ALLESSA: Ihr neues Album „Sommerregen“ in der Schlagerprofis-Rezension von THOMAS KAISER 0

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ALLESSA und ihr „Sommerregen“ – ein Volltreffer!

ALLESSA legt mit ihrem neuen Album „Sommerregen“ mal „ganz locker so eben aus dem Ärmel geschüttelt“ das Schlageralbum des Jahres vor. Dafür gibt es mehrere gute Gründe. Sie bleibt ihrem Stil der vergangenen Jahre treu, wie man es bereits beim ersten Titel „Das kann’s doch nicht gewesen sein“ hören kann.

Genauso verhält es sich bei der ersten Single-Auskopplung „Von mir aus kannst Du gehen“. Beim „Sommerregen“ wirkt das Ganze gegenüber den Vorgängeralben aber noch ausgefeilter und genauer auf den Punkt, das betrifft die Keyboards, die Gitarren aber auch das Schlagzeug und die Beats, welche sehr variabel daherkommen.

Clubtaugliche Tanznummern

Es gibt zwei Songs, die eine etwas popigere Attitüde aufweisen. Das ist die zweite Vorab-Single „Verbotene Liebe“ und „Damals, jetzt und immer“. – Bei „Explosiv“ und „Überschall“ heißt die Devise einfach nur Power. Diese Songs kann man locker in einem Club auflegen.

Mit „Liberta“ gibt es einen Song, der durch das breite Klangbild zu den Seiten und nach oben hin und dem im Tempo gedrosselten Refrain echte gefühlte Dramatik versprüht.

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Italien-Cover weiß zu überzeugen

Ein weiterer Song ist ein Cover des aus Italien stammenden „Non succederà più“ („Es wird nicht wieder vorkommen“). Gesungen wurde das Original 1982 von CLAUDIA MORE, der Ehefrau von ADRIANO CELENTANO. ALLESSA macht hier vieles richtig, da sich ihre Version an das Original hält. Das heißt, ALLESSA  begegnet den älteren Kompositionen und deren Erschaffern mit dem nötigen Respekt. Alles in allem klingt ihre Version schwungvoller aus den Boxen.

Leichtigkeit und Lockerheit

Das Album zeichnet sich trotz der Power und des Elans aber auch durch eine große Leichtigkeit und Lockerheit im Musikmaterial aus. Die Refrains von Songs wie „Nimm Deine Träume wieder mit“, „L`amour“, „Die Liebe ist Sieger“ oder „Dornröschen“ verankern sich mit einer „Fluffigkeit“ im Ohr, als würden sie sich mit Seilen aus zehnfach gehärtetem Titanstahl dort festzurren.

Lieder mit Ohrwurm-Charakter

Das trifft auch auf alle anderen Songs des Albums zu. Man bekommt sie einfach nicht mehr aus dem Ohr. Dass dies so ist, liegt auch an ALLESSAs sehr ausgewogener Stimme und daran, wie sie die Refrains vorträgt. Sie macht dies durch große kräftige Gesangsbögen. Man muss hier fast von „immerwährenden Melodien“ sprechen.

Ob das nun bei „Nimm deine Träume wieder mit und schenk sie ihr: Sag, ich wünsche ihr viel Glück, viel Glück mit dir“ oder bei „Oh la l`amour, oh la l`amour. In seinen Songs da singt er nur von seiner Sehnsucht nach der einen großen Liebe“ usw. ist.

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Eine Klasse für sich mit gelungenem Abschluss

Das ist eine Klasse für sich. Mit solch einer konsequenten und intensiven Art hat man Refrains im Schlager schon lange nicht mehr gehört. Die genannten Lieder entpuppen sich hier ganz nebenbei als große Favoriten für die besten Schlagersongs des Jahres 2021. Den Abschluss findet das Album in der gefühlvollen Ballade „Wenn Träume sterben“.

Teils an Songs mitgeschrieben

Man muss erwähnen, dass ALLESSA neben JOACHIM HORN-BERNGES an insgesamt fünf Songs direkt an der Musik und den Texten beteiligt ist. Die Produktion und die Arrangements liegen in den bewährten Händen von HUBERT MOLANDER. Er ist seit Mitte der neunziger Jahre freischaffender Musikproduzent, somit auch Besitzer eines Tonstudios und eines Labels. Beheimatet ist er wie  ALLESSA in der steirischen Landeshauptstadt Graz.

Auf Augenhöhe mit den ganz großen Schlagerstars

ALLESSA schafft mit dem Album ein großes Kunststück. Es gelingt ihr etwas, was noch so gut wie keiner anderen Künstlerin im Schlagerbereich gelungen ist. Sie zieht mit Andrea Berg gleich. Nein, sie zieht nicht nur mit ihr gleich, sie überholt sie sogar. Auch vor einem ROLAND KAISER muss sie sich nicht verstecken. Und ja, ALLESSA  ist seit langer Zeit eine Künstlerin, die  in ganz starke Konkurrenz zu HELENE FISCHER treten kann.

