ROSENSTOLZ: Neuauflage ihres Hammeralbums „Kassengift“ stürmt erneut die Charts 0

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ROSENSTOLZ: Über 20 Jahre nach Veröffentlichung wird „Kassengift“ neu veröffentlicht

Als das Duo ROSENSTOLZ anno 2000 ein neues Album veröffentlichen wollte, waren PETER PLATE und ANNA R. bereits im Popolymp angekommen. Spätestens seit ihrer bemerkenswerten ESC-Teilnahme mit dem Klassiker „Herzensschöner“ (2. Platz hinter GUILDO HORN damals) war der Name den Freunden guter Musik ein Begriff, das Duo hatte (anders als andere) auch schon damals(!) keine Berührungsängste mit der Schlagerszene. Das Vorgängeralbum „Zucker“ schaffte es bis auf Platz 1 der damaligen Albumcharts.

Mit „Kassengift“ wollte man sich neu erfinden

Wie ANNA und PETER im Vorwort schreiben, wollte man sich mit „Kassengift“ neu erfinden und sich dem Elektropop widmen. Erste Aufnahmen ließ man den Radiostationen zukommen – und schon damals bewiesen die „Experten“ großes Einfühlungsvermögen für den Massengeschmack. Die Protagonisten seien zu alt (damals 33 und 31) und die Musik zu „speziell“. Sehr geil: ANNA und PETER PLATE haben das Album vor dem Hintergrund dieser „fachkundigen“ Einschätzung augenzwinkernd „Kassengift“ genannt.

Erste Single „Amo vitam“ schlug aus der Art

Gleich in mehrfacher Hinsicht schlug die erste Single des Albums aus der Art. Das fängt schon mit dem Text an, der in lateinischer Sprache gehalten war. ANNAs Gesang klang fast wie der einer Opernsängerin. Der Song war düster, etwas an Rammstein erinnernd, gehalten. Kleiner Lateinkurs: „Amo vitam, amo generem“ heißt auf Deutsch: „Ich liebe das Leben, ich liebe den Sex“.

Den ersten Teil hat schon VICKY LEANDROS kundgetan, der zweite war durchaus typisch für ROSENSTOLZ, auch wenn auf „Kassengift“ die frivol angehauchten Texte nicht so zu finden waren wie auf den Vorgängeralben. Auf der Bonus-CD findet sich noch das „feat“. dieser Nummer mit MARC ALMOND.

Single „Kinder der Nacht“ Elektrobeat vom Feinsten

Was im Vorwort gesagt wurde, passt zum Song „Kinder der Nacht“. Das ist genau der Elektropop, der typisch für die damalige Zeit war – wenn auch von manchen Fans etwas kritisiert („Schlagzeug klingt nicht so natürlich wie zuvor“). Wenn heute Sängerinnen meinen, „Elektroschlager“ zu erfinden, sollen sie sich diesen Song anhören – das ist ein Schlager mit Clubsounds – ROSENSTOLZ haben es erfunden :-)…

Titelsong „Kassengift“ geht auf die 12

„Ich bin zu alt um jung zu sein, ich bin zu jung um alt zu sein“, „Ich bin der Song, der nie gespielt wird“ – das sind genau die Antworten von ROSENSTOLZ auf ihre Kritiker – der Titelsong passt – und hier sind dann auch die gern genommenen frivolen Anspielungen: „Ich bin nicht blond und mag’s von hinten – und von vorn ist’s mir auch recht“ – Zeilen wie sie damals in der deutschen „Schlager“ bzw. Popmusik eher ungewöhnlich waren. Die tiefe Vocoder-Stimme ist ein schöner Kontrast zu ANNAs kräftiger Sopranstimme.

Auch Balladen auf dem Album

Wenngleich im Vorwort steht, dass das Album nicht sonderlich balladesk gehalten ist, enthält es mit „Bastard“ schon eine einfühlsame Gänsehautballade. Toll auch der „gerappte“ Sprechgesang, der als Kontrast zu ANNAs heller Stimme klasse wirkt.

Mit „Septembergrau“ gab es einen der berühmten „Monatssong“ von ROSENSTOLZ – melancholisch heißt es: „Diese große Stadt, in der Du lebst – so ne kalte Stadt, wenn’s Winter wird – allein und bald ein Jahr um“. Im schwermütigen „Es ist vorbei“ geht es (mit passend sparsam arrangierter Instrumentierung) darum, dass sich im Leben von einem zum anderen Augenblick alles ändern kann.

