ZDF-Hitparade: Schlagerprofis.de-Kritik: Durchgefallen trotz Hammer-Quote 0

Wir haben uns gestern die Tribut-Show an den legendären Dieter Thomas Heck und die ZDF-Hitparade angesehen.

Als Moderator wurde leider eine komplette Fehlbesetzung vorgenommen: Thomas Gottschalk, der ohne Frage ein klasse Moderator, aber ja bekanntlich kein Fan des Schlagers ist, zeigte an diesem Abend, dass er schlicht und einfach nicht der Richtige für diesen Job ist. So erzählte  Gottschalk sinngemäß, dass er das ZDF fragte: „Habt ihr niemand Anderes?“ und die mit „Nö“ antworteten, er „Dann mach ich’s eben“ erwiderte und den Job annahm. Dies trifft den Nagel ungewollt auf den Punkt (vermutlich hat Gottschalk das eigentlich natürlich im Scherz gemeint).

Thomas Gottschalk

Direkt am Anfang erklangen die legendären Heck-Worte „Hier ist Berlin!“, während Gottschalk sein Publikum aus Offenburg begrüßte. Wenig später freute sich THomas über „70 Jahre ZDF-Hitparade, ach ne 50 Jahre natürlich. Ist aber ja auch vollkommen wurscht“. Eben: Die ganze Sendung war Gottschalk ganz offensichtlich „wurscht“. – Zudem versuchte er die unnachahmliche Stimme von Dieter-Thomas-Heck zu imitieren, was gehörig nach hinten losging. Schon in Gottschalks Biografie, in der er Kapitel nach Songs bennannte, wurde kein einziger deutscher Titel gewählt.

Statt die Show weitestgehend so zu gestalten wie das Original, wandte man ein „Wetten dass?! ähnliches Konzept an. So nahmen die Stars auf dem Sofa Platz. Dies waren zu Anfang Heino, Michael Holm, Marianne Rosenberg und Wenke Mhyre. Man versuchte, sich chronoglisch durch die Geschichte der Hitparade zu arbeiten, wich aber immer mal wieder ab. Zudem traten leider wenige Künstler auf, und das auch noch im Vollplayback-Verfahren. Dies ist ganz sicher nicht im Sinne von Dieter Thomas Heck, der in seiner Ära immer wieder betonte, dass live gesungen wurde. Mit viel unnötigem Palaver wurde die Show gefüllt, selbst Roland Kaiser, der mit 69 Auftritten der Mann war, der die meisten Besuche in der Hitparade hatte, war nicht dabei.

 

Heino, Michael Holm, Marianne Rosenberg, Thomas Gottschalk, Wencke Mhyre

Es könnte natürlich sein, dass der Grandsigneur des Schlagers seine Gründe hatte, fernzubleiben. Beispielsweise war auch Paola angefragt. Die hatte aber abgesagt, weil sie nicht schon wieder „Blue Bayou“ singen wollte – diesen Hit hatte sie schließlich bereits in der Helene Fischer Show gesungen – so ihre Argumenttation. —

Als erster Act tritt Howard Carpendale auf, der auch direkt einen kleinen Seitenhieb in Richtung Thomas Gottschalk schoss. Und auch Heino konterte den Moderator, der ihn mit unpassenden Kommentaren zuschüttete. „Ich bin keine Witzfigur“, machte der Kultsänger deutlich.

Heino

Im Vorfeld gab es schon Unmut einiger Stars, u. a. Jürgen Drews (seine Schlager-Karriere startete mit „Ein Bett im Kornfeld“ in der Hitparade), Christian  Anders, Bata Ilic oder auch Nino de Angelo (war besonders bedient, ohne seinen Megahit „Jenseits von Eden“ wäre dies wie Backen ohne Mehl) wurden nicht eingeladen. Stattdessen traten Bonnie Tyler mit Wenke Myrhe, Atze Schröder (, der zumindest Hitparaden-Fan ist und Ahnung von der Materie hat,) und David Hasselhoff auf.

