BVMI: Jahresreport 2020 mit d√ľsterem Bild: Ist der Schlager auf dem absteigenden Ast? 1

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Marktanteil des Schlagers auf tiefstem Niveau seit 10 Jahren

K√ľrzlich ist vom BVMI, dem „Bundesverband Musik Industrie“, wieder der Jahresreport „Musikindustrie in Zahlen 2020“ erschienen mit einigen interessanten Erkenntnissen. Und was passiert, wenn weder HELENE FISCHER noch ANDREA BERG noch ANDREAS GABALIER (abgesehen vom Weihnachtsalbum) ein neues Studioalbum ver√∂ffentlichen, ist f√ľr Schlagerfreunde erschreckend. Freundlicherweise steht es im Kleingedruckten auf Seite 43, die Zeilen sind dennoch „brutal“ aus Sicht des Schlagerfreunds:

Schlager hat hingegen in den letzten zehn Jahren noch nie so¬† wenig¬† zum¬† Umsatz¬† beigetragen¬† wie¬† 2020.¬† Nach¬† einem¬† R√ľckgang um 0,6 Prozentpunkte liegt der Umsatzanteil nun bei 3,4 Prozent

Seit dem Jahr der gewonnenen Fu√üball-WM mit dem √úberhit „Atemlos“ und zwei Alben von HELENE FISCHER in den Top-10 der Jahrescharts (Platz 1 „Farbenspiel“, Platz 8 „Best Of“) ging es f√ľr den Schlager kontinuierlich ungebremst bergab mit dem Marktanteil, der sich seitdem fast halbiert (!!!) hat:

  • 2014: 6,5 %
  • 2015: 6,1 %
  • 2016: 5,3 %
  • 2017: 5,3 %
  • 2018: 4,2 %
  • 2019: 4,0 %
  • 2020: 3,4 % (Quelle: BVMI)

Altersstruktur anders als in Medien dargestellt

Fr√ľher war es so, dass man im Fernsehen, zumindest bei den √∂ffentlich-rechtlichen Sendern, einigerma√üen ehrlich mit seinem Publikum umging. Bei der „Krone der Volksmusik“ sa√ü da im Saal das Publikum, das auch die Sendungen ansieht – eben eher die √ľber 60-j√§hrigen. Bei den Shows von FLORIAN SILBEREISEN wie z. B. dem „Schlagerbooom“ wird der Eindruck erweckt, dass der Schlager bei jungen Leuten „hip ohne Ende“ sei. – Ja, das Image ist deutlich besser geworden, das l√§sst sich wohl nicht abstreiten, das ist ein sch√∂ner Erfolg f√ľr den Schlager. Und dennoch: Wo ist denn das Schlagerpublikum zu finden? Wer kauft Schlagermusik (als physischen Tontr√§ger, Download oder Stream)? Auch hier ist die Antwort des BVMI ern√ľchternd, was die Altersstruktur der Schlagerfans angeht:

Schlager/Volksmusik¬† war¬† vor¬† allem¬† in¬† der¬† Hand der √ľber 60-J√§hrigen, sie stellten hier 2020¬† mit¬† 46¬† Prozent¬† die¬† wichtigste¬† K√§ufer:innengruppe,¬† das¬† ist¬† gegen√ľber¬† dem¬† Vorjahr sogar ein leichter Zuwachs von 3 Prozentpunkten (2019: 43 %).

Sterben Schlagerfans aus?

Mal davon abgesehen, dass wir begeistert sind, dass da nicht noch „60-J√§hrigen:innen mit 46 Prozent:innen“ steht (schade, dass auch der BVMI Sprachraubbau betriebt, aber das nur am Rande), ist die Aussage klar: Fast jeder zweite K√§ufer von Schlagermusik ist √§lter als 59 Jahre. Zugegeben – das sagt nicht unbedingt etwas √ľber die Popularit√§t der Schlagermusik aus, weil es ja gen√ľgend feierwillige Jugendliche gibt, die gerne „Hulapalu“ singen und den Song niemals kaufen w√ľrde – ein Trend ist aber dennoch klar erkennbar. Hier die vom BVMI kommunizierte Aufteilung der K√§uferinnen und K√§ufer von Schlagermusik:¬†

  • 10 bis 29 Jahre: 6 %
  • 30 bis 39 Jahre: 13 %
  • 40 bis 49 Jahre: 13 %
  • 50 bis 59 Jahre: 23 %
  • ab 60 Jahre: 46 % (Hinweis: In Summe macht das 101 %, was aber vermutlich an Rundungsdifferenzen liegt)

Ein Fall f√ľr die M√§dels

Interessant ist auch, dass der deutsche Musikmarkt deutlich mehr männliche als weibliche Kunden hat. Bei Rockmusik ist es so, dass die Käuferschicht zu 80 % aus den Herren der Schöpfung besteht. Das ist beim Schlager anders Рder BVMI schreibt:

Bei  Schlager/Volksmusik war das Verhältnis der Einnahmen  durch  Männer  und  Frauen  am  ehesten ausgeglichen.

