André Rieu – „Happy Days“ ist eine bemerkenswerte „Best Of“-Kopplung 0

Seit Jahrzehnten begeistern André Rieu und sein Johann Strauß Orchester weltweit ein großes Publikum aus allen Generationen und machen einer neuen Zielgruppe klassische Musik in popularisierter Form zugänglich. Anlässlich Rieus 70. Geburtstages wurde am 22.11.2019 die Best-of-CD „Happy Days“ veröffentlicht. Die ausgewählten Lieder stellen einen Querschnitt aus dem vielseitigen Repertoire des Orchester dar. 

Das Album wird mit Schostakowitschs getragenem„Second Waltz“ eröffnet, gefolgt von der vom Namensgeber des Orchesters komponierten „Tritsch-Tratsch-Polka“, die jedoch etwas zu rasant gespielt wird. „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens wurde sehr griechisch arrangiert, mit Bouzuki und einem Akkordeon, das jedoch eher Hafenatmosphäre vermittelt. Irritierend ist der nur im Refrain eingesetzte Chor. Schöner wäre eine getragene, von Streichern dominierte Version dieses Udo-Jürgens-Klassikers gewesen. Mit Robert Stolz wurde mit der Aufnahme von „Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau‘n“ eines weiteren großen österreichischen Komponisten gedacht. 

„Lippen schweigen“ aus Franz Léhars Operette „Die lustige Witwe“ dürfte vor allem dem älteren Publikum gefallen, eben so wie der 50er-Jahre-Schlager „Wochenend‘ und Sonnenschein“. „Amigos para siempre“ von Andrew Lloyd Webber wurde 1992 als Duett von Sarah Brightman und José Carreras veröffentlicht. André Rieus Ensemble verleiht dem ursprünglich poppig arrangierten Lied ein klassisches, von Streichern bestimmtes Arrangement. Ältere Hörer freuen sich sicherlich über Auszüge aus dem Singspiel „Im weißen Rössl“ („Im Salzkammergut, da kamma gut lustig sein“, „Die ganze Welt ist himmelblau“, „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“ usw.). Es folgt der Schlager „Viva España“, dessen Refrain von Rieus Chor begleitet wird.

Auch die Hauptstadt der Musik darf auf dieser Compilation nicht fehlen, vertreten durch „Heut‘ kommen d‘Engerl auf Urlaub nach Wien“. Mit gleich zwei Liedern („I could have danced all night“ und „With a little bit of luck“) wird an das Musical „My fair Lady“ erinnert. Bei letzterem setzt der Chor im Refrain ein. Operettenfreunde kommen sicher mit „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“ aus „Die Csárdásfürstin“ auf ihre Kosten. Auch Fans von Trompetenmusik werden mit „Bugler’s Holiday“ vom Johann Strauß Orchester bedient. Russische Klänge bietet das sehr schön arrangierte „Dorogni dlinnoju“, hierzulande bekannt als „Those were the days my friend“. Mit „Paloma Blanca“ ist auf dem Album ein weiterer Rieu-Klassiker vertreten, der im Refrain vom Chor begleitet wird.

Mit „Die Mädis vom Chantant“ ist ein weiteres Lied aus „Die Csárdásfürstin“ auf der CD vertreten. Fans der Operette „Gräfin Mariza“ freuen sich sicher über die Interpretation von „Komm, Zigány“. Letztes Lied dieser CD ist der als „Rausschmeißer“ in André-Rieu-Konzerten bekannte Stolz-Klassiker „Adieu, mein kleiner Gardeoffizier“. 

Mit dieser Geburtstags-Best-of-CD vereint André Rieu viele bekannte Melodien unterschiedlichster Genres. Dabei sind die meist hervorragenden Arrangements sowie die exzellente Abmischung der einzelnen Stücke, für die André Rieu selbst als Produzent verantwortlich zeichnet. Irritierend ist jedoch, dass der Chor meist nur im Refrain einsetzt, doch dies soll wahrscheinlich den internationalen Charakter der Liedauswahl bewahren. Auch wenn sich Fans vielleicht ein paar neu eingespielte Titel gewünscht hätten, bietet sich diese Zusammenstellung doch als ideales Weihnachtsgeschenk für André-Rieu-Neueinsteiger und Fans zeitgemäß arrangierter Klassik an!

Georg Fuchs

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DRAFI DEUTSCHER – Rückblick: In allen Äras der ZDF-Hitparade konstant erfolgreich 0

Drafi Deutscher im Wandel der Zeit

Einen smago!-Award für je einen Auftritt bei Dieter Thomas Heck, Viktor Worms und Uwe Hübner hat das Berliner Duo CORA erhalten. Wir haben überlegt – gab es da nicht weitere Namen, die beständig oft in Berlin zu Gast waren? Ein Name ist da sicherlich präsent: DRAFI DEUTSCHER war in allen drei Hitparaden-„Äras“ (Heck / Worms / Hübner) konstant erfolgreich – sei es als Sänger, sei es als Komponist.

