. Mit „Ich will ‘nen Cowboy als Mann“ siegte sie bei den Deutschen Schlagerfestspielen 1963 und erzielte damit einen Millionenhit, der bis heute als Evergreen angesehen werden kann. Der Nummer-1-Hit wurde von NILS NOBACH unter seinem Pseudonym PETER STRÖM geschrieben, den Text steuerte dessen guter Freund RUDI VON DER DOVENMÜHLE unter dem Namen RUDI LINDT bei. (Zum Text ist übrigens zu sagen, dass grammatikalisch „Ich will ‘nen Cowboy zum Mann“ korrekt gewesen wäre.)

Rezension von Schlagerwissenschaftlern: „selbstbestimmte Sexualität“

Der Autor DIETER BARETZKO hält den Song für absolut zum damaligen Zeitgeist passend: „Die zur Teenager-Story aufgepäppelte Geschichte vom Backfisch, der Wild-West-Romantik samt Trauring dem elterlich angeratenen, finanziell gut gepolsterten Ehenest nach gutbürgerlicher Art vorzieht, ist das musikalische Credo so netten wie geballten Spießertums“ – aah jaa, wäre das auch geklärt.

ANDRÉ PORT LE ROI sieht das in seinem Buch „Schlager lügen nicht“ anders: „…räumte mit sämtlichen muffigen Idealen der Adenauer-Ära auf. Die Eltern der jungen Frau tauchen lediglich als parodistische Figuren auf, als Stereotypen, die nur jene Sprechblasen absondern, die Jugendliche nicht mehr hören wollten: Heiraten, Sicherheit, die Pension und „Du sollst es doch mal besser haben als Dein Vater“. Dem reinen Sicherheits- und Versorgungsdenken der Eltern setzt GITTE selbstbewusst entgegen: „Ich weiß, dass so ein Cowboy küssen kann“, als ein erstes zaghaftes Beharren auf eine selbstbestimmte Sexualität“.

Interessante Sache – GITTE als legitime Vorgängerin selbstbestimmter Sexualität. Die Männer hatten es bei ihr wohl nicht so leicht, denn GITTE stellte unmissverständlich fest: „Dabei kommt’s mir gar nicht auf das Schießen an“…

Jedenfalls war dem Produzenten HEINZ GIETZ mit dem Song ein großer Wurf gelungen, die TV-Serie „Bonanza“ und die ersten KARL-MAY-Verfilmungen sorgten für Western-Affinität. Im Anschluss der damaligen deutschen Schlagerfestspiele lernte GITTE sogar noch den Superstar MARLENE DIETRICH kennen, mit der die junge Dänin, die noch kaum Deutsch sprach, ein Foto machen durfte.

Internationale Coverversionen

Aufgrund des großen Erfolges der Nummer wurde diese gerne gecovert, beispielsweise nahm WENCKE MYHRE eine norwegische Version auf. – Aber auch andere Plattenfirmen sprangen auf den Zug auf, so verpflichtete die junge Plattenfirma Ariola die Schwester von SIW MALMKVIST, LIL MALMKVIST, um eine Ariola-Version des Songs herauszubringen – mit beachtlichem Erfolg.

Traumpaar GITTE und REX GILDO

1963 gelang GITTE etwas, das in der langjährigen Charts-Geschichte nach aktuellem Stand nur sehr wenigen Leuten gelang – nämlich, sich selber als Nummer eins der Charts abzulösen. Dies Kunststück gelang außer GITTE nur 1960 CATERINA VALENTE und 2013 PHARELL WILLIAMS. Im Falle von GITTE war der Nachfolge-Song das Duett mit REX GILDO, „Vom Stadtpark die Laternen“, geschrieben von den Schlagergiganten KURT FELTZ und HEINZ GIETZ.  

REX GILDO wurde GITTE als männlicher Gesangspartner zur Seite gestellt – das „Traumpaar-Image“ ging gut auf, sehr bald wurde die erste gemeinsame TV-Show „Kein Tag ohne Musik – Ein Rendezvous mit GITTE und REX“ produziert. Mit GITTE und REX GILDO war so etwas wie ein Gegenentwurf zum eher „frechen“ Traumpaar PETER KARUS und CONNY FROBOESS gefunden worden.

Erneut ein Blick auf die „Schlager-Wissenschaft“

Spannend ist, dass GITTEs zweiter Nummer-Eins-Hit einen Kontrast zum Vorgänger darstellt – war sie mit dem „Cowboy“-Song eher frech,  kam die Stadtpark-Nummer eher bieder daher – Autor ANDRÉ PORT LE ROI sieht eine Parallele zur politischen Situation Anno 1963, die mit dem scheidenden Kanzler ADENAUER ja auch im Aufbruch war:

Während Gitte auf der Plattenhülle ihres Erstlingserfolgs den Schlagerhörer noch frech mit Cowboyhut anlächelt, bietet das Coverfoto des Duetts einen jungen Mann (REX GILDO) in schwarzem Anzug mit dunkler Krawatte und korrektem Scheitel, zu dem seine Herzensdame (GITTE) schüchtern herauf blickt. Im züchtig geschlossenen Kleid scheint sie ihm zu bestätigen, dass es „Früher so wie heute“ war und dass auch junge Verliebte „von heute“ lieber „romantisch“ als aufmüpfig sind.“

Folgeerfolge auf die Superhits

Die nächste Solo-Single, „Nur ein bisschen Glück“ brachte auch Hitparaden-mäßig nur ein „bisschen“ Erfolg – zwar immerhin Top-20, aber nicht an die Vorgänger-Superhits anknüpfen könnend. Im Duett mit REX GILDO lief es besser – „Zwei auf einer Bank“ und insbesondere „Jetzt dreht die Welt sich nur um Dich“ waren 1964 viel beachtete Hits.  Mit letztgenanntem Song nahmen die beiden sogar bei den deutschen Schlagerfestspielen teil und absolvierten dort einen dritten Rang, in den Verkaufsbestenlisten gab es eine Top-10-Notierung. Passend zum Song wurde ein Film gedreht – neben dem Titellied trugen GITTE und REX GILDO auch ihren nächsten Hit, „Hokuspokus“, dort vor.

