BVMI: Schlager-Marktanteil so schlecht wie seit ĂŒber 10 Jahren nicht – Schlagerboom vorbei? 3

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BVMI: Schlageranteil erstmals seit ĂŒber 10 Jahren unter 4 %

Das ist eine Meldung, die die Schlagerszene aufhorchen lassen sollte. Alles spricht vom Schlagerboom – aber 2020 war fĂŒr den Schlager in Sachen TontrĂ€gerverkĂ€ufe bzw. Streaming und Download ein sehr schlechtes Jahr. Wobei das eigentlich merkwĂŒrdig ist, dass gerade in diesem Ranking der Schlager so schlecht da steht – es geht um die UMSATZanteile der einzelnen Repertoiresegmente. Und da ist der Schlager 2020 bei mageren 3,4 Prozent angekommen – so schlecht stand der Schlager in den ĂŒber 10 letzten Jahren nicht da.

Marktanteil seit 2014 halbiert

Allein in den sechs Jahren zwischen 2014 und 2020 hat sich der Marktanteil des Schlagers fast halbiert. Hier mal ein Blick auf die letzten sechs Jahre:

  • 2014: 6,5 %
  • 2015: 6,1 %
  • 2016: 5,3 %
  • 2017: 5,3 %
  • 2018: 4,2 %
  • 2019: 4,0 %
  • 2020: 3,4 %

Leider ein klarer Trend erkennbar…

Nun kann man sagen: Im vergangenen Jahr haben die „Blockbuster“ sich eigentlich alle zurĂŒckgehalten. Wenn DANIELA ALFINITO die „SĂ€ngerin des Jahres“ war, heißt das auch, dass HELENE FISCHER, ANDREA BERG und MAITE KELLY 2020 eben kein Album veröffentlicht haben – also kein regulĂ€res Studioalbum. Das allein kann aber nicht den wirklich erschreckenden Nischenwert von 3,4 % erklĂ€ren. Seit 2014 ging der Trend kontinuierlich bergab, das muss die Schlagerschaffenden schon beunruhigen.

TontrĂ€gerumsatz Indiz fĂŒr die gesamte Szene?

Ein zutreffendes Argument mag sein, dass die TontrĂ€ger (bzw. heutzutage Musikindustrie)-UmsĂ€tze nicht unbedingt die PopularitĂ€t eines Genres widerspiegeln. Als WDR4 noch kein Dudelsender war, sondern als Schlagersender gegrĂŒndet wurde, war es der mit Abstand erfolgreichste Radiosender in einer Zeit, in der die Schlager-TontrĂ€ger „wie Blei in den Regalen lagen“. Insofern muss der schlechte Marktanteil an den UmsĂ€tzen des BVMI nicht unbedingt bedeuten, dass der Schlager in einer Krise ist.

Liveauftritte können Einschnitte nicht wettmachen

Das große Problem des vergangenen Jahres ist, dass auch Großveranstaltungen ausbleiben. Schlagernacht des Jahres, Schlagerbooom, Kaisermania – alles nicht möglich. Das schadet dem Schlager doppelt. In dieser Zeit wĂ€re natĂŒrlich wichtig gewesen, möglichst gute TontrĂ€ger-AbsĂ€tze zu generieren. Es heißt, dass gerade im Schlager – anders als in fast allen anderen Musikrichtungen – noch CD-Alben verkauft werden. Das spiegelt sich aber so gar nicht in der BVMI-Statistik.

Metamorphose des Genres auch ein Problem?

Eine weitere Ursache fĂŒr das „Schlagersterben“ ist, dass es den traditionellen Schlager, wie er ĂŒber Jahrzehnte hinweg erfolgreich war, kaum noch gibt. Erst wurde der Großteil in die „Schlager-Fox“-Richtung gezogen, dann wurde es „Schlager-Pop“ und und ging ĂŒber in „Deutsch-Pop mit schlagerresken Elementen“. Die Produktionen lehnen sich immer mehr an die Import-Hits an. „Modern Pop-Song“-Produktion im Mix mit 80s und 90s Elementen, getragen auf ‚Brazillian Bass im Alok-Style“ 😉 Mark Forster macht es gerade mustergĂŒltig vor (Mark Forster, VIZE – „Bist du Okay“).

