WOLFGANG PETRY: Will er als PETE WOLF nur Donald Trump erreichen? 0

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Vorgestern trat WOLFGANG PETRY erstmals seit 13 Jahren im deutschen(!) Fernsehen auf – bei der ZDF-Show „Ein Herz für Kinder“. So ganz werden wir auf dem Auftritt nicht schlau. Erst recht, nachdem Sohn Achim einen aus unserer Sicht sehr merkwürdigen Facebook-Post abgesetzt hat und damit ganz nebenbei sein Verständnis von Meinungsfreiheit und Demokratie unter Beweis gestellt hat. Aber der Reihe nach…

ZDF-Presseinfo am 4. Dezember – Name „WOLFGANG PETRY“ fehlt

Am vergangenen Mittwoch (4. Dezember)  veröffentlichte das ZDF eine Presseinfo über die diesjährige „Ein Herz für Kinder“-Sendung und nannte dabei auch einige Namen – auffällig ist, welcher Name bei der Kommunikation seitens des Senders fehlte:

Richtig – der Name „Wolfgang Petry“ fehlte. Aus unserer Sicht ganz bewusst – diesen „Paukenschlag“ wollte man offensichtlich der BILD-Zeitung überlassen. Die hat dann am 5. Dezember die Information am späten Abend gebracht. Als erstes Schlagerportal hat Schlagerprofis die Info dann (natürlich unter Angabe der Quelle) HIER weitergegeben. Die BILD-Zeitung, also genau die Zeitung, die offensichtlich als Medienpartner gezielt für die Kommunikation ausgesucht wurde (sonst hätte man ja auch das ZDF informieren lassen können und hätte damit keine Zeitung bewusst bevorzugt), spricht wörtlich von einem „Comeback“ („Wolfgang Petry gibt nach 13 Jahren Pause bei der „Ein Herz für Kinder“- Spendengala sein TV- Comeback – als Pete Wolf„).

Englische Sprache, um „von jedem verstanden zu werden“ – was das mit Donald Trump zu tun hat…

Und auch Johannes B. Kerner hat genau dieses Wort in seiner Ansage verwendet: „…und heute Abend sein Comeback feiert…“ – so wurde der Sänger von Johannes B. Kerner angesagt. Der argumenttiert in seiner Ansage auch, warum Petry äh Pete Wolf auf Englisch singt: „Weil die Botschaft, die er zu verkünden hat, von jedem verstanden werden soll.“ Von JEDEM? Also okay, vielleicht liegen wir ja falsch – aber hat Wolfgang Petry nicht doch eher in Deutschland seine Fans, die ihn besser auf Deutsch verstehen? (Bevor hier wieder jemand, der anscheinend immer nur Recht bekommen hat und mit Kritik nicht umgehen kann, wieder hyperventiliert: Damit meinen wir nicht, dass Wolles Fans der englischen Sprache nicht mächtig sind. Wir meinen damit, dass ein Großteil der Petry-Fans doch eher die deutsche als die englische Sprache beherrschen bzw. vertraut damit sind).

Oder will er gar eine internationale Karriere anstreben? Erhellend ist da ein Interview, das er der Nachrichtenagentur Spot On News gegeben hat, das u. a. HIER zitiert wird. Auf die Frage, ob es nicht ironisch sei, amerikanische Musik auf Englisch zu singen, wo doch gerade Amerika den Planeten durchaus belaste, sagte er: „Gerade deshalb ist es gut für mich, auf Englisch zu singen, um das Übel an der Wurzel zu packen. Auf Deutsch versteht Trump mich ja nicht…“ – Mit anderen Worten ist es ihm wichtiger, von Donald Trump verstanden zu werden als von seinen Fans?

Erste Pete-Wolf-Scheibe ein Riesenflop

Nun ist das Pete-Wolf-Projekt nichts Neues. Unter diesem „Alter Ego“-Namen hat Petry schon einmal ein Album veröffentlicht – mit durchwachsenem „Erfolg“ (für Petry-Verhältnisse ein Riesen-Flop): Am 3. November 2017 ging es auf Platz 65 in die Charts – danach war das Album schon wieder aus den Charts verschwunden – siehe HIER.