Das gefällige „Wenn Du musikalisch bist“ hingegen konnte sich nicht in den Hitparaden platzieren, obgleich GITTE auch dieses Lied in dem genannten Film sang  – wenngleich (oder weil) hier GITTE einen Hauch ihrer Jazz-Vergangenheit einbringen konnte: Der Song wurde mit Big-Band-Begleitung eingespielt. Mit dem melancholischen „Das ist der Blue Beat“ klang das Jahr 1964 aus – die nachdenkliche Titelzeile passte zur privaten Situation GITTEs: Ihre Eltern ließen sich in jenem Jahr scheiden, und GITTE bastelte fortan mit ihrer Mutter alleine an ihrer Karriere weiter – und wollte bewusst ihren Vater diesbezüglich zunächst nicht mehr mit einbeziehen.

Erste Auszeichnungen

Die Riesen-Erfolge führten zu Auszeichnungen, so wurde GITTE 1964 der Silberne und(!) der Bronzene Löwe von Radio Luxemburg überreicht, und 1965 erhielt sie den Goldenen Otto der Jugendzeitschrift BRAVO als beliebteste Sängerin des Jahres.

Ende des Traumpaars GITTE und REX GILDO

Wo der Kontakt zu Radio Luxemburg schon mal da war, durfte dessen Star-Sprecher CAMILLO FELGEN (freilich unter Pseudonym „NICOLAS“) GITTEs ersten 1965er-Hit texten: „Nashville Tennessee“.  Weitere leidliche Solo-Erfolge des Jahres waren „Er hat ein Motorboot“ (während die Norwegerin WENCKE MYHRE sich mit einem knallroten Gummiboot begnügte, war die Dänin GITTE da wohl anspruchsvoller) und „Johnny, Du siehst müde aus“.

Im Duett mit REX GILDO wurden ebenfalls weitere Platten veröffentlicht: Während zunächst „Dein Glück ist mein Glück“ als A-Seite vorgesehen war, etablierte sich die B-Seite „Süß wie Schokolade“ eher als Hit. Die letzte gemeinsame Veröffentlichung der beiden war „Sweet Hawaii“, dann entschied sich GITTE, das Kapitel „REX GILDO“ zu beenden – insbesondere wohl, weil sie die Spekulationen, REX und sie seien ein Paar, leid war. Außerdem wollte sie offensichtlich modernere Texte interpretieren – frei nach dem Motto „Man muss schließlich auch mal NEIN sagen können“, ihrer ersten Veröffentlichung nach der musikalischen Trennung von REX.

Emanzipiertere Texte

Die vermeintliche Modernisierung ihrer Musik machte sich auch in Zahlen bemerkbar – sowohl der „Nein“-Song als auch dessen ähnlich gestrickter Nachfolger, „Ich mach Protest“, liefen erfolgreicher als die im Vorjahr veröffentlichten Schallplatten – beide Titel wurden zu Top-20-Erfolgen. 1967 prangerte GITTE – emanzipiert, wie sie nun mal ist, Muttersöhnchen an und stellte fest: „Wie Deine Mutter ist“ (… so kann ich nicht sein) – sie lehnte es ab, von männlicher Seite mit der Frau Mama verglichen zu werden.

„Knutschen verboten“

Im Herbst des Jahres war Gitte beim „Gala-Abend der deutschen Schallplatte“ vertreten, einer großen TV-Unterhaltungsshow. Dort trug sie ihren neuen Hit „Liebe ist doch kein Ringelreihen“ vor. In dem Lied gibt es eine Textzeile:  „Ich komm nicht nur zum Knutschen hin“. Für die Live-TV-Show (damals musste man ja noch live singen) sollte GITTE aus „moralischen“ Gründen das Wort „Knutschen“ unterlassen und stattdessen „Küssen“ singen – andere Zeiten, andere Sitten…

Im vergangenen Jahr, 2020, veröffentlichte GÖTZ ALSMANN ein spannendes Jazz-Album namens „L.I.E.B.E.“, in dem er – vermutlich zur Freude der Originalinterpretin – diesen „Ringelreihen“-Klassiker neu aufgelegt hat – verjazzt.

Die nächste Single, „Probleme“, ist laut BRAVO „irgendeinem Boy gewidmet – eine Liebeserklärung, die GITTEs Fans gern auf sich beziehen werden. Komponist WERNER SCHARFENBERGER und Texter KURT FELTZ belieferten GITTE mit einem nach Maß gemachten Lied“.

GITTE in Dritter Person

Mit „Aber heimlich“ verfolgte GITTE in den späten 1960er Jahren weiterhin emanzipatorische Ansätze. Im letzteren Song singt sie von sich sogar in der dritten Person – „Die GITTE ist frech, so stand es geschrieben…. Die GITTE ist kalt, das schrieb eine Freundin“. Ähnlich wie PETER ALEXANDER das später in seinem Hit beschrieb, tat es GITTE schon zuvor – sie weinte – „aber heimlich“.

