Exklusiv – HELENE FISCHER, „Rausch“ – die ehrliche Rezension! 5

Helene Fischer Rausch Rezension

Einleitung

Wir haben lange ĂĽberlegt, wen wir um eine Rezension bitten – Möglichkeiten gibt es viele. Da das neue Helene Fischer-Album „Rausch“ bereits im Vorfeld viele ‚Bedenken‘ aufwirft, haben wir RenĂ© Deutscher um eine Rezension gebeten. RenĂ© Deutscher ist nicht nur bekannt fĂĽr seine schonungslose MeinungsäuĂźerung, sondern auch fĂĽr seine Weitsicht hinsichtlich der Entwicklung des Musikmarktes – mit der er (leider?) fast immer richtig lag.


Rezension:

Knall oder leises Rauschen?

Vorweg: Diese Rezension ist keine klassische „CD-Besprechung“ zu jedem einzelnen Titel. Vielmehr geht es um den Werdegang und die Hintergründe, die zu einem solchen Album führten.

Da ist es nun: RAUSCH! Viele fragten sich im Vorfeld, ob dieses Album das ‚Rauschen‘ zum Knall verwandeln wird, oder ob es zum Störungsrauschen im deutschen Musiksegment werden wird? Die Antwort mĂĽsste lauten: ein Knall … allerdings aus verschiedenen Blickwinkeln heraus, sowohl ein positiver, als auch ’negativer‘.

‚Negativ‘ sicherlich aus dem Blickwinkel der eingefleischten Schlagerfans! Viele Fans von Helene Fischer wĂĽnschten sich schon im Vorfeld sehnsĂĽchtig die Helene zurĂĽck, die genau dort weitermacht, wo sie vor vier Jahren aufgehört hat. Ein neues Album von Jean Frankfurter mit Kompositionen von selbigen, sowie Kristina Bach und Tobias Reitz (Text).

‚Positiv‘ aus dem Blickwinkel der Weitsichtigen. „Soll das heiĂźen, der eingefleischte Schlagerfan ist kurzsichtig?! Salopp gesagt: „JA!“ In einer gewissen Art und Weise … man kann nicht einfach permanent ĂĽber Jahre hinweg das gleiche Soundbild liefern. Das klappte mal vor 40 Jahren, als der Sound ein Erkennungsmerkmal fĂĽr eine „stilgetreue Band“ war – aber diese Zeiten sind schon lange vorbei. Die Musikszene ist extrem kurzlebig geworden und hat sich selbst durch die Digitalisierung in eine ‚Beliebigkeit‘ begeben, die nicht mehr heilbar ist.

NatĂĽrlich kann man seinen Stil weiterbetreiben – aber dann darf man sich nicht wundern, dass man mittelfristig zum Nischenprodukt mutiert und nur noch auf kleinen Sendern stattfindet. Und genau hier kommen wir zum Kernpunkt! Helene Fischer ist kein „Schlagermuckelchen“ mehr, die atemlos durch die Kurven von Achterbahnen katapultiert wird … – dieses ‚Fieber‘ will sie eben nicht mehr spĂĽr’n. Helene Fischer ist die erfolgreichste deutsche KĂĽnstlerin, da drĂĽber kommt nix mehr. Und Helene Fischer ist faktisch zur „Heidi Klum der deutschen Musik“ avanciert.

Co-Produzentin

Das gesamte Album „Rausch“ wurde von ihr (Co-)-produziert. Das ist auch nicht wirklich verwunderlich. Denn das Album wurde zwar bei der POLYDOR (Universal Music GmbH) veröffentlicht, allerdings nur unter deren „Lizenz“. Offiziell lautet die Rechteangabe „Helene Fischer, unter der Exklusiv-Lizenz der Universal Music GmbH“. Und das gilt fĂĽr die „P“ ( P fĂĽr printed=Hergestellt) und auch „C“-Lizenzen (C fĂĽr Copyright) … Branchenkenner wissen gerade, was läuft: Es geht um die Lizenzeinnahmen! Und als Produzentin greift Helene Fischer ebenfalls in den groĂźen Topf! Zum einen flieĂźt ihr eine Beteiligung vom HAP (Händlerabgabepreis) zu, zum anderen erhält sie somit (neben der KĂĽnstlereinnahme) auch die GVL der (Co-)Produzentin! Insgesamt ein sehr lohnendes Geschäft! Die BandĂĽbernahmeverträge mit UNIVERSAL sind hier sehr individuell gestaltungsfähig …