Auch ein Problem der Plattenfirmen?

Nun muss man sagen, dass es vielleicht hier und da auch wichtig ist, wie gut das Umfeld funktioniert. Dass hier teilweise die doch zustĂ€ndigen Leute nicht mal den VÖ-Termin des von ihnen zu verantwortenden Produkts kennen, ist schon – wie wir finden – haarstrĂ€ubend. Und wenn wir gestern  wie eigentlich immer ĂŒber das neue Album von ANDY BORG nur deshalb berichten können, weil wir wie immer (durchaus gerne) recherchiert haben, ist das nun wirklich kein Kompliment fĂŒr dessen Umfeld, dessen Job die Promotion seiner Produkte und Sendungen doch eigentlich wĂ€re.

Nicht jeder ist ein „Schlagerprofi“ und agiert professionell

Wenn wir in letzter Zeit weniger Rezensionen bringen, hĂ€ngt das auch mit diesem Verhalten zusammen. Gerne bringen wir Rezensionen. Aber wenn selbst eine physische Bemusterung wie im Fall von NINO DE ANGELO schon zu viel verlangt ist, dann haben wir ganz offen gestanden auch keine Lust, detailliert das Album zu besprechen, auch wenn es nach unserem Eindruck extrem gelungen zu sein scheint. Und wenn der „Sohn von…“ uns kein Interview gibt, weil er beleidigt ist, dass wir keine Hofberichterstattung betreiben, dann kann der Schuss auch mal nach hinten losgehen.

Wir bleiben am Ball…

Nach wie vor fĂŒhren wir gerne Interviews und veröffentlichen wir gerne CD-Besprechungen. ABER: Wir sind keine Hofberichterstatter. Damit haben viele Schlager-Protagonisten ein Problem – und genau DAS könnte durchaus ein Mosaikstein sein, warum die UmsĂ€tze zurĂŒckgehen – authentisches Stehen fĂŒr den Schlager, dafĂŒr brennen, dafĂŒr leben – das kommt an. Und hier geht es nicht nur um uns Schlagerprofis, so wichtig wollen wir uns auch nicht nehmen.

Ob die „A&R“s dieser Welt aber einen guten Job machen, wenn sie auf langweilige Lobhudeleien bestehen, lassen wir mal dahingestellt sein. Wenn der eigene WohlfĂŒhlfaktor weit ĂŒber den Erfolg des Produkts gehĂ€ngt wird, und das schon recht flĂ€chendeckend, könnte auch das ein Problem sein.

Trendwende in 2021?

Ob im Jahr 2021 eine Trendwende zu Gunsten des deutschen Schlagers kommen kann, liegt an vielen Faktoren. Wichtig wĂ€re sicherlich, dass die Topstars neue Alben veröffentlichen. MAITE KELLY veröffentlicht am Freitag ihr Album (selbstverstĂ€ndlich haben wir auch die Infos dazu selbst recherchieren mĂŒssen, weil die dafĂŒr ZustĂ€ndigen das nicht tun), GIOVANNI ZARRELLA kommt im April (ein Lob: dessen Presseinfos bekommen wir seitens der Plattenfirma TELAMO regelmĂ€ĂŸig) – vielleicht könnte das ja schon mal ein erster Schritt zum Turnaround sein.

Abstrafen der Musikshows?

Ein weitererer Aspekt fĂŒr die beunruhigende Entwicklung des Schlager-Marktanteils sind sicherlich die Musikshows. Dass sowohl FLORIAN SILBEREISEN als auch CARMEN NEBEL die immer gleichen GĂ€ste einladen und Newcomer dann halt die „Nichten von…“ sind, wird womöglich auch inzwischen mit schlechten UmsĂ€tzen abgestraft. Wobei bei den Schlgerchampions mit NINO DE ANGELO ein Treffer gelungen war. Aber da wĂ€re dann halt wieder ein gutes Umfeld seitens Plattenfirma und Management gut…

