Udo Jürgens Schlager Jenny Jürgens

JENNY JÜRGENS im Interview über „Merci Chérie“ und das Erbe ihres Vaters UDO JÜRGENS

JENNY JÜRGENS: 60 Jahre nach dem ESC-Sieg spricht sie über persönliche Erinnerungen, das Leben im Schatten einer Legende – und ihre differenzierte Sicht auf Fans, Verantwortung und Selbstbestimmung

Sechs Jahrzehnte nach dem Triumph von „Merci Chérie“ blickt JENNY JÜRGENS nicht nur auf die musikalische Bedeutung des Welthits zurück, sondern auch auf die persönlichen Spuren, die das Leben mit einem Weltstar hinterlassen hat. Im Interview spricht sie offen über Kindheit, Prägung und die Entwicklung hin zu mehr Eigenständigkeit. Dabei findet sie auch klare Worte für Teile der Fangemeinde, deren Anspruchshaltung sie kritisch sieht (diese Haltung der „Tochter von…“ bedarf wohl keines weiteren Kommentars – unfassbar…).

Zwischen Wertschätzung und Abgrenzung wird deutlich: Das Erbe von UDO JÜRGENS ist nicht nur ein Privileg, sondern auch eine Herausforderung, die bis heute nachwirkt.


GENERIC INTERVIEW

60 Jahre „Merci Chérie“

Interview mit Jenny Jürgens


Jenny, vor 60 Jahren gewann Ihr Vater, Udo Jürgens, mit „Merci Chérie“ den ESC. Welche persönlichen Erinnerungen verbinden Sie mit dem Lied?

Es war nach drei Anläufen sein großer internationaler Durchbruch. Da das Lied schon vor mir existierte, begleitet es mich eigentlich mein ganzes Leben. Doch die wahre emotionale Tiefe habe ich erst als Erwachsene begriffen. Als Kind hielt ich es für einen simplen Schlager und habe es einfach mit der Musik meines Vaters assoziiert. Aber wenn man älter wird und eigene Erfahrungen sammelt, klingen Zeilen wie „Kein Meer ist so wild die Liebe“ ganz anders. Heute weiß ich: Es ist eines der ganz großen Liebeslieder.

Wie hat Ihr Vater den ESC damals erlebt und was erzählte er darüber?

Sicher haben wir darüber gesprochen. Er war damals extrem nervös, weil er nach zwei Niederlagen eigentlich nicht noch einmal antreten wollte – das hatte seine Euphorie gebremst. Man musste ihn überreden, doch dann hat es geklappt und er war überglücklich. Später wurde sein Verhältnis zum ESC jedoch distanzierter. Als er 1966 gewann, standen noch das Lied, die Komposition und der Gesang im Vordergrund. Udo allein am Klavier, auf dieser riesigen Bühne. Heute ist durch das Internet alles schriller und „drüber”: Die Show muss sexy sein – mit Tänzern, spektakulären Kostümen. Diese Entwicklung hat meinem Vater nicht gefallen.

Was hat Sie zur Picture-Disc-Edition von „Merci Chérie 60” inspiriert?

Die Picture Disc soll ein Schmankerl sein, wie man in Bayern so schön sagt.

Wir wollten den Fans zum 60. Jubiläum von „Merci Chérie“ etwas Besonderes geben, worüber sie sich freuen. Eine Art Verneigung vor dem Song. Da wir uns ja nun im 70. ESC-Jahr befinden, war das der perfekte Moment, das Lied mit den wunderbaren Fotos von Hansi Hoffmann zu verbinden. Die Kirsche auf der Sahnetorte sind bei dieser Picture Disc aber die vielen internationalen Versionen auf verschiedenen Sprachen, sogar auf japanisch. Vieles davon werden die Fans nicht kennen. Ich wusste zum Beispiel selbst bis vor Kurzem nichts von der Disco-Version – die hatte ich davor wirklich noch nie gehört und ich finde sie super.

Es gibt ein Foto von Ihnen vor einem „Wir sind Song Contest“-Plakat. Haben Sie in der Familie früher die ESC-Show immer angesehen?

Nein, wir haben es nicht regelmäßig gesehen – auch mein Vater nicht, was ich verstehe. Papa hatte eine konservative Seite; ihm ging es wie gesagt vor allem um die Lieder und um die Musik. Was in manchen Jahren dort zu hören und zu sehen war, waren zum Teil extrem schrille Auftritte. Wir waren nun aber in Wien bei der Aufzeichnung der ORF-Show „Wir sind Song Contest“ dabei, wo auch das Foto entstand.