1960er Jahre (genauer gesagt 1969) Drei Auftritte bei Dieter Thomas Heck

Schon im Oktober 1969 präsentierte Drafi bei der 7. Ausgabe der ZDF-Hitparade sein von Harry Topel geschriebenes Lied „Don Quichotte“ und konnte sich prompt auf Platz 4 platzieren. Kein Wunder – Drafi war schon seit Jahren ein etablierter Schlagerstar, seine Riesenhits „Shake Hands“, „Marmor, Stein und Eisen bricht“ u. a. standen für damals moderne deutsche Beatmusik.

Genau genommen markierte dieser Titel sogar einer der ersten zahlreichen Comeback Drafis, der ein unglaubliches „Stehaufmännchen“ war und dessen musikalischen Fähigkeiten ihn immer wieder an die Spitzen der Hitparaden führten – sei es als Sänger oder auch und vor allem als Komponist. Einen speziellen Fan hat Drafi gehabt. Als Thomas Gottschalk 1986 in der Sondersendung „Na sowas extra“ in einer TV-Show auf die 1960er Jahre zurückblickte, gab es fast keine deutschen Interpreten, die eingeladen wurden – außer eben Drafi Deutscher. Und an genau dieses „Don Quichotte“ erinnerte Gottschalk damals in seiner TV-Show (leider im YouTube-Clip nicht zu sehen, dafür aber der Spaß, den Thomas und Drafi damals hatten):

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1970er Jahre: Ein Auftritt bei Dieter Thomas Heck

Als Sänger trat Drafi Deutscher in den 1970er Jahren recht weit in den Hintergrund, allerdings war er immerhin genau einmal in den 70ern in Berlin zu Gast – am 29. August 1970 präsentierte er seinen Schlager „So viel Glück müsste man haben“, eine Eigenkomposition, die von Textdichterlegende Fred Jay getextet wurde.

Untätig war Drafi in jenen Jahren weiß Gott nicht – er landete als Komponist Riesenhits. „3-mal dabei – bitte nicht wiederwählen!“ – hieß es etwa für Tina Rainford, die 1976/77 mit Drafis Nummer „Silver Bird“ große Erfolge feierte und mit Drafis „Charly Boy“ 1977 noch „einen draufsetzte“. Nicht weniger als fünf-mal schmetterte Bino 1978 den von Drafi komponierten Hit „Mama Leone“ in den Berliner Unionfilm Studios.

1980 bis 1984 (Heck-Ära) Riesenerfolge als Komponist und Comeback als Sänger

Wie gesagt, trat Drafi viele Jahre lang unter seinem Namen nicht als Sänger in Erscheinung. Auch 1983 versteckte er sich in englischer Sprache hinter dem Pseudonym „Masquerade“ und sang „Guardian Angel“. Wer genau hinhörte, erkannte aber, dass sich hinter der Maske Drafi Deutscher versteckte. Und als die deutsche Version „Jenseits von Eden“ ein gigantischer Nummer-Eins-Hit wurde und „Hit des Jahres“ der ZDF-Hitparade, kam auch Drafis Gesangskarriere wieder in Fahrt. Schon der Nino-Hit „Ich sterbe nicht noch mal“ ging übrigens auf Drafis Kappe.

Einen imposanten Erfolg hatte er mit dem Titel „Tief unter meiner Haut“, den er im Mai 1984 in Berlin präsentierte – und sich gleich wieder platziert hat. Bis heute ist der Song ein Evergreen, Sohn René hat dem Titel mit einer aktuellen Version neues Leben eingehaucht. Auch DAS dürfte es in der Geschichte der ZDF-Hitparade selten gegeben haben: Ein Interpret macht mehr als 13 Jahre als Sänger „Pause“ und knüpft nahtlos an alte Erfolge an…

1985 bis 1989 (Worms-Ära)

Als Sänger trat Drafi bei Viktor Worms 4-mal in Erscheinung. Sehr vielen anderen Schlagerstars ist das damals nicht gelungen – zumal Viktor ja die „tolle“ Idee hatte, englischsprachige Nummern in der ZDF-Hitparade einzuführen. Drafi hatte in diesen Jahren Superhits wie „Herz-an-Herz-Gefühl“ (1986), „Das elfte Gebot“ (1988) und „Über Grenzen geh’n“ (1989). Zusammen mit Demis Roussos sang er im Duett „Young Love“ (auf Englisch). Insbesondere die erstgenannten Songs zeigten, wie sehr sich Drafi immer dem Zeitgeist anpasste. Waren zunächst die Wurzeln klar in der gitarrenlastigen Beatmusik, haben nun Synthesizer im New-Wave-Sound die Oberhand in seinen Hits das Regiment übernommen.