Es bleibt spannend…

So ganz schlecht kann es um den Schlager nicht bestellt sein. Im vergangenen Jahr waren die „Schlagerchampions“ das erfolgreichste Compilation-Format des ganzen Jahres. Ob das zu wiederholen ist, bleibt abzuwarten, aber auch in diesem Jahr lĂ€uft der Sampler gut (auch hier hĂ€tten wir ja gerne eine Rezension geschrieben, aber…). Wir drĂŒcken die Daumen, dass es wieder bergauf geht. Gerne werden wir auch weiter berichten…

 

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3 Kommentare

  1. Es wundert mich nicht, dass der Schlager leider,leider so schlecht da steht. Wird doch in den meisten Radiosendern zu 97Prozent nur alter „Englischmist“ gespielt. IN keinem Land der Welt wird die eigene Sprache bei der Musikauswahl derartig ignoriert wie hier. Ich höre daher nur noch selten Radio.

  2. Was mich seit einiger Zeit im Schlager stört, ist der Trend ihn mit anderen Genres zu vermischen. Deutsch-Pop ist nun mal Deutsch- Pop. Ich finde diese Musikgattung einfach nur langweilig. FĂŒr mich ist Deutsch-Pop wie Valium. Ausserdem gehen dem Schlager mittlerweile die Melodien aus. Ich will sagen, es wird zuviel auf Beats und Drums gesetzt. Musik besteht aber aus Melodien und Harmonien. Die Bests und Drums haben sich dem eindeutig unterzuordnen. Ausserdem hat man natĂŒrliche Instrumente wie Klavier, Trompete und Posaune und weiteres abgeschafft. Nur Helene Fischer hat gezeigt, das es anders geht. Verweise hier auf ihr Konzert aus dem November 2010 O2 World Berlin. Die „So wie ich bin-Tournee“ Dieses Konzert ist auch auf DVD veröffentlicht. Warum nimmt sich keiner mal Helene als Vorbild in Sachen Klang und Instrumente? Das ĂŒbrigens Big Band Schlager richtig gut klingen kann beweist zurzeit Ramon Roselly mit seiner Version von „Komm und Bedien Dich“.
    Mit dieser Version zeigt man auch Respekt vor frĂŒheren Interpreten wie Peter Alexander oder Tom Jones. Das es auch Komponisten gibt die dem Schlager nicht gut tun, zeigt Christian Geller. Ein Meer an Computer und Keyboards. Alles klingt gleich. Nichts ist unverwechselbar. Bei Geller klingt das wie eine Sauce. Und trotzdem hat er einen riesen Erfolg mit Anders/Silbereisen und Giovanni Zarella. Es fehlen aber auch seit lĂ€ngerer Zeit richtige Schlagerperlen wie „Morgen frĂŒh KĂŒss ich dich wach“, „Du hast mich tausendmal belogen“ oder auch „Mein Herz (es brennt)“.
    Ein Verlust in der Texteriege
    ist an erster Stelle ganz klar Irma Holder. Auch ein Jean Frankfurter ist mittlerweile im Herbst seiner Komponisten-Laufbahn angekommen.

    Martin

FLORIAN SILBEREISEN: Seine „Goldene CD“ von DSDS ging an ein Mitglied der GOLDEN VOICES OF GOSPEL 6

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FLORIAN SILBEREISEN: Wusste er, WEM er da die Goldene CD ĂŒberreicht?

Dass der Start der neuen Staffel von DSDS in Sachen Einschaltquote mehr als holprig war, darĂŒber haben wir bereits berichtet. Auch in dieser Staffel haben die Juroren wieder die Möglichkeit, einen Kandidaten oder eine Kandidatin mit einer „Goldenen CD“ direkt in den Recall kommen zu lassen. Eine nette Idee, hinter der eigentlich steckt, dass persönliche Favoriten aufgrund der QualitĂ€t den Zuschlag bekommen sollten. In diesem Fall hat das Ganze aber ein „GschmĂ€ckle“: Die von FLORIAN SILBEREISEN Ausgezeichnete ist Mitglied bei den GOLDEN VOICES OF GOSPEL, die quasi StammgĂ€ste in den Shows mit FLORIAN SILBEREISEN sind. 

DSDS als Starschmiede fĂŒr die „Feste“?

