ANNENMAYKANTEREIT: Völlig ĂŒberraschend legen sie ihr „Lockdown-Album“ „12“ vor 1

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Lockdown-Album unter Schock entstanden

Völlig ĂŒberraschend und ohne grĂ¶ĂŸere VorankĂŒndigung hat das Trio ANNENMAYKANTEREIT „mitten in der Woche“ (normalerweise werden Alben freitags veröffentlicht) ein neues Album namens „12“ veröffentlicht. Nach dem fröhlichen Mitwirken beim BLÄCK-FÖÖSS-Album „5Ö“ gibt es nun ein eigenes eher dĂŒster gehaltenes Werk von ANNENMAYKANTEREIT.Was es damit auf sich hat, verrĂ€t der Pressetext dazu, der auch nicht alltĂ€glich ist: Die Jungs legen Wert auf die Feststellung, den Text SELBER geschrieben zu haben – es ist also keiner der obligatorischen „Waschzettel“-Pressetexte:

Produktinformation von ANNENMAYKANTEREIT selbst geschrieben

Normalerweise wĂŒrden hier jetzt die ersten SĂ€tze einer sogenannten „Bio“ stehen. Bei einem normalen Release schreibt jetzt jemand, den die Band xy kaum kennt, ĂŒber eben diese Band xy. Das war irgendwie schon immer so. Über das neue Album, warum es total anders ist und so weiter und so weiter. Ein Fließtext von den AnfĂ€ngen bis zum Heute, möglichst aussagekrĂ€ftig und mit ganz vielen Metaphern. Diese sogenannte „Bio“ ist nĂ€mlich Werbung. Werbung in eigener Sache, gemacht fĂŒr Radiostationen, Redaktionen, Veranstalter und so weiter und so weiter.

Weil dieses Jahr anders ist, haben wir uns dagegen entschieden, diesen Text schreiben zu lassen. Diesmal schreiben wir diesen Text. – Wir – sind Severin, Henning und Christopher. Wir haben 2011 angefangen, Straßenmusik zu machen, haben es 2012 irgendwie geschafft, kein Studium zu beginnen, 2013 konnten wir bereits in Clubs und auf CampingplĂ€tzen spielen, 2014 war unser erstes Jahr voller Festivals und ĂŒber hundert Konzerten, 2015 war Ă€hnlich intensiv und 2016 haben wir unser erstes Album veröffentlicht. 2017 haben wir angefangen, eigene Festivals zu veranstalten und haben dazu noch ein Live-Album veröffentlicht. 2018 haben wir eine Tour-Pause gemacht und dafĂŒr so viel Zeit wie es geht in unser zweites Album gesteckt. Nachdem wir 2019 selbstverstĂ€ndlich wieder viel auf Tour waren, kam das Jahr 2020.

Und na ja, wo fĂ€ngt man da an
 Vielleicht in Görlitz. Dort haben wir unser „Warm-Up“ Konzert gespielt. Das war das „AufwĂ€rmen“ fĂŒr unsere bisher grĂ¶ĂŸte Tour. Wir wollten zum ersten Mal in Moskau spielen und dann gleich zwei Konzerte. Wir hatten die Hamburger Trabrennbahn ausverkauft, waren fĂŒr Festivals gebucht, wir wollten nach St. Petersburg und Istanbul


Und dann – Zack. Es war tatsĂ€chlich surreal. Als am 28.02. aufgrund des Infektionsschutzgesetzes unser Konzert nicht stattfinden konnte, war ich erstmal sprachlos. Die Mitarbeiter der Schweizer Behörden rieten uns zur umgehenden Ausreise. Unser Team hatte die BĂŒhne bereits in die Halle gebaut. Es war Mittag und wir wollten eigentlich die grĂ¶ĂŸte Mehrzweckhalle der Schweiz bespielen. Wir haben stattdessen das Land verlassen. Richtung Deutschland.

In deutschen StĂ€dten hing danach jedes Konzert am seidenen Faden. Spielen wir? Spielen wir nicht? Das letzte Konzert kam sieben Tage spĂ€ter. Im wunderbaren Chemnitz. Das Konzert danach in Freiburg, am 10.03., konnte nicht mehr stattfinden. Am 11.03. waren wir dann alle ziemlich ĂŒberraschend wieder in den eigenen vier WĂ€nden. Am 12. wĂ€ren wir eigentlich ein Bremen gewesen, am 13. in Köln, und so weiter und so weiter. Jeder war plötzlich allein mit der Tatsache, dass dieses Jahr anders wird.

Dann kam der Lockdown. Und im Lockdown haben wir ein Album gemacht. Dementsprechend dĂŒster sind einige der Lieder. Insgesamt ist das neue Album sehr von den Wochen geprĂ€gt, in denen es entstanden ist. Per Video-Call. Per Telefon. Per Mail und in ChatverlĂ€ufen. Christopher war im Proberaum, Severin im spontan aufgebauten Homestudio und ich hatte die Gelegenheit, an einem desinfizierten Klavier zu arbeiten. Inklusive Markus Ganter (unserem Produzenten) hinter einer Glasscheibe. Wir haben uns eigentlich jeden Tag zu Ideen ausgetauscht, neue Elemente diskutiert, AnhĂ€nge weitergeleitet und darĂŒber gesprochen, wo das unfertige Lied „hinwill“.

Mitte Mai haben wir uns dann in der Eifel getroffen, um das schon vorhandene Material nochmal ein gutes StĂŒck weiterzubringen. Wir haben uns oft fĂŒr die Momente entschieden. FĂŒr die spontanen Handy-Aufnahmen, fĂŒr die Versprecher, das RĂ€uspern, das Vogelzwitschern oder knarzende KlavierstĂŒhle. Hoffentlich kann man erahnen, was wir damit gern unterstreichen wollten. Da wir in der Eifel irgendwie jeden Tag total produktiv waren, haben wir am Tag unserer Abreise zum ersten Mal die neuen Lieder in Reihenfolge gehört.

Nach dem Hören hat Sevi dann gesagt – das fĂŒhlt sich wie ein Album an. Irgendwie war plötzlich glasklar, dass wir nur mit neuen Liedern ein Album machen, ohne „Ausgehen“, „Ozean“ oder „Tommi“. Nach unserem Eifel-Trip hatten wir dann Ende Mai ein paar Tage mit Malte im Proberaum. Malte kam und brachte nicht nur seine routiniert entspannte Art mit, sondern auch ein paar feine Basslinien und gute Ideen mit. Danach war Markus Ganter dran. Denn um die Songs wirklich fertig zu machen, mĂŒssen wir natĂŒrlich noch ein paar Wochen unseren Produzenten quĂ€len und Wetten darauf abschließen, wie viele Haare ihm ausfallen. Markus hat diesmal nicht nur produziert, sondern auch einige BĂ€sse gespielt. NatĂŒrlich hat er auch mit arrangiert. Das kann er nĂ€mlich fast so gut wie Mixen – seine heimliche Sucht.