Flop und Hit

„Sweet Souvenirs of Stefan“ – welch wunderschöner Name wurde da in einem Lied von MIREILLE MATHIEU verarbeitet. Bei der deutschen Version, „Die Souvenirs von Dir“, wurde dieser herrliche Name von Texter KURT FELTZ einfach so unter den Tisch gekehrt. Strafe muss sein: Erstmals seit Jahren kam eine GITTE-Single nicht in die deutsche Verkaufshitparade. Besser lief es mit dem typischen Schlager „Millionär“, bei dem die Bravo analysierte, Gitte gebe mit dem Song die „Kesse Blonde mit Herz“.

Dramatischer Walzer ein Fall für MARGARETE SCHREINEMAKERS und DIETER THOMAS HECK

1969 wurde wieder ein ausländisches Original gecovert – aus dem italienischen Epos „Rose bianche“ machte KURT FELTZ das dramatische Lied „Weiße Rosen“. Im Walzertakt gesungen, beschrieb GITTE (vermutlich nicht ganz ohne autobiografischen Bezug) das Gefühl einer Frau, die weiße Rosen vom Liebsten geschenkt bekommt, der allerdings „Hochzeit mit der ander’n“ macht. Der pathetische Song wurde gerne auch mal augenzwinkernd von MARGARETE SCHREINEMAKERS später im TV vorgetragen. Kurios ist auch, dass dieses Lied GITTEs einziger Hit in Österreich werden würde – damit erreichte sie dort sogar die Top-10. Mit dem Opus war sie auch erstmals in DIETER THOMAS HECKs junger ZDF-Hitparade als Neuvorstellung vertreten, ohne sich dort platzieren zu können.

Unzufrieden als Schlagersängerin – Jazz-Album genehmigt

Ausgerechnet in die Zeit dieses chansonartigen Liedes fielen GITTEs Überlegungen, den Vertrag mit der EMI nicht zu verlängern, weil sie selber nicht hinter den von ihr produzierten Schlager-Produktionen stand, ihre Liebe gehörte nach wie vor dem Jazz. Sie gab zu Protokoll: „Ich wollte meinen Vertrag als Schlager- und Pop-Interpretin bei der EMI nicht verlängern. Ich mochte mich in diesem Musikbereich einfach nicht mehr hören und sehen. Ich war zwar unglaublich erfolgreich, aber ich hatte schlicht andere Interessen. Und plötzlich kamen die EMI-Leute mit diesem tollen Angebot. Es war ein Geschenk an mich, das mich ablenken und der Vertragsunterzeichnung gegenüber freundlich gesinnt stimmen sollte.“

Die Plattenfirma bot ihr an, ein Jazz-Album zu produzieren, um sie weiter an sich zu binden. GITTE produzierte die LP „Out of This World“ unter firmierte unter „GITTE & THE BAND“. Es kam wie so oft bei Schlagersängern, die sich zu „höherem“ berufen fühlen: Die LP lag wie Blei in den Regalen. Dennoch wurde sie Scheibe Jahrzehnte später neu auf CD aufgelegt – diesmal unter dem Namen „Gitte Haenning Meets The Francy Boland Kenny Clarke Big Band“.

Das Unterfangen gelang – GITTE war glücklich mit ihrer zwar kommerziell erfolglosen, aber ihren Ansprüchen genügenden Langspielplatte – und die Firma war froh, dass sie weiter auf dem Schlagersektor veröffentlichte.

Schlager-Reigen geht vorerst weiter

In den folgenden Jahren gab es dann wieder eher belanglose Lieder wie „Dann kamst Du“ (1969), „Mini oder Maxi“ (1970), „Regenbogen“ (1971; dem Song wird vielfach attestiert, er erinnere an DANYEL GERARDs Mega-Hit „Butterfly“ – der erste GITTE-Schlager des Gespanns ERICH OFFIEROWSKI / GÜNTHER ERIC THÖNER konnte dessen Erfolg mit einer Woche in den Top-50 dennoch nicht annähernd erreichen), „Sacramento“ (1972, deutsche Version des gleichnamigen MIDDLE-OF-THE-ROAD-Klassikers mit deutschem Text von RALPH SIEGEL – diesmal dem junior) und „Alle wollen nur das Eine“ (Gittes Version des 1972er CHRIS-MONTEZ-Hits „Loco por ti“ wurde von Textdichter KURT HERTHA mit leicht frivolem Einschlag geschrieben).

Zu „Mini oder Maxi“ ist übrigens noch zu sagen, dass der Bravo-Leser und „Investigativjournalist“ CHRISTIAN STEIGERTHAL herausgefunden hat, dass GITTE gesagt hat, dass sie zwar nichts gegen den neuen Maxi-Look habe, selbst aber doch lieber bei Miniröcken bleibe – gut zu wissen..

Teilnahme am Grand Prix Eurovision 1973

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Von ganz kurzer Charts-Präsenz abgesehen, liefen GITTEs Lieder unter dem Strich nicht mehr so gut wie in früheren Jahren. Zehn Jahre nach ihrem Sieg bei den deutschen Schlagerfestspielen wurde es mal wieder Zeit für einen Wettbewerb: Sie bewarb sich am 21.02.1973 in illustrem Umfeld (weitere Teilnehmer waren u. a. CINDY & BERT, ROBERTO BLANCO und MICHAEL HOLM) darum, „Ein Lied für Luxemburg“ singen zu dürfen – sprich für den Grand Prix Eurovision 1973.

Sie durfte zwei Lieder vortragen: Während das Laien-Publikum „Hallo, wie geht es Robert?“ favorisierte (- ob damit GITTEs langjähriger Lebenspartner ROBERT CORNFORD gemeint war, ist nicht bekannt -), siegte GITTE schließlich in dem Wettbewerb mit dem von ERICH OFFIEROWSKI (Pseudonym: STEPHAN LEGO) und GÜNTHER ERIC THÖNER geschriebenen Lied „Junger Tag“, das einen ernüchternden achten Platz im internationalen Wettbewerb (von 17 Teilnehmern) erreichte. Das war insofern etwas enttäuschend, als in den drei Jahren zuvor jeweils ein dritter Platz im internationalen Wettbewerb gelang.

