Schlager: TV-Shows – Wo ist das musikalische Ĺ’uvre des Schlagers abgeblieben? Kommentare deaktiviert fĂĽr Schlager: TV-Shows – Wo ist das musikalische Ĺ’uvre des Schlagers abgeblieben?

Schlager Florian Silbereisen

Schlager im Fernsehen: Kolumne von THOMAS KAISER

Nachdem der BVMI in seinem Jahresbereicht nun auch selbst geschrieben hat, dass der Marktanteil des Schlagers leider im Sinkflug ist, hat unser Kolumnist das zum Anlass genommen, noch einmal auf das Dilemma des Schlagers im Fernsehen hinzuweisen – hier seine neue Kolumne:

ANDY BORG und STEFAN MROSS als Positiv-Beispiele

Seit einiger Zeit gibt es VorwĂĽrfe gegen bestimmte Shows und Sender, immer wieder die gleichen Stars und auch die gleichen Songs und Lieder zu präsentieren. Es gibt nur wenige, die einen anderen Weg gehen. Das sind STEFAN MROSS mit „Immer wieder Sonntags“ und besonders ANDY BORG mit dem „Schlager-SpaĂź„.

In Vergessenheit geraten?

Im Hinblick auf das Gesagte muss man eine weitere Frage stellen: „Wo ist in den Schlager-Shows eigentlich das musikalische Ĺ’uvre der Schlagerszene abgeblieben? Ist es in Vergessenheit geraten oder im Papierkorb gelandet?“

Es seien hier mal sechs groĂźe Namen des Schlagers genannt.

  • ROLAND KAISER,
  • MICHELLE
  • BERNHARD BRINK
  • BEATRICE EGLI
  • ANDREA BERG und
  • HELENE FISCHER.

Wenn wir uns diese Künstler anschauen, haben wir hier ein Gesamtwerk, das mit den späten 1970er Jahren seinen Anfang nimmt und bis heute ins Jahr 2021 reicht. Wir haben also einen Zeitraum von fast 50 Jahren. In dieser Zeit haben die o.g. Stars hunderte, ja unzählige von Liedern und Songs in den verschiedensten Facetten unter das Volk gebracht.

Warum lässt man von den sechs o.g. Stars nicht mal folgende Schlager im Original erklingen?

Folgende Beispiele von Schlagern, die im ORIGINAL groĂźartig sind, seien mal genannt:

  • „Total perfekt“ von BEATRICE EGLI (2015)
  • „Blondes Wunder“ von BERNHARD BRINK (1990)
  • „SĂĽdlich von mir“ von ROLAND KAISER (1992)
  • „Kleine Seelenfeuer“ von MICHELLE (1995)
  • „Wenn du mich wilst (dann kĂĽss mich doch)“ von ANDREA BERG (1995)
  • „Vergeben, vergessen und wieder vertrau’n“ von HELENE FISCHER (2008)

Medleys und neue Versionen statt Originale

Das Gesamtwerk des Schlagers wird noch größer, wenn wir uns KĂĽnstler wie Patrick Lindner, Claudia Jung, Michael Morgan, Uwe Busse, Ireen Sheer und viele viele  andere anschauen. Mit Ireen Sheer begeben wir uns mit „Goodbye Mama“ sogar in das Jahr 1973.

Von dieser Menge an Schlagern ist in den meisten TV-Shows (Ausnahmen sind oben genannt) aber nichts zu hören. Wenn alte Schlagersongs performt werden, dann sehr häufig nur in Form von „Medleys“. Solche Zusammenstellungen haben aber den Nachteil, dass hier nur kurze Ausschnitte gespielt werden. Kaum ist man im Song angekommen, kommt der nächste. Das kann nicht im Sinne der Komponisten sein. Vielfach werden bei solchen Medleys auch neue Versionen der Titel gespielt.

Beispiel 1: BERNHARD BRINK (Schlagerfest Speyer)

Ein Beispiel ist ein Auftritt von Bernhard Brink beim SWR 4 Schlagerfest in Speyer am 25.06. dieses Jahres. Das Medley beginnt mit „Blondes Wunder“. Warum wird „Blondes Wunder“ nicht in der Originalversion des Albums von 1990 gebracht? Der Song ist in einer neuen Version zu hören mit dem aus dem heutigen Pop-Schlager bekannten Rhythmus. Das ist  nicht mal ein Rhythmus, sondern nur ein Geräusch welches in gleicher Art immer wieder erklingt. Das fatale ist, dass dieser Rhythmus auch immer stark in den Vordergrund gerĂĽckt wird.