David Hasselhoff

Zudem zeigte sich Ragnhild Heck erstmals nach dem Tod ihres Mannes wieder in der Öffentlichkeit, die sichtlich ergriffen von der Show war und so manche Anekdote mit Michael Holm austauschte. Zumindest sie war augenscheinlich angetan von Gottschalks Moderation. Apropos Michael Holm: Er war eines der wenigen großen Highlights der Tribute-Show. Während die meisten Künstler rechts auf der Bühne neben dem Sofa auftraten, trat er mitten im Publikum auf und ließ es sich auch nicht nehmen, die Ränge hoch und runterzulaufen. Als er wieder Platz nahm, stimmte das Publikum erneut seinen Song „Mendocino“ an.

Thomas Gottschalk, Ragnhild Heck

Während der Show wechselten die Stars auf dem Sofa, so gesellte sich auch Mike Krüger hinzu, der live an der Gitarre seine Hits „Der Nippel“ und „Bodo mit dem Bagger“ performte. Immerhin ein Auftritt ohne Playback an diesem Abend. Das Publikum, welches sichtlich in Partylaune war, ging ordentlich mit. Viele Fans hätten sich sicherlich mehr Auftritte von den Hitparaden-Stars gewünscht. Markus, der mit „ich will Spaß“ einen der größten Hits der Neuen Deutschen Welle in der Hitparade ablieferte, nahm auch auf dem Sofa Platz. Warum, wissen wir nicht – er wirkte eher wie ein Fremdkörper, und auftreten durfte er auch nicht. Nicole, die am Häufigsten bei der Hitparade aufgetretene Künsterlin, war hingegen eine Bereicherung. Mit ihrem großen Eurovisions-Klassiker, der von ihr in sieben Sprachen gecovert wurde, begab sie sich wie zuvor Michael Holm mitten in die Menge. Ein starker Auftritt, das Lied ist in unserer modernen Zeit aktueller denn je.

Nicole

Sicherlich ist diese Tribut-Show eine tolle Idee gewesen, leider wurde dies in keinster Weise gut genutzt. Mit den Auftritten von Michael Holm und Matthias Reim und Nicole so wie einige tolle Rückblicke auf Dieter Thomas Heck hatte die Show ganz sicher einige Höhepunkte, zu denen auch der Auftritt Ragnhild Hecks gehörte. Gesamt gesehen finden wir sie aber enttäuschend. Über Dinge wie Vollplayback, der Fehlbesetzung des Moderators (, der gegen Ende nicht einmal merkte, wo denn die Kamera ist und so mit dem Rücken zu den Fernsehzuschauern stand,) oder auch einigen Stars, die unentbehrlich gewesen wären, kann man nur schwer hinwegsehen. Wir sind froh, dass es überhaupt eine Show für die legendäre ZDF-Hitparade gibt, finden aber, dass die Chance, eine tolle und würdige Tribut-Show zu machen, leider versäumt wurde.

Die Mitwirkenden am Ende der Show auf der Bühne

Ganz offensichtlich sah es das Fernsehpublikum anders – vielleicht ist es aber auch der Mangel an Alternativen (wann sonst kann man schon mal eine TV-Show ohne DJ Ötzi und Ross Antony genießen?) – der Quotenerfolg ist fast als sensationell zu bezeichnen: 5,8 Millionen Zuschauer sind ein gigantischer Erfolg – und dennoch bleiben wir bei unserer wie wir finden begründeten Kritik.

Text: Kevin Drewes

Fotos: ZDF/Sascha Baumann

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MICHELLE begeistert 1600 Fans beim Tourauftakt in Gera 0

Es war ein besonderer Moment für viele Michelle Fans. Nach über zwei Jahren tourt sie wieder live mit Band durch Deutschland.

Bei Michelle weiß man nie, was einen erwartet. Die Künstlerin erfindet sich immer wieder neu, was sicherlich ein Grund ist, weshalb sie seit Jahren zur ersten Liga des deutschen Schlagers gehört. Es ist Punkt 20 Uhr als drei riesige LED Wände zu leuchten beginnen. Ein Intro, das in der heutigen Zeit seinesgleichen sucht, Spannung und Neugier werden geweckt, für den Bruchteil einer Sekunde ist Michelle zu sehen.