Die BRAVO wusste damals übrigens, woran es lag, dass keine bessere Platzierung möglich war: „Sie war pummelig und hatte eine unmögliche Frisur„.

Immerhin gelang Gitte mit dem Lied wieder ein Verkaufs-Erfolg,  ihre Karriere-Kurve begann wieder nach oben zu zeigen, auch wenn man sich 1973 mit „Dann kam die Erinnerung“ noch mal einen Flop gönnte. Auch diesmal war die BRAVO gnadenlos: „GITTE hatte schon schönere Songs als „Dann kam die Erinnerung“, aber das wird ihre Fans sicher nicht stören„.

Riesen-Hit „Ich hab die große Liebe verspielt“

1974 kam dann wieder eine Hit-Wende. Sie heiratete am 21. Juli 1974 ihren damaligen Manager JO GEISLER und bekam am 01.05.1974 ihre erste eigene TV-Personality-Show: „Begegnung mit GITTE“. Im gleichen Jahr gelang ihr der erste Top-10-Hit in Deutschland seit vielen Jahren mit „Ich hab die große Liebe verspielt in Monte Carlo“.  Erstaunlich ist, dass die Sängerin mit diesem Lied erneut in der ZDF-Hitparade vertreten war und sich dort abermals (wie schon 5-mal zuvor) nicht platzieren konnte – und das trotz eines großen Verkaufs-Erfolgs.

Erneut gab sich die BRAVO „sachkundig“ und schrieb damals: „GITTE könnte einen Bestseller gebrauchen: „Ich hab die Liebe verspielt in Monte Carlo“ klingt für mein Ohr leider nicht nach Treffer„. – So kann man sich täuschen…

Evergreen „So schön kann doch kein Mann sein“

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Mit „So schön kann doch kein Mann sein“ gelang 1974 ein zweiter großer Erfolg. Nach einigen Jahren war die Dänin wieder voll im Geschäft. Nachdem die Germanistik-Freunde sich ja an der Zeile „Ich will ‘nen Cowboy als Mann“ freuen durften, sind nun Musik-Wissenschaftler gefragt: Zu deren „Freude“ besteht der ganze Song nämlich aus genau zwei Akkorden, nämlich C und G. – Es gibt übrigens Schlagerfreunde, die bei dem Lied immer an einen alten HALLERVORDEN-Sketch denken. Der hat nämlich auf ROTRAUD SCHINDLERs Anmerkung, ein Mann müsse nicht immer schön sein, unnachahmlich gesagt: „aber wenn er’s nun mal ist!?

Derweil war auch die BRAVO mittlerweile wieder milde gestimmt: „GITTE singt dem so genannten starken Geschlecht kräftig die Meinung: „So schön kann doch kein Mann sein“ ist ganz eindeutig hitverdächtig.“ – „Geht doch“….

Kein Kind von Traurigkeit

Ausgerechnet mit der Produktion ging es in der Erfolgs-Spur wieder leicht bergab: Die von den gleichen Autoren (HANS-GEORG MOSLENER und JOHN MÖRING)wie die zuvor erschienenen Riesen-Hits geschriebene Nummer „Ich bin kein Kind von Traurigkeit“ war nur kurz in den Verkaufs-Top-50. Unter gleichem Namen erschien übrigens erstmals nach vielen Jahren eine neue LP von GITTE, die nicht sonderlich erfolgreich war, aber dennoch im Rahmen der vorbildlichen „Originale“-Reihe von  Universal wieder neu veröffentlicht wurde.

Auch hier soll die Meinung der BRAVO nicht vergessen werden: „GITTE ließ sich ein Lied schreiben, das zum Mitsingen und Schunkeln einlädt: „Ich bin kein Kind von Traurigkeit“ passt genau zu irhem quirligen Temperament.

„Ein Kind von Traurigkeit“ war GITTE in jenen Jahren wohl in der Tat nicht – frei nach ihrem „Liebe in Monte Carlo“-Text („Nicht nur mit dir trank ich den Wein, – ich spielte falsch, das seh ich ein. – Ich wollte nicht, doch irgendwie – vergaß ich mich, so wie noch nie. – Und als du gingst, hab ich gelacht, – und weiter nicht an dich gedacht.“) muss es wohl auch mit der Beziehung zum damals sehr einflussreichen Manager DIETER BEHLINDA gewesen sein, wenn man diesem glauben darf (bzw. durfte, er ist inzwischen verstorben).

Laut dessen Aussage lernte der nämlich der Mann, der (laut eigener Einschätzung!) GITTE aus Ihrem „Karrieretief herausholte“, diese 1975 bei den Proben der Hitparaden-Tournee in der Oldenburger Weser-Ems-Halle kennen – GITTE war gerade ein Jahr verheiratet. Randnotiz: JOE, GITTES Mann, war bei der besagten Hitparaden-Tour als Chauffeur mit dabei –

Nach Angaben BEHLINDAs fragte GITTE ihn Anfang 1976: „Dieter, willst Du mich lieben?“. Ein Jahr später zogen beide nach seinen Angaben in München zusammen. Es muss eine turbulente Zeit gewesen sein, GITTE hat BEHLINDAs Angaben zufolge wohl ein gemeinsames Kind abgetrieben. Die Trennung von ihr habe er nicht verkraftet und sich 1979 das Leben nehmen wollen.

