ESC 2021: JENDRIK SIGWART vertritt Deutschland beim ESC 1

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ESC-Beiträge der letzten Jahre: „Griff ins Klo“

Wer seit vielen Jahrzehnten von Kindesbeinen an den ESC verfolgt hat, also auch in Zeiten, als noch die Musik zählte und der Wettbewerb „Grand Prix“ hieß, der kann es nicht lassen und zumindest einen kleinen Blick darauf werfen, wer denn Deutschland beim ESC vertreten wird. Das war noch bis vor einigen Jahren interessant. Der NDR hat bis zum letzten Jahr aber mit gescheiterten Voice-Nieten derart „ins Klo gegriffen“, dass sich eine „Egal-Mentalität“ gebildet hat. Hoffentlich wird es mit JENDRIK SIGWART besser.

Selbst Portal ESC-kompakt „mürbe“

Das sehr empfehlenswerte Portal „ESC-kompakt“ hat es in einem Kommentar sehr gut formuliert. Als Ende Januar / Anfang Februar der deutsche Beitrag nicht feststand, das aber anscheinend auch niemanden mehr interessierte, schrieb der Kommentator:

„Der NDR hat es geschafft“

Der NDR hat es geschafft. Ich bin mürbe. Oder ist das zu hart? Denn eigentlich habe ich mich einfach nur aus purer Langeweile spannenderen Dingen zugewandt und darüber mein Interesse für das verloren, was mir aus (überschaubar) patriotischer Perspektive mit am wichtigsten beim ESC sein sollte: dem deutschen Beitrag.“ Der lesenswerte Artikel / Kommentar kann HIER in ganzer Länge nachgelesen werden.

JENDRIK SIGWART vertritt Deutschland beim ESC 2021

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Am heutigen Samstag Vormittag (der Zeitpunkt der Kommunikation spricht Bände – das ist ähnlich wenn Politiker Steuererhöhungen am Tag des Endspiels der Fußball-WM beschließen, damit es möglichst wenige Leute mitbekommen) verkündete der NDR nun, wer Deutschland vertreten wird. (ESC-kompakt hat das schon Wochen vorher vermutet, aber die öffentlich-rechtlichen Sender gefallen sich ja in einer autoritären Geheimhaltung): JENDRIK SIGWART.

Die gute Nachricht zuerst…

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Richtig toll: Mit JENDRIK SIGWART haben sich die Verantwortlichen mal NICHT für jemanden entschieden, der schon beim Format „The Voice“ bewiesen hat, kein großes Publikum begeistern zu können (zumindest können wir uns an keinen ESC-Voice-Teilnehmer erinnern, der auch nur im Ansatz kommerziell erfolgreich gewesen wäre). Und: JENDRIK ist selber Musiker.

Brennen für den ESC

Als im Vorjahr BEN DOLIC erfuhr, dass er beim ESC für Deutschland antreten darf, war dem das augenscheinlich „wurscht“ – so der Eindruck bei der von ONE ausgestrahlten Sendung, die der Vorstellung des Künstlers diente. Keine großen Emotionen. JENDRIK SIGWART hingegen brennt selber für den ESC. Eine gute Voraussetzung. Und: Er ist ein Typ, der Optimismus verbreitet. Die Ukulele, die er selber mit 4.000 Strasssteinen verziert hat, ist ein Gimmick, das Wiedererkennbarkeit vermittelt.

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Blick zurück: Wer vertrat Deutschland früher?

Werfen wir mal einen Blick auf die Beiträge der Jahre 1979 bis 1985 – wer erinnert sich?:

– 1979: „Dschinghis Khan“ (DSCHINGHIS KHAN)
– 1980: „Theater“ (KATJA EBSTEIN)
– 1981: „Johnny Blue“ (LENA VALAITIS)
– 1982: „Ein bisschen Frieden“ (NICOLE)
– 1983: „Rücksicht“ (HOFFMANN & HOFFMANN) und
– 1984: „Aufrecht gehen“ (MARY ROOS).

Alle diese Songs haben sind nicht nur ESC-Fans bis heute bekannt, ganz viele Menschen lieben diese Lieder bis heute. Und nun ein Blick auf die letzten ESC-Beiträge:

ESC-Beiträge der letzten sechs Jahre

Die Songs 1979 bis 1985 – da musste ich nicht nachgoogeln, die kannte ich noch aus lebhafter Erinnerung. Die letzten sechs Beiträge? Keine Ahnung, irgendwas mit Ghost, Manga, einer Levina, the Voice, einem Schulte, bei dem das Bühnenbild alles rausriss – aber was genau war? Na das sagt Wikipedia:

2015: „Black Smoke“ (ANN SOPHIE)
2016: „Ghost“ (JAMIE LEE)
2017: „Perfect Life“ (LEVINA)
2018: „You Let Me Walk Alone“ (MICHAEL SCHULTE)
2019: „Sisters“ (S!STERS)
2020: „Violent Things“ (BEN DOLIC)

Mal abgesehen von „You Let Me Walk Alone“ (wobei – wer könnte das Lied „ansummen“?) sind das zumindest gefühlt alles desaströse Totalflops, die schon im Jahr ihrer Entstehung wieder vergessen wurden – ganz anders als die Lieder vor rund 40 Jahren. Das könnte daran liegen, dass vor 40 Jahren das Lied wichtig war, heutzutage das Image des Interpreten.