Vor diesem Hintergrund haben einige durchaus nennenswerte Branchenvertreter sich Gedanken gemacht, ob die eingefleischten Petry-Fans sich wirklich über englischsprachige wenn man so will „Protestsongs“ freuen würden. Beispielsweise hat Brancheninsider Georg Fischer sich wie folgt geäußert (danke an ihn für die Abdruckgenehmigung): Als Modern Talking wieder kamen, habe ich gefeiert . Als ein Howard Carpendale den Rücktritt vom Rücktritt bekannt gab, empfand ich es „nett“ . Einen  Wolfgang Petry, den ich immer als „echt“ empfand, habe ich bewundert, als er gegangen ist . Ich frage mich, warum er es tut? Ist es die „Sucht“, die in einem Musiker immer da ist? Ich empfinde es nicht als Wahnsinn , sondern eher als SCHADE. Egal, ob unter einem neuen Künstlernamen oder nicht.“

Kuriose Kritik am Wort „Comeback“, das selbst ins Feld geführt wurde

Ganz offensichtlich „schmecken“ solche Statements Wolfgangs Sohn Achim Remling nicht wirklich. Der hat sich zu einem emotionalen Post bei Facebook hinreißen lassen und sich dabei vor seinen Vater gestellt – und das, obwohl es eigentlich gar keine große Kritik an Pete Wolfs TV-„Comeback“ gab. (Dass sich ein Sohn vor seinen Vater stellt bzw. dass man immer zur Familie hält, ist vollkommen normal, dagegen ist sicherlich überhaupt nichts einzuwenden – im Gegenteil…) –  Beispielsweise ist dort zu lesen: „Es ist kein Comeback, wenn er eine Fernsehsendung macht.“ -Ist das nicht etwas scheinheilig? Sowohl die BILD-Zeitung als auch Herr Kerner in seiner Ansage hat den Auftritt genau SO bezeichnet: als C-O-M-E-B-A-C-K. Kein selbst ernannter Experte, kein Kritiker, kein Fan – nein, es haben genau die Kommunikatoren so gesagt, die man höchstselbst ausgesucht hat. Da kann man sich doch nicht allen Ernstes aufregen, wenn jemand dieses Wort verwendet?

Nur Höflichkeitsapplaus nach 13 Jahren TV-Abstinenz

Die weiteren Aussagen des Remling-Posts sind aus unserer Sicht eher uninteressant – man könnte aus den Worten schließen, sich das „Pete-Wolf-Projekt“ zum Erfolg mausern könnte. In ein paar Wochen werden wir sehen, wie gut sich das Album verkauft hat. Eins ist aber sonnenklar: Der Applaus nach 13 Jahren TV-Abstinenz war nicht mal im Ansatz so euphorisch wie der, den der Musical-Cast „Wahnsinn“ beim Schlagerbooom hatte – da wurden die Petry-Songs regelreche abgefeiert, gestern war es nach unserer subjektiven Wahrnehmung eher ein Höflichkeitsapplaus. Wir denken, dass das zweite „Pete-Wolf“-Album ähnlich „erfolgreich“ sein wird wie das Erste – ob die angepeilte Zielgruppe (Donald Trump etc.) wirklich Freude an diesen Rocksongs haben wird, bleibt abzuwarten.

Erstaunlicher „Filter“ bei den Facebook-Kommentaren

Wer übrigens meint, beim zitierten Facebook-Post Achim Remlings fast ausschließlich euphroische Lobhudeleien zu finden, sollte bedenken, dass hier nur Facebook-„Freunde“ zu Wort kommen dürfen. Und da werden offensichtlich Kritiker aussortiert. So geht halt jeder auf seine Weise mit Meinungsfreiheit und Demokratie um – Kritikier „mundtot“ zu machen, ist natürlich eine Möglichkeit – letztlich wird aber das ganze Publikum und nicht nur „Speichellecker“ entscheiden, was erfolgreich ist und was nicht…

Übrigens: Die ZDF-Spendengala „Die schönsten Weihnachtshits“ hatte sowohl von der Zahl der Zuschauer als auch vom Marktanteil her eine bessere Einschaltquote als „Ein Herz für Kinder“ – und das ganz ohne WOLFGANG PETRY… – wobei es bei beiden Sendungen zweifelsohne darum geht, Spendengelder zu generieren. Und genau dieser Zweck wurde ja in beiden Shows erfüllt…

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DRAFI DEUTSCHER – Rückblick: In allen Äras der ZDF-Hitparade konstant erfolgreich 0

Drafi Deutscher im Wandel der Zeit

Einen smago!-Award für je einen Auftritt bei Dieter Thomas Heck, Viktor Worms und Uwe Hübner hat das Berliner Duo CORA erhalten. Wir haben überlegt – gab es da nicht weitere Namen, die beständig oft in Berlin zu Gast waren? Ein Name ist da sicherlich präsent: DRAFI DEUTSCHER war in allen drei Hitparaden-„Äras“ (Heck / Worms / Hübner) konstant erfolgreich – sei es als Sänger, sei es als Komponist.

1960er Jahre (genauer gesagt 1969) Drei Auftritte bei Dieter Thomas Heck

Schon im Oktober 1969 präsentierte Drafi bei der 7. Ausgabe der ZDF-Hitparade sein von Harry Topel geschriebenes Lied „Don Quichotte“ und konnte sich prompt auf Platz 4 platzieren. Kein Wunder – Drafi war schon seit Jahren ein etablierter Schlagerstar, seine Riesenhits „Shake Hands“, „Marmor, Stein und Eisen bricht“ u. a. standen für damals moderne deutsche Beatmusik.

Genau genommen markierte dieser Titel sogar einer der ersten zahlreichen Comeback Drafis, der ein unglaubliches „Stehaufmännchen“ war und dessen musikalischen Fähigkeiten ihn immer wieder an die Spitzen der Hitparaden führten – sei es als Sänger oder auch und vor allem als Komponist. Einen speziellen Fan hat Drafi gehabt. Als Thomas Gottschalk 1986 in der Sondersendung „Na sowas extra“ in einer TV-Show auf die 1960er Jahre zurückblickte, gab es fast keine deutschen Interpreten, die eingeladen wurden – außer eben Drafi Deutscher. Und an genau dieses „Don Quichotte“ erinnerte Gottschalk damals in seiner TV-Show (leider im YouTube-Clip nicht zu sehen, dafür aber der Spaß, den Thomas und Drafi damals hatten):

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1970er Jahre: Ein Auftritt bei Dieter Thomas Heck

Als Sänger trat Drafi Deutscher in den 1970er Jahren recht weit in den Hintergrund, allerdings war er immerhin genau einmal in den 70ern in Berlin zu Gast – am 29. August 1970 präsentierte er seinen Schlager „So viel Glück müsste man haben“, eine Eigenkomposition, die von Textdichterlegende Fred Jay getextet wurde.

Untätig war Drafi in jenen Jahren weiß Gott nicht – er landete als Komponist Riesenhits. „3-mal dabei – bitte nicht wiederwählen!“ – hieß es etwa für Tina Rainford, die 1976/77 mit Drafis Nummer „Silver Bird“ große Erfolge feierte und mit Drafis „Charly Boy“ 1977 noch „einen draufsetzte“. Nicht weniger als fünf-mal schmetterte Bino 1978 den von Drafi komponierten Hit „Mama Leone“ in den Berliner Unionfilm Studios.

1980 bis 1984 (Heck-Ära) Riesenerfolge als Komponist und Comeback als Sänger

Wie gesagt, trat Drafi viele Jahre lang unter seinem Namen nicht als Sänger in Erscheinung. Auch 1983 versteckte er sich in englischer Sprache hinter dem Pseudonym „Masquerade“ und sang „Guardian Angel“. Wer genau hinhörte, erkannte aber, dass sich hinter der Maske Drafi Deutscher versteckte. Und als die deutsche Version „Jenseits von Eden“ ein gigantischer Nummer-Eins-Hit wurde und „Hit des Jahres“ der ZDF-Hitparade, kam auch Drafis Gesangskarriere wieder in Fahrt. Schon der Nino-Hit „Ich sterbe nicht noch mal“ ging übrigens auf Drafis Kappe.

Einen imposanten Erfolg hatte er mit dem Titel „Tief unter meiner Haut“, den er im Mai 1984 in Berlin präsentierte – und sich gleich wieder platziert hat. Bis heute ist der Song ein Evergreen, Sohn René hat dem Titel mit einer aktuellen Version neues Leben eingehaucht. Auch DAS dürfte es in der Geschichte der ZDF-Hitparade selten gegeben haben: Ein Interpret macht mehr als 13 Jahre als Sänger „Pause“ und knüpft nahtlos an alte Erfolge an…

1985 bis 1989 (Worms-Ära)

Als Sänger trat Drafi bei Viktor Worms 4-mal in Erscheinung. Sehr vielen anderen Schlagerstars ist das damals nicht gelungen – zumal Viktor ja die „tolle“ Idee hatte, englischsprachige Nummern in der ZDF-Hitparade einzuführen. Drafi hatte in diesen Jahren Superhits wie „Herz-an-Herz-Gefühl“ (1986), „Das elfte Gebot“ (1988) und „Über Grenzen geh’n“ (1989). Zusammen mit Demis Roussos sang er im Duett „Young Love“ (auf Englisch). Insbesondere die erstgenannten Songs zeigten, wie sehr sich Drafi immer dem Zeitgeist anpasste. Waren zunächst die Wurzeln klar in der gitarrenlastigen Beatmusik, haben nun Synthesizer im New-Wave-Sound die Oberhand in seinen Hits das Regiment übernommen.

Vier weitere Male war Drafi als „Mixed Emotions“ bei Viktor Worms zu Gast – zweimal mit „You Want Love“ und mit den Songs „Bring Back (Sha Na Na)“ und „Sweetheart, Darling, My Dear“. Auch das Duoprojekt passte zum Zeitgeist – Modern Talking hatten damals große Erfolge mit kommerziellen Melodien und einfachen englsichen Texten – das hat Drafi mit gutem handwerklichen Können und großem kompositorischen Geschick sehr gut für sich selber kultivieren können.

Zweimal interpretierte darüber hinaus Andreas Martin die deutsche Version des von Drafi komponierten Hits „You Want Love“ als „Du bist alles“.

1990 bis 2000 (Hübner-Ära)

5-mal als Solist und 4-mal im Duo als „New Mixed Emotions“ mit Andreas Martin trat Drafi Deutscher bei Uwe Hübner auf.

1992 sang er den Titel „Solang aus Liebe“, ein Hit aus dem Album „Wie Ebbe und Flut“, das Drafi zusammen mit Chris Evans schrieb – eine Hymne wie sie damals auch zum ESC gepasst hätte. Als Solist verabschiedete sich Drafi 1996/1997 aus der Hitparade. Nicht weniger als 4-mal(!) präsentierte er seinen religiös angehauchten Hit „Amen“ bei Uwe Hübner und schaffte es damit sogar bis auf Platz 1 – das einzige Mal, dass er mit einem Solotitel Spitzenreiter war.

Das Mixed-Emotions-Projekt mit Oliver Simon war tot, aber Drafi hat mit Andreas Martin eine erfolgreiche Neuauflage geschaffen. 1991 hieß es zunächst „Sensuality“ und dann gleich 3-mal „Lonely Lovers“. Mit letztgenanntem Titel schaffte es Drafi bei Uwe Hübner 1991 sogar auch  Platz 1 der ZDF-Hitparade – ihm ist also das Kunststück gelungen, mit einem deutschen Solo- und mit einem englischsprachigen Duo-Titel Spitzenreiter zu werden – auch das dürfte in der Hitparadengeschichte recht einmalig sein.

Gedenk-Events

Angesichts dieser unglaublichen Erfolge in ALLEN drei Epochen der ZDF-Hitparade ist es eigentlich eine große Überraschung, dass man sich nicht an Drafi zurück erinnert. Nachdem der smago!-Award lieber Lucas Cordalis und Achim Petry ausgezeichnet hat (, obwohl Wolfgang doch noch lebt!?), könnte es ja durchaus denkbar sein, dass Drafis Sohn René bei einer zweiten Ausgabe der ZDF-Jubiläumsgala mit dabei sein könnte? Wir würden es jedenfalls sehr begrüßen…

PS: Das Interview im Beitragsbild bildet die Original-Unterschrift Drafi Deutschers ab

ESC-Kompakt berichtet: 2020 kein Vorentscheid zum ESC 0

Bis heute (20. Januar 2020) hat der NDR nicht kommuniziert, wer Deutschland beim diesjährigen Eurovision Song Contest vertritt. Zugegeben hatten wir vermutet, dass angesichts der Nicht-Nennung eines Termins für den deutschen Vorentscheid vielleicht bei den Schlagerchampions Licht ins Dunkel gebracht werden würde, aber dem war bekanntlich nicht so.

Auch wenn Barbara Schöneberger im vergangenen Jahr auf sozialen Medien mitteilte, für den ESC zu drehen, scheint es diesmal zumindest keinen Vorentscheid zu geben. Das Portal ESC-kompakt findet dafür eine nüchterne einleuchtende Begründung. Die EBU-Deadline für das Einreichen eines Beitrags ist der 9. März 2020. Und das TV-Programm bis Ende Februar steht bereits fest.

Sofern die Vermutung von ESC-kompakt stimmt, wovon wir ausgehen, darf man gespannt sein, wen der NDR ausgesucht hat. Wenn man die „Kompetenz“ der letzten Jahre zugrunde legt, ist in der Tat mit irgendeinem Kandidaten der Casting-Resterampe der Privatsender zu rechnen – schade, früher war der ESC mal ein bedeutender Musik und nicht Trash-Wettbewerb… – aber NOCH bleibt ja ein Funke Resthoffnung.

Quelle: ESC-kompakt

Bild: NDR/EBU