Das „Mixing“ hat Markus ĂŒbernommen, das Mastering hat Zino gemacht. Danke dafĂŒr. So. Es ist fertig. Unser drittes Album. Es heißt „Zwölf“. Es ist ein Album aus dem Lockdown. Ein Album, das unter Schock entstanden ist. FĂŒr uns hat es immer drei Teile gehabt – den dĂŒsteren Beginn, das Aufatmen danach und die sĂŒĂŸ-bittere Wahrheit zum Schluss.

Wir wĂŒnschen uns, dass dieses Album am StĂŒck gehört wird. Die Reihenfolge der Lieder hat fĂŒr uns Bedeutung, und wer so großzĂŒgig ist sich das Album auch in dieser Reihenfolge anzuhören hat einen gepolsterten Sitzplatz in der Mehrzweckhalle unserer Herzen.

Hoffentlich bis bald. Hoffentlich. Severin, Christopher, Henning.
AnnenMayKantereit.

Text: Henning May

AusfĂŒhrliches ANNENMAYKANTEREIT-Interview zum Allbum

Dieses Album ist in besonderen Zeiten entstanden: in einer Pandemie. Wann genau fing das Songschreiben an?

Henning May: Wir haben angefangen, an dem Album zu arbeiten, direkt nachdem die Tour abgesagt wurde. Das heißt, Tour war zu Ende. Ich glaube, das war ziemlich genau Mitte MĂ€rz. Wir mussten alle nach Hause fahren, und dann saßen mir sehr konsterniert alle alleine irgendwie zu Hause und haben uns Dateien hin und her geschickt, weil wir ja sonst eigentlich ein Konzert gespielt hĂ€tten und dann habe ich hier darĂŒber geschrieben, was gerade so um uns herum passiert. Und irgendwie diese neue Situation
Wir haben uns da so ein bisschen drin vergraben und so hat das eigentlich angefangen. Also, es war so ein Kompensations-Musik-Machen, weil wir keine Konzerte mehr spielen konnten.

Das Album klingt genau nach dem: einem BewĂ€ltigungsalbum der schwierigen Coronazeit. Das heißt, sehr viel ist im Hier und Jetzt verankert, oder?

Henning May: Ja genau, das habe ich probiert. Ich habe versucht, Dinge kreativ zu ordnen, Situationen zu verarbeiten auch und die in so einen Rahmen zu setzen. Und das war irgendwie dieses Mal ein ganz anderes arbeiten als vorher, weil es ist ja dann eine doppelte GegenwartsbewĂ€ltigung, weil man einmal einfach die Gegenwart bewĂ€ltigt, indem man etwas machen kann. Und auf der anderen Seite die bewĂ€ltigt, indem man sich mit ihr auseinandersetzt und irgendwie ĂŒber sie spricht. Wir haben ja auch dann irgendwie viel einfach darĂŒber diskutiert am Telefon wie wir die Situation einschĂ€tzen und vor allen Dingen auch, wie sich die Situationen anfĂŒhlen. Und das war so ein bisschen 
 ich wĂŒrde sagen, das war der Grundpfeiler auch so ein bisschen des Albums, dass wir Diese ganze große Situation erfĂŒhlen mussten. Und viele Lieder auf dem Album sind ja auch Ausdruck eines sehr momenthaften GefĂŒhls, gar nicht so sehr eines allgegenwĂ€rtigen GefĂŒhls, sondern eher eines schnellen und irgendwie sehr intensiven
 von so einem Push, der einem dann irgendwie einfĂ€ngt, weil wir sind jetzt ja auch schon irgendwie ein bisschen lĂ€nger am Touren. Und das hatten wir noch nie, dass man uns im MĂ€rz sagt, bis September spielt ihr auf gar keinen Fall. Das hat ja dann auch so zu so Zeilen gefĂŒhrt wie „so wie es war, wird es nie wieder sein“, weil wir uns nicht vorstellen konnten fĂŒr so ein paar Tage, dass bevor wir irgendwie 40 sind, die Situation komplett bereinigt ist, weil einfach gerade in unserer Branche soviel falsch lĂ€uft und auch in unsrer Gesellschaft so viel falsch lĂ€uft, dass wir dachten: „Oh Gott, wenn das jetzt fĂŒnf Jahre so geht, das ist natĂŒrlich hart.“ Ich wĂŒrde es jetzt nicht Panik nennen, aber wir hatten einfach alle einen sehr, sehr großen Respekt vor der Situation. Und wir haben uns da auch irgendwie
. wir haben probiert, die kleineren GefĂŒhle zuzulassen, aber auch die dramatischeren GefĂŒhle zuzulassen. Das macht ja dann doch irgendwie sehr viel mit einem. Und ich glaube, mit allen, besonders fĂŒr die, die es gewohnt sind, zu arbeiten, mit Menschen und mit Massen an Menschen. Ja, und ich glaube, wir waren auch alle noch nie so lange am StĂŒck Zuhause in den letzten zehn Jahren. Das ist halt auch verrĂŒckt. Erst einmal mussten wir alle mehr arbeiten und dann plötzlich irgendwie kurz gar nicht mehr. Und jetzt geht es wieder ein bisschen los.

Wie hast du persönlich diesen Schock, oder das Auftreten der Pandemie und die UmstÀnde, verarbeitet?

