LUKAS HAINER: HELENE-FISCHER-Textdichter schlägt Alarm bezüglich deutscher Musik im Radio 0

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LUKAS HAINER: Endlich wehrt sich mal jemand aus der Branche

Zugegeben – es ist eins unserer Lieblingsthemen. Das Ă„rgernis, dass öffentlich-rechtliche Sendeanstalten Schlagerfans im Radio bevormunden, indem sie eine ĂĽberaus beliebte Musikrichtung teilweise weitgehend selbst dann boykottieren, wenn es um extrem populäre Stars wie HELENE FISCHER geht, ist eigentlich ein Skandal, u. a. haben wir das HIER zum Thema gemacht. Das Problem ist, dass die Schlager-Fans offensichtlich „leidensfähig“ sind und sich dann eben auf Schlager-Events und Streaming-Dienstleister konzentrieren und sich vom Radio abwenden oder (LEIDER!) ABBA und HARPO in Dauerschleife auf WDR4 hören – deren Corona-UnterstĂĽtzung der deutschen Musikautoren sah ja so aus, auch weiterhin vornehmlich internationale Oldies zu dudeln. – 

Schon MAL SONDOCK war Beleg für Desinteresse am Hörer

Dass Sender wie WDR4 keine einzige Schlager-Sendung mehr anbieten – wir haben es oft genug zum Thema gemacht, offensichtlich hat man es bei Anstalten, die ihre GebĂĽhren per Zwangsabgabe eintreiben können, nicht nötig, auf Stimmen des Publikums zu hören, wenn die nicht „auf die Barrikaden gehen“ und derartige Ă„rgernisse als „schweigende Mehrheit“ leider in Kauf nehmen. Das Desinteresse am eigenen Publikum hat insbesondere beim WDR ja Tradition, man denke an die sinnfreie Absetzung des damals enorm populären MAL SONDOCK damals bei WDR2 im Jahr 1984.

Leider nur wenig „Gegenwehr“

Leider muss man allerdings auch feststellen, dass nur die allerwenigsten Schlagerstars den „Arsch in der Hose“ haben, diesen Missstand anzuprangern – sicher auch aus Angst vor „Sanktionen“, dann womöglich weder in den letzten Schlager-Nischen des Radios stattzufinen noch in den wenigen Schlager-Shows im Fernsehen. Nur wenige Schlagerinterpreten wie zuletzt CHARLY BRUNNER oder immer mal wieder PETER SEBASTIAN und ULLI SCHWINGE sind hier mutig vorangegangen – schade. Auch von Seiten der Songautoren gab es nur selten mal einen Aufschrei, hier hat beispielsweise WERNER PETERS die Initiative ergriffen.

Um so erfreulicher, dass mit LUKAS HAINER nun endlich mal wieder jemand seine Stimme erhebt. Der Name wird vielleicht nur Insidern ein Begriff sein – aber LUKAS hat sehr populäre Songs (mit) getextet, wie z. B.

  • „Herzbeben“ (HELENE FISCHER)
  • „Wer sagt das“ (BEN ZUCKER)
  • „ScheiĂźmelodie“ (KERSTIN OTT)

– um nur einige wenige zu nennen. Anlass fĂĽr LUKAS‘ Artikel auf der Webseite des Deutschen Textdichter Verbands war ein Artikel des Medienportals DWDL, der in der u. g. Quelle verlinkt ist. Darin wird u. a. der Chef des Senders FFN, NIKLAS GRUSE, wie folgt zitiert:

„Deutsche Musik hat es bei den groĂźen AC-Sendern nie ganz leicht gehabt, da sie bei Hörerinnen und Hörern polarisiert“

Statements von „Fachleuten“ dieser Art kennen wir ja zur GenĂĽge. Legendär die Analayse von „Experten“, die zum Schluss kommt, dass Musik von HELENE FISCHER zu „Abschalt-Impulsen“ fĂĽhre. Die Aussagen, die Wellenchefs gegenĂĽber DWDL getätigt haben, können teilweise nur zum KopfschĂĽtteln anregen. Es darf vielleicht durchaus in Zweifel gezogen werden, ob es nachlassende Qualität deutscher Produktionen ist, die aktuell eine Krise verursacht – oder aber, dass in derartigen Positionen ja meist keine Menschen (mehr) sind, die vom Medium fasziniert sind und sich eine gute Strahlkraft wĂĽnschen, sondern die irgendwelche Studien absolviert haben und somit ggf. kaufmännischen Hintergrund haben, aber völlig blutleer sind.