Wechsel der Plattenfirma

Aber nicht nur privat, auch beruflich galt es, sich zu trennen: Die Single „Wie Du mir, so ich Dir“ war die letzte Single bei ihrem langjährigen Vertragspartner EMI Electrola. Schon 1973 äußerte GITTE in einem Interview: „Meine Firma und ich stritten immer wieder um die Repertoirewahl. Ganz einig sind wir uns heute noch nicht. Aber wir schlossen einen Kompromiss. Bei einer Single-Produktion wählt eine Seite die Firma aus, auf der andern Seite singe ich, was ich will“. Dieser Kompromiss hielt bis 1975 – dann hieß es, um die B-Seite der letzten Single zu zitieren: „Goodbye. Auf Wiedersehen“.

Auch bei dieser letzten Single bei EMI hat die BRAVO sich geäußert: „GITTE vertritt auf ihrer neuen Scheibe die Aug-um-Aug-Zahn-um-Zahn-Philosophie – natürlich nur in der Liebe: „Wie du mir so ich dir“ hat einen sehr flotten Dixieland-Sound„.

Start bei RCA

Der Start bei RCA barg Licht und Schatten:  Die Single „Lass mich heute nicht allein“ war gleich ein großer Hit und erreichte einen 13. Platz in den deutschen Verkaufs-Charts. Der Song war eine Coverversion des niederländischen Hits „Dans met mij tot morgen vroeg“.  Und da lag dann ein Problem: Die RCA hat die Rechte nach ihrer Darstellung gemäß Vertrag des deutschen Texters DIETER RASCH mit dem belgischen Originalverleger mit dem Recht erworben, einen deutschen Text zu veröffentlichen.

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Ein anderer Verlag (Continental-Musik) vertrat hingegen die Meinung, der Song sei veröffentlicht worden, ohne sich um die Freigabe des Titels zu kümmern. Dessen Vertreter KONRAD SAMETH konstatierte: „…auf jeden Fall ist das ein handfester Skandal in der Musikszene und mit dem TONY-MARSHALL-Skandal gleichzusetzen“. Mit dieser Anspielung war TONY MARSHALLs Disqualifikation beim Grand Prix gemeint, weil „Der Star“ bereits Jahre vor dem Grand Prix öffentlich aufgeführt wurde. Pikant: Produziert wurde GITTEs erste Single bei RCA ausgerechnet von jenem DETLEF PETERSEN, der auch „Der Star“ komponiert hatte.

Zufrieden mit dem Wechsel

Dennoch fühlte sich GITTE dem Vernehmen nach mit dem Wechsel zur RCA wohl – ihr (Noch-)Ehemann und Manager gab zu Protokoll: „Als GITTE zur RCA kam, war sie von Anfang an der Topstar, und alle haben sich sehr darum bemüht, optimale Arbeit für sie und ihren Erfolg zu leisten“. Untermauert wird diese These mit einem Zitat der Werbung für die erste RCA-Single: „GITTE ist eine der begabtesten jungen Künstlerinnen unserer Zeit, die jede Show par excellence auf die Bretter legt“.

Zweite TV-Show

Am 26.05.1976 wurde Gittes zweite TV-Show gesendet – ein vom SWF aufgezeichnetes Portrait, bei dem nicht nur drei Titel ihrer neuen LP „Was wär ich ohne Dich?“ zu hören waren, sondern auch Auszüge eines Jazzkonzerts mit GITTE, das in Düsseldorf gegeben wurde – ihre Liebe zu dieser Musikrichtung hat sie nie aufgegeben.

ABBA-Herren produzieren GITTE

Ihre im Herbst 1976 erschienene zweite Single, „Happy End“ platzierte sich zwar in Dieter Thomas Hecks ZDF-Hitparade – ein Erfolg wurde die nur selten auf CD zu findende Nummer allerdings nicht, was angesichts der prominenten Co-Produzenten bemerkenswert ist: Niemand anders als ABBA-Musiker BJÖRN ULVEAUS und BENNY ANDERSSON produzierten die Single mit – Skandinaven müssen eben zusammen halten. Es ist schon erstaunlich, dass diese starke Nummer sich nicht in die Verkaufshitparade einschmuggeln konnte.

Passendes Abschiedslied

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In die Zeit mehrerer Abschiede – Scheidung von ihrem Ehemann und kurz darauf Trennung von Manager DIETER BEHLINDA – scheinen Abschiedslieder ganz gut zu passen – so startete Gitte das Jahr 1977 erneut mit einem solchen Song: „Bye Bye Bel Ami“ war bereits Gittes letzter Charts-Erfolg der RCA-Ära. Der Legende nach sollte das Lied in Anspielung auf ihren Liebhaber in „Bye Bye Behlinda“ umbenannt werden, was dieser aber wohl zu verhindern wusste.

Historisch ist der Song auch deshalb, weil GITTE damit in der ZDF-Hitparade auftrat, im Publikum saß, unschuldig in die Kamera guckte – aber nichts zu hören war, weil das Mikrofon defekt war. Wieder mal denkt man im Zeitalter der Plastikshows wehmütig an alte Zeiten zurück, in denen solche erfrischende Pannen möglich waren, in denen man aber erkennen konnte, dass da eben der Gesang wirklich LIVE war und die Künstler auch wirklich singen konnten. Das Lied präsentierte die Dänin am 2. Juni 1977 übrigens auch in der Starparade des ZDF.

Nach der Zeit des Abschiednehmens sollte es wohl wieder um die Freude gehen: „Shake Me“ – „mach was und ich freu mich“ – GITTE hatte zwar wieder Spaß an der Freude, aber der von „PABLO PENCIL“ komponierte Song kam nicht wirklich beim Publikum an. Aus dem LESLEY-HAMILTON-Hit „No Hollywood Movie“ machte der Textdichter PETER ZENTNER für Gitte „Von Hollywood träumen“ – das war zwar ein veritabler Rundfunk-Hit und wird auch heute hin und wieder gerne gespielt, schaffte es aber nicht in die Charts.