Der Song „Engel der Schwermut“ wurde auch in französischer Sprache von aufgenommen („Mon ange de tristesse“), die französische Version findet sich auch auf der Bonus-CD.

Die melancholisch-schöne Ballade „Sag doch“ vom bevorstehenden Ende einer Beziehung („will nicht erwachend allein sein mit mir- waren doch gemeinsam schwach – lagen miteinander wach – wo ist unsere Sehnsucht hin? // Sag doch – hab ich diese Welt zerstört? Nicht genügend zugehört? Oftmals nur an mich gedacht„) ist ebenfalls auf Französisch auf der Bonus-CD zu hören („Mens moi“).

Discosong und Gesang von Peter

Mit „Achterbahn“ gibt es wieder einen typischen Discosong von ROSENSTOLZ auf die Ohren – lange vor HELENE FISCHER widmete das Duo der Achterbahn einen ihrer typischen Songs. Auf „Du atmest nicht“ gibt es eine Seltenheit: PETER PLATE singt. Der Song ist also eine der echten Duettsongs des Duos – ein schöner Popsong, bei dem ANNA wieder hier und da ihre Opernstimme zum Ausdruck bringt.

„Total Eclipse“: Hommage an KLAUS NOMI

Der extravagante Berliner KLAUS NOMI war ein begnadeter Sänger, der früh erkannte, dass er seine Stimmfarbe dem Mezzosopran entspricht und das Falsett ihm besonders liegt. In Deutschland wollten seine Lehrer ihn aber auf Tenor trimmen. Also wanderte er in die USA aus, um sich selber zu verwirklichen und lernte den KISS-Entdecker RON JOHNSON kennen und nahm mit ihm u. a. den Song „Total Eclipse“ auf. 1982 stellte er das Lied in THOMAS GOTTSCHALKs „Na sowas“ vor. Tragisch: Etwa nur ein Jahr später war er einer der ersten prominenten AIDS-Toten.

Dieser TV-Auftritt von NOMI bei THOMAS GOTTSCHALK hatte auf den damals 15 Jahre alten PETER PLATE übrigens eine magische Wirkung – noch vor seinem Coming-Out hat ihn dieser Song sehr berührt. Das verband ihn ein paar Jahre später zu Beginn von ROSENSTOLZ mit ANNA R., die ebenfalls beeindruckt von KLAUS NOMIs Gesang war.

Vermutlich ist es kein Zufall, dass dieser (Cover-) Song auf „Kassengift“ zu finden ist – nicht nur, weil er ANNAs ausdrucksstarker hoher Stimme gut zu Gesicht stand, sondern wohl auch wegen des Schicksals KLAUS NOMIs – die AIDS-Schleife auf der Rückseite des (damaligen Original-) Albums dürfte kein Zufall sein. Auf der Bonus-CD findet sich noch die bekannte Duett-Version des Titels mit MARC ALMOND.

Düsterer Song „Schwarze Witwe“ auch ohne NINA HAGEN beeindruckend

Dass klassische Stücke ANNA R. sehr lagen, ist auch dem Song „Die schwarze Witwe“, der recht düster daher kommt, zu entnehmen. Zeilen wie „Mein Leib lässt dich zu Stein gefrieren“ und „Willst du mich, wirst du für immer vergehen“ sprechen für erotische Machtspiele.

Experimenteller Song zum Abschluss: „Mir graut’s vor diesen Leuten“

Song Nr. 13 ist noch mal ein skurriler und experimenteller ROSENSTOLZ-Song: „Mir graut’s vor diesen Leuten„, die vor Weitblick nichts mehr sehen – gerade in aktueller Lage gewinnt das Lied an beklemmender Aktualität.

Bonus-CD mit weiteren Aufnahmen der Kassengift-Session

Gerade für Fans hat die Bonus-CD von „Kassengift“ es in sich. „Kassengift“ gab erschien auch in Frankreich mit französischen Versionen der Songs, die sich teilweise als Bonustracks auf CD2 finden. Ebenso die Ballade „Es könnt ein Anfang sein„, die eigentlich – so war es laut Booklet geplant – Teil eines Balladenalbums werden sollte, das dann aber doch nicht produziert wurde.

Weitere Songs der 2001er-Maxi-CD „Es könnt ein Anfang sein“

Aus dieser Session dürften auch die Balladen „Sanfter Verführer“ (im Original auf dem Album „Mittwoch ist er fällig“ enthalten) und „Ganz unten (Oktober)“ entstanden sein. Letztgenannter Titel ist wieder einer der damals beliebten „Monatssong“ – ein Liebeskummer-Schmachtfetzen mit Marketing-Potenzial, war der Song doch nur auf einer Maxi-CD zu haben.

