UDO JÜRGENS – Schlagerprofis-Rezension seines heute erschienenen Buchs und Hörbuchs „Spiel des Lebens“ Kommentare deaktiviert fĂŒr UDO JÜRGENS – Schlagerprofis-Rezension seines heute erschienenen Buchs und Hörbuchs „Spiel des Lebens“

Udo JÜrgens Spiel des Lebens

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Erste Posthum-Veröffentlichung seit zwei Jahren: „Spiel des Lebens“ von Udo JĂŒrgens und Michaela Moritz

Mit Udo JĂŒrgens starb am 21. Dezember 2014 der wohl grĂ¶ĂŸte Unterhaltungsmusiker und -komponist des deutschen Sprachraums. Nach jahrelangen Erbstreitigkeiten unter JĂŒrgens‘ Kindern wird sich nun um die Rechte seiner Kompositionen gestritten. Dies hat zur Folge, dass die 2017 erschienene CD „Merci Udo! 2“ vom Markt genommen und seitdem keine CD von Udo JĂŒrgens mehr veröffentlicht wurde. 

Doch immerhin gibt es anlĂ€sslich Udos 85. Geburtstag (abgesehen vom Film-Soundtrack „Ich war noch niemals in New York“) eine Veröffentlichung: Schon kurz nach der Veröffentlichung des Bestsellers „Der Mann mit dem Fagott“ erzĂ€hlte der Musiker davon, dass er mit seiner Co-Autorin Michaela Moritz Kurzgeschichten schreibe. Diese wurden nun unter dem Titel „Spiel des Lebens“ in Buchform veröffentlicht.

Die erste, autobiografische Geschichte ist titelgebend („Spiel des Lebens„), und der große Entertainer hat sie oft in Interviews erzĂ€hlt. Trotzdem war sie ihm anscheinend so wichtig, dass er sie auch schriftlich verewigt wissen wollte: Bei seinem erstem Besuch in Amerika, den er mit Studienfreunden unternahm, wollte er unbedingt ein Konzert seines Idols Sammy Davis jr. in Las Vegas erleben. Da er sich jedoch nicht einmal eine Stehplatzkarte leisten konnte, spielte er im Casino um das Eintrittsgeld. Das brachte ihm jedoch kein GlĂŒck, sodass er das Konzert nur an der BĂŒhnentĂŒr hören konnte. Über 20 Jahre spĂ€ter, als er lĂ€ngst selbst ein großer Star war, wurde er zu Sammy Davis‘ Konzert in MĂŒnchen eingeladen, vom Veranstalter zu seinem Platz gefĂŒhrt und nach dem Konzert vom Star des Abends in seiner Garderobe empfangen  – und der letzte Song des Konzerts war eine Komposition von Udo JĂŒrgens: „If I never sing another song“. 

Die Geschichte – die einzige, die in der Ichform geschrieben ist – schildert eindrĂŒcklich, wie sich das Leben eines Menschen in kurzer Zeit verwandeln kann. In den 1950er Jahren war Udo völlig unbekannt, sang Auftragsschlager erfolglos nach und tingelte von Auftritt zu Auftritt – und plötzlich ist er zu dem großen Star geworden, der er bis heute ist.

Die zweite Geschichte, „Das Lokal in der Kantstraße“, handelt von einem jungen Maler aus Österreich, der sich an der Berliner Akademie bewerben will. Damals ist er ein Niemand, der jeden Pfennig umdrehen muss. So besucht er die Berliner Paris Bar, in der er nun tĂ€glich einkehrt, solange er in Berlin verweilt. Der Kellner ist beeindruckt von dem jungen Maler, und sie freunden sich fĂŒr die Dauer seines Berlin-Aufenthaltes an, verlieren sich jedoch dann aus den Augen. Im Dezember 2011 ist der nun alte Mann, der inzwischen zu einem weltweit anerkannten Maler geworden ist, wieder in Berlin und trifft dort seinen Freund, den Kellner, wieder, der bald seinen letzten Arbeitstag haben wird. Sie beschließen, die versĂ€umte Zeit nachzuholen, und werden nun enge Freunde. 

Udo-JĂŒrgens-Kenner finden gewisse Parallelen zum Leben ihres Idols: wie der Maler musste sich auch JĂŒrgens im Alter einer HĂŒft-Operation unterziehen, wie der Hund des Kellners hieß auch Udos Hund Lucky. Die Geschichte endet mit einem Artikel der Berliner Zeitung vom Januar 2012, der vom letzten Arbeitstag eines Kellners in der Paris Bar berichtet. Dies erklĂ€rt den wahren Kern der Geschichte, die JĂŒrgens und seine letzte LebensgefĂ€hrtin erzĂ€hlen. In der Geschichte bleiben jedoch beide Protagonisten namenlos.

