HELENE FISCHER u. a.: Oh je -nur noch sieben(!) Schlageralben in den Top-100 der Albumcharts 4

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HELENE FISCHER und Co.: Befindet sich der Schlager in einer Krise?

Wer als Freund des deutschen Schlagers einen Blick in die aktuellen Top-100 der Albumcharts blickt, kommt ins GrĂĽbeln. Gerade mal 7 Schlageralben befinden sich in den Charts. Und dabei sind noch zwei Alben vertreten, die durchaus eher in den Bereich der volkstĂĽmlichen Musik gehören, nämlich die Alben von BIANCA und den NOCKIS. Ein den Schlagerprofis zugetaner Brancheninsider hat diese Entwicklung schon vor längerer Zeit prognostiziert – leider hat er vielleicht Recht behalten – wenn man ehrlich ist, kann von einem Schlagerboom aktuell keine Rede mehr sein. Da kann man froh sein, dass HELENE FISCHER sich konsequent in den Top-15 hält. 

Pandemie einer der Ursachen?

Wie fĂĽr sehr viele Lebensbereiche, gilt auch in der Schlagerszene, dass die Pandemie die Branche stark ins Straucheln gebracht hat. Gerade der Schlager lebt von der Live-Performance seiner Protagonisten – und da herrscht seit zwei Jahren aus bekannten GrĂĽnden eine gewaltige Flaute. Das scheint sich schleichend nun auch in den Albumcharts auszuwirken – Platz 8 der Schlagercharts ist nicht mehr in den Top-100 des internationalen Rankings vertreten. Man kann nun sagen, dass Acts wie VERSENGOLD (aktuelle Nummer 1) durchaus auch einen Schlager-Einschlag haben – dennoch sehen wir hier einen Grund zur Sorge. 

Fehlen die groĂźen SILBEREISEN-Events?

Bei aller Kritik muss man sicher konstatieren, dass ĂĽber Jahre hinweg die Shows von FLORIAN SILBEREISEN fĂĽr gewaltige Chartseinschläge gesorgt haben, insbesondere, wenn HELENE FISCHER dabei war. Die letzten Shows haben hier – sicher auch Pandemie-bedingt – keine Akzente setzen können – im Gegenteil – das Weihnachtsalbum der SCHLAGERKIDS hat es z. B. nicht einmal in die Top-100 geschafft, obwohl man beim Adventsfest eine gute Promotion hatte. Auch IREEN SHEER hätte sich vielleicht mehr als eine Woche in den Charts gewĂĽnscht – ihr Album hat es nicht einmal in die Top-20 der aktuellen Schlagercharts geschafft – auch da hat man sich wohl mehr versprochen. 

Wird es eine Trendwende geben?

Man muss andrerseits schon zugeben, dass viele der groĂźen Stars (abgesehen von HELENE FISCHER) keine aktuellen Produkte am Start haben. ANDREA BERG hat schon lange kein aktuelles Album veröffentlicht, MAITE KELLY, ANDREAS GABALIER und ROLAND KAISER werden vermutlich schon bald mit neuen Alben präsent sein. Das neue Album von FANTASY wird sicherlich auch gut einschlagen. Die Schlagerchampions lassen hoffentlich auch noch auf sich warten – hoffen wir also, dass wir im Laufe des Jahres wieder mit einer Trendumkehr rechnen können…

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4 Kommentare

  1. Wenn man jetzt aber sagt, daĂź Helene kein Schlager mehr ist, ist es sogar noch ein Album weniger. Aber nochmal gesagt, es fehlen die groĂźen Hits einer Berg, einer Fischer, einer Egli und anderer.
    Der Schlager zerstört sich aber auch selber. Neben Fischer ist auch Beatrice Egli ein Beispiel. Seit ihrer Auszeit in Australien entfernt sie sich immer mehr vom Schlager. Übrig bleibt nur schnöde Popmusik. Und das was als moderner Schlager oder Schlager 2.0 bezeichnet ist nur ich sage es ganz ehrlich musikalische Crossover-Scheiße. Von jedem ein bisschen aber nichts ganzes, also kein musikalisches Fundament. Wenn ich Schlager hören will, will ich Schlager hören. Oder beim Metal will ich Metal hören. Als Beispiel Slayer mit South of Heaven (1988) oder Sodom mit Agent Orange (1989). Die Schlager des Monats im MDR sind auch vollkommen überflüssiig. Warum denkt der MDR, das war er dort zeigt ist das Beste? Und solche gehypten Schlagersängerinnen wie Liebing oder Marx ist nichts Neues. In den letzten 40 Jahren alles schon mal dagewesen.