Und hier liegt ‚des Pudels Kern‘: Solch eine kaufmännische Entscheidung setzt voraus, dass die Einnahmen eine Auftrennung des Kuchens in so viele kleine Teile ĂĽberhaupt zulässt! Denn es sind sehr viele Produzenten am Album beteiligt. Das geht ĂĽber Ricardo Muñoz (Adel Tawil bis Zoe Wees!), Madizin X Silverjam bis hin zu Vitali Zestovskih. Die Produzenten stehen alle fĂĽr die aktuelle moderne Dance- und Pop-Musik! Zestovskih produzierte zuletzt z. B. Mark Forster. Und er ist ein „Liebhaber“ des sogenannten Brazilian- und Alok-Bass, was man bei Helene Fischers neuem Song „Jetzt oder nie“ wieder deutlich hört.

„Rausch“ – Songs und Stilistiken

Vorweg: Ich beziehe mich auf die Deluxe-Edition.
Das Album ist sehr vielfältig. Von Dance-Pop ĂĽber Balladen bis hin zu „Soundtracks“ ist alles dabei. Ich höre schon viele Kritiker, die eine ‚Linie‘ vermissen werden. Allerdings muss man auch sagen, dass ‚eine Linie‘ auch durchaus böswillig als „einfallslos“ bezeichnet werden könnte. Wie schon erwähnt, werden hier knackige Dance-Beats mit dem harten „Alok-Bass“ geliefert, um dann den Hörer mit filmreifen Werken („Alles von mir“) in die „Chillax“-Phase (Chillen/Relaxen) zu schicken. Bei solchen Werken wartet man schon fast stoisch darauf, dass ‚Spirit, der wilde Mustang‘ um die Ecke galoppiert.

Wenn Helene Fischer nach vier Jahren zurĂĽckkehrt, muss es etwas Neues sein! Und natĂĽrlich, das Risiko, die Hardcore-Fans zu verärgern ist hoch. Aber auch hier greift die Kauffrau und der Kaufmann (bei Universal). Will ich eine Hörer-Gemeinde erreichen, die begrenzt ist, oder versuche ich, die breite Masse und –insbesondere– die jĂĽngeren Altersgruppen zu ‚catchen‘? Der Sound und die Produktionen des Albums beantworten das sehr deutlich.

ZĂĽndstoff!

Und jetzt zĂĽnde ich persönlich mal eine Bombe: Der (bisherige) „Schlager“ ist schon vor ca. drei Jahren verstorben! Viele haben es nur noch nicht bemerkt … Deutsch-Pop, tanzbare Produktionen sind angesagt. Man hat sich bislang nur noch nicht getraut, solche ’schlageresken‘ Songs in die neuen modernen Soundgewänder zu stecken. Die einzige, die es bislang (ansatzweise) durchzog, ist Annemarie Eilfeld. Leider ist ihre ‚äuĂźere Wahrnehmung‘ begrenzt – das liegt aber an anderen Gegebenheiten.

Künstler wie Mark Forster und Lea, Nico Santoz, Purple Disco-Machine, Michael Schulte und auch Lena Meyer-Landrut wandeln schon länger auf diesen Klangteppichen – allerdings in englischer Sprache, weil sich bislang dieser Sound und deutsche Texte nicht vertrugen … glaubte man zumindest. Das einzige, was sich in Wirklichkeit nicht vertrug, waren der Schlagerfan und diese Soundwelt.