Nun ist es ja so, dass der „Papst“ unserer Meinung nach fast nie „eigene“ Talente entwickeln konnte – die ganz großen Stars der Szene wurden vom ungeliebten ehemaligen MDR-Unterhaltungschef UDO FOHT entdeckt – SILBEREISEN, MROSS, HERTEL, selbst HELENE FISCHER – ohne FOHT wĂ€ren sie nie so groß geworden wie sie sind. 

Und heute? BEATRICE EGLI, RAMON ROSELLY, ANNA-CARINA WOITSCHACK, KARSTEN WALTER und und..? Das sind alles von DSDS stammende RTL-Talente. Auch ROSS ANTONY und GIOVANNI ZARRELLA wurden bei den „Privaten“ entdeckt. Dass JÜRGENS mal selber einen Star macht? Außer BEN ZUCKER sind uns da nicht viele Namen bekannt. Folglich ist man auf „Fremdanbieter“ angewiesen, eben RTL. 

Goldene CD fĂŒr „GOLDEN VOICES OF GOSPEL“

Wenn FLORIAN SILBEREISEN nun dem jĂŒngsten Mitglied der GOLDEN VOICES OF GOSPEL, also dem Chor, der quasi ein Abonnement in seiner „Feste“-Show hat und die nach unseren Informationen z. B. auch beim Schlagerbooom 2021 in Dortmund mitgewirkt hat, seine Goldene CD ĂŒberreicht – ist das Zufall? Oder will man da wieder jemanden fĂŒr das eigene Show-Format aufbauen? Vielleicht hat CHRISTIAN GELLER bereits Studiotermine in seinen Kalender eingetragen? Womöglich wird „ABI“ ihre Lieder wieder bei TELAMO in Partnerschaft mit unikat music veröffentlichen? – In einem heutigen Post bei Facebook schreibt FLORIAN SILBEREISEN jedenfalls: 

Direkt in der ersten Folge vom neuen DSDS haben wir ein riesengroßes Gesangstalent entdeckt: Die 17-jĂ€hrige Abigail! Sie hat sich meine Goldene CD wirklich verdient und kommt damit direkt in den Auslands-Recall! 😉

Bleibt die Frage, warum er dieses Talent, das bereits in seiner eigenen Show aufgetreten ist, nicht auch in siener eigenen Show entdecken und groß machen konnte? Okay, eine ErklĂ€rung wĂ€re, dass in seiner Show (so gut wie) niemand live singt und die außerordentlichen QualitĂ€ten von „ABI“ in seiner Show daher nicht festgestellt hĂ€tten werden können. Aber etwas „merkwĂŒrdig“ finden wir es schon, dass FLORIAN „vergessen hat“, wer denn da die Goldene CD bekommen hat – eben das Mitglied eines ihm sehr bekannten Chores. Stellt sich die Frage: Hat sich so etwas schon einmal DIETER BOHLEN erlaubt? Spricht das wirklich fĂŒr SeriositĂ€t? Oder ist das „Kungelei“?

RTL schreibt derweil zu ABIGAIL:

Abigail hat multikulturelle Wurzeln, ihre Eltern stammen aus der Dominikanischen Republik und Chile. Sie hat als Background-SĂ€ngerin fĂŒr Schlagerstars wie Helene Fischer schon einiges an BĂŒhnenerfahrung vorzuweisen, ist Teil eines Gospelchors und war mit Star-Geiger Andre Rieu auf Tour. Diese tollen Erfahrungen möchte sie nun auch bei DSDS in die Waagschale werfen – und hat mit der Goldenen CD von Florian Silbereisen direkt den Sprung zum Recall in Italien geschafft!

Wie gesagt: Wahrscheinlich ist ABIGAIL ein großes Talent, vielleicht wird sie sogar Siegerin der Staffel – NUR: Warum muss hier der „Umweg“ ĂŒber DSDS gegangen werden, wenn sie doch schon lĂ€ngst Bestandteil der Szene ist und es genĂŒgend ARD-Formate gĂ€be, wenn man sie ehrlich betreiben wĂŒrde? Warum z. B. war nicht ABIGAIL in der Show „Schlager Chance“ dabei? Immerhin ist man bei RTL schlau genug, den Namen des Gospelchors „auf kleiner Flamme zu kochen“ – allerdings schon hier und da in Berichten zu erwĂ€hnen.