Vier weitere Male war Drafi als „Mixed Emotions“ bei Viktor Worms zu Gast – zweimal mit „You Want Love“ und mit den Songs „Bring Back (Sha Na Na)“ und „Sweetheart, Darling, My Dear“. Auch das Duoprojekt passte zum Zeitgeist – Modern Talking hatten damals große Erfolge mit kommerziellen Melodien und einfachen englsichen Texten – das hat Drafi mit gutem handwerklichen Können und großem kompositorischen Geschick sehr gut für sich selber kultivieren können.

Zweimal interpretierte darüber hinaus Andreas Martin die deutsche Version des von Drafi komponierten Hits „You Want Love“ als „Du bist alles“.

1990 bis 2000 (Hübner-Ära)

5-mal als Solist und 4-mal im Duo als „New Mixed Emotions“ mit Andreas Martin trat Drafi Deutscher bei Uwe Hübner auf.

1992 sang er den Titel „Solang aus Liebe“, ein Hit aus dem Album „Wie Ebbe und Flut“, das Drafi zusammen mit Chris Evans schrieb – eine Hymne wie sie damals auch zum ESC gepasst hätte. Als Solist verabschiedete sich Drafi 1996/1997 aus der Hitparade. Nicht weniger als 4-mal(!) präsentierte er seinen religiös angehauchten Hit „Amen“ bei Uwe Hübner und schaffte es damit sogar bis auf Platz 1 – das einzige Mal, dass er mit einem Solotitel Spitzenreiter war.

Das Mixed-Emotions-Projekt mit Oliver Simon war tot, aber Drafi hat mit Andreas Martin eine erfolgreiche Neuauflage geschaffen. 1991 hieß es zunächst „Sensuality“ und dann gleich 3-mal „Lonely Lovers“. Mit letztgenanntem Titel schaffte es Drafi bei Uwe Hübner 1991 sogar auch  Platz 1 der ZDF-Hitparade – ihm ist also das Kunststück gelungen, mit einem deutschen Solo- und mit einem englischsprachigen Duo-Titel Spitzenreiter zu werden – auch das dürfte in der Hitparadengeschichte recht einmalig sein.

Gedenk-Events

Angesichts dieser unglaublichen Erfolge in ALLEN drei Epochen der ZDF-Hitparade ist es eigentlich eine große Überraschung, dass man sich nicht an Drafi zurück erinnert. Nachdem der smago!-Award lieber Lucas Cordalis und Achim Petry ausgezeichnet hat (, obwohl Wolfgang doch noch lebt!?), könnte es ja durchaus denkbar sein, dass Drafis Sohn René bei einer zweiten Ausgabe der ZDF-Jubiläumsgala mit dabei sein könnte? Wir würden es jedenfalls sehr begrüßen…

PS: Das Interview im Beitragsbild bildet die Original-Unterschrift Drafi Deutschers ab

ESC-Kompakt berichtet: 2020 kein Vorentscheid zum ESC 0

Bis heute (20. Januar 2020) hat der NDR nicht kommuniziert, wer Deutschland beim diesjährigen Eurovision Song Contest vertritt. Zugegeben hatten wir vermutet, dass angesichts der Nicht-Nennung eines Termins für den deutschen Vorentscheid vielleicht bei den Schlagerchampions Licht ins Dunkel gebracht werden würde, aber dem war bekanntlich nicht so.

Auch wenn Barbara Schöneberger im vergangenen Jahr auf sozialen Medien mitteilte, für den ESC zu drehen, scheint es diesmal zumindest keinen Vorentscheid zu geben. Das Portal ESC-kompakt findet dafür eine nüchterne einleuchtende Begründung. Die EBU-Deadline für das Einreichen eines Beitrags ist der 9. März 2020. Und das TV-Programm bis Ende Februar steht bereits fest.

Sofern die Vermutung von ESC-kompakt stimmt, wovon wir ausgehen, darf man gespannt sein, wen der NDR ausgesucht hat. Wenn man die „Kompetenz“ der letzten Jahre zugrunde legt, ist in der Tat mit irgendeinem Kandidaten der Casting-Resterampe der Privatsender zu rechnen – schade, früher war der ESC mal ein bedeutender Musik und nicht Trash-Wettbewerb… – aber NOCH bleibt ja ein Funke Resthoffnung.

Quelle: ESC-kompakt

Bild: NDR/EBU