    Martin

  2. Man sollte den Schlager nicht wieder als Schlager schlechthin ( wie er frĂĽher war) eingruppieren. Die Rede war seit Jahren, daĂź H.F. den Schlager revolutioniert hat. Das stimmt, denn das Publikum und Fans sind viel viel jĂĽnger geworden. Schaut man sich die verschiedensten Schlagershows an, tanzen,feiern und singen 3 Generationen mit. Geschweige man geht noch hin, ist live dabei. Persönlich finde ich den Facetten-Reichtum des heutigen“ Schlagers“ super, da ist es nicht so eingegrenzt.

    1. Hallo Frau Weber, ja Helene Fischer hat den Schlager revolutioniert. Das hat Sie aber nach meinem Empfinden dadurch getan, indem sie einen bestimmten Sound und Klang zurĂĽckgebracht hat, den von Big Bands. Erinnert sei an das Konzert im Herbst 2010 in der O2 World Berlin, die „So wie ich bin Tournee“. Diese Tour steht in einer moderneren Variante in der Tradition von Udo JĂĽrgens, Peter Alexander und anderer KĂĽnstlern der Vergangenenheit. Man achte nur auf den Einsatz der Posaune, der Trompete und des Saxophons. Zu verdanken ist das wahrscheinlich Christoph Papendieck. Davon ist der Schlager mittlerweile ganz weit entfernt. Vieles was heute veröffentlicht wird, kann man als Computer-Keyboard-Plastik-Sound bezeichnen. Das Helene mit Rausch diesen Weg geht ist enttäuschend. Aber wie die Schlagerprofis schreiben, der Schlager scheint sowieso auf dem RĂĽckzug zu sein. Nach einer tollen Schlagerzeit von 2006 bis ca. 2018 ist der Schlager Uninteressant, Eintönig und Unattraktiv geworden. Es gibt nur wenige Ausnahmen, aber die bekommen keine Chance.

      Martin

  3. Klang und (Plastik)-Sound hin oder her und ja, der Schlager ist dadurch, dass nun alle Schlagerstars (nur noch) auf einer gleichen/selben Ebene spielen/singen, wieder uninteressant geworden. Leider. Aber revolutioniert hat ihn „einfach“ H.F. damals und auch heute noch.

IKKE HĂśFTGOLD: „Darf dieser Mann fĂĽr Deutschland singen?“ – Exakt 25 Jahre nach GUILDO tritt er an! 2

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IKKE HÜFTGOLD hat es tatsächlich als TikTok-Sieger zum ESC-Vorentscheid geschafft

Nachdem der NDR auch in diesem Jahr wieder sehr merkwĂĽrdige Kriterien angelegt hat, wer Deutschland beim ESC vertreten darf (oberste Maxime: Kein Schlager, ebenfalls von größter Wichtigkeit: Kein deutscher Text – und Transparenz, warum der eine Titel es geschafft hat und der andere nicht ist auch wie immer unerwĂĽnscht), haben wir ĂĽberlegt, diese zur Witzveranstaltung verkommene Veranstaltung gar nicht mehr zum Thema zu machen.

Welcher Song Deutschland in diesem Jahr wieder bis auf die Knochen blamiert, erschien uns egal, wobei der eine oder andere Titel nicht ganz so schlimm ist wie das, was wir von den Vorjahren kennen (mit LORD OF THE LOST wäre zumindest ein erneuter letzter Platz wohl nicht zu erwarten). 