Der ORF hat zur Einstimmung auf den ESC drei Pre-Shows produziert, moderiert von Barbara Schöneberger. Wir sind in der ersten Ausgabe mit Johnny Logan und der Sängerin Beatrice Egli zu sehen. Die eigentliche Live-Show werde ich allerdings gemütlich von der Couch aus verfolgen, und nicht vor Ort in Wien sein.

Welche Art von Musik hören Sie persönlich gerne?

Ich bin ein Fan von Soul-Funk, Jazz-Funk, Groove, R’n’B. Das kommt beim ESC eigentlich überhaupt nicht vor. Aber eine Sache habe ich gelernt – oder ich bemühe mich zumindest darum: Ich versuche, die Songs so zu hören, wie ein Fan es tun würde – auch die Lieder meines Vaters. Ich gehe also nicht immer nur nach meinem ganz persönlichen Musikgeschmack. Bei den ESC-Songs ist es manchmal hilfreich, einfach die Augen zuzumachen und sich wirklich nur auf das Lied zu konzentrieren.

Dann überlege ich mir: Welcher Song ist wirklich ESC-tauglich? So kann ich einen Song richtig super finden, ohne dass ich ihn mir privat zu Hause auflegen würde. Man muss es eben mit ESC-Ohren hören und nicht mit Jenny-Ohren (lacht).

Sie haben erzählt, dass Sie eine kleine Wohnung in Wien haben. Gehen Sie immer an das Grab Ihres Vaters, wenn Sie in der Stadt sind?

Ich gehe nicht jedes Mal zum Grab, wenn ich in Wien bin, aber einmal im Jahr zieht es mich dorthin – das muss auch gar nicht am Todestag sein. Einmal war es dort so voll, dass ich nur aus der Ferne geschaut habe. Ich muss nicht zwingend direkt davor stehen, zumal mich dort oft Leute ansprechen. Das ist zwar meistens sehr lieb gemeint, aber je nach eigener Verfassung ist mir nicht immer nach einem Gespräch.

Eigentlich brauche ich ohnehin kein Grab, um mich innerlich kurz mit Papa zu verbinden. Dennoch ist es mir wichtig, einmal im Jahr für mich allein eine Rose dort abzulegen. Dafür wähle ich dann meist Uhrzeiten, zu denen es ruhiger ist.

Ihr Vater ist mit dem Song „Merci Chérie“ über Nacht zum Super-Star geworden und war danach ständig unterwegs. Waren Sie eher stolz, ihn im Fernsehen zu sehen – oder waren Sie traurig, weil Sie ihn vermisst haben?

Wir waren einfach stolz, ihn im Fernsehen zu sehen. Als Kind habe ich das überhaupt nicht als Verlust empfunden – ich kannte es ja nicht anders und ich bin so aufgewachsen. Heute sehe ich das natürlich differenzierter. Ich werde im Januar 60 und blicke mit mehr Erfahrung auf unsere Familiendynamik, auf die Verluste und die emotionalen Themen bei uns zurück. Rückblickend muss ich sagen: Natürlich hat diese ständige Abwesenheit etwas mit meinem Bruder John und mir gemacht.

Das ist ja logisch. Aber wenn ich jetzt tiefer darauf eingehe, sitzen wir hier in einer Psychostunde (lacht). Es hat uns schon geprägt, aber als Kind kann ich mich nicht erinnern, gejammert zu haben: „Mama, warum ist der Papa nicht da.“ Meine Mutter war ja immer für uns da.

Ihr Vater wurde überall von Fans umringt, auch wenn Sie privat unterwegs waren. Wie war das für Sie als Kind, dass Sie ihn immer teilen mussten?

Gewöhnt habe ich mich nie daran, ich habe es eben akzeptiert. Aber ich muss sagen: Neben tollen, kultivierten und respektvollen Fans gibt es leider auch viele übergriffige, die glauben, der Künstler gehöre ihnen. Manchmal hatten sie durch das Hinterherreisen zu den Konzerten oft mehr von Udo als wir. Mich stört dieser Anspruch an uns, die Kritik: „Warum macht ihr dies so, warum ist jenes so?”