Henning May: Ich wĂŒrde sagen, ich habe es nicht geschafft, die Zeit zu bewĂ€ltigen, aber ich habe es auf jeden Fall versucht. Wir haben probiert, das mit Musik zu machen und mit Texten. Bei uns war glaube ich allen
 das hat einfach so viele GefĂŒhle ausgelöst, dass wir unbedingt damit auch arbeiten wollten. Und ich glaube, das war so der der wichtigste Teil davon, irgendwie damit umzugehen, dass sich gerade so viel verĂ€ndert. Ich habe auch viel mit Leuten einfach telefoniert. Ich glaube, wir haben alle viel mit Leuten gesprochen, mit Freunden, mit Familie. Das war ja komisch, weil wir so viel digital miteinander gesprochen haben und dann irgendwie WhatsApp Gruppen, immer wieder neue WhatsApp Gruppen aufgemacht zu verschiedenen Songs und Zoom Meeting und irgendwie dann ĂŒberall gemailt und Dropbox. Unser Musikmachen hat sich grundsĂ€tzlich verĂ€ndert, weil wir nicht am gleichen Ort waren und Sevi und Chrissi einfach ganz eigenstĂ€ndig und alleine ganze Arrangements und Instrumente gebaut haben, auf die ich dann drauf gesungen habe, beziehungsweise wo wir dann alle immer wieder kleinere Details hinzugefĂŒgt haben und die sind dann so gezirkelt, diese Arrangements. Wir haben noch nie rĂ€umlich getrennt voneinander gemeinsam Musik gemacht. Warum auch? Also ich und Severin haben ja solange zusammen gewohnt. Und dann war das jetzt nie
 Dieses rĂ€umlich getrennt gemeinsam Musik machen hat was Trauriges, aber auch was Besonderes, weil es natĂŒrlich auch immer was Filterndes, etwas Überraschendes hat. Als wir dann endlich mal so wieder zusammen sein konnten, haben wir probiert, diesen Aufnahmen so ein bisschen zu entsprechen und das genauso zu machen. Also da nicht ewig an was rum zu kauen, sondern zu sagen: „Okay, das ist mir gerade eingefallen. Und so, wie es mir eingefallen ist, so sollten wir es auch probieren, drauf zu nehmen.“ Und ich glaube, dass wir ohne das jetzt geplant zu haben, noch mal so ganz anders zusammen Musik gemacht haben, Das war fĂŒr uns auch so ein Teil der BewĂ€ltigung, weil das ist etwas Neues und das macht Spaß und ist ungewohnt. Ich glaube auch dieses ganz Spontane war fĂŒr uns sehr befreiend. Irgendwie weil es auch noch einmal was Neues war. Ich glaube, wir lieben das sehr, Sachen zu spielen, die vorzubereiten, gut spielen zu können, das aufzunehmen, aber wir kennen ja auch dann so ein bisschen die Kreise unseres Systems. Und wenn man das spielt und ĂŒbt und aufnimmt und rausbringen will, dann sind das anderthalb Jahre und wir wussten halt, wir wollen jetzt schnell Kunst machen und die dann auch einfach in den Raum stellen fĂŒr alle.

Gutes Stichwort „Raum“. Der Raum ist in vielen Songs auch zu hören. Bei Studioalben wird das irgendwann herausgefiltert und drauf geachtet, dass es glatt klingt. Bei diesem Album ist das nicht so. Warum?

Henning May: Wir wollten das auch noch einmal so etwas nĂ€her an uns heran lassen. Ich glaube zum Beispiel gerade bei „Zukunft“ ist das sehr deutlich geworden fĂŒr uns, dass wir uns gesagt haben: Ich hatte hier morgens eine Idee eingespielt, und Markus Ganter hatte heimlich ein bisschen mitgeschnitten. Dann Sevi darĂŒber getrommelt. Chrissi hat ein großartiges Solo gespielt. Und dann haben wir das erstmal gar nicht mehr angefasst. Dass dann die Dinge so schnell endgĂŒltig werden, das gibt einem auch manchmal so ein HochgefĂŒhl. Das hat so ein bisschen fast was von wie einem Spieltag: So jetzt wird hier kurz abgeliefert, und wir mĂŒssen jetzt irgendwie pfiffig sein und gut zuhören. Los geht es! Also die RĂ€ume, die uns umgeben haben auf diesem Album, sind einmal natĂŒrlich vor allen Dingen unsere Zimmer. Also jeder war halt einfach unglaublich viel zuhause. Und dann wĂŒrde ich sagen waren wir natĂŒrlich in der Eifel, in einem Haus von einer befreundeten Familie, das sehr schön war. Da waren wir dann zusammen in QuarantĂ€ne und haben Musik gemacht. Dann waren wir zusammen in Berlin bei Markus und wir waren dann auch noch mal in Köln und haben mit Malte Musik gemacht. Und ich glaube, auch das Lied „So laut, so leer“, da hört man sehr wie wir da einfach im Hinterhof sitzen mit Malte um den Tisch herum. Malte, Sevi und Chrissi haben Gitarren in der Hand. Das war ein spontaner Einfall von Severin, das Tempo ein bisschen zu Ă€ndern. Und dann hat uns die Version super gut gefallen und fleißig wie er ist, hatte er das dann auch noch mit dem Handy mitgeschnitten so heimlich. Dieses Spontane und dann auch irgendwie schnell EndgĂŒltige
Ich glaube, damit haben wir probiert uns so ein bisschen dieser Konzertsituation zu nĂ€hern. Das habe ich aber erst spĂ€ter so richtig verstanden, glaube ich. Dieses Spontane, EndgĂŒltige bei Konzerten. Du kannst nicht nochmal sagen: „Entschuldigung, eigentlich vergesse ich hier normalerweise nicht den Text.“ Das geht nicht. Und das war dann irgendwie in dieser Aufnahmesituation sehr schön fĂŒr uns.

Konntet ihr auf diese Art und Weise auch mehr zu euren Wurzeln zurĂŒckkehren, als ihr noch Straßenmusik gemacht habt? Es geht ja auch viel um Vergangenheit auf dem Album


Henning May: Ich glaube, dass das auf jeden Fall teilweise stimmt, dass wir uns mal wieder mehr trauen konnten auch, gerade besonders auch, weil wir so abgeschottet waren und man irgendwie kaum Kontakt nach außen so richtig hat, wenn es jetzt um Musik ging. Da werden auch die Ideen anders. Also das stimmt. Und ich wĂŒrde sagen, wir haben frĂŒher einfach sehr viel
 Zum Beispiel jetzt unser YouTube Kanal: Wir haben frĂŒher durchaus auch einfach so Videos gemacht. Wir sind in den Park gegangen. Dann haben wir ein Video gemacht und dann das hochgeladen, weil wir haben uns das alle kurz mal angeguckt, das hat uns gefallen und zack. Und dieses GefĂŒhl, also dieses Spontane und EndgĂŒltige von frĂŒher, das stimmt schon, dass das jetzt wieder mehr da war. Dass wir einfach wussten: „Okay, wir treffen uns jetzt in der Eifel. Und wenn uns gefĂ€llt, was wir da machen, vielleicht lassen wir das dann auch einfach mixen und vielleicht wird es auch ein Song.“ Und das ist irgendwie, wĂŒrde ich auch sagen, eine kleine RĂŒckkehr zu dieser SpontanitĂ€t von frĂŒher. Das stimmt.

Musik hilft ja immer. Aber besonders in dieser Zeit ist Musik im eigenen Zuhause finde ich noch wichtiger. Was habt ihr in den vergangenen Monaten gehört?