Und plötzlich steht sie da – Michelle – im Rampenlicht. Sie eröffnet ihre Show mit einem Song des neuen Albums. „Lass sie reden„, was könnte passender sein. Ihre Band hat sie völlig neu zusammengestellt. Jung und dynamisch könnte man die vier Jungs bezeichnen. Begleitet wird sie von einem Schlagzeug, Gitarre, E-Bass und Keyboards. Anscheinend musste man etwas Platz machen, denn auch vier Tänzer sind diesmal an Bord. Und die wirbeln sowohl Michelle als auch die Bühne ganz schön durcheinander.

Eine absolute Seltenheit in Michelles Live-Karriere ist die aktuelle Setlist. Zum ersten Mal seit fast 20 Jahren spielt sie wieder ihren ersten Single-Hit „Und heut Nacht will ich tanzen“ und nicht nur das. Auch „Erste Sehnsucht“ und der „Traumtänzerball“ finden zurück ins Repertoire. Überhaupt ist der erste Teil wie eine Reise in die Vergangenheit. Zwar finden auch neue Hits wie „Große Liebe“ ins Programm, dennoch dominiert die Jean-Frankfurter-Zeit.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Show. Die Band ist im Hintergrund, und Michelle steht oftmals allein auf weiter Flur. Sicherlich ist das so gewollt, und viele Interpretationen erinnern an ihre „Feste“-Auftritte. Aber Uwe Kanthak und sein „Michow-Concerts“-Team scheinen alles richtig gemacht zu haben, denn die Stimmung ist bombastisch. Das Publikum steht aber ab dem dritten Song, und Michelle feiert sich, die Menschen und den Abend.

Bei „Dein Püppchen tanzt nicht mehr“ ist die Halle endgültig am Beben. Nach der Pause geht es direkt rasant weiter. Noch bevor der erste Ton ertönt, steht Gera erneut Kopf und Michelle kann in „80 Küssen“ um die Welt reisen, auch „Ich tanz dich einfach weg“ findet den Weg vom neuen Album auf die Bühne.

Im Anschluss folgt ein akustischer Teil, wo es unter anderem in „Das Hotel in St. Germain“ geht. Auch beim Einlauf ins große Finale beweist Michelle ein glückliches Händchen und haut ihre Hits wie am Fließband raus. „Wer Liebe lebt“ bildet unter standing ovations das Ende des offiziellen Teils. Während sie im Zugabeteil ihren „Idiot“ im Publikum sucht, kommt Matthias Reim zu „Nicht verdient“ via Leinwand auf die Bühne. Zum Abschluss geht es nach „Paris„. Da das Publikum vehement Zugaben fordert, kommt Michelle trotz des bereits erscheinenden Lichts in der Halle nochmal hinaus und singt die Gänsehaut Ballade „Es gibt Dich„.

Unser Fazit: Das Showkonzept ist völlig neu, und Michelle mutet Ihren Fans einiges zu, da der Wandel zur „Dancing Queen“ ohne Vorankündigung kam. Wer sich darauf einlässt, wird einen fantastischen Abend erleben. Dennoch sei angemerkt: Ein bisschen trauern wir der „alten“ Band rund um Christoph Papendieck nach.

Foto: Anelia Janeva

NORMAN LANGEN präsentiert „Cordula Grün“ im Discofox-Style 0

Der Discofox-Spezialist Norman Langen (bzw. genauer gesagt seine Plattenfirma TELAMO) hat eine gute Idee gehabt – der Song, den der Österreicher Josh. ursprünglich zum Hit gemacht hat (wir haben früher als mancher TV-Show-Spezialist HIER auf die Qualitäten des Songs hingewiesen), kann nun auch die Clubs und damit die Foxtänzer der Nation begeistern. Norman hat eine tanzbare Version dieses Riesenhits erstellt – sehr zur Freude der tanzwütigen Fans.

Der Titel ist bereits am vergangenen Freitag erschienen und somit bereits auf den einschlägigen Downloadportalen erhältlich.