„Briefe aus der Fremde“ erzĂ€hlt von einem Mann aus Indien, der in einer Fabrik arbeitet, in der Jeans hergestellt werden. Eines Tages wird der Arbeiter befördert, er soll nun Löcher und Muster in die Jeans machen, da solche Jeans besonders gefragt sind. Darauf kann sich der Arbeiter jedoch keinen Reim machen. Er hĂ€lt solche Jeans fĂŒr minderwertig. Deshalb bittet er einen Freund, einen Brief aufzusetzen, in dem er sich fĂŒr die QualitĂ€t der Jeans entschuldigt und um eine ErklĂ€rung dafĂŒr bittet, warum der Besitzer gerade so eine Jeans kauft. 

Die Jeans findet ihren KĂ€ufer in Deutschland, bei einem wohlhabenden Mann, der mit seiner Tochter shoppen geht. Der geschiedene Mann hat SchuldgefĂŒhle, da er aufgrund seiner Arbeit wenig Zeit fĂŒr seine Tochter hat. Udo-Fans mögen nun wohl an das Lied „Der gekaufte Drachen“ denken. Der Mann ist sehr berĂŒhrt von dem Brief des indischen Arbeiters und beschließt, ihn finanziell zu unterstĂŒtzen und ihn persönlich kennenzulernen. Die ErzĂ€hlung beschreibt sehr anschaulich die gegensĂ€tzlichen Welten Deutschland und Indien. Auch diese Geschichte basiert auf einem Zeitungsartikel.

„Der Junge im Bus“ erzĂ€hlt von einem körperbehinderten rumĂ€nischen Jungen, der mit seinem armen Vater den ganzen Tag Bus fĂ€hrt, um nicht frieren zu mĂŒssen. Die Behinderung des Jungen ermöglicht es beiden, kostenlos mit dem Bus zu fahren. Sehr einfĂŒhlsam wird die beklemmende Situation von Vater und Sohn geschildert. Die Behinderung des Jungen bewahrt sie vor dem Frieren, doch die tĂ€gliche Busfahrt auf der immer gleichen Strecke macht beiden die Begrenztheit ihres Lebensraumes bewusst. Nur trĂ€umend kann der Junge seine Gehbehinderung und die Armut ĂŒberwinden, doch schon beim Aufwachen wird ihm die Ausweglosigkeit seiner Situation bewusst. Die Geschichte basiert auf einem Artikel der Deutschen HumanitĂ€ren Stiftung, laut dem der Junge und sein Vater gerettet werden konnten.

„Der Tanz auf dem Balkon“ spielt in Portugal und basiert auf einem Zeitungsartikel, in dem von einem reichen, alten Mann berichtetet wird, der einem portugiesischen Jungen einen Großteil seines Vermögens vererbt, ohne dass der Junge eine ErklĂ€rung dafĂŒr hĂ€tte. In der Geschichte von Udo JĂŒrgens und Michaela Moritz wird der Ă€ltere Mann als ein kinderloser Mensch charakterisiert, dem nur noch die Gegenwart bleibt. Er war ein begeisterter Musiker, der es jedoch nur zum Barpianisten gebracht hatte. WĂ€hrend der alte Mann – auch er bleibt namenlos – durch die Straßen schlendert, sieht er einen Jungen auf dem Balkon eines Haus ausgelassen zur Musik tanzen. Die Unbefangenheit des Jungen berĂŒhrt ihn so sehr, dass er sich von ihm anstecken lĂ€sst und mittanzt. Im Tanz werden sie eins, ohne sich je wiederzusehen. Die Begegnung mit dem Jungen berĂŒhrt den alten Mann so sehr, dass er ihm fast 200.000 Euro vererbt, ohne ihn wirklich kennengelernt zu haben.

Wie die erste Geschichte ist auch die letzte Geschichte des Buches, „Billy oder die Stunde des Königs“, eng mit Udo JĂŒrgens‘ Leben verknĂŒpft. Sie handelt von Billy Kudjoe Todzo, seit 1982 Percussionist in Udos Begleitband, dem Orchester Pepe Lienhard, sowie in den letzten Lebensjahren Udos Privatchauffeur bzw.  „-sekretĂ€r“. Neben Michaela Moritz war er dabei, als Udo JĂŒrgens starb. JĂŒrgens baute immer wieder Soloparts fĂŒr Billy in seine Konzerte ein, auch auf der letzten Tournee. Die Geschichte schildert sehr einfĂŒhlsam Billys Weg aus Ghana in eines der anerkanntesten Orchester der Welt. 