Henning May: Ich glaube, die beiden haben sehr viel Musik gehört. Ich glaube, Severin und Christopher haben gerade so in dieser Beat Richtung sich viel inspirieren lassen und irgendwie auch an sich selbst ganz viele neue Seiten entdeckt. Und ich wĂŒrde sagen, das ist so ein ganz
 oder vor allem fĂŒr mich ganz schöner Kontrast, dass Sevi und Chrissi einfach diese neue Seite an sich haben, die auf „Schlagschatten“ schon so ein bisschen aufgetaucht ist. Die haben die einfach so richtig entdeckt und erkundet, dieses so: „Hier sind drei Minuten. Das ist eigentlich ein fertiges Lied. Das ist ein Beat, der jetzt nicht so als Band spielbar ist, bitteschön.“ Also da ist ja da zum Beispiel dieses eine Lied darauf: „SpĂ€tsommerregen“. Das war erst ein Beat von Chrissi. Dann hat Sevi den nochmal neu gemacht mit so ein paar anderen Inspiration. Und dann kam ich ins Spiel und habe da irgendwie ein bisschen drĂŒber gesunken. Aber das ist keine Musik, die im Proberaum entstehen kann. Ich wĂŒrde sagen, ich habe eher wieder ein bisschen zurĂŒckgefunden zu so Musik, die ich frĂŒher gerne geĂŒbt habe. Also, ich habe einfach viel Zeit am Klavier gehabt und konnte noch mal viel auch einfach Klavierlieder spielen. Also ich finde Billy Joel sehr gut. Das ist so ein Pianist, der tolle Klavierlieder schreibt, und ich habe einfach noch einmal gemerkt, wie gern ich Klavier spiele. Und das ist jetzt kein RĂŒckschritt, sondern eher so eine RĂŒckkehr. Aber ich habe jetzt nicht so eine ganz neue Seite an mir erkundet, außer vielleicht… ich weiß nicht, ob man das Sprechgesang nennen kann, aber sehr, sehr ruhig zu singen. Genau, und das hat uns irgendwie auch zusammen sehr viel Spaß gemacht, weil es ist ein sehr schönes GefĂŒhl, gemeinsam Musik zu machen und gespannt da drauf zu sein, was vielleicht morgen frĂŒh in der Dropbox ist vom anderen. Oder was der jetzt fĂŒr eine Textidee hat oder was er sich vorstellt. Ich muss ja wieder einen schlechten Fußballspiel-Vergleich machen. Aber wenn du zusammen auf dem Platz stehst und jemand hat plötzlich eine geile Idee, das ist ein superschönes GefĂŒhl. Und du bist Teil dieser Idee und der bindet dich mit ein. Das macht voll Spaß. Ja auch durch dieses rĂ€umlich Getrennte bist du auch zeitlich irgendwie getrennt und hast unparallele AblĂ€ufe. Dadurch haben wir tatsĂ€chlich sehr viel uns gegenseitig gehört. Also ich glaube, dass Severin und Christopher nochmal forschender Musik hören als ich, also auch mit so einem etwas analytischeren Denken manchmal dabei und dass die auch so sich irgendwie Inspiration bestimmt geholt haben. Ich glaube wir haben zu dritt wirklich unglaublich viel uns gegenseitig gehört. Jetzt so fĂŒr mich gesprochen: Ich muss mir das schon immer hart geben, wenn jetzt Sevi einen guten Beat gemacht hat, bis ich zufrieden bin, irgendwie mit den Ideen, die kommen könnten
 Ich habe dann schon auch Lust, den zehnmal hintereinander zu hören beim Fahrradfahren. Und dann komme ich zu Hause an und habe eine Idee irgendwie. Das hat uns vieles einfach gemacht, dass da immer wieder diese kleinen Überraschungspunkte sind. Wenn man immer gleichzeitig so eine Art Formhöhepunkt haben muss, ist das manchmal schwierig, wenn man sagt: „Okay, wir mĂŒssen jetzt ĂŒber drei Wochen jeden Tag um 17 Uhr perfekt drauf sein, um aufzunehmen. Alle drei gleichzeitig.“ Das ist gar nicht so leicht. Also, es ist ja wirklich, so blöd das manchmal klingt, Formsache auch, wenn man jetzt so Musik mit Instrumenten macht wie gut man das gerade spielt. Ja, diese RĂŒckkehr
Ich glaube, die spĂŒren wir bei diesem einen Lied „Vergangenheit“. Ich beobachte das manchmal bei mir. Also ich zieh weg aus Köln, und man muss natĂŒrlich direkt ein Lied ĂŒber Köln schreiben. Ähnlich ist irgendwie: Wir können plötzlich nicht mehr auf Tour gehen. Und dann fĂ€llt einem auf, wie sehr man das liebt und wie sehr man das vermisst. Diese ganzen erschöpfenden und anstrengenden Aspekte da dran sind kaum noch sichtbar, weil dieses fĂŒr uns absolut zentrale Ding einfach weg ist. Ich glaube, das gehört auch in diesen Kreis.

Ihr habt zum Album gesagt, dass sich die Anordnung der Songs sich wie drei Teile anfĂŒhlt und dass man diese am StĂŒck zusammen hören sollte. Warum ist das so?