Diesmal war das Statement der BRAVO durchaus interessant: „Sie hätte eigentlich etwas Besseres verdient als ausgerechnet ausländische Hits nachzusingen. Trotzdem – die Melodie ist gut, der Text spricht ebenfalls an. Warum sollte sie nicht einmal wieder einen Erfolg haben?„.

Erneuter Grand-Prix-Analauf für Luxemburg nicht von Erfolg gekrönt

Mit „Mach mich nicht schwach„, der deutschen Version von „Rien qu’une femme“, mit dem sie 1978 an der Vorentscheidung zum Grand Prix für  Luxemburg teilnahm, letztlich aber an Baccara scheiterte und „Mach mich nicht schwach“ endete die RCA-Ära dann unspektakulär, obwohl die BRAVO den Schlager als „anspruchsvoll“ gelobt hat.

Wechsel der Plattenfirma: Global / Metronome

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Go dav Gitte – herzlich willkommen bei Global und Metronome“ – so inserierte im Frühjahr 1980 Gittes neue Plattenfirma, um auf ihre dortige erste Single „Mach das doch noch einmal mit mir“ hinzuweisen. Die damals nur auf dieser Single erschienene Nummer war die deutsche Version des damaligen Hits „Do That One More Time“ von THE CAPTAIN & TENNILLE kann man wohl als Fehlstart bezeichnen.

Danach aber produzierte sie in den Münchener Arco-Studios eine Konzept-LP namens „Bleib doch bis zum Sonntag“, die eine Eindeutschung der LP „Tell Me On A Sunday“ war mit Liedern des erfolgreichen Musical-Komponisten ANDREW LLOYD-WEBBER, zu denen MICHAEL KUNZE die deutschen Texte verfasste. Textdichter der internationalen LP in Interpretation von Sängerin MARTI WEBB war übrigens DON BLACK, der kurze Zeit später auch einige Texte zu UDO JÜRGENS‘-US-LP „Leave A Little Love“ beisteuerte.

Riesen-Hit „Freu dich bloß nicht zu früh“

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Gleich die erste Single-Auskopplung der LP wurde ein Riesen-Hit, der sogar in die Top-10 der deutschen Single-Charts kam: „Freu Dich bloß nicht zu früh„. Die LP war der erste Longplay Gittes überhaupt, der es in die deutschen LP-Verkaufsbestenliste schaffte, wenngleich selbst diese viel beachtete Scheibe sich nur kurz dort platzieren konnte.

Für ihre LP wurde Gitte der deutsche Schallplattenpreis der deutschen Phonoakademie verliehen. In der Begründung hieß es: „Die Interpretin, deren Intensität, stimmliche Präsenz und Ausdruckskraft sich längst im Showgeschäft bewährt haben, überrascht mit Titeln, in denen sie ihren eigenen Qualitätsanspruch voll einlöst“ – wow, das ist mal ein Kompliment.

Auf den Spuren von BARBARA STREISAND

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Dass Gitte eine exzellente Cover-Sängerin ist, bewies sie auch mit ihrer nächsten Single, die auch sehr erfolgreich war. Aus Barbara Streisands Welthit „Woman In Love“ machte Texter Michael KunzeDie Frau, die Dich liebt„. Parallel zu ihrer Version erschien auch eine deutsche Version MARIANNE ROSENBERG („Ich hab auf Liebe gesetzt“, getextet von BERND MEINUNGER), die aber nicht so erfolgreich wurde wie GITTEs Version, obwohl MARIANNE ROSENBERGs Version früher auf dem Markt war als die von GITTE.

„Etwas ist geschehen…“

Nach dem großen Erfolg mit Hit-Adaptionen ging man diesen Weg weiter. Ein Oldie der 60er Jahre (Original von GENE PITNEY) wurde 1981 von MARC ALMOND neu aufgelegt: „Something’s Gotten Hold Of My Heart“ – die Neuaufnahme war in Deutschland erfolgreicher als das Original und erklomm Platz 1 der deutschen Single-Charts, was wohl Anlass genug für GITTE war, eine deutsche Originalversion auf den Markt zu bringen: „Etwas ist geschehen“ konnte zwar nicht an den Erfolg der englischen Version anknüpfen, wurde aber dennoch zum passablen Hit.

Die langsam aufschwappende Neue Deutsche Welle machte dann auch vorerst vor GITTE nicht halt: „Ungehemmt„, die deutsche Version des OLIVIA-NEWTON-JOHN-Hits „Physical“, lief zwar leidlich gut im Radio, konnte sich aber nicht in den Verkaufs-Charts platzieren.

OLIVER ONIONS produzieren GITTE-Album

Kurze Zeit später erschien ein von den italienischen Brüdern MAURIZIO und GUIDO DE ANGELIS (besser bekannt als OLIVER ONIONS, die kurz zuvor mit „Santa Maria“ einen Riesenhit hatten) produziertes Album, aus dem einige Singles ausgekoppelt wurden. Als erste Single aus dem Album erschien „Der Anruf (er rief an)„, die deutschen Version eines Liedes von TANJA SOLNIK, später auch von BONNIE BIANCO veröffentlicht – die Single blieb weithin unbeachtet. Komponiert wurde der Song von MAURIZIO und GUIDO DE ANGELIS.

Evergreen nicht in den Charts

Es folgte der von den Brüdern komponierte Song „Ich bin stark„, eine Single, die erstaunlicherweise kein großer kommerzieller Erfolg wurde. Schade – weder die imposante Komposition noch der ausgesprochen starke Text von MICHAEL KUNZE wurden in der Blütezeit der NDW wirklich wahrgenommen. Macht nichts, es ist und bleibt ein starker GITTE-Song.