Schlagerkäufer sind CD-Käufer

W√§hrend die Situation am „Gesamt-Musikmarkt“ momentan nicht gut aussieht, l√§uft es im Bereich der CD-Verk√§ufe vergleichsweise gut. Hier hat der Schlager einen Marktanteil von 12 %, was allerdings mit Vorsicht zu genie√üen ist, weil der BVMI erstaunlicherweise bei dieser Statistik Schlager mit Deutsch-Pop zusammengerechnet hat. – Und zusammengerechnet ergibt sich in Sachen physischer CD-Verk√§ufe ein Marktanteil von immerhin 12 Prozent. Ganz anders sieht es bei den Vinyls aus – und das √ľberrascht uns ein wenig. Der BVMI schreibt:

Im Bereich¬† Schlager/Deutschpop¬† spielt¬† Vinyl¬† √ľberhaupt¬† keine¬† Rolle, hier ist die CD das Prim√§rformat.

Lichtblicke

Einige wenige Lichtblicke sind dem BVMI-Jahresreport allerdings schon zu entnehmen: In den Top-25 des Jahres finden sich schon noch einige Schlageralben:

  • Platz 8: KERSTIN OTT – „Ich muss dir was sagen“
  • Platz 9: THOMAS ANDERS & FLORIAN SILBEREISEN – „Das Album“
  • Platz 14: RAMON ROSELLY – „Herzenssache“
  • Platz 16: GIOVANNI ZARRELLA – „La vita e bella“
  • Platz 24: SANTIANO – „MTV Unplugged“

Es ist schon kurios, dass 20 Prozent der Top-25 dem Schlager- bzw. Volksmusik-Segment entstammen, der Schlager aber nur einen Marktanteil von 3,4 Prozent hat. Auch bei den Compilations gibt es ein interessantes BVMI-Statement, das etwas „tr√∂stet“:

Bei den Compilations verkaufte sich 2020 keine so gut wie ‚ÄěSchlagerchampions 2020 ‚Äď Das gro√üe Fest der Besten‚Äú. ‚ÄěBravo ‚Äď The Hits 2019‚Äú erreichte Platz 2, gefolgt von mehreren anderen Ausgaben der Bravo Hits.

Aktueller Stand der Dinge

A propos „Schlagerchampions“ – ein Grund f√ľr den derzeit recht ern√ľchternden Marktanteil von Schlagerproduktionen k√∂nnte auch sein, dass es nur noch eine richtig gro√üe Schlager-Show im Fernsehen gibt – die von FLORIAN SILBEREISEN. Und wenn der dann gro√üspurig HELENE FISCHER als „Gast“ ank√ľndigt, um irgendwelche Videoclips zu zeigen, ist das wohl eher das Gegenteil von Fanbindung. Ob GIOVANNI ZARRELLA hier einen eigenen guten Weg findet, bleibt abzuwarten – im Sinne des Schlagers dr√ľcken wir ihm die Daumen daf√ľr. – Die aktuellen Charts geben derweil Grund zum Stirnrunzeln – in den aktuellen Top-100 befinden sich gerade noch sieben Schlageralben. Eins davon stammt von HELENE FISCHER.

Wir dr√ľcken die Daumen, dass der Schlager in der 2. Jahresh√§lfte, wenn vielleicht ein neues Album von HELENE FISCHER erscheinen wird, wieder an Fahrt aufnimmt und hoffen, dass auch die so wichtigen Events, Festivals und Konzerte schon bald wieder an Fahrt gewinnen werden.

Quelle: BVMI

 

 

 

 

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1 Kommentar

  1. Marktanteil des Schlagers
    Mich wundert dieses Ergebnis nicht, denn es wird so viel Schrott angeboten und ein Song klingt wie der andere. Außerdem sind wohl Coversongs momentan große Mode. Die Produzenten sollten vielleicht mal wieder Wert auf Klasse statt Masse legen.
    Es gibt sehr gute Lieder/Songs, die von K√ľnstlern gesungen werden, die was zu sagen haben, denen man zuh√∂rt und deren CDs man auch kauft, weil man diese immer wieder h√∂ren kann. Nur, zu welcher Kategorie geh√∂ren solche Songs? Schlager ist nicht das richtige Wort daf√ľr.

    Was mich allerdings wundert, st√§ndig bekommt ein K√ľnstler goldene oder platin Auszeichnungen, die gibt es doch f√ľr eine bestimmte Anzahl verkaufter CDs, oder irre ich mich da?

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Nicht fehlen d√ľrfen die gro√üen Erfolge wie „Ich surf auf Wolke 7“ (2000), „Mitten in der Nacht“ (1997), „Ich bin dein Copilot“ (1999) und „Voll erwischt“ (1998). Sch√∂ne Erinnerungen an eine sch√∂ne Zeit, als der Schlager in Discotheken eine Hochkonjunktur auch in gro√üen Discotheken hatte…

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Ganz offensichtlich sind die Schlagerfans gespannt auf den Song – binnen 24 Stunden wurde der erste kleine Teaser √ľber 20.000 mal angeklickt und √ľber 200-mal kommentiert. Wir dr√ľcken die Daumen, dass mit „Kapitel 1“ ein Auftakt nach Ma√ü gelingt.

 

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