Vorsichtiger Optimismus macht sich breit

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Dass dem NDR auch in diesem Jahr der Song sch…egal zu sein scheint, weil ja wieder nur der Interpret JENDRIK SIGWART präsentiert wird – geschenkt. Deren Inkompetenz haben die mit den genannten Liedern ja seit Jahren eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Bleibt also auf einen Zufallstreffer zu hoffen. Und das könnte diesmal gelingen, weil JENDRIK ein optimistischer Musiker ist, der für den ESC ein schönes Lied bringen will – so der Eindruck, der sich aufdrängt.

ESC statt Selbstdarstellung – das könnte passen

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Ohne den Song zu kennen, drängt sich der Eindruck auf, dass JENDRIK SIGWART anders als seine Vorgängerinnen und Vorgänger darauf konzentriert, ein Lied für den ESC zu kreieren. In denletzten Jahren ging es nach unserem Dafürhalten eher um die Promotion für ehemalige Voice-Kandidaten, was von einem Beispiel abgesehen ja immer schiefgegangen ist. In diesem Jahr könnte es „zufällig“ gut gehen, weil der NDR „aus Versehen“ einen guten Typen ausgewählt hat.

Beitrag wird am 25. Februar vorgestellt

Welchen Song JENDRIK SIGWART für „Deutschland“ (na gut, repräsentativ war die Auswahl wie zuletzt immer nun wirklich nicht – was geht es auch den Gebührenzahler an, wen der elitäre NDR entsendet) singen wird, ist noch nicht bekannt. Auch hier gilt: Geheimniskrämerei als elitäre Wichtigtuerei. Am 25. Februar wird der Song vor der Tagesschau vorgestellt. Und am 26. Februar wird JENDRIK SIGWART bei der NDR-Talkshow zu Gast sein.

Wir sind gespannt…

Wenn nach vielen Jahren in diesem Jahr tatsächlich mal ein guter Beitrag aus Deutschland kommen würde, wäre das schön. Sollte es tatsächlich mit JENDRIK SIGWART zu einem „Zufallstreffer“ kommen, steht allerdings zu befürchten, dass der NDR mit der Methode, die Gebührenzahler von der Entscheidungsfindung auszuschließen, weitermacht.

Nächstes Jahr wieder deutsche Vorentscheidung?

So lange die deutschen Vorentscheidungen fair abliefen und auch mal prominente Teilnehmer dabei waren aus verschiedenen Genres (ja, sogar der böse „Schlager“ war einmal vertreten – den Song kennt man sogar noch: „I mag di so“ von voXXclub), lief es eigentlich ganz gut für die deutschen Beiträge. Beim echten Wettbewerb entscheidet auch nicht das NDR-Hinterzimmer und 100 Fachidioten über den Siegertitel, sondern zumindest zu einem Teil das TV-Publikum. Schön wäre, wenn man so eine Vorentscheidung wieder hinbekäme.

Zum Glück gibt es STEFAN RAAB

STEFAN RAAB hat ja angekündigt, auch in diesem Jahr einen „Free Eurovision Song Contest“ zu präsentieren. Vielleicht hat der Wettbewerb ja die Chance, in die Bresche zu springen. Wenn RAAB dabei war, gab es nicht so desaströse Ergebnisse wie dann, wenn der NDR allein gewurschtelt hat. Und mit „Te amo mi amor“ gab es sogar einen echten Hit, den der Wettbewerb hervorgebracht hat…

JENDRIK SIGWART auf den Spuren von GUILDO HORN?

Übrigens – erstmals schaltete sich STEFAN RAAB 1998 ins ESC-Geschehen ein, indem er für GUILDO HORN dessen Song „Guildo hat euch lieb“ schrieb. Der diesjährige ESC-Teilnehmer weist erstaunliche Parallelen auf: Etwas verrückt, Brennen für den Wettbewerb, extrovertiert und guter Musiker. Vielleicht lässt sich GUILDOs Erfolg von 1998 ja wiederholen. Wir drücken ohne Ironie die Daumen…

Fotos: NDR

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1 Kommentar

  1. Der Grand Prix in den 80er Jahren war richtig gut. Kann mich noch an die Moderationen von Marlene Charell und Toto Cotugno erinnern. Auch das Abstimmen war damals viel spannender. Und alle Interpreten haben in den Landessprachen gesungen. Sehr gut. Der Grand Prix war damals bei vielen noch ein Pflichtprogramm. Ausserdem sind heute zuviele Länder dabei. Das ist alles Quatsch mit Sauce.

    Martin

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Foto: © MDR/ARD/Thorsten Jander,

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