GroĂźartige Radio-Macher wie vor vielen Jahrzehnten – als Paradebeispiel sei FRANK ELSTNER genannt – hätten heute wohl keine Chance mehr in der Radiolandschaft.

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Artikel von LUKAS HAINER im Wortlaut – danke fĂĽr die Abdruckgenehmigung beim Deutschen Textdichter Verband:

„Wir wĂĽnschen uns PartnerInnen, die unsere Kulturbranche ernst nehmen und mit uns zusammenarbeiten“ – ein Statement zur Radiolandschaft von LUKAS HAINER

Bezug nehmend auf diesen Artikel des Medienmagazins DWDL.de mit dem Titel „Wieso Radiosender einen Bogen um Deutschpop machen“ schreibt Lukas Hainer, einer der erfolgreichsten Textdichter und Musikautoren Deutschlands und auĂźerdem DTV-Vorstandsmitgliedund -Schatzmeister, nachfolgende Worte: 
 
Dass deutschsprachige Musik in der deutschen Radiolandschaft keinen leichten Stand hat, ist kein neues Phänomen. Obwohl im letzten Jahrzehnt medial gerne schlagzeilenstark einem „Boom des Schlager-Genres“ nachgegangen wurde, war davon in der Radiolandschaft nichts zu sehen. Im Gegenteil verräumten selbst die öffentlich-rechtlichen Sender den deutschsprachigen Schlager fast ausschlieĂźlich in online abrufbare Spartenangebote.

Und während deutschsprachige Popmusik mit KünstlerInnen wie Mark Forster, Vincent Weiss oder Sarah Connor in den Radiocharts noch lange gut vertreten war, scheinen die Sender auch hier nun umzudenken: Deutschsprachige Musik testet in Umfragen zunehmend schlechter und verschwindet folgerichtig aus dem Angebot.Schuld daran seien die Kreativen selbst.

Komponisten und Textdichterinnen, Produzentinnen und KĂĽnstler bieten Songs an, „wo heute vieles eher nach einem alten Schema produziert zu werden scheint“, sagt zum Beispiel Tanja Ă–tvös, Musikchefin bei Radio Hamburg, in einem Interview gegenĂĽber DWDL.

„Vor ein paar Jahren wirkten diese Titel noch deutlich innovativer als heute.“

Und Niklas Gruse, Musikchef bei Radio FFN, beklagt im selben Kontext die starke Zunahme deutschsprachiger Popmusik:

„Es ist wie beim Kochen: Zu viel macht das Essen nicht schmackhafter.“

Dass ausgerechnet Radioredakteure Innovation in der Musiklandschaft vermissen, klingelt einem als Musikautor schon in den Ohren. Immerhin ist der Fingerzeig aufs Radio bei Songwriting und Listening Sessions stets mit der Überlegung verbunden, provokante Textzeilen zu entschärfen, harte Sounds weichzuzeichnen und nach zwei Schritten nach vorne vielleicht lieber nochmal einen zurückzutreten.

Und auch Herrn Gruse muss man fragen, wohin seine Essensmetapher ihn denn nun trägt: Sollte die Muttersprache bei deutschen Musikschaffenden vielleicht nur das Salz in der Suppe sein, mit dem man vorsichtig umgehen muss? Sollten wir doch lieber generell mehr auf ein internationales „simple English“ zurĂĽckgreifen, das auch gerne mal inhaltsarm aber mit Wohlklang die Autofahrt untermalt? Zu mehr Innovation dĂĽrfte dieser Ansatz nicht fĂĽhren.

Auch wir MusikautorInnen haben uns in den vergangenen Jahren oft gefragt, wo die Ursachen der Verdrängung der deutschen Sprache in unserer Radiolandschaft liegen. Immerhin ist deutschsprachige Musik aus allen Genres in vielen anderen Formaten, vom klassischen Fernsehen bis zum Streaming, weiterhin stark nachgefragt. Doch während zum Beispiel viele Streamingangebote ihre HörerInnen schon strukturell dazu animieren, auch neue KünstlerInnen kennenzulernen, haben die meisten RadiohörerInnen von der zunehmenden Menge kontemporärer, deutschsprachiger Musik, von der Herr Gruse spricht, gar nichts mitbekommen.