Henning May: Ich kann gar nicht genau erklĂ€ren, warum das so ist. Ich kann nur erklĂ€ren, dass das so ist. Wir haben die ersten Lieder aufgenommen als wirklich alles sehr dĂŒster war. Dann kamen ein paar Lieder hinzu, als sich diese Flut an Nachrichten ein bisschen lichtete. Und dann kommt aber ganz zum Schluss als dritter Teil auch irgendwie in diesem – ich nenne es mal ganz blöd „Erkenntnisprozess“ von uns – sowas BittersĂŒĂŸes, dass man merkt: „Okay, die Geschichte ist auf gar keinen Fall gegessen.“ Und das ist eigentlich genau dieses Wellenformat „Problem, Problem wird unklarer, ach da ist es ja, ach, Problem wird wieder unklar, ach, da ist es ja.“ Dass wir gemerkt haben, wir hatten diese Wellenbewegung. Und wir glauben, dass das nicht nur uns so geht. Also dass dieses „Mann versteht etwas. Eine neue Situation kommt. Dann kommt dieser trĂŒgerische Frieden auch, diese Ruhe. Und dann kommt das, was man probiert, ein bisschen wegzuschieben, das kommt zurĂŒck.“ Das ist einfach ein Bumerang, den man nicht fangen kann. Das haben wir wirklich bei uns selber ganz enorm gemerkt wie wir als Emotion zu der Gesamtsituation um uns herum immer wieder diese Wellenbewegung machen: Es interessiert mich sehr, sehr krass. Es interessiert mich weniger. Es interessiert mich kurz nicht. Es interessiert mich wieder sehr viel. Es interessiert mich wieder viel zu viel. Es interessiert mich wieder weniger. Das ist so. Und ich glaube, wir haben auch nochmal so eine neue Art gefunden ĂŒber Texte zu sprechen auch gemeinsam und auch normal zu dritt eine andere Form gefunden, darauf klarzukommen, dass etwas vage bleibt oder unklar und grau. Auch wenn ich jetzt vorher gesagt habe, es schön ist, Musik zu machen und die wird schnell eindeutig und jetzt hier „zack“ und ist fertig, dass ja irgendwie auch dazugehört, dass trotzdem in diesen eindeutig gemachten Liedern uneindeutige Textzeilen sind. Es gibt einfach immer ĂŒberall WidersprĂŒche. Ich glaube, wir hatten jetzt bei diesem Album nicht so viel Angst vor WidersprĂŒchen wie davor. Nun wie gesagt: „Okay, klar, die eine Zeile widerspricht der anderen ein bisschen. Aber die sind halt beide wahr. Das mĂŒssen wir jetzt akzeptieren.“ Und auch das ist, glaube ich, wieder so ein bisschen was, wo wir auch wieder nach einer gewissen Zeit bei uns was feststellen konnten, was auch wieder anderen Leuten so geht. Das hat uns, glaube ich, auch alle so ein bisschen hintergrĂŒndig fasziniert. NatĂŒrlich sind wir alle unterschiedlich betroffen von der Pandemie. Und trotzdem teilen wir alle unglaublich viele Emotionen zu dieser Pandemie. Also es kann jetzt was Kleines sein, wie irgendwie alle, die schon mal in QuarantĂ€ne gehen mussten, weil sie Kontakt zu einer infizierten Person hatten. Die wissen wie das ist, dass man denkt: „Habe ich jetzt Corona? Und was passiert jetzt?“ Die wissen vielleicht auch wie das ist, wenn man Leute anruft und sagt: „Ey, tut mir leid!“ Es gab ja eine Zeit lang immer so Leute, die gesagt haben, Corona ist der große Gleichmacher. Wir sind alle gleich in den Augen von Corona, und das fand ich immer ganz schlimm, weil ich immer dachte, das ist der große Ungleichmacher. Also die Reichen verdienen jetzt noch mehr Geld und den anderen geht es noch schlechter. Aber Corona ist vielleicht die grĂ¶ĂŸte Gemeinsamkeit, die irgendwie In der Geschichte, die ich gerade so kenne, hatten. Und durch diese grĂ¶ĂŸte Gemeinsamkeit, diesen grĂ¶ĂŸten gemeinsamen Nenner kriegt das manchmal etwas sehr Faszinierendes. Grausamer weise Ă€hnlich wie der Klimawandel. Das ist ja auch so. Der wird nur nicht ganz so
 Ich finde die beiden Krisen so unglaublich vergleichbar, weil die auch so unsichtbar sind. HĂ€tte unser Ökosystem KrankenhĂ€user, dann wĂŒrden wir auch schon von Intensivbetten sprechen und sagen: „Okay, wir mĂŒssen jetzt langsam den Lockdown einfĂŒhren, sonst klappt das nicht mehr mit dem Klima.“

Wie kam der Titel „Zwölf“ zustande?

Henning May: Wir haben das Album „Zwölf“ genannt, weil das irgendwie fĂŒr uns ein bisschen der SchlĂŒssel und Eröffnungsmoment war, dass die Uhr irgendwie zwölf schlĂ€gt, dass es nicht mehr fĂŒnf vor zwölf ist, sondern das ist jetzt das Jahrzehnt der Unumkehrbarkeiten. Wir hatten das GefĂŒhl, dass wir damit nicht alleine sind. Dass es sehr viele Menschen gibt auf der ganzen Welt, die das so sehen wie wir. Und ich habe einfach auch das GefĂŒhl, dass jetzt eine neue Zeit anbricht. Und das tut sie offensichtlich. Also das kann man ja irgendwie ĂŒberall beobachten. Und ich glaube, dieses EinlĂ€uten, das ist so ein bisschen unsere zwölf. Also das ist das Glockenschlagen, das wir beisteuern können zu der neuen Zeit. Wir wollten da einfach mal nicht schĂŒchtern sein, sondern sagen: „Die Glocken lĂ€uten!“ Deswegen die zwölf! Ja und die zwölf auch einfach als Mittel-, End- und Anfangspunkt unserer Tage, als einfach ein Symbol fĂŒr diesen Kreislauf „Zeit“. Der hört nicht auf. Es geht weiter, und trotzdem braucht man manchmal dieses GlockenlĂ€uten, um zu sagen, diese Zeit ist jetzt hier diese Zeit. Das ist nicht einfach eine weitere Umdrehung auf der Uhr so wie vor 10.000 Jahren und in hunderttausend Jahren, sondern diese Umdrehung auf der Uhr, die ist wichtig. Und dann dieser Bezug zu fĂŒnf von zwölf.

Wenn du an die neue Zeit denkst: Gib uns doch mal Hoffnung, dass alles wieder gut wird.

Henning May: Ich wĂŒrde tatsĂ€chlich sagen, Hoffnung habe ich nicht. Aber ich glaube, das wird jetzt einfach kurz hĂ€sslich und dann wird es besser. Ich bin mir einfach sicher, dass alles anders sein könnte. Und diese Überzeugung wĂŒrde ich nicht mit Hoffnung verknĂŒpfen, sondern einfach mit den Menschen, die mir begegnet sind und auch die Menschen, die ich bewundere. Ja vielleicht ist das fĂŒr manche Leute Hoffnung. Aber ich glaube, es gibt eine Möglichkeit, diese Gegenwart
Ich möchte da gerne jemanden zitieren, den ich sehr gut finde. Der Max Czollek hat gesagt: „Um diese Gegenwart zu bewĂ€ltigen, mĂŒssen wir uns ans trauen, mit der Vergangenheit zu kĂ€mpfen, weil die bedroht uns.“ NatĂŒrlich ist Vergangenheit auch irgendwie immer schön, wenn man das jetzt so individuell sieht. Aber wenn man Vergangenheit nochmal ein bisschen grĂ¶ĂŸer sieht und sagt: „Okay, welche Ideen und welche konkreten Bedrohungen kommen aus der Vergangenheit und drĂ€ngen sich wieder nach vorne? Ob das jetzt Nationalismus ist oder 
?“ Und wir mĂŒssen uns denen stellen. Sonst gibt es keine neue Zeit. Ich glaube, wir mĂŒssen uns, und das beziehe vor allen Dingen erst einmal auf mich, mehr Dingen stellen und denen begegnen. Dieses Sich-Trauen-Den-Dingen-Zu-Begegnen ist glaube ich der wichtigste Teil dieser GegenwartsbewĂ€ltigung. BewĂ€ltigung ist eigentlich ein blödes Wort, aber es trifft fĂŒr mich zu in diesem Zusammenhang. Wenn ich etwas ganz besonders Schönes finden mĂŒsste an der jetzigen Situation, dann wĂŒrde ich sagen, dass diese erste Bewegung, die irgendwie notwendig ist, damit es jetzt wirklich eine andere Zeit wird, die ist schon irgendwie da. Es gibt so viele Stimmen, die zum Teil vor ein paar Jahren noch zu jung waren oder geschwiegen haben oder ĂŒberhaupt nicht sprechen konnten, die stillgemacht wurden und die jetzt wieder laut sind. Ich glaube, diese Vielfalt der Stimmen, die sich Ă€ußern, diese Vielfalt ist ja irgendwie unser Team. Das andere Team ist ja eher ein paar sehr reiche MĂ€nner. Also die sind nicht vielfĂ€ltig. Deswegen glaube ich, ist es irgendwie vielleicht auch fĂŒr mich einfach auch eine ganz schöne Herangehensweise, zu sagen: „Was kann meine Stimme auch dazu geben zu dieser Vielfalt an Stimmen?“ Wenn da nicht eh schon was ist, schlummert da eigentlich bei jedem etwas. Ich glaube auch da wieder, dass wir das als so einzelne Menschen manchmal gar nicht begreifen wie sehr wir uns auch verĂ€ndern als Gesellschaft. Man merkt: Ok, ich verĂ€ndere mich, ich verĂ€ndere mich. Aber manchmal sieht man glaube ich gar nicht die Parallelen auch zu seinen Freunden. Man denkt dann irgendwie: Ok, klar, ich habe jetzt mehr Freunde, die gerne ĂŒber Politik reden, weil ich gerne ĂŒber Politik rede. Aber irgendwann stellt man auch fest, es scheint doch mehr
 Man muss es auch mal wirklich so sagen, dass durch Corona jedem Individuum in Deutschland bewusst geworden ist, wie direkt Politik Einwirkung auf das eigene Leben hat. Ich glaube, dieses sonst sehr abstrakte VerhĂ€ltnis von sich selbst zu Politik, das ist irgendwie sehr direkt und konkret geworden ĂŒber die letzten Monate. Und das verĂ€ndert auch so ein GrundverhĂ€ltnis von Gesellschaft und wie ordnen wir und wie verbessern wir unsere Gesellschaft. Wie machen wir die freier und weniger rassistisch.

Thema Rassismus: Du stehst in der Öffentlichkeit und musst dich ja auch der öffentlichen Kritik stellen. Und da gerĂ€tst du auch ins Visier der rechten Bubble. Ich bin ab und zu in rechten Gruppen mit Fake Accounts unterwegs. Das ist schon krass, was man da liest. Wie gehst du damit um?

Henning May: Ja, es ist absolut gruselig. Ich habe mir das auch ein bisschen zu hart gegeben, diese ganzen
mal so wirklich gucken, was wird denn in diesen Telegram-Channels geschrieben. Mal schön ein paar Fake-Accounts aufmachen, mal in diese Facebook-Gruppen gehen. Das ist unglaublich! Wenn dann irgendwie ein paar rechte Accounts sich verabreden, um mich am gleichen Tag in ihre Stories einzubinden. Das kann man sich nicht vorstellen. FĂŒr mich ist das ja immer noch
ich kratz ja immer
 das wollte ich noch einmal sagen: Ich bin einfach ein weißer Boy und ich kratze da immer nur an der OberflĂ€che. Wenn ich dann so mitkriege, was eigentlich jede Frau, die ich kenne, die in irgendeiner Form sich mal politisch geĂ€ußert hat in den sozialen Medien, da gab es noch nie glaube ich den Fall, dass da einfach mal gar keiner mal was Negatives zu gesagt hat. Und dann gibt es das bei denen noch in der extremen Form, dass natĂŒrlich einfach auch
alle von denen haben das schon einmal erlebt, dass so was richtig Heftiges
 also richtig fieser Brief, richtig krasse Kommentare. Das ist ja auch irgendwie das Ding. Diese neuen Stimmen, das ist ja auch irgendwie so schön zu sehen, dass es eben nicht nur MĂ€nner sind und nicht nur wir. Das meine ich auch mit dieser Vielfalt der Stimmen. Ich glaube, dass da auch schon sehr viele Leute wie du und ich in unserer Situation uns MĂŒhe geben und versuchen zu verstehen und klĂŒger zu werden und gleichzeitig aber auch probieren zu verstehen, warum ist Heimat plötzlich so wichtig fĂŒr die? FĂŒr die Gegenseite meine ich jetzt, fĂŒr das gegnerische Team. Und was soll der ganze Shit mit der Leitkultur? Ich glaube fĂŒr mich war in diesem Jahr einer der traurigsten und erschĂŒtterndsten Ereignisse das Attentat in Hanau, die Morde in Hanau und dass einfach alles so weiter ging. Das fand ich super krass. Ich hatte das GefĂŒhl, das ist Ă€hnlich wie dieses ganze NSU-Ding. Das soll einfach aus dem gemeinsamen Wissen gestrichen werden. Das soll untergehen. Das soll verschwinden. NatĂŒrlich bin ich nicht von Rassismus betroffen, aber mir hat das so eine Angst gemacht. Da werden – ich muss das jetzt mal so ausdrĂŒcken – da werden deutsche StaatsbĂŒrger erschossen und es passiert irgendwie nix. Die Ermittlungen sind total krude und man weiß nicht genau, was passiert ist. Der Typ ist schon einmal vorher kontrolliert worden. Dann fĂ€hrt der noch nach Hause und erschießt noch
 Das kann man sich nicht vorstellen. Und dass ich auch einfach davon entsetzt war, von einer RealitĂ€t, die mir vorher nicht so klar war. Dass wir in einem Land leben, in dem sowas passiert und auch vorher schon passiert ist. Und ich glaube das hat, so blöd es klingt
ich will jetzt nicht sagen, dass ich das GefĂŒhl hatte, ich bin auf was reingefallen, aber
 ich bin weiß. Ich kann nicht einschĂ€tzen, wie das fĂŒr jemanden ist und habe da nicht den Bezug zu von Geburt an, um diese ganze Schrecklichkeit zu sehen. Aber ich habe mich betrogen gefĂŒhlt. Ich habe gedacht: „Nein, das kann nicht sein, dass jetzt alle einfach
das kann nicht sein!“ Menschen, die auch in meinem Freundeskreis dieses Thema rassistische Morde und auch diese rechten Netzwerke, die mit diesem Thema schon sehr vertraut waren, die haben natĂŒrlich fast schon so ein bisschen ĂŒber mich gelĂ€chelt und gesagt: „Ja, du springst relativ spĂ€t auf den Zug auf, das auch mal zu verstehen.“ Trotzdem muss ich sagen, als ich dann auf diesen Zug aufgesprungen bin, das jetzt auch mal irgendwie zu verstehen, wie heftig das auch in Deutschland ist, ja da
 ich habe mich, um es mal prĂ€zise zu machen, betrogen gefĂŒhlt davon, wie mir auch vom Staat beigebracht wurde in der Schule und wie mir ĂŒberall die ganze Zeit kommuniziert wird und wurde, vor allen Dingen als junger Mensch, wie Deutschland ist und wieviel Schmerz man auch Menschen, die wissen wie es eigentlich ist, damit antut, wenn man immer sagt: „Es ist doch alles super auch, oder?“ Ich glaube, was unglaublich schwer ist, um sich das selber einzugestehen, dass man zur Waffe der TĂ€ter geworden ist in bestimmten Bereichen. Das ist einfach sehr hart. Ich glaube, auch diese Prozesse, die Fehler bei sich zu suchen
also dieser Prozess, die Fehler bei sich zu suchen und sich auch selbst auch angreifen zu können und zu sagen: „Hast du das so gemacht oder gemeint oder gedacht?“ Das ist was, was unglaublich schwer zu lernen ist, ich mich auch noch schwer tue, was man aber lernen kann und wo ich auch immer wieder merke, wie viel UnterstĂŒtzung auch ich dann immer wieder als Einzelperson kriege, wenn ich lernen will von Menschen, die eigentlich gar nichts mehr beibringen mĂŒssen. Die irgendwie eh schon in Situationen sind, die schwer zu begreifen sind.

Quelle: UMD/ AnnenMayKantereit & Irrsinn TontrÀger

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JASMIN WAGNER: Schlagerprofis-Interview zum neuen Album: Klopft FLORIAN SILBEREISEN an? 0

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JASMIN WAGNER: Emanzipiert von BLÜMCHEN

Dass JASMIN WAGNER schon 25 Jahre lang im MusikgeschĂ€ft ist, sieht man ihr wirklich nicht an. Eigentlich wollte sie ihre Vergangenheit als BLÜMCHEN ruhen lassen – aber die Fans gaben keine Ruhe. Und nun hat sie eine recht gute Lösung gefunden: Sie hat sich von BLÜMCHEN emanzipiert, macht Musik als JASMIN WAGNER – in nostalgischen Momenten darf hier und da auch wieder das BLÜMCHEN hervorgekehrt werden.

Sensationeller Top-10-Erfolg mit FINCH – 2,4 Mio. YouTube-Klicks

Mit FINCH hat „BLÜMCHEN“ es noch einmal allen gezeigt: „Herzalarm“ hat es in die Top-10 der Singlecharts geschafft – ein großartiger Erfolg. Wahnsinn ist auch die Zahl der Klicks bei YouTube – 2,4 Mio. Klicks in ca. drei Wochen sind unfassbar gut, da kann man BLÜMCHEN nur gratulieren, die damit den Weg fĂŒr JASMIN WAGNER geebnet hat.

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Foto: Walk This Way Records / Chapter ONE, Universal Music

JASMIN WAGNER prĂ€sentiert „Electroschlager“

Ob es nun „Electroschlager“ ist oder wie man es nennen mag – jedenfalls ist das der Stil von JASMIN WAGNER, die mit ihrem neuen Album die „JASMIN WAGNER 2.1“ prĂ€sentiert. Die KĂŒnstlerin hat uns ein schönes Interview gegeben und dabei alle Fragen  auch die nach der tiefen Vergangenheit – bereitwillig beantwortet – klasse, das wird vielleicht den einen oder anderen JASMIN-Fan besonders freuen. Hier das Interview:

Schlagerprofis.de-Interview mit JASMIN WAGNER

Hallo JASMIN, zu deinem neuen Album: Gibt es schon PlĂ€ne fĂŒr eine weitere Singleauskopplung? Vielleicht der „BlĂŒmchen-Song“?

Die nĂ€chste Single heißt „Hauptsache Du“ und wird parallel zum Album am 23. Juli veröffentlicht. FĂŒr eine dritte Single haben wir uns noch nicht entschieden. Sicher ist „BlĂŒmchensong“ auch ein Kandidat.

Was ist mit den Liedern aus dem damals zurĂŒckgezogenen JASMIN-Album geworden? (z. B. Song „Hellwach“) – Werden diese Lieder je veröffentlicht? (Auf YouTube gibt es einige Auftritte mit Songs des Albums).

Da gibt es erfreuliche Nachrichten, was das neue Album betrifft, denn auf „Von Herzen“ wird auch „Sonne in mir“ zu hören sein. Ich hab‘ das Lied nie vergessen und finde es in dieser Version sogar noch schöner als damals. Ein Vintage-Song also!

Manche Fans wĂŒnschen sich „BlĂŒmchen“-Mixe der neuen JASMIN-Songs. Ist so etwas angedacht?

Ich finde es immer toll, Anregungen von meinen treuen Wegbegleitern zu bekommen. Und ĂŒberrasche tatsĂ€chlich gerne mal mit Remixen, allerdings finde ich den Sound meiner neuen Musik vom Album „Von Herzen“ ziemlich super wie er ist und mit seinen 90er Synthie-Sounds können sich auch BLÜMCHEN-Ultras in sie verknallen!

Von einigen Fans bekamen wir das Statement: JASMIN-Fans sind treu, aber sie wollen auch immer etwas von der BLÜMCHEN-Zeit zurĂŒck. Was sagt JASMIN zu so einem Statement?

BLÜMCHEN war ja grade wieder aktiv und mit FINCH und dem Song „Herzalarm“ auch wieder in den Top-10 der Offiziellen Deutschen Single-Charts. Und das mit Happy Hardcore – wow! Eigentlich ein Wunder
 Das hat auch BLÜMCHENs gute Freundin JASMIN sehr gefeiert. Es wird also spannend bleiben.

Gibt es noch unveröffentlichte Songs aus der BLÜMCHEN-Zeit? (Album-Rejects, Demos, halbfertig produzierte Sachen. Was auch immer noch auf alten DAT-BĂ€ndern und Disketten schlummert.) – Hier wird von Fans der Name „STANI“ genannt? Lieder wie „Es tut so gut“ oder „Ich glaub‘ an dich“ sollen Fanstatements zufolge noch in den Archiven schlummern.