Aller guten Dinge sind drei – als erfolgreichste Nummer aus dem „Ungeschminkt“-Album etablierte sich der Song „Ich will alles„, erneut von den DE-ANGELIS-Brüdern komponiert. Mit dem Song kam die Dänin in die Single-Charts und erreichte damit insbesondere einen großen bis heute gern gespielten Radiohit, den wohl gerade emanzipierte Frauen sehr mögen.

Konzeptalbum erstmals mit Nachnamen „HAENNING“.

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Mit der folgenden LP ging Global-Plattenboss PETER KIRSTEN dann neue Wege. Erstens verpasste er Gitte ihren Nachnamen „HAENNING“ (vorher erschienen ihre Tonträger unter ihrem Vornamen) und zweitens präsentierte er mit „Berührungen“ ein so genanntes „Konzeptalbum“. 1983 lud er Medienvertreter in große deutsche Städte ein, um sich von der Qualität des Albums zu überzeugen und brachte neben Gitte auch gleich Kopfhörer mit, damit sich jeder bestmöglich vom Sound des Albums überzeugen konnte.

Jeder Titel dieses Albums erzählt eine Episode – es schließt sich das nächste Ereignis an das vorangegangene nahtlos an. Schon deshalb hat die handelsübliche Platte keine Kennrillen. Nur für die Freunde vom Funk gibt es eine Sonderpressung mit Zwischenrillen. MICHAEL KUNZE hat für seine subtilen Texte in GITTE HAENNING die richtige, die möglicherweise einzige Interpretin bekommen, die das packen konnte“ – so war es im Branchenblatt Musikmarkt zu lesen. Später war der Longplay sogar Basis für eine ZDF-TV-Show.

Die Rechnung ging auf: Das Album „Berührungen“ wurde GITTEs einziges LP-Top-10-Album, das über viele Monate in den Charts vertreten war. Es wurde mit GOLD ausgezeichnet. Die gleichnamige Personality-Show lief 1984 in der ARD und wurde vom BR produziert. Regie führte GITTEs damaliger Lebenspartner PIT WEYRICH. Kurz zuvor wurde übrigens die ZDF-Show „Stark ist keiner allein – Die Gitte Show“ am 08.12.1983 vom ZDF ausgestrahlt, die aber keine Songs aus dem Album beinhaltete.

„Lampenfieber“ im DONNA-SUMMER-Sound

Gleich die erste Single-Auskopplung, „Lampenfieber„, hatte es in sich. Die Disco-Nummer, die etwas an DONNA SUMMERs  „She Works Hard for the Money“ erinnert, wurde GITTEs letzter großer Hit in Deutschland, der sogar als Maxi-Version erschien.

Die weiteren Auskopplungen aus dem Album, „So liebst nur Du“ (deutsche Version der von dem SILBER-CONVENTION-Macher“ SILVESTER LEAVEY mit komponierten Nummer „Only You Can Love Me This Way“) und der Liebeskummerkiller-Song „Liebe – nein danke“ („Liebe, nein danke-  jetzt hab ich die Nase voll. Dabei kommt ja doch nichts raus. Ich bin nur ich, und ich kann mich für dich nicht verändern, ich hab nur ein Leben…“)  hatten nicht mehr DAS Hit-Potenzial, vermutlich haben sich die Fans alle damals das Album gekauft.

Erste Deutschland-Tour

1984 ging dann ein lang gehegter Wunsch GITTEs in Erfüllung – im März startete ihre erste(!) Deutschland-Tour unter dem Motto „Berührungen“, in dem sie insbesondere die Lieder ihrer Global-Schallplatten präsentierte. Dazu wurde kurz später auch eine Live-LP herausgebracht („Live – mit Lampenfieber auf Tournee“).  Danach machte sie eine längere Pause – unter anderem auch, weil sie vom Bobtail ihres damaligen Lebensgefährten PIT WEYRICHs ins Gesicht gebissen wurde, woran sie länger laborieren musste.

Im Rahmen einer Best-Of CD („Meilensteine“), auf dem ihre Global-Erfolge zusammengefasst wurden, erschien dann auch eine Single namens „Aber Liebe ist es nicht„.

Letztes Global-Album: „Jetzt erst recht!“

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1987 meldete sich GITTE dann nach längerer Zeit mit einem neuen Album zurück, dessen Name Programm sein sollte: „Jetzt erst recht!“. Dieser trotzige Titel des letzten bei Global erschienenen Albums führte nicht zum gewünschten Erfolg – die Platte blieb weitgehend unbeachtet, ebenso die darauf enthaltenen Singles „Sonne und Mond„, „Aufwärts“ und „Du tust mir so gut„. – Das ist um so erstaunlicher, als die Platte in großen TV-Shows wie „Die verflixte 7″ und „Wetten, dass“ vorgestellt wurde. Mit der Scheibe im Gepäck ging Gitte im März 1987 auch erneut auf Deutschland-Tour.

Mit der deutschen Version des Donna Summer-Hits „Mac Arthur Park“ endeten dann die Achtziger Jahre und endgültig auch die Global-Ära.

1993: Album „Liebster“ erschein bei Warner

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Danach machte GITTE eine längere Pause – erst 1993 gab es bei der neuen Plattenfirma Warner wieder ein Lebenszeichen von ihr in Form der CD „Liebster“, die erneut im Münchener Arcor-Studio und im Bochumer Fairland-Studio entstand. Die Produktion entstand in Zusammenarbeit mit der niederländischen Musikerin MANY MARITA VAN BAAREN. Dem Vernehmen nach waren die Texte ihres vorherigen langjährigen Textdichters MICHAEL KUNZE zu persönlich.