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HELENE-Vergleich muss nicht gescheut werden

Gerade in den letzten zwei Jahren tauchten in den Medien, auch auf diversen Schlagerportalen, immer wieder Fragen auf wie: „Wer kann Helene Fischer das Wasser reichen?“. Es kursierten so Namen wie SONIA LIEBING oder MARINA MARX.

Das ist ja vielleicht alles ganz nett, besitzt aber nicht die Tragfähigkeit, um wirklich an HELENE FISCHER heranzureichen. Deshalb erscheint das neue Album „Sommerregen“ genau zum richtigen Zeitpunkt. ALLESSA ist eine Künstlerin, die enormes Können und Potenzial besitzt.

EXKURS: Viele neue Schlageralben, bevor HELENE FISCHER veröffentlichen wird

Interessant ist der Aspekt, dass viele Schlagerkünstler in der Vergangenheit auf Helene Fischer reagieren mussten. Auch RAMON ROSELLSYs am 26. Juni erscheinendes neues Album „Lieblingsmomente“ sollte man in Bezug auf diesen Vorgang im Auge behalten.

Jetzt dreht sich die ganze Sache, und HELENE FISCHER muss eine dementsprechende künstlerische und musikalische Antwort finden. Ob das gelingen wird, bleibt abzuwarten. Im Mai gab es Meldungen, dass HELENE FISCHER dem deutschen Schlager in Zukunft wohl Adieu sagen wird.

Von der Musik her soll es in Richtung Deutsch-Pop und international angehauchten Dance gehen. Der Produzent soll demzufolge VINCENT STEIN sein, der bis jetzt im Bereich des Hip-Hop tätig war. Trotz dieses angepeilten Richtungswechsels wird sich das Album extrem gut verkaufen. Top-Platzierungen sind zu erwarten.

Warum das so sein wird? Ganz einfach, weil auf dem Album Helene Fischer draufsteht. Dies sagt aber nichts über die Qualität des zu erwartenden Materials aus. Man kann davon ausgehen, dass sich viele Fans eher eine Orientierung von ihrem ersten Album im Jahr 2006 „Von hier bis Unendlich“ bis zu ihrem Mega-Erfolg 2013 „Farbenspiel“ wünschen.

Es sieht so aus, als ob Helene Fischer ihr Fähnchen eher nach dem musikalischen Mainstream ausrichtet, anstatt einfach Helene Fischer zu bleiben. Dadurch kann man natürlich Fans gewinnen, man kann aber auch viele vergraulen.

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Zurück zu ALLESSA…

ALLESSA ist seit 2013 regelmäßig im „Fernsehgarten“ und bei „Immer wieder sonntags“ zu sehen. Daneben gibt es Auftritte bei „Wenn die Musi spielt“, bei der „Starnacht am Wörthersee“ und der „Starnacht in der Wachau“. Gerade auch in Österreich gelangen ihr immer wieder Platzierungen in den Top-10 und den Top-5, viele auch mehrere Wochen auf Platz 1.

Auch in Deutschland konnten sich ihre Singles in den Top-10 der deutschen Airplaycharts behaupten. Erinnert sei hier auch an ihr Duett mit Bernhard Brink „Te ne vai (Du gehst weg)“ von 2013.

Im TV eher stiefmütterlich behandelt

Und hier muss der gesamten deutschen Schlagerszene und besonders den Strippenziehern im Hintergrund ein großer Vorwurf gemacht werden. Wie kann es sein, dass eine so begabte Künstlerin seit Jahren so stiefmütterlich behandelt wird? ALLESSA müsste längst in den großen Musikshows eines FLORIAN SILBEREISEN  auftreten.

Auch bei CARMEN NEBEL suchte man nach ihr vergeblich. Solche Vorgänge sind eine Schande für den Schlager. Es ist bedauerlich für ALLESSA, dass die oben genannten Erfolge in Österreich und in den Airplaycharts in Deutschland keinen entsprechenden Widerhall in einer größeren Präsenz in TV-Shows mehr finden.

Charme, Talent und Ausstrahlung

Wenn es eine Schlagerkünstlerin gibt, die in die Phalanx der Top-Stars des deutschen Schlagers reingrätschen kann, dann ist es ALLESSA. Sie hat Charme und Ausstrahlung, sie textet und komponiert auch für andere, sie beherrscht nebenbei fünf Sprachen (hier kann man Parallelen zu VICKY LEANDROS erkennen), und sie bleibt ihrer künstlerischen Linie treu. Das alles führt zu einer Eigenständigkeit und einem hohen Wiedererkennungswert.

Aber zur Zeit scheint eben Eigenständigkeit und ein Wiedererkennungswert in der Schlagerbranche nichts zu zählen. Zählen tun seit einiger Zeit wohl eher familiäre Bande bzw. wer wen am besten kennt oder wer in entsprechenden Netzwerken zu Hause ist.

Tolles Booklet, schönes Cover

Ein Wort zum Cover – dankenswerterweise hat uns das Management von ALLESSA die CD zur Verfügung gestellt, so dass wir auch einen Blick in das Booklet werfen können. Die Bilder des Booklets haben eine leichte Nuance der Erotik, das ganze hat einfach Format. Sie versprüht eine große Sympathie und Lebensfreude,  zu sehen auch auf YouTube in den Hook-Medleys Vol. 1 und 2.

