RAMON ROSELLY: Die erste Rezension zu seinem am Freitag erscheinenden Album „Herzenssache“ 2

CD Cover Herzenssache

Der Titel des Albums „Herzenssache“ ist sicher mit B>edacht gewählt. Es ist förmlich spürbar, dass RAMON ROSELLY den deutschen Schlager liebt- und zwar den klassischen Schlager, wie er in den1950ern bis 1970er Jahren seine Glanzzeit hatte. Dazu passend ist sein Album, auf dem 12 schöne Schlager enthalten sind:

Nachts, wenn ich so alleine bin“ ist ein Samba-Schlager, der vom Sound daherkommt wie der legendäre „100 Jahre“-Song. Ein Titel im Happy-Sound, bei dem auch die beliebten Bohlen-typischen „Eunuchenchöre“ nicht fehlen dürfen. Erstaunlich ist, dass die Gute-Laune-Melodie nicht so ganz zum melancholischen Text passt. Das hat was von den Flippers, die damals total fröhlich sangen: „Ich hab heut Liebeskummer wegen dir“.  „Ich wein um dich.. und mein Herz zerbricht…“ – aber der Ohrwurmcharakter lässt diese Kuriosität ausgleichen. Ein stimmungsvoller Start ins RAMON-Album.

Im „Don’t Answer Me“-Sound geht es mit der Ballade „Wenn du gehst“ weiter: „Wenn du gehst, dann weint der ganze Himmel. Und wenn du lachst, dann geht die Sonne auf“ – welche Frau will solche Worte nicht hören? Ein typischer Schlager mit dem „Dü dü dü dü dip“, wie wir es von Carpendales „Samstag Nacht“ kennen – auch hier ist die Nähe zu den Schlagerklassikern unverkennbar.

Ein echtes Discofox-Ding ist „Es gibt kein Wort dafür“. Mit dem Lied zeigt DIETER BOHLEN, was er damit meinte, dass Ramon die männliche Antwort auf MARIANNE ROSENBERG sei. Den Titel hätte Marianne locker in den 1970ern singen können – Lieder wie „Ich bin wie du“ lassen grüßen.  „Mit dem Herz durch die Wand wollt ich früher auch – habe oft verloren und umsonst gehofft. Nur leere Worte hab ich zu viel gehört. Und daran geglaubt, wenn man Liebe schwört“. Das, was Dieter beschrieben hat, ist auch in diesem Lied zu hören – kein Drei-Akkorde-Song, sondern ein Titel, dessen Tonarten zwischen Strophe und Refrain variieren – klasse!

Track Nummer 4 ist der DSDS-Siegersong: „Eine Nacht“, der im Shuffle-Rhythmus daher kommt und fatal an Ramons „100 Jahre“-Lied (, das ja im Original von Randolph Rose stammt,) erinnert. Nicht wenige Brancheninsider sagen: Besser gut geklaut als schlecht selbst geschrieben – und das passt nach unserem Dafürhalten wie die Faust aufs Auge zu diesem Titel – ein absoluter Ohrwurm, bei dem Dieter Bohlen wirklich sehr gut darauf geachtet hat, dass der Plagiatsvorwurf wohl nicht haltbar ist, auch wenn die Ähnlichkeit zu „100 Jahre“ frappierend ist. Auch hier gefallen die Tonartenwechsel im Song.

Im 50er-Jahre-Sound, bei denen Schlagerfans an Peter Kraus und Ted Herold erinnert werden, geht es mit dem romantischen Lied „Wie zwei Sterne im Himmel“ zu – das ist wirklich so was von „old fahioned“ – im positiven Sinne -, dass man als Schlagerfan nur mit der Zunge schnalzen kann. Okay, genau dieses Lied hätte schon vor 70 Jahren veröffentlicht werden können – aber genau DAS macht Ramon aus, dass hier wirklich mit schöner Stimme romantische Lieder gesungen werden – schöne Backgroundchöre mal wieder inklusive – und ein Text „dieser Wahnsinnsmoment – was man aus dem Kino kennt – wenn’s die große Liebe ist“… – einfach schöne Unterhaltung!

Weiter geht es mit „Stand By Me“ – also vom Rhythmus her fühlt man sich sofort an diesen Klassiker erinnert, wenn man den Titel „Der Himmel kann die Hölle sein“ hört. Schon wieder geht es tief in die Geschichte der Schlager- und Popmusik. Das ganze gewürzt mit der Melodie von „Tornero“ (bzw. „Tausend Träume weit“), und man fühlt sich erneut in die Schlager-Vergangenheit versetzt. So etwas hat zuletzt die Spider Murphy Gang mit ihren Liedern „Herzklopfen“ und „Sch-Bum“ zu Beginn der 1980er Jahre gemacht. Wahnsinn: Ramon präsentiert sich erstmals mit Sprechgesang – genau der Sprechgesang, den er im DSDS-Finale bei „Tränen lügen nicht“ vermeiden konnte (schade übrigens, dass seine herrliche „Tränen“-Version nicht auf dem Debutalbum enthalten ist).

Ein Gute-Laune-Song im Sambasound ist „Eine Sommernacht mit dir“. Ein Lied wie zu besten Mark-Medlock-Zeiten – „Gib mir noch ne Chance, ja alles wär perfekt, das hab ich vielleicht zu spät gecheckt“ – manchmal muss man(n) sein Glück ergreifen. Frivol: „Ich geb mein Leben für eine Nacht mit dir“ – ansonsten sind Thesen wie „Ich brauche dich, um glücklich zu sein“ natürlich bester Schlagerstandard. In diesem Lied geht Ramon in Kopfstimme-Region. Ungewöhnlich: Der Song endet wie wir das „von füher“ kennen in einem Fade-Out, also das Lied wird ausgeblendet.