Trotz guter TV-Präsenz (u. a. HECKs Show „Musik liegt in der Luft“ und die NDR „Schmidt-Show“) konnte sich die deutsche Version des SAM-BROWN-Hits „Stop“ namens „Hör bitte auf!“ nicht durchsetzen.

Die Auskopplungen aus diesem Album („Bis später“ und „Eiskalt„) floppten gnadenlos, was zur Folge hatte, dass Gitte sich erneut über Jahre hinweg aus dem Tonträger-Geschäft zurückzog. Zuvor absolvierte sie 1994 noch eine erneute Tour durch Deutschland unter dem Motto „Mitten in der Nacht“.

1995 Intermezzo als Musical-Darstellerin

1995 gab es ein kurzes Intermezzo als Musical-Darstellerin – aber auch sie konnte dem in Berlin aufgeführten Musical „Shakespeare And Rock’n’Roll“ nicht zum Durchbruch verhelfen.

Letztes Album bei Warner

1998 veröffentlichte Gitte ein Album namens „My Favourite Songs“ – dort sang sie internationale Popsongs in englischer Sprache. Das Publikum folgte ihr nicht – die CD floppte, auch der für die ZDF-Serie „Lisa Falk“ eingespielte Song „Like A Star in the Night“ blieb weithin unbeachtet. Der Vertrag mit Warner wurde daher 1999 aufgelöst.

Jazz-Album zum Bühnenjubiläum

Anlässlich ihres 50-jährigen Bühnenjubiläums veröffentlichte GITTE im Jahr des Todes ihres Vaters ein Album namens „Johansson“ mit Popsongs und schwedisch gesungenen Volksliedern, das sie auch im Rahmen einer kleinen Club-Tour vorstellte und dort auch die darauf enthaltenen Songs wie „Tanz der Welt“ und „Sturmkind“ präsentierte. Als weitere Single aus dem Album wurde auch „Frühling“ ausgekoppelt.

„Die GITTE-HAENNING-Story“

Kurze Zeit später portraitierte der renommierte Filmemacher MARC BÖTTCHER GITTE in seinem Film „Ich will alles – die Gitte Haenning Story“. BÖTTCHER, der schon mit einem Portrait der Sängerin ALEXANDRAviel beachtet wurde, räumte dafür erneut Preise ab – das Portrait Gittes erschien auch auf DVD.

Erfolgreiches Kapitel: „GWS“ – GITTE, WENCKE, SIW

2005 begann auch eine viel beachtete Tour GITTEs mit ihren skandinavischen Kolleginnen WENCKE MYHRE und SIW MALMKVIST. Unter dem Motto „GWS -die Show“ (GWS für GITTE-WENCKE-SIW) räumten die Nordlichter massiv ab, u. a. hatten sie bei DIETER THOMAS HECKs TV-Show „Die Goldene Stimmgabel“ einen beeindruckenden Live-Auftritt. Die CD zur Tournee konnte sich sogar in den deutschen CD-Charts platzieren.

Bislang letztes Album erschien 2010

Danach wurde es erneut recht ruhig um GITTE – bis zum Jahr 2010. Unter dem Label Universal veröffentlichte sie ihre bis dato letzte CD in Deutschland namens „Was Ihr wollt“ mit Neuaufnahmen ihrer großen Erfolge. Ihr auf dem Cover abgebildetes Outfit mag gewöhnungsbedürftig sein – aber GITTE war immer Individualistin, dennoch konnte sich das Album nur eine Woche in den Top 100 der deutschen CD-Charts halten.

„Still Crazy“

In Sachen „Schlager“ ist es für GITTE sehr ruhig geworden. Hin und wieder singt sie einzelne Titel im Fernsehen wie z. B. zuletzt im „Fernsehgarten“ und am 10. Juli bei der Ausstrahlung der Show „50 Jahre ZDF-Hitparade – die Zugabe“. Im Fernsehgarten waren ihre gesungenen Hits immerhin noch erkennbar und nicht völlig verfremdet.

Mit einem launigen Programm ist GITTE (, wenn das wieder möglich ist), auf Tour. Motto: „Still Crazy“. Hier und da ist zu hören, dass einige Fans enttäuscht sind, dass die Sängerin sich derart von ihrem ehemaligen Schaffen entfernt hat – sie versteht sich nun mal als Jazzerin. Dennoch gibt es bei ihren Auftritten hier und da einige Einlagen mit ihren alten Hits – vielleict kultiviert sie das ja auch wieder mehr – die Auftritte im ZDF lassen das zumindest erhoffen, zu tief ist die Sehnsucht der Fans auch und gerade nach den großen Erfolgen.

Bereicherung für deutsche Schlagerszene

Wie bei so vielen Schlagersängern und Schlagersängerinnen ihrer Zeit, hatte GITTE ihre größten Erfolge mit einfachen Schlagern, die nicht dem eigentlichen musikalischen Geschmack (Jazz) konform gingen. Dennoch hat die Dänin (wie so manche Skandinavierin) großen Einfluss auf die deutsche Schlagerszene genommen und die Qualität der deutschsprachigen Musikszene definitiv bereichert.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Abschließend gratulieren wir Schlagerprofis GITTE HAENNING JOHANNSON herzlich zum 75. Geburtstag – alles Gute, noch viele schöne gesunde Lebensjahre und viel Freude an der Musik.

PS: Aktuell ist eine tolle Werkschau von GITTE zu einem fairen Preis erschienen: „Electrola – das ist Musik“. Wir haben HIER darüber berichtet und können das 3-CD-Set nur empfehlen, geben aber den Hinweis, dass dort nur das (EMI)-Electrola-Material verwendet werden konnte.

Bild von Schlagerprofis.de

 

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