Nach wie vor nebulöse Kriterien für die Auswahl

WARUM z. B. eine SENTA oder ein THOMAS GODOJ keine BerĂĽcksichtigung fanden – schwer zu sagen. Transparent wird das ja nicht kommuniziert. Und warum es eine TikTok-Vorauswahl gab, bei der man sich als Fan nur dann beteiligen konnte, wenn man sich dort angemeldet hatte, um ältere Voter vom Verfahren auszuschlieĂźen, ist fĂĽr einen öffentlich-rechtlichen Sender auch eine merkwĂĽrdige Vorgehensweise. Dass die Quittung dafĂĽr nun der Sieg von IKKE HĂśFTGOLD ist, ist natĂĽrlich endlich mal ein positiver Aspekt, der wieder Lust auf den ESC macht. 

Vor 25 Jahren: „Darf dieser Mann fĂĽr Deutschland singen?“

Schlager wird ansonsten ja ohnehin ausgeklammert, obwohl noch immer die allermeisten ganz groĂźen ESC-Hits aus dem Schlagersektor stammen. Vor 25 Jahren war die Situation ähnlich. Damals hat sich GUILDO HORN dem Wettbewerb gestellt. Und damals gab es noch NDR-Entscheidungsträger, die sich nicht NUR am eigenen Geschmack orientiert hatten. Die BILD fragte damals – auf den Tag genau(!) am Tag der Nominierung von IKKE – exakt am 4. Februar 1998 titelte die BILD: 

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Das Wort „Krieg“ ist natĂĽrlich aus aktuellem Anlass völlig unpassend, das Thema an sich aber interessant. Mit IKKE HĂśFTGOLD stellt sich ein ähnlich polarisierender Interpret, dessen Song mitnichten ein „Ballermann-Song“ ist. Augenzwinkernd, selbstironisch und fĂĽr IKKEs Verhältnisse fast tiefsinnig – dem NDR wäre zu wĂĽnschen, wenn IKKE nun eine ähnliche Lawine wie im Vorjahr ESKIMO CALLBOY lostreten könnte, als auch der Frust ĂĽber selbstgerechte Alleinentscheider, die diesen unglaublich erfolgversprechenden Titel einfach mal so aussortiert hatten.

Schon im November hatten wir die Hoffnung, dass IKKE es schafft. Immerhin: Die erste Hürde ist genommen. 

Wir finden: Der Zweck heiligt die Mittel – wir drĂĽcken die Daumen, dass IKKE HĂśFTGOLD mit seinem geschickten Medienumgang vielleicht sogar mehr erreicht als einen TikTok-Sieg. Aktuell gratulieren wir sehr herzlich dazu, dass nach Jahren mal wieder ein Schlager zur Wahl steht, was NUR mittels eines Publikumsvotings möglich wurde und NICHT von einer weitsichtigen Jury möglich gemacht worden ist…

 

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CHRISTIN STARK: Quote „Schlager des Monats“ in etwa auf „BRINK“-Niveau 11

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CHRISTIN STARK: Quote im „grĂĽnen Bereich“

Wenn BERNHARD BRINK zu den Schlagern des Monats lud, hat er nach unserer Erinnerung oft 2-stellige Marktanteile geholt und 300.000 Zuschauer geholt. Bei „ihrer“ ersten Ausgabe konnte CHRISTIN STARK diese Werte spielend ebenfalls erreichen. 330.000 Zuschauer im MDR-Sendegebiet und 10,7 Prozent Marktanteil (ebenfalls bezogen auf das MDR-Sendegebiet) sind ordentliche Werte. 

Ob die Umstellung von Albumcharts auf Radiocharts geschickt war und dann der Hinweis (mit Ansprache an das Publikum) auf „IHRE“ Charts, obwohl wohl die wenigsten Zuschauer Radioredakteure sind. Andrerseits lässt sich nicht abstreiten, dass durch die Umstellung des Wertungsverfahrens mehr Abwechslung drin ist und auch Namen dabei sind, die sonst nicht in den einschlägigen Schlagersendungen dabei sind. 

Hinweis: Hinsichtlich der Quotenbeurteilung können wir nur auf das MDR-Sendegebiet abheben, weil die bundesweiten Quoten nach unserer Kenntnis nicht offiziell nicht abrufbar sind. 

Quelle: MDR / Gfk, AGF
Foto: Daniela Jäntsch

 

 

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