Explizit schreiben die GOLDEN VOICES OF GOSPEL höchstselbst auf ihrer Facebook-Seite: 

The entire Golden Voices of Gospel family send our heartfelt Congratulations to our youngest member Abigail Campos and her family on her Great performance and super success on Deutschland Sucht Den Superstar! We are all so proud of you Abi!

Auf Deutsch (Facebook-Übersetzung): „Die gesamte Golden Voices of Gospel Familie ĂŒbermittelt unserem jĂŒngsten Mitglied Abigail Campos und ihrer Familie herzlichen GlĂŒckwunsch zu ihrer großartigen Leistung und ihrem super Erfolg auf Deutschland Sucht Den Superstar! Wir sind alle so stolz auf dich Abi!

Das mag man nun cross-mediale Vermarktung oder so nennen – ob DAS heutzutage „normal“ ist, SO Stars zu fördern, mag sein – wir finden auch das wieder unfassbar. Ob sich diese „erstaunliche“ Vorgehensweise weiterhin in den Einschaltquoten widerspiegeln wird, wird sich zeigen. Wir finden jednefalls, dass „ABI“ bestimmt ein ganz tolles Talent ist, das derartige „Spielchen“ nicht möglich hĂ€tte, sondern allein mit ihrem Talent auch so sicherlich ihren Weg gemacht hĂ€tte. Hoffentlich schadet ihr diese offenstichliche „Erstaunlichkeit“ bei DSDS nicht mehr als sie ihr nutzt…

Foto: RTL / Stefan Gregorowius

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STEFANIE HERTEL: „Wenn die Musi spielt“ – TV-Kritik von THOMAS KAISER 0

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Musi in der Schlagerprofis-Kritik – Quoten leider nicht ĂŒberzeugend

Unser Kolumnist THOMAS KAISER hat sich gestern die „Musi“-Sendung angesehen und zieht ein klar positives Fazit. Vorab sei der Fairness halber aber erwĂ€hnt, dass die „Musi“ leider – ebenso wie DSDS – unter einem Quotenschwund gelitten hat.In Österreich sahen 433.000 Menschen zu – der Marktanteil von 16 % ist zufriedenstellend, aber nicht berauschend. Im Sendegebiet des MDR waren gerade einmal 235.000 Zuschauerinnen und Zuschauer dabei – 6,6 % Marktanteil sind sicher eine herbe EnttĂ€uschung – allerdings wurde auch wenig Werbung gemacht – vielleicht wird es im Sommer ja wieder besser. – Nun aber zur Kritik von THOMAS KAISER:

Live-Show in Pandemie Zeiten? Ja, es geht!

Beim Winter Open Air 2022 „Wenn die Musi spielt“ zeigte der ORF, dass es auch in Zeiten von Corona möglich ist, eine Show mit echter Abwechslung Live auf die BĂŒhne zu zaubern. ARNULF PRASCH und STEFANIE HERTEL begrĂŒĂŸten die Fans und Zuschauer in Bad Kleinkirchheim, genauer gesagt im Feriendorf Kirchleiten.

Diskutable Version von „Du hast den Farbfilm vergessen“

Das Potpourri der KĂŒnstler reichte von Pop-Schlager einer SASKIA LEPPIN mit „Es hört niemals auf“ ĂŒber volkstĂŒmlichen Schlager der FETZIGÂŽN aus dem Zillertal bis zum Partyschlager der JUZIS. Die JUZIS starteten ihren Auftritt mit einem Cover des Lieds „Du hast den Farbfilm vergessen“. Die wahrscheinlich ĂŒberzeugendste Version stammt von NINA HAGEN aus dem Jahre 1981. Ob es sinnvoll ist, in heutiger Zeit diesen DDR-Kultschlager im JUZI-Sound erklingen zu lassen, soll jeder fĂŒr sich selbst entscheiden.

Kreative GĂ€steauswahl

Auch Gruppen, die nur sehr selten zusehen sind wie die aus KÀrnten stammende, dem Pop zugewandte Gruppe MATAKUSTIX, die OBERKRAINER POWER aus der Steiermark oder die MOUNTAIN CREW (Oberösterreich) durften sich ein Stelldichein geben.