Tabu

Helene Fischer hat es nun gewagt, genau diese Kombination einzugehen und die kognitive Mauer zu durchbrechen. Ob es ihr gelingt, bleibt abzuwarten. Eines aber ist sicher: Sie hat die Tür aufgestoßen – und ihr werden nun viele folgen!

Und wenn wir mal ehrlich sind: Die Medienlandschaft ignoriert die ‚deutschen‘ Produktionen doch eh immer mehr – da ist eine solche Reaktion („Rausch“) fast schon unabdingbar.

„Der Schlager ist tot!
Es lebe der Schlager“

Oder wie ich gerne sage: „Genau so! Nur anders …“

Titelbild: Universal Music

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5 Kommentare

  1. Rene Deutscher trifft mit der Aussage das der (heutige) Schlager seit drei Jahren verstorben sei voll ins Schwarze. Eine Ursache von vielen liegt, auch wenn einige diese Aussage unverschämt finden werden, am MDR, der ARD und somit an Herrn Michael Jürgens und Florian Silbereisen.

    Die Aussage zum Schlager von Rene Deutscher ist so wichtig und vielschichtig das man hier einen ganzen Aufsatz darüber verfassen könnte.

    Das neue Album von Helene ist eine Enttäuschung. Helene macht nur das was andere machen. Sie verliert damit ihre Einzigartigkeit. Sie hat von 2006 bis zum Farbenspiel die Schlagerszene mit neuen (oder auch alten Klängen und Sounds?) aus dem Schlaf geholt. Rausch ist einfach nur ein weiters Album von ihr, welches ganz schnell in den Schrank wandern wird.

    Ein Lob sei dafür ausgesprochen das auch Rausch und Ihre (sogenannten) alten Alben demnächst auf Vinyl erscheinen. Es gibt übrigens keine alte Musik oder alten Alben, es gibt nur gute oder schlechte Musik oder gute Alben und schlechte Alben.

    Martin

  2. So, nun habe ich alle Songs gehört und bin, ehrlich gesagt, doch ein wenig verwirrt bis sogar schockiert. Persönlichstes Album o.k., aber vor allen Dingen auch herausfordernstes Album würde ich sagen. So eine Mischung von Böll und Kafka und sogar vielleicht noch Bertholt Brecht (lacht). Einfach irgendwie auch richtig schwere Kost. Oh Gott. Trotz toller, leidenschaftlicher Stimme und auch ein paar ganz guten Dance-Floor-Songs, fehlt ein bisschen die Leichtigkeit, die wir doch auch so brauchen in dieser Zeit, vor allem beim Schlager, aber das soll es ja eben nicht mehr sein, sondern eine Weiterentwicklung ihres Seins. Nun gut. Trotzdem Chapeau für dieses Album und einer einfach tollen Künstlerin.

  3. Kein Vergleich zu „Farbenspiel“, ihrem bisher besten Album!! Zuviele Balladen und nichts dabei, was mich auf ganzer Linie ĂĽberzeugen könnte ! Ich habe mir, ehrlich gesagt, viel mehr erwartet!!

    1. Alben welche von den KĂĽnstlern als „persönlich“ eingestuft werden, haben immer den Hang zur Langweiligkeit. Das ist auf dem Album auch kein Schlager mehr. Aber Schlagermusik ist auch zur Unterhaltung gedacht, natĂĽrlich auf hohem Niveau. Aber ich glaube das haben viele KĂĽnstler aktuell vergessen. Viele SchlagerkĂĽnstler versuchen zurzeit Schlager mit Inhalten zu verbinden. Sotiria spricht ja auch von Liebe zu irgendwelchen Menschen. FrĂĽher hatten solche Menschen aber oft Namen. Anita, Ramona, Michaela usw. Heute werden diese Lebenschilderungen dann noch mit modernen Rhythmen versehen. Ein Kommentar zu dem Lied „Crazy“ von Francine Jordi sagt, was fĂĽr ein tolles Drumprogramming! Worum gehts es eigentlich beim heutigen Schlager? Um Computer und KĂĽnstlichkeit oder um gute (Schlager)Musik? Heute machen das viele KĂĽnstler, das fĂĽhrt dann zur Einfaltslosigkeit und in eine Sackgasse. Vielleicht muss die Schlagerszene wieder dahin gebracht werden wo sich ein Udo JĂĽrgens befand. Richtig gute (Unterhaltung)Musik. Musik mit Anspruch. Wie heiĂźen die Menschen bei Udo JĂĽrgens? Ottilie und Liliane. Genau das fehlt heute. Und der aktuelle Schlager muss sehen das er sich nicht an anderen Genres wie dem Deutsch-Pop anbiedert. Genau das macht aber Helene u. a. auf ihrem neuen Album.