Mit einem Klassiker geht es weiter. „Du hast ja Tränen in den Augen“ sang Ramon schon bei DSDS – das Lied war der erste Erfolg von COSTA CORDALIS, der dieses Lied in den 1980ern noch einmal neu aufgenommen hat. Der Titel liegt Ramon – und geschickt ist es sicher von ihm, große Erfolge „aufzuwärmen“, die heutzutage eher Schlager-Insidern bekannt sind.

In die 70er Jahre entführt uns Ramon mit „Sag einfach ja“ – typische Streicher-Elemente wie wir sie von MARIANNE ROSENBERG kennen und ein groovender Bass erinnern an herrliche Discozeiten und Liedern, wie sie auch für die SILVER CONVENTION typisch waren – damals waren es die Damen, die gesungen haben – vielleicht liegt Dieter Bohlen ja richtig mit der These, dass Ramon der ist, der dem deutschen Schlager im jungen männlichen Bereich fehlt. „Bitte sag einfach ja, lass uns heut Nacht die Sterne seh’n. Bitte mir ist so klar – es wird einfach wunderschön“ – das sind Worte, wie wir sie aus alten Schlagern kennen, als vieles noch verklausuliert formuliert wurde: „Ich würd’ so gern… diese Nacht mit dir – komm sag einfach ja“… da stellt sich die Frage – ja WAS würde er denn gerne diese Nacht mit ihr? :-)…

Den Disco-Klassiker-Weg geht Ramon mit „Ist es wahr?“ weiter. Der Sound klingt sehr nach „Love Is In the Air“. „Ist es wahr, was du mir sagst? Ist es wirklich heut vorbei?“ – erneut fragt sich der Schlagerhörer, wie denn da Musik und Text zusammenpassen. Aber John Paul Young darf sich freuen, dass sein Klassiker eine Reminiszenz erfährt. „Ist es wahr?“, dass Dieter Bohlen allen Ernstes behauptet, dies sei sein Lied? Schon spannend…

Mit Verlaub – der geilste Song des Albums ist der Randolph-Rose-Song „100 Jahre sind noch zu kurz“. Das Lied passt einfach super zu Ramon, das hat er zu Beginn seiner DSDS-Karriere perfekt ausgewählt. Kurioserweise dachte Dieter Bohlen ja, dass es sich um einen Uralt-Schlager handle, dabei ist das Lied gerade mal 12 Jahre alt. Ramon singt es mit seiner wunderschönen Stimme einfach voll authentisch – die Studioversion kommt ähnlich gut rüber wie wir das bei seinem ersten Auftritt im Januar bei DSDS erlebt haben. Ein großartiger Schlager, gesungen von einem tollen Künstler.

Den Abschluss des Albums bildet mit „Mandy“ ein Klassiker, den Scott English 1971 erstmals als „Brandy“ veröffentlicht hat. Die erste deutsche Version sang im gleichen Jahr… nein, nicht KAREL GOTT, dessen Version Ramon covert, sondern… (ausgerechnet) GRAHAM BONNEY. Zum Welthit wurde der Titel von BARRY MANILOW gemacht, allerdings mit dem Titel „Mandy“. TRUDE HERR machte 1987 daraus „Manchmal“, aber auch andere Schlagergrößen wie HOWARD CARPENDALE haben diesen Song gecovert. Ramon steht Karel und Howard in nichts nach, seine Version ist wirklich gelungen.

Bei DSDS sagte Dieter Bohlen wie erwähnt, dass es im männlichen Schlagerbereich eine Lücke gebe – und da hat er wohl auch Recht. Sicher, mit ROLAND KAISER und HOWARD CARPENDALE gibt es noch große Stars – auch SEMINO ROSSI, der übrigens (wie HOWARD) 2015 „Mandy“ auf Tonträger veröffentlicht hat, hat viele Fans. Aber einen Star der jüngeren Generation gibt es eigentlich nicht. Ob RAMON wirklich das Zeug hat, diese Lücke auszufüllen, muss er erst noch beweisen. Seine tolle Stimme und seine Begeisterung für den deutschen Schlager sind allerdings gute Voraussetzungen, dass es Hoffnung gibt, dass er vielleicht nicht zu den vielen DSDS-Siegern gehört, die nach einem Jahr in Vergessenheit geraten. Dafür spricht auch die Affinität zu FLORIAN SILBEREISEN, der nach unserer Vermutung den jungen Sänger sicher in die eine oder andere seiner Shows einladen wird. Wobei wir ja seit Samstag wissen, dass er nur der „Kellner“ sei, der die Lieder reserviere, während eine Redaktion die Gästeliste auswähle…

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2 Kommentare

  1. Was soll die CD ?
    Es wird kein Lied davon ein Hit werden !!
    Eine CD mit 12 Liedern – mehr ist wohl Bohlen nicht eingefallen ?
    Die hat er schon lange in der Schublade liegen gehabt – aber einer muss die ja singen.
    Viel Geld für wenig Lieder und keine Qualität.

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ANDI und TOM haben sich nicht beirren lassen und sind ihren Weg Jahr für Jahr gegangen – immer wieder mit Korrekturen am Konzept, mit Weiterentwicklungen – aber stets zielstrebig und fleißig. Da guter Gesang und Fleiß nicht das sind, wovon gewisse TV-Päpste Kenntnis nehmen, mussten sie mehr oder weniger ohne TV-Präsenz die „Ochsentour“ gehen. Schlagerperformance ganz ohne Klatschstangen und Feuerwerk-Gedöns, sogar mit Livegesang? Geht nicht? Geht doch! Auch wenn es lange gedauert hat, haben die NEON-Jungs ein wichtiges Etappenziel erreicht.

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