DANIEL SOMMER mit Corona-Erkrankung ausgefallen

Der auf der GĂ€steliste angekĂŒndigte DANIEL SOMMER musste aufgrund einer Corona-Infektion seinen Auftritt leider absagen. Das ist sehr schade, da die Zuschauer somit nicht in den Genuss des gemeinsamen Duetts mit SASKIA LEPPIN „Das war so nicht geplant“ kamen. Warum der Ă€ußerst sympathische und smarte DANIEL SOMMER bis jetzt in anderen Shows (außer beim SWR) so gut wie gemieden wird, bleibt unergrĂŒndlich. Die aktuelle Single von DANIEL SOMMER  heißt ĂŒbrigens „Warum suchst Du woanders“.

ALLESSA und MISHA KOVAR – tolle SĂ€ngerinnen

EigenstĂ€ndig war auch die PrĂ€sentation von ALLESSA und „Das kann’s doch nicht gewesen sein“. – Mit ALLESSA verhĂ€lt es sich wie mit DANIEL SOMMER. Bis heute so gut wie keine Auftritte in großen Schlager- und Musikshows und das bei dieser ĂŒberzeugenden Performance und Stimme.

Ein weiterer seltener Gast aus Österreich war MISHA KOVAR  mit „Winterwunderwelt“, welche neben SASKIA LEPPIN Musical-Erfahrung besitzt.

Wieso ALLESSA und MISHA KOVAR nach ihren Auftritten so mir nichts dir nichts hinter die BĂŒhne verschwanden, ohne dass man mit den beiden ein Wort gewechselt wurde, bleibt leider unbekannt. Hier wĂ€re die Möglichkeit gewesen, beide auch in Worten einem grĂ¶ĂŸeren Publikum vorzustellen. Fragen hĂ€tte es bestimmt genug gegeben. Hier wurde eine Chance verpasst.

ROSS ANTONY im Interview

Im Gegenzug wurde mit ROSS ANTONY nach seiner PrĂ€sentation von „Willkommen im Club“ ein Plausch mit STEFANIE HERTEL abgehalten. Von ROSS ANTONY dĂŒrfte mittlerweile fast alles bekannt sein. – In solchen Dingen sollte man von den Verantwortlichen und Veranstaltern in Zukunft fĂŒr solche Shows mehr Balance und Ausgewogenheit erwarten.

DRAUFGÄNGER mit neuer SĂ€ngerin

Weitere GĂ€ste waren die Partyschlagerband DIE DRAUFGÄNGER mit der neuen SĂ€ngerin CHIARA PROSSINGER, die gegenĂŒber anderen KĂŒnstlern mehrere Songs zum Besten geben durften. Ob man diese Gruppe mag oder nicht, ist in diesem Fall echt Geschmackssache.

MARCO VENTRE und MITCH KELLER mit BERENICE

Der Radio KĂ€rnten Moderator MARCO VENTRE gab den Song „Neuer Tag“ zum Besten. FĂŒr ein Winter Open Air ein vielleicht zu sperriger Song, hier wĂ€re von der Machart her doch ein wenig mehr Geschmeidigkeit besser gewesen. Auch die Fans von MITCH KELLER kamen auf Ihre Kosten, er hatte einen Auftritt mit der Steirerin BERENICE, die sich als SĂ€ngerin bei ANDREAS GABALIER einen Namen gemacht hat, und dem Cover von „Baby When You’re Gone“: „Ich zeig Dir, wie es geht“.

Eine Premiere bei Wenn die Musi spielt durften die SÜDSTEIRER mit Tanzen geben. Mit Ihrer BĂŒhnenperformance erinnerten Sie ein wenig an VOXXCLUB. Ihr Song „Tanzn“ ging gut ins Ohr. Premiere geglĂŒckt kann man da sagen.

ANNA-CARINA WOITSCHACK mit zwei Liedern

Einen Ausflug in die wunderbare verschneite Berglandschaft von KĂ€rnten gab es mit ANNA CARINA WOITSCHAK und „KĂŒss mich wach“. SpĂ€ter folgte von Ihr ein LIVE-Auftritt mit Ihrer Ballade „MĂ€rchenbuch“.