Hier ist das Original zu hören:

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Beispiel 2: ROLAND KAISER

Genau das Gleiche muss man Roland Kaiser vorwerfen. „Dich zu lieben“ ist ein wirklicher Klassiker des Schlagers. Leider wird dieser Klassiker durch die Neuaufnahme von 2017 vollkommen zerstört. In der neuen Version dominiert schön pervertiert wie heute leider ĂĽblich der Rhythmus im Vordergrund. Dazu kommt  kurz darauf der Einsatz von zwei Gitarren. Die Soundwand ist so gewaltig, dass die ganze Melodie, gerade auch die Hintergrundstimmen, vollkommen untergehen.

Besonders deutlich wird das auch bei dem auf DVD und BLUE-RAY veröffentlichten Konzert aus Berlin im Februar 2019. Von dem Schlager „Dich zu Lieben“ bleibt nichts ĂĽbrig. Der Fan bekommt eine Soundwand aus Gitarren und Rhythmus um die Ohren gehauen, dass es einfach keine Freude ist, sich das Konzert anzuhören.

Vielleicht sollte ROLAND KAISER in Zukunft auf eine Gitarre verzichten. Man ist beim deutschen Schlager und nicht in einem Metal-Konzert. Im Original von 1981 wird mehr die Balance zwischen Rhythmik, Melodien und besonders den Hintergrundstimmen gehalten.

Im Jahr 1981 hat „Dich zu Lieben“ mal so geklungen (die Jahresangabe im Video ist falsch):

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Zu viele Beats, zu wenig Melodien und Harmonien

Die Musik ist heute verquert. Das was Musik ausmacht, nämlich Melodien/Harmonien wird verdrängt durch immer mehr Rhythmik oder wie es so schön heiĂźt „Beats“ und stupides Soundeinerlei.

Werfen wir noch einen Blick auf zwei Gruppen des volkstĂĽmlichen Schlagers. Die KASTELRUTHER SPATZEN und das NOCKALM QUINTETT, das sich seit einiger Zeit DIE NOCKIS nennt. Hier muss man den KASTELRUTHER SPATZEN wirklich Respekt zollen. Die Gruppe zeichnet sich seit Jahrzehnten durch eine absolute Geradlinigkeit und Stringenz aus. Bei den SĂĽdtirolern gibt es einfach kein Hinterherhecheln nach irgendwelchen Musiktrends. Auch ihr jetzt aktueller Erfolg in der Gegenwart spricht fĂĽr die Gruppe.

Ganz anders sieht das beim NOCKALM QUINTETT aus. In den neunziger Jahren zeichnete sich die Band durch groĂźe Melodik und Harmonien aus. Das Lied was eindeutig. DafĂĽr steht z. B. ist ihr Titel „Schwarzer Sand von Santa Cruz“ aus dem gleichnamigen Album von 1992.

Leider hat man sich nach mehreren Besetzungswechseln dem Pop-Schlager zugewandt. Dabei herausgekommen ist z.B. der Song „Fair Play“. Warum nennt man den Titel als deutschsprachige Musikgruppe nicht einfach „Faires Spiel“. Man versemmelt hier nicht nur die deutsche Sprache, sondern ab 00:18 Sek haben die Jungs nichts anderes zu tun als in einen öden und drögen Pop-Schlager Rhythmus ĂĽberzugehen.

Melodie ist vorhanden, aber warum wird die Rhythmik wieder so in den Vordergrund gestellt. Diese Monstranz von solch einem Rhythmus fühlt sich an wie Hammerschläge auf den Kopf. Dies gilt für ganz viele Musikstücke des heutigen Pop-Schlagers.

Produzenten-Einerlei

An dieser Entwicklung muss man aber auch den heutigen Produzenten eine erhebliche Mitschuld geben, egal ob Sie nun ACHIM RADLOFF, CHRISTIAN GELLER, JOACHIM WOLF oder THORSTEN BRĂ–TZMANN heiĂźen. Statt den richtigen Instrumenten wie Klavier, Posaune, Trompete, Streicher, Klarinette, Saxophon usw. mehr Raum zu geben, wird immer mehr auf Computertechnik und KĂĽnstlichkeit gesetzt. (Okay – das wird sicherlich KostengrĂĽnde haben).

Maschine statt Mensch?

Das heiĂźt nichts anderes als dass auch in der Musik der Mensch immer mehr in den Hintergrund rĂĽckt und Maschinen immer mehr die Oberhand gewinnen. Das ist dann kein „Erschaffen von Musik“ mehr, sondern einfach nur erbärmlich.

Wo ist z.B. der Big-Band-Schlager abgeblieben? Der ist leider so gut wie tot und nicht mehr existent. Wie sieht es aus  mit Schlagern, die einen richtigen Takt und Rhythmus zum Tanzen zum Besten geben. Jive, Quickstep, Samba, Mambo oder auch mal einen Tango. Es gibt hier auch in der heutigen Zeit viele Möglichkeiten, nichts wird genutzt.