Die Kurzgeschichten von Udo JĂŒrgens und seiner letzten LebensgefĂ€hrtin Michaela Moritz sind wirklich lesenswert. Sie spiegeln JĂŒrgens‘ Interesse fĂŒr die unterschiedlichsten Kulturen und Lebenswelten der Menschen wider und ĂŒberraschen in ihrer einfĂŒhlsamen ErzĂ€hlweise – auch wenn Fans sich sicher am meisten ĂŒber neue CD-Veröffentlichungen des Musikgenies freuen (wĂŒrden).

„Spiel des Lebens“ erscheint heute, 28.08.2019, als Buch, eBook und als Hörbuch, fĂŒr das Christian Berkel als Sprecher gewonnen werden konnte, der in der Verfilmung des ersten Buches von JĂŒrgens und Moritz, „Der Mann mit dem Fagott“, Udos Großvater Heinrich Bockelmann spielte.

Autor: Georg Fuchs (Vielen Dank fĂŒr diese sehr fundierte Rezension!)

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VANESSA MAI: Ihre Abrechnung mit der Schlagerbranche hat es in sich: „Es wird vertuscht, die Presse wird erpresst“ 4

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VANESSA MAI: Bemerkenswertes Interview mit „Das Ding“

Ein wie wir finden sehr spannendes und entwaffnend ehrliches Interview gab VANESSA MAI dem SWR-Podcast „Das Ding“. In der Rubrik „Brust raus“ ging es u. a. um musikalische Grenzen und Klischees – okay, das ist bei VANESSA nichts wirklich Neues, und doch hat sie mal erfrischend „Tacheles“ geredet.

Ganz wohl hat sich VANESSA im SchlagergeschĂ€ft nie gefĂŒhlt, wobei sie, wie dem Clip zu entnehmen ist, nie davon getrĂ€umt hat, Schlagerstar zu werden – wichtig war es ihr, bekannt zu werden – und das ist nun mal mit Schlager gelungen – ursprĂŒnglich als SĂ€ngerin der Gruppe WOLKENFREI, deren Mitglieder – das gehört zur Wahrheit allerdings auch dazu – offensichtlich ausgebootet worden sind.

Auf dem Gipfel des Erfolgs schlich sich – den Eindruck darf man gewinnen – GrĂ¶ĂŸenwahn ein – entweder bei VANESSA oder ihrem Umfeld. Der kapitale Fehler war aus unserer Sicht, eine Arena-Tour anzukĂŒndigen – dafĂŒr war die Fanbase damals einfach nicht da. Der zweite Fehler war, statt die Reißleine zu ziehen und den Fehler zuzugeben,  etwas von einer „kreativen Phase“ erzĂ€hlt wurde. Ein Zitat aus dem „DAS DING“-Clip lĂ€sst in dem Zusammenhang aufhorchen:

„Wenn was schlecht lĂ€uft, wird das vertuscht und die Presse wird erpresst. Da darf nicht drĂŒber geschrieben werden“.

BezĂŒglich ihres Statements, dass die Presse erpresst wird, sollte VANESSA allerdings vielleicht auch auf ihr aktuelles Umfeld schauen: Ist ihr ganz aktuelles Promotion-Umfeld davon frei, unliebsame Medienpartner zu „erpressen“?

Kein gutes Haar lĂ€sst VANESSA MAI an vielen ihrer Schlagerkolleginnen und -kollegen, die in dem Spiel mitspielen. Denken wir an das Adventsfest, von dem es von der ARD bislang nach unserer Kenntnis genau ein Statement zur Ausstrahlungsmodus gibt, dass es nĂ€mlich „live“ gesendet worden sei.

Denken wir an (mindestens) eine Interpretin, die sonnenklar ungeimpft in einer großen Schlagerveranstaltung aufgetreten ist, bei der fĂŒr das Publikum 2G-Pflicht bestand. Denken wir an einen etablierten KĂŒnstler, der fĂŒr ein WeihnachtsKONZERT Musiker einfliegen lĂ€sst und das „Konzert“ bei besten Produktionsbedingungen Vollplayback spielt. Vor diesem Hintergrund ist dieses Zitat von VANESSA MAI schon spannend:

Man erwartet immer das Perfekte und das ist, wo ich sage, „Nein, das ist nicht das Leben!“. Ich finde das auch schade, dass viele im Schlager das auch vorleben.