Das Studio von Paralyzer ist komplett abgebrannt und damit auch alles, was noch nicht veröffentlicht war. Beide Produzenten und ich sind in freundschaftlichem Kontakt und glĂŒcklich ĂŒber die gemeinsame Zeit und die großen Erfolge. Beide haben sich anderen Arbeitsfeldern zugewandt und sind sehr happy damit.

Im Jahr 2000 gab es GOLD aus Schweden fĂŒr die Single „Heut‘ ist dein Tag“ (auf Deutsch) – gibt es eine ErklĂ€rung, warum BLÜMCHEN auch in Skandinavien gut funktioniert hat? Gibt es noch Kontakte in den hohen Norden?

Die haben halt auch guten Humor und die Energie geliebt, die der BLÜMCHEN-Sound hatte. Kurioserweise war „Heut‘ ist mein Tag“ in Deutschland nicht besonders erfolgreich. Das ist ja das spannende am Musik machen, dass man nie so genau weiß, was passieren wird. Coolerweise gibt es ein paar Festival-Bookings fĂŒr die Nach-Corona-Zeit in Schweden aufgrund dieses Hits. Da freu ich mich schon drauf!

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Foto: Aryashirazi

Wie hÀlt sich JASMIN WAGNER fit? Du siehst ja immer noch so aus wie vor 25 Jahren


Oh, danke schön. Ich wundere mich selbst ein wenig drĂŒber. Vielleicht stimmen die GerĂŒchte ja und ich bin extraterrestrischer Abstammung, schlafe im KĂŒhlschrank oder bin der Beweis dafĂŒr, dass raven jung hĂ€lt. 🙂

Ist es richtig, dass du 1995 bei einer NDW-Party von STANI DJUKOVIC entdeckt worden bist und nicht geglaubt hast, dass er wirklich Produzent ist? Du warst damals auch Cheerleaderin?

Inzwischen gibt es viele Geschichten darĂŒber, wie alles begann. Ich finde das ganz schick, wie alles immer mythenhafter wird. Also unterstĂŒtze ich das, indem ich mich nicht mehr festlege mit meiner Geschichte. Wahr ist, ich war Cheerleader bei den Hamburg Blue Devils.

War die Übernahme der Moderation der Mini-Playback-Show ein Fehler in so jungen Jahren (rĂŒckwirkend betrachtet)?

In meinen Augen nicht. Ich hatte viel Freude damit und war schon immer großer Fan der Sendung. Ich habe mich als Kind sogar zweimal mit einer Freundin beworben dort mitzumachen. Wir wurden leider nicht genommen, insofern war ich natĂŒrlich richtig begeistert als ich als Moderatorin ausgewĂ€hlt wurde. Die Sendung war schon ein wenig am Straucheln und mich reinzuholen war eine Art Neustart-Versuch. Aber die Zeit dieser Sendung war dann einfach vorbei.

Wird JASMIN WAGNER bei FLORIAN SILBEREISEN oder GIOVANNI ZARRELLA einen TV-Auftritt haben? Gibt es PlÀne dieser Art?

FĂ€nde ich super! Ich stehe jeden Tag vor meinem Briefkasten und warte auf die Einladung. Ihr könnt mich gerne alle dahin empfehlen! 🙂

Vielen Dank fĂŒr die offenen Antworten, auch wenn unsere Fragen etwas sehr vergangenheitsbezogen waren. Umso mehr drĂŒcken wir feste die Daumen fĂŒr einen Erfolg mit dem Album „Von Herzen“.

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Foto: Christian Barz

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HELENE FISCHER: Am 6. August erscheint ihr Duett mit LUIS FONSI: „Vamos A Marte“ – erste Nr.1-Single? 2

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HELENE FISCHER: Duett mit LUIS FONSI

Ganz offensichtlich war unser Titelfoto zur Bekanntgabe der neuen Single von HELENE FISCHER mit LUIS FONSI ganz gut gewĂ€hlt. Nun steht fest: Am 6. August erscheint die neue Single „Vamos a Marte“ von HELENE FISCHER mit eben LUIS FONSI. Nicht kleckern, sondern klotzen – der Song wird in folgenden Konfigurationen erhĂ€ltlich sein:

  • Die Deluxe-CD enthĂ€lt eine 2-Track-CD, ein Autogramm der beiden und drei exklusive Prints
  • Die Vinyl ist eine 7’Vinyl
  • Die Maxi-CD enthĂ€lt 2 Tracks (die 2. Version ist eine „Bachata“-Version)
  • Digital ist der Song auf Apple Music und Spotify erhĂ€ltlich

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HELENE mit neuem Song nun auch bei Spotify

Das ist nach unserer Kenntnis neu, dass auch ein brandneues Produkt von HELENE FISCHER von Beginn an bei Spotify dabei ist. Beim letzten Album war man da noch zögerlich. Ob das ein gutes Signal fĂŒr die Kreativen und Musikschaffenden ist, möge jeder fĂŒr sich beurteilen.

„Lass uns zum Mars gehen“

Übersetzt heißt der spanische Titel des Songs „Lass uns zum Mars gehen“. Spannend bleibt: Wird HELENE tatsĂ€chlich ihren neuen Song auf Spanisch oder Englisch singen? Wir wiederholen uns: Ist das der Abschied vom deutschen Schlager?

Video wurde produziert

Auf Instagram erzÀhlt HELENE FISCHER erste Einzelheiten zum neuen Song:

Ich freue mich wahnsinnig, euch endlich mehr von meiner ersten Single aus meinem neuen Album erzĂ€hlen zu dĂŒrfen.

Der erste Titel daraus erscheint am 06. August 2021. Vamos a Marte ist ein ganz besonderes Duett mit keinem Geringeren als dem großartigen @luisfonsi! Freut euch auf das Musikvideo und den Song – der Countdown lĂ€uft und es sind nur noch wenige Tage bis zur Veröffentlichung.

Erste Nummer-1-Single?

Wir gehen bei diesen vielen Versionen davon aus, dass HELENE FISCHER mit diesem Trick ihren ersten Nummer-1-Hit in den Single-Charts landen kann. Schon lange ist ja nicht mehr der Song fĂŒr so einen Erfolg wichtig, sondern geschickte VÖ-Politik. Und wenn es eine Vinyl, eine Deluxe-Edition, eine Maxi-CD und auch Streaming-mĂ€ĂŸig Flankenstellungen gibt, sollte das machbar sein. Und das dann bei FLORIAN SILBEREISEN mit einem Single-Nummer-1-Award feiern – das hat doch was…

Neues Album „HF8“?

Hier und da kursieren GerĂŒchte, das neue Album heiße „HF8“ – womöglich nur ein Arbeitstitel? Es wĂ€re denkbar, weil es das achte reine Studioalbum von HELENE FISCHER ist..

 

 

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