ALLESSA wirkt für den deutschen Schlager wie eine Frischzellenkur.

THOMAS KAISER

Fotos: TELAMO / TATIANA KURDA

 

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HELENE FISCHER: „Songfindungsphase“ abgeschlossen, es geht ans „Eingemachte“… 0

Helene Fischer CD

HELENE FISCHER hat „engere Auswahl“ getroffen

Laaaangsam, aber stetig tut sich was in Sachen „neues HELENE-FISCHER-Album“: Wie wir aus Autorenkreisen vernommen haben, sind einige Autoren darüber informiert worden, dass sich HELENE FISCHER für eine „engere Auswahl“ entschieden hat. Der Songpool war ursprünglich bis Ende 2019 für Vorschläge offen. Durch die Pandemie wurde die Frist zur Einreichung verlängert, was sich dann auch in einschlägigen Kreisen herumgesprochen hat – wir haben HIER (indirekt) Ende Februar 2020 darüber berichtet.

Songautoren wurden über akuellen Stand informiert

Inzwischen wurden die Autoren über den aktuellen Stand der Dinge informiert. Das ist u. a. auch deshalb wichtig, wenn Songs für HELENE FISCHER eingereicht wurden, die von HELENE zwar nicht genommen worden sind, aber vielleicht für andere Künstlerinnen und Künstler interessant sein könnten.

Hypothese: Album kommt zum Weihnachtsgeschäft

Wir vermuten, dass die Entscheidungsfindung über die Songauswahl abgeschlossen ist und ein VÖ-Termin zum Weihnachtgeschäft bzw. kurz zuvor ins Auge gefasst wird.

Bleibt HELENE der deutschen Sprache treu?

Dass die Musik von HELENE FISCHER immer weniger mit „Schlager“ zu tun hat, ist gemeinhin bekannt. Es würde wenig überraschen, wenn ihre neuen Songs wenig „schlageresk“ sind. Spannender ist die Frage, ob sie der deutschen Sprache treu bleibt oder den internationalen Markt anpeilt. Wir erinnern uns, dass die letzten einzelnen veröffentlichten Songs bzw. ihre Auftritte klar eher der englischen Sprache zugetan waren – allerdings nicht wirklich mit durchschlagendem Erfolg. Vielleicht eine Doppel-CD: EInmal auf Deutsch, einmal auf Englisch?

Immerhin: „Es geht weiter“

Während die Fragestellungen nach VÖ-Termin und Sprache nach wie vor Spekulationsobjekte sind, steht zumindest jetzt fest, dass zumindest Bewegung in das Projekt „neues HELENE-FISCHER-Album“ kommt. Lassen wir uns überraschen, ob es bald konkreter wird.

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ANDY BORG trotz starker Konkurrenz mit bärenstarken Quotenwerten 6

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ANDY BORG: Sein „Schlager-Spaß“ ist und bleibt eine „Quoten-Bank“

Die Konkurrenz war gestern mal wieder bärenstark: Fußball-Länderspiel Münsteraner Tatort, weitere Schlagershow und so weiter – und dennoch ging es quotenmäßig für den „Schlager-Spaß“ im vergleich zur letzten Sendung bergauf. Erneut kann man bundesweit und regional mehr als zufrieden sein.

  • 1,44 Mio. Zuschauer / 5,4 Prozent Marktantei (Vormonat 1,34 Mio. / 4,5 %) bundesweit
  • 476.000 Zuschauer / 9,6 Prozent Marktanteil (Vormonat 565.000 / 10,1 %) im SWR-Sendegebiet

Demnächst Eurovisionsshow

Inzwischen haben wir von weiteren Quellen gehört, dass der Schlager-Spaß demnächst als Eurovisionsshow gesendet wird. Bei dem berechtigten Erfolg – nach wie vor setzt ANDY BORG auf Ausgewogenheit bei den Gästen, nach wie vor wird bei ihm auch mal live gesungen, nach wie vor präsentieren die Stars auch mal andere Lieder als das, was auf ihren aktuellen Alben zu hören ist – das wird von den Fans honoriert.

Treue Fans

Bemerkenswert ist auch die Treue der Fans. Im Prinzip ist es fast egal, was gegen den Schlager-Spaß programmiert wird – die Fans schalten ein.

Gartenparty mit zufriedenstellenden Quoten

Trotz der großen Stars FLORIAN SILBEREISEN, MAITE KELLY und Co. konnte die von STEFANIE HERTEL moderierte Liveshow „Gartenparty“ nicht mit ANDY BORG mithalten, wobei auch da die Quotenwerte okay waren – bekannt sind allerdings hier nur die regionalen Werte. Im Sendegebiet des MDR gab es 10,5 Prozent Marktanteil – zweistellig ist natürlich okay. 320.000 Zuschauer haben im Sendegebiet zugesehen. Bei anderem Gegenprogramm wäre da vielleicht noch mehr drin gewesen.

Foto:© SWR/Kimmig/Kerstin Joensson

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