      Martin

  4. Dieses Album ist schon anders, geht einfach mit der heutigen Zeit und ist für sie sicherlich ein persönlicher Meilenstein. Trotzdem ist es ein anspruchsvolles, zeitgemäßes Album, von den Beats, Performances und vor allen Dingen Themen her. Es ist gut tanzbar und einfach auch zum Hinhören. Sie behandelt alles aus ihrer Sicht, sehr persönlich, und die Balladen sind der Knaller. Tiefsinnig und einfach wunderschön. Songs so in persönliche Worte und Gedanken zu fassen, ist schon auch eine Kunst. Also ein Chapeau an das gesamte Team, für dieses gelungene, facettenreiche, auch sinnliche Album.

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Dass VANESSA MAI ĂĽber Jahre hinweg erst Stammgast bei den Shows von FLORIAN SILBEREISEN war und nun seit langer Zeit dort nicht mehr stattfindet, haben nicht nur wir zur Kenntnis genommen. Sehr interessant ist aber, dass GIOVANNI ZARRELLA – anders als FLORIAN – offensichtlich keine BerĂĽhungsängste hat – im Gegenteil: VANESSA ist der erste Star, der fĂĽr die Show am 5.11. kommuniziert wurde. Das Buch von VANESSA erscheint am 2.11. – also quasi pĂĽnktlich zur Show. Man darf gespannt sein, was die KĂĽnstlerin in ihrem Buch schreiben wird. 

Ob das von vielen Fans ersehnte WOLKENFREI-Comeback bei GIOVANNI stattfinden wird, wissen wir nicht – es wäre aber eigentlich ein perfekter Moment, den WOLKENFREI-Sound wieder zum Erleben zu erwecken. 

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ANDREA KIEWEL: Auch 2023 wird es den Fernsehgarten geben – Saisonstart 7. Mai 0

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ANDREA KIEWEL: Schon eine etwas andere Kommunikationspolitik als FLORIAN SILBEREISEN

Es ist schon völlig irre: Während das ZDF sich schon jetzt festlegt, am 7. Mai 2023 die nächste „Fernsehgarten“-Saison starten zu lassen, gibt es bei FLORIAN SILBEREISEN noch immer Zweifel, ob in weniger als vier Wochen der „Schlagerbooom“ startet. Das hat die Moderatorin in der letzten Fernsehgarten-Ausgabe 2022 höchstselbst verkĂĽndet. Da ist auch mal ein Lob an das ZDF fällig – zumindest das „Fernsehgarten“-Format wird auch anno 2023 ĂĽber den Sender gehen – eine gute Nachricht auch fĂĽr Schlagerfans, auch wenn inzwischen die einer oder andere Sendung ohne Schlagerstars stattfindet. Wir freuen uns schon auf die neue Saison. 

Nebenbei bemerkt – leider hat auch STEFAN MROSS nicht auf die nächste Saison hinweisen können wie es „KIWI“ tat. Wobei es an ein Fortbestehen von „IWS“ kaum einen Zweifel geben darf angesichts der phänomenal guten Quoten der Saison 2022.

Foto: ZDF, Marcus Höhn

 

 

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