Präsentiert werden bei FFN wie auch bei zahlreichen anderen privaten wie öffentlich-rechtlichen Sendern seit Jahren starke Rotationen der immer gleichen KünstlerInnen, die auf Dauer zur Ermüdung und vielleicht auch dem Eindruck fehlender Innovation führen, wie er bei Frau Ötvös entstanden ist. Als Musikschaffende beklagen wir diese Einseitigkeit ebenfalls schon lange und so gibt es sogar eine Initiative, die in Zeiten der Pandemie entstanden ist und die hiesigen Kreativen ebenso wie die Vielfalt im Radio stärken möchte: #musikvonhier.

Bei #musikvonhier stellen in Deutschland beheimatete KünstlerInnen, darunter Silbermond, Alvaro Soler, Leslie Clio oder Alle Farben, die ganze Vielfalt unserer Musiklandschaft liebevoll in einer ganz persönlichen Auswahl vor. Es sind engagierte KollegInnen, die dieses Format in Kooperation mit Rundfunkpartnern geschaffen haben, und die mit großem Einsatz an dessen Verbreitung arbeiten. Und ich bin sicher, dass genau solche Beiträge in der Breite auch zu einer besseren Testung des deutschsprachigen Repertoires unter den Hörern führen könnten.

Doch noch ein zweites Phänomen, das Herr Gruse in seinem Kommentar anspricht, sticht ins Auge: „Die Grenzen zwischen deutscher Popmusik und deutschem Schlager sind oft flieĂźend“ und das sei ein Problem, denn „beide Musikstile [sind] nicht miteinander kompatibel. Wer deutsche Popmusik mag, steht nicht zwingend auf Schlagermusik und erwartet diese auch nicht bei seinem Lieblingssender.“

Dass Schlager und Popmusik sich in vielen Bereichen näherkommen oder sogar verschmelzen gibt es nicht erst seit Helene Fischer. Wir MusikautorInnen beobachten diese Tendenz seit mindestens einem Jahrzehnt und sind selbst oft genug über Genregrenzen hinweg tätig. Und dass ein Mainstream-Radio bei so einem Repertoire Gefahr sieht, mit seinem Image aus dem Fahrwasser der jungen Zielgruppe zu geraten, ist nachvollziehbar. Aber kann die Antwort darauf sein, alles Undefinierbare auszuklammern?

Es demonstriert zumindest nicht besonders viel Gefühl für den Zeitgeist und gibt ein schlechtes Zeugnis zur Innovationskraft des eigenen Senders, wenn die Wellen so einen offensichtlichen musikalischen Trend nicht nur nicht mitgehen, sondern im Gegenteil altbewährte Genrebegriffe zementieren, an Geschmacksklischees verhaften und alle Zwischenbereiche großflächig umgehen.

Als kreativ an Musik arbeitende Menschen in Deutschland nehmen wir gerne jede Herausforderung an, musikalische und sprachliche Innovationen zu schaffen und mit unseren Werken zu überraschen, oder auch einfach die HörerInnen Ihrer Wellen in Ihrem Alltag mit viel deutschsprachigem Gefühl in alle Richtungen zu begleiten. Wir wünschen uns dabei aber PartnerInnen auf Seiten der deutschen Radiolandschaft, die uns nicht mit Pauschalurteilen abstrafen, sondern unsere Kulturbranche ernst nehmen und mit uns zusammenarbeiten, um das heimische Repertoire zu fordern und zu fördern. I

Ich für meinen Teil würde mich freuen, #musikvonhier-Beiträge auch bei FFN oder Radio Hamburg zu entdecken, und auch über jede andere Form der Kooperation und des sachlichen Austauschs. Unsere Kulturlandschaft könnte davon besonders nach diesen schwierigen Pandemiejahren nur profitieren.

Quelle: Deutscher Textdichter Verband, LUKAS HAINER
Foto: Foto (c) Franziska Nehmer

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