Ebenfalls auf der „Es könnt ein Anfang sein“-Maxi-CD enthalten war die B-Seite von „Sex im Hotel“, „Kein Mut zum Fliegen“ als 2001er Neuaufnahme.

Song aus Debutalbum und Kinderlied

Aus dem Debutalbum „Soubrette werd ich nie“ stammt der Titel „Voyeur“, den ROSENSTOLZ 2001 noch einmal neu aufgenommen haben. Ebenfalls zu finden: Ein Kinderlied namens „Paff, der Zauberdrachen„; im Original von PETER, PAUL & MARY („Puff the Magic Dragon“) – eine schöne Version, wobei die deutsche Aufnahme von MARLENE DIETRICH aus dem Jahr 1964 wohl unerreicht bleiben wird.

Übrigens spielt MARLENE DIETRICH bei der Namensfindung „Kassengift“ eine Rolle. Auch ihre Produkte wurden als kommerziell unerfolgreich bezeichnet, und der Legende nach wurde im Zusammenhang mit MARLENE der Begriff „Kassengift“ erfunden. Sowohl MARLENE DIETRICH als auch ROSENSTOLZ haben die „Experten“, die kommerziellen Erfolg nicht erwartet haben, mehr als Lügen gestraft – „und das ist auch gut so“…

Weitere B-Seite

Auch wenn ROSENSTOLZ BERTHOLD BRECHT mit „Die im Dunkeln sieht man doch“ widersprecht (Zitat „Die im Dunkeln sieht man nicht“ aus der Dreigroschenoper), hat man mit dem gleichnamigen Song eine hübsche B-Seite von „Amo vitam“ kreiert. Und „Vampir“ ist die Neuaufnahme eines Frühwerks, das als B-Seite des Songs „Kinder der Nacht“ verwendet wurde.

Kommerzieller Erfolg: Alles andere als „Kassengift“

Das Album „Kassengift“ war das erste Nummer-Eins-Album von ROSENSTOLZ, das hat das Duo nicht einmal mit „Zucker“ geschafft. Und die balladeske Single (Track 1 der Bonus-CD) „Es könnt ein Anfang“ sein ist die erste Top-10-Single von ROSENSTOLZ – insofern kann das Album als toller kommerzieller Erfolg betrachtet werden.

Erfolg auch als Neuauflage

Auch die Neuauflage zeigt, wie populär noch immer ROSENSTOLZ ist. Die Neuauflage von „Kassengift“ hat es tatsächlich noch einmal in die Top-12 der Top-100 der deutschen Albumcharts geschafft – ein toller Erfolg!

Was passiert zum 30-jährigen Jubiläum

Noch etwas zum Schmunzeln: „Kassengift“ erschien zum 10-jährigen Jubiläum von ROSENSTOLZ. Nunmehr können 30 Jahre gefeiert werden. Die TAZ hat das Duo vor ca. 20 Jahren gefragt, ob das 30-jährige Jubiläum gefeiert wird. PETER PLATEs Antwort ist aus heutiger Sicht natürlich „interessant“ :-):

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(Quelle: TAZ)

Fazit: Sehr tolle Wiederveröffentlichung

Selbst wer sich 2000 die „Kassengift“-CD gekauft hat, kann bedenkenlos noch einmal „zuschlagen“. Die Neuauflage ist in hochwertiger Buchform erschienen – das Buch enthält neben einem Vorwort von PETER und ANNA alle Texte und auch viele Konzertfotos der damaligen Zeit.

Bei der Liebe werd ich heiser
und bei Trauer werd ich krank.
Und für ungefragte Meinung
gibt es niemals von mir Dank“.

So schließt der „Kassengift“-Titelsong unmissverständlich. Auch wenn unsere Meinung ungefragt war, hoffen wir dennoch, dass diese Zeilen nicht unbedingt auf unsere Rezension zutreffen – unabhängig davon ist das Album ein Meisterwerk, das würdig aufbereitet wurde. Daumen rauf für diesen Re-Release, das macht „Lust auf mehr“ ;-)…

 

 

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Quelle: AGF Videoforschung in Zusammenarbeit mit GfK ; videoSCOPE  / DWDL. de

Foto: ZDF, Jana Kay

 

 

 

 

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Quelle Pressetext: MDR

Foto: © MDR/Uwe Frauendorf

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