Dass VANESSA MAI selbst in diesem Spiel einige Jahre lang sehr gut „mitgespielt“ hat, darf man dabei aber auch nicht vergessen. Und dass sie sich zumindest spĂŒrbar erst dann davon distanziert hat, als es offensichtlich „nicht mehr so lief“, sollte man auch nicht ĂŒbersehen. Trotzdem ist VANESSA ihren Äußerungen zufolge nun da angekommen, wo sie hinwollte.

Wir wĂŒrden das so zusammenfassen: Sie ist eine etablierte SĂ€ngerin mit Schlager-Background, die einerseits zwischen den StĂŒhlen sitzt (Rapper sehen sie als Schlagerstar und in der Schlagerszene gehört sie nicht mehr zur typischen Clique) – aber da sitzt sie gut. Sie wirkt bei vielen TV-Shows von Privatsendern mit, ist aber auch z. B. beim SWR als Showgast („Verstehen Sie Spaß?“) wie auch als Clipmoderatorin („MAI Way“) erfolgreich.

Musikalisch und in Medien breit aufgestellt

Auf der SOLL-Seite steht sicher, dass VANESSA in den Shows mit FLORIAN SILBEREISEN nicht mehr stattfindet und auch musikalisch in der Schlagerszene kaum wahrgenommen wird (wie sie selbst im Podcast kundtut, interessiert viele Portale vor allem, wenn mal der Rock hochrutscht, wĂ€hrend ĂŒber musikalische Erfolge und Projekte nicht berichtet werde).

Den Schuh ziehen wir uns ĂŒbrigens nicht an, weil wir z. B. ĂŒber den Erfolg ihrer Single mit SIDO berichtet haben und auch das neue Duett mit MIKE SINGER geschrieben haben, das ĂŒbrigens nicht bei VANESSA MAIs aktueller(?) Plattenfirma Sony Music erscheint – ob hier eine VerĂ€nderung ansteht, hat VANESSA allerdings bei „DAS DING“ nicht gesagt.

Die HABEN-Seite haben wir oben beschrieben – mit viel mehr Freiheiten ausgestattet, kann VANESSA MAI nun selber ihre Termine koordinieren und ihre „Features“ aussuchen und die Projekte angehen, auf die sie Lust hat.

Schlager-TĂŒr nun endgĂŒltig zu?

Man könnte meinen, dass VANESSA MAI mit ihren klaren Worten die Schlager-TĂŒr nun zugeschlagen hat, obwohl Events wie die „Schlagernacht des Jahres“ eigentlich genau fĂŒr sie gemacht sind, da kann sie ihre StĂ€rken ausspielen. Andrerseits muss man nur an NINO DE ANGELOs Statements der Vergangenheit denken und weiß, dass der Wind sich immer mal drehen kann. Aktuell finden wir gut, dass VANESSA einige deutliche Worte gefunden hat. 

Das sehenswerte Video kann HIER angesehen werden. 

Foto: © SWR/DRIVE beta

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MIREILLE MATHIEU: ARTE zeigt am 3.12. eine tolle Film-Dokumentation des „Spatzes von Avignon“ 0

Mathieu

MIREILLLE MATHIEU: Eine der erfolgreichsten französischen SÀngerinnen im Filmportrait

Eine der erfolgreichsten SĂ€ngerinnen Frankreichs, ein Star mit Weltruhm, ist zweifelsohne MIREILLE MATHIEU. Der französisch-deutsche Kultursender Arte strahlt nun ein filmisches Portrait von der beliebten SĂ€ngerin aus, das viele Schlagerfans interessieren wird, wobei MIREILLE MATHIEU nur in Deutschland als „SchlagersĂ€ngerin“ wahrgenommen wird, sie ist aber auch in LĂ€ndern wir Russland und China ĂŒberaus beliebt. Der „Spatz von Avignon“ sang im Duett mit Weltstars wie CHARLES AZNAVOUR, PLACIDO DOMINGO, PATRICK DUFFY und auch PETER ALEXANDER – eine fulminante Karriere – auf Augenhöhe mit der Legende EDITH PIAF.

Film-Portrait auf Arte

Der Sender Arte strahlt am 3. Dezember ab 22.20 Uhr einen Dokumentarfilm aus, der sicherlich sehenswert sein wird. Zu Wort kommen u. a. MIREILLE selbst, aber auch WeggefĂ€hrten wie CHRISTIAN BRUHN und RALPH SIEGEL – fĂŒr Freunde des gehobenen Schlagers wird der Film von JANA VON RAUTENBERG sicher sehr interessant werden… Die ausfĂŒhrliche Schlagerprofis-Biografie findet sich HIER.

3.12.2021, 22.20 Uhr auf Arte: „Mireille Mathieu – Singen, nur singen!“

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