UDO WENDERS und VANESSA HERZOG: So macht Winter Spaß

UDO WENDERS zeigte sich mit „Lass mich bei Dir sein“ von der Gerlitzen Alpe und spĂ€ter mit einer eigenen Version von ROGER WHITTAKERS „Ein bisschen Aroma“. Die Tiroler EisschnelllĂ€uferin VANESSA HERZOG verzauberte die Zuschauer mit einem Besuch an den ins Sonnenlicht winterlich verschneiten Weissensee. So macht der Winter Spaß.

MELISSA NASCHENWENG blieb fern

Auch die Gastgeberin STEFANIE HERTEL kam nicht zu kurz. Sie performte ein Medley mit alten Schlagerklassikern und Ihrer DIRNDLROCKBAND.

Im Vorfeld der Show wurde ein Kommen von MELISSA NASCHENWENG, der zurzeit erfolgreichsten Musikerin Österreichs, angekĂŒndigt.  Wie von MELISSA NASCHENWENG selbst verkĂŒndet, fand dieser Besuch leider nicht statt. Ein zĂŒnftiges krachendes „Bergbauernbuam“ oder der „TraktorfĂŒhrerschein“ im Dialekt gesungen wĂ€ren genau richtig gewesen. Wir hoffen auf ein nĂ€chstes Mal.

FÄASCHTBÄNKLER nicht dabei, obwohl angekĂŒndigt

Auch die aus der Schweiz stammenden FÄASCHTBÄNKLER waren  nicht zugegen, obwohl sie im Pressetext angekĂŒndigt wurden. In Bezug auf solche Dinge sollten die Sender in Zukunft endlich offener und ehrlicher kommunizieren. Einige Worte zum Fernbleiben von den Gastgebern ARNULF PRASCH und STEFANIE HERTEL wĂ€ren richtig gewesen.

MELANIE PAYER hÀtte der Sendung gutgetan

Wo war bitte die ebenfalls aus KĂ€rnten kommende, genauer gesagt in St. Veit an der Glan beheimatete MELANIE PAYER? Hier wurde die Gelegenheit vertan, diese SĂ€ngerin einem breiteren Publikum vorzustellen. MELANIE PAYER ist wie viele in der Branche seit Jahren aktiv und wird besonders in TV-Shows mehr als stiefmĂŒtterlich behandelt.

Sie hĂ€tte ihre neue Single, den ruhigen Song „Seit du nicht mehr da bist“ oder den aus dem FrĂŒhjahr 2021 veröffentlichten Schlager „Papillon“ prĂ€sentieren können. Bei diesem Schlager ĂŒberzeugt MELANIE PAYER auch stimmlich auf ganzer Linie. Der Song stellt keine Beats oder irgendwelche Rhythmen in den Mittelpunkt, sondern eine den menschlichen Ohren starke schmeichelnde Melodie- und Gesangslinie.

NIK P. feiert JubilÀum

Als letzter KĂŒnstler betrat der sehr beliebte Nik P. die BĂŒhne, der in diesem Jahr sein 25. JubilĂ€um feiert. Dazu sei herzlich gratuliert. Er sang „Die Sterne stehen gut“, „Wir sind da um zu Leben“ und ein Hitmedley u. a. mit „Gloria“ und „Geboren, um dich zu Lieben“. NIK P. dankte seinen Fans und AnhĂ€ngern, dass es ihn nach 25 Jahren als KĂŒnstler noch gibt. Er hat bereits sein Kommen fĂŒr das Sommer Open Air angekĂŒndigt.

Beschlossen wurde die Show in einem gemeinsamen Auftritt aller KĂŒnstler und dem Open Air-Lied.

Fazit: Große Bandbreite

Man muss es noch mal sagen. Die Bandbreite, die gestern geboten wurde, hat man fast nur noch in den Sendungen des SWR, nĂ€mlich bei ANDY BORGS Schlager-Spaß und bei Immer wieder sonntags von STEFAN MROSS.

Hoffen wir, dass das Sommer Open Air am Samstag, dem 18. Juni wieder am alten Ort auf dem Feld des Hoferriegel-Bauern in St. Oswald stattfinden kann.

Thomas Kaiser

Foto: © MDR/ORF/Peter Krivograd

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