UDO JĂśRGENS als Vorbild

In Bezug auf den Big Band Schlager muss UDO JÜRGENS und seine jahrzehntelange Zusammenarbeit mit dem Schweizer Band-Leader PEPE LIENHARD erwähnt werden. Diese Zusammenarbeit muss man als Vorbild für die heutige Schlagerszene sehen.

Ein Tritt in den Allerwertesten

Lasst in den Schlagershows doch auch den Schlager der Vergangenheit endlich wieder aufleben. Und zwar so wie die Komponisten sich das musikalische Werk gedacht haben. Einfach mal allen neumodischen Schnickschnack weglassen. Die Originale sind auch immer „Ton und Klangdokumente“ ihrer Zeit. Anscheinend hat man das nicht mehr im Blick oder der Branche ist es schlichtweg egal. Mit immer neuen Versionen tritt man den Originalen in den Allerwertesten.

Thomas Kaiser

Foto: © MDR/ARD/JürgensTV/Thorsten Jander

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ANDREA KIEWEL: Mit Fernsehgarten diesmal knapp an 2-Mio.-Grenze gescheitert – dennoch gute Quote 0

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ANDREA KIEWEL: Quote stagniert auf hohem Niveau

Nachdem KIWI 2-mal in Folge die 2-Mio.-Grenze und die 20 %-Marke „gerissen“ hat, war die Erwartungshaltung fĂĽr den gestrigen Fernsehgarten natĂĽrlich hoch – andrerseits waren diesmal deutlich weniger Schlagerstars dabei als zuvor. Immerhin 1,94 Mio. Zuschauer und ein Marktanteil von 19,2 Prozent – das kann sich sehen lassen, zumal der Fernsehgarten erneut ganz knapp unter den Top-10 der meistgesehenen Sendungen des gestrigen Sonntags gelandet ist.

Quoten „Fernsehgarten“ 2022 im Überblick

  • 08.05.2022 – 1,54 Mio. (15,8 % Marktanteil)
  • 15.05.2022 – 1,73 Mio. (18,6 % Marktanteil)
  • 22.05.2022 – 1,66 Mio. (17,1 % Marktanteil)
  • 29.05.2022 – 2,28 Mio. (18,6 % Marktanteil)
  • 05.06.2022 – 1,76 Mio. (17,6 % Marktanteil)
  • 12.06.2022–  1,82 Mio. (19,2 % Marktanteil)
  • 12.06.2022–  1,82 Mio. (19,2 % Marktanteil)
  • 19.06.2022–  2,20 Mio. (20,6 % Marktanteil)
  • 03.07.2022–  1,96 Mio. (19,8 % Marktanteil)
  • 10.07.2022–  2,21 Mio. (19,8 % Marktanteil)
  • 17.07.2022–  1,87 Mio. (19,1 % Marktanteil)
  • 24.07.2022–  2,29 Mio. (21,1 % Marktanteil)
  • 31.07.2022–  2,25 Mio. (21,6 % Marktanteil)
  • 07.08.2022–  1,94 Mio. (19,2 % Marktanteil)

Quelle Quoten: AGF / GfK
Foto: ZDF, Marcus Höhn

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STEFAN MROSS: Immer wieder sonntags auch mit Folge 9 auf gutem Quotenniveau 0

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STEFAN MROSS: Marktanteil nach wie vor sehr ordentlich

Drei Viertel aller „Immer wieder sonntags“-Shows der Staffel 2022 sind bereits Geschichte. Bezogen auf die ersten neun Folgen dieser Saison können STEFAN MROSS und sein Team sehr zufrieden sein – die diesjährige Staffel hat durchweg gute Marktanteile von stets deutlich ĂĽber 17 Prozent geholt – ein schöner Erfolg, der das stimmige IWS-Konzept bestätigt. Am gestrigen Sonntag schauten wieder 1,46 Mio. Menschen zu, was einem Marktanteil von 17,6 Prozent entspricht und damit in etwa bei den guten Werten der gesamten Immer wieder sonntags-Saison liegt.

Quoten „Immer wieder sonntags“ 2022 im Überblick

  • 12.06.2022 – 1,41 Mio. (17,5 % Marktanteil)
  • 19.06.2022 – 1,54 Mio. (18,2 % Marktanteil)
  • 26.06.2022 – 1,52 Mio. (17,5 % Marktanteil)
  • 03.07.2022 – 1,55 Mio. (18,5 % Marktanteil)
  • 10.07.2022 – 1,61 Mio. (17,4 % Marktanteil)
  • 17.07.2022 – 1,45 Mio. (17,5 % Marktanteil)
  • 24.07.2022 – 1,64 Mio. (19,0 % Marktanteil)
  • 31.07.2022 – 1,52 Mio. (17,8 % Marktanteil)
  • 07.08.2022 – 1,46 Mio. (17,6 % Marktanteil)

Foto: © SWR/Schneider-Press/W.Breiteneicher
Quelle: AGF / GfK

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