Auf die Fanseiten im Internet darf ich gar nicht erst gehen, da kriegt man die Krise, was da zum Teil geschrieben wird. Ich halte mich davon fern, weil es mich triggert – dieser Glaube:  „Der Udo gehört uns und wir dürfen uns erlauben, alles zu kritisieren. Da muss ich ehrlich sagen: Diese Art von Fans sind gelegentlich etwas schwierig. Demgegenüber stehen jedoch die wunderbaren Fans, für die wir all das gerne tun. Natürlich basiert Udos Erfolg zum Teil auf seinen Fans, aber eben nicht nur – im Kern stand immer seine eigene Kreativität und sein unermüdliches Schaffen.

Die Fans waren dabei die tragenden Pfeiler, auf denen dieses Lebenswerk ruhte. Deshalb ist uns eine positive Fanpflege auch so wichtig. Aus diesem Grund machen wir immer weiter. Mit Projekten wie der aktuellen Vinyl-Picture-Disc möchten wir die Erinnerung an Udo lebendig halten.

Zum 60. Jubiläum von ‚Merci Chérie‘ hat die Sängerin LEA eine ganz eigene, moderne Version dieses zeitlosen Klassikers aufgenommen. Wie fühlt es sich für Sie an zu sehen, dass die Musik Ihres Vaters auch sechs Jahrzehnte später noch junge, erfolgreiche Künstlerinnen inspiriert, seine Lieder neu zu interpretieren?

Udos Musik hat alle Generationen berührt – das war eine seiner vielen musikalischen Stärken. Natürlich finde ich es wunderbar, wenn eine junge, begabte Künstlerin dem Song eine ganz eigene Note verleiht und ihn somit jungen Menschen nahebringt.

Ihr Vater war bekannt für seine Präzision und die tiefe Emotion in seinen Kompositionen. LEA hat nun ihre ganz persönliche Note in ‚Merci Chérie‘ eingebracht – was hätte Ihrem Vater an dieser modernen, weiblichen Perspektive auf seinen wohl größten Triumph am meisten gefallen?

Ich kann nicht für meinen Vater sprechen – das habe ich auch nicht zu Lebzeiten getan. Deshalb nur so viel. Mein Vater hätte es immer schön gefunden zu sehen, dass seine Musik weiterlebt. Und das ist auch das Bestreben der Familie.

Warum glauben Sie, dass die Menschen auch nach 60 Jahren noch so gerne das Lied „Merci Chérie” hören?

Die große Qualität und Strahlkraft von Udo lag darin, dass er unglaublich zeitlose Songs geschrieben hat. Er konnte die Menschen über alle Generationen hinweg abholen. Vom jungen bis zum alten Menschen wurden diese Textzeilen und Melodien als absolut authentisch empfunden. Deshalb glaube ich, dass sie heute noch genauso ankommen und diesen hohen Stellenwert haben. Das ist eben kein ‘schlichter Schlager’, den man irgendwann einfach abtut – obwohl manche Leute genau das natürlich lieben.

Aber seine Texte haben eben immer den Finger direkt in ein Gefühl gelegt. Das Lied hat auch eine schöne Botschaft: Es geht darum, dankbar für die gemeinsame Zeit zu sein – selbst wenn eine Liebe zu Ende.

Stichwort Dankbarkeit: Wofür sind Sie dankbar in Ihrem Leben?

Dankbarkeit ist für mich eine der wichtigsten Haltungen, die ich in meinem Leben pflege. Ich weiß sehr genau, wo ich stehe und was mir geschenkt wurde. Aber vieles wurde mir eben auch nicht geschenkt – und das ist etwas, das viele Menschen bei mir oft übersehen. Für vieles musste ich wirklich kämpfen. Ich halte mich meist zurück, über Schwierigkeiten zu sprechen, weil dann schnell der Vorwurf kommt: „Ach, Jammern auf hohem Niveau.”

Alles wird oft der Tatsache untergeordnet, dass ich geerbt habe. Das empfinde ich manchmal als ungerecht, denn natürlich gibt es auch in meinem Leben emotionale Höhen und Tiefen – völlig unabhängig vom Erbe. Sonst hätte ja kein Mensch, der im Wohlstand lebt, emotionale Sorgen – und das stimmt einfach nicht. Unterm Strich bin ich vor allem dankbar für die Unabhängigkeit, die ich jetzt mehr denn je leben darf.

Das heißt, Sie können es sich heute erlauben, auch mal ‘Nein’ zu sagen…

Die größte Freiheit ist wahrscheinlich die Freiheit, ‚Nein‘ sagen zu können. Jahrzehntelang habe ich ‚Ja‘ gesagt – auch zu Dingen oder Shows, auf die ich eigentlich keine Lust hatte. Damals musste man das fast tun, weil es noch richtige Gagen gab; in den 80ern und 90ern bekam man für eine Show noch ein paar Tausend Mark. Heute gibt es oft nur noch Aufwandsentschädigungen. Bei den großen öffentlich-rechtlichen Sendern bekommt man zwar noch Gagen, aber die behalte ich nicht für mich: Ich spende sie an meine Initiative ‚Herzwerk – aktiv gegen Armut im Alter‘.

Deshalb bestehe ich auch auf einer Gage, um sie direkt weitergeben zu können. Es ist ein Privileg, heute komplett selbst entscheiden zu können, in welche Richtung jeder Tag geht: Möchte ich einen Job machen – ja oder nein? Danach handle ich. Mir ist sehr bewusst, dass viele Menschen diese Wahl nicht haben. Ich bin nicht betriebsblind; ich sehe genau, was für ein Kampf das Leben für viele ist – der Stress mit bezahlbarem Wohnraum, der Arbeit, Kinder erziehen und dem Geldverdienen. Ich weiß, dass das für viele eine echte Mühsal ist.

Wie wichtig war es Udo, dass seine Kinder den Wert des Geldes verstehen?

Es war ihm sehr wichtig, dass wir einen vernünftigen Bezug zu Geld entwickeln. Bei Zuwendungen war er durchaus streng. Ich bin ja sehr früh von zu Hause ausgezogen, schon mit 17, weil ich unbedingt zu meinem Bruder John nach München wollte – wir hingen extrem aneinander. Meine Eltern gaben mir damals eine Sondergenehmigung, auch wenn ich heute rückblickend sagen muss: ‚Du meine Güte, das war wirklich früh!‘

Ich weiß nicht, ob ich das meinen Kindern erlaubt hätte, aber es ist ja gut gegangen. In München mussten John und ich uns dann extrem einschränken. Mein Vater bezahlte zwar die Miete, aber zum Leben hatte ich gerade einmal 300 Mark im Monat. Davon mussten wir in einer Stadt wie München klarkommen. Da haben wir uns wirklich reduziert – es gab viel Mirácoli. (lacht)

Wie sehr hat der damalige Verzicht Ihre heutige Einstellung zu Geld?

Ich glaube, das war gut so, ich gehe heute noch nicht verschwenderisch mit Geld um. In München habe ich andere Kinder kennengelernt – Sprösslinge großer Modehäuser, die mit 19 im Mercedes SL vorfuhren und in Discos mit Magnum Champagnerflaschen um sich warfen. Ich fragte John damals: ‚Haben die überhaupt noch einen Antrieb, etwas zu erreichen?‘ Natürlich können Kinder reicher Eltern Karriere machen, sie bekommen eben viel Vitamin B.

Das hatte ich natürlich auch: Ohne den Namen Jürgens hätte ich vermutlich nie meinen ersten Film gedreht. Ich war keine große Schauspielerin – ich war jung, hübsch und hatte den Namen Jürgens. Das reichte für Fernsehrollen. Ich verstehe jeden Schauspieler, der sich durch die Schauspielschule und Theaterabende quält und sich dann denkt: ‚Na toll, schau dir das an.‘

Vor kurzem haben Sie ein Kinderfoto von sich gepostet mit dem Text: ‘Aus eigenwilligen Mädchen werden starke Frauen.’ Wie eigenwillig waren Sie?

Ich war schon ziemlich eigenwillig. Wenn meine Mutter heute davon erzählt, fängt sie meistens an zu stöhnen. Ich war zwar ein braves Kind und hätte mir nie getraut, frech oder respektlos zu meinen Eltern zu sein, aber wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt hatte, entwickelte ich diesen Tunnelblick – manche nennen es wohl Renitenz. Das ist bis heute so geblieben. Mein Mann David ist zum Glück sehr geduldig, aber ich glaube, manchmal ist es anstrengend für ihn. Meistens bin ich sehr glückselig und lieb, aber ich habe eben eine dominante Seite, was sicher auch daran liegt, dass ich für vieles in meinem Leben selbst kämpfen musste.

Lag das auch daran, dass Sie früh auf sich allein gestellt waren?

Ja, ich musste schon sehr früh entscheiden, wie und wo ich leben will. Da meine Eltern im Ausland und stark mit sich selbst beschäftigt waren, habe ich vieles allein gemanagt. Das hat früh eine enorme Energie in mir freigesetzt, obwohl ich damals noch gar nicht so gefestigt war. Früher war es mir extrem wichtig, gemocht zu werden; ich wollte einfach gefallen. Deshalb habe ich oft ‚Ja‘ gesagt, obwohl ich eigentlich ‚Nein‘ meinte.

Heute ist das anders: Der Drang, um jeden Preis gefallen zu wollen, hat stark abgenommen. Ich finde es zwar immer noch angenehm, wenn man mich mag, aber nicht mehr um den Preis meiner Selbstbestimmung. Heute traue ich mich, höflich, aber bestimmt ‚Nein‘ zu sagen – auch auf die Gefahr hin, jemandem mal auf den Schlips zu treten.“

Mit Ihrer Initiative „Herzwerk” geben Sie älteren Menschen eine Lobby. Warum liegt Ihnen gerade der Kampf gegen Altersarmut so am Herzen?

Viele engagieren sich für Kinder oder Tiere – was großartig und wichtig ist. Aber für ältere Menschen treten vergleichsweise wenige ein. Vielleicht finden manche das Thema nicht ‚attraktiv‘ genug für die Öffentlichkeit, aber ich sehe das anders. Ich finde es sogar sehr wichtig, denn das Alter betrifft uns am Ende alle selbst.

In südlichen Ländern, wie Ihrer Wahlheimat Mallorca hat die Familie noch einen hohen Stellenwert. Wie geht man dort mit älteren Menschen um?

Der familiäre Zusammenhalt ist dort spürbar stärker, aber es gibt auch einen enormen Druck, die Eltern zu Hause zu betreuen, wenn sie alt sind. Das hat nicht nur positive Seiten für die Familien. In Spanien fehlen schlichtweg die Kapazitäten: In einem Ort wie Sóller gibt es meines Wissens nur ein einziges Heim. Zudem ist die stationäre Pflege dort – genau wie in Deutschland – unglaublich teuer.

Oft heißt es vorschnell, alte Menschen würden heute einfach ‚ins Heim abgeschoben‘. Das stimmt so nicht. Die wenigsten können sich das überhaupt leisten, sofern kein hoher Pflegegrad vorliegt, bei dem ein Großteil der Kosten übernommen wird. Während in Deutschland etwa 86 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt werden, sind es in Spanien sogar 95 Prozent. Nur die wenigsten leben also tatsächlich in einer „Residencia.“ Und Angehörige zuhause zu pflegen ist eine riesige Herausforderung.

Wie sehr berühren Sie die Schicksale der Menschen, die Ihnen durch „Herzwerk” begegnen ?

Diese Begegnungen gehen mir sehr unter die Haut. Wenn ich sehe, in welchen Situationen manche Menschen leben, wird mir mein eigenes Glück umso stärker bewusst: Dank des Erfolgs meines Vaters werde ich nie in eine solche Notlage geraten. Das löst eine unendliche Dankbarkeit in mir aus. Ich habe die Initiative vor 16 Jahren gegründet und im DRK Düsseldorf einen tollen Partner gefunden. Ich engagiere mich nicht nur zeitlich, sondern unterstütze ‚Herzwerk‘ auch jedes Jahr mit erheblichen privaten Mitteln. Normalerweise rede ich nicht darüber – aber es ist mir wichtig zu betonen: Ich bin kein reines ‚Pressegesicht‘, das hinter den Kulissen nichts damit zu tun hat. Es ist mein Projekt und ich sehe es als meine Pflicht an, wirklich etwas zu bewegen.

Das Interview führte Martina Mack (Sony Music)

Artikel teilen:
Schlager Podcast
Schlagerprofis – Der Podcast Folge 077 – Das neue Jahr mit Silbereisen

Wir reden über vieles, was zum Anfang des Jahres in der Schlagerwelt stattgefunden hat